Ein starkes Zeichen

Über 80 Bürger zeigten bei einer kurzfristig anberaumten Demo der „Aktion pro Humanität“ am Kapellenplatz Solidarität mit der „Seawatch“ und allen Menschenrettern im Mittelmeer.
Das blaue Lampedusa-Kreuz vor der Basilika und ein vom „Seewerk“ aus Moers zusammengezimmertes Boot: diese beiden „starken Zeichen“, so die Initiatorin des Protests, Elke Kleuren-Schryvers von der Aktion „Humanität“, standen symbolisch für die Aktualität und Dramatik des Themas: „Das bringt uns alle zu der Misere, in der die Füchtlinge sind.“
Über 80 Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft waren auf dem Kapellenplatz zusammengekommen, um ihre Solidarität mit der Kapitänin der „Seawatch 3“ und mit allen Rettern im Mittelmeer deutlich zu machen. Dabei fanden alle Redner fanden deutliche Worte für die Vorgänge rund um die „Seawatch“-Kapitänin Carola Rackete und ihren Einsatz für die von Ertrinken bedrohten Flüchtlinge.
„Der Friedensnobelpreisträger EU wurde 2012 für Demokratie, Frieden und Menschenrehcte ausgezeichnet“, sagte Bürgermeister Dominik Pichler. „Damit tut sich die EU am Südrand sehr schwer, die zur Todeszone geworden ist.“ Die EU habe ihre Seerettung aufgegeben und führe sie in die libyschen Lager zurück, „wo sie, wenn nur die Hälfte stimmt, was berichtet wird, Folter und Vergewaltigung zu erwarten haben.“
Mit einer Politik des Todesstreifens werde man verhungernde Menschen nicht von der Flucht abhalten lassen, erklärte das Stadtoberhaupt am Rande der Veranstaltung: „Da muss die EU, die anderenorts Menschenrechtsverletzugen anprangert, vor der eigenen Haustür kehren und sich darum kümmern, dass das eigene Feld bestellt ist. Und das ist es momentan nicht.“
Wallfahrtsrektor Gregor Kauling fügte an: „Es kann nie kriminell sein, Menschen das Leben zu retten. Das ist ein Verbrechen, wenn Lebensretter verunglimpft, beschimpft und in den Dreck gezogen werden. Und wenn das noch jemand tut , der ein hohes politisches Amt hat, ist das beschämend.“ Es war klar, dass er den italienischen Innenminister Salvini meinte. „Wir stehen hier am Kapellenplatz, um christlichen Ausdruck zu geben und für ein Menschenrecht einzustehen.“
Es stellten sich viele Fragen rund um die europäische Flüchtlingspolitik. „Das Ziel ist ein Europa, das hilft, Menschen zu retten, und eine gerechte Verteilung auf die Länder organisiert. Vielleicht hilft die Dramatik der vergangenen Stunden, vielleicht auch bis hinein in die politischen Kreise.“
Die evangelische Pfarrerin Karin Dembek trug einen Vers aus dem Lukas-Evangelium vor: „Und danach geschah es, dass Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf ging, und das Evangelium verkündete.“ Ihre Botschaft lautete: „Leben findet zwischen Menschen statt, in Bewegung, von Hand zu Hand. Leben ist unterwegs  So setzt Leben Menschen in Bewegung, allein um des Lebens willen. Und um des Überlebenswillen.“
Der Pastor der evangelisch-Freiheitlichen Kirche, David Burau, machte klar, dass jeder Mensch gleich viel wert sei, „egal woher er kommt und egal, welche Meinung er vertritt. Wir verurteilen nicht Menschen, sondern Sprache, so wie die Sprache der AFD, die versucht, das Unsagbare, Zerstörerische wieder sagbar zu machen.“ Er machte deutlich: „Leben und Leid ist nie bedeutungslos, egal wie weit es weg ist. Die Hände zu reichen, wo andere in Fluten versinken. Das ist niemals ein Verbrechen.“
Für den „Runden Tisch Flüchtlinge“ machte Uli Hünerbein-Ahlers die Dimension der menschlichen Tragödie deutlich. „Seit 2014 sind 17.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken“ und kam nochmal auf die Vorgänge um die „Seawatch 3“ zurück, die 40 Migranten aus dem Mittelmeer gerettet und nach drei Wochen auf See unerlaubt in den Hafen von Lampedusa angelandet war: „Die Kapitänin wurde verhaftet und unter Hausarrest gestellt, der glücklicherweise wieder aufgehoben wurde.“
In dem Kontext zitierte er den italienischen Innenminister Salvini mit den Worten “Der Platz dieses Fräuleins hätte an diesem Abend im Gefängnis sein müssen. Wie dem auch sei, wir werden diese Justiz verändern.“ Damit lege er „die Axt an die Grundlagen des Rechtsstaates, und Herr Salvini ist nicht allein unterwegs“, sah er das Ganze nicht nur als italienisches Problem.
Zwischenzeitlich intonierte Annja Rossmann bewegend den alten Spiritual „Nobody knows (The trouble I´ve seen)“ und spielte auf der Querflöte. An verschiedenen Stellen lasen Klaus Schürmann, Elke Kleuren-Schryvers, Heike Waldor-Schäfer und die beteiligten „Seewerk“-Künstler aus einem Text vor.
Elke Kleuren-Schyrvers machte abschließend deutlich, dass „die Entfesselung der Menschlichkeit noch nicht in Gänze“ existiere. „Wir werden noch Leben retten müssen“, brachte sie den Gedanken eines „Kirchernschiffes“ auf.
Sie sprach von libyschen Lagern, die „Konzentrationslagern gleichen“ und über die Menschen in der Subsahara und Afrikas, deren Lebensperspektiven es entschieden zu verbessern gelte: „Wir müssen unser Vorgehen auf mehere Dinge richten, wenn wir Menschlichkeit realisieren wollen. Dafür sind wir hier. Das ist ein kleines , aber deutliches Zeichen, dass von Kevelaer ausgeht am Ort der consolatrix afflictorum.“