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Zu viel Nitrat im Wasser

7. Juli 2019/in Kevelaer, Nachbarschaft/von Kevelaerer Blatt

Der VSR-Gewässerschutz e.V musste erneut Bürgern mitteilen, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält. Viele Menschen kamen in der Hoffnung, dass ihr Brunnenwasser nicht von den Nitratbelastungen betroffen ist, an den Informationsstand am 8. Mai in Weeze.
Jeder sechste Brunnenbesitzer musste erfahren, dass der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter in seinem Brunnen überschritten ist.
Insgesamt wurde das Wasser von 59 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Weeze – Goch – Uedem – Kevelaer analysiert. Ein Grund für die hohen Belastungen ist die intensive Landwirtschaft. Diese hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter ausgebreitet. Die bisherigen Düngeverordnungen ermöglichten der Agrarindustrie, zu wachsen und ihre landwirtschaftlichen Flächen auf Kosten der Umwelt zu überdüngen“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.
Die umweltverträgliche Form der Landwirtschaft, zu der viele bäuerliche Betriebe zählen, verschwinden dagegen immer mehr. Die Gewässerschutzorganisation rät Bürgern, bei ihrem Einkauf bewusst darauf zu achten, dass die Produkte von Landwirten stammen, welche die Nitratbelastungen ernst nehmen.
Dipl. Phys. Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-Gewässerschutz und Milan Toups, Bundesfreiwilliger, fanden bei den Untersuchungen über 300 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Weeze. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Goch mit 80 Milligramm pro Liter (mg/l), in Hülm mit 138 mg/l, in Hees mit 205 mg/l, in Wemb mit 75 mg/l und in Winnekendonk mit 67 mg/l fest.
Ärgerlich ist insbesondere, dass das Wasser nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeignet ist. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen. Auch beim Gießen des selbst angebauten Gemüses sollte das Brunnenwasser nicht zu einer Nitratanreicherung führen.
Der einzelne Brunnenbesitzer kann eine Anreicherung vermeiden, wenn er die Nitratbelastung des Brunnenwassers in die Düngeberechnung einbezieht. Wer den Termin am Labormobil verpasst hat, kann auch eine Wasserprobe am Montag, 15. Juli, von 10 bis 12 Uhr in der Geschäftsstelle in Geldern, Egmondstraße 5, abgeben oder auch mit der Post zusenden.
Die Nitratbelastung im Grundwasser blieb aufgrund von zu laschen Düngeverordnungen unverändert hoch. „Die Agrarlobby sorgte über Jahrzehnte dafür, dass so gedüngt werden durfte, dass auf den Feldern die höchst möglichen Erträge erzielt werden können und die Gülleentsorgung der Massentierhaltungen möglichst geringe Kosten verursacht“, so Susanne Bareiß-Gülzow.
So wurden auch im Raum Weeze viel zu hohe Düngemengen aufgebracht. Durch die Entwicklung in der Landwirtschaft zu immer größeren Betrieben, in denen Investoren die Vorgaben machen, kam ein extremer Preisdruck auf die bäuerliche Landwirtschaft zu. Teilweise versuchte diese, mit den großen Betrieben mitzuhalten und genau so günstig zu produzieren. Leider kam es dadurch ebenfalls zu starken Grundwassserbelastungen. Doch eine regionale Vermarktung stellt nun für diese Betriebe eine gute Chance dar, wieder stärker die Lebensmittelqualität und eine umweltverträgliche Landwirtschaft in den Vordergrund zu stellen.
Gerade die vielen Massentierhaltungen und ihre enorme Belastung für das Grundwasser wollen viele Menschen nicht mehr unterstützen und kaufen ihre Produkte bei ihrem heimischen Landwirt, mit dem sie im Kontakt stehen. Das sind bäuerliche Betriebe mit weniger Tieren.
Das Futter wird selbst oder von anderen Landwirten in der Region angebaut. Viele dieser Höfe haben inzwischen auch auf ökologischen Landbau umgestellt. Der direkte Einkauf beim Landwirt wird immer beliebter – die Menschen fahren zum Hofladen, auf den Markt oder lassen sich Lebensmittel nach Hause liefern. Die anderen achten beim Einkauf im Discounter darauf, dass die Produkte aus der heimischen, bäuerlichen Landwirtschaft stammen.
Viele Menschen kaufen auch bewusst ökologische Produkte. Hier gelten strengere Regeln bezüglich der Tierhaltung und der Düngung auf den Feldern. Der VSR-Gewässerschutz ruft dazu auf, bewusster einzukaufen und so Einfluss darauf zu nehmen, wie unsere Landwirtschaft aussieht.

Schlagworte: Leben, Nitratbelastung, Umwelt, Wasser
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