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"Wir sind Ehrenbürger!"

Es schien, als hätte sich die gesamte Ortschaft auf den Weg in die öffentliche Begegnungsstätte gemacht, um bei Kaffee und Kuchen ein Plauderstündchen zu halten. „Der Grund heißt Hansgerd Kronenberg, der seine Krawatte mit der Aufschrift „Winnekendonk“ nahe dem Herzen trägt“, machte der Vorsitzende der Geselligen Vereine, Rüdiger Göbel, zum Auftakt klar, „dass er lieber die Ehrenbürgerwürde von Winnekendonk“ erhalten hätte. „Wir sind Ehrenbürger“, brachte Göbel das Gefühl aller auf einen Nenner.
Mit seiner Frau Gertrud und Mitgliedern der Familie saß Kronenberg am Mitteltisch vorne in der ersten Reihe. Er ging die Feierstunde in der für ihn typischen Art an, für die ihn die Menschen nicht nur in Winnekendonk schätzen. „Ich hab‘ mich gestern mit Gartenarbeit auf den Tag vorbereitet“, sah er den vorauszusehenden Lobeshymnen auf seine Person gelassen entgegen. „Ich hatte ja einen Tag Pause, ich werde es ertragen“, lächelte der 83-Jährige verschmitzt.
Gesicht und Seele
Von denen gab es in den folgenden knapp zweieinhalb Stunden reichlich viele zu hören. „Das Gesicht und die gute Seele“ nannte ihn Hans-Gerd Frerix als Vorsitzender des Fördervereins der ÖBS. Etwas nüchterner beschrieb ihn Franz-Josef Pellander. „Eine besondere Persönlichkeit, weil er in allen Belangen etwas geleistet hat und immer versucht hat zu schlichten, immer sachlich die Argumente wägend.“
Damit waren schon mehrere Züge seines Wesens beschrieben, auf die Redner der folgenden Stunden immer wieder abhoben – und davon gab es nicht wenige. Denn die „Geselligen Vereine“ hatten sich für diesen Tag eine besondere Art der Gratulation einfallen lassen.
Norbert Heistrüvers habe die Idee aufgebracht, bedauerte Rüdiger Göbel dessen Abwesenheit. „Eine Kettenrede von A bis Z – alle Vereine kommen zu Wort“, trug er anschließend einen Vereinsnamen nach dem anderen vor. Und einer nach dem anderen stand auf, ging an das Rednerpult und sprach die Dankesworte an den Mann, der als Ortsvorsteher seit gut 50 Jahren die Geschicke in Winnekendonk mit prägt – von Achterhoek bis zu Viktoria Winnekendonk, wo er lange Jahre als Sportler selbst aktiv und im Vorstand war.
Als „treibende Kraft“ des Achterhoek bei „Unser Dorf hat Zukunft“ würdigte ihn Johannes Otten für den Achterhoek. Gertrud Hein vom Bildungswerk bezeichnete ihn als „Kümmerer“, der mit „Souveränität“ dafür gesorgt hatte, dass es wohl keine vergleichbare Ortschaft in NRW mit einem eigenen Bildungswerk gibt.
Bundesgold
Der Bürgerbusverein dankte ihm, dass er den Verein mitbegründet hat, die Feuerwehr mit Wehrführer Carsten Müldes dafür, sich bei Neubeschaffungen immer auf ihn verlassen zu können. Der Heimatverein mit Bernhard Lohmann hob seine Vorsitzendentätigkeit hervor und seine Tätigkeiten, die in dem Bundesgold 2001 in dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mündete.
Bedauern äußerte Claudia Heistrüvers von der KFD über die Tatsache, „dass wir der einzige Verein sind, wo du nicht Mitglied bist.“ Minuten später durfte sie beruhigt sein, weil sie von der KLJB den Hinweis erhielt, dass er auch dort nicht registriert ist.
Zweimal Festkettenträger
Von „unermüdlichem Einsatz und jahrzehntelangem Engagement“ sprach Markus Aben vom Musikverein und von der ÖBS, die ohne Kronenberg nie entstanden wäre. Markus Schink von der Seb hob hervor, dass er „der einzige ist, der zweimal in Kevelaer Festkettenträger war. Was er aber noch nie hier war, ist Schützenkönig.“ Auf den Punkt brachte es Ulrich Völlings, als er sagte: „Als erster Bürger Winnekendonks diese Ehrung zu erhalten, ist richtig verdient.“
Im „politischen Teil“ hob der CDU-Ortsvorsitzende Burkhard Bonse Hansgerd Kronenberg als „Übersetzer von Missverständnissen“ hervor und lobte sein offenes Ohr für die Belange und Nöte der Bürger. „Wieviel Kraft du in Schule, Kultur, Sport ud Politik gesteckt hast, kann man nur erahnen. Das weiß vielleicht deine Frau.“
Die „musikalische Ehrung“ Kronenbergs vollzog sich dann durch die Drittklässler der Antonius/Overberg-Grundschule unter der Leitung von Lisa Werner. Im Udo-Jürgens-und ABBA-Medley-Stil besangen sie Kronenbergs Art, seine Verdienste, seine Hobbys als Radfahrer und Schalke-Fan. „Wer ist im Dorf denn die Ikone – das ist doch der Krone!“ oder „Schon 50 Jahr bist du unser Titus. Das ist doch klar, wir kriegen keinen Besseren“, stimmten die Anwesenden in die Melodien singend mit ein.
Und als alle mit den Kindern „Danke für die Jahre, für all die Jahre“ intonierten, entlockte es dem Geehrten dann doch den einen oder anderen „feuchten Schimmer unter der Brille“, wie er später gestand.
Schulleiterin Margarete Wahlen würdigte ihn als „ehrliche Haut, authentisch, mit dem Mut zum Querdenken, nahe, mit einem großen Herz für Kinder. Sie vermitteln ein wohliges Gefühl und machen unsere Welt etwas besser.“ Dann nahm sie auch das Mikro zur Hand und sang „op kölsch“, übergab dann ein Warhol-artiges Bild der Kinder mit lauter Kronenberg-Köpfen an den Ehrenbürger.
Und mit dem Musikverein zusammen sangen alle den umgetexteten „Deutschmeister Regimentsmarsch“ mit dem Titel „Er ist der Ortsvorsteher von Winnekendonk /Und wird liebevoll Titus genannt.“
Nein, mit Titus habe er nichts gemein, unterstrich der Ortsvorsteher dann in seiner Dankesrede an alle Aktiven und alle Vereine, denen er für die jahrzehntelange Zusammenarbeit und für die Feier dankte. Mit „Gottes Hilfe und mit Hilfe meiner Frau und der Familie“ sei er so weit gekommen, „dass ich vor so einer illustren Runde stehen und mich bedanken soll.“ Seine Frau erhielt von Göbel noch einen Blumenstrauß für ihre jahrzehntelange Solidarität mit ihrem Mann.
Für das Ehrenamt
Er betonte nochmals, dass er die Ehrung „nicht für mich persönlich“ entgegennehme, sondern „für das Ehrenamt allgemein“ und „für Winnekendonk“. Er warb für die Jugend und deren Anbindung an die Vereine und forderte alle auf, sich auch mehr in der Politik zu engagieren, Dass er gewillt ist, weiter für „sein“ Winnekendonk zu arbeiten, machte er mehr als deutlich. „Ruhestand ist für mich sehr, sehr schwer und könnte zur Krankheit führen.“
https://www.kevelaerer-blatt.de/ehrenbuerger-hansgerd-kronenberg/

„Wir sind Ehrenbürger!“

Es schien, als hätte sich die gesamte Ortschaft auf den Weg in die öffentliche Begegnungsstätte gemacht, um bei Kaffee und Kuchen ein Plauderstündchen zu halten. „Der Grund heißt Hansgerd Kronenberg, der seine Krawatte mit der Aufschrift „Winnekendonk“ nahe dem Herzen trägt“, machte der Vorsitzende der Geselligen Vereine, Rüdiger Göbel, zum Auftakt klar, „dass er lieber die Ehrenbürgerwürde von Winnekendonk“ erhalten hätte. „Wir sind Ehrenbürger“, brachte Göbel das Gefühl aller auf einen Nenner.

Mit seiner Frau Gertrud und Mitgliedern der Familie saß Kronenberg am Mitteltisch vorne in der ersten Reihe. Er ging die Feierstunde in der für ihn typischen Art an, für die ihn die Menschen nicht nur in Winnekendonk schätzen. „Ich hab‘ mich gestern mit Gartenarbeit auf den Tag vorbereitet“, sah er den vorauszusehenden Lobeshymnen auf seine Person gelassen entgegen. „Ich hatte ja einen Tag Pause, ich werde es ertragen“, lächelte der 83-Jährige verschmitzt.

Gesicht und Seele

Von denen gab es in den folgenden knapp zweieinhalb Stunden reichlich viele zu hören. „Das Gesicht und die gute Seele“ nannte ihn Hans-Gerd Frerix als Vorsitzender des Fördervereins der ÖBS. Etwas nüchterner beschrieb ihn Franz-Josef Pellander. „Eine besondere Persönlichkeit, weil er in allen Belangen etwas geleistet hat und immer versucht hat zu schlichten, immer sachlich die Argumente wägend.“

Damit waren schon mehrere Züge seines Wesens beschrieben, auf die Redner der folgenden Stunden immer wieder abhoben – und davon gab es nicht wenige. Denn die „Geselligen Vereine“ hatten sich für diesen Tag eine besondere Art der Gratulation einfallen lassen.

Norbert Heistrüvers habe die Idee aufgebracht, bedauerte Rüdiger Göbel dessen Abwesenheit. „Eine Kettenrede von A bis Z – alle Vereine kommen zu Wort“, trug er anschließend einen Vereinsnamen nach dem anderen vor. Und einer nach dem anderen stand auf, ging an das Rednerpult und sprach die Dankesworte an den Mann, der als Ortsvorsteher seit gut 50 Jahren die Geschicke in Winnekendonk mit prägt – von Achterhoek bis zu Viktoria Winnekendonk, wo er lange Jahre als Sportler selbst aktiv und im Vorstand war.

Als „treibende Kraft“ des Achterhoek bei „Unser Dorf hat Zukunft“ würdigte ihn Johannes Otten für den Achterhoek. Gertrud Hein vom Bildungswerk bezeichnete ihn als „Kümmerer“, der mit „Souveränität“ dafür gesorgt hatte, dass es wohl keine vergleichbare Ortschaft in NRW mit einem eigenen Bildungswerk gibt.

Bundesgold

Der Bürgerbusverein dankte ihm, dass er den Verein mitbegründet hat, die Feuerwehr mit Wehrführer Carsten Müldes dafür, sich bei Neubeschaffungen immer auf ihn verlassen zu können. Der Heimatverein mit Bernhard Lohmann hob seine Vorsitzendentätigkeit hervor und seine Tätigkeiten, die in dem Bundesgold 2001 in dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mündete.

Bedauern äußerte Claudia Heistrüvers von der KFD über die Tatsache, „dass wir der einzige Verein sind, wo du nicht Mitglied bist.“ Minuten später durfte sie beruhigt sein, weil sie von der KLJB den Hinweis erhielt, dass er auch dort nicht registriert ist.

Zweimal Festkettenträger

Von „unermüdlichem Einsatz und jahrzehntelangem Engagement“ sprach Markus Aben vom Musikverein und von der ÖBS, die ohne Kronenberg nie entstanden wäre. Markus Schink von der Seb hob hervor, dass er „der einzige ist, der zweimal in Kevelaer Festkettenträger war. Was er aber noch nie hier war, ist Schützenkönig.“ Auf den Punkt brachte es Ulrich Völlings, als er sagte: „Als erster Bürger Winnekendonks diese Ehrung zu erhalten, ist richtig verdient.“
Im „politischen Teil“ hob der CDU-Ortsvorsitzende Burkhard Bonse Hansgerd Kronenberg als „Übersetzer von Missverständnissen“ hervor und lobte sein offenes Ohr für die Belange und Nöte der Bürger. „Wieviel Kraft du in Schule, Kultur, Sport ud Politik gesteckt hast, kann man nur erahnen. Das weiß vielleicht deine Frau.“

Die „musikalische Ehrung“ Kronenbergs vollzog sich dann durch die Drittklässler der Antonius/Overberg-Grundschule unter der Leitung von Lisa Werner. Im Udo-Jürgens-und ABBA-Medley-Stil besangen sie Kronenbergs Art, seine Verdienste, seine Hobbys als Radfahrer und Schalke-Fan. „Wer ist im Dorf denn die Ikone – das ist doch der Krone!“ oder „Schon 50 Jahr bist du unser Titus. Das ist doch klar, wir kriegen keinen Besseren“, stimmten die Anwesenden in die Melodien singend mit ein.

Und als alle mit den Kindern „Danke für die Jahre, für all die Jahre“ intonierten, entlockte es dem Geehrten dann doch den einen oder anderen „feuchten Schimmer unter der Brille“, wie er später gestand.

Schulleiterin Margarete Wahlen würdigte ihn als „ehrliche Haut, authentisch, mit dem Mut zum Querdenken, nahe, mit einem großen Herz für Kinder. Sie vermitteln ein wohliges Gefühl und machen unsere Welt etwas besser.“ Dann nahm sie auch das Mikro zur Hand und sang „op kölsch“, übergab dann ein Warhol-artiges Bild der Kinder mit lauter Kronenberg-Köpfen an den Ehrenbürger.

Und mit dem Musikverein zusammen sangen alle den umgetexteten „Deutschmeister Regimentsmarsch“ mit dem Titel „Er ist der Ortsvorsteher von Winnekendonk /Und wird liebevoll Titus genannt.“

Nein, mit Titus habe er nichts gemein, unterstrich der Ortsvorsteher dann in seiner Dankesrede an alle Aktiven und alle Vereine, denen er für die jahrzehntelange Zusammenarbeit und für die Feier dankte. Mit „Gottes Hilfe und mit Hilfe meiner Frau und der Familie“ sei er so weit gekommen, „dass ich vor so einer illustren Runde stehen und mich bedanken soll.“ Seine Frau erhielt von Göbel noch einen Blumenstrauß für ihre jahrzehntelange Solidarität mit ihrem Mann.

Für das Ehrenamt

Er betonte nochmals, dass er die Ehrung „nicht für mich persönlich“ entgegennehme, sondern „für das Ehrenamt allgemein“ und „für Winnekendonk“. Er warb für die Jugend und deren Anbindung an die Vereine und forderte alle auf, sich auch mehr in der Politik zu engagieren, Dass er gewillt ist, weiter für „sein“ Winnekendonk zu arbeiten, machte er mehr als deutlich. „Ruhestand ist für mich sehr, sehr schwer und könnte zur Krankheit führen.“

https://www.kevelaerer-blatt.de/ehrenbuerger-hansgerd-kronenberg/

Marc Buchholz hat in 13 Jahren viel bewirkt

An diesem Freitag wird der Erste Beigeordnete der Wallfahrtsstadt Kevelaer, Marc Buchholz, verabschiedet. Nach mehr als 13 Jahren sucht der Duisburger eine neue Herausforderung als Sozialdezernent der Stadt Mülheim an der Ruhr. Das KB sprach mit ihm über seine Zeit in Kevelaer und das, was nun kommt.
Kevelaerer Blatt: Herr Buchholz, erinnern Sie sich noch, wie Sie vor 13 Jahren nach Kevelaer gekommen sind?
Marc Buchholz: Ja, damals war Dr. Axel Stibi neuer Bürgermeister. Er suchte zwei Wahlbeamte, einen technischen und einen allgemeinen Beigeordneten. Ich war damals in der CDU-Fraktionsgeschäftsstelle in Düsseldorf und wurde von Axel Stibi und dem damaligen Fraktionsvorsitzenden Stefan Janssen angesprochen. Wir haben schnell Gemeinsamkeiten festgestellt und schließlich wurde ich mit den Stimmen der CDU gegen einen Gegenkandidaten der anderen Fraktion zum Beigeordneten gewählt. Ich wollte immer aus der politischen Ebene heraus weiter Richtung Wahlbeamter. Die politischen Verhältnisse in Düsseldorf unter Oberbürgermeister Joachim Erwin waren sicher eine gute Schule.
Was erwartete Sie in Kevelaer?
Meine erste Aufgabe war direkt die Einführung des Offenen Ganztags. Ich kam am 1. Oktober 2005 nach Kevelaer und musste damit bis zum Sommer 2006 fertig sein. Unter Einbeziehung der Eltern habe ich damals einen Vorschlag erarbeitet und auf den Weg gebracht. Das hat viel dazu beigetragen, dass ich in Kevelaer gut angekommen bin und zeigen durfte, dass ich etwas vom Zusammenspiel zwischen Politik und Verwaltung verstehe. Der damalige FDP-Fraktionsvorsitzende Klaus Sadowski sagte in der Etatrede nach der Einführung des Offenen Ganztags: „Aus heutiger Sicht hätte die FDP den Allgemeinen Beigeordneten mitwählen können.“ Das hat mir gut getan.
Welche weiteren großen Aufgaben werden Ihnen in Erinnerung bleiben?
Die Umwandlung der Schullandschaft des Schulzentrums mit der Gesamtschule und dem Auslaufen der Haupt- und Realschule. In diesem Zusammenhang ist der viel zu früh verstorbene Schulleiter Michael Cuypers zu erwähnen, der großen Anteil daran hatte, dass die Realschule erkannt hat, dass sich das Schulsystem ändert und der mit der Verwaltung den neuen Weg gegangen ist.
Überhaupt ist das Schulzen­trum in der näheren Umgebung einzigartig. Das liegt nicht nur an den modernen naturwissenschaftlichen Räumen, die sowohl Gesamtschule als jetzt auch das Gymnasium haben. Wir haben eine Vorzeigemensa, zwei große Turnhallen und bald zum Hallenbad ein Mehrzweckbad in unmittelbarer Nähe. Außerdem haben wir dort ein tolles Umfeld mit der Kleinfeldanlage, dem Jugendtreff und bald einem Skaterpark.
Investitionen in die Schullandschaft sind bei den Kevelaerer Politikern aber auch ein dankbares Thema, oder?
Ja, wir haben immer gemeinsam mit der Politik großen Wert darauf gelegt, nicht nur das Notwendige, sondern auch das Wünschenswerte zu machen. Da bin ich auch meinen Kollegen insbesondere aus der Kämmerei dankbar, dass das so gelungen ist. In Kevelaer geben die Leute für Bildung ihr letztes Hemd, das ist auch an den Grundschulen erkennbar.
Auch für Kindergärten und Tagespflege haben Sie Geld auftreiben können. Sind Sie mit dem Resultat zufrieden?
Wir haben zwei neue Kindergärten in der Stadt gebaut. Es gibt für alle Ü3-Kinder einen Kindergartenplatz – wenn auch nicht immer im Wunschkindergarten. Im U3-Bereich ist die Situation etwas anders. Hier werden oft auch Tagesmütter bevorzugt, weil sie oft zeitlich flexibler sind. Ich denke, Kevelaer muss sich nicht verstecken.
Ein viel diskutiertes Projekt in Ihrer Zeit ist das vorhin erwähnte Mehrzweckbecken. Ob dessen Nutzung so intensiv wird, wie erhofft, bekommen Sie jetzt nicht mehr mit.
Das Mehrzweckbecken wäre ohne den Bäderverein nie entstanden. Ich bin immer noch begeistert vom Bäderverein, auch wenn der mitunter etwas anstrengend ist, weil er viel einfordert. Aber er leistet eine sinnvolle, tolle und erfolgreiche Arbeit und man sollte ihm weiter zuhören und ihn unterstützen. Das gemeinsame Wassersportangebot wird eine wichtige Rolle spielen, um mit den Kursangeboten die Betriebskosten zu senken.
Vorhin sagten Sie, mit dem CDU-Bürgermeister Dr. Axel Stibi hätten Sie viele Gemeinsamkeiten festgestellt. In den letzten Jahren hatten Sie mit Dr. Dominik Pichler aber einen SPD-Chef.
Nach der letzten Bürgermeisterwahl hatten viele gemutmaßt: Jetzt gibt es eine große Auseinandersetzung. Das Gegenteil war der Fall. Ich kann Dominik in der Zusammenarbeit nicht hoch genug loben, die hat bestens funktioniert. Im Persönlichen haben wir nie einen Konflikt ausgetragen. Fachlich haben wir uns ausgetauscht und da habe ich respektiert, dass er der Bürgermeister ist und ich ihm zuarbeite. Wir haben nie unsere Parteimitgliedschaft in den Raum gestellt. Dominik ist ein toller Typ und ein guter Verwaltungsleiter.
Liegt das auch daran, dass Dominik Pichler durchaus nicht immer nach dem Parteibuch entscheidet?
Der jetzige Bürgermeister ist an der Sache orientiert. Er vertritt auch mal CDU-Positionen und hat eine eigene Meinung. Dominik hat mir viele, wenn nicht alle Freiheiten gelassen und wusste auch, wofür es Mehrheiten gibt. Eine Geschwisterkinderbefreiung vom Elternbeitrag wäre wünschenswert – das finde ich auch – aber wenn der Haushalt das nicht zulässt, ist das so. Das würde Kevelaer einen Großteil der 1,1 bis 1,2 Millionen Euro kosten – das ist nicht mal eben so durch Einsparungen möglich.
Mit den Bereichen Schule und Soziales dürften die Möglichkeiten des Haushalts für Sie häufiger ein Thema gewesen sein.
Ich bin sowohl Karl Aengenheyster wie jetzt Ralf Püplichuisen dankbar, bei denen ich die Pflichtleistungen nie habe erklären müssen und die immer der Kreativität des Beigeordneten haben folgen können. Ich habe viele Ideen mitentwickelt, wie übergreifende Finanzregelungen rechtlich möglich sind. So haben wir es beispielsweise geschafft, drei der fünf Schulsozialarbeiter aus dem Bereich der Stadt zu bezahlen.
Ich habe mich mit dem Kämmerer immer eng ausgetauscht und finde, es gilt dasgleiche wie im privaten Bereich: Ich kann nur das ausgeben, was ich habe. Das ist eine Haltung, die ich auch an meine neue Wirkungsstätte mitnehme.
Welche Projekte in Ihrer Zeit fanden Sie noch besonderes wichtig?
Da ist sicher das Mehrgenerationenhaus der Caritas zu erwähnen. Die Stadt hat daran zwar nur einen kleinen Anteil, aber die Bedeutung zeigte sich beispielsweise bei der Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. In Zusammenarbeit mit Caritas und Anna-Stift war eine richtige pädagogische Betreuung möglich, anstelle der Unterbringung in Sammelunterkünften.
Im Bereich des Jobcenter sollte man die Mensa noch mal erwähnen, mit ihren Ausbildungsplätzen für benachteiligte Jugendliche, aber auch für Erwachsene. Da danke ich dem SOS-Kinderdorf, dass es 2012 das Risiko mit eingegangen ist. Das ist eine tolle Geschichte. 2018 hat die Mensa 80.000 frische Essen zubereitet. Auch der Mittagstreff mit Holger van Elten und seinem Team ist ein Gelingungsfaktor, weil er das begleitet. Wir haben da die einzigartige Situation, dass Jugendhilfe und Schule so eng zusammenwirken, dass die Kinder von morgens bis in die Abendstunden betreut werden können, ich betone können, nicht müssen.
In Ihre Zeit in Kevelaer fiel auch die Flüchtlingsdebatte.
Das war eine Herausforderung für alle Kommunen. Ich hoffe, dass sich die Länder gegenüber dem Bundesfinanzminister aktuell durchsetzen, der drei Viertel des Etats dafür streichen will. Wir sind aus der Notlage heraus die Verpflichtung eingegangen, die Menschen unterzubringen und zu integrieren. Diese Aufgabe ist noch nicht abgeschlossen. Es kommen nicht mehr so viele wie 2015/16, aber um die, die da sind, müssen wir uns kümmern.
Aus meiner Sicht ist es sicher auch möglich, durch Anreizsysteme die Rückreise leichter zu machen. Viele wollen ja eigentlich zurück, aber haben dort oft nichts mehr. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass man den Sozialstaat nicht überfordern darf.
Gab es in den vergangenen Jahren auch Dinge, die Sie gerne gemacht hätten, aber nicht konnten oder durften?
Nein, eigentlich nicht. (überlegt) Höchstens im Baubereich die leidige Dacherneuerung der Kroatenturnhalle. Und ich wäre gerne mal Bürgerbus gefahren.
Wie haben Sie die Ausgliederung Ihres Fachbereichs an den Hoogeweg erlebt?
Ich war nicht unglücklich, dass wir am Hoogeweg eine Unterkunft haben finden können. Ich wäre sehr glücklich, wenn der Umbau der Virginia-Satir-Schule bewilligt werden würde. Hier haben alle Hand in Hand zusammengearbeitet, um den Antrag auf den Weg zu bringen. Die Entscheidung liegt jetzt bei der Bezirksregierung und dem Ministerium.
Welche Reaktionen gab es, seit bekannt wurde, dass Sie Kevelaer wahrscheinlich verlassen werden?
Ich habe in den letzten Wochen viel Wertschätzung erfahren und kann nicht leugnen, dass ich das genossen habe. Ich wusste zwar immer, dass man mit meiner Arbeit zufrieden ist und mir keine größeren Ausreißer untergekommen sind. Aber das habe ich auch einem super Team zu verdanken. Es ist wichtig, Mitarbeiter so zu pflegen, dass man sie behalten kann, indem man ihnen die Chance zur Weiterentwicklung gibt. Das ist eine Riesenherausforderung, gerade in kleinen Kommunen, wo ein Bereich manchmal aus einer Person besteht – Stichwort Wissensmanagement.
Welche zukünftigen Aufgaben hinterlassen Sie Ihrem Team?
Ein großes Thema ist sicher der mögliche Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz ab 2025. Da wird es auch um die Frage gehen, welche Standards für alle Kommunen gelten sollen. Kevelaer gibt derzeit etwa 460 Euro pro Kind und Jahr aus, in Mülheim sind es etwa 2000 Euro.
Wichtig ist auch die Rückkehr von G8 zu G9. Da gibt es zusätzliche Landesmittel für den Ausbau und man muss sehen, wie das sinnvoll ins Schulzentrum einfließen kann, um das Angebot noch besser zu machen.
Am Monatsende verlassen Sie Kevelaer. Was nehmen Sie mit?
Ich habe hier vieles erfahren und lernen dürfen, auch durch die räumliche Nähe zu meinen sachbearbeitenden Kollegen. Da habe ich viel mitbekommen, was mir in Mülheim durchaus helfen kann. Dafür bin ich dankbar. Ich hatte auch ein tolles Vorzimmer und diese Erfahrung mache ich jetzt auch schon in Mülheim.
Beeindruckt haben mich auch viele kleine Dinge, beispielsweise die ehrenamtliche Gruppe „Senioren aktiv“ oder auch die Kevelaerer Tafel. Es ist toll, dass es Menschen gibt, die sich für andere so engagieren.
In der Ruhrgebietsstadt Mülheim dürften Sie größere Herausforderungen erwarten als im ländlichen Kevelaer.
Die Sozialstruktur ist eine andere, das ist so. Ob im gleichen Maß Ressourcen aufgewendet werden, weiß ich noch nicht. Man muss das aber auch in Relation zur Verwaltung sehen: In Kevelaer waren zwei Mitarbeiter mit Altersarmut beschäftigt. In Mülheim sind es sicher mehr, aber dafür gibt es auch mehr Personen mit Ansprüchen. Die grundsätzlichen Themen sind die gleichen. Kinderarmut gibt es auch in Kevelaer. Da gilt es genauso, sie in Bildung und Teilhabe zu bringen, und bis auf ein paar Sonderförderungen für Ballungsräume gibt es dafür die gleichen Werkzeuge. Auf jeden Fall freue ich mich auf die Herausforderung.
Auch auf die Zusammenarbeit mit der Politik? Die SPD-Fraktion in Mülheim ist verärgert, dass der neue Sozialdezernent nicht aus ihren Reihen stammt.
Ich habe in den letzten Tagen den Fraktionsvorsitzenden der SPD bei einem Kaffee kennengelernt. Mein Eindruck ist, dass die SPD nach vorne gucken und sich mit den Realitäten abfinden will. Außerdem habe ich angeboten, dass ich in die SPD-Fraktion wie in alle anderen komme. Ich habe zwar ein Parteibuch, bin aber Verwaltungsmensch und berate alle Fraktionen. Und ich glaube, wenn sie mich kennengelernt haben, können sie mit mir genauso gut umgehen wie andere SPD-Politiker, wie mein Freund, der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link und wie die Parteien hier in Kevelaer es getan haben. In Kevelaer haben wir bei den Themen Schule/Kinder/Jugend/Familie Entscheidungen in der Regel mit großer Mehrheit in der Politik auf den Weg gebracht. Das zeichnet Kevelaer aus.
Was werden Sie in Mülheim vermissen?
Auf jeden Fall meine Kollegen, von denen ich mich wahrscheinlich gar nicht einzeln verabschieden kann. Ich werde versuchen, den Kontakt nach Kevelaer so weit mir möglich zu halten – zum Beispiel die Einladung zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Hansgerd Kronenberg, der als Ortsvorsteher und Kommunalpolitiker Vorbild ist. Nach all den Jahren gibt es ja auch den ein oder anderen persönlichen Kontakt. Wenn meine Zeit es erlaubt, werde ich auch mal nach Kevelaer kommen. Das ist nicht zuletzt meinem Neffen geschuldet, der ist vier. Mit dem Irrland hat die Familie Tebartz-van Elst etwas Tolles geschaffen, was wir aufsuchen werden.

Galerist Georg Friedrichs mit 53 Jahren verstorben

Aufmerksame Kreise wissen bis heute, wie deutlich er die Marienstadt mit seinem Netzwerk zu Kreativen und Künstlern ins öffentliche Interesse gebracht hat. Mehr als 20.000 Besucher lockte er in nur sechs Ferienwochen mit seiner farbenfrohen Hundertwasser-Ausstellung ins Konzert- und Bühnenhaus der Wallfahrtsstadt Kevelaer. Präsentationen von Da Vinci, von Rizzi und anderen sollten folgen. Sommerliche Magnete inmitten eines ohnehin von Galeristen geprägten Umfeldes. Ein gewisser Höhepunkt dann die riesigen Skulpturen von Otmar Alt, die vor dem alten Rathaus die Zwölf-Meter-Marke erreichten.
Georg Friedrichs hieß der Initiator, der sein Interesse für die Kunst zum Beruf gemacht hat und sich mit seinem feinen Gespür für Trends in den 90er Jahren von Kevelaer und seiner Prägung durch Kunst und Kultur hatte anziehen lassen.
Der studierte Jurist, ebenso kreative wie vielseitige Kunsthändler und erfolgreiche Internet-Galerist wurde am Wochenende in seiner Heimatgemeinde Nütterden bei Kranenburg beigesetzt. Mit dabei zahlreiche Kunstschaffende, die von seinen weltweiten, inspirierenden Kontakten viele Jahre Pluspunkte ableiteten. Georg Friedrichs, Vater von fünf Kindern, verstarb nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 53 Jahren. Sohn Leo Friedrichs wird die Internet-Galerie, mit der er 15 Mitarbeiter beschäftigt, weiterführen.
Auch Wilhelm Schlote und Frau Monika waren aus Köln angereist und gehörten am Samstag zu den vielen Menschen, die sich von ihrem langjährigen Wegbegleiter und Freund verabschiedeten. Durch ihn, Georg Friedrichs, wurde Schlote als der wohl berühmteste Städteplakat-Maler der Republik auch zu einer Art „Botschafter“ für den Kreis Kleve. Alle Standort prägenden Gebäude, von der Schwanenburg in Kleve über die Gnadenkapelle in Kevelaer bis hin zur St. Maria Magdalena-Kirche und dem Drachenbrunnen in Geldern hielt er dafür mit seiner Tasche voller Buntstifte fest – und ließ sie vom Internet-Galeristen an die Interessierten tragen.
„Leckerland Kreis Kleve“ war ein von ihm verlegtes Schlote-Buch überschrieben, das die Region dem Wunsch der Kreis-Wirtschaftsförderung gemäß als Heimat des Agrobusiness darstellt. Postkarten für die Tourismusmessen folgten … und Vieles mehr.
Georg Friedrichs war nach Ansicht enger Freunde, von denen er viele hatte, ebenso weltoffen und international tätig wie auch heimatverbunden. Wann immer er es denn konnte, hat er Künstlerinnen und Künstler an „seinen Niederrhein“ und nach Kranenburg eingeladen – dorthin, wo er schon als Kind Josef Beuys als Freund des Vaters Dr. Otto Friedrichs bei der Arbeit zuschauen durfte.

Attacke in Klein

Da staunte die echte Karin Raimondi, alias Attacke, nicht schlecht. Adele und Peter Prascsik von Krippen Prascsik, war es hervorragend gelungen das wieder genesene Karnevalsbündel in Miniaturformat anzufertigen.
Das machte sogar eine lebensgroße Attacke dann doch fast sprachlos. Aber nur fast: „Eine tolle Wertschätzung mir gegenüber“, freute sich eine bewegte Karin Raimondi, die in der vergangenen Karnevalssession krankheitsbedingt aussetzen musste. In diesem Jahr aber ist Attacke wieder mit am Start und mischt mit ihrer Trompete so manche Saalsitzung auf.
„Auch wir sind Fans ihrer Musik und freuen uns mit ihr, dass sie wieder genesen ist“, berichtet Adele Prascsik. Auf einem Antikmarkt entdeckten die Krippen-und Figurenbauer zufällig eine Trompete. Damit war die Idee Attacke in Kleinformat zu entwerfen geboren. In der vergangenen Woche nun konnten sie das Unikat der lebensgroßen Attacke mit Freude überreichen. Ab sofort soll Mini-Attacke der großen Attacke als Maskottchen dienen und Glück bringen.

Attacke im Landtag

Karin Raimondi, alias Attacke, ist wieder da. Nach einjähriger Zwangspause ertönt nun wieder ihr Markenzeichen, die Trompete. So war auch im NRW Landtag die Freude groß, als Attacke mit ihrem Auftritt für Stimmung sorgte. „Ohne sie war es doch recht still“, urteilten die Narren.
Wenn 150 Prinzenpaare Attacke rufen, dann ist das schon cool“, berichtet Karin Raimondi, sichtlich gerührt über den herzlichen Empfang und froh die Karnevals-Session 2019 mitgestalten zu dürfen. Gemeinsam mit ihrem Attacke Fanclub besuchten sie unter anderem auch die SPD Landtagsabgeordnete Ina Spanier-Oppermann.

Attacke (links) und „Fans“ vor dem Düsseldorfer Landtag.

Wie ein Winnekendonker zum Deutschen Fernsehpreis kam

Am 31. Januar wurde in Düsseldorf – moderiert von Barbara Schönberger und Steffen Hallaschka – der Deutsche Fernsehpreis verliehen. Zu den Preisträgern gehört auch die NDR-Show „Inas Nacht“, die in der Kategorie „Beste Unterhaltung Late Night“ geehrt wurde. Redakteur dieser Sendung ist Christoph Pellander. Der gebürtige Kevelaerer beantwortet dem Kevelaerer Blatt Fragen zur Preisverleihung, gewährt einen Einblick in die Zusammenarbeit mit Ina Müller und verrät, wie sehr er sich Kevelaer und seinem Heimatdorf Winnekendonk verbunden fühlt.
KB: Hallo Herr Pellander, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Deutschen Fernsehpreises 2019. In der Kategorie VBeste Unterhaltung Late Night“ wurde CInas Nacht“, für die Sie als Redakteur zuständig sind, mit dem begehrten Fernsehpreis ausgezeichnet. Was geht in einem vor, wenn man einen so wichtigen Preis erhält?
Christoph Pellander: Zunächst einmal vielen Dank für die Glückwünsche. Natürlich war und ist die Freude groß nach solch einer Auszeichnung – im Team, beim NDR und auch bei mir persönlich. Es war mein erster Deutscher Fernsehpreis, dementsprechend bekommt er natürlich auch einen besonderen Platz.
Wann haben Sie und Ihr Team von der Nominierung erfahren und sehen Sie die Auszeichnung als eine Art Belohnung für Ihre Arbeit?
Etwa sechs Wochen zuvor wurden wir über die Nominierung informiert und offiziell eingeladen. Bis zum Moment der Verkündung haben wir aber weder etwas gewusst noch geahnt. Da „Inas Nacht“ auch bereits vor zehn Jahren schon mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, hielten wir uns für „Nominierungsfutter“, wie Ina es in ihrer Dankesrede nannte. Umso schöner, dass die Jury so entschieden hat.
Was den zweiten Teil Ihrer Frage betrifft: Am Ende ist es ein organisches Zusammenspiel aus einer einzigartigen Moderatorin, einem sehr motiviertem Team, einer spitzen Formatidee, wie man sie im deutschen Fernsehen eher selten findet, und einem Sender, der sich als Teil der Mannschaft versteht – daher war es für uns alle eine schöne Belohnung.
Inas Nacht ist ein Dauerbrenner. Lockere Atmosphäre mit lieben und spontanen Gästen, die sich auf ein Bier in einer Hamburger Kneipe treffen. Wer steckt hinter so einer Idee? Und wie kann man sich einen solchen Erfolg erklären?
Vorsicht, es gibt nicht nur Bier. In zwölf Jahren haben sich die Trinkgewohnheiten sehr verändert, kürzlich tranken Ina und Sido zum Beispiel Moscow Mule und mit Iris Berben und Barbara Schöneberger wurde natürlich Champagner getrunken. Und die „Kneipe“ ist unser „Schelli“, Hamburgs älteste Seemannskneipe mit nordisch romantischer Seefahrer-Atmosphäre und Blick auf den Hafen.
Die Idee zur Sendung kam von Ina Müller selbst, die vor 13 Jahren die Unterstützung des damaligen NDR-Intendanten Jobst Plog fand. Der gab grünes Licht für drei Episoden, inzwischen sind über 120 im Kasten und wir laufen nicht mehr nur im NDR sondern auch erfolgreich im Ersten, wo wir Zuschauer aus der ganzen Republik erreichen. Die lieben Inas ehrliche, manchmal schnodderige, aber stets liebenswerte Art, den Shanty-Chor, die Bierdeckel-Fragerunden, die nationalen wie internationalen Musik-Acts, die sich freiwillig auf 3,5 Quadratmeter quetschen, um bei uns zu singen… um nur ein paar Faktoren zu nennen. Am Ende erlebt der Zuschauer eine 60-minütige Late-Night-Show, in der die Gastgeberin Themen anspricht, wie sie in keiner Talkshow zu finden sind. Es wird herrlich und laut gelacht… und am Ende oft bis in die späte Nacht gefeiert.
Ina Müller ist sehr spontan, flexibel, hat ein lockeres Mundwerk, sagt was ihr gerade einfällt und auf der Zunge liegt, verbreitet mit ihrem unvergleichlichen Lachen immer gute Laune. Überträgt sich das auf Ihre Arbeit? Geht man da nach einem harten Arbeitstag eher beschwingt und mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach Hause? Oder ist man eher geneigt zu sagen: Gott sei Dank, endlich Ruhe.
Ina Müller trägt das Herz auf der Zunge und lässt sich weder vor noch hinter der Kamera verbiegen. Sie sagt, was sie denkt, hat eine Haltung zu vielen Themen und steht auch dazu. Das macht die Zusammenarbeit am Ende leicht, denn wir alle haben ein Ziel: die Sendung so unterhaltsam wie möglich gestalten. Das beginnt bei der Auswahl der Gäste und den Themen und Fragen und endet beim finalen Schnitt, den ich als Redakteur abnehme. Spaß und Humor stehen in der Sendung im Vordergrund und dies überträgt sich auch auf die Zusammenarbeit. Uns beide verbindet ja auch zum Beispiel eine Kindheit auf dem Bauernhof. Wir haben eine Menge Spaß bei der Gestaltung der Sendung und auch bei den Dreharbeiten im Schelli. Die beginnen stets am Abend gegen 20 Uhr und enden dann tief in der Nacht. Gern feucht-fröhlich.
Viele Prominente Gäste kommen seit 2007 zur legendären Hamburger Kneipe „Zum Schellfischposten“ und stellen sich den manchmal pikanten Fragen von Ina Müller. Wie muss man sich die Arbeit mit den prominenten Gästen vorstellen? Möchten sie umgarnt werden, benötigen sie eine besondere Behandlung? Oder ist der Umgang ein ganz lockerer, so wie er dann letztendlich auch dem Zuschauer präsentiert wird?
Natürlich gibt es solche und solche und immer ist es spannend. Man trifft auf einen plötzlich eher schüchternen Otto Waalkes oder auf eine völlig entspannte Iris Berben – alle eint am Ende, dass sie vor einem ungewissen Abend mit Ina stehen. Eine Sonderbehandlung braucht aber keiner. Und wenn, würde ich sie oder ihn hier nicht outen (lacht).
Bereits im vergangenen Jahr erhielten Sie und Ihr Team den Deutschen Comedypreis in der Kategorie Beste Sitcom. In diesem Jahr erstmalig den Deutschen Fernsehpreis. Sind Ihnen beide Preise gleich wertvoll oder macht man da Unterschiede?
Den Deutschen Comedypreis bekamen wir für die NDR-Comedy-Serie „Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres“, die am Niederrhein leider weniger bekannt sein dürfte, weil sie nur im Dritten läuft. Wer sich jetzt über den grammatikalischen Fehler wundert – der ist gewollt und steht für eine Redensart, wie sie in bestimmten Regionen im Norden durchaus üblich ist. Es waren an diesem Abend zwei sehr bekannte RTL-Comedyserien nominiert, da waren die Überraschung und Freude mindestens so groß wie in der Vorwoche beim Deutschen Fernsehpreis. Am Ende hält es sich die Waage – beide Preise machen uns als Sender stolz, der Zuspruch der Zuschauer ist aber mindestens genauso wichtig, denn wir machen ja kein Programm für Jurys.
Herr Pellander, Sie sind ein junger Mann, um die 36 Jahre, wenn ich da richtig liege. Bedeutet diese Auszeichnung einen weiterer Ansporn für Ihren beruflichen Weg? Und wo genau führt dieser wohl hin?
Sehr schmeichelhaft, ich werde in diesem Jahr 41. Nominierungen und Preise für Filme, Serien oder Shows sind natürlich eine besondere Form der Anerkennung für die geleistete Arbeit, doch die größte Auszeichnung bleibt die Akzeptanz des Publikums und die Begeisterung beim Zuschauer. Denke ich an den Eurovision Song Contest, für den ich seit 2018 im Ersten verantwortlich bin, so war auch Rang 4 von Michael Schulte in Lissabon ein gefühlter Sieg, auch wenn die Trophäe nach Israel ging. Das Ergebnis hat uns als Redaktion beflügelt und auch in ganz Deutschland etwas bewegt. Zunächst führt mich der Weg in diesem Jahr aber noch nach Tel Aviv, wo wir am 18. Mai um Punkte aus Europa kämpfen.
Sie kommen gebürtig aus Winnekendonk am schönen Niederrhein, wo Ihre Eltern auch noch leben. Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf, würden Sie diesen Weg noch einmal so gehen?
Ursprünglich kam für mich kein anderer Beruf als der des Tierarztes in Frage. Aus gesundheitlichen Gründen hat mir jedoch ein Fachmann von einem Studium abgeraten, obwohl ich schon einen Studienplatz in Hannover hatte. Die Alternative war dann schnell gefunden: Ich wollte Drehbuchautor werden, denn Geschichten zu erzählen, zu entdecken, aufs Papier zu bringen und dann zu verfilmen – davon habe ich schon als Kind geträumt. Ich bin dann mit 19 Jahren nach Köln gezogen, eine der wichtigsten Städte in Deutschland, wenn man in dieser Branche arbeiten möchte. Nach zwei Jahren begann ich mein Studium an der Filmhochschule in Ludwigsburg, von wo ich aus schnell bei der ARD anheuerte. Zunächst beim Bayerischen Rundfunk in München, dann beim Westdeutschen Rundfunk in Köln und seit 3,5 Jahren beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Sozusagen geographisch von unten nach oben. Es kann also beruflich nur wieder abwärts gehen. Natürlich meine ich nur die Himmelsrichtung. In diesen Jahren habe ich das Glück gehabt, mit großartigen und für großartige Menschen arbeiten zu dürfen und ich kam an verschiedenste Orte auf der ganzen Welt – ja, ich würde den Weg genauso noch einmal gehen. Vielleicht würde ich nur meine Eltern öfter mitnehmen.
Nebenbei sind Sie dem Trabrennsport verbunden und Sie fahren auch selbst Rennen und züchten Rennpferde. Bleibt dafür noch Zeit?
Leider zu wenig, mein Job nimmt schon viel Zeit in Anspruch – gerade jetzt, wo wir wenige Monate vor dem ESC stehen und auch Filmprojekte im Sommer anlaufen. Ich fahre nicht mehr so viel wie früher, steige etwa 10- bis 15-mal im Jahr noch ins Rennsulky. 2014 zum Beispiel, als ich deutscher Meister werden durfte, waren es 80 Rennen im Jahr. Ich verpasse aber kein Pferderennen in Deutschland und vor allem meiner Heimatbahn in Mönchengladbach fühle ich mich verbunden. Ganz an den Nagel hängen werde ich den Sport aber nicht. Sonst würde ich auch nicht weiter züchten.
Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an Kevelaer, den Niederrhein und Ihren Heimatort denken?
Es ist nicht leicht, sich hier kurzzufassen. Wenn ich an Kevelaer denke, denke ich – neben meiner Familie – sofort an meinen besten und großartigsten Freund Robin, an den Papstbesuch, an den Traberpark in Twisteden, die Backstreet Boys im Stadion, an den Prinzenhof, an eine nicht immer leichte Zeit an einem Gymnasium, das inzwischen einen guten Ruf genießen soll, damals aber ein Paradebeispiel unseres katastrophalen Bildungssystems in Zeiten des Pisa-Schocks war, und an eine großartige Chemie-Lehrerin Marie-Luise Müller, von deren Sorte es mehr gebraucht hätte.
Mit dem Niederrhein verbinde ich den Dialekt meiner Großeltern, den Geruch von Pferden und frisch gepresstem Heu, dreistellige Telefonnummern, aber auch schlechtes Handynetz. Und was meinen Heimatort Winnekendonk betrifft: an die Overberg-Grundschule und an meiner erste Lehrerin Frau Klein habe ich wunderbare Erinnerungen, an Wochenenden auf dem Tennisplatz zu einer Zeit, als Poster von Boris und Steffi an den Wänden hingen, an den Pastor Kopovski, der eines Tages meinen Eltern mitteilte, dass ich von meinen Aufgaben als Messdiener befreit werde. Nicht etwa, weil ich mich daneben benommen habe, sondern weil ich bei Beerdigungen zu viel weinte. Traurig war ich über diese Nachricht aber nicht.
Herr Pellander, wir bedanken uns für das ausführliche Gespräch und ihre Offenheit.

Hans Gerd Rütten und Ralf Trepmann führen durchs Festjahr der Seb

Kevelaerer Blatt: Was war Ihr erster Gedanke, als sich abzeichnete, dass Sie Festkettenträger werden würden?
Hans Gerd Rütten: Das war schon eine emotionale Geschichte, da mein Vater gerne einmal Festkettenträger geworden wäre, aber das war ihm nicht vergönnt. Wir wollten aber eigentlich einen Alteingesessenen nominieren, doch die sind inzwischen verstorben oder können aus Krankheitsgründen nicht. Wir haben bestimmt zwei Jahre lang gefragt, wer Lust hätte, Festkettenträger zu werden. Am Ende hat sich außer uns niemand beworben.
KB:Außer uns“ – das heißt, Ihr Adjutant stand für Sie von Anfang an fest?
Rütten: Ich habe mich vor meiner Bewerbung mit Ralf besprochen und gesagt: Wenn, dann gerne mit Dir. Ob als Festkettenträger oder als König, man braucht immer einen Adjutanten, um Dinge zu besprechen oder Revue passieren zu lassen.
Ralf Trepmann: Wir haben die Vereinsarbeit seit vielen Jahren gemeinsam gemacht, da wächst mit den Jahren eine Freundschaft.
KB: Sie sind aber beide keine Schützen von Kindheitstagen an.
Rütten: Ich habe am Anfang viel Fußball gespielt und hatte wenig Zeit für die Schützen. Ich habe aber immer gesagt, dass ich später nicht mit den Altherren Turniere spielen will. Ein Freund hat mich damals überzeugt, zu den Schützen zu kommen. Ich habe gesagt: Wenn ich das mache, werde ich erst Fahnenoffizier, dann Präsident, dann Festkettenträger. Das wollte er nicht glauben und wir haben gewettet. Den ersten Kasten Bier habe ich schon bekommen, jetzt ist der zweite dran. [lacht]
Trepmann: Ich habe über meinen Sohn Steffen Geschmack daran gefunden. Ich bin jetzt seit zwölf Jahren dabei, er war es schon zwei Jahre früher. Ich hatte früher an Schützenvereinen kein Interesse, muss aber sagen: Es war eine gute Entscheidung, so etwas kennenzulernen, das Brauchtum, das Vereinsleben, …
KB: Herr Rütten, Sie waren aber schon früh mit dem Vereinsleben in Berührung. Kommt daher auch ein Teil des Interesses an der Rolle des Festkettenträgers?
Rütten: Festkettenträger ist eine der besonderen Möglichkeiten, wenn man hier geboren und aktiv im Vereinsleben ist. In jungen Jahren habe ich viel mitbekommen, weil mein Vater in der Feuerwehr war. Ich selbst war drei Mal in der Wache des Festkettenträgers, bei Herbert Holz, Albert Weynhoven und Hermann Jakobs. Das war immer sehr emotional.
Trepmann: 2013 hatte ich das Glück, König zu werden. Was haben wir da alles erlebt. Und ich habe erlebt, wie viele nette – nur nette – Menschen man kennenlernt. Die Möglichkeit, Adjutant des Festkettenträgers zu werden, ist das I-Tüpfelchen darauf.
KB: War es schwierig, Ihre künftige Rolle bis zum Heimatabend geheim zu halten?
Rütten: Natürlich wurden wir oft darauf angesprochen, einige haben das schon vermutet. Auch aus den Reihen der Geselligen gab es immer wieder Tricks, uns das Geheimnis zu entlocken. [schmunzelt] Natürlich wussten unsere Frauen es. Ohne die Zustimmung der Familie geht es nicht, das ist auch als Schützenkönig so. Schließlich mussten wir auch die Wache und deren Frauen einweihen. Aber alle haben hervorragend dicht gehalten. Jetzt freue ich mich, es nicht mehr verleugnen zu müssen und noch mehr nette Leute kennenzulernen – obwohl ich in Kevelaer schon sehr viele kenne.
KB: Worauf freuen Sie sich sonst noch besonders in Ihrem Festjahr?
Rütten: Wir freuen uns, für unseren Verein diese Aufgabe übernehmen zu dürfen. Dann natürlich auf die Abwicklung der Kirmes, die ist in Kevelaer schon etwas besonderes, erst recht im Vergleich zu anderen Kirmesfesten in der Region. Und auf den Moment, wenn ich die Festkette bekomme.
Trepmann: Ich freue mich außerdem auf den Blick von der anderen Seite. Ich habe schon einige auf den Treppenstufen stehen gesehen, jetzt wird es andersherum. Und ich habe schon als König erlebt, wie viele sich mit einem gefreut haben. Es ist toll, wenn man spürt, dass sie hiermit einverstanden sind.
KB: Für die Kirmes soll sich die Schützenbruderschaft ein paar Veränderungen überlegt haben?
Rütten: Wir wollen die Kirmes noch attraktiver gestalten und das Festzelt noch mehr nutzen, damit sich das auch für die Wirtin mehr lohnt. Den Seniorennachmittag werden wir fortführen, auch wenn wir ihn als Bruderschaft diesmal nicht selbst ausrichten können. Vielleicht wäre es eine Idee, wenn immer der festgebende Verein des Folgejahres diese Aufgabe übernimmt. Außerdem wird es im Zelt Werbung geben, natürlich dezent. Damit möchten wir in Zukunft vor allem kleinen Vereinen zusätzliche Einnahmen ermöglichen. Demnächst werden wir sicher noch mehr Details verraten.
Ein anderer Punkt ist, dass wir – wie viele vor uns – finden, dass die Festkette zu kurz getragen wird. Ohne Kette ist man im Festjahr aber nicht als Festkettenträger zu erkennen. Man müsste die Kette zu weiteren Anlässen von der Stadt ausleihen können, oder es müsste eine „Ausgehkette“ geben. Aber das ist wohl ein finanzielles Thema.


Hans Gerd Rütten
Der gebürtige Kevelaerer wird schon seit der Grundschule „Tutti“ gerufen. Der 52-Jährige ist verheiratet, hat zwei Töchter und einen Hund. Den Hundesport bezeichnet der gelernte Elektroinstallateur, der heute vor allem mit Kleinspannungstechnik zu tun hat, als seinen „Freizeitausgleich“. Jahrelang spielte Rütten Fußball beim Kevelaerer SV und in anderen Vereinen, war in der Thekenmannschaft im Prinzenhof im Vorstand, im Karnevalsclub Kevelaer und im Vorstand des VFR engagiert.
2003 trat er der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft als Fahnenoffizier bei. Bald wurde er stellvertretender Kassierer, dann krankheitsbedingt Kassierer, später stellvertretender Präsident. Seit viereinhalb Jahren ist Rütten nun Präsident der Kevelaerer Sebastianus-Bruderschaft. Die Königswürde trug er 2007, unterstützt von Adjutant Ben Fischer, 2010 tauschten die Beiden die Rollen. „Zwei hervorragende Jahre“, wie Rütten resümiert. Nur einen Preis, den hat er bislang nicht abgeschossen – etwas, das seiner Frau Marion bereits gelungen ist.
Ralf Trepmann
Ralf Trepmann wurde zwar in Kleve geboren und wuchs in Bedburg-Hau auf, fühlt sich aber nach 34 Jahren Jahren in Kevelaer durchaus als Kevelaer. Die Liebe zu seiner heutigen Frau Ulrike hat ihn in die Marienstadt gebracht und ihm zwei inzwischen längst erwachsene Kinder – eine Tochter und einen Sohn – beschert. Der 56-Jährige ist seit 40 Jahren bei der Deutschen Bahn und zwischen Aldekerk und Kleve sowie zwischen Xanten und Rheinhausen im Signaldienst für alle Bahnübergänge zuständig.
Zur St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft kam Trepmann 2007, wurde nach kurzer Zeit in der Wache Fahnenoffizier, dann Redakteur der Stadtbundzeitung, schließlich Schriftführer und arbeitet inzwischen seit mehr als sieben Jahren im geschäftsführenden Vorstand. 2013 war er König und hat – im Gegensatz zu seinem Festkettenträger – auch schon Preise abgeschossen. Die Reste all dessen, was er je abgeschossen hat, finden sich in einer Sammlung im heimischen Partykeller.
Mit der Bruderschaft nimmt Trepmann außerdem an Wettkämpfen am Luftgewehr teil – „aber nur an Bezirksmeisterschaften, sonst wird das mit der Fahrerei zu zeitaufwendig.“ Nicht die Preise, sondern der Spaß an der Konzentration zählen für ihn.

Josef Sautmann – ein Segler, Wanderer und Kulturträger

Es gibt nicht viele Kevelaerer, die anderen so oft in die Haare geraten sind, wie dieser Mann. Am Dienstag, 11. Dezember, ist Josef Sautmann 80 Jahre alt geworden. Kamm und Schere sind dem Frisörmeister über Jahrzehnte zu Körperteilen geworden, die seine Hände verlängern. Das hat viel mit seinen Augen zu tun. Aber das lüften wir später …

Josef Sautmann kommt 1938 in Recklinghausen zur Welt, die gerade auf den größten Krieg aller Zeiten zusteuert. Josef ist vier, als der Vater – inzwischen mitten im Krieg – seine fünf Kinder aus der Schusslinie bringt. Er gibt Josef, weg von den geliebten Eltern, bei Tante Anna Niehoff ab. „Zweieinhalb Jahre lang hatte ich nur Heimweh“, erinnert sich Josef Sautmann, „ein Trauma“.

Als er heim darf und eingeschult wird, setzt es für kleinste Vergehen in der Klasse Prügel. Die Kinder kämpfen sich durch die Zeit. Nach dem Abschluss 1953 tritt Josef in Emsdetten eine Lehrstelle an. Er soll Textilkaufmann werden und wohnt im Haushalt von Onkel Anton Sautmann. Von Cousine Elisabeth lernt er alles, was zum Leben nötig ist. Bei Tisch entdeckt er den Unterschied zwischen essen und speisen. Dort versammelt sich die Familie und spricht offen und vertrauensvoll über alles, was anliegt. In der Lehre begreift Josef buchstäblich: Er fasst in Stoffe und erfühlt und bestimmt ihre Eigenschaften. Doch er möchte mehr. Er will selbstbestimmt und kreativ arbeiten.

Seiner Zeit voraus

Anfang der 1960er-Jahre wechselt er auf die Möbelfachschule in Köln. Sie gilt als Talentschmiede der Küchen- und Einrichtungsbranche. Josef hat seine eigenen Ideen, wie Küchen zu gestalten sind. Er entwirft sie, seiner Zeit voraus, als Mittelpunkt der Wohnungen: Hier trifft sich die Familie; hier speist sie und tauscht sich aus. Auch die heute beliebten Kochinseln plant er schon – und setzt einen Entwurf Jahre später in der eigenen Küche an der Gelderner Straße um.

Damit erreicht Sautmanns Lebensgeschichte Kevelaerer Boden. Denn zwischenzeitlich hat der Twen eine junge Frau kennen gelernt, die aus Kevelaer stammt: Ursula Hogenkamp. Die beiden verlieben sich. In Kevelaer führt Ursulas Mutter Maria den Frisörsalon weiter, den sie 1937 mit Vater Bernd eröffnet hat und nach seinem Tod 1959 auf eigene Faust managt. Bald steht für den jungen Mann fest: „Frisör – das ist was für mich.“

Er verzichtet darauf, in Köln „den Betriebswirt zu machen“. Er möchte den Menschen bei der Arbeit ins Gesicht sehen, absolviert die Frisör-Ausbildung und hängt später seinen „Meister“ an.

Er will Frisuren nicht aufsetzen wie einen Hut; sie sollen angezogen sein wie die eigene Haut. Josef ist für Schnitte nur der Mode wegen nicht zu haben. Er will keine Typen „machen“, weil sie gerade einen Trend oder ein Styling markieren. Er möchte den eigentlichen Typ zur Geltung kommen lassen. „Es gab Leute, die wollten eine Maske“, sagt er, „bei denen konnte ich nicht schneiden.“

Frisuren als Körpersprache

Da sind wir wieder bei Sautmanns Augen, die wie Kamm und Schere zu seinem Handwerkszeug gehören und jetzt nicht mehr die Eigenschaft textiler Stoffe, sondern an der Gelderner Straße 25 intuitiv Haarstrukturen, Haut, Gesichter und mitunter Persönlichkeiten erfassen. Er spricht gern mit seinen Kunden. Viele öffnen sich. Er sieht, wie sie sich über die Jahre verändern. So ändern sich auch ihre Frisuren. Für ihn sind sie eine eigene Körpersprache. Da er sie seinen Kunden auf den Schopf schneidert, geht er besonders respektvoll ans Werk.

Über Jahrzehnte nimmt er an Fortbildungsgesprächen teil. Frisörmeister aus halb Europa treffen sich privat, weiten Horizont und Wissen und geben gute und schlechte Erfahrungen weiter. Sautmann lernt staunend und neugierig unbekannte Facetten von Farben, Linien und Gesichtsformen kennen. Eines seiner ersten Aha-Erlebnisse: „Deine Iris trägt alle Farben in sich, die du liebst.“

Der Meister geht auch in anderen Bereichen neue Wege. Zwischenzeitlich beteiligt der Salon Angestellte am Gewinn. Sautmann will den Erfolg nicht für sich allein. Bis Mitte der 80er-Jahre – der Betrieb beschäftigt 18 Mitarbeiter – läuft alles gut. Dann steigen die Betriebsnebenkosten eklatant.

Politisches Engagement

Sautmann wird politisch. In ungezählten Leserbriefen und Petitionen setzt er sich dafür ein, die Höhe dieser Kosten nicht mehr an den Lohn, sondern an den Gewinn der Unternehmen zu koppeln. Gerade die lohnintensiven Handwerksbetriebe im Mittelstand, die mit Abstand die meisten Menschen beschäftigten, hätten sonst das Nachsehen. Großunternehmen, die Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzten, kämen hingegen bestens weg.

Zwischenzeitlich muss er sich vorm Finanzamt rechtfertigen – am Ende mit Erfolg. Beamte halten ihm sinkende Einnahmen vor und sprechen das Wort „Schwarzgeldeinnahmen“ aus. Sautmann kontert. Erst bürde der Staat lohnintensiven Unternehmungen immer mehr Lasten auf und treibe sie in eine verzweifelte Lage, dann setze er über die Finanzämter Daumenschrauben an. „Das ist zynisch!“

Mit 65 Jahren – Josef Sautmann hat sich privat und wirtschaftlich in gutem Einvernehmen von seiner Frau getrennt – übergibt er den Salon an Nachfolgerin Marion Busch.

Bis heute kämpft er für eine gerechtere Verteilung der Betriebsnebenkosten. Kevin Kühnert, der Bundesvorsitzende der Jusos, hat unlängst interessiert auf einen Brief von Sautmann reagiert. Der Kevelaerer hat Talkshow-Moderatorinnen, Bischöfe, Bundeparteivorsitzende und viele andere mit dem Thema konfrontiert. „Das will ich noch zu Ende bringen“, sagt er und sieht hoffnungsvoll aus.

Noch immer sechs große Leidenschaften

Sechs weitere Leidenschaften des KMGV-Sängers und Bienenzüchters mit 15 Arbeitsvölkern samt 750.000 summenden Flugkörpern im eigenen Garten sollen noch erwähnt werden.

Da ist seine Familie, zu der Sohn Dirk und die Enkel Leah und Philipp gehören. Sie bescheren dem Großvater entzückende Zeiten. Da ist Lebensgefährtin Gisela Haselhorst. Sie ist das charmante und liebenswürdige Glück an seiner Seite. Sie schätzt seine Gelassenheit und seine Kraft zu beobachten.

Da ist seine Segelleidenschaft, die ihn über drei Jahrzehnte mit guten Freunden von Schweden bis an den Bosporus zu Traumbuchten führt und ungezählte Bekanntschaften schließen lässt. Die Crew spricht in Häfen Einheimische an, freut sich an privaten Einladungen und unverfälschtem Flair. Für Skipper Sautmann ist „immer die Crew der Schlüssel zu intensivsten Erfahrungen.“

Da ist die Wanderleidenschaft, die Josef Sautmann und seinen Freund Bernd Hoffmann in Deutschland über Jahre auf sämtliche Berge führt, die höher als 1000 Meter sind. Einmal wandern sie von Pforzheim nach Basel. Und Josef Sautmann fragt sich: „Was treibt uns?“ Seine Antwort: „Auf keine andere Weise lassen sich alle modernen Errungenschaften besser ignorieren.“

Aus dem Wandern wird – in anderer Besetzung –das Fußpilgern. Es führt ihn und Kamerad Hans-Gerd Op de Hipt von europäischen Orten zurück zur Gnadenkapelle in Kevelaer, zurück zur Mutter. Fern des Alltags genießen die Männer „die Stille im Kopf, die einen dazu bringt, das eigene Innere zu hören und frei zu denken“.

Und die sechste Leidenschaft? Josef Sautmann streicht schon in jungen Jahren durch Galerien. Kunst fasziniert ihn. In seinem Salon stellt er Gemälde und Zeichnungen des Kinderarztes Dr. Ferdinand Helpenstein aus und engagiert sich für die Frühförderung von Kindern. Denn der Verkaufserlös geht an die Aktion St. Nicolaus. Sautmann widmet sich mit einem überaus aufwendig erstellten Werksverzeichnis an der Seite von Pro Arte dem Nachlass von Helpenstein und dem Nachlass von Karl Neuy.

So wird Josef Sautmann – in der Tradition des Frisörs und Kunstliebhabers Bert van der Post – auf eher leisen Sohlen, menschenfreundlich und mutig zu einem Kulturträger der Stadt.

Traditionelles Improvisisationskonzert in der Basilika

Universität der Künste Berlin (UdK)

Ein eindruckvolles Klangerlebnis werden die Besucher des Orgelkonzerts erleben dürfen, wenn fünf junge Studenten der Universität der Künste Berlin – Institut für Kirchenmusik auf der großen Seifert-Orgel in der Marienbasilika ihr Können am Sonntag, 25.11.2018 um 16:30 Uhr zu Gehör bringen werden.

 

Diese Konzertreihe sollte für jeden der Musikliebhaber einen Besuch wert sein, auch wenn man der Kirchenmusik nicht zugetan ist. Die jungen Künstler können sich in der freien Improvisation ganz ihrem künstlerischen und musikalischem Empfinden hingeben und dabei die unglaubliche Klangfülle der in der ganzen Welt berühmten romantischen Seifert-Orgel ausnutzen. Ein wahrer Genuss für die Ohren.

Die Kunst der Improvisation ist Bestandteil des Kirchenmusik-/Orgelstudiums. In dem Konzert präsentieren die Studenten, je nach Stand des Studiums, ihre Ergebnisse. Dabei sind für die Realisation die ergänzenden Fächer Gehörbildung, Harmonielehre, Kontrapunkt, Komposition sowie Literaturkenntnisse unabdingbar.

 

Prof. Wolfgang Seifen, Organist und Komponist

Prof. Wolfgang Seifen (ehemaliger Organist in der Marienbasilika) hat dazu Henriette Kluchert (Kirchenmusik), Patryk Lipa (Kirchenmusik und Hauptfach Improvisation), Damian Sworonski (Hauptfach Improvisation), Szymon Buscynski (Improvisation) und Felix Hielscher (Kirchenmusik) ausgewählt, die alle im Alter zwischen 25-28 Jahre jung sind.