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Ohne viele Leut, aber schön

Vor Wochen hatte Friedel Dahlmann im Kevelaerer Blatt scherzhaft angekündigt, dass er mit seinem selbst gestalteten Winnekendonker Karnevalszug durch die Ortschaft laufen und so den Menschen eine Freude machen würde. Corona und die Kälte machten dem 71-jährigen jecken Winnekendonker allerdings einen Strich durch die Rechnung – und so musste er sich mit einer „Garagen“-Variante seines Zuges, den er aus dem Keller geholt hatte, „begnügen“. 

Das hielt ihn aber nicht davon ab, mit Musik und Frohsinn zumindest einen Hauch von Karneval zu verbreiten – inklusive der beiden strickenden „Pappdamen“, die sich vor der Garage sitzend den witzigen Dialog „De Zuch kütt“- „Wo deenn – ich seh nix“ lieferten. 

Dahlmann hatte den Zug kurzfristig noch ergänzt. Den Wagen des SV Viktoria Winnekendonk mit dem Rasenplatz und der Aufschrift „Das schaffen wir – auch ohne Stadt“, den habe er „am Donnerstag ganz spät noch fertiggemacht“, verriet der Karnevalist. „Weil ich Schelte von meinem Sohn gekriegt habe, dass ich nix von Viktoria gemacht habe. Und jetzt habe ich noch eine Schelte vom Musikverein bekommen, weil ich den Musikverein nicht dabei hab.“ Allen recht machen konnte er es also nicht. „Aber ich arbeite dran“, lachte er.

Swingies, Kinderprinzenpaar und Corona

Natürlich habe er die Aktion nicht groß veröffentlicht, sagte Dahlmann. Aber immer wieder riskierten einzelne Leute oder ein Paar mit Kindern – auf Abstand – mal den Blick auf den liebevoll gestalteten Zug mit „Swingies“, Covid-Motivwagen und Kinderprinzenpaar.
Seine Idee kam bei den Betrachter*innen gut an. „Gute Stimmung und gute Musik. Den Wagen des SV Winnekendonk, den finde ich gut“, sagte der junge Sebastian, der selbst bei der Viktoria kickt. 

Ellen und Willi Niersmann hatten nach ihrem vierstündigem Spaziergang nochmal bei Dahlmann Halt gemacht und zeigten sich beeindruckt. „Das ist ja Wahnsinn. Das haste echt super gemacht“, meinte Ellen Niersmann. „Und der Volksbank-Wagen, der sieht richtig echt aus.“ 

Eine Bildergalerie zu den diesjährigen Karnevalsaktionen finden Sie hier auf unserer Website. 

Der WiDo-Zug 2021 in (fast) voller Länge.

Ganz ohne Karneval geht es nicht

Vor dem Haus von Präsident Rolf Roosen parkten die Vorstandsmitglieder der Karnevalsfreunde Twisteden (KFT) mit ihren fünf Autos, um dem „Zug“ mit dem einen Wagen eine entsprechende coronakonforme Jecken-Begleitung zu verleihen. „Ganz ohne geht einfach nicht. Zumindestens etwas – 14.11 Uhr, zur traditionellen Zeit“, unterstrich der Zugmarschall der KFT, Kevin Ricker. „Volksauflauf ist kontraproduktiv – angekündigt isset nicht“, machte er klar, dass man im Vorfeld vorsichtig gewesen war.

Anna Lindemann und Calvin Ehren hatten ihr Auto mit dem Schriftzug „Helau 2021“ beklebt: „Ich bin da durch meinen Freund reingerutscht, ich finde die Aktion ganz schön“, meinte die junge Frau. „Wir machen das einfach mal so“, meinte ihr Freund, ein von Kindesbeinen an begeisterter Karnevalist. „Ein bisschen die gute Laune ins neue Jahr hineintragen“ war seine Motivation.

Die vierjährige Paula saß mit ihrer Mama im Wagen davor und rief schon begeistert: „Helau“. Sie habe sich schon den ganzen Tag darauf gefreut, lächelte die junge Dame. „Das ist mein erster Karnevalszug.“

Der Papa im Kofferraum

„Hoppeditz“ Uwe Ehren saß im Kofferraum. „Das ist coronakonform, weit weg von den anderen. Man muss zeigen, dass wir auch an Karneval denken“, feierte er so eine besondere Form des „Erwachens.“ Das „bestätigte“ auch sein „fast angeheirateter Schwiegersohn“ Philipp Gründel: „Der war das ganze Jahr im Kofferraum – jetzt haben wir ihn rausgelassen“, scherzte der gebürtige Duisburger. „Dass ich meinen Papa mal im Kofferraum transportieren würde, habe ich nicht gedacht“, musste auch Freundin Danielle Ehren lachen. „Es ist zumindestens ein bisschen Feeling“, war sie voller Vorfreude. „Die Vorbereitung heute morgen hat Spaß gemacht und alles, was sonst fehlt, konnte man so vielleicht ein bisschen auffangen.“ 

KFT-Präsident Rolf Roosen fuhr ganz vorne mit dem am Vortag noch umgerüsteten Minigarden-Wagen und seiner Familie. KFT-Kassierer René Ehren fuhr den Trecker vorne, seine Frau Jessica und die beiden Töchter feierten auf dem Wagen mit. „Das hat ein bisschen was von „Anarchie“, was wir hier machen. Aber die haben wir uns ja genehmigen lassen“, war Roosen gespannt auf das, was passiert. „Wir haben eigentlich letztes Jahr im November schon gesagt, wir machen das so. Alle Vereine lassen sich irgendeine Aktion einfallen, fahren zu den anderen Vereinen hin, verschenken Orden und Tütchen.“ Da wolle man nicht zurückstehen. „Die Menschen sollen einfach nur wissen, dass wir daran gedacht haben.“ Groß kommuniziert habe man das vorher natürlich bewusst nicht, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Die Jecken setzten sich in Bewegung

Zu „Nie mehr Fastelovend“ von „Querbeat“ setzte sich der kleine Tross mit dem „Hoppeditz“ Uwe Ehren und dem Vize-Präsidenten Reiner Schreiber an der Spitze, Musikboxen in dem hochgerichteten Kran und einem „uralten Schild, das wir gefunden haben, als wir den Trecker rausgeholt haben“ (Roosen) vom Birkenweg aus in Bewegung. 

Auch aus dem Auto heraus ließ es sich mitfeiern.

Mit der lauten Musik von Brings, De Höhner und anderen Klassikern sorgte der Zug naturgemäß für Aufmerksamkeit. „Überraschen tut mich hier gar nix mehr – ein Vögelchen hat es mir erzählt. Geil“, meinte ein Nachbar. „Wenn man Tradition aufrechterhält gegen alle Widerstände, das ist toll.“ Die Musik lockte auch Patty und Michael Brünken vor die Tür. „Super Aktion“, fanden beide. Und in der Quirinusstraße ließ es sich „Attacke“ Karin Raimondi nicht nehmen, ein paar Buttons zu verteilen. „Einfach nur klasse“, meinte sie.

Auch später am Gerberweg und der Kuhstraße feierten Menschen mit – so wie Sandra Schubert mit ihrem Mann und den Töchtern Emilia und Klara. „Da wird einem schon warm, etwas Herzschmerz, aber schön“, verband sie damit den Wunsch vieler. „Nächstes Jahr feiern wir wieder und werden uns in dem Armen liegen.“

Auch Familie Keuler trat vor die Haustür.  „Super, ich bin überrascht, dass hier ein paar Autos fahren. Wir machen hier unsere Privatparty“, meinte „Indianerin“ Desirée Keuler, deren Tochter Lina wie eine kleine Fee aussah. Und an der Kurve der Gaststätte Peters hin zur Dorfstraße tollte Tilo Lichner ausgelassen tanzend vor der Haustür. „Megageil, herrlich. Ich habe gestern Geburtstag gehabt, da gab es auch schon Karnevalsmusik.“

„Normale“ Fahrzeuge im Karnevalszug

Auf der Dorfstraße mussten sich einige „normale“ Fahrzeuge in die Kolonne einreihen, so dass die Autoschlange kurzzeitig sogar noch etwas länger erschien. Die Fahrer nahmen es gelassen, im Kreisverkehr hin zum Irrland bog der Tross ab in Richtung Ausgangspunkt. 

Die Akteure auf dem Wagen waren happy. „Es war anders wie sonst, aber besser wie gar nix“, meinte Jessica Ehren. Und Präsident Rolf Roosen ergänzte: „Auf der Dorfstraße war der Zug länger als die Jahre davor, weil soviele Autos dahinter waren. Die Familien, die da zusammen standen, die passten alle zusammen. Die kennen wir ja.“ Also verlief alles coronakonform. Und letztlich habe man Freude vermitteln können. „Es waren in jedem Haus lachende Gesichter. Keiner hat uns den Vogel gezeigt – also war die Idee gar nicht so schlecht.“ 

Eine Bildergalerie zu den diesjährigen Karnevalsaktionen finden Sie hier auf unserer Website. 

Gott ist immer auf Sendung

Eine Fahne von St. Marien hinter dem Altar gab schon den Hinweis darauf, von wem der Gottesdienst an diesem Abend gestaltet werden würde. Im vergangenen Jahr hatte der Karnevals-Gottesdienst der KFD in der Beichtkapelle für viel Freude gesorgt. Rüdiger Göbel und seine Frau wollten in den trüben Zeiten diese Erinnerung gerne wieder auffrischen. „Das war eine Stimmung. Man meinte, man wär wirklich in einer Karnevalssitzung, obwohl es ein Gottesdienst war“, freuten sich beide auf den Abend. „Und es ist heute die einzige Möglichkeit, auf Karneval Live-Musik zu hören.“ Die mit weitem Abstand im Kirchenraum verteilten wenigen Menschen, darunter auch der KFD-Vorstand, wurden von Anton Koppers am Keyboard, Dominik Lemken am Bass und Hubert Lemken an der Gitarre mit stimmungsvollem Gesang und dem Stück „So sind wir alle hier hingekommen“ in Bläck-Föös-Gewand begrüßt. 

Pastor Gregor Kaulings Willkommensgruß galt zu Beginn „allen Frauen hier. Die hätten sonst alle den ganzen Tag schon gefeiert.“ Auch wenn einem in diesen Zeiten nicht unbedingt zum Lachen zumute sei, solle man sich aber am Gedenktag von Lourdes zusammen mit der KFD-Frauengemeinschaft die Verbundenheit schenken, „dass wir den Humor nicht verlieren dürfen.“

Die Verbindung von Karneval und Kirche betonten Gertrud Koenen und Waltraud Lemken von der KFD in ihren Ansprachen. „Gott ist immer auf Sendung“, lautete ihr Motto. Sie blickten auf das Möhnefrühstück im Vorjahr zurück. „Kein Karneval, also auch kein Möhnefrühstück, doch wir haben überlegt, wir treffen uns ganz bewusst am Karnevalsdonnerstag hier in der Basilika zu einer Messfeier.“ Und sie stellten die Grundfrage, „welchen Platz Gott in unserem Leben“ einnimmt. 

Leben im Veedel

Das musikalische Trio begleitete die diversen Eucharistie-Elemente mit seiner Musik – von „Halleluja“ von Brings über „Heilig bist Du“ von den Höhnern bis zu „In unserem Leben“ in Abwandlung des Black Föös-Liedes „En unserm Veedel“ reichte dabei die Palette der karnevalistischen Klänge. 

Maria Haesters versuchte dann in ihrer Meditation, die Antwort auf die Grundfrage zu geben, die Koenen und Lemken gestellt hatten. „Jesus hat uns durch seinen Tod und seine Auferstehung die Platzkarten für eine Wohnung im Himmel erworben“ und die Menschen sollten demnach „alles auf eine Karte setzen: die Karte für das ewige Leben, die er uns gratis anbietet.“

Humor und Hintergrund

Gregor Kauling dankte am Ende der Dreiviertelstunde den KFD-Frauen und den Musikern für ihre Beiträge. „Tiefe Hintergründigkeit und froher Humor – das ist genau das, was der Karneval uns immer wieder schenkt. Das geht uns dieses Jahr ab, aber ein Hauch davon haben wir heute Abend empfangen.“ 

Die Musiker beendeten den Gottesdienst mit „Wenn wir in Kev’laer singen“, einer Variante des Black-Föös-Titels „Wenn wir Kölsche singe“. Und sie boten quasi als Zugabe „Stääne“ von „Klüngelkopp“. Kauling zeigte sich schließlich so begeistert, dass er die KFD-Frauen und die Musiker spontan nochmal zum Sonntags-Gottesdienst einlud. Und der Satz „War das schön“ war von den Besucher*innen des Abends nicht nur einmal zu hören. 

Kleine Wunderwelt(en) im eigenen Keller

„Der Keller kann Gott weiß was erzählen“, erinnert sich der 71-jährige Friedel Dahlmann an „Après Ski-Parties“ mit 956 Schneeflocken an der Decke, die Fußball-WM mit zwei Toren und grünem Teppich, einem „Schweineball“ mit Heu und Strohballen, einer „Erdnuss“-Party mit dem Boden voller Erdnüsse und dem Suppenessen des Karnevalsclubs. Heute hat der Keller eine ganz andere Funktion: Er beherbergt zahlreiche Landschaften, die der Rentner in sechs Jahren dort allmählich hat entstehen lassen.

Als sich die Tür zum Keller öffnet, glaubt man, in eine andere Welt zu gelangen – Jahrmarktsmusik brandet auf und entlang der Wände findet sich eine riesige Kirmeslandschaft. „Hier vorne links ist dieser kleine Weihnachtsmarkt mit Buden, ein Martinszug – immer so für die Weihnachtszeit. Da hinten rechts in der Ecke ist ein anderer Weihnachtsmarkt. Den hab ich ,Schneemannmarkt‘ genannt, weil er immer mit Schnee zu tun hatte.“ Ein Teil der Winterlandschaft stammt von einem Freund. „Da hab ich ein Brett von 1,20 Meter gekauft und hab das dran gebaut und bin dann höher in die Berge gegangen und es wurde dann immer mehr.“ 

Dazu kommt rechts in dem Raum eine Ober- und Unterstadt mit Bus, Polizei, Stadtverwaltung, Kinderschaukeln plus Hotel – und mit einer Straßenbahn. „Da heißt es jetzt immer noch: ,Heute fährt die 18 bis nach Istanbul’“, singt er und lacht herzhaft. Der „absolute Hammer“ sei aber „der Brixius, unser Weinhändler. Dem habe ich jetzt ,seinen‘ Weinberg gebaut.“

Es begann mit einer Winterlandschaft

Wie er dazu gekommen ist? „Ich bin halt ein verspielter Junge“, lacht der 71-Jährige, der sich dort unten wie in einem Jungbrunnen zu fühlen scheint. „Es fing damit an, dass der Winter-Hintergrund vom 60. Geburtstag war. Da hab ich hier eine Après-Ski-Party im Keller gefeiert. Die Sachen konnte ich danach nicht wegschmeißen.“

Gemeinsam mit seiner Frau fuhr er oft nach Venlo. „Und da bei Leurs, da haben die immer so Landschaften. Das hat mich immer fasziniert“, erklärt Dahlmann. „Und 2015, als ich Rentner wurde, bin ich da mal gucken gegangen. Und meine Frau sagte: ,Wenn Dir das doch soviel Spaß macht, dann kauf Dir doch was davon.‘ Da hab ich mir den ,Fliegenden Teppich‘, das Kettenkarussell, die Selbstfahrer, das Kinderkarussell und zwei, drei Buden gekauft.“ Und ab ging es in den Keller. „Und dann ist das gewachsen – von Jahr zu Jahr immer mehr.“ Was ihn daran fasziniere, diese Landschaften aus Styropor, Rigips, Holzplatten und anderen Materialien zu errichten? „Einfach diese Realität, die Kirmes – das erinnert einen an früher. Dieses Jahr haben mir die Kinder ein neues Fahrgeschäft gekauft, das musste ich wieder neu einbauen. Ich könnte hier den ganzen Tag basteln. Der sechste Winter ist das jetzt.“

Die aktuellste Errungenschaft ist der Winnekendonker Karnevalszug, den er jetzt mit den „Swingenden Doppelzentnern“ und ein paar Wägelchen zusammengestellt hat. „Ich hatte die Doppelzentner eh als Kapelle auf dem Kirmesmarkt stehen und hab das dann aufgebaut. Dazu kamen noch alte Autos von den Kindern – darunter ein Formel 1-Auto, das sogar noch mit Fernsteuerung fährt.

Auf einem „Bierwagen“ findet sich eine großen Spritze und die Aufschrift: „Hier kommen die neuen Impfdosen“. Ein Wagen aus „Schnee“ ist mit dem Volksbank-Motto „Wir machen den Weg frei“ verziert. Und auf dem Mottowagen findet sich der Spruch „Mit Schnaps und Gin ist der Virus hin“ plus Minimodell des Coronavirus. „Das gehört ja im Karneval dazu, aktuelle Sachen muss man machen.“ In der Vergangenheit kamen immer schon mal Gruppen gucken, berichtet Dahlmann. „Dann melden die sich an, dann kommen Fahrradgruppen, irgendwelche Bekannte und gucken sich das an. Jetzt tut sich ja nix im Moment, aber vielleicht können wir das ja nachholen.“ 

„Kellerkind“

Seine Frau sei „begeistert“ ob seines Hobbys: „Die kann oben Fernsehen gucken, wie sie will – ich bin immer abends im Keller.“ Kein Wunder, dass er  von ihr schon den Spitznamen „Kellerkind“ weg hat, fällt ihm ein, „dass das noch nicht alles“ ist. Er führt zur gegenüberliegenden Tür. „Das war früher der Spielkeller für die Kinder“, gibt er den Blick frei auf seine zweite selbstgeschaffene Welt. „Da gibt es das Berchtesgadener Land mit Sessellift und einen Streifzug von Hamburg mit Reeperbahn.“    

Auch wieder aktuell: Der Run auf die Skigebiete hat bei Friedel Dahlmann im Keller längst eingesetzt. Foto: AF

Tatsächlich entdeckt man dort einen weiteren Reichtum an spannenden Details: eine tatsächlich fahrende Seilbahn mit Skileuten, Wintercamping und eine Art „Mosel-Alm“, wo „immer die Post abgeht“, scherzt der Senior. „Dann ist da noch Wintercamping mit Wohnwagen.“ Vieles hat er selbst gebaut, verweist er auf den Fernsehturm und den „Michel“. „Und das Freudenhaus ist da, die Herbertstraße, die berühmte ,Ritze‘ von der Reeperbahn und das ,Dollhaus‘. Da oben im Zelt, die können es gar nicht abwarten“, weiß man spätestens jetzt, warum Dahlmann am Eingang immer stehen habe: „Erst ab 18“. Für die Elbphilharmonie habe er eine Linoleumplatte verwandt, die Fenster ausgeschnitten, dahinter ein paar Löcher und Licht hinten angeklebt. „Jetzt hat man den Eindruck, dass das die echte „Elbphi“ ist“,sagt er.

Und das Kreuzfahrtschiff AIDA habe er von Schatorjé bekommen. „Ich bin in Kevelaer über die Hauptstraße. Da stand dieser Traumschiff-Prospekt auf der Straße. Und dann hab ich gefragt, ob ich das haben könnte. Und die sagten: „Ehe das verregnet, kann ich Ihnen das gerne geben.“ Dahlmann klebte es auf Linoleum „und jetzt habe ich sogar ein Traumschiff, das hier in den Hafen läuft.“

500 Figuren

Unter den Landschaften befinde sich auch „ganz viel Kabelsalat“, erzählt Dahlmann. „Da habe ich schön mit Klebeband draufgeschrieben, was was ist. Und wenn da was kaputtgeht, hat man es einfacher.“ Wie viele Lichter er in die verschiedenen Landschaften verbaut hat, mag er nicht zu sagen. „Ich kann nur sagen: Bei den Figuren, die hier an der ganzen Anlage sind, bin ich bei 500.“ Die Besucher, die zu ihm kommen, sagen immer: Das können sie nicht glauben, dass es sowas in dem Keller überhaupt gibt. Die denken immer: Da steht so eine Eisenbahn da.“ 

„Ein bisschen bekloppt muss man sein, sonst kann man das nicht machen“, gibt er zu. Die Geräuschkulisse den Tag lang störe ihn gar nicht. „Das ist Leben für mich.“ Wer weiß, ob die nicht ganz ernst gemeinte Idee, die er noch im Kopf hat, vielleicht doch Wirklichkeit wird. „Wenn gut Wetter ist, haben die Nachbarn schon gesagt, machste mit den Wagen einen kleinen Karnevalszug und dann gehe ich mit der Trommel, die hier in der Ecke steht, voran. Und die anderen ziehen den Karnevalswagen – als einziger Karnevalszug in Deutschland.“

Verurteilt wegen Körperverletzung

Im Prozess gegen einen 22-jährigen und einen 27-jährigen Mann aus Kevelaer wegen Körperverletzung hat das Gelderner Amtsgericht den jüngeren von ihnen zu einer Geldstrafe von 1600 Euro verurteilt. Sein Begleiter wurde freigesprochen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 22-jährige vorbestrafte Mann am 24. Februar 2020 beim Karneval im Zuge eines Handgemenges mit zehn bis zwanzig Personen am Durchgang von der Marktstraße zum Konzert- und Bühnenhaus einen 20-Jährigen vorsätzlich in das Gesicht geschlagen hatte. Der Betroffene selbst hatte an dem ersten Verfahrenstag zuvor ausgesagt, er habe dem Angeklagten noch Geld geschuldet, habe von ihm Drogen gekauft und damals gedealt. Das Thema sei an diesem Tag auch zur Sprache gekommen. Der Angeklagte hatte die Tat vor Gericht bestritten. Mehrfach befragte er die am Tatort herangeilten Polizisten, ob er überhaupt von ihnen gesehen worden sei. Er habe sich vorzeitig vor dem Ausbruch des Handgemenges davon gemacht.

„Benni im Bärenkostüm“

Die zuständige Richterin überzeugte diese Argumentationslinie nicht. Sie zeigte sich davon überzeugt, dass der „Benni im Bärenkostüm“, der dann Richtung Marktstraße weggelaufen sei, nur der Angeklagte sein konnte. Die damalige Freundin des Angeklagten konnte sich vor Gericht erinnern, dass ihr Freund ihr gesagt habe, dass er es gewesen war.

Ein 27-jähriger Kevelaerer, der in das Handgemenge aktiv mit verstrickt war, wurde vom Vorwurf der Körperverletzung freigeprochen. Auf Basis der Aussagen vor Ort hatte die Staatsanwaltschaft den Verdacht geäußert, dass der Begleiter der Freundin des Opfers bewusst und absichtlich einen Schlag ins Gesicht versetzt haben soll – ob mit der flachen Hand oder mit der Faust, wisse sie nicht mehr, hatte die heute 18-Jährige bei der Polizei im Februar angegeben.

Keine Schmerzen

Im Gerichtssaal konnte sie aber nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es der wegen einiger Delikte im Jugendstrafrecht vorbestrafte Mann war oder nicht. Sie habe in dem Moment nur versucht, ihren Freund aus dem Handgemenge herauszuziehen und immer gesagt, dass sie keinen richtigen Schlag erhalten, sondern dass sie nur „einen mitbekommen“ habe.  Und dass der Schlag, der sie erwischt, aber keine Schmerzen oder schwere Verletzungen nach sich gezogen habe, allerhöchstens unabsichtlich aus der Situation heraus erfolgt sei.

Ihr damaliger Freund gab an, wegen des Angriffs auf seine Person davon nichts mitbekommen zu haben. Seine Aussage wertete das Gericht als „unergiebig“. Selbst die Staatsanwaltschaft hatte im Anschluss an die Beweisaufnahme Freispruch für den 27-jährigen Angeklagten gefordert.

Karnevalisten bleiben optimistisch

Schunkelnde Narren zu den Klängen der „Swingies“ im Forum Pax Christi, kollektives „Hände zum Himmel“-Singen in der Basilika, ein farbenprächtiger Umzug durch die Stadt und eine tolle Sitzung – all das gehört zur Wallfahrt der Karnevalisten, die alljährlich Hunderte Jecken aus dem ganzen Land nach Kevelaer lockt.

Doch all die schönen Dinge, die eigentlich am 8. November wie sonst vonstatten gehen, fallen nun dem Coronavirus zum Opfer. „Wir haben die Wallfahrt der Karnevalisten schweren Herzens abgesagt“, erklärt Elke Tebartz, die Präsidentin des VFR Blau-Gold Kevelaer. „Wir hatten ein tolles Abstands- und Hygienekonzept, aber unter den Umständen“ sei es halt nicht möglich, die Veranstaltung durchzuführen.

In der Basilika habe man noch mit 150 Menschen geplant, im Forum wäre sicher das Doppelte gegangen, weil man die Leute anders hätte plazieren können. Aber seit Mittwoch vergangener Woche steht fest, dass das in der Form gar nicht mehr möglich ist. „Die Kirche sagt, Messen gehen. Aber das ist ja eine Zusammenkunft. Und wir als Verein halten dann auch dafür den Kopf hin und wollen der Pandemie keine Nahrung geben.“ Natürlich sei das alles nicht schön, sagt Tebartz, „weil im Endeffekt gar nichts stattfindet. Wir konnten vor der Pandemie feiern, mit Aschermittwoch kam quasi die Pandemie und dann war es vorbei.

Es besteht noch Hoffnung

Jetzt wolle man schauen, „was wir nach dem 31. November beziehungsweise ab dem 1. Dezember dürfen oder nicht dürfen.“ Das Bühnenhaus habe man noch immer für die große Prunksitzung reserviert. „Wenn, dann wird das nicht so stattfinden wie sonst“, das sei schon klar. „Wir versuchen aber bis auf den letzten Drücker, dass was passiert.“ Auch den Rosenmontag habe man offiziell noch nicht abgesagt. „Wir sind nicht so pessimistisch wie an anderen Orten. Wir versuchen, so lange wie es irgendwie geht, etwas auf die Beine zu stellen.“

Die Tanzgarden hätten nach den Sommerferien bereits draußen mit dem Training angefangen, weil die Dreifachturnhalle ja renoviert worden sei. „Wir hätten jetzt mit den Gardetänzen angefangen, aber jetzt gibt es ja kein Training mehr.“ Und im Dezember werde man wahrscheinlich nicht mehr anfangen. Die Information habe man an die Tanzmädels direkt weitergegeben. „Die waren alle total traurig. Das ist im Moment nicht machbar. Wir versuchen, den Kontakt zu den Mädels zu halten.“

In dem Sinne sei die nächste Session von der Warte aus dann natürlich gelaufen. „Aber die alten Tänze würden die Mädels noch tanzen können“, falls die Möglichkeit doch noch bestehen sollte. Wie es mit dem Turniertanzen weitergehen wird, sei noch nicht ganz klar. „Es gab 2020 auch nur ein oder zwei Turniere. Und das nächste Turnier von uns wird womöglich auch abgesagt. Aber auch da warten wir ab, weil wir Karnevalisten Optimisten sind.“

Man gebe die Hoffnung nicht auf, „dass es irgendwann einmal aufwärts gehen wird.“ Und die gut 2000 geplanten Exemplare der Karnevalszeitschrift „Fünfte Jahreszeit“ wird man trotz der Pandemie herausgeben, „um den Karneval so wenigstens den Narren nahezubringen.“

Wallfahrt der Karnevalisten wurde jetzt abgesagt

In einem Schreiben an alle betroffenen Vereine wendet sich der Verein zur Förderung des Rosenmontagszuges Blau Gold Kevelaer an die Karnevalsfans. Darin heißt es:

„Durch die neuen Bestimmungen der Bundesregierung (…) und aufgrund der massiv steigenden Infektionszahlen sowie der jetzt schon unter der Gefährdungsstufe 2 geltenden Einschränkungen haben wir uns schweren Herzens entschieden, die Wallfahrt der Karnevalisten am 8. November abzusagen. Nach heutigem Stand ist auch zu befürchten, dass sich die Situation in den nächsten Tagen noch verschärfen wird. Eine Umsetzung der Vorgaben halten wir leider für nicht möglich. Der gesamte Vorstand vom VFR Blau-Gold hofft auf Euer Verständnis. Wir hoffen, dass Ihr alle und eure Familien und Freunde Gesund durch die nächsten Monate kommt. Im nächsten Jahr würden wir uns freuen, Euch alle wohlbehalten auf unserer Wallfahrt anzutreffen.

Mit freundlichen Grüßen und einem Dreifachen Kävele Helau.
Elke Schumacher
VFR-Blau-Gold Kevelaer“

Ergänzend dazu teilt Schriftführer Helmut Baers mit, am 8. November werde per Video ein Grußwort veröffentlicht. Zudem könnten die Wallfahrt-Pins per Mail bestellt, oder im Frisörladen von Michael Schumacher erworben werden.

„Mask hätt Session“

Auf der jüngsten Vorstandssitzung des VFR Blau-Gold Kevelaer musste sich der Vorstand mit der Situation in Bezug auf die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die bereits lange im Voraus geplanten Veranstaltungen des VFR in der kommenden Session auseinandersetzen. Die Folgen für das Karnevalstreiben in Kevelaer gibt der Verein nun bekannt.

Die Wallfahrt der Karnevalisten am 8. November 2020 kann nur in „abgespeckter Form“ durchgeführt werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand können nur 150 Personen an der Messe teilnehmen. Der VFR bittet daher um Verständnis, dass die begrenzten Plätze in der Basilika in diesem Jahr nur an die geladenen Karnevalisten vergeben werden können. Die Messe wird aber per Video aufgenommen, sodass alle Interessierten das Geschehen über das Internet verfolgen können. Der sonst übliche Umzug durch die Innenstadt nach der Messe muss entfallen.

Die angesetzte Prinzenproklamation am 13. November 2020 kann in diesem Jahr nicht im Hubertuszelt stattfinden – die Hubertuskirmes wurde bereits abgesagt. Eine Verlegung ins Bühnenhaus machte für den VFR wenig Sinn. Die Prinzenproklamation wird daher auf das nächste Jahr verschoben und findet am 12. November 2021 im Hubertuszelt statt. Alle bereits erworbenen Karten für die diesjährige Prinzenproklamation behalten ihre Gültigkeit für die Veranstaltung im nächsten Jahr. Wer seine Karte zurückgeben möchte, sollte hierzu eine E-Mail an Elke Schumacher unter sitzungen@vfrblaugoldkevelaer.de senden. Der Kaufpreis wird dann vollständig ersetzt.

Die Sessionseröffnung am 11. November 2020 im Vereinslokal „Zur Schanz“ wird nicht stattfinden.

Sitzungen werden nicht wie gewohnt geplant

Zum Rathaussturm am Altweibertag und zum Rosenmontagsumzug im Februar 2021 wollte der Vorstand noch keine eindeutige Entscheidung treffen. Die Politik lasse die Vereine diesbezüglich im Unklaren, erklärt der VFR. Nach derzeitigem Stand können die Sitzungen des VFR (Bunter Nachmittag für Jung und Alt, Große Kappensitzung und der Kinderkarneval) nicht in der bisherigen bewährten Form durchgeführt werden. Der Vorstand sucht hier nach Alternativen. Beschlossen wurde allerdings auch, trotz des befürchteten „Ausfalls“ der Karnevalssession 2020/2021 die Karnevalszeitung „5te Jahreszeit“ auch für die kommende Session 2020/2021 zu erstellen und herauszugeben. Passend zur Corona Pandemie wurde ein neues  Motto für die Session gefunden. Es lautet: „Mask hätt Session“.

Der Vorstand des VFR erklärte, dass die Entscheidungen nicht leicht gefallen seien. Bei all den Planungen stehe jedoch die Gesundheit aller im Vordergrund. „Und auf diesem Wege wünscht der VFR allen Karnevalisten und der gesamten Bevölkerung alles Gute und vor allen Dingen Gesundheit“, heißt es in einer Mitteilung.

Zeichen stehen auf Absage

Was wird aus dem Karneval in Coronazeiten? Überall herrscht Ungewissheit. Das wurde auch beim Treffen der Karnevalsvereine des Südkreises im Twistedener IBC deutlich.

„Wir treffen uns jedes Jahr für Nachbesprechungen und tauschen uns aus“ erklärt die VfR-Präsidentin Elke Tebartz. „Dieses Mal haben wir mal mehr über die jetzige Situation gesprochen.“ Keiner wisse wirklich, was Sache sei. Und eine einheitliche Linie gäbe es nicht.

„Die Verunsicherung ist da“, sagt die Karnevalistin. „Viele waren der Ansicht, dass sie die Veranstaltung aufgrund des Gesundheitskonzepts so umsetzen sollten und können. Einige sagen, absagen.“ Und Goch habe schon abgesagt. „Wir warten ab, sagten auch einige. Andere haben alles auf Lager liegen und warten auf „go“ oder „stop“, sobald man was Neues von oben hört.“

Als Veranstalter trage man Verantwortung und Risiko gleichermaßen. „Wir können jetzt nicht den Rosenmontagsleuten sagen: Wir sagen eventuell im November mal ab, fangt schon mal an.“ Auch finanziell sei dabei einiges zu beachten. Dementsprechend müsse man jetzt zeitnah entscheiden. Ihre Maxime sei: “Gesundheit geht vor.“

Man müsse noch aus einem anderen Grund Verbindlichkeit herstellen. „Wir haben ja auch Künstler engagiert, haben mit denen Verträge.“ Die Tendenz sei schon „irgendwo absagen oder es stark reduzieren.“ Wie man das aber im kleinen Rahmen verwirklichen solle, „wissen wir noch nicht.“ Natürlich mache man sich auch Gedanken, wie Karneval unter Corona-Bedingungen funktionieren könnte. Aber Karneval ohne Alkohol, mit 1,50 Meter Abstand und ohne Bützen, das erscheint „schwer möglich“.

Natürlich wolle man Brauchtum nicht absagen. „Aber Kirmes ist auch Brauchtum, musste auch abgesagt werden.“ Und eins ist für die VfR-Vorsitzende glasklar: „Wir wollen nicht die Schlagzeilen 2021, die Heinsberg 2020 hatte. Für das Risiko verantwortlich zu sein, das will ich nicht.“ Das sei für alle Beteiligten „eine sehr unglückliche Situation.“ Bloß kein zweites Heinsberg. Das bestätigt auch der Präsident der Karnevalsfreunde Twisteden, Rolf Roosen. Man habe im IBC eine gemeinsame Marschrichtung abstimmen wollen.

Schnell wurde deutlich, dass das nicht geht, „weil die vertragliche Situation und Organisation der einzelnen Vereine“ halt unterschiedlich sind. Und weil die Künstler, die unter Vertrag stehen, bezahlt werden, wenn man vor einem offiziellen Verbot eine Veranstaltung oder einen Zug absagt. „Da warten die meisten ab.“

Wirklich wohl fühle sich mit der Situation absolut niemand. „Keiner sagte, wir wollen das auf jeden Fall machen.“ Vereinzelt werde über Videos und Onlinesitzungen nachgedacht. „Da muss jeder Verein gucken, was er in seinen Möglichkeiten verwirklichen kann.“ Über ein Corona-Hygienekonzept zum Karneval habe man sich noch keine Gedanken gemacht. „Da sich das ständig ändert, haben wir ein Konzept nicht gemacht.“

Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Wie soll da Stimmung entstehen?„Echte Stimmung beim Sitzungskarneval wird doch nicht aufkommen, wenn nur 30 oder 40 Leute reinzusetzen sind.“ Das habe dann „mit Karneval feiern nix zu tun“, findet Roosen. „Es ist auch die Frage, wenn wir feiern, ob da jemand hingeht.“

Und allein die Zugfeier kostet „ein Vermögen“, sagt Roosen. „Wenn da keiner hinkommt und kein Umsatz stattfindet, kann man das nicht bezahlen.“ Mit 30 Mann eine Kappensitzung und den Zug könne man nur machen, wenn „jemand uns nett Geld schenkt.“ Im Ergebnis bedeute das: „Also entweder für Twisteden alles oder nix.“

Voraussichtlich noch in dieser Woche soll es ein Gespräch der Vereine mit Bürgermeister Dominik Pichler geben, um eine einheitliche Linie herzustellen. „Meine private Meinung ist: Verantwortungsvoll kann man ohne Impfstoff keine Session machen“, sagt Roosen. „Und es wäre das Einfachste, wenn von Land und Bund das Signal kommt, ob es machbar oder nicht ist.“

Seine Haltung zum Thema ist klar: „Lieber ein Jahr Pause und dann wie Phönix aus der Asche als Gangelt. Das nützt nix.“ Wenn man dann rumlaufe, „und jemand sagt, Oma ist gestorben, weil Karneval war“, dann sei damit nichts gewonnen. „Und wenn da ein Highspreader mit Trillerpfeife ist, kannste das alles nicht sicherstellen.“

Bei den anstehenden Wahlen sei das wohl nicht so leicht zu entscheiden. „Ich kann mir vorstellen, dass Ende September sich jemand traut, das offen zu verkünden, weil es eine unpopuläre Entscheidung ist.“ Die Kommunikation mit dem Ordnungsamt und der Stadt laufe hinsichtlich Corona super. „Wir werden eine Lösung finden, wo jeder mit leben kann.“ Beim Ordnungsamt ist die mögliche Absage von Karneval auch Thema. „Wir machen uns da natürlich Gedanken, aber wir haben bis jetzt die Corona-Schutzverordnung, die bis Ende August gilt“, sagte Ordnungsamtsleiter Ludger Holla. „Wir erhoffen uns spätestens für den 1. September einen entsprechenden Hinweis. Das Ministerium lässt sich von uns nix vorschreiben.“

Das Ganze sei noch in der Schwebe, aber Holla bezeichnete es als „relativ unwahrscheinlich“, dass ein Karnevalstreiben stattfinden könne, auch wegen der aktuell steigenden Infektionszahlen. „Aber es gibt noch keine Regelung.“ Das Gesundheitsministerium in Düsseldorf sei für eine Verordnung zuständig. „Wir müssen es umsetzen.“ Es habe da schon einen Austausch des Bürgermeisters mit der VfR-Präsidentin Elke Tebartz gegeben, bestätigte er. „Und dass es in der Richtung die Info gab, darauf jetzt zu warten.“

Beim Karneval Kraft tanken für die kommende Fastenzeit

Pünktlich um 9.11 Uhr ergriff Gertrud Koenen im Petrus-Canisius-Haus das Wort. Sie begrüßte 150 Möhnen aus Kevelaer und Umgebung zum Möhnefrühstück der kfd St. Marien Kevelaer. Auch von der gönne Kant aus Wesel waren einige Jecke angereist. Neben selbstgebackenem Schwarzbrot und Krinteweck gab es eine reichhaltige Auswahl am Büfett. Bereits während des Frühstücks sorgte Monika Voß mit schönen Liedern und einigen Dönches für gute Stimmung.

Das ehrenamtlich arbeitende kfd-Team – bestehend aus Maria Haesters, Gertrud Koenen, Waltraud Lemken, Elke Manders und Edith Willemsen – sorgte mit tatkräftiger Unterstützung dafür, dass es den Gästen an nichts fehlte. Unter den Helfern waren auch Männer zu finden, die sich an diesem Morgen um die schweren Dinge wie Getränkekästen und Sektkartons kümmerten.

Mit Pauken und Trompeten zogen sie ein

Kurz nach 10 Uhr, vor dem offiziellen Rathaussturm, zogen mit Pauken und Trompeten die Swingies samt Festkettenträger, VFR-Garde und Kinderprinzenpaar ins Petrus-Canisius-Haus ein. Prinzessin Milla und Prinz Lasse erfreuten die Möhnen mit lustigen Versen, sehr souverän und professionell. Das ganze Gefolge kam vom Priesterhaus, wo es versucht hatte, die Geistlichkeit einzufangen. Pfarrer Kauling befand sich jedoch in einer Rehamaßnahme und Kaplan Schwerhoff auf Fortbildung. So hatte Dr. Bastian Rütten das Vergnügen.

Dieser griff die Gelegenheit beim Schopf und nutzte die Kanzel bzw. die Bütt, um einiges aus dem Nähkästchen des Priesterhauses zu erzählen. Gekonnt und mit hintergründigem Humor erfuhren die Damen im Saal viel Neues von den Herren im Talar. Auch machte Rütten deutlich, wie wichtig die Freude und die Heiterkeit für die kommenden Tage der Fastenzeit sind. Später lüftete Edmund, der Kirchenschweizer, weitere Geheimnisse aus den heiligen Hallen.

Über die Wallfahrt und die Ehemänner

Markant an diesem Möhnefrühstück ist stets die Nähe zur Kirche. Das Gottvertrauen ist besonders bei der Planung des Programm­ablaufs zu spüren. „Wir wissen nicht, ob und wer überhaupt eine Büttenrede hält“, erklärte Gertrud Koenen. Doch wie in den vergangenen Jahren konnte sie sich wieder auf die Spontaneität der Möhnen St. Mariens verlassen. Ob auf Platt oder in Reimform, über die Wallfahrt oder Ehemänner, ja auch wichtige Themen wie der Verlust der Unschuld oder die Plagen eines XXL-Mannequins, alles wurde angesprochen und mit lustigen Anekdoten ins rechte Licht gerückt.

Die sich abwechselnden Büttenrednerinnen Liesel Bay, Maria Haesters, dat Kathrinschen, Gertrud Koenen, Maria Verhülsdonk und Martha Winkels sorgten für ein gutes Training der Lachmuskeln. Arm- und Beinmuskeln wurden dann beim Schunkeln auf Trab gehalten. Die speziell für diesen Morgen gegründete Band – bestehend aus Anton Koppers sowie Dominik und Hubert Lemken – sorgte ebenfalls für gute Stimmung. „Wir haben bereits Karten für 2021 geordert“, sagte eine Weselerin.