Beiträge

Festhochamt mit Prälat Albert Thomas Dölken OPraem

Abt von Hamborn eröffnet Wallfahrtszeit in Kevelaer

Der Abt der Prämonstratenserabtei Hamborn, Prälat Albert Thomas Dölken OPraem, eröffnet am Samstag, 1. Mai 2021, die diesjährige Kevelaerer Wallfahrtszeit, die unter dem Leitgedanken „Atme in mir, Heiliger Geist“ stehen wird.

Virtueller „Tag der Landeskunde“ sollte ursprünglich in Kevelaer stattfinden

Wissenswertes über die Region und die Wallfahrtsstadt

Der erste „Tag der Landeskunde“ 2020 in Bonn war bereits Corona zum Opfer gefallen. Der zweite Anlauf jetzt konnte leider auch nicht in Kevelaer stattfinden. „Wie gerne wären wir jetzt dort im kulturhistorischen Museum mitten im Zentrum der Stadt. Aber wir können nicht so, wie wir wollen.“

Kevelaerer Wallfahrt wird auf Streaming-Plattform gezeigt

Schwedischer Stummfilm bei „netflix“ zu sehen

Schon seine Aufführung in der Basilika, damals musikalisch von Elmar Lehnen und interpretatorisch von Dr. Bastian Rütten begleitet, war interessant. „Die Wallfahrt nach Kevelaer“, ein 1921 veröffentlichter schwedischer Stummfilm, war 2019 dort gezeigt worden. Nun gibt es ihn auch auf netflix zu sehen.

Die traditionelle Tagung erfolgt am Samstag virtuell. Doch die Teilnehmer*innen erhalten auch ein analoges Erinnerungspaket

Ganz Kevelaer denkt an die Pilgerleiter*innen

180 Pilgerleiter*innen wären eigentlich am Samstag, 27. März, zur Pilgerleiter*innentagung in der Wallfahrtsstadt zu Gast. Da das aufgrund der Pandemie nicht möglich sein wird, kommt Kevelaer nun zu ihnen nach Hause.

Erinnerungstafel in Veldener Kirche

Die Jubiläums-Wallfahrt der Veldenpilger zum Hl. Andreas nach Velden konnte coronabedingt am 1. Advent nicht stattfinden. Als Erinnerung an das 450-jährige Bestehen brachten Vorstandsmitglieder der Pilgergruppe, Jörg Blumenkemper und Theo Boetselaars, in der St. Andreas-Kerk im Beisein des Veldener Pastors Carl Müller und des Veldener Pilgerbetreuers Hay Lucassen eine Erinnerungstafel aus belgischem Granit an. Sie soll auch ein Zeichen für die gute und freundschaftliche Verbindung der Pilger mit der Veldener Gemeinde sein.

„Hilfe und Trost in der Begegnung mit dem Heiligen“

Dieses Jahr waren die Basilika und der Kapellenplatz nicht wie sonst voller Pilger, als am Fest Allerheiligen die Pilgerpforte und damit die Wallfahrtssaison geschlossen wurde.

Auch von der Bruderschaft der Consolatrix Afflictorum und von der Kompturei der Ritter vom heiligen Grab Duisburg kam nur eine kleine Abordnung, die den liturgischen Ein- und Auszug begleitete. Auch musikalisch gab es statt dem vollen Basilikachor und -orchester nur eine kleine Auswahl von Sängern, die unter Leitung von Romano Giefer und unter Orgelbegleitung die lateinische Messe von Josef Pembaur aufführten. In der Marienbasilika reichten für die Teilnehmer die 150 vorgegebenen Sitzplätze. Niemand musste stehen.

Heilige mit Hand und Fuß

Weihbischof Karl Borsch, der aus Aachen gekommen war, ging in seiner Predigt auf Heiligkeit ein: „Heilig ist, wer zu Gott gehört. Gott heiligt uns! Weil wir Kinder Gottes sind, sind wir heilig“. Nun gelte es nur, im Alltag noch das zu werden, was wir von Gott her schon seien, Heilige mit Hand und Fuß, Menschen, die ganz und ungeteilt, einfach und konsequent im Glauben und Leben seien. Es gelte, die Welt und den Alltag, die Freizeit, das Leben in allen Dimensionen von Gott her zu heiligen, sie von Gott her zu sehen und zu verstehen und so die Gegenwart Gottes zu entdecken und einen geweiteten Horizont zu bekommen.

Dass nach Kevelaer so viele Menschen kommen, sei ein Zeichen dafür, dass es mehr geben müsse als das Diesseits. „Die Menschen suchen Hilfe und Trost in der Begegnung mit dem Heiligen. Viele spüren, dass sie nicht vom Kühlschrank und vom Internet leben können. Die Sehnsucht nach Mehr ist da, gerade in diesen bewegten Zeiten.“

Der Weihbischof bekannte, dass ihn in diesen Tagen die Menschen vermehrt um den Segen bitten und gab den Appell: „Schenken auch Sie den Menschen die Nähe Gottes. Zeigen Sie den Alten, Kranken, Einsamen und Trauernden, dass sie nicht allein sind. Stellen Sie Ihre Kinder und Enkelkinder unter den Segen Gottes, so heiligen Sie die Welt und die Menschen.“

Pilgerpforte wurde erstmals von innen geschlossen

Am Ende der heiligen Messe wurde, auch ein Novum in diesem Corona-Jahr, die Pilgerpforte nicht von außen, sondern von innen geschlossen. Weihbischof Borsch betete davor noch zu Gott, dass er den Menschen beistehen möge, die Pandemie zu überwinden.

Pastor Gregor Kauling dankte am Ende für die tiefen und ermutigenden Worte des Weihbischofs. Er sprach dem Bürgermeister Dr. Dominik Pichler für die gute Zusammenarbeit mit Rat und Verwaltung der Stadt seinen Dank aus und mahnte: „Verlieren wir in diesen anstrengenden Zeiten nie die Hoffnung!“ Er dankte allen, die liturgisch, musikalisch oder als Ordner an der Feier mitgewirkt hatten sowie allen, die dafür sorgten, dass der Gottesdienst über Fernsehen und Internet an so viele weitere übertragen werden konnte. Er erwähnte, dass im nun abgeschlossenen Wallfahrsjahr immerhin 20 Bischöfe aus fünf Nationen in der Wallfahrtsstadt waren.

In diesem Jahr sei immerhin ein Drittel der sonst üblichen Zahl der Pilger nach Kevelaer gekommen. Er verwies noch einmal auf die Beerdigung von Pfarrer Richard Schulte Staade am 25. Januar, ohne den Kevelaer nicht so wäre, wie es heute ist. „Wir stehen in Kevelaer in dem Erbe, Menschen zu empfangen, Gastfreundschaft zu leben und Trost zu schenken“, sagte er.

In diesem Jahr sei alles anders, aber er ermutigte dazu, einsame Menschen nicht zu vergessen. Er erwähnte das Wallfahrtsmotto des kommenden Jahres: „Atme in uns, heiliger Geist“ und kündigte schon vorab den geplanten Besuch einiger Bischöfe und des Abtes von Einsiedeln im kommenden Wallfahrtsjahr an.

Am Ende folgte in recht kleiner liturgischer Prozession der Zug zur Gnadenkapelle und das Angelus-Gebet vor dem Gnadenbild.

„Der Weihbischof hielt eine gute Predigt“, würdigte Gottesdienstbesucher Helmut Walter und nannte als Fazit: „Wir sollen keine Angst vor der Zukunft haben“.

„Der Chor hat total schön gesungen. Für die Umstände war die Feier schön gemacht“, meinte Christina Hanenberg. Und ihre Mutter Gabriele fügt an: „Wir freuen uns schon auf die Wallfahrtseröffnung und blicken hoffnungsvoll ins neue Jahr, um hier viele wunderbare Gottesdienste miteinander zu feiern.“

Der Kapellenplatz war im Corona-Jahr nicht wie sonst voller Pilger.

Wallfahrt der Karnevalisten wurde jetzt abgesagt

In einem Schreiben an alle betroffenen Vereine wendet sich der Verein zur Förderung des Rosenmontagszuges Blau Gold Kevelaer an die Karnevalsfans. Darin heißt es:

„Durch die neuen Bestimmungen der Bundesregierung (…) und aufgrund der massiv steigenden Infektionszahlen sowie der jetzt schon unter der Gefährdungsstufe 2 geltenden Einschränkungen haben wir uns schweren Herzens entschieden, die Wallfahrt der Karnevalisten am 8. November abzusagen. Nach heutigem Stand ist auch zu befürchten, dass sich die Situation in den nächsten Tagen noch verschärfen wird. Eine Umsetzung der Vorgaben halten wir leider für nicht möglich. Der gesamte Vorstand vom VFR Blau-Gold hofft auf Euer Verständnis. Wir hoffen, dass Ihr alle und eure Familien und Freunde Gesund durch die nächsten Monate kommt. Im nächsten Jahr würden wir uns freuen, Euch alle wohlbehalten auf unserer Wallfahrt anzutreffen.

Mit freundlichen Grüßen und einem Dreifachen Kävele Helau.
Elke Schumacher
VFR-Blau-Gold Kevelaer“

Ergänzend dazu teilt Schriftführer Helmut Baers mit, am 8. November werde per Video ein Grußwort veröffentlicht. Zudem könnten die Wallfahrt-Pins per Mail bestellt, oder im Frisörladen von Michael Schumacher erworben werden.

Zeichen für mehr Solidarität und gegen Rassismus

Unter dem Motto „Tu‘ Deinen Mund auf für die Stummen“ hatten die Aktion pro Humanität und die Vertreter der Kirchen die sechste interreligiöse Wallfahrt gestellt. Zu Beginn versammelten sich traditionell die Religionsgemeinschaften der Juden, Christen und Muslime an dem Marienpark-Denkmal.

„Dass alle drei Religionsgemeinschaften an die denken, denen es nicht gut geht, ist greifbar – und das ist gut so“, sagte Steffi Neu. Die Moderatorin begrüßte die Teilnehmer und forderte die Menschen auf, „die Stimme für die Demokratie zu erheben.“

Man werde „immer wieder bedrängt durch die Krisen und die Ungerechtigkeit weltweit. Es ist gut, dass es dagegen auch eine Globalisierung des Zusammenschlusses und der Gerechtigkeit gibt“, sagte Pastor Gregor Kauling. „Wir erheben heute hier die Stimme für Menschen, die nicht nur unter uns, sondern auch in anderen Regionen der Welt bedroht sind. Denen, die stumm geworden sind, verleihen wir eine Stimme.“

Ahmad Aweimer, Dialog- und Kirchenbeauftragten des Zentralrats der Muslime in Deutschland, erinnerte an den Koran-Satz „Wir haben die Kinder Adams geehrt“ und an de Tatsache, „dass Gott allen Menschen Würde verliehen hat.“ Er hatte sein Schild mit der das Grundgesetz erweiternden Aufschrift „Die Würde aller Menschen ist unantastbar“ versehen. Aweimer erzählte die Geschichte vom Gefährten des Propheten Bihal, der nach unerträglichen Qualen aus der Sklaverei freigekauft wurde und seinen Häschern mit Milde begegnet.

Michael Rubinstein, dem Gemeindedirektor der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf , hielt diese Art der Zusammenkunft in Corona-Zeiten gerade für so wichtig, „weil die Religiosität untereinander gefragter ist denn je.“ Die ganze Welt sprecht über Corona, „aber nicht über die, die keine Stimme haben.“

Es sei „schön, dass wir hier mit den Religionen ganz sichtbar unterwegs sein können“, versichrte David Burau, da man durch die gleicher Welt gehe und es wichtig sei, „aneinander Anteil zu nehmen.“ Er hatte die Idee mit den Sprechblasen gehabt, die die Aufmerksamkeit auf die „Stummen“ der Welt lenken sollten. Die Aktion habe aber gezeigt, dass es wichtig sei, „wo wir gehen, wo Alltag ist“, den Mund aufzutun. „Ich wäre glücklich, wenn jeder eine Stimme oder einen Gedanken mitnimmt, denen eine Stimme zu geben, die es bitter nötig haben.“

Steffi Neu und APH-Mitbegründerin Elke Kleuren-Schryvers gaben danach Stimmen aus den Projekten wieder, für die die Aktion pro Humanität steht, aus Syrien, dem Niger, Griechenland oder dem Mittelmeer. Neu zitierte einen syrisch-katholischer Pater, der von der IS monatelang verschleppt worden war und der Ende Oktober an den Niederrhein kommen möchte. Zudem gab sie Weihbischof Rolf Lohmanns Kritik am „Profitstreben und dem Missbrauch der Ressourcen“ wieder. Und sie zitierte einen Franziskanerpater, der in der zerstörten Stadt Beirut von notwendiger Hilfe und „psychisch total zerstörten“ Menschen sprach.

Kleuren-Schryvers zitierte Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger und desse Aufforderung, die „vornehme Zurückhaltung“ aufzugeben und die Stimme für den „Schutz und die Sicherheit vor dem Terror in der Sahelzone“ zu erheben. Sie gab dem MOAS-Sprecher für Europa eine Stimme. Er fordert für die flüchtenden Menschen auf dem Meer eine Lösung. Und sie erzählte von einem afghanischen Flüchtling in dem Lager Moria. Dort sitzen die Menschen seit März im Lockdown und pandemiegefährdet zusammen. „Als ich das alles gelesen habe, habe ich mich selten so geschämt, Europäer zu sein“, sagte Kleuren-Schryvers. „Das sollte uns Treibstoff sein, für diese Menschen einzutreten, die unsere Stimme brauchen.“

Anschließend vollzog der Tross seinen Weg durch die Stadt. David Burau berichtete an der Antoniuskirche vom Schicksal der eine Million Uiguren in China , die in 1.200 Lagern Massenvergewaltigungen, Elektroschocks und Medikamentenexperimenten über sich ergehen lassen müssen. Er las Auszüge aus dem Leidensbericht einer Uigurin vor, die diese Folter erlebt hatten und über Kasachstan nach Schweden fliehen konnte.

Am Peter-Plümpe-Parkplatz ging Bürgermeister Dominik Pichler nochmal auf das Schicksal der Flüchtlinge auf der Insel Moria ein. „Die Menschen sind ja nicht zum Spaß auf der Flucht.“ Man dürfe sie nicht aus dem Blick verlieren, nur weil man wie einige in Berlin seine „eigenen Probleme“ sehe.

An der Hauptstraße/Ecke Annastraße ging Michael Rubinstein auf das Attentat an Yom Kippur 2019 ein, wonach die jüdische Gemeinde auch viel Solidarität erfahren. „Dass vor Gemeindezentren die Polizei steht vor schusssicherem Glas, wir die Kinder mit eigenen Bussen zur Schule befördern“, daran habe man sich gewöhnt- nicht aber daran, was man an Zuschriften erhalte oder auf Facebook lese.

Er zitierte aus einigen dieser Pamphlete wie „Der Holocaust ist nicht aufgehoben, er verzögert sich nur“ mit Hitler-Bild oder die mittlerweile auch nicht mehr anonym versendeten Email-Anhänge mit Ausdrücken wie „satanische Ausgeburt“ oder „Kriegserklärung der Juden an die Welt“.

Am meisten habe ihn der Satz „Juden , wir haben Euch im Auge“ bedrückt: Dagegen müssten alle ihre Stimme erheben, auch Nichtjuden. „Heute sind wir es, morgen die Muslime, übermorgen die Flüchtlinge und dann irgendwann Christen, die zu ihrem Glauben stehen.“

An der Friedenslichtstele auf dem Kapellenplatz legte Gregor Kauling den Fokus auf Belarus und die Situation dort, die ihn aufgrund seiner Erfahrungen dort sehr berühre. Er habe dort vor Jahren erlebt, wie Mitbrüder im Gefängnis saßen. Und selbst im Wald konnte er mit einem Kollegen nicht frei sprechen, weil sie abgehört wurden.

„Das Gesicht der Proteste in Belarus ist weiblich“, erklärte Kauling. Er führte die Beispiele an, wie eine alte Frau mit roter Fahne inmitten von Soldaten ging, eine junge Frau vorbei an einer Polizeikolonne das Victory-Zeichen zeigte oder der Präsidentschaftskandidatin, deren Mann im Gefängnis sitze und sie im Ausland mit ihren Kindern. Er betete dafür, dass „das Land in eine Revolution geführt wird, die zu Gerechtigkeit und Frieden führen kann.“

Anschließend konnten die Teilnehmer, die ihre Sprechblasen-Wünsche und Hoffnungen freien Lauf lassen, für „Sicherheit, Wohnen und Arbeit“ für die Flüchtlinge, gegen Rassismus, für gleichgeschlechtlich liebende Menschen, ungewollt schwanger werdende Frauen und die Kraft des Gebets.

„Wer sich Maria anvertraut, dem schenkt sie Trost“

Die Coronakrise hat auch vor der Wallfahrt nicht Halt gemacht. Bedingt durch die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregel haben in diesem Jahr bislang wesentlich weniger Pilger den Weg nach Kevelaer angetreten als sonst. Dennoch gibt es aus der Wallfahrtsstadt eine Premiere zu vermelden:

„Meines Wissens ist dies nach 1945 das erste Mal, dass sich Christen aus dem Osten der Republik zur Wallfahrt nach Kevelaer aufgemacht haben“, sagt Heinrich Timmerevers. Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen feierte mit einem Pontifikalamt in der Basilika den Abschluss dieser viertätigen Pilgertour.

Zuvor waren die Pilger bereits zwei Tage in Münster gewesen und hatten einen Tag lang die Sehenswürdigkeiten von Kevelaer in Augenschein genommen. „Hat diese Wallfahrtstadt doch etwas Überwältigendes“, schwärmte Timmerevers von seiner alten „Heimat“. Schließlich ist ihm die Region nicht fremd. Wurde der Geistliche doch nicht nur 1980 durch Bischof Dr. Reinhard Lettmann im Dom zu Münster zum Priester geweiht und 21 Jahre später an gleichen Stätte zum Bischof.

Bischof Heinrich Timmerevers beim feierlichen Einzug zum Pontifikalamt in der Basilika.

Im Bistum Münster hatte er als Weihbischof und Bischöflicher Offizial seit 2001 auch umfangreiche Verantwortung getragen. Das Bischöflich Münstersche Offizialat Vechta nimmt die bischöfliche Amtsgewalt für den niedersächsischen Teil der Diözese Münster wahr – eine kirchenrechtlich weltweit einmalige Konstruktion.

Seit vier Jahren ist der 68-Jährige nun Bischof von Dresden-Meißen. In dieser Funktion war er als Geistliche Leitung der Pilgerfahrt in Kevelaer. In seinem Pontifikalamt beschäftigte sich der Seelsorger mit der Frage: Was bedeutet Maria in meinen Christsein? „Es gibt dabei ganz unterschiedliche Glaubenszeugnisse“, versuchte Timmerevers eine Antwort anhand von drei Bildern zu geben. „Wer nach Dresden kommt, für den ist neben der Frauenkirche auch ein Besuch der Gemäldegalerie ein Muss“, sagte der Bischof. „Dort befindet sich mit der sixtinischen Madonna von Raffael nicht nur eine der berühmtesten Mariendarstellungen der Welt.“

Einen Seitengang weiter gäbe es zudem ein kleines Bild, das für den Bischof „total faszinierend“ sei: „Maria sitzt mit einer Bibel in der Hand und blättert eine Seite um. Ihr Gesicht ist voller Freude.“ Eine Taube als Darstellung des Heiligen Geistes mache klar, dass es sich um die Verkündigung handele. „Es macht den Eindruck, als sei Maria in das Wort Gottes verliebt“, appellierte Timmerevers an die Gläubigen, dass dies die eigentliche Berufung jedes Christen sei. „Mir geschehe nach Deinem Wort. Das kann jeden Tag von uns gelebt werden.“

Ein zweites Bild hat der 68-Jährige in einer Paderborner Kapelle entdeckt, wo Maria bei der Hochzeit zu Kana zu sehen sei. Sie schaue dem Betrachter direkt in die Augen und zu ihren Füßen stände der Text: „Was er euch sagt, das tut.“ „Wir ehren Maria am meisten, wenn wir uns dieses Wort zu eigen machen“, forderte der Bischof aus Dresden die Gläubigen auf, das was der Herr ihnen sage, ins tägliche Leben zu übertragen. „Es kann viel Glück darin liegen, wenn wir nach seinem Beispiel handeln.“

Bischof Heinrich Timmerevers (3. von links) besucht mit den Priestern aus Kevelaer nach dem Gottesdienst die Gnadenkapelle mit dem Gnadenbild der Mutter Gottes.

Und schließlich spannte Timmerevers den Bogen nach Kevelaer, wo Maria als Trösterin der Betrübten verehrt wird: „Wenn ich dieses Bild sehe, frage ich mich: Wie viel müssen wir in unserem Leben aushalten, weil wir ohnmächtig sind?“

Das sei ihm auch bewusst geworden, als er während des Lockdowns öfter durch das fast menschenleere Dresden gegangen sei: „Ich habe den Rosenkranz gebetet und gemerkt: Was kann uns dieses Gebet für einen Trost geben. Wer sich Maria anvertraut, dem schenkt sie Trost. Wir danken Gott, dass er uns diese Mutter geschenkt hat.“

Zum Abschluss seines Besuchs in Kevelaer betete der Dresdener Bischof mit den Pilgerinnen und Pilgern sowie den Priestern der Wallfahrtsstadt an der Gnadenkapelle ein „Gegrüßet seist Du, Maria“.

Zu Fuß von Rees nach Kevelaer

Rund 100 Pilger haben sich am Wochende zu ihrer traditionellen „Wallfahrt von Rees nach Kevelaer aufgemacht. Die ersten Teilnehmer versammelten sich bereits um 5 Uhr an der St. Cosmas und Damian-Kirche in Bienen und brachen von dort aus auf. Eine Stunde später erhielten die Gläubigen der Pilgersegen in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Rees, ehe es mit der Fähre „Rääße Pöntje“ über den Rhein ging.

Gemeinsam den Sonnenaufgang zu erleben und durch Wald und Wiesen zu gehen, „das ist schon beeindruckend“, versicherte Tim de Baay, der erstmals zusammen mit seinen Brüdern Clemens und Lutz zum Orgateam der die Wallfahrt gehörte. Sie seien seit ihrer Kindheit mit dabei. „Das ist Wallfahrt für die Seele“, drückte er sein Gefühl aus. „Wenn man einmal Spaß daran hat, macht man weiter mit.“ Ähnlich sah es sein Bruder Clemens: „Mit sieben Jahren war es das erste Mal, heute ist es die 45. Wallfahrt. Das ist ein bisschen wie nach Hause kommen.“

Kurz nach den Fußpilgern hatte sich auch eine Radpilgergruppe von Millingen aus auf den Weg gemacht. „Es ist eine gute Erfahrung, wenn eine Gemeinde unterwegs ist und so zusammenwächst“, fand der Millinger Diakon Bernhard Hözel. Ihn berührte das Thema der Kevelaerer Wallfahrt „Ich bin da, wo Du bist“ sehr. „Mein Wunsch wäre, dass dieser Satz vielen Kraft und Hoffnung gibt und für viele, die in Bedrängnis sind, eine Lebenssäule sein kann.“
Unterwegs hatten die Pilger unter anderem Halt zur Andacht in der St. Hubertus-Kirche Kehrum und zur Eucharistiefeier in St. Laurentius Uedem Halt gemacht.

Pfarrer Andreas Eiden sprach in seiner Predigt über die Bedeutung des Wortes „attraktiv“ im Sinne von „anziehend zu sein – wir für Jesus Christus und Gott und umgekehrt“. In diesem Jahr habe die Wallfahrt eine besondere Bedeutung, fand Tim te Baay. „Ich glaube, dass es ein Faktor ist, dass man in Corona-Zeiten eine gewisse Beständigkeit spürt.“ Dinge, die ansonsten selbstverständlich galten, seien durch Corona in Frage gestellt. „Und da ist die Wallfahrt so eine gewisse Konstante, zum einen, dass sie stattfindet und zum anderem, weil es nochmal die Tiefe im Glauben neu bestätigt.“

Im Forum Pax Christi wurde die Wallfahrter gesegnet und absolvierten gemeinsam der Kreuzweg. „Die Kerzenkapelle fehlt natürlich heute, das ist anders“, sahen auch Claudia und Jan Scholten das Besondere in dem Ereignis an sich. „Berührend ist das Ganze, nicht Einzeldinge. Auch wenn uns alle Angehörigen am Fähranleger sonntags abholen, das sind berührende Momente.“ Und in Sachen Abstand und Maske hätte alles „super geklappt.“

An seine Grenzen kommen

Am nächsten Morgen folgten eine weitere Pilgermesse im Forum, das Gebet vor dem Maria-Gnadenbild und der Auszug der Fußpilger Richtung Heimat. Anne Dopp­stadt aus Bienen war zum fünften Mal dabei. Sie genoss das tolle Gemeinschaftsgefühl. „Es ist immer so, dass man an seine Grenzen kommt, aber gefordert ist. Das gibt mir Kraft und Selbstbewusstsein, dass ich ein Ziel erreichen kann und immer gedankliche Klarheit.“