Geschichten über Menschen aus Kevelaer und Ortschaften

Ehemaliger Regionalbischof für den Niederrhein wurde 88 Jahre alt

Weihbischof em. Heinrich Janssen verstorben

Der emeritierte Weihbischof im Bistum Münster, Heinrich Janssen, ist am 27. Mai m Alter von 88 Jahren in Kevelaer nach langer Krankheit verstorben. Janssen war von 1986 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2010 für die Region Niederrhein zuständig. Insbesondere seinem Geburtsort Kevelaer blieb Janssen sein Leben lang verbunden.

Barbara Hendricks wurden die Ordensinsignien durch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble überreicht. Foto: Deutscher Bundestag / Henning Schacht

„Wenn man Politik macht, muss man Menschen mögen“

Seit 27 Jahren vertritt Barbara Hendricks die Interessen ihres Heimatkreises Kleve im Deutschen Bundestag. Im Herbst dieses Jahres wird die Sozialdemokratin und ehemalige Bundesumweltministerin nicht mehr zur Bundestagswahl antreten. Nun wurde sie von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für ihre Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Selbstverständlich in kleinster Runde und unter Wahrung aller gebotenen Schutzmaßnahmen wurden die Ordensinsignien durch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in dieser Woche persönlich überreicht.

Ehrenamtliches Engagement

Es war nicht die Ausübung ihrer Mandate und Ämter, die ihr das Verdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens des Bundes beschert haben, sondern ihr ehrenamtliches Engagement in den unterschiedlichsten Bereichen. So hob Wolfgang Schäuble die Arbeit im Zentralkomitee der deutschen Katholiken hervor. Dort ist Barbara Hendricks Sprecherin für den Sachbereich „Nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung“. Neben ihrem Einsatz für eine moderne und liberale katholische Kirche, in der alle Ämter auch für Frauen offen sein sollen, ist ihr vor allem die Bewahrung der Schöpfung ein Anliegen. Als Sprecherin setzt sie sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen ein und benennt die Verantwortung der Industrienationen gegenüber den Ländern des Südens in Bezug auf Klimaschutz und Entwicklung.

Viele Bürgerinnen und Bürger des Kreises Kleve kennen Barbara Hendricks auch als Schirmherrin des Amani Kinderdorfes oder des Schleusen Vereins Brienen. Sie engagiert sich in den Fördervereinen des Museums Kurhaus Kleve und von Schloss Moyland, der Hochschule Rhein Waal, des Hospizes Kevelaer und der Kinderabteilung St. Antonius Hospital. Auch im Kuratorium der Stiftung Aktion Pro Humanität sowie im Aufsichtsrat der Katholischen Kliniken Kreis Kleve ist Barbara Hendricks aktiv.

Darüber hinaus ist die gebürtige Kleverin ehrenamtlich Mitglied im Stiftungsrat der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und im Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Über die Jahre hatten tausende Besucherinnen und Besucher aus dem Kreis Kleve die Möglichkeit, die Abgeordnete Barbara Hendricks an ihren Wirkungsstätten Berlin und Bonn zu besuchen. Immer wieder wurde die Frage gestellt, wie man denn Politikerin werde und ob das schon immer ein Berufswunsch war.

Die Sozialdemokratin antwortete stets, dass es zunächst und zuvorderst darum geht, die Lebenswelt seiner Mitmenschen mitzudenken, über seine eigene Person und die eigenen Bedürfnisse hinauszudenken und daraus sein Handeln abzuleiten. Jedes Engagement, ob im Sportverein, in der Nachbarschaft oder in der Kirche, sei von unschätzbarem Wert für ein gelingendes Miteinander und eine lebenswerte Gesellschaft.

„Wenn man Politik macht, muss man Menschen mögen“, ist ein Schlüsselsatz für die Arbeit von Barbara Hendricks.

Das Wachstum voranbringen

Seit fast drei Jahrzehnte pendelt Erich Reiser beruflich zwischen Winnekendonk und Krefeld. „Ich bin eine echter Zugereister – zusammen mit meiner Frau“, gesteht der neue Ortsvorsteher von Winnkendonk. „Wir kommen beide aus Schleswig-Holstein, aus Wrohe nahe Kiel.“ Die Vorfahren waren bis zur vierten Generation Binnenfischer, auch der Vater noch.

„Der hat aber selbst den Beruf gewechselt, weil das einfach nicht mehr viel gebracht hat“, berichtet der Vorruheständler, der zuletzt als Projektleiter im Maschinen- und Anlagenbauer gearbeitet hat und jetzt der Gemeinde „100-prozentig zur Verfügung“ steht. „Mein Vater war zum Schluss Verwaltungsangestellter und 16 Jahre lang Bürgermeister seiner Heimatstadt. Das ist mein erstes Vorbild, damit bin ich groß geworden“, sagt der 62-Jährige. „Daher rührt auch der Kontakt zur Kommunalpolitik.“

Selbst ging Reiser in Kiel zur Schule, machte dann eine Ausbildung zum Schreiner, holte das Abitur auf dem technischen Gymnasium nach. 1980 folgte die Bundeswehr und ein Jahr später begann er sein zum Studium der Holzwirtschaft in Hamburg, das er als Diplom-Holzwirt abschloss. Seine Frau lernt er im Alter von 20 Jahren auf einem Sommerfest kennen. „Jeden Lebensschritt haben wir gemeinsam gemacht“, sagt er nicht ohne Stolz. Zu der Zeit engagierte er sich noch in der Jungen Union, trat aber aus. „Das war die Zeit von Pershing II, die Entscheidung mit Kohl und der Nachrüstung, das war nicht meins“, sagt er heute „Die Antworten, die ich damals bekam, waren nicht die Richtigen. Ich bin auch nicht links gewesen, aber ich konnte mich da einfach nicht wiederfinden.“ Danach verlor er die Politik, auch berufsbedingt, erst mal aus dem Auge.

Nicht für immer ins Saarland

Der erste Sohn wurde geboren, man musste Geld verdienen. Ein Angebot lockte die junge Familie ins Saarland in die Nähe von Saarlouis. Dort arbeitete Erich Reiser als Projektingenieur für ein Sperrholzwerk. Fünf Jahre blieb er mit seiner Familie dort. „Wir waren uns einig, dass wir nicht bis zum Lebensende im Saarland bleiben“, erinnert er sich. Der Unterschied zwischen katholischen Saarländern und protestantischen Norddeutschen wie ihm war doch „zu krass“ gesteht Reiser zu. „Das ging zwar, aber nicht auf Dauer. Und wir wollten uns noch bewegen.“

So machte sich das Paar mit Sohn und erster Tochter auf den Weg nach einem Ort, wo die Familie bleiben wollte. 1991 stieg er als Projektleiter bei einer Krefelder Firma ein, ein zeitraubender Job. „Ich war 100 bis 120 Tage pro Jahr im Ausland. Das war internationale Projektabwicklung, die mich durch die ganze Welt geführt hat, außer nach Afrika und Australien, aber in den Iran, Brasilien, Kanada, Russland oder China.“ Das viele Reisen kam ihm entgegen: „Wir sind weltoffen trotz unseres norddeutschen Charakters. Meine Mutter hat immer gerne Ferienwohnungen vermietet. Da bin ich in meiner Kindheit immer mit Fremden zusammengekommen.“

Auf der Suche nach einem Haus in der Nähe wurden sie schließlich in Winnekendonk fündig. Am Heiligenweg stand ein Haus frei, das gerade neu erbaut war. „Da haben wir die ersten 16 Jahre gewohnt.“ Die zweite Tochter wurde in Geldern geboren. „Jede Station ein Mitbringsel“, schmunzelt Reiser. Die Entscheidung für Winnekendonk sei bewusst so gefallen: „Meine Frau und ich sind beide ländlich orientiert, nie Stadtmenschen gewesen. Deshalb verstehen wir die Lebensart und Weise der Landbevölkerung, wie wir sie hier auch wiederfinden. Wir lieben diese Freiheiten, diesen Abstand zu den Menschen. Aber man hat trotzdem eine Nähe zur Nachbarschaft. Man kennt sich, bringt sich ein und man weiß das auch wert zu schätzen, den klassischen Schnack vor der Haustor.“

Hinter den Vorhang schauen

1995 stieg er in Winnekendonk wieder in die CDU ein „wegen meines Nachbarn Ulrich Völlings“, der ihn dazu motivierte. Seit 2006 ist er im CDU-Vorstand des Ortsverbandes Winnekendonk aktiv. Und seit letztem Jahr ist er Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU im Kreis Kleve, „was mich weiterbringt, weil dort die grundlegenden Grundwerte diskutiert und angerissen werden, die man weitergeben kann. Und man ist besser informiert.“ Das entspricht seinem Bedürfnis, „hinter dem Vorhang zu schauen, um der Wahrheit näher zu kommen.“

Seine Grundwerte habe er „immer in der CDU gesehen“, spricht er von einer „geistig-politischen Heimat.“ Er sei „kein Hardcore-Evangelist, aber lebe bewusst in der Kirche als Protestant. Ich bin mit dem Familienbild der CDU einverstanden“, sagt Reiser. Und er stehe zu Dingen wie Selbstverwirklichung und Besitz. „Diese Sachen sind für mich unumstößlich.“
Seit der letzten Kommunalwahl sitzt Reiser jetzt im Stadtrat. „Mein einziges wirkliches Manko“, sagt er, sei die Tatsache, „dass ich kein Vereinsmensch bin “ Das habe ihn, wie auch die anderen CDU-Kandidaten, denen das ähnlich ging, „nicht daran gehindert, für die Allgemeinheit tätig zu werden.“

Dass das Ortsvorsteheramt fünf Jahrzehnte lang von Hansgerd Kronenberg ausgefüllt wurde, schreckt ihn nicht ab. „Ich habe mich nicht von dieser herausgehobenen Persönlichkeit beeindrucken lassen. Hansgerd hat auf eigenem Wunsch gebeten, aufzuhören“, sagt Erich Reiser. „Wir haben ganz bewusst rücksichtsvoll keine Avancen gemacht und auch nicht gedrängt dass er das tun soll, aus Respekt vor seinem Ehrenbürgertum und seiner 50-jährigen Erfahrung.“ Dann musste der CDU-Vorstand eine Entscheidung fällen. „Wir haben im Vorfeld diskutiert, was machen wir für den Ernstfall und waren da vorbereitet.“ Er selbst habe da keine Bedenken gehabt, „weil ich das Für und Wider der Amtsfunktion kenne von Kindheit an.“ Er könne auf diesem Weg „eine gewisse Professionalität“ beweisen, hat er vor den großen Fußstapfen keinerlei Furcht. Auch wenn er sich nicht habe vorstellen können, einmal dieses Amt zu bekleiden. „Man verliert den Respekt vor hohen Tieren im Beruf.“

Winnekendonk als Nebenzentrum

Als Ortsvorsteher werde er „Repräsentant und Ansprechpartner für alle“ sein. Politisch wolle man auch mit anderen außerhalb der CDU das Gespräch suchen, „Wir haben auch andere starke Ratsmitglieder in Winnekendonk und Achterhoek. Mit zehn von 40 Ratsmitgliedern kann man für die Ortschaft schon was bewegen.“ Die detaillierte Sachkenntnis in Projekten, die fehle ihm natürlich nach einem Monat Ratsmitgliedschaft noch. „Deshalb lese ich sehr viel.“ Was Winnekendonk angehe, habe Kronenberg „Bemerkenswertes zustandegebracht.“ Das merke er jetzt, wo er erstmals im Rat sitzt, an den Vorlagen und den ganzen Stadtentwicklungsprojekten, die gelaufen sind. „Die Regionalplanungsbehörden sprechen von Winnekendonk als Nebenzentrum. Das ist ein Wort, das eine Bedeutung hat, wenn man die anderen Ortschaften sieht. Das hat eine große Auswirkung.“

Die Ortschaft sei „ein Zuzugsort in dem Kontext, ein attraktiver Standort. Wir wachsen, das spürt das Gewerbe sehr fein, wo es sich lohnt, Zukunftsinvestition zu tätigen. Das möchte ich auf jeden Fall ausnutzen und voranbringen.“ Und welche Projekte sind Winnekendonk noch wesentlich? Angesichts der Ortsumgehung OW1 denke man in der CDU vor Ort darüber nach, einen „Anstoß zur Neugestaltung des Ortskerns“ zu geben. Der Umzug des SV Viktoria vom alten zum neuen Sportplatz werde 2021 garantiert ein Thema. „Die sind da schon in heller Aufregung“, sagt Reiser. Den Bürgerpark als „schönen Erlebnisort“ neu zu gestalten, fände er auch sinnvoll. „Jedes Jahr dort andere Sträucher zum Blühen bringen, ihn auf die Höhe der Zeit bringen“, damit Kinder und Ältere dort verweilen, das schwebt ihm da vor. „Das geht bestimmt auch mit einfachen gestalterischen Mitteln“, zum Beispiel einer Boulebahn.

Die Frage, wie lange er das Amt des Ortsvorstehers ausüben will, stelle sich ihm erstmal nicht, versichert Reiser. Der frühere Jahrgangs-Landesmeister Schleswig-Holsteins auf 100 Meter Brust in der Staffel schwimmt noch immer gerne und fährt mit seiner Frau jede nur mögliche Strecke mit dem Rad. „Es geht erst mal darum, Akzeptanz in der Ortschaft selbst zu erreichen“, steckt er die Ziele niedriger. „Ich brauche da auch ein Feedback, ob das funktioniert.“

Plötzlich Fraktionsvorsitzender

Er kam wohl für alle unerwartet, der Rücktritt des Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzenden der CDU Kevelaer, Paul Schaffers. „Ich war auch überrascht, aber so ist halt Demokratie“, blickt Mario Maaßen im Gespräch mit dem KB zurück auf jenen Mittwochabend vor wenigen Wochen, der auch sein Leben durcheinander bringen sollte. Denn eigentlich sah der Plan, den der CDU-Vorstand um Schaffers entwickelt hatte, so aus: In diesem Jahr würde die CDU auf einen eigenen Kandidaten für das Bürgermeisteramt verzichten, um dafür bei der Wahl danach wirkungsvoller angreifen zu können. Einer, der dafür dem Vorstand sein Interesse zu kandidieren signalisiert hatte, ist Mario Maaßen. Jetzt aber will der Stadtverband doch schon einen Kandidaten in diesem Jahr aufstellen. Also erklärte der 53-Jährige sich vorzeitig bereit.

Maaßen lebt mit seiner Familie in Kevelaer, in Klinkenberg. Ein Kind ist 21 Jahre alt und studiert, das andere geht mit 16 Jahren noch zur Schule. Gemeinsam mit seiner Frau und seinem Hund sieht man Mario Maaßen häufiger beim Spazierengehen. „Der Hund bringt mich an die frische Luft“, schmunzelt der CDU-Politiker angesichts der knappen Freizeit, die ihm seine Arbeit als Leiter des Bundespolizeireviers Kempen und das Engagement in der Kommunalpolitik lassen. Überhaupt schätzt der 1. stellvertretende Bürgermeister die frische Luft als Ausgleich und Entspannung und kümmert sich daher gern um die Arbeit im eigenen Garten.

Bald noch weniger Freizeit

Für Vereinsleben bleibt wenig Zeit. Der 53-Jährige engagiert sich nach wie vor im Förderverein der Kindertagesstätte Spatzennest, den er seinerzeit mitgegründet hat. Und als „Fahrdienstleister“ für die Wettkämpfe seines Nachwuchses fühlt er sich auch dem Sportverein fast zugehörig.

Bald wird die freie Zeit wohl noch weniger, denn gegen den populären Amtsinhaber Dominik Pichler zu kandidieren, verlangt nach einer intensiven Wahlkampfkampagne. Noch ruht diese pandemiebedingt, Maaßen ist bislang lediglich als neuer Fraktionsvorsitzender bestätigt. Die Aufstellungsversammlung, in der die CDU ihren Bürgermeisterkandidaten wählen möchte, musste verschoben werden. „Wir wissen jetzt, dass die Versammlung für Überraschungen gut ist“, sagt Maaßen. Darauf wetten, dass die Versammlung ihn wähle, das mache man lieber nicht. Er könne sich durchaus vorstellen, dass noch jemand Interesse habe zu kandidieren oder jemand von außen ins Spiel gebracht werde. „Ich wünsche mir auf jeden Fall ein gutes Ergebnis, das wäre eine zusätzliche Motivation.“

Stadtentwicklung und Umzug des Jugendamtes

Politisch interessiert ist Maaßen schon lange. „Ich war früher beruflich viel im Ausland, aber seit ich sesshaft bin, mache ich Lokalpolitik.“ So trat er 2007 der CDU bei. Die Interessenschwerpunkte des Ratsmitglieds bilden sich in seiner Ausschussarbeit ab: Jugendhilfe, Schule und Sport, Soziales – und jetzt nach dem Rückzug Schaffers‘ noch der Bereich Stadtentwicklung. „Da stehen natürlich die Entwicklung auf der Hüls und das Integrierte Handlungskonzept im Mittelpunkt.“

Wichtig ist ihm zudem der Umzug des Jugendamts in die ehemalige Virginia-Satir-Schule. „Da ist durch Corona der Zeitplan durcheinander und die Schwerpunkte liegen gerade anders“, räumt Maaßen ein. Darüber hinaus findet er, dass wieder mehr Aufmerksamkeit darauf liegen müsse, Senioren zu unterstützen.

Nach innen sieht der neue Fraktionschef die CDU in gutem Zustand. „Das war nicht organisiert“, sagt er über die Ereignisse bei der Mitgliederversammlung. Eine leidenschaftliche Rede mit durchaus guten Punkten sei auf zahlreiche Mitglieder getroffen, die vorher nicht bei den Versammlungen der Ortsverbände waren – wo man sich nach längeren Debatten jedes Mal auf die Linie des Stadtverbandsvorstands geeinigt hatte. „In der Partei ist nichts zu einen“, glaubt Maaßen und ist überzeugt: „Paul Schaffers geht auch nicht in Gram, sondern enttäuscht.“

Kooperation mit klarer Kante

Für die Arbeit im Stadtrat kündigt Maaßen an, weiterhin gut mit dem Bürgermeister zusammenarbeiten zu wollen, „wo das sinnvoll ist“. Die CDU müsse sich jetzt aber an der Kante auch klarer abgrenzen. „Es gibt ja durchaus unterschiedliche Meinungen“, betont der neue Fraktionsvorsitzende und verweist beispielsweise auf die Geschwisterkinderregelung bei den Kita-Beiträgen, wo Bürgermeister und SPD aus Mitteln des Stadthaushaltes für Entlastung sorgen wollten und die CDU durchgesetzt hat, dass zunächst die Neufassung des Kinderbildungsgesetzes abgewartet wurde, um nur Bundesmittel einzusetzen. „Der Stadthaushalt dient ja allen Bürgern in Kevelaer“, begründet der 53-Jährige.

Dass die Zeit der Abgrenzung und des Wahlkampfes durch die Covid-19-Pandemie knapp werden wird, nimmt Maaßen sportlich: „Da müssen wir dann richtig durchziehen.“ Vielleicht werde der Wahltermin ja auch verschoben. Die Kandidatur zurückzuziehen beabsichtige er nicht. Denn nur so werde sich zeigen, wie groß die oft betonte Zustimmung der Bürger zu Dominik Pichler tatsächlich sei. Eines aber ist für den CDU-Politiker angesichts der Corona-Krise klar: „Jetzt ist nicht die Zeit, den Bürgermeister bei seiner Aufgabe zu stören.“

„Er hat in der Stadt Spuren hinterlassen“

Wohl jeder Kevelaerer kannte Richard Schulte Staade. Und viele Mitbürger haben den ehemaligen Wallfahrtsrektor über all die Jahre begleitet. Im KB würdigen einige von ihnen nochmal das Leben und Wirken des Ehrenbürgers der Stadt Kevelaer.

„Richard Schulte Staade war einer meiner Vorgänger im Amt des Wallfahrtsrektors in Kevelaer. Seine Verdienste um die Wallfahrt sind kaum zu ermessen, seine Ideen und Erneuerungen wirken bis heute nach“, würdigt Weihbischof Rolf Lohmann den Verstorbenen. „Ich bin dankbar für die vielen Begegnungen mit ihm.“

Weihbischof Rolf Lohmann würdigt den Verstorbenen.

„Ich habe fast 30 Jahre mit Pastor Schulte Staade in seiner Zeit als Wallfahrtsrektor zusammengearbeitet und Höhepunkte der Stadt aus nächster Nähe mit ihm erlebt“, erinnert sich Marianne Heutgens. Die Wallfahrtsführerin, arbeitete fast 30 Jahre in der Stadtverwaltung. „Auch als Stadtführerin kann ich sagen: Kevelaer würde ohne ihn anders aussehen und trägt seine Handschrift. Überall in der Wallfahrt und in der Stadt hat er seine Spuren hinterlassen. Besuche wie die von Mutter Teresa und Papst Johannes Paul II. wären ohne ihn wohl kaum zustande gekommen. Er war ein hervorragender Geschäftsmann, Organisator und Kunstkenner. Für viele Kunstwerke fand er geeignete Sponsoren und zahlte oft den Rest aus seiner eigenen Tasche. Zuletzt konnte ich auch einige Pilgerfahrten mit ihm unternehmen. Über 40 Jahre lang konnte ich viele Höhen und Tiefen mit ihm erleben. Für mich war er ein ganz großer Mann. Ich bin unendlich traurig über seinen Tod.“

Marianne Heutgens, Stadt- und Wallfahrtsführerin, arbeitete fast 30 Jahre in der Stadtverwaltung Kevelaer.

„Richard Schulte Staade habe ich schon als jungen Kaplan in Coesfeld vor etwa 40 Jahren kennengelernt“, sagt Werner Börsting von der Medjugorje-Pilgervereinigung Regina Pacis Kevelaer. „Seit 2007, nach seiner Pensionierung, begleitete er Pilgerfahrten nach Medjugorje. Er war ein großer Medjugorjefreund und Muttergottesverehrer. Auch meine Frau und ich begleiten seit 2002 jährlich Pilgerfahrten nach Medjugorje. Seit 2010 wirkte Pastor Schulte Staade als Vorsitzender in unserer Medjugorje-Vereinigung Regina Pacis Kevelaer mit und nahm unter anderem jedes Jahr am Jugendfestival in Medjugorje teil, wo er täglich mehrere Stunden als Beichtvater wirkte. Noch im letzten August war er mit uns in Medjugorje. Diese Pilgerreise erfüllte ihn mit großer Freude und Dankbarkeit. Durch unsere gemeinsamen Pilgerreisen hat sich eine schöne Freundschaft entwickelt. Die Gespräche mit ihm, wo er von seinem Gottvertrauen Zeugnis gab, werden uns sehr fehlen.“

Werner Börsting von der Medjugorje-Pilgervereinigung Regina Pacis Kevelaer.

“Ein Großer ist gegangen”, schreibt Bürgermeister Dr. Dominik Pichler. “Der Ehrenbürger der Stadt Kevelaer besuchte bis kurz vor seinem Tod Veranstaltungen, soweit sein Gesundheitszustand es zuließ, und behielt seinen wachen Geist bis zuletzt. Für mich unvergessen bleibt sein Auftritt bei der Feier zum 375jährigen Wallfahrtsjubiläum, bei dem er sämtliche Zuhörer völlig in seinen Bann zog. Ich fand ihn schon früher beeindruckend. Daran hat sich bis zuletzt nichts geändert. Ruhe in Frieden!”

„Für viele hatte Richard Schulte Staade den Ruf als durchsetzungsstarker Manager der Wallfahrt“, fügt der ehemalige Bürgermeister Dr. Axel Stibi an. „Das war er ganz sicher auch. Er hat für Kevelaer viel gemacht und geleistet. Er hatte aber auch eine tiefgläubige Ader. Das Bild, wie er ganz still und in sich gekehrt in der Gnadenkapelle betete, hat sich mir tief eingeprägt. In meiner Zeit der Zusammenarbeit mit ihm kamen wir immer gut klar. Auch nach seinem Weggang aus Kevelaer brach er die Verbindung zu Kevelaer nie ab und kam oft zu wichtigen Veranstaltungen angereist. Er hatte wirklich eine ausgeprägte Verbundenheit zur Stadt. Sein Tod ist ein großer Verlust für Kevelaer.“

Der ehemalige Bürgermeister Dr. Axel Stibi.

„Pastor Schulte Staade hat mich 1992 zum Jubiläumsjahr 350 Jahre Kevelaer-Wallfahrt in sein Team geholt“, sagt Dr. Rainer Killich, seit 1992 Generalsekretär der Wallfahrt Kevelaer und lange Zeit die “rechte Hand“ von Schulte Staade als Wallfahrtsrektor. „Wir kannten uns schon lange, aber dennoch war das sicher ein Vertrauensvorschuss von ihm, zumal ich von Anfang an sehr eigenverantwortlich arbeiten durfte. Die Situationen, in denen wir uns mal deutlich uneinig waren, gab es auch, lassen sich in 14 gemeinsamen Arbeitsjahren aber an einer Hand abzählen. Pastor Schulte Staades Wirken in Kevelaer auf den Bereich der Wallfahrt zu reduzieren, würde nicht der Realität entsprechen. Das Priesterhaus als Pilger- und Exerzitienhaus hat er entscheidend geprägt. Und bei unseren Planungen der Wallfahrt hat er immer wieder in seiner ihm eigenen Art zu mir gesagt: Doktor, wir müssen bei allem, was wir hier tun, immer unsere Pfarrgemeinde im Blick haben. Bei mir bleibt ganz persönlich eine große Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit.“

„Als heutiger Wallfahrtsrektor von Kevelaer berührt mich der Tod unseres langjährigen Pastors Richard Schulte Staade“, äußert sich Domkapitular Gregor Kauling zum Tod von Schulte Staade. „Ich freue mich, dass er der Einladung gefolgt ist, seinen Lebensabend in Kevelaer in der Nähe der Consolatrix Afflictorum zu verbringen. Er hat die Liebe zur Muttergottes durch seine Verkündigung in Wort und Bild mit Leben gefüllt. Diese gelebte Liebe und Leidenschaft wirkt bis heute segensreich weiter.“

Kevelaer trauert um Richard Schulte Staade

Die Wallfahrtsstadt trauert um Richard Schulte Staade. Der langjährige Rektor der Wallfahrt verstarb kurz vor seinem 88 Geburtstag. Er ist „in das Haus des Vaters heimgegangen“, teilte Domkapitular Gregor Kauling mit.

Richard Schulte Staade hatte eine eher untypische Vorbereitung auf den Priesterberuf hinter sich. Auf dem elterlichen Bauernhof in Lüdinghausen aufgewachsen (geboren am 25. Januar 1932), war seine bäuerliche Laufbahn eigentlich vorgezeichnet. Doch der junge Landwirt sattelte um, machte sein Abitur und begann 1957 mit dem Studium der Theologie und Kunstgeschichte. 1963 empfing er die Priesterweihe.
Kurze Zeit Kaplan
Nach kurzer Zeit als Kaplan wurde Richard Schulte Staade Bezirksvikar für das Bischöfliche Kommissariat Niederrhein in Wesel und wechselte 1971 als Domvikar ins Generalvikariat Münster, wo er sich besonders um die Erwachsenen- und Familienseelsorge kümmerte.

Darauf war der ehemalige Wallfahrtsrektor besonders stolz: Der Besuch von Papst Johannes Paul II 1987 in Kevelaer.
Foto: KB-Archiv

Im Herbst 1974 berief Bischof Heinrich Tenhumberg Schulte Staade zum Nachfolger von Johannes Oomen als Wallfahrtsrektor. Der Übergang musste zügig erfolgen, denn Oomens Gesundheit verschlechterte sich von Tag zu Tag. Im November 1974 gab der Nachfolger von Heinrich Maria Janssen seine Ämter in Kevelaer auf. Als „Feuerwehrmann“ sprang Schulte Staade ein und regelte laufende Aufgaben, bis er Ende Januar 1975 als Pfarrer von St. Marien und Rektor der Kirchen am Kapellenplatz offiziell eingeführt wurde. Er sollte es 31 Jahre lang bleiben.

Richard Schulte Staade wiederbelebte den Katholischen Kaufmännischen Verein (KKV), gründete mit Dr. German Rovira den Internationalen Mariologischen Arbeitskreis (IMAK), erweiterte das Angebot um neue Formen der Wallfahrt (die der Motorradfahrer), gestaltete den Papstbesuch zu einem Jahrhundertereignis, das Kevelaer den größten Besucherstrom aller Zeiten bescherte, bereicherte das Kapellen-Ensemble um die orthodoxe St.-Johannes-Kapelle und baute damit die Verbindungen zur Ostkirche aus.

Nach seiner Verabschiedung als Wallfahrtsrektor im Jahre 2006 wohnte er in Wesel im Haus seiner Cousine und konnte sich endlich ausgiebig seinem Hobby, dem Gärtnern, widmen. Er machte aus dem Garten einen reinen Blumengarten mit 400 verschiedenen Sträuchern und Blumensorten. Eine Auszeichnung gab es dafür zwar nicht. Davon hatte er allerdings zuvor schon reichliche erhalten: Für seine Verdienste erhielt der Verstorbene zahlreiche Ehrentitel.

1982 wurde er Ehrendomkapitular in Münster, 1992 Ehrendomkapitular an der Kathedralkirche in Luxemburg und im selben Jahr päpstlicher Ehrenprälat. Zudem war er Ehrendomherr in den Bistümern Roermond (Niederlande) und Presov (Slowakei). Die Stadt Kevelaer ernannte Schulte Staade 2002 zum Ehrenbürger.

Hinzu kamen zahlreiche Ehrenmitgliedschaften, auch in Kevelaerer Organisationen. Seine letzte Auszeichnung erhielt Schulte Staade erst vor wenigen Wochen. Auf ihrem Königsgalaball kürten ihn die Sebastianus-Schützen zum Ehrenpräses, eine Auszeichnung, die die Schützenvereinigung seit ihrer Gründung 1635 bislang noch nicht vergeben hatte. Trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung hatte es sich der ehemalige Wallfahrtsrektor damals nicht nehmen lassen, an dem Königsgalaball teilzunehmen. Schließlich war er vor rund anderthalb Jahren nach Kevelaer zurückgekehrt und verbrachte seinen Lebensabend im Deutschordens-Wohnstift St. Marien. Dem KB vertraute er damals an: „Kevelaer ist meine Heimat geworden und ich bin wieder zu Hause.“

Abschied nehmen

Ab Donnerstag, 16. Januar: liegt jeweils von 9 bis 18 Uhr ein Kondolenzbuch in der Basilika aus.

Freitag, 17. Januar: 18.30 Uhr Gedenkamt mit Weihbischof Lohmann in der Basilika.

Samstag, 18. Januar: 9 bis 15 Uhr Gelegenheit zur Verabschiedung am offenen Sarg in der Friedhofskapelle, Römerstraße.

Freitag, 24. Januar: 9 bis 19 Uhr Gelegenheit zur Verabschiedung am geschlossenen Sarg in der Basilika; 19.30 Uhr Gebet für den Verstorbenen in der Basilika.

Samstag, 25. Januar: 11 Uhr Pontifikalrequiem in der Basilika. Anschließend erfolgt die Segensfeier in der Basilika und die Prozession mit dem Verstorbenen zum Friedhof an der Römerstraße. Dort findet die Beisetzung statt.

https://www.kevelaerer-blatt.de/richard-schulte-staade/

Das letzte KB-Interview führes Doris de Boer im Oktober 2018
https://www.kevelaerer-blatt.de/13

Ein musikalischer Netzwerker

Musikalisch immer wieder offen sein und Menschen verbinden – das sind zwei Grundkonstanten im Leben von Wolfgang Czeranka, der am 9. März 1969 in Sögel geboren wurde. „Magnetschwebebahn, Meppen und 2. Bundesliga, 30 Kilometer Schutzgrenze zu den Ostfriesen“, nennt er ein paar Stichworte, die den Ort lokalisieren.
Der Großvater war Lehrer in Schlesien, der Vater Oberstufenkoordinator am Gymnasium. „Ich wusste schon früh, dass ich Lehrer werden würde, auch wenn der Weg zum Musiker da war.“
Seine Wegbegleiter von klein auf waren Mozarts Klaviersonaten und die Winterreise von Schubert, die der Vater spielet. Im Radio lief von morgens bis abends Radio Hilversum 3. Und noch heute kann Czeranka auf das Wissensreichtum seiner Mutter in Sachen klassischer Musik zurückgreifen. Mit sechs Jahren begann er eine klassische Klavier-Ausbildung, spielte sich im Familenensemble bis zu seinem zehnten Lebensjahr von Sopran- bis Bassflöte im Quartett durch die verschiedene Register.
Beim Onkel hörte er dann mit zwölf Jahren zum ersten Mal Pop. „Der hatte eine erstklassige Revox-Tonbandmaschine. Ich setzte die Kopfhörer auf – und dann lief „Help“ von den Beatles.“ Eine Initialzündung für den jungen Wolfgang und seinem Bruder – und der Auftakt zu einem vielfältigen Musikerdasein.
Die beiden gründeten ihre erste Band, den Klassikunterricht brach der junge Wolfgang dafür ab. Bis zum Studium spielte er sich ohne Lehrer durch die klassische Klavierliteratur. „Das ist ein Ding, was ich echt bedauere“, meint er heute.
Mit Sandro Giampietro, der schon als Junge Hendrix und Van Halen spielen konnte, vereinte er in der Band „Allegro“ klassische Musik mit Hardrock und tourte mit Eigenkompositionen durchs Emsland.
Daneben organisierte Czeranka in der katholischen Kirche einen Jugendtreff, rockte mit Jungs in der evangelischen Kirche. Und der Bruder des weltberühmten Jazzpianisten Keith Jarrett, Chris, spielte regelmäßig zu Weihnachten in der evangelischen Kirche.
Der junge Wolfgang probierte sich in Jazzclubs in Köln, spielte in Düsseldorf beim Kirchentag 1986 vor über 10.000 Menschen. „Wir haben auch vor von Weizsäckers gespielt und wurden in die Villa Hammerschmidt eingeladen. Ich habe alles einfach gemacht, weil es in mir war.“
Musik und Sport

Nach Abitur und 24 Monaten Zivildienst studierte Czeranka erst Geschichte und Geografie, machte dann seine Musik-Aufnahmeprüfung und konzentrierte sich am Ende seines Studiums in Dortmund und Bochum auf Musik und Sport auf Lehramt.
Anfang der 90er gründete er in das Jazzduo „Clavea“ mit der Essener Jazzsängerin Birgit Zacher, spielte über mehrere Jahre in einer Hohenlimburger Punkrockband und stieg als Gitarrist und Keyboarder in der Dinslakener Coverband „Meet the Beatles“ ein. Daneben war er langjährig in einem Essener Renaissance-Chor und einem Dortmunder Ensemble, das auf die Chorliteratur des 20. Jahrhunderts spezialisiert war, aktiv. Dabei knüpfte er weiter viele musikalische Kontakte. „Daher kenne ich auch die Dani“ – gemeint ist Daniela Rothenburg, die häufig bei der „Scala Jazz Band“ singt. In seinem anderen aktuellen Projekt „Scala Groove Band“ spielt der Krefelder Gitarrist Thomas Ratz mit. Mit ihm teilte er sich in Dortmund über Jahre gemeinsam eine WG.
Nach dem Referendariat in Duisburg reiste er mit seiner Frau um die Welt. 1999 erhielt er am Gymnasium Straelen eine Stelle als Musiklehrer, sie zogen dorthin. Ein Jahr später bauten beide eine Scheune in Weeze-Wemb zu Ihrem neuen Zuhause um. Sohn und Tochter kamen zur Welt.
Bei Fortbildungen im Bereich Jazz – unter anderem in der Jazzhausschule Köln und der Europäischen Jazzakademie – traf er auf Koryphäen wie Peter Herbolzheimer und Jiggs Whigham, gründete mit seinem Bruder ein Jazztrio und trat unter anderem auch in Kevelaer auf.
In der Zeit begründete er in Straelen die Big Band „Director’s Cut“, die seit fast 20 Jahren regional und überregional unterwegs ist. Mit ihr wird er in diesem Jahr zum dritten mal in Kooperation mit dem KvGGG zur „Maymusic“ im Kevelaerer Bühnenhaus zu hören sein. Außerdem organisiert er das Projekt „music connects“, eine euregionale Produktion mit einer Bigband von der Gaesdonck und aus Venlo. Nach dem Tod seiner Frau zog er sich aus der aktiven Szene zurück, komponierte bisher noch unveröffentlichte Musik. 2014 ging er dann auf die Weseler „Kulturnacht“, lernte dort Musiker kennen. Und er spielte wieder. Denn unter den neuen Bekannten fand sich auch der Bassist Hanns Hübner. So entstand die „Scala Jazz Band“, die seit 2014 regelmäßig im „Scala“ in Wesel auftritt.
Czeranka schloss sich der deutsch-niederländischen Band „Hands up“ aus Nijmegen an, spielt in der Lehrerbigband NRW – auch mit seinem alten WG-Mitbewohner Thomas Ratz, mit dem er in Kevelaer die neunköpfige Soulband „Scala-Groove“ begründet.
Bei Czeranka reifte dann die Idee, mit dem Kern der „Scala“-Band und ambitionierten Musikern das aktuelle Live-Projekt nach Kevelaer zu holen. Jutta Pesch-Braun vom „Goldenen Apfel“ war der Idee gegenüber aufgeschlossen. Er fragte aber im „Goldenen Löwen“ höflicherweise nach, ob das okay ist. „Da war zu dem Zeitpunkt auch Pause im „Löwen“ mit den Konzerten.“
Seit 2017 läuft jetzt die Reihe. „Da ist so eine richtige Netzbörse draus geworden“, sagt Czeranka. Neue Musiker treffen sich, tauschen sich aus, verabreden sich neu, und alte Freunde schneien rein. „Wir werden die 25 feiern“, signalisiert er, dass für ihn damit noch lange nicht Schluss ist.
Und im Mai wird er den Theaterchor mit einer extra von ihm zusammengestellten Band musikalisch unterstützen. Mit der Lebensphase im Moment ist der Vollblutmusiker zufrieden. „Für mich ist alles okay, wenn das Berufsleben gut läuft und das hier auch.“

1000 Stimmen für die Brüderlichkeit

Seit einigen Jahren dirigiert und komponiert der Niederländer Tom Löwenthal in der Wallfahrtsstadt – ein Mensch, der für seine Musik lebt und sie mit der Portion Leidenschaft vermitteln kann, die es braucht, um von ihr begeistert zu sein.

Im Laufe seines jahrzehntelangen Schaffens hat er viele große Projekte verwirklichen können – der vergangene Samstag dürfte aber als eines seiner schönsten Karriereerlebnisse in seine Vita mit eingegangen sein.

Denn in Eindhoven wurde zu Ehren des niederländischen Theolologen und Dichters Huub Osterhuis, der 85 Jahre alt wurde, das große Oratorium „Lied van de Aarde“ aufgeführt.
Interpretiert wurde das einstündige Oratorium von dem Orchester „La Passione“ aus Lier bei Antwerpen und dem „Kamerkor Helicon“ unter der Leitung von Geert Hendrix.

„Das Oratorium mit dem Lied von der Erde hab ich 1989 geschrieben mit viel Vergnügen und Spaß“, zeigte sich Löwenthal nach dem Konzert begeistert. „Die belgischen Leute haben das super gemacht. Es hätte sicher etwas kräftiger und theatralischer sein können, aber ich muss nicht unzufrieden sein“, sprach aus diesen Worten auch eine gehörige Portion Stolz.

Denn in Anwesenheit des Jubilars boten die Ensembles eine klang- und gesangsmächtige Umsetzung des Stücks mit dem Text von Osterhuis, das von dem Chaos auf der Erde und dem Unvermögen der Menschen kündet, die Erde und die Natur zu bewahren.

„Die Musik ist polystilistisch gedacht – ein bisschen im Stil von Eisler und Weill, mit etwas Bach und Latin“, erläuterte der Komponist danach. „Das hat gut funktioniert, die Stile ergänzen sich schön“, war sein Eindruck.

Aus dem Dialog Gottes (fantastisch: die Sopranistin Dani van Hoog als „Gott“) mit dem Realisten geht am Ende die Botschaft hervor, dass die Menschen sich ändern können und sie „Aarde.Deze. Enig denbare. Rond en blau in de ruimte“ bewahren können.

„Dieses Stück bleibt immer aktuell, diese Umweltfrage, das hat Huub Oosterhuis damals schon wie ein Prophet vorhergesehen“, sieht Löwenthal fast drei Jahrzehnte nach der erstmaligen Aufführung, dass dieses Problem drängender ist denn je. „Und auch diese Sache mit den orthodoxen Radikalen, mit Islam und dass so viele Leute denken, die Wahrheit zu haben.“

Danach trat der 64-Jährige selbst als Dirigent an das Pult und führte zusammen mit dem Amsterdamer „Koor Helicon“, den er am Wochenende teilweise noch bei sich zu Hause zur Probe versammelt hatte, sechzehn moderne Kirchenlieder mit Texten des 85-Jährigen auf.

Selbst komponiert

Viele der Lieder hatte Löwenthal selbst komponiert, dazu kamen Bearbeitungen von Arjen van Baest und Antoine Oomen. Arrangiert hatte der 64-Jährige dann alle 16 Stücke – und er dirigierte selbst dabei die Chorsänger, das Orchester und die 1060 Menschen im Publikum, die alle mitsangen.

„Für mich war das eine Premiere, die Kirchenlieder, die orchestriert sind, mit einem ganzen Saal zu singen“, wurde dem Komponisten danach bewusst, dass das etwas war, „was Du nicht alle Tage so erlebst.“

Für den Zuhörer im Saal war es eine durchweg magische Stunde – allein aufgrund der gewaltigen Macht der Musik und der zusammen singenden Stimmen, die das moderne Gebäude mit ihrem Klang förmlich erstrahlen ließen. Und Lieder wie „Die mij drug“ („Der mich trug“) besaßen eine so emotionale Wucht, dass bei einigen die Augen nicht mehr trocken blieben.

Dazu kam das mit ganzem Körpereinsatz geführte Dirigat von Löwenthal, der danach gestand: „Ich weiß, ich bin ein thetralischer Dirigent. Ich habe versucht, die Menschen zu begeistern, und wenn ich sie richtig anfeuere, finden die Leute das schön.“

So sah es auch Huub Oosterhuis selbst, der danach für sein Lebenswerk und die 1000 Bücher mit all seinen Texten warb. Danach forderte er die Regierung – stellvertretend für viele andere Flüchtlinge in den Niederlanden – auf, eine von Ausweisung bedrohte Familie in einer Kirche in Katwijk zu verschonen. „Bewahrt mir mein freundliches Holland“, lautete sinngemäß seine Botschaft des Tages: „Für die Brüderlichkeit.“

Tom Löwenthal will den Eindhoven-Impuls gerne weiter nach Kevelaer transportieren. „Sowas wie das Mitsingen, das brauchen wir auch am Kapellenplatz mit Orchester“, das wäre sein Traum für den Krippenmarkt. Und vielleicht könne man ja eines Tages auch das Oratorium in Kevelaer zusammen mit Akteuren vor Ort verwirklichen.

Ehemalige Kevelaerer „Singschwester“ verstorben

Wenn zwischen 1979 bis 2011 (und auch später) jemand in Kevelaer von der „Singschwester“ sprach, wussten viele wer gemeint war. Schwester Ferdinande, eine Lebenskünstlerin und Frohnatur par excellence, begeisterte und inspirierte die Menschen in ihrer Umgebung mit ihrer Musik. Am 3. Januar 2018 verstarb Schwester M. Ferdinande, Antonia Bromenne, die am 7. Juni 1936 in Haltern geboren wurde, im Maria-Ludwig-Stift in Dülmen.

Musik war ihre Passion, und als sie 1965 in die Ordensgemeinschaft der „Barmherzigen Schwestern von der allerseligsten Jungfrau und schmerzhaften Mutter Maria“ (Clemensschwestern) in Münster eintrat, war für sie der größte Wunsch, den erlernten Beruf als Masseurin und medizinische Bademeisterin gegen den einer Organistin und Musiklehrerin zu tauschen. „Ich möchte andere Menschen mit der Musik erfreuen“, sagte sie damals. Sie hat diesen Berufswunsch umsetzen können, zunächst als Musikstudentin, dann als Organistin, Musiklehrerin in der Gemeinde und in der Jugendmusikschule für Flöte, Klavier und Orgel.

1978 reiste Schwester M. Ferdinande zur Aushilfe für acht Monate nach Ruanda. Hier half sie in der Mütterschule und bereitete den Menschen viel Freude mit ihrer Musik. 1979 kam sie ins Provinzialat nach Kevelaer. Zu ihren umfassenden Aufgaben gehörte die Tätigkeit als Organistin und Chorleiterin für die Gemeinschaft und aushilfsweise in der Gemeinde St. Antonius, das Einüben des Offiziums und die Gestaltung von Jubelfesten und anderen Feiern der Gemeinschaft sowie der Exerzitiengottesdienste.

Ehrenamtlich setzte sie sich, bis zu ihrem Weggang aus Kevelaer, in der JVA Geldern-Pont ein. Im September 1984 wurde sie hauptamtliche Organistin und Chorleiterin in der Gemeinde St. Antonius in Kevelaer. Vielfältige Aufgaben behielt Schwester M. Ferdinande bei, als sie für zwei Jahre im Hospital zum Hl. Geist in Kempen, sechs Jahre im Marienhospital Kevelaer und drei Jahre in der Gemeinde in Sassenberg tätig war. Von hier aus zog sie 2014 ins Maria-Ludwig-Stift Dülmen.

Neben vielen Erinnerungen aus Altenkreisen oder Meditationsandachten, von musikalischer Begleitung der Gottesdienste in der Kapelle des Marienhospitals und zahlreichen Unterrichtsstunden, die sie kostenlos Schülern gab, die Klavier lernen wollten, bleiben ihre Kompositionen anlässlich der Seligsprechung von Schwester M. Euthymia, die ebenfalls Clemensschwester war.

Viele Menschen in Kevelaer werden sich noch lange an die „Singschwester“ erinnern.

Die Beerdigung von Schwester M. Ferdinande, Antonia Bromenne, findet am Dienstag, dem 9. Januar 2018 in Dülmen statt. Das Auferstehungsamt wird um 8.30 Uhr in der Kapelle des Maria-Ludwig-Stiftes gefeiert, anschließend ist die Beisetzung auf dem Friedhof.  Jörg von der Höh

Unerwarteter Besuch von Johannes Oerding

Da staunte Maria Wassenberg aus Kapellen nicht schlecht. Denn plötzlich und völlig unerwartet stand der deutschsprachige Popsänger und Songwriter Johannes Oerding („Wenn sich alles in Kreisen bewegt…“), vor ihr und stattete der 94-jährigen Dame einen Besuch ab.
Schon seit einigen Jahren ist Maria Wassenberg Fan von Johannes Oerding, schwärmt regelrecht von seiner Musik und seinen Texten. „Die kann man wenigstens verstehen“, so ihr fachmännisches Urteil. Schließlich wuchs der Popstar in Kapellen auf, ist deshalb im Ort und für Maria Wassenberg kein Unbekannter. Zwar stand ein Besuch ihres Schwarms ziemlich oben auf der Wunschliste, dass dieser Wunsch jedoch eines Tages in Erfüllung gehen würde, daran glaubte sie eher weniger.
Ihre Pflegerin Petra Baaken, die aus dem Achterhoek kommt, fädelte schließlich einen Kontakt ein. Und so schaute der Popstar während eines Heimatbesuches beim wohl ältesten Fan in Deutschland vorbei und erfüllte damit einer sichtlich erfreuten Dame einen Herzenswunsch.