Samstag, 25. Mai 2019

Das Kevelaerer Blatt, genannt „Kävels Bläche“, ist die älteste lokale Wochenzeitung Deutschlands. Sie wurde 1879 als Kampfblatt „für Thron und Altar“ gegründet – auf dem Höhepunkt des Kulturkampfes im Bismarck’schen Preußen.

Titel der Ausgabe Nr. 4 im Ersterscheinungsjahr 1879.
Titel der Ausgabe Nr. 4 im Ersterscheinungsjahr 1879.

Unter diesem Titel „Kevelaerer Volksblatt“ erschien das Kävels Bläche bis zu der von den Nazis erzwungenen Pause im Jahr 1942. Die letzte KB-Ausgabe in der Nazi-Zeit war die Nr. 304 vom 31.12.1942. Der damalige Schriftleiter und Verleger, Jakob Köster, war bereits 1940 von den Nazis kaltgestellt worden. Er durfte sich in seinem Verlag nur noch um Anzeigen, nicht mehr um die Redaktion kümmern.

Wegen dieser Erfahrungen mit der Politik beeilte sich Verleger Köster nach dem Zweiten Weltkrieg nicht, seine Zeitung wieder herauszubringen. Die Kevelaerer Bürger, die ihre Zeitung in bester Erinnerung hatten, bedrängten ihn, so dass er schließlich zustimmte. Köster stellte allerdings von Anfang an klar, dass er nie wieder eine politische Zeitung herausgeben wolle. Tatsächlich befasste sich das am 26. November 1949 erstmals nach dem Krieg wieder erscheinende Kävels Bläche viele Jahre nicht mit kommunalpolitischen Fragen.

Von 1949 bis 1980 erschien das KB unter diesem Titel:

Titel der Ausgabe Nr. 1 im Wiedererscheinungsjahr 1949.
Titel der Ausgabe Nr. 1 im Wiedererscheinungsjahr 1949.

In den 70er-Jahren, als die kostenlosen Anzeigenblätter aufkamen, mussten zahlreiche Heimat- und Lokalzeitungen aufgegeben werden, weil sie als Kaufzeitungen gegen die kostenlose Konkurrenz nicht mehr bestehen konnten. Das Kävels Bläche wurde von der Witwe des verstorbenen Verlegers bis Ende der 80er-Jahre wirtschaftlich über Wasser gehalten, aber das Ende des Blattes war eigentlich absehbar.

In dieser Situation kam Hilfe durch Profis: Die beiden Journalisten Delia Evers und Martin Willing, bis dahin bei der „Rheinischen Post“ in Geldern tätig, übernahmen Verlag und Zeitung und entwickelten aus dem früheren „Heimatblättchen“ eine kritische und politische Stadtzeitung. Seitdem widmeten sich die Herausgeber mit ganzer Kraft der redaktionellen Qualität des Kevelaerer Blatts.

Erscheinungsbild des Kävels Bläche im Jahr 2007.
Erscheinungsbild des Kävels Bläche im Jahr 2007.

Für Branchenprofis war es verwunderlich, dass diese Kevelaerer Zeitung alle Wellen der Pressekonzentration überstand. Das KB dürfte heute eine von ganz wenigen Abonnement-Zeitungen in Deutschland sein, deren Verbreitungsgebiet sich auf eine so kleine Stadt wie Kevelaer (28.000 Einwohner) beschränkt.

Die Zeitung erscheint wöchentlich (donnerstags), hat zwölf Seiten, wovon mindestens zehn Seiten dem redaktionellen Teil vorbehalten sind, und kostet 1,50 Euro im Einzelverkauf (ermäßigt im Abonnement). Die meisten der vielen Leser beziehen das Kevelaerer Blatt im Abonnement, nicht wenige bereits seit 50 Jahren und länger.

Diese besondere Lokalzeitung muss sich jede Woche gegen massive Konkurrenz (Tageszeitungen, Anzeigenblätter, Monatszeitschrift, Lokalradio) durchsetzen, um ihrem Anspruch, in dieser Stadt die publizistische Nr. 1 zu sein, gerecht zu werden. Das Geheimnis des anhaltenden Erfolges ist eine glückliche Verbindung von Tradition (seit über 125 Jahren in den Familien), Bodenständigkeit (klassische Heimatzeitung), Qualität (Profi-Journalismus) und Nutzung modernster Technologien.

Zum 1. Juli 2008 verkauften die bisherigen Herausgeber das Kevelaerer Blatt an die WAZ Mediengruppe, die heutige Funke Mediengruppe, die es in seiner Tradition fortführte.

Zum 1. April 2016 ist das Kevelaerer Blatt in Kevelaerer Hände zurückgekehrt. Der zweifache Marketing-Preis-Träger Rudolf Beerden hat die Heimatzeitung von der Funke Mediengruppe erworben. Neben einigen inhaltlichen Neuerungen baut die Zeitung seitdem ihre digitalen Aktivitäten deutlich aus. Neben einer E-Paper-Version gehören dazu Premiumangebote und tagesaktuelle Informationen.