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Johannes Rath war mit seiner Drehorgel im Katharinenhaus zu Gast

Uraufführung des Heimatliedes

Die Bewohner*innen des Katharinenhauses in Winnekendonk durften in der Vergangenheit ja bereits des Öfteren in den Genuss musikalischer Darbietungen kommen. Was nun in dieser Woche im Garten des Seniorenheims wartete, fiel aber doch etwas aus der Reihe.

Die Sopranistin und Pianistin Annja Rossmann verlässt Kevelaer

Die Begeisterungsfähige

Inmitten von Umzugskartons und Noten setzt sich Annja Rossmann an das Klavier und spielt ein paar Minuten. Während des Spiels hat man das Gefühl, dass sie die Tasten eher streichelt als spielt, weil es ihr so leicht von den Händen geht. Annja Rossmann ist ein echtes Kevelaerer Mädchen. Abgesehen von ihrer Studienzeit in Köln lebt sie seit ihrer Geburt in der Marienstadt, wuchs als eines von vier Kindern in einem bürgerlichen Bildungsumfeld auf.

Den Glauben virtuell bewahren

Es herrschte eine entspannte Stimmung, als sich Annja Rossmann, Tom Löwenthal, Björn Völlings und Nicole Kraft-Englich gemeinsam mit Pfarrerin Karin Dembek verteilt im Kirchenraum auf die Aufnahmen vorbereiteten. „Ihr seid so weit weg, und so muss nur ich mit meinen Haaren vor die Kamera“, scherzte die Pfarrerin in Richtung der beiden Musiker*innen, die sich auf der Empore an der Orgel auf ihren Einsatz vorbereiteten. „Das liegt an der Orgel. Das hat nix mit den Haaren zu tun. Und wer schöner sein will als wir, ist nur geschminkt“, rief Rossmann lachend herunter – und war dann später doch „sichtbar“ für die Zuschauer*innen vor der Kamera. Zu Beginn sei das alles mit den Aufnahmen schon seltsam gewesen, gab Löwenthal zu. „Wir haben uns dran gewöhnt“, sagte der Chorleiter und Musiker. „Und wir haben Spaß.“  

Rossmann, die mit Gesang und Flöte die musikalischen Beiträge des Online-Gottesdienstes mit gestaltet, sah das ähnlich pragmatisch: „Es ist trotzdem so, als wären die Leute hier, weil sie am Bildschirm sitzen. In dem Moment, wo ich musiziere, denke ich an die Menschen, die zuhören. Wo sie zuhören, ist mir nicht so wichtig.“

In der Zeit direkt nach Beginn des ersten Shutdowns habe man mitbekommen, „dass das mit dem Online viele machen“, erzählte Pfarrerin Karin Dembek. „Und wir fragten uns: können wir das auch?“ Mit einem einfachen Stativ und dem Handy ging es los. „Da war sicher noch vieles sehr steif“, meint sie im Nachhinein. Dann kam Björn Völlings mit einem besseren Stativ, ein paar Anregungen – und so spielte sich das Ganze ein.

Die Aufnahme beginnt

Völlings justierte Stativ und Handy, gab Karin Dembek letzte Anweisungen. „Ich bleibe zum Kyrie-Gebet am Altar stehen. Dann komme ich nach vorne“, verständigten sich die zwei auf die Vorgehensweise. „Das ist ja abgespeckte Form, aber es ist schöner, wenn wir gemeinsam beten. Man sieht uns zwar nicht, aber hört uns“, sagte Völlings und bat die Küsterin Nicole Kraft-Englich, die über die Reihenfolge wachte, das „Vaterunser“ lautstark mitzubeten. 

Das Gute an der Zusammenarbeit sei, dass man alles bespreche, meinte Völlings. „Wir sind in dem Team hier oft zusammen. Selten kommt jemand extern dazu. Da ist es dann etwas wuschig, weil die das nicht gewohnt sind. Da haben wir mal ein, zwei Takes. Aber hier im Team schaffen wir es auch mal, ohne Cut zu drehen.“ Eine zweite Kamera für die Musiker*innen – das wäre mit Beleuchtung und Aussteuerung viel zu viel Aufwand, waren sich alle einig. 

Und so startete das Team am vergangenen Freitag: Rossmann intonierte nahe des Altars „Lobet den Herren“, und Dembek begrüßte die Gemeinde zur Online-Andacht  „für den Sonntag Invokavit.“ In Sachen Absprache herrschte dann ein paar Minuten später beim Erklingen einer von Tom Löwenthal mitgebrachten Melodie Verwirrung. 

„Am einfachsten wäre es, wir machen nach dem Eingangsgebet, was wir aufgenommen haben, einen Schnitt“, ordnete Nicole Kraft-Englich die Situation. „Wir machen da einfach weiter, wo wir gerade waren.“ Ihr fiel die Aufgabe wie immer zu, später das Video zusammenzuschneiden. „Das habe ich mir in der Zeit erarbeitet“, verwies sie auf die Tatsache, dass sie mit Sachen wie Videoschnitt zuvor relativ wenig zu tun hatte. „Aber das läuft mittlerweile alles tippi-toppi.“

Aufnahme war im Kasten

Zur Predigt schritt Dembek dann ganz nah an die Kamera, hob nach dem gemeinsamen Gebet noch die Hände zum Segen und schritt aus dem Bild. „Alles fertig“, konnte Völlings der coronakonform platzierten Mannschaft das Signal geben, dass alles im Kasten war. 

Es sei „nach wie vor merkwürdig, in eine leere Kirche reinzugucken“, gestand die Pfarrerin beim Verlassen des Kirchenraumes. „Es wäre schon schön, eine Antwort zu haben, wobei die Präsenzgottesdienste, die wir hatten, auch ohne Gesang vonstatten gingen“, sah sie die Besonderheit der Zeit auch unter analogen Bedingungen – ohne Abendmahl und konkretem Austausch. „Die Gemeinde hat da halt wenig Möglichkeiten, sich am Gottesdienst zu beteiligen. Das finde ich nach wie vor schräg.“ Das mache so ein Format wie dieses sogar fast noch angenehmer – weil wenigstens ein paar Menschen konkret dabei sind. „Und im Miteinander macht es schon Spaß.“ Immerhin habe man bei 21 ausgestrahlten Gottesdiensten 3809 Klicks verzeichnen können. Das sei schon eine ganz gute Rückkopplung, auch wenn man nicht wisse, wer da so alles von wo aus guckt. „Ich schicke das teilweise auch per WhatsApp-Gruppe herum“, sagte Dembek. „Im Januar sind die Gottesdienste erfahrungsgemäß recht zäh – da hatten wir an die 160 Klicks.“ So viele Menschen hätte man im Januar in den Gottesdiensten sicher nicht in der Kirche gesehen.  

Am Dienstag werde man einen Kindergottesdienst aufnehmen, erzählte die Pfarrerin. Wie es insgesamt weitergehe, da zuckte sie mit den Schultern. „Ich hoffe, dass wir im Sommer zu einer Normalität zurückkehren, obwohl ich letztes Jahr auch schon enorm optimistisch war.“ Dann wolle man einmal im Monat auf jeden Fall für diejenigen, die nicht kommen, eine Aufnahme ins Netz stellen. Und zu Ostern hofft Dembek, dass man zumindest Ostersonntag einen Gottesdienst „Open Air“ ausrichten kann. Bei Karfreitag habe man die Online-Variante im Blick. „Aber man kann halt gar nichts planen.“

v.l.: Annja Rossmann, Tom Löwenthal, Pfarrerin Karin Dembek, Björn Völlings, Nicole Kraft-Englich.

„Eigentlich wollte ich schon nach zehn Jahren aufhören“

Als Ellen Killewald am Wochenende von ihrer Tochter unter einem Vorwand in die Kirche gelockt wurde, ahnte die Winnekendonkerin noch nichts von der Überraschung, die ihre Kinder für sie vorbereitet hatten. Denn eigentlich, verrät die 87-Jährige, möge sie es gar nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Da kam sie nun allerdings nicht mehr dran vorbei. In einem Gottesdienst wurde am Samstag ihre 50-jährige Tätigkeit in der Kirchenmusik gefeiert – gekrönt von der Übergabe der Cäcilien-Medaille, die vom Bistum Münster in Anerkennung für ihre Verdienste verliehen wird. Ihre Begeisterung für die Musik entdeckte Killewald bereits in Kinderjahren. Ihr Lehramtsstudium sowie die Tätigkeit als Musiklehrerin rückten die Musik immer weiter in den Lebensmittelpunkt.

Mit elf Jahren begann Ellen Killewald, die in Bingen am Rhein aufwuchs, Klavier zu spielen. Mit 16 Jahren kam sie an die Orgel und entschied sich nach dem Abitur, in Mainz zu studieren – Musik und Englisch auf Lehramt, Orgel im Hauptfach. Einige Jahre nach ihrer Referendariatszeit lernte sie im Jahr 1966 mit Anfang 30 ihren zukünftigen Mann Heinz Killewald kennen, der zu dieser Zeit in Dinslaken wohnte. Intensiv wurde der Kontakt zwischen ihnen im Jahr darauf. „Im Mai war ich dann zum ersten Mal in Dinslaken. Im August haben wir standesamtlich geheiratet und im Oktober kirchlich“, kann sich die heute 87-Jährige ein Schmunzeln nicht verkneifen. Mit dieser Begegnung trat allerdings nicht nur ein Mann, sondern mit ihm sieben Kinder in ihr Leben – vier Töchter und drei Söhne, die Heinz Killewald mit seiner früh verstorbenen Frau bekommen hatte. Zwei Töchter bekamen Ellen und Heinz Killewald noch gemeinsam und ließen ihre Familie damit auf neun Kinder wachsen.

Umzug nach Altwetten

Durch die damalige Tätigkeit ihres Mannes auf Schloss Wissen bot sich 1970 für die Familie die Möglichkeit, nach Altwetten zu ziehen. Mit dem Umzug begann für Ellen Killewald, die sich vorher bereits in der Kirchenmusik engagiert hatte, der aktive Einstieg in den Dienst. 

Da die Wettener Kirche für sie damals nur schwer zu erreichen war, orientierte sich die Familie nach Winnekendonk. „Wir müssen uns irgendwo anschließen“, sei damals ihr Gedanke gewesen. Bei den Kirchenmusiker*innen sprach sich die Ausbildung der Zugezogenen schnell herum: „Man wusste ziemlich schnell, dass ich vom Fach bin“, erzählt Killewald. Nachdem sie dann an einem Weihnachtsfeiertag den Chorleiter und Organisten vertrat, war sie bereits mitten im Geschehen. Ab dem 1. Februar 1971 war sie nebenamtlich als Organistin und Chorleitung in Winnekendonk dabei. „Eigentlich wollte ich schon nach zehn Jahren aufhören“, erinnert sich Killewald und kann auch hierbei ein Schmunzeln nicht verbergen. „Ich wollte ein bisschen freier sein.“ Ihre Mithilfe aber wurde immer wieder dankend angenommen. 

Der Plan ging nicht auf

Während sie schließlich von 1972 bis 1976 an der Winnekendonker Grundschule zweimal in der Woche Musik unterrichtete, vereinte die heute in Winnekendonk lebende Frau eine beachtliche Anzahl an Aufgaben im Alltag: Neben dem Haushalt kümmerte sie sich um neun Kinder, war Ehefrau, Lehrerin und Kirchenmusikerin. Letztere Tätigkeit gab sie am 1. April 1987 in Winnekendonk auf. Die gewonnene Freizeit sollte allerdings nicht lange währen.

„Nach vier Wochen stand der Pastor von Wetten auf der Matte und wollte mich für Wetten anheuern“, erzählt Killewald. Nachdem sie erst kurz zuvor in Winnekendonk aufgehört hatte, habe sie das Angebot nicht annehmen wollen. In den kommenden Jahren hätten in Wetten dann fünf Organistenwechsel stattgefunden. Und wer hätte da eine bessere Vertretung abgegeben als Ellen Killewald? So blieb sie der Kirchenmusik viele weitere Jahre treu und engagierte sich auf Beerdigungen, Trauungen, Taufen und Co. Dabei ging es für sie oft über die Ortsgrenzen hinaus. Mit den Jahren sei sie in Kevelaer und all seinen Ortschaften aktiv gewesen, erzählt Killewald, die am 16. Februar 2021 ihren 88. Geburtstag feiert.

Die Leidenschaft blieb

Und heute? Ja, tatsächlich hat die Winnekendonkerin bis heute keinen Abschluss mit der Kirchenmusik gefunden. Sie sitze immer noch an der Orgel, „wenn Not am Mann ist. Ich spiele gerne.“ Diese Leidenschaft bescherte ihr dann vor drei Jahren, mit 85 Jahren, noch einen Arbeitsvertrag mit der Kirche – auf nebenamtlicher Honorarbasis – der in diesem Jahr ausläuft; ein Grund für Ellen Killewald, mit 88 Jahren dem Orgelspiel den Rücken zu kehren? Auf keinen Fall. Denn eine mögliche Vertragsverlängerung werde sie nicht ausschlagen.

Bei Neurotox sitzt ein Kevelaerer am Schlagzeug

Mike Püllen ist nicht nur Autolackierer , sondern auch Drummer der Niederrhein-Punkrockband „Neurotox“. Das Quartett ist mit seiner aktuellen Platte erstmals in den Top 100 der Album-Charts gelandet.

Püllen und der Bassist Mario Welter, der jetzt in Straelen lebt, kannten sich schon, da war der Kevelaerer noch nicht Mitglied von Neurotox. „Ich kannte seinen Vater ganz gut, der ging mir mit dem Satz ‚Mein Sohn spielt Schlagzeug‘ auf den Senkel“, erinnert sich Welter. „Sein Elternhaus war 50 Meter von mir weg. Er saß neben mir im Schulbus. Ich fuhr und er war das Schulkind.“ Der Busfahrer ist heute Busunternehmer, Püllen ein Autolackierer und beide verbindet die Leidenschaft für Musik und die gemeinsame Band.

2012 wurde Welter von einer Rheinberger Band „reingeholt“, in der sich nach und nach personelle Veränderungen ergaben. Gitarrist Marius Stark aus Hamminkeln, mit dem Welter erst Heavy Metal spielte und später “aus Jux“ Deutschrock coverte, und der Gindericher Sänger Benjamin Götzken stießen dazu. Der Kern von „Neurotox“ war zusammen.

Es fehlte nur noch ein fähiger Schlagzeuger. Die ersten beiden Drummer blieben nicht lange. 2015 traf Welter zufällig Mike Püllen bei einer Fahrt nach Frankfurt an der Raststätte Medenbach. „Hey , ich bin der Mike und spiele Schlagzeug“, sagte der heute 30-Jährige selbstbewusst. Welter erinnerte sich an den jungen Mann aus früheren Zeiten. Und die Begegnung blieb Welter im Gedächtnis, als der Schlagzeuger, den er Püllen vorgezogen hatte, ausstieg: „Ich hab Mike zehn Sekunden später angerufen.“

Der hatte bis dahin nur mit dem Vater gespielt, war mit einem DJ live aufgetreten. „Die Band hatte ich ja auf dem Schirm“, sagt er heute. Er musste nicht lange überlegen. „Da hatte ich Bock drauf.“ Und so wurde Püllen im Januar 2018 Mitglied der Band „Neurotox“.

Es gebe keine Band, wo ein Mitglied so schnell von den Fans angenommen worden sei, sagt Mario Welter. „Er war das Mosaikstück, das noch gefehlt hat.“ Einen Monat nach dem Einstieg sollte der Neuling gleich ein Set mit 16 Songs live performen. „Wenn Fehler passieren, dann ist er Schuld“, gab der Bassist vorher dem Publikum preis. Das hatte einen dreifachen Schlachtruf für den Drummer parat. Danach war das Eis zu den Fans gebrochen. „Das hat so eingeschlagen – es gab ‚Wir lieben Dich, Mike‘ T-Shirts“, einnert sich Mario Welter.

Von der ersten Probe an habe die Chemie gepast. „Das ist wie ein Kegelclub, man blödelt , hat viel Spaß und die Leute merken das“, sagt Mike Püllen nicht ohne Stolz. Für die Songs ist Gitarrist Marius verantwortlich zu „Themen, die uns bewegen“, sagt Welter. Das geschieht manchmal auch auf „Zuruf“ von Seiten der Kollegen. „Ich wollte mal einen Song, wo die Zeile ‚Scheißegal – Mutti hat mich trotzdem immer lieb‘ auftaucht“, erzählt Püllen. Der Wunsch erfüllte sich. „Wir sind keine Witzkapelle, aber eine mit Humor“, ergänzt Welter.

Dass man sie mit Bands wie den Toten Hosen oder den Ärzten vergleicht, ist der Band nicht unrecht. „Wir haben uns aber nie in einer Schublade gesehen“, sagt Mario Welter. Deutschrock sei es auf jeden Fall. Man klinge aber schon „eine gute Schippe härter und schneller“, auch wenn es langsame Songs gebe.

Für die Vier ging es auf Touren durch Deutschand, Österreich, der Schweiz. „Es gibt „tolle Leute in der Szene, viel Toleranz und Fans, die der Band auf ihren Konzerten nachreisen“, sagen beide übereinstimmend.

2019 eröffneten sie das Natzer Alpenflair-Festival in Südtirol. Auf einer Nebenbühne standen gut 2.500 Menschen vor ihnen. “Mir war das Ausmaß nicht bewusst“, denkt Püllen gerne daran zurück. Gemeinsam mit Bands wie „Kärbholz“ zu so einem Festival zu fahren und Musik zu machen, das sei für ihn „wie Urlaub. Und dafür kriegst Du auch noch Geld.“

Autokino-Konzerte

2020 präsentierte sich die Band wegen Corona verstärkt im Netz und organisierte mit „Kärbholz“ diverse Challenges. „Wir haben mit deren Manager dann mal geredet: „Was hälst Du von Autokino?“ Der lachte erst, dann meinte er: „Keine schlechte Idee.“ Und so spielte das Quartett mit „Kärbholz“ vier Autokino-Konzerte in Karlsruhe, Hamburg-Effzeh und Meinerzhagen. Und den September nutzte man für eine Mini-Clubtour.

Aktuell hat die Band mit „Egal was kommt“ ihr viertes Album draußen. Eigentlich sollte es schon letzten Sommer rauskommen. „Auf der Platte geht es quasi komplett um Corona“, sagt Bassist Welter. Die Botschaft der Band: „Wir machen weiter“ und „Diese Platte soll ein Mutmacher sein.“

Dazu laden Songs ein wie „Auf all meinen Wegen“, der Favorit von Mike Püllen oder auch „Nächte auf Scherben“, der davon berichtet, was man alles in den letzten Jahren erlebt hat. Die Platte fasse die Band „so zusammen wie wir sind“, sind sich beide Musiker einig.
Vielleicht ist es dieser besondere Spirit, der die Band mit der Platte kurzfristig auf Platz 87 der Album-Charts gebracht hat: als ersten kleinen kommerziellen Lohn vielleicht für die Investition in selbst prodizierte Videos – und fürs Dranbleiben.

„Das ist nett, weil man ja nicht mit der Aussage Richtung Charts marschiert“, meint Welter. Zumal man 200 CDS für treue Fans vorab aus dem Verkauf herausgenommen und als Sonder-Fanbox mit T-Shirts, Fotobuch und weitere Accessoires per Post versandt hat. „Als die Plattenfirma angerufen hat, haben wir uns schon gefreut wie kleine Kinder“, gibt Püllen freimütig zu.

Ob sie sich 2021 aber ihren größten Wunsch erfüllen können, wird man sehen. „Einfach mal wieder vor Menschen spiele – ob vor zehn , vor hundert oder vor tausend. Es ist wichtig, wieder nahbar zu sein. Und wir wollen uns bedanken“, sagt der Kevelaerer Drummer. Sein Bandkollege formuliert es direkter: „Ich will wieder schwitzen mit den Kumpels, ein bisschen einen im Tee haben bei 35 Grad und ein echtes Punkrock-Konzert erleben.“

„Musik ist für mich selbst immer die Hauptsache“

Auch für einen Künstler wie Tom Löwenthal ist die Corona-Zeit eine Besondere. „Musik ist für mich selbst immer die Hauptsache“, sagt der vor kurzem 67 Jahre alt gewordene niederländische Komponist, Chorleiter und langjährige Kevelaerer. „Aber jetzt in der Corona-Zeit merke ich, man braucht das Zusammensein und das Singen, ein Gläschen Wein danach, die sozialen Kontakte. Das braucht man wie Wasser und Luft.“ Vorher habe er das nicht so stark empfunden, wie das jetzt der Fall sei. „Die Leute vermissen das alle. Die Leute möchten gerne zusammen singen und zusammen sein, ich spüre das an den Reaktionen.“

Auch für ihn selbst ist es „ganz komisch. Da ist kein Chor mehr, kein Theaterchor Niederrhein, auch mein Chor in Uedemerbruch ist seit Monaten in Ruhestand‘. Das ist ganz fremd.“ Das Komponieren fällt einem Mann, der ansonsten viel Energie und Enthusiasmus in seine Arbeit wirft, in dem aktuellen Umfeld doch ein Stück schwerer. „Ja, sicher beeinflusst mich das. Gestern habe ich mit einem Kollegen gesprochen, dem Kirchenmusiker Antoine Oomen, der ist auch in Deutschland bekannt. Der hat das Gleiche wie ich: Wenn man keinen Chor hat, ist es kompliziert. Man weiß nicht, wofür man was schreiben muss, wenn man keine Vision hat, dass das von denen und denen dann auch gesungen wird.“

Es lägen zwar Aufträge vor – wie im Zusammenhang mit dem großen niederländischen Theologen und Dichter Huub Osterhuis. Und mit seinem kongenialen Partner Peter van Aar, der momentan auch nicht so viel machen kann, will er gerne „eine Oper, ein Musiktheater schreiben.“ Auch für den Theaterchor Niederrhein hat er noch eine Idee im Sinn. Aber „es geht alles slow motion“, lächelt Löwenthal verhalten. „Es wird alles etwas langsamer, man wird bequemer.“

Alle zwei Wochen über die Grenze

Aktuell hält sich Löwenthal häufiger in den Niederlanden auf, was natürlich auch Pendeln zwischen den Ländern zur Folge hat. „Für die evangelische Kirche komme ich einmal in 14 Tagen, singe mit Anja Rossmann für Videoaufnahmen mit Karin Dembek.“ Über die Online-Gottesdienste könne die Gemeinde wenigstens ein bisschen ihren Glauben leben.    

Er bekommt gut mit, wie das Thema Corona auf der anderen Seite der Grenze so gehandhabt wird. „Die Holländer denken, dass sie damit umgehen können. Und Rutte (der niederländische Ministerpräsident, Anm. d. Red.) hat von einem „intelligenten Lockdown zwei“ gesprochen. Aber das ist natürlich Quatsch. Man muss streng sein.“ Bislang habe er beim Übertreten der Grenze mit seiner deutschen Plakette am Auto noch nie eine Kontrolle erlebt. „Ich mache mir Sorgen, dass die Grenze wieder zugeht.“ Der Umgang und die Maßnahmen seien aktuell ziemlich gleich gewesen in beiden Ländern, stellt er fest. „Deutschland hat den Lockdown verlängert und Holland das bis Mitte Februar jetzt entschieden.“ Das mit den Ausgangssperren, das gebe es bereits in Belgien. 

Noch „etwas Luft“

Er setzt darauf, dass beide Länder starke Ökonomien haben und demnach noch über „etwas Luft“ verfügen. Aber die Situationen seien vergleichbar. „Die Geschäfte – nicht nur Cafés, Hotels, Restaurants, große Veranstalter, die organisieren – haben Probleme, auch Modegeschäfte, die viel eingekauft haben, aber nicht verkaufen können.“ 

Es sei (noch) keine Krise wie vor 100 Jahren zu Zeiten der „Spanischen Grippe“, sagt Löwenthal. Aber auch die Künstler*innen in den Niederlanden litten unter der Situation. „Gute bekannte Künstler*innen haben es schwer. Musiktheater und Ballett – das geht alles nicht.“ Nur Bildhauer*innen, Maler*innen oder eben Menschen wie er könnten bedingt weiter arbeiten. „Ich hatte gelesen, dass eine junge Opernsängerin, die im Ausland gesungen hat, nichts mehr zu tun hat. Ich habe der geholfen, wir singen etwas zusammen. Es gibt ganz viele Leute, die kein Einkommen haben, die keine Knete verdienen.“ 

Löwenthal ist froh, dass wenigstens alle in seiner Familie gesund sind. „Meine Schwester hatte Corona, aber jetzt nicht mehr.“ Über die englische Variante des Virus mache er sich große Sorgen, sagt er. Der Komponist hofft jetzt, dass die Impfungen schnell kommen. „Und ich bin gespannt, wo man sich am schnellsten impfen lassen kann – ob in den Nieder-landen oder in Deutschland.“ 

Was er mitbekommen hat, ist, dass das Impfen in den Niederlanden wohl schon läuft, viele im Gesundheitswesen auch geimpft werden wollen. Seine Hoffnung ist, „dass ich meinen Geburtstag 2022 mit mehreren feiern kann.“ Und dann auch wieder mit vielen seiner Chorsänger*innen und Musiker*innen kreativ zusammen arbeiten und den Menschen wieder eine Freude machen kann.

Einen weiteren Artikel zum Thema „Grenzgänger in Corona-Zeiten“ finden Sie hier auf unserer Website. 

„Music meets Bio“

Dass in seinem Ziegenstall mal die Klänge von Fritz Kreislers „Schön Rosmarin“ erklingen, das hätte sich der Kervenheimer Bio-Bauer Bernd Verhoeven sicher auch nicht so ohne Weiteres träumen lassen – und das dazu noch mit einer klassischen Geige. „Ich bin heute als Musikerin auf einer besonderen Mission unterwegs – und zwar werde ich an einem außergewöhnlichen Ort Geige spielen und zu einem spannenden Thema ein Interview führen“, hatte zuvor Lea Brückner bei der Fahrt nach Kervendonk auf ihrem Video angekündigt. Für sie selbst sei es eine „interessante Erfahrung“ gewesen, als sie im Kervendonker Rouenhof erstmals vor Ziegen gespielt habe. „Ich habe noch nie im Ziegenstall gespielt, das macht man nicht so oft“, lacht die junge Musikerin, wenn sie über ihr Erlebnis dort berichtet.    

„Weil die da auch sehr gut gehalten werden, waren sie sehr entspannt. Ich hab erstmal leise angefangen. Sie waren neugierig und kamen auch alle, schnupperten an der Geige.“ Auch das anschließende Interview mit dem Bio-Bauern aus Kervendonk hat ihr neue Erkenntnisse gebracht: „Es war schön – und ein sehr interessantes Gespräch, wo ich, auch wenn ich mich da privat mit beschäftige, viele interessante Infos zur Nachhaltigkeit von Bernd Verhoeven bekam.“

Der Anlass für den Besuch der jungen Musikerin, die lange Jahre in Kevelaer gelebt und aktiv musiziert hat, bei Verhoeven und den Tieren vorbeizuschauen, war ihre neue Aktion „Music meets Bio“, die Lea Brückner spontan aus dem Hut gezaubert hat. 

Die Bühnen sind gesperrt

Sie habe sich dieses neue Online-Projekt überlegt, „weil für Künstler die Bühnen gesperrt sind“, sagt die Musikerin. „Sonst versuche ich ja auch, soziale Themen einzubinden“ in die eigene Kunst, erklärt die junge Frau – wie bei ihren Sommerkonzerten vor Altenheimen wie in Kevelaer oder den drei Schlosskonzerten im Herbst. 

So dachte sie sich, „es muss doch machbar sein, dass man trotz Abstand mit Musik was machen kann.“ Sie kam auf die Idee, Videos zu drehen, „wo ich zu den Höfen in der Region fahre, die biologische und nachhaltige Landwirtschaft betreiben, meine Geige mitnehme, vor Ort spiele und mit den Personen vor Ort Interviews mache.“ Lea Brückner rief spontan einfach mal ein paar Höfe an. „Die Resonanz ist total gut. Zwei Videos haben wir schon gemacht“, erzählt sie. 

Eines davon war beim „La´Bio“ in Straelen. „Bei Biokräutern dachte ich: wie oft benutze ich Kräuter? Man hat kaum noch ein Gericht mehr, dass man nicht mit Kräutern oder Gewürzen isst. Da ist mir klar geworden: Der Pflanzenbetrieb kann ein großer Umweltfaktor sein, mit dem ganzen Wässern zum Beispiel. Da habe ich sehr interessante Sachen erfahren.“ 

Und das zweite „Meeting“ machte sie am Rouenhof. Dort konnte „Bio-Bernd“ Verhoeven im Interview ausführlich Stellung nehmen zu seiner Motivation für die Tierhaltung, dem Ansatz des Kreislaufsystems, wo es durch die Tierhaltung keine Umweltbelastungen gibt, wie der Klimawandel den Futteranteil von Klee und Harz verringert und über Stechmücken neue Krankheiten für die Tiere hervorbringt. Lea Brückner durfte dort einen der drei Elektrotrecker zum Abschluss fahren, die Bio-Bernd mit seiner Photovoltaikanlage speist: „Die Fahrt war toll. Ich liebe sowieso solche handwerklichen, maschinellen Tätigkeiten. Und man hat wirklich nichts gehört von dem Motor, wenn man anfährt. Da gibt es überhaupt kein Geräusch, dadurch dass er elek­trisch fährt.“

Eine ganze Weide für die Schweine

Am vergangenen Wochenende besuchte sie den Biolandhof Frohnenbruch in Kamp-Lintfort. „Da gibt es Schweinehaltung und die Hähne – also einen Hof, wo auch die männlichen Küken aufgezogen und nicht geschlachtet werden. Und bei der Schweinehaltung gehen sie über die Biorichtlinie hinaus. Die haben neben dem Stall eine ganze Weide für die Schweine.“ 

Nächste Woche soll ein Betrieb in Schermbeck drankommen, der einen Lieferservice mit Produkten vom Niederrhein anbietet. Nach Möglichkeit möchte sie in der nächsten Zeit pro Woche mindestens ein Video produzieren. „Die Videos sollen dabei immer so zwischen sechs und 15 Minuten lang sein.“ Der Kervendonker Clip dauert sieben Minuten, der Straelener 13.

Zukunftsfragen

Ihre Mutter fungiert dabei als ,provisorische Kamerafrau‘, „die wegen Corona als einzige Person aus meinem Haushalt dabei ist. Man will sich ja auch an die Regeln halten.“ Bei den Interviews sei ihr wichtig herauszuarbeiten, „was ist wichtig an Bio. Warum ist es wichtig für die Umwelt, für den Konsum.“ Denn auch nach Corona, „wenn es normaler wird“, seien Fragen wie „was wann wie konsumiert wird und woher alles kommt“, in Zukunft weiter wichtig. 

… und im Kräutergewächshaus in Straelen.

Es gehe nicht darum, selbst im Gespräch zu bleiben, sondern den Fokus auf die noch neben Corona existierenden Themen zu lenken. „Corona heißt nicht, dass es nicht auch noch Tierleid, den Klimawandel und den CO2-Ausstoß gibt. Die bleiben nicht stehen, aber sind ein Jahr auf der Strecke geblieben.“ Und es genüge nicht, „wenn der World Wildlife Fund aktuell berichtet, dass ein Drittel aller Pflanzen und Tiere auf der Welt um das Überleben kämpfen, alle nur mal kurz sagen, wie schlimm das ist – und dann geht alles so weiter.“ 

Man könne überall eine Plattform finden, um über Videos oder wenn man bei sich selbst anfange, Menschen zu beeinflussen. „Dann wäre der Entwicklung mit Umwelt und Klima am besten geholfen.“ Nicht nur bei Corona heiße es: „Wir sitzen alle im gleichen Boot.“ Diese Grundhaltung würde sie sich auch beim Thema Klimawandel wünschen.

Neben „Music meets Bio“ hat Lea Brückner aber noch weitere Themenfelder im Blick, die sie noch in den öffentlichen Fokus rücken will. Als „UN-Women“-Mitglied soll es um Gleichstellung gehen. Sie denke auch daran, „mit Wissenschaftlern eine Reihe zu machen, wo es um Klima und Umwelt geht, dazu Institute, die mit dem Land zusammenarbeiten, einzubinden.“ Und als Idee für eine Video-Fortsetzung schwebt ihr das Thema „Kosmetikbranche und Tierversuche“ vor. „Da lasse ich mir was Spannendes einfallen. Da wird noch mehr kommen“, verspricht sie. 

NRW-Ministerpräsident besuchte das Gnadenbild

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat am vergangenen Samstag in Kevelaer das Gnadenbild besucht. Laschet, der an einem Adventskonzert des WDR in der Marienbasilika teilnahm, betete gemeinsam mit Wallfahrtsrektor Gregor Kauling auf dem Kapellenplatz und zündete schließlich die letzte Pilgerkerze des Jahres an. Dazu hatte Kauling das Friedenslicht aus Bethlehem aus der Basilika zum Gnadenbild gebracht, an dem der Ministerpräsident dann die Pilgerkerze entzünden konnte.

Es sei ein „sehr eindrucksvoller Abend“ gewesen, sagte Wallfahrtsrektor Kauling anschließend, das gemeinsame Gebet auf dem Kapellenplatz habe ihn berührt. Vor dem Konzert habe er Laschet und dem ebenfalls angereisten WDR-Intendanten Tom Buhrow noch die Wallfahrt in Kevelaer erläutern können. 

Beeindruckt war der Wallfahrtsrektor auch von dem Konzert, von dem lange nicht feststand, ob es überhaupt würde stattfinden können. „Ich bin froh, dass es gelungen ist, denn es ist wichtig, auf diese Weise ein bisschen Trost und Hoffnung in die Wohnzimmer der Menschen senden zu können“, betonte Kauling.

„Ich fühle mich wie im Paradies“

Musikalisch gestaltet wurde der Abend vom WDR-Funkhausorchester unter Leitung von Oksana Lyniv, gemeinsam mit Tenor Klaus Florian Vogt, der Sopranistin Golda Schultz und der Klarinettistin Sharon Kam. Die aus der Ukraine stammende Dirigentin Oksana Lyniv hatte erzählt, dass viele Menschen in ihrer Heimat das Konzert am Fernseher verfolgen würden. „Ich fühle mich wie im Paradies“, hatte sie schon nach den Proben in Kevelaer auf ihrer Facebook-Seite geschrieben.

Das Adventskonzert der Landesregierung wurde 1991 von Ministerpräsident Johannes Rau ins Leben gerufen, die Marienbasilika in Kevelaer war zum zweiten Mal Veranstaltungsort des Traditionskonzerts. Wiederholungen sind zu hören am ersten Weihnachtstag, 25. Dezember, ab 8 Uhr im WDR-Fernsehen und ab 20.13 Uhr im Hörfunk auf WDR 3.

Der WDR nahm sein Weihnachtskonzert in der Kevelaerer Marienbasilika auf.                      Foto: Land NRW / Marcel Kusch

Musikvideo des Katharinen-Hauses ist ab sofort auf YouTube zu sehen

Einige Wochen mussten die Bewohner*innen des Katharinen-Hauses in Winnekendonk auf diesen Moment warten. Doch nun können sie endlich ihr nächstes ganz eigenes Musikvideo bestaunen. Zu dem Lied „Buhne 4“ der a-cappella-Gruppe „Basta“ hatten fünf Senior*innen während eines Kurzurlaubes auf Borkum im Oktober fleißig Videomaterial abgefilmt. Daraus entstand dank technischer Umsetzung durch Winnie Rüth aus Wesel nun ein Musikvideo, das ab sofort auf YouTube (https://youtu.be/m_49Hx_2orQ) und auf der Basta-Facebookseite zu sehen ist.

Die Rolle vor der Kamera war dabei für die Senior*innen nicht neu. Denn sie hatten schon einmal ein Video zu einem Lied der Band „Basta“ gedreht, woraufhin diese sogar in dem Winnekendonker Seniorenheim zu Besuch war, um vor der Einrichtung während der Corona-Pandemie für etwas musikalische Unterhaltung zu sorgen. Die Verbindung zur a-cappella-Gruppe, die erst kürzlich ein neues Album mit den liebsten Liedern der Fans veröffentlicht hat, entstand durch Claudia Püschel vom Sozialen Dienst des Hauses, die als bekennender Fan selbst viele Lieder der Musiker hört. Dass das Lied „Buhne 4“ nun nahezu perfekt zum Inselurlaub der Heimbewohner*innen passte, war Grund genug, noch einmal die Kamera auszupacken.

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Meister und Lehrer an der Gitarre

Schon seit langem ist Markus Birkhoff eine feste musikalische Größe in Kevelaer. Nicht nur als Meister auf der Gitarre und mehrfacher Preisträger bei musikalischen Wettbewerben hat er sich in der Marienstadt und darüber hinaus einen Namen gemacht. Sein Können gibt er schon seit vielen Jahren – gemeinsam mit seiner Frau – an seine Schüler weiter, die zum Teil mit hohen musikalische Preisen bedacht wurden. Über das Geheimnis seines Erfolges und über die Kunst der Gitarre sprach das Kevelaerer Blatt mit dem Musiker.

Wie sind Sie überhaupt zur Musik gekommen? 

Markus Birkhoff: Mein Vater war Arzt, aber spielte täglich als Hobby auf dem Klavier – noch heute tut er dies. Meine Mutter spielte im Orchester Geige und ich erinnere mich noch, dass sie mir schon als kleines Kind immer ihre Geige vorher zum Stimmen gab. Da ich ein absolutes Gehör habe, konnte ich dies ganz einfach ohne Stimmgerät tun. Noch heute stimme ich meine Gitarre nur nach Gehör und leite auch meine Schüler dazu an. Die Musik wurde also in meiner Familie immer gepflegt.

Wie sind Sie gerade auf Gitarre als Ihr Instrument gekommen?

Markus Birkhoff: Mein Vater hatte auch eine Gitarre und fast in jedem Haushalt meiner Umgebung gab es früher eine Gitarre. Durch die Beatles und klassische Gitarristen wie Andres Segovia und Julien Bream wurde die Gitarre außerordentlich beliebt und erlebte in den 60er und 70er Jahren ihre Blüte.

Die Gitarre ist nicht nur ein Instrument, das erschwinglich und gut zu transportieren ist. Man kann auf der Gitarre Melodien und Harmonien spielen und ihr Klang ist viel intimer und variabler als etwa das Klavier. Man kann Töne ganz verschieden spielen und etwa auf demselben Instrument durch verschiedene Spielweisen die Klangfarbe einer Bassklarinette, eines Cellos, eines Piccolos erzeugen. Man hat so tausende von Klangfarben. Eine Gitarre ist somit wie ein kleines Orchester. Und daneben gibt es neben der klassischen Gitarre auch die Western-, Bass-, Jazz- und E-Gitarre.

Wann begannen Sie denn mit dem Gitarrespielen?

Markus Birkhoff: Ich habe schon mit fünf oder sechs Jahren damit begonnen, aber lernte die Gitarre zunächst durch Abschauen und Improvisieren, mit zehn Jahren erlernte ich dann das klassische Gitarrenspiel. Aber vom Ursprung lernte ich Gitarre als Autodidakt.

Wie ging Ihr musikalischer Werdegang dann weiter?

Markus Birkhoff: Nach dem Abitur wurde ich ab 1988 an der Robert-Schumann-Hochschule für Musik in Düsseldorf ausgebildet, wo mich meine Professorin Maritta Kersting sehr geprägt hat. Ihr habe ich bis heute unzählig viel zu verdanken. Nach meinem Musiklehrerexamen im Jahr 1993 legte ich an derselben Hochschule 1996 mein Examen mit Auszeichnung ab, was nur wenigen vergönnt war. Ich erreichte dies als vierter in der Geschichte der Hochschule. 1997 erschien meine erste vielbeachtete CD mit Werken von John Dowland und Johann Sebastian Bach.

Bach hat also auch für die Gitarre komponiert? 

Markus Birkhoff: Bach hat für die Laute komponiert, aber ich schreibe Musik von Bach auch einfach für die Gitarre um. Jeden Tag spiele ich Bach, mein Bruder sagt immer: „Du brauchst deine tägliche Dosis Bach.“ Schön ist übrigens, dass es für Gitarre Literatur aus jeder Epoche der Musik gibt. Die Gitarre bzw. die Laute ist eines der ältesten Instrumente.

Üben Sie täglich mehrere Stunden? 

Markus Birkhoff: Früher als Student waren es schon so sechs Stunden tägliches Üben, heute übe ich jeden Tag etwa zwei Stunden.

Verlangen Sie von Ihren Schülern auch viel an täglicher Übezeit? 

Markus Birkhoff: Nein, das kann man so nicht sagen. Manche lernen auch sehr schnell. Ich sage immer: Wer übt, hat es nötig. Anders als ein Klavier, wo jeder Ton sofort kommt, ist eine Gitarre am Anfang schwierig zu spielen, ähnlich der Geige. Es dauert, bis sie schön klingt.

Wann begannen Sie dann mit dem Unterrichten? 

Markus Birkhoff: Ich begann schon mit 20 Jahren, zu unterrichten. Meine erste Schülerin war meine kleine Schwester. Als ich in Düsseldorf studierte, fuhr ich immer von Kevelaer aus dorthin und habe schon als Student immer auch nebenbei in Kevelaer unterrichtet. Als ich mit 26 Jahren mein Lehrerexamen ablegte, hatte ich schon meine eigene Gitarrenschule etabliert.

Was macht einen guten Lehrer eigentlich aus und was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Markus Birkhoff: Wichtig ist, dass man selbst eine gute, fundierte Ausbildung genossen hat. Man braucht die Fähigkeit, in jeder Schwierigkeitslage zu unterrichten. Ich arbeite konsequent nach dem Prinzip der kleinen Lernschritte und unterrichte einzeln: Gruppenunterricht habe ich nie gegeben. Das wäre für die, welche schnell lernen, nur langweilig. Ich habe daher auch nie an Musikschulen unterrichtet, die häufig Gruppenunterricht anbieten. Mir ist wichtig, dass die Schüler mit Enthusiasmus dabei sind. Da jeder Schüler anders ist, unterrichte ich jeden individuell: ohne feste Schule. Die Lieder und Stücke suchen wir gemeinsam aus.

Macht Ihr Beruf Sie glücklich? 

Markus Birkhoff: Es ist ein großes Glück, die Entwicklung der Schüler erleben zu können. Oft beginnen sie bei mir schon im späten Kindergartenalter und ich kann sie oft 12 oder 14 Jahre lang, also die ganze Schulzeit erleben und begleiten. Erik Tutsch etwa, einer meiner Schüler, die letztes Jahr bundesweit den ersten Platz bei Jugend musiziert errangen, begann mit fünf Jahren, Gitarre zu spielen und konnte eher Noten als Buchstaben lesen. Es ist schön zu erleben, wie die Schüler sich weiter entwickeln. Dagegen ist es frustrierend, wenn sich ein Schüler nicht weiter entwickelt. Aber da ich nicht mit Vertrag unterrichte, ist jeder, der keine Lust mehr hat, frei, aufzuhören, wenn er dies will.

Sie umrahmen jährlich mit Freunden, den „Allstars“, die Verleihung des Marketingpreises. Wie verliefen die Proben im Corona-Modus und bleibt es bei der Verleihung beim geplanten Live-Stream-Konzert ohne Zuschauer am 20. November?

Markus Birkhoff: Wir probten mit Abstand im Konzert- und Bühnenhaus und bei mir im Garten. Die Nachbarn wissen daher schon, was sie erwartet. Dieses Jahr wird es leider keine öffentliche Verleihung des Marketingpreises geben. Geplant war ja ein Live-Stream-Konzert ohne Publikum, das dann in die Kevelaerer Haushalte gestreamt wird. Meine aktuellste Information ist, dass die Verleihung auf jeden Fall verschoben wird. Wann genau die Allstars die Verleihung nun musikalisch umrahmen, das steht aktuell noch in den Sternen (Anm. d. Red.: Die Veranstaltung soll planmäßig am 5. Dezember 2020 online stattfinden).