Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht Kevelaer

Im Terminkalender des Bundespräsidenten stand für den 16.12.2017: „Nordrhein-Westfalen, Kevelaer, Marienbasilika, Teilnahme an der Aufzeichnung der ZDF-Sendung `Weihnachten mit dem Bundespräsidenten – ein festliches Konzert aus Kevelaer´.“ Was für den ersten Bürger des Staates „nur“ ein Termin war, bedeutete für die Stadt Kevelaer, eine ausgesuchte Anzahl an Bürgerinnen und Bürger und für das ZDF ein Großereignis.
Bereits sechs Tage vor den Veranstaltungen wurde die Basilika Hochsicherheitstrakt mit Absperrungen rund um die Kirche, verschlossenen Eingängen und zahlreichen Wachleuten einer Security-Firma, die auf dem Gelände patrouillierten.
Das ZDF überträgt die Traditionsveranstaltung bereits zum 23. Mal. Jule Broda, Redakteurin der ZDF Hauptredaktion Kultur berichtete, dass die Organisation für die Sendung bereits Anfang des Jahres begonnen hatte. Als Bundesland hatte der Bundespräsident Nordrhein-Westfalen ausgesucht. Zwei Redakteure waren seitdem in Zusammenarbeit mit Referenten des Bundespräsidialamtes mit Termin-, Orts- und inhaltlicher Planung beschäftigt. Ebenso zur Organisation gehörte die Auswahl der Künstler und die Überprüfung ihrer Verfügbarkeit. Vorschläge für die Texte des Autors der Sendung, Christian Busemann, mussten mit den Mitarbeitern des Bundespräsidenten abgesprochen und überarbeitete werden.
Mitarbeiter der Redaktion und der Produktion (diese sind unter anderem für die Verträge mit den Künstlern zuständig) hatten ihren Arbeitsbereich im Kapitelsaal des Priesterhauses eingerichtet, der einem Großraumbüro glich. Die Schönheit und Akustik der Basilika, aber auch die Verfügbarkeit von ortsnahen Büroräumen und die guten Anfahr- und Parkmöglichkeiten für die großen LKW, waren für das ZDF mitentscheidende Kriterien für den Vorschlag an den Bundespräsidenten, das Konzert in Kevelaer stattfinden zu lassen.
Steffen Berlipp, technischer Leiter der Sendung, bedankte sich im Gespräch mit dem Kevelaerer Blatt für die sehr gute Zusammenarbeit mit Stadt, der Kirche und allen weiteren Beteiligten vor Ort: „Wir sind sehr gut empfangen worden und haben überall die notwendige Unterstützung bekommen.“ Mit der Aufzeichnung der Sendung ist auch ein hoher technischer Aufwand verbunden. Berlipp und seine Mitarbeiter hatten fünf Sattelschlepper voll Material mitgebracht. In einem großen Bereich mussten in der Basilika die Bänke ausgebaut werden. Für den enormen Energieverbrauch, für den die Stadtwerke nicht genügend Strom zur Verfügung stellen konnten (Berlipp: „Das ist ganz normal so.“), wurde sogar ein Stromaggregat aufgebaut. Drei Kilometer Strom- und Glasfaserkabel mussten verlegt werden, um eine optimale Ausleuchtung der Basilika zu erreichen und die neun Kameras zu versorgen. Die Bühnentechnik umbaute alle technischen Elemente und bemalte sie in farblicher Abstimmung mit der direkten Umgebung, damit sie das Gesamtbild nicht störten.
Besonderes Highlight, und das im wahrsten Sinne des Wortes, war beim Konzert die Beleuchtung der Kirchenfenster, denn diese wurden von außen mit großen Scheinwerfern erhellt und konnten so in ihrem vollen Glanz und in ihrer Farbenvielfalt erstrahlen.
Als pünktlich um 18.50 Uhr die Kolonne des Bundespräsidenten, angeführt von zwei Streifenwagen mit Blaulicht, am Kapellenplatz ankam, hielt der Dienstwagen direkt vor der Gnadenkapelle und es brandete Beifall von gut 50 wartenden Bürgern auf. Zusammen mit Moderator Johannes B. Kerner ging das Präsidentenpaar an das geöffneten Fenster der Kapelle, um einen Moment vor dem Gnadenbild zu verweilen.
Dann war es endlich soweit und alle Gäste erhoben sich unter Beifall von ihren Sitzen im Mittelschiff der Basilika: „Meine Damen und Herren, der Bundespräsident und Frau Elke Büdenbender.“ Johannes B. Kerner als Moderator begrüßte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die First Lady in der festlich geschmückten Basilika, in der zusätzlich Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Bürgermeister Dr. Dominik Pichler mit ihren Gattinnen und weitere knapp 300 Ehrengäste zu dem Weihnachtskonzert zusammengekommen waren.
Künstler des Abends waren der gefeierte Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt (Mariä Wiegenlied und Stille Nacht, Heilige Nacht) und die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann (Aus dem Oratorium „Der Messias“: He Shall Feed His Flock Like A Shepherd). Mit dem Knabenchor der Chorakademie Dortmund und der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Rasmus Baumann gestalteten zudem zwei erstklassige Ensembles aus Nordrhein-Westfalen das Programm (unter anderem: „TochterZion“ und aus der Oper „Cavalleria rusticana“ das Intermezzo). Gabriel Böer und Phillip Ammer, zwei Solisten des Knabenchors, sangen in ergreifender Weise aus Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ den Abendsegen und erhielten den größten Beifall im Konzert. Für eine besondere musikalische Überraschung sorgte Michael Patrick Kelly, begleitet von der Neuen Philharmonie Westfalen und am Flügel von Mathias Grosch, mit dem Song „Hope“. Die Schauspielerin Ulrike Kriener trug die Weihnachtsgeschichte „Felix holt Senf“ von Erich Kästner vor. Das Weihnachtsevangelium nach Lukas 2,1-20 las Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, bevor alle gemeinsam „O du fröhliche“ sangen.
Während die geladenen Gäste im großen Saal des Priesterhauses mit Kanapees und Sekt versorgt wurden, trugen sich der Bundespräsident und der Ministerpräsident ins „Goldene Buch“ der Stadt Kevelaer ein und erhielten im kleinen Kreis ein Abendessen.
In seiner Ansprache beim anschließenden Empfang dankte der Bundespräsident zunächst allen, die das Konzert so wundervoll gestaltet und vor und hinter der Bühne für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hatten. Auch den Bürgerinnen und Bürgern, die ihn schon bei der Ankunft so freundlich und fröhlich in der stimmungsvollen Atmosphäre der Umgebung begrüßt hatten, dankte er herzlich. Und schließlich bedankte er sich, wie bereits während des Konzertes, bei alle denen, die ehrenamtlich an vielen Stellen ihren Dienst versehen und in seinen Augen das wahre Rückgrat der Gesellschaft sind. Die, die sich teilweise mehr um andere kümmern, als um sich selbst. „Vor ihnen habe ich sehr großen Respekt, weil sie, ohne es zu müssen, sich um die Menschen kümmern, die vielleicht die letzten Stunden ihres Lebens vor sich haben…“. Er dankte allen für ihren Einsatz, freue sich darauf, mit einzelnen sprechen zu können und sei sich ganz sicher noch einige spannende Geschichten zu hören. Dann wünschte der Bundespräsident allen Anwesenden und ihren Familien ein wundervolles Weihnachtsfest.
Ministerpräsident Armin Laschet dankte dem Bundespräsidenten dafür, dass er sein Heimatland Nordrhein-Westfalen und Kevelaer als Ort für das Weihnachtskonzert ausgesucht hat und dadurch für das Bundesland und Kevelaer an Heiligabend Werbung im ganzen Land machen würde. Laschet bezeichnete es als außergewöhnlich und wichtig, dass Steinmeier als Staatsoberhaupt die Weihnachtsgeschichte gelesen habe und so einen wichtigen christlichen Text auch zu denen bringe, die vielleicht nicht mehr christlich sozialisiert seien, diesen dann zum ersten Mal hören würden und etwas über die christliche Nächstenliebe erführen.
Bürgermeister Dr. Dominik Pichler grüßte die anwesenden gewohnt humorvoll: „Ich habe mir zum ersten Mal in meinem Leben für eine Drei-Minuten-Rede etwas aufgeschrieben. Wenn ich schon mal Staatsbesuch hier habe, den Bundespräsidenten und den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, dann müssen Sie, liebe Kevelaerer, einmal ohne meine üblichen Frotzeleien auskommen“ – was mit herzhaftem Lachen aller Anwesenden kommentiert wurde.
Nachdem Pichler den Bundespräsidenten und den Ministerpräsidenten willkommen geheißen hatte, begrüßte er auch ausdrücklich den Ehrenbürger der Stadt, Richard Schulte Staade, was mit langanhaltendem Applaus und Bravo-Rufen bedacht wurde. „Heute ist für Kevelaer ein besonderer Tag eines besonderen Jahres. Sowohl der höchste Repräsentant der Bundesrepublik als auch unser Landesvater sind hierher gekommen, in unser beschauliches Städtchen am Rande der Republik. Zuletzt vor 30 Jahren durften wir hier ein Staatsoberhaupt begrüßen, als Papst Johannes Paul II. diesen Wallfahrtsort besucht hat.“ Pichler bezeichnete den Zeitpunkt als gut gewählt, würde er doch das Jubiläumsjahr zum 375-jährigen Bestehen der Wallfahrt abschließen, in einer Stadt, die viel zu bieten habe. Der Bürgermeister dankte für den Besuch in Kevelaer und wünschte alles Gute fürs neue Jahr, welches wieder neue Aufgaben, Herausforderungen und Gefahren bescheren werde („wir werden es meistern!“), Gemeinschaft, Zusammenhalt, durchaus auch Rückgrat, Gesundheit und das nötige Quantum Glück.
Bis der Bundespräsident seinen Besuch in der Marienstadt beendete und vom Flughafen Weeze wieder nach Berlin flog, hatten die geladenen Gäste noch die Möglichkeit der Begegnung mit dem Staatsoberhaupt und in feierlicher Stimmung ging ein besonderer Tag für Kevelaer zu Ende.


Die Sendung  „Weihnachten mit dem Bundespräsidenten“ aus der Basilika zu Kevelaer wird am 24. Dezember um 18.00 Uhr im ZDF ausgestrahlt.


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