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Drei Wochen Weihnachtsstimmung mit den 3 G‘s

Planungen für Kevelaerer Krippenmarkt stehen

Hütten, Gastronomie und weihnachtliche Stimmung: was 2020 fehlte, soll 2021 umso schöner werden. Der „Kevelaerer Krippenmarkt“ findet statt.

Wer möchte seinen Baum loswerden?

Stadt Kevelaer sucht Weihnachtsbäume

„Alle Jahre wieder…“ – kommt nicht nur das Christkind, sondern auch die Bitte des Betriebshofes der Wallfahrtsstadt Kevelaer um Tannenbaum-Spenden.

In gemeinschaftlicher Mission unterwegs

Vor dem Wettener Pfarrheim machten sich am Wochenende Kai Hermsen und seine Mitstreiter*innen früh am Morgen auf den Weg, die Tannenbäume im Dorf abzuholen. Vorher hatten sie sich auf entsprechende Routen verständigt. „Coronabedingt sind diesmal viel weniger Leute dabei, das bedeutet für uns mehr Arbeit“, erläuterte der Vorsitzende der Wettener Landjugend. „Wir müssen uns ja auch komplett an die Regeln halten. Wir haben Absprache mit dem Ordnungsamt gehalten, denen vorgeschlagen, wie wir das vorhaben, zu machen.“ Das Ergebnis der Absprache war eine Sammelaktion in abgespeckter Form – „das heißt nur zwei Fahrzeuge mit jeweils zwei Leuten und einem Fahrer auf den Fahrzeugen.“ Und natürlich mit Masken. 

Im Vorfeld hatte man zu Spenden für die KLJB-Aktion aufgerufen. „Per Überweisung und beim Bäcker Steegmann stand eine Spendendose – alles kontaktlos“, erklärte Hermsen und drückte die Hoffnung aus, dass dabei auch etwas für die Landjugend zusammenkommt.

Robin Gräven war einer der Helfer, der zusammen mit Kumpel Jonas die Bäume in den großen Anhänger wuchtete. „Wir haben sonst immer zwei oben gehabt, die haben die angenommen und teilweise hingelegt. Die sind schwer“, machte er deutlich, dass das Ganze eine Herausforderung war. „Sonst sind wir so mit 20, 30 Personen unterwegs“, veranschaulichte er den Unterschied. Wohin die ganzen Bäume kommen – das verriet Tobias Aymanns: „Die gehen wir bei einem Bekannten abkippen, der die als Hächsel für Hackschnitzel verwertet.“

Die Wettener Landjugend packte unter Einhaltung der Corona-Regeln fleißig an.

Helmut Hartjes verfolgte an der Seegerheide draußen die Aktion der jungen Leute. Es sei natürlich schade, die schöne Zeit mit dem geschmückten Baum und der Krippe darunter sei nun vorbei. Das sei schon immer wieder ein besonderes Ereignis. Seine kurze Wehmut ging allerdings schnell in Freude über das Engagement der jungen Leute über. „Das ist ein bisschen Normalität, vor allen Dingen Vereinsleben, damit der Zusammenhalt noch ein bisschen verbleibt, weil die Vereine im Moment am Boden liegen“, sgate er und dachte dabei auch an die eigene Situation. „Ich bin im Schützenverein tätig und da ist im Moment gar nichts – wir können keine Versammlungen, kein Schützenfest abhalten.“

In der Straße An der Quell machten die Helfer*innen des zweiten vollbepackten Treckers mit seinem Anhänger eine Kaffeepause. Anwohner Ludger Gipmans kam kurz mal vor die Tür, „mal eben ‚Guten Morgen‘ sagen. Die Tannenbäume einzusammeln, ist eine schöne Aktion“, äußerte er seinen Respekt. „Jetzt mit Corona ist alles schlecht – trotzdem machen die das.“ 

Zur gleichen Zeit war in Winnekendonk und Schravelen die KLJB Winnekendonk-Achterhoek mit dem Einsammeln der Weihnachtsbäume beschäftigt. „Wir sind um neun Uhr vom Neuen Markt aus los mit vier verschiedenen Fahrzeugen und geteilten Gruppen – jeweils mit Familienmitgliedern, so dass die Gruppen auch zusammen fahren können“, erzählte Landjugend-Kassiererin Julia Verheyen beim Stopp am Hohen Weg. Dort war der Anhänger schon vollgepackt mit Bäumen. „Die werden erstmal auf dem Hof neben dem Hügel, wo die KLJB alljährlich ihre Osterfeuer ausrichtet, gebunkert.“ Ihre Schwester Lena trug eine Spendenbox, die an einen Stab gebunden war, „damit wir halt den Sicherheitsabstand einhalten können. Wir schellen, dann machen die Leute die Tür auf.“ 

Entlang der Grotendonker Straße in Schravelen sammelten Robin Otten und seine Mitstreiter*innen die Bäume am Wegesrand ein. „Seit 9 Uhr sind wir dran mit vier Kolonnen. Die sind schon schwer, aber es ist eine schöne Aufgabe“, meinte er. 

Die Sammler*innen zeigten sich überrascht, wieviele Bäume sie mitnehmen konnten. „Im Wohngebiet, da war das Meiste“, schilderte Zoe Overrath ihre Eindrücke. „Es war aber sehr eng mit dem großen Trecker, die meiste Zeit mussten wir den rückwärts setzen.“ 

Voller Einsatz war gefragt.

Es seien bestimmt 300 oder 400 Bäume am Ende gewesen, bilanzierte schließlich der zweite Vorsitzende Daniel Maaßen. Die kippe man normalerweise auf die große Osterfeuer-Wiese. „Das Feuer kann aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden, also haben wir das auf dem Hof, dem die Wiese gehört, hingekippt“, so Maaßen. „Und einer, der mit Holz handelt, will das da vor Ort schreddern. Das wird dann zur Gartenarbeit genutzt.“

Zwar konnten sich wegen Corona die Mitglieder nicht so wie sonst danach zum großen Pizzaessen treffen, stolz waren sie aber, dass sie trotz der Widrigkeiten die Aktion durchgezogen hatten. „Alle konnten sich gut damit abfinden“, meinte Maaßen – auch wenn natürlich der Spaßfaktor nicht so groß war wie sonst. Sie hoffen nun doch noch auf ein gemeinsames Osterfeuer im April und auf eine „normale“ Abholaktion im kommenden Jahr. 

Messdiener holen Tannenbäume ab

Die Messdienergemeinschaft St. Marien Kevelaer bietet auch dieses Jahr wieder an, Ihren Tannenbaum gegen eine Spende abzuholen. Die Anmeldung ist für folgende Termine möglich: Samstag, 16. Januar 2021, ab 9 Uhr bis ca. 19 Uhr sowie Samstag, 23. Januar 2021, ab 9 Uhr bis ca. 19 Uhr.

Interessierte Bürger*innen können ihre Anmeldung mit ihrer Spende in einem Umschlag an der Pforte des Priesterhauses in die ausgestellte Box einwerfen (Anmeldungen und Umschläge liegen dort aus). Eine Anmeldung kann in diesem Jahr ausschließlich dort und nicht per E-Mail oder Telefon erfolgen, weil die Messdiener nicht an den Häusern klingeln dürfen, um die Spende entgegenzunehmen.

Der Tannenbaum sollte abgeschmückt und gut sichtbar vor dem Haus abgelegt werden, damit die Messdiener ihn mitnehmen können. Aus organisatorischen Gründen ist es nur möglich, Tannenbäume aus 47623 Kevelaer und Keylaer abzuholen. Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne per E-Mail an tannenbaumaktion.marien@web.de.

Ein Funken Hoffnung

Viele in Kevelaer schauten am Dienstag abend erstaunt aus dem Fenster oder zückten als überraschter Passant voller Bewunderung ihr Smartphone, um das zu dokumentieren, was sich auf den Straßen der Kevelaerer Innenstadt abspielte. Denn dort fuhren 33 Trekker mit bunt geschmückten Lichtern, Motiven und sogar Tannenbäumen vorne an ihren Fahrzeugen quer durch die Kevelaerer Innenstadt. Landwirte aus Winnekendonk, Kerken, Kevelaer, Aldekerk und dem Kreis Wesel waren vom Europaplatz aus aufgebrochen, um eine Tour durch die City zu machen. Am Schluss der Fahrt versammelten sie sich auf dem Parkplatz am Hülsparkstadion, machten selbst einige Erinnerungsfotos und verabschiedeten sich in die dunke Nacht nach Hause.

Die Initiative „Land schafft Verbindung“ hatte das Projekt ins Leben gerufen. “Die Fahrt steht unter den Motto „Ein Funken Hoffnung“, erklärte der Mitorganisator der Fahrt, der Kerkener Landwirt Thorsten Gaelings. „Es gab so viele Sachen, die in diesem Jahr ausgefallen sind und auf dier man verzichten musste – ob Schützenfeste, Kirmes oder die anderen menschlichen Dinge. Es ging uns einfach darum, den Menschen eine Freude zu machen“, sagte der 26-Jährige, der auch an seinem Trekker einen kleinen Tannenbaum befestigt hatte. „Den hab ich dafür so zugeschnitten und mit Kordel und Faden festgemacht.“

Yvonne und Christoph Giesen waren für die Aktion extra aus Alpen angereist. „Allein die ganze Optik, wenn man so einen Trecker so fertigmacht“, die sei es wert gezeigt zu werden, meinte der Landwirt. Was ihn auf der Fahrt am meisten berührt habe? „Das Funkeln in den Augen der Kinder und auch bei den Erwachsenen.“

Für den Kevelaerer Thomas Achten war es eine Selbstverständlichkeit, mit dabei zu sein. „Ich bin in der Landwirtschaft tätig, bin bei den ganzen Demos mitgefahren. Das macht echt Spaß“, sagte er und konnte ausnahmslos positive Reaktionen feststellen.

Der 21-jährige Niklas wollte dabei sein, wenn es „das letzte Mal in diesem Jahr“ zusammen auf Tour geht. „Ich war bei den „Hoffnungs“-Fahrten in Rheinberg, in Xanten, bei „Kernis“ Wunderland dabei. Das ist schön für die Leute, die haben sich alle gefreut.“ Und der Wettener Andreas Neuy gestand, dass er „schon einen halben Tag den Trekker geputzt und gut einen Tag“ gebraucht hatte, um Lampen anzukleben und die Steckdosen richtig zu verlegen. Er war das erste Mal bei so einer Fahrt dabei. „Das ist so ein Verbund, ein gemeinsames Miteinander, das ist sehr schön“, war sein Eindruck. Er hatte am Europaplatz eine Frau angetroffen, die geweint habe, als er erzählt hatte, warum die Fahrer das machen. “Da musste ich fast mitweinen“, gestand er.

Wenn so eine Aktion nochmal aufgelegt wird, werde er mit dabei sein, versicherte er. „Ich hab schon Gerüchte gehört, dass das zu Nikolaus und Weihnachten 2021 wiederholt werden soll.“ Thorsten Gaelings jedenfalls wäre dafür: „Wir wollen das zu einer Tradition werden lassen.“

Heiligabend in Kervenheim

Das Christkind fuhr mit zwei Begleitwagen auf einem Traktor mit Anhänger Heiligabend durch Kervenheim. Foto: privat

Viele Veranstaltungen der Kervenheimer Initiative „Kids im Glauben“ mussten in diesem Jahr coronabedingt ausfallen, oder konnten nur im stark eingeschränktem Umfang stattfinden.

Auch das schon traditionelle Krippenspiel der Kinder musste leider ganz abgesagt werden. Damit bei den Kindern im Dorf trotzdem etwas weihnachtliche Stimmung entstehen konnte, entschieden sich die Initiatoren dazu, das Christkind durch den Ort zu fahren. Bauer Thomas Cleven und seine Frau Jeanette stellten ihren Traktor mit Anhänger zur Verfügung.

Das Christkind fuhr mit zwei Begleitwagen auf einem Traktor mit Anhänger Heiligabend durch Kervenheim. Foto: privat

Ein paar Strohballen auf dem Hänger, darauf eine lebendige Krippe und ein mit vielen Lichterketten festlich geschmückter Traktor. Und schon setzte sich der Zug mit zwei Begleitfahrzeugen und weihnachtlicher Musik, um 16 Uhr, auf dem Gresumshof in Bewegung.

Kervenheim ist nicht sehr groß und so waren schon nach einer knappen Stunde alle Straßen im Dorf abgefahren. Die Aktion wurde von den Kervenheimern mit viel Begeisterung und großer Dankbarkeit angenommen. Nach diesem nicht so schönen Jahr, mit vielen Einschränkungen und Verzichten, konnte man in viele strahlende Kinderaugen schauen und auch in den Gesichtern der Erwachsenen konnte man lesen: Jetzt ist Weihnachten!

„Liebe Grüße an den Vater“

Die Tradition des Christkindbriefes in Kevelaer reicht einige Jahre zurück. „Irgendwann Ende der 70er-Jahre gab es mal ein gebundenes Buch des Otto-Versandes mit einer Malvorlage für den Wunschbrief – und dann konnten die Kinder das da hinschicken“, erzählt Andrea Hoenselaer, die den Job als „Christkind“ in der Verwaltung schon seit 28 Jahren macht. Das Buch gebe es schon lange nicht mehr, den Brief aber schon. „Und vor gut 25 Jahren gab es dann für die Briefe den Briefkasten am Krippenmarkt. Das hat immer sehr viel Zulauf gehabt.“

Den Zulauf gibt es in etwas geringerem Umfang immer noch, aber angesichts des ausgefallenen Advents- und Krippenmarktes und der Corona-Pandemie musste man nach einer anderen Lösung suchen. „Dann haben wir diesen schönen, nostalgischen, roten Briefkasten gekauft.“ Der steht  direkt vor dem Büro des Tourismusbüros am Rathaus. „Die Briefe sind teilweise frankiert, aber die meisten werden von den Familien oder den Kindern eingeworfen“, sagt Hoenselaer. Und es gebe einige Email-Anfragen über christkind@kevelaer.de. Die Familien kämen hauptsächlich aus Kevelaer und der Umgebung. „Oft ist es auch die Großmutter, die was einwirft“, erzählt Andrea Hoenselaer. „Die Briefe gingen teilweise sogar zurück bis nach Hamburg.“

Bis zum 23. Dezember war ein Einwurf möglich. „Das, was da reinkommt, das beantworten wir auf jeden Fall. Ich habe auch schon mal nach Weihnachten Sachen notfalls in die Post gegeben.“ Durchgezählt hatte sie den Umfang vor einer Woche noch nicht. „Ungefähr hundert“, war zu diesem Zeitpunkt ihre Schätzung.

Persönliche Antworten

Natürlich gebe man sich Mühe, die Briefe entsprechend kindgerecht zu beantworten. „Je nachdem was drinsteht, antworten wir digital oder wir schreiben selber, damit es natürlich noch persönlicher ist.“ Dabei versuche man, sich etwas einfallen zu lassen. Da ist dann auch mal eine Bastelanleitung mit QR-Code dabei – gerade für die Corona-Zeit, in der die Familien viel daheim sind. Tragisch sei allerdings, dass viele Kinder ihre Adressen vergessen würden. Das führe dazu, dass sie keine Antwort des „Christkindes“ erhalten. „Da sind wir auch selber dann mit ein Stück traurig. Die warten ja auch darauf.“

Was sie immer wieder begeistere, ist die Tatsache, wie aufwendig die Briefe teilweise gebastelt wurden. „Die schönsten Motive sind die, die man nicht erkennen kann, weil die soviel Fantasie haben“, sagt Hoenselaer. Ganz häufig findet sich das Engelmotiv auf den Botschaften. Man lege selbst Wert darauf, da als „Christkind“ persönlich zu antworten. „Wir sind eine Wallfahrtsstadt und möchten die Geschichte des Christkindes weiter aufleben lassen.“ Was man in diesem Jahr deutlich bemerke, sei, dass die Kinder mehr Zeit haben. Und die Pandemie ist in den Christkind-Briefen allgegenwärtig. „Ich habe dich lieb, hoffe, dass Corona bald weg ist, dass ich meine Freundin Sophia sehen kann“, heißt es in einem der Schreiben. Oder man kann dort auch lesen: „Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass alle in meiner Familie gesund bleiben“ und man „Heiligabend mit der Familie“ hat. „Das steht weit vor den materiellen Wünschen, das ist ganz deutlich.“

„Passt auf euch auf“

Natürlich denken die Kinder auch an das Christkind selbst. „Liebes Christkind, bleib gesund“, findet sich in einem der Schreiben. Und immer wieder lese man so schöne Sätze wie „Wie geht es euch im Himmel?“ oder „Passt auf euch auf“ – in dem Bewusstsein, dass das Christkind bald auf die Erde zum Geschenkeverteilen kommt. Als Spielzeuge würden „Klassiker“ wie Lego, Playmobil, Nintendo oder PC-Spiele gewünscht, selten Handys.

In den Briefen selbst verbergen sich unzählige kleine, anrührende und persönlich sehr bewegende Geschichten. „Ein Kind von neun Jahren hat geschrieben: ‚Schicke doch auch einen Gruß an unsere Hilde, die so viel für uns tut.‘ Da hat Hilde eine Antwort dazu bekommen“, erzählt die Verwaltungsmitarbeiterin. Es komme häufig vor, dass die Kinder einfach nicht nur an sich denken würden. „Sie denken an ihre Geschwister – oder wie hier, auch an Hilde.“

„Ein kleiner Brieffreund, der vor ein paar Jahren seinen Vater verloren hat, schreibt an das Christkind: ‚Liebe Grüße an den Vater‘ und möchte mitbekommen, ob der Vater auf ihn stolz ist und ob er alles mitkriegt“, erzählt Hoenselaer. Solche Geschichten treffen sie persönlich sehr. „Diese Geschichte kenne ich ein bisschen, aber man ist immer erstmal gerührt. Man spürt, der Gedanke ist beim Vater. (…) Da muss man erstmal selbst durchatmen. Und das freut einen, dass da das Vertrauen zum Christkind da ist.“ Im vergangenen Jahr habe das Kind zum ersten Mal selbst einen Brief ans Christkind geschrieben. „Ich habe den Brief sofort Papa gezeigt, der war ganz stolz“ – so ungefähr lautete die Antwort. Eine persönliche Ansprache sei wichtig, meint Hoenselaer. Den Rest könne man sicher allgemein gestalten, weil man den Kindern ein Stück Fröhlichkeit mitgeben wolle. „Da muss man eine Mischung finden. Das ist nicht so leicht, aber ich hoffe, ich habe das die letzten Jahre über immer hinbekommen.“

Die Antworten sollen berühren

Briefe von Erwachsenen, die alleine sind – ja, die gebe es auch mal. „Aber so als ‚Sorgenbrief‘ habe ich wenig in diesem Jahr bekommen“, sagt Hoenselaer. Entscheidend sei, dass sie den Adressaten mit den Antworten etwas mitgeben kann. „Eine Mutter berichtete, dass ihr Sohn derart fasziniert war, als sie ihm den Brief vorlas, dass es ihn ganz zufrieden gemacht hat. Der hat da gesessen, zugehört und nur gelächelt. Und dann habe ich das erreicht, was ich erreichen wollte.“ 

Auch das Christkind wird oft reichlich beschenkt. „Ich kriege die vielen guten Wünsche, die Bilder. Manche stecken auch Süßigkeiten in die Umschläge, basteln, kleben was auf. Ein Kind hat Törchen zum Aufklappen gebastelt.“ Nach 28 Jahren als „Christkind“ kann sich Andrea Hoenselaer nicht vorstellen, diese Aufgabe mal nicht zu machen. Für diese besondere Aufgabe – aber nicht nur dafür – sei eines sehr wichtig. „Wir müssen ein Stück weit noch Kind bleiben, sonst werden wir in dieser Welt nicht weit kommen.“ Und das oberste Gebot bleibe auch in Zukunft, „dass die Kinder so glücklich sind, wie es nur geht.“ 

Selbst will sie dazu so lange beitragen, wie es möglich ist – und am liebsten gar nicht aufhören. „Wenn es so wäre, ist es der Lauf der Zeit. Aber ich werde da immer meine Finger mit im Spiel haben.“

Segenswünsche zur Weihnacht

Ich begrüße Sie herzlich zu einem gemeinsamen Weihnachtsgruß der Kirchen Kevelaers. Vielleicht passt das Bild auch für Sie: Für mich fühlt es sich ein bisschen so an, als würden wir alle in einem schnellen Zug sitzen, der mit voller Fahrt auf Weihnachten durchfährt, geradezu saust. Unser Zug ist schwer beladen hinten in den Waggons, was ihn bergab immer schneller fahren lässt. Der Zug ist beladen mit Freude auf Weihnachten und die Festtage. Wir machen es uns schön für uns und andere. Wir machen uns eine Freude und anderen. Für viele Menschen ist Weihnachten ein schönes und fröhliches Fest. Ein Teil der Ladung sind auch Dinge, die in der Welt geschehen. Ich persönlich bin sehr erschrocken über die vielen Menschen, die sich von rechten Verschwörungstheorien gefangen nehmen lassen. Und auch die Pandemie Corona ist ein ganz schöner Packen Ladung, der den Zug noch einmal schneller macht. Und so rauschen wir auf Weihnachten zu und wissen gar nicht so richtig, was passiert. Schafft unser Zug das? Kommt der große Knall? Was erwartet uns? Zu Weihnachten erwartet uns der Herr der Welt, der in unserem Schlamassel wohnt. An seiner Krippe bleibt unser Zug ganz sanft stehen und kommt zur Ruhe. 

Es grüßen Sie heute Pfarrerin Karin Dembek aus der evangelisch-lutherisch Kirche, dann Pastor Gregor Kauling aus der katholischen Kirche St. Marien und Pfarrer Andreas Poorten aus der katholischen Kirche St. Antonius und Pastor David Burau aus der evangelischen Freikirchengemeinde Kevelaer. 

David Burau, Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Kevelaer

Liebe Christen in und um Kevelaer, ich stehe hier in der Hubertuskapelle in Keylaer. Das ist auf den Fluren und auf den Feldern vor Kevelaer. Das erinnert mich an die Situation der Menschen damals auf den Feldern vor Bethlehem, dort, wo die Hirten warten, dort, wo die Hirten die Schafe hüteten. Es ist ein sehr trüber, kalter Tag, man kann nicht sehr weit schauen an diesem Adventstag im Dezember. Auch das erinnert mich ein wenig an diese Zeit damals. Eigentlich wussten nur Maria und Josef, dass der Retter, der Heiler, der Immanuel, sich auf den Weg gemacht hat. Alle anderen, auch die Hirten auf dem Feld, die waren ahnungslos. Aber das Heil kam mitten in den Alltag hinein.  Die Menschen – die kleinen Anzeichen haben sie erkannt – kamen, um das Kind anzubeten. Die Sehnsucht nach Rettung, nach Heil war groß. 

Und so, wie damals die Hirten sich auf den Weg gemacht haben, so darf ich auch Sie einladen, sich wieder auf den Weg zu machen, um den Heiland, den Retter zu grüßen. Dass sie von ihm alles auch erahnen, alles wünschen und alles bekommen, was sie im tiefsten Herzen ersehnen.

Andreas Poorten, St. Antonius Kevelaer

Jedes Jahr hören wir die vertrauten Worte der Weihnachtsgeschichte des Lukas in unseren Gottesdiensten. Die Hirten werden in der dunklen Nacht vom Engel Gottes besucht. Die Klarheit des Herrn leuchtete um sie. Ich habe die Hirten oft beneidet, denn das, was ihnen geschieht, scheint so einleuchtend, überzeugend und unwiderstehlich zu sein, dass keine Fragen offen bleiben. Die Hirten verlangten keine weiteren Erklärungen, keine Beweise. Sie fragen nicht, was wir fragen würden: Ist das sicher? Woher wisst ihr dass? Nein, die Hirten laufen zum Stall am Rand von Bethlehem. Ich hätte gerne auch mehr von dieser Klarheit des Herrn. Ich bin so oft auf der Suche und brauche Wegweiser, einen offenen Himmel statt offene Fragen. Ist der eingeschlagene Weg der richtige? Ich bin unsicher, manchmal auch ängstlich. Die Weihnachtsgeschichte verschweigt uns aber auch nicht, dass die Hirten Angst hatten. „Fürchtet euch nicht“, muss ihnen der Engel zurufen. Fürchte dich nicht – diese Zusage brauchen wir dringend. Der neue Weg mag dann immer noch im Dunkeln liegen, aber das Vertrauen, dass Gott diesen Weg mit uns geht, macht unsere Schritte leichter. 

Ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Weihnachten.

Karin Dembek, Evangelische Gemeinde Kevelaer

Komme ich zu nah, so würden wir im Alltag in diesen Tagen sagen. Die Weihnachtsbotschaft hat das Gegenteil. Am Heiligen Abend dürfen wir mit den Hirten zusammen den Ruf hören: „Transeamus usque Bethlehem“ – „Kommt, lasst uns nach Bethlehem gehen“. Komm mir nah. Jesus Christus darf mir und dir nahkommen. Kommt, lass uns nach Bethlehem gehen und wir finden etwas ganz Einfaches vor. Gott ist nicht in der Ferne geblieben, Gott ist uns nah gekommen, für dich und für mich. Und weil dieser Gott als Kind in der Krippe liegt, stimmt es, was der Philipper über uns sagt, dass wir vor ihm unsere Knie beugen dürfen. „Finite, adoribus“ – „Kommt, lasst uns anbeten“. Christus ist uns nahegekommen, ein für alle Mal, und er schenkt uns Rettung und Heil. 

Die Geistlichen hier in der Stadt Kevelaer wünschen Euch und Ihnen allen von ganzem Herzen, dass Sie sich – egal wie Sie sich im Moment fühlen – diese Nähe des Christuskindes erspüren dürfen. Wärme und auch Kraft für Ihr Leben. Und so wünschen wir Euch und Ihnen allen eine frohmachende, gesegnete Weihnacht und ein gesegnetes neue Jahr 2021. 

Gregor Kauling, St. Marien Kevelaer

Das Video zur Ansprache finden Sie unter: https://www.youtube.com/watch?v=fW2QLH5rO1A

SPD Kevelaer überreichte Geschenke

Der Ortsverein der SPD in Kevelaer überreichte kürzlich Weihnachtspräsente an die Kevelaerer Tafel. Der Ortsvereinsvorsitzende Ulli Hüttgens sowie Schatzmeister Lothar Hermens und Vorstandsmitglied Michael Vonscheidt waren vor Ort, um die Übergabe durchzuführen. Die Geschenke kommen der „Weihnachtspäckchenaktion 2020“ der Tafel zu Gute.

„Die Tafel leistet in Kevelaer hervorragende und wichtige Arbeit“, sagte Moritz Walter, Pressesprecher der Kevelaerer SPD. „Natürlich ist es uns daher ein Anliegen gerade in der jetzigen Zeit die Aktion der Tafel zu unterstützen.“

Paketchaos durch Corona-Weihnachten?

Dass zur Vorweihnachtszeit bedingt durch ebay, Amazon und Co. seit Jahren die Zahl der Paketsendungen steigt, ist nichts Neues – in diesem Jahr wird dieser Trend durch die Corona-Pandemie aber nochmal verstärkt. „Seit der Cyberwoche inklusive des ‚Black Friday‘ bis Weihnachten sehen wir drei bis vier besonders starke Wochen – mit neuen Rekordmengen von über 11 Millionen Sendungen an Spitzentagen direkt vor Heiligabend“, sagt DHL-Sprecherin Britta Töllner. „Zum Vergleich: An durchschnittlichen Tagen befördern wir etwa 5,2 Millionen Pakete in unserem deutschen Paketnetz.“ Dementsprechend rechnet das Unternehmen 2020 auch mit einem Plus von knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was umgerechnet etwa 1,8 Milliarden DHL-Paketen im Gesamtjahr 2020 entspräche. 

Entsprechend habe man bereits während des ersten Corona-Shutdowns rund 4.000 neue Kolleg*innen eingestellt, bis Jahresende in Zustellung und Sortierung etwa 10.000 zusätzliche Aushilfskräfte. Und es sind mehr als 13.000 zusätzliche Fahrzeuge im Einsatz. „Neu ist, dass wir in diesem Jahr verstärkt kleinere Pakete auch von unseren Briefzustellern zustellen lassen, um die Mengen zu bewältigen. Zudem werden wir mit mehreren Wellen über den Tag arbeiten, sodass unsere Zusteller in den kommenden Wochen mancherorts häufiger auch noch abends klingeln werden.“

Doppelt so viele Pakete wie üblich

Die höhere Resonanz wird auch in Kevelaer erkennbar – nicht nur an dem Aufkommen an den zehn Kevelaerer Poststellen und den drei Packstationen, sondern auch an der Anzahl der Pakete, die die Boten transportieren. „Momentan im Starkverkehr werden doppelt so viele Pakete wie üblich ausgeliefert“, sagt Töllner. Vom Zustellstützpunkt an der Gelderner Straße aus geht es für die Zusteller in „zwei Wellen“ auf die Straße. Die eine Hälfte befindet sich im Stützpunkt etwa von 8.15 bis 9.45 Uhr, die andere Hälfte kommt um 10.15 Uhr und verlässt ihn bis 11.45 Uhr. Jeden Morgen kommen dort Zulieferfahrten vom Brief- und Paketzentrum, die Briefe sind bereits auf die Gangfolge der Briefzusteller vorsortiert, Pakete kommen in Rollbehältern dort an und werden noch auf die einzelnen Zusteller verteilt. 

„Die Sicherheit unserer Mitarbeiter und unserer Kunden steht für uns an erster Stelle“, sagt Töllner. Dementsprechend werde Distanz gewahrt, die Verfügungsstellen von Handdesinfektionsmitteln genutzt, das Fahrerhaus vor jedem Fahrerwechsel gereinigt und Masken getragen. Zudem verzichten die Zusteller auf die eigenhändige Empfangsbestätigung für eine kontaktfreie Übernahme der Pakete.

Worin man aber ganz sicher sein kann, wenn man spät dran ist: Auch am Heiligabend würden noch Briefe und Pakete zugestellt, so die Sprecherin.