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Die gute Seele des Platzes

„Hallo, in meinem zweiten Zuhause“, grüßt Horst Ehren ganz unprätentiös am Eingangstor zu „seinem“ Minigolfgelände an der Martinistraße in Twisteden und bittet in die Hütte, wo neben einem Tisch mit Getränkekühlung und den aufgereihten Schlägern noch eine Sitzecke und eine komplette Küche zu finden sind.
An den Wänden hängen viele Twistedener Ehrenurkunden – auch die für die Goldmedaille beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ von 1998. „Einmal pro Woche komme ich mit Kollegen her und schmeiß den Kamin an, damit hier alles trocken bleibt.“ Und: „Man muss immer freundlich sein – die Leute müssen immer gerne zurückkommen wollen“, umschreibt er das Geheimnis des Erfolgs mit dem Platz, der vom Natur-und Heimatverein Twisteden Kleinkevelaer e.V. getragen wird.
Dass der heute 76-Jährige, in Kevelaer geborene und in Wetten aufgewachsene Sohn eines Schusters heute Herr über die Twistedener Golfschläger ist, war eher Schicksal als bewusste Entscheidung. Beruflich hatte er in seinem Leben zunächst als Schuster, dann als Galvaniseur, später als Feuerwehrmann der englischen Rhein­armee in Twisteden und bei der Fernleitungsbetriebsgesellschaft der NATO in Geldern-Lüllingen gearbeitet.
Dann erkrankte er an Rheuma und schied aus dem Berufsleben aus: „Ich konnte mich teilweise von Kopf bis Fuß nicht bewegen.“ „Da war ich dann ein paar Mal in der Klinik – und man hat mir dann bedeutet: Sie kommen nicht mehr zurück.“ Für den damals 55-Jährigen war es ein Schock, nicht mehr gebraucht zu werden. „Da konnte ich nicht mit fertig werden“, ist ihm noch heute anzumerken, dass das keine einfache Situation für ihn war.
Urplötzlich eine Perspektive
Urplötzlich eröffnete sich aber eine neue Perspektive – das Engagement am Minigolfplatz: „Der Tiskens, der hat das damals hier gemacht, der hat mich angesprochen. Dann kannste doch hier mithelfen.“ Zunächst vertröstete Ehren ihn mit dem Satz „Im nächsten Jahr.“ Später traf er ihn in Holland am Wohnwagen wieder. „Im März des nächsten Jahres hörte er dann auf, und ich kam im April. Das ist jetzt zwanzig Jahre her.“
Erstmal bleibt Ehren immer nur einen Tag da. „Da waren nur ältere Leute da“, erinnert er sich an die Ehrenamts-Kollegen. Als diese dann nach und nach ausschieden, bedeutete das, dass für ihn immer mehr zu tun war. „Tiskens´ Nachfolger wurde dann krank, der drückte mir vor fünfzehn Jahren symbolisch die Tasche in die Hand und sagte: „Mach´ ma“.
Und so „übernahm“ er quasi den Golfplatz – den Einkauf, die Personalplanung, die Organisation und die Pflege der gesamten Anlage. „Wenn es Regen gibt so wie jetzt, geht´s mit dem Gebläse über die Bahnen. Und was hier gepinselt wird, das mach ich.“ Nebenbei gibt er noch die Schläger, Bälle, Spielkarten und Getränke aus.
Die Farbe bekommt er von Werner Neumann, in dessen Farb- und Glasfirma er nebenbei mal gearbeitet hatte. Neumann engagiert sich als erster Vorsitzender des Natur- und Heimatvereins Twisteden Kleinkevelaer e.V. für die Belange der Ortschaft. „Das ist die gute Seele unseres Platzes“, beschreibt er auf Anfrage mit einem Satz die große Bedeutung von Horst Ehren.
Neben dem eigentlichen Spiel hat sich ein anderer „Geschäfts-Zweig“ über die Jahre entwickelt. „Jede Woche wird hier gegrillt“, holt Ehren dazu ein Übersichtsbuch hervor. Da komme dann mal der Bofrost-Betriebsrat, dann Gruppen von Haus Dondert oder Haus Freudenberg.
Für die Bestellungen wird Ehren regelmäßig angerufen. Um die 80 Grilltage oder -abende kommen da zusammen. „Und wir haben in der Saison mittlerweile 15.000 Besucher.“ Sogar Leute aus Essen oder den Niederlanden kommen, um auf dem Gelände einen 80. Geburtstag zu feiern, Firmenfeste oder Jubiläen zu begehen. „Und die Holländer, die feiern und spielen bei jedem Wetter.“
Entsprechend ist Ehren jedes Wochenende auf dem Gelände, manchmal löst er auch montags einen Kollegen ab. „Da wird´s manchmal auch schon mal zwei Uhr nachts, wenn da hundert Leute grillen. Aber da schmeiß ich niemanden raus.“
Am Wochenende helfen ihm jeweils zwei Kaffeefrauen, auch dafür gibt es einen festen Einteilungsplan, der „hunderprozentig“ klappt, sagt Ehren stolz. „Das ist unsere Frauentruppe, die sich die „Suppenhühner“ nennt. Und selbst deren Kinder, die helfen da jetzt auch mit.“ Dann gebe es zum Beispiel Reibekuchen und Erbsensuppe. Der Erlös geht an an den Twistedener Kindergarten. Die Schulen und Gymnasien haben Ehren und Co. besonders im Blick, für die gibt´s Nachlass.
In Twisteden liefen die Uhren halt anders, freut sich Ehren über die starke Gemeinschaft im Verein und vor Ort, wo ganz viel mit Eigenleistung geht. „Nur vor sieben Jahren, da gab´s einmal Zuschüsse von der Stadt für behindertengerechte Toiletten“, erinnert er sich.
Die Anlage, die habe man sehr bewusst Mosaik für Mosiak entwickelt. „Die Hütte hier haben wir vom Verein selbst gebaut vor vier Jahren.“ Gemeinsam mit dem Sportverein habe man die Boulebahn auf dem Gelände gebaut und hinter der Hütte steht ein Schachbrett.
Im Keller oder auf dem Platz
Der kleine Spielplatz gibt den Kindern die Gelegenheit, mal zu tollen, falls sie nicht mehr beim Minigolf bleiben wollen. Und der neue Grillstand „mit richtigem Betonfundament“ ist zwischen Oktober 2016 und April diesen Jahres in Eigenleistung gemeinsam erstellt worden.
Dankbar ist Ehren seiner Frau, „die das alles mitgemacht hat“, nun aber nach 52 Jahren Ehe im vergangenen Jahr gestorben ist. „Sie hat immer gesagt, der Horst ist immer entweder im Keller zum Schreinern – oder auf dem Minigolfplatz.“ „Sowas muss man mit Herzblut machen“, ist er überzeugt. Manchmal kann er deswegen nicht schlafen – und baut dann nachts ein Holzgestell für die mit dem Auto zu transportierenden Gasflaschen fertig.
Die vier eigenen Kinder, vierzehn Enkel und sechs Urenkel kommen oft von sich aus gerne zu ihm. Die eigenen runden Geburtstage hat er mit Familie und den Minigolffreunden auf dem Gelände gefeiert. Wie lange er dieses Ehrenamt noch bekleiden wird, da hat er eine klare Vorstellung. „Wenn es „da oben“ nicht mehr stimmt“, tippt er sich an die Stirn, „dann höre ich auf – oder die anderen müssen mir Bescheid geben.“

Viel Applaus für den Moskauer Organisten Alexander Fiseisky

Er gilt als einflussreichster und bedeutendster Organist Russlands. Im Bach-Jahr 2000 hatte Professor Alexander Fiseisky aus Moskau viermal das gesamte Orgelwerk von Johann Sebasian Bach aufgeführt, einmal davon als „Bach-Marathon“ an einem einzigen Tag in Düsseldorf.
Durch dieses Mammutprojekt kam der international wirkende Orgelsolist ins Buch „Rekorde des Planeten Erde“. Eine Kostprobe seines virtuosen Könnens präsentierte er nun an der Seifert-Orgel der Marienbasilika.
„Schon als er den Bach-Marathon absolvierte, habe ich Professor Fiseisky bewundert“, bekannte Basilikaorganist Elmar Lehnen in seiner Begrüßung. Vor 25 Jahren, so Lehnen, habe er Fiseisky in Mönchengladbach kennengelernt. Auch an der Seifert-Orgel habe der Orgelvirtuose schon konzertiert. Dass an der größten deutsch-romantischen Orgel der Welt bei diesem Konzert auch viel Musik von Bach (1685-1750) zur Aufführung kam, freute Elmar Lehnen besonders, denn „Bach kommt an dieser romantischen Orgel gewöhlich zu kurz.“
Sechs Stücke von Bach
Sechs Stücke des Thomaskantors bildeten den Auftakt des Konzertes. Nach dem strahlenden und an Läufen reichen Praeludium in G-Dur (BWV 568) folgte das weithin bekannte „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 645), gefolgt von dem zart registrierten „Meine Seele erhebet den Herrn“ (BWV 648). Mit vielen Zungenregistern folgte die Fuga sopra il Magnificat (BWV 733), die bewegte Fantasie in a-Moll (BWV 561) und zum Ende des Bach-Programms die Fantasie G-Dur (BWV 572). Nach dem abwechslungsreichen Bach-Repertoire folgte die Sonata in c-Moll (op.65, Nr.2) des deutschen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), das „Gebet ohne Worte“ des russischen Schriftstellers und Komponisten Wladimir Odojewski (1803-1869) und das Präludium G-Dur des deutschen Komponisten und Organisten Constantin Homilius (1840-1918).
Den Abschluss bildete das Orgelwerk „Hell und dunkel“ der russischen Komponistin Sofia Gubaidulina (*1931). Das einzige Stück des Konzertes, das von einer Frau komponiert wurde, bildete auch harmonisch eine Ausnahme, weil es sich keiner Musikrichtung einordnen lässt.
Die Komponistin schuf ein Stück, das mit seiner Spannung zwischen ganz hohen und ganz tiefen Tönen, mit vielen dissonanten Zweiklängen, vielen Trillern und Spannungsbögen faszinierte. Der Organist musste bei diesem Stück auch die ganze Handfläche und den Ellbogen einsetzen, um eine Klangwucht zu fabrizieren, die faszinierte. „Man kann diese Musik nur live erleben“, fand ein Ehepaar aus Bocholt dieses Stück einfach fantasistisch. „Die Orgel lebte richtig.“
Lob von allen Seiten
Auch aus dem evangelischen Pflegeheim in Orsoy war ein Kleinbus angereist. Eine 96-jährige Bewohnerin, selbst Pianistin, war mit ihrem Rollstuhl dabei und war voller Staunen über die dargebotene Virtuosität. Professor Alexander Fiseisky erntete für seine anspruchsvolle Orgeldarbietung höchstes Lob. Er selbst zeigte sich beeindruckt von der Seifert-Orgel und bekannte: „Es ist immer wieder ein Erlebnis, auf dieser Orgel zu spielen. Elmar Lehnen hat einen unglaublichen, großartigen Arbeitsplatz.“

„Bleiben wir im Gebet miteinander verbunden“

Weihbischof Rolf Lohmann hat in Kevelaer sein erstes Pontifikalamt gefeiert. Musikalisch umrahmt wurde dieses durch den Basilikachor und das Basilikaorchester unter Leitung von Elmar Lehnen, die eine Messe des spätbarocken Komponisten Antonio Caldara zu Gehör brachten.
Zu Beginn der Hl. Messe wurde dem frisch geweihten Weihbischof durch Dr. Edmund Bercker im Namen der ganzen Pfarrei St. Marien das Brustkreuz, das Pektorale, überreicht. Dr. Bercker äußerte dabei den Wunsch: „Bleiben Sie Pastor für die Menschen in Ihrer Region! Wir wünschen Ihnen Gottes Segen und den Schutzmantel der Consolatrix Afflictorum.“
Dankend nahm Bischof Lohmann das Pektorale entgegen und erklärte, dass er den Bischofsstab bewusst als Hirtenstab gewählt habe und den Dienst als Pastor immer als bereichernd empfunden habe.
In seiner Predigt ging er auf das Gleichnis vom Sämann ein, der Samen auf den Acker streute, von denen ein Teil aufging, ein anderer nicht. „Achten wir mehr auf das, was aufgeht, oder auf das, was nicht aufgeht?“, fragte er. Er erzählte, dass er die acht Tage zurückliegende Bischofsweihe als sehr aufrichtend empfunden habe: „Viele stärkten mir den Rücken. Das spornt mich an, Licht der Welt zu sein und mich nicht beim Dunkel aufzuhalten.“ Viele in der Kirche würden aufgrund des Rückgangs von Taufen und Eheschließungen, der zurückgehenden Kirchenbesucherzahlen und der steigenden Kirchenaustritte resignieren.
Seelsorge, nicht Zahlensorge
Es gelte Seelsorge, nicht Zahlensorge zu betreiben. „Die Freude am Evangelium geht durch die Kritik teils ganz unter. Sauertöpfe können keinen Menschen gewinnen. Das ist der absolut falsche Weg“, gab er zu bedenken. Es gelte, die „Brille Gottes“ aufzusetzen, der den Erfolg sieht, auch wenn er zunächst klein und unscheinbar ist. Es lohnten sich, so sein Appell, alle Mühen der Vorbereitung der Kinder auf die Erstkommunion oder die Firmung, es lohne sich das Gebet um Priesterberufungen, denn „aus Kleinem kann Gott so viel machen. Trauen wir ihm eine reiche Ernte zu!“, so Weihbischof Lohmann.
Nach der Heiligen Messe folgte das Angelus-Gebet vor dem Gnadenbild. Am Ende richtete sich der neue Weihbischof in einigen persönlichen Worten an die Menge und gestand: „Am Tag der Weihe war ich äußerst nervös, doch ich merkte, dass ich vom Gebet Vieler getragen und gehalten war. Das war wohltuend und bestärkend. Bleiben wir im Gebet miteinander verbunden.“
Auf dem Weg zurück in die Sakristei segnete er einige Kinder und zeigte einem Mädchen aus Köln, das Ida heißt, das Bild der hl. Ida auf seinem Bischofsstab und erklärte ihr, dass er 14 Jahre lang als Pastor in St. Ida Lippetal-Herzfeld wirkte. Eine Afrikanerin aus Kamerun, die in Xanten lebt, war extra angereist und ließ am Ende ein besonderes afrikanisches Instrument hören, das Njas heißt und über den ganzen Kapellenplatz zu hören war. „Dieses Instrument wünscht Glück. Bischof Lohmann hilft vielen Afrikanern und ich wollte ihm danken!“

Gregor Kauling: vom Stadtplaner zum Priester

„Es war eine Mischung aus Schockiert- und Berührtsein.“ Noch immer erinnert sich Pfarrer Gregor Kauling an die gemischten Gefühle an jenem Dienstag vor drei Wochen. Nach einer Firmung hatte ihn Weihbischof Winfried Theising zur Seite genommen und ihm offenbart, dass er, Kauling, als Nachfolger für Rolf Lohmann ausgeguckt sei. „Es passt in meine Vita und es berührt mich, dass der Bischof an mich gedacht hat“, schildert der Dechant aus Dinslaken im Gespräch mit dem Kevelaerer Blatt.
Beworben auf die Stelle hatte er sich jedoch nicht, denn „wir haben hier in St. Vincentius in den vergangenen Jahren einen intensiven pastoralen Prozess durchlebt“, erinnert der Pfarrer sich an die Zusammenführung von insgesamt sieben Gemeinden. Im kommenden Jahr steht der Bau eines neuen Gemeindezentrums an. Kauling ist in die Vorbereitungen natürlich stark involviert. Es schmerze ihn, jetzt dort wegzugehen, sagt der 53-Jährige. Auch darüber spricht er an jenem Tag mit Theising. Doch als vier Tage später Bischof Felix Genn den offiziellen Anruf tätigt, hat sich Kauling entschieden: Er freut sich auf Kevelaer, auf den Marienwallfahrtsort, den er von Kindesbeinen an kennt.
Dabei stand für Gregor Kauling erst spät fest, dass er Priester werden würde. „Nur weil man katholisch sozialisiert wird, wird man nicht automatisch Priester“, schmunzelt der gebürtige Halterner. Dementsprechend zieht es ihn nach der Schule zunächst nach Aachen, wo er Stadtplanung studiert. Sein Ziel: den Menschen attraktive Lebensräume schenken.
Impuls durch Mutter Teresa
In den vielen praktischen Übungen und den vielen Gesprächen mit Menschen in den Wohnquartieren reift schließlich der Entschluss, nicht Stadtplaner, sondern Priester zu werden. Unterstützt hat Kauling dabei sicherlich, dass er in den 1980er-Jahren große christliche Jugendveranstaltungen besucht hat wie die Weltjugendtage und Taizé. Auch als Mutter Teresa 1987 in Kevelaer im Marienpark sprach, war er dabei. Angesichts der vielen jungen Menschen dort habe sie eine Stunde lange über Berufung gesprochen, erinnert sich Kauling. „Nicht die Berufung zum Priester“, präzisiert er. Vielmehr dazu, ein guter Mensch, ein guter Katholik zu sein.
All das wirkt in dem jungen Mann, und nachdem er 1990 sein Diplom gemacht hat, folgt keine zwei Jahre später die Entscheidung für ein Leben als Priester, zu dem Kauling 1999 geweiht wird. Früh übernimmt er in Warendorf die Aufgaben eines Pfarrverwalters und Kooperators, bis er 2009 als Pfarrer nach Dinslaken berufen wird. Dort wirkt er bis heute, seit 2011 als Dechant und seit 2012 als Pfarrer der fusionierten Pfarrei St. Vincentius.
Der Spagat zwischen organisatorischen Aufgaben und der Nähe zu den Gemeindemitgliedern, den ein Wallfahrtsrektor in Kevelaer beherrschen muss, ist Kauling also vertraut. „Ich bin in der Pfarrei zwar überall, aber ich kann bei der Größe nicht jeden kennen. Das schmerzt manche Gemeindemitglieder und auch mich“, bekennt der Pfarrer. Deshalb hat er sich früh entschieden, für eine der Gemeinden die seelsorgerische Hauptarbeit zu übernehmen: „Ich möchte seelsorgerisch nicht verkümmern.“ Bleibt mal freie Zeit, füllt er diese mit den Themen Kunst, Architektur und Theater.
Zu Fuß nach Kevelaer
Das Wallfahren ist dem 53-Jährigen ebenfalls nicht fremd. Seit etwa sechs Jahren pilgert er mit seiner Pfarrei einmal im Jahr zu Fuß nach Kevelaer – 42 Kilometer, Marathondistanz. „Es ist spannend, wie viele Menschen das gern tun“, freut sich der Geistliche. Weil die Wallfahrt sehr stark von den Laien organisiert wird, genieße er, während des Pilgerns „einfach nur sein“ zu dürfen. Noch in Warendorf ist er selbst auf Inline-Skates gepilgert. Ob Motorradwallfahrt oder Karnevalistenwallfahrt, er wisse schon jetzt: „Ich finde solche Dinge gut.“
Vergangene Woche Mittwoch hat sich Gregor Kauling bereits einigen Kevelaerern im Priesterhaus vorgestellt, darunter Kirchenvorstand und Pfarreirat. „Sehr wache, sehr ehrliche, auf Entwicklung ausgerichtete Menschen“, schildert der designierte Wallfahrtsrektor. „Darüber bin ich sehr froh.“ Und noch etwas freut ihn angesichts der sicher großen Aufgabe, die ihn in Kevelaer erwartet: „Ich kenne Rolf Lohmann gut und bin froh, dass er in der Nähe bleibt.“
Angebote für jeden schaffen
Wichtig ist dem Pfarrer, dass es in seiner Pfarrei unterschiedliche seelsorgerische Angebote gibt, die für jeden etwas bieten – für den wöchentlichen Kirchgänger ebenso wie für die Menschen, die nur zur Eheschließung eine Kirche betreten. Auch das ist wohl eine Lehre aus seinem Studium als Stadtplaner: die Leute in ihrer jeweiligen Lebenssituation ansprechen, ihre Bedürfnisse verstehen und dafür Antworten finden.
Schmunzeln muss Kauling darüber, wie oft er in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit Kevelaer auf seinen Beruf als Stadtplaner angesprochen worden ist. „Ich weiß nicht, was in Kevelaer geplant ist – aber Stadtentwicklung ist für mich natürlich sehr spannend.“ Voraussichtlich ab dem 22. November – nach Ende der Wallfahrtszeit, aber rechtzeitig vor Beginn der Adventszeit – wird Kauling sich in seiner neuen Funktion vor Ort ein Bild machen können.

Rotary Club Kevelaer hat einen neuen Präsidenten

Wir sind die jungen Wilden“, scherzte der zukünftige Präsident Ludger Merten beim Plausch mit seinem ein Jahr älteren Vorgänger, den 49 Jahre alten Kevelaerer Zahnmediziner Dr. Michael Möser, im kleinen Foyer des „Küchen-Life“-Landcafés.
Zahlreiche Clubmitglieder aus Kevelaer und Umgebung sowie Gäste waren gekommen, um der Staffelübergabe vom alten an den neuen Präsidenten beizuwohnen. „Wir haben viel auf den Weg gebracht“, bilanzierte Möser kurz vor seinem Abschied, um später deutlich zu machen, dass so manche Satzungsdebatte nicht ganz ohne gewesen sei. „Aber wir haben sehr viele Projekte verwirklicht“, zählte er die in Kevelaer seit drei Jahren mit wachsenden Teilnehmerzahlen ausgerichtete Oldtimer Rallye und den rotarischen Kalender dazu. Danach bedankte er sich bei seiner Ehefrau für die Unterstützung der vergangenen zwölf Monate.
Im Rahmen der Präsidentschaftsübergaben hatte der scheidende Präsident Michael Möser noch die angenehme Aufgabe, eine besondere Auszeichnung an ein verdientes Mitglied weiterzugeben. Er übergab den „Paul Harris Fellow Preis“ an den Fahrtenleiter der Oldtimer Rallye, Dr. Wolfgang Ruhs, der sich für die „besondere Ehre“ bedankte.
Der neue Präsident Ludger Merten kündigte an, in den kommenden Monaten Projekte wie die Oldtimer Rallye (26. August) zugunsten des „Imole-Lichtstärke“-Projekts des Kevelaerer Mediziners und Mitglieds Abiodun Ogundare oder das Rotarier-Konzert in der Basilika (11. November) und den Adventskalender weiterzuführen. Der Kevelaerer Unternehmer regte einen neuen Schülerpreis an und warb für die Akquirierung neuer Mitglieder. „Man musss das Rotary-Rad nicht neu erfinden, aber mit Dynamik und Leben erfüllen“, lautete seine zentrale Aussage an diesem Abend.
Dabei machte er am Rande der Veranstaltung deutlich, dass sich die Rotarier insgesamt in einem grundlegenden Wandel befinden. Der frühere Eindruck schwinde langsam, es handele sich da um einen elitären Klub älterer, gut betuchter Menschen. „Wir haben hier einen relativ jungen Klub und wir öffnen uns auch zunehmend für junge Persönlichkeiten.“

Insignien für Weihbischof Rolf Lohmann

Für Norbert van Ooyen ist es der fünfte Bischofsstab, den er in seinen bislang 35 Berufsjahren gefertigt hat. „Jeder Stab ist etwas ganz Besonderes“ sagt er, während er noch einen prüfenden Blick auf sein jüngstes Werk wirft. Der Goldschmied aus Kevelaer hat Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann, der am 8. Juli in Münster zum Bischof geweiht und als Weihbischof für den Niederrhein zuständig sein wird, in den vergangenen Wochen gemein-sam mit anderen Goldschmieden bei der Auswahl seiner Insignien beraten.
Stab, Ring und Brustkreuz, Pektorale genannt, gehören zu den sogenannten Insignien, die ihren Träger als Bischof ausweisen. Mit ihrer Bildsprache begleiten sie den geistlichen Würdenträger, sagen viel über seine Vorbilder und Geschichte aus. Für Lohmann war schnell klar, welche Bilder die Insignien tragen sollen, die Gestaltung aber überließ er weitgehend den Goldschmieden. Sie alle kommen aus Kevelaer. Herbert Cürvers hat das Pektorale gefertigt, Georg Seegers den Ring entworfen und geschmiedet. Für alle Gegenstände wurden zwei Materialien verwendet: Silber und Ebenholz. Das helle Silber und das tiefdunkle Holz ergänzen sich, „diese Verbindung ist klassisch“, sagt van Ooyen.
Ausgangspunkt für Gestaltung und Material war die Schüppe des Pastors, die bei Lohmann im Arbeitszimmer steht und bei besonderen Anlässen in Gottesdiensten genutzt wird. Auch sie besteht aus dunklem Holz und hellem Metall. Das Symbol des Pastors, des Hirten, der für seine Gemeinde da ist, wollte Lohmann auch als Bischof tragen. Daher erinnert der Bischofsstab an eben jene Schüppe. Vier Bilder von Heiligen und Seligen bilden den Knauf. Ludgerus, der erste Bischof von Münster, ist dargestellt. Er erinnert Lohmann zudem an seine ersten Stationen als Pastor. Ida von Herzfeld, die erste Heilige Westfalens, ist für den gebürtigen Westfalen wichtig. Kardinal von Galen bewundert er für seine Standhaftigkeit gerade in schwierigen Zeiten. Und Karl Leisner, der im Konzentrationslager heimlich zum Priester geweiht wurde, spiegelt die enge Verbindung zum Niederrhein wider. „Wenn ich den Stab halte, dann habe ich diese Vorbilder auf Augenhöhe und werde so an sie erinnert“, sagt Lohmann.
Der silberne Ring zeigt die Heilige Familie, wie sie in einem Rosettenfenster in der Pfarrkirche von Westtünnen dargestellt ist. Dort ist die Heimatgemeinde von Lohmann. In das Bild sind ebenfalls kleine Ebenholzstücke eingelegt. Sie bilden das Kreuz im Hintergrund der Fa-milie. „Damit wurde der ursprüngliche Gedanke, dass das Kreuz Jesu aus Holz war, in dem Ring aufgegriffen“, erklärt Seegers. Mit sakralen Goldschmiedearbeiten hatte er bislang nicht viel zu tun, er hat sich in Kevelaer insbesondere mit seinem Schützensilber einen Namen ge-macht. Umso größer war der Ansporn, das Bild aus dem großen Fenster in den kleinen Ring zu übertragen. „Der Ring muss tragbar sein“, betont er.
Aus der Hand von Cürvers stammt das Pektorale. „Das Kreuz ist in seiner Form sehr redu-ziert, aber auch konzentriert. Zu Pastor Lohmann hätten keine Ornamente oder Schnörkel gepasst“, erklärt er. In den Silberrahmen ist Ebenholz eingelegt. Dort, wo sich die Balken kreuzen, ist auf der Vorderseite eine plastische Darstellung der Kreuzigung Jesu zu sehen, mit Maria und Johannes am Fuß des Kreuzes. Das Motiv bezieht sich auf die Kevelaerer Votiv-messe nach dem Johannesevangelium (Joh. 19, 25.27). Die Rückseite zeigt Maria als Trösterin der Betrübten, die in Kevelaer verehrt wird.
Alle drei Goldschmiede betonen, dass ihnen Lohmann viel Freiheit bei der Gestaltung ließ. „Wir waren da sehr autark“, sagt van Ooyen, „wenn man diesen Freiraum hat, wird das Beste daraus.“ Bei der Wahl der Materialien haben sie sich abgesprochen, ansonsten aber für sich gearbeitet. So sind die Insignien nicht „aus einem Guss“, passen aber dennoch zueinander. Lohmann ist sehr zufrieden. „Es war mir wichtig, die Arbeiten vor Ort anfertigen zu lassen, es freut mich, dass die Handwerksmeister sich zusammengetan haben und von ihnen die Ideen kamen. Ich konnte es mir selber erst nicht richtig vorstellen und bin nun angetan von der guten und schönen Zusammenarbeit sowie den Ideen, die dahinterstehen. In den Insignien kann ich meine eigene Spiritualität wiederfinden“, sagt der künftige Weihbischof.
Das gilt auch für die Mitra, also die Kopfbedeckung des Bischofs. Sie wurde von Thomas Schmitt gewoben. Der Spezialist für Paramente – also die liturgische Kleidung – hat ein Ge-schäft in Köln mit einer Filiale in Kevelaer. Die Mitra für festliche Anlässe, die Lohmann auch bei seiner Weihe tragen wird, ist komplett per Hand aus Seide gewoben worden. Sie zeigt in der Mitte zwei blaue Dreiecke, die an die Darstellung der Gottesmutter Maria mit ihrem blauen Mantel erinnern. Jeweils links und rechts weisen sieben rote Balken auf die sie-ben Sakramente hin, die der Bischof spenden darf. Auf sie weisen auch die sieben Flammen hin, die auf dem silbernen Salbgefäß zu sehen sind, das aus der Werkstatt des Kevelaerers Wilhelm Polders stammt. Darin wird das Salböl Chrisam aufbewahrt, mit dem unter anderem Jugendliche bei der Firmung gesalbt werden.

Zwei fürs Ehrenamt

Das Heimspiel kann beginnen: Unter dem Motto „Heimspiel“ präsentiert der Sportverein Union Wetten als festgebender Verein mit sportlichem Anpfiff, diversen Freundschaftsspielen, einer dritten Halbzeit, einem lockeren Auslaufen und einem ordentlichen Abpfiff die diesjährige Kirmes in Wetten.
Als absoluten Starspieler ernannte das Festtrainerteam von Union Wetten Willi Heuvens (eher bekannt unter dem Spitznamen „Schrilli“) zum Festkettenträger und schickt ihn damit auf den Kirmessportplatz von Wetten. Zu seinem Mitspieler ernannte Willi Heuvens seinen Freund Dieter van Besel (auch er ist eher bekannt unter seinem Spitznamen „Igel“), und kürte ihn damit zu seinem Adjutanten. „Ohne ihn hätte ich dieses Amt erst gar nicht angenommen“, gesteht der Festkettenträger, der durch seinen Adjutanten eine starke Rückendeckung erfährt. „Wir hoffen auf schöne und unbeschwerte Kirmestage“, so der zweifache Vater und künftige zweifache Großvater, der mit seiner Frau Heidi in Wetten lebt.
Für den gelernten Schreiner, der seit 25 Jahren in einer Werkstatt­einrichtung der Caritas in Rheinberg arbeitet, ist es eine besondere Ehre, die Festkette zu tragen. Schon vor zehn Jahren hatte man den Obmann der Alt-Herren-Mannschaft von Wetten als Festkettenträger ins Gespräch gebracht. „Damals kam es für mich aber nicht in Frage“, so der sportlich engagierte Festkettenträger, der seit 1970 dem Wettener Sportverein angehört. Hier fungierte er für 24 Jahre als zweiter Vorsitzender. Von 1994 bis 1996 gehörte er, wie auch sein Adjutant, dem Bauausschuss für den Neubau des Umkleidehauses am Sportplatz in Wetten an.
Wie ein echtes Fußballspiel verläuft, wissen der Festkettenträger und sein Adjutant ziemlich genau. Denn als Verteidiger spielten sie in ihren aktiven Zeiten für die Wettener Mannschaft. Noch heute feuern sie als treue Anhänger ihre heimische Mannschaft an. Aber nicht nur auf dem Sportplatz fühlt sich das Zweiergespann zu Hause. In den 1980er-Jahren hoben sie die Nachbarschaftsolympiade aus der Taufe. „Es war damals ein großes Sommerfest der Straßengemeinschaften und Nachbarschaften“, erinnert sich Dieter van Besel, der ebenfalls mit seiner Frau Ulrike in Wetten lebt.
Dieter van Besel ist für Kevelaerer kein Unbekannter. Zumindest nicht am Schulgebäude an der Hüls, genauer gesagt für die Schüler des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums. Hier hat der langjährige Hausmeister für Fragen aus dem Schulalltag immer ein offenes Ohr. „Ich versuche es zumindest“, so der zweifache Vater und ebenfalls gelernte Schreiner.
Der Festkettenträger und sein Adjutant treten nicht nur zur Wettener Kirmes als Teamplayer auf. Die beiden Männer verbindet eine lange und tiefe Freundschaft, die, wann immer es gefordert wird, füreinander und für den Sportverein Wetten einstehen. „Wir möchten zur Kirmes stellvertretend für die unendliche Zahl der Ehrenamtlichen stehen“, so Willi Heuvens, „denn ohne ihre Dienste wäre ein Leben nicht möglich“, fügt er mit bewegter Stimme hinzu.
Ein Wunsch aber liegt dem Festkettenträger besonders am Herzen: „Es wäre schön, wenn wir die traditionelle Kirmes, so wie sie heute in Wetten stattfindet, noch lange erhalten können“, hofft der Festkettenträger, der allen Beteiligten dankt, die zu einem guten Gelingen der Kirmes beitragen.

Schützenbrüder ehrten Franz Baaken

Die Familie, der Achterhoek, die Sankt-Josef-Kapelle und natürlich die Sankt-Maria-Bruderschaft Achterhoek sind Herzensangelegenheiten für Franz Baaken. Während des diesjährigen Königsgalaballs der Sankt-Maria-Bruderschaft Achterhoek wurde Franz Baaken vom Vorsitzenden Michael Stenmans geehrt. Der aktuell 88-Jährige wurde bei der Gründungsversammlung der Bruderschaft im Jahre 1947 Mitglied und bekleidete verschiedene Posten in den sieben Jahrzehnten:

  • Tambourmajor, Fähnrich und von 1966-1991 Kassierer der Bruderschaft im Vorstand.
  • 1965 wurde er Jubelkönig zum 250-jährigen Bestehen der Bruderschaft und im Jahre 1983 wurde er zum Festkettenträger der Geselligen Vereine in Winnekendonk von seinem Verein  ernannt.
  • Viele Jahre war er zudem Mitglied im Kirchenvorstand Sankt Urbanus Winnekendonk, im Achterhoeker Kapellenausschuss und im Kapellenchor.
  • Mehrfach wurde er von verschiedenen Schützenkönigen zum Minister auserwählt.
  • 1992 empfing er das Sebastianus-Ehrenkreuz der historischen Schützenbruderschaften für seine besonderen Verdienste im Sinne von Glaube, Sitte und Heimat.

Der gelernte Obergärtner Franz Baaken pflegte zudem viele Jahre ehrenamtlich die Außenanlagen der Sankt-Josef-Kapelle im Achterhoek und kümmerte sich um den Umbau und die Unterhaltung des Gemeinschaftsraums im Achterhoek. Seine historische Sammlung von Zeitungsartikeln und Fotographien über seine Heimat sind unschätzbar wertvoll.
Zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud und im Kreise seiner Kinder und Enkelkinder verbringt er aktuell viel Zeit im Mehr-Generationen-Garten am Hungerwolf im Achterhoek. Auf die anstehende Diamanthochzeit im Oktober, die aus gesundheitlichen Gründen im kleinsten Kreis gefeiert wird, freuen sich die Franz und Gertrud Baaken schon sehr und danken Gott.

Im Jubiläumsjahr half er Pastor Schulte Staade

Am 1. Mai ist Dr. Rainer Killich, der Generalsekretär der Kevelaerer Wallfahrt, 25 Jahre im Dienst von St. Marien. Seine Verbindung zur Gemeinde ist viel älter. Das KB sprach mit dem 53-Jährigen über veränderte Ansprüche der Pilger und die intensivierte Zusammenarbeit mit Politik und Stadtverwaltung.
KB: Herr Dr. Killich, seit Dienstag ist bekannt, dass Pastor Rolf Lohmann Weihbischof werden wird. Was bedeutet ein Wechsel im Amt des Wallfahrtsrektors für Sie?
Dr. Rainer Killich: Ich bin ja eingebettet in ein Team – das wirkt sich auf die ganze Gemeinde und die Ehrenamtlichen aus. Konkret bedeutet es, zwei bis drei festliche Anlässe mehr zu organisieren: die Verabschiedung von Pastor Lohmann und die Einführung eines neuen Pastors. Das sind große Feste mit viel Aufwand, im Jubiläumsjahr on top. Aber es ist ja nicht das erste Mal.
Wie lange dauert es, bis ein Nachfolger für Pastor Lohmann das Amt antreten wird?
Pastor Lohmann kam knapp ein halbes Jahr, nachdem Pastor Zekorn zum Bischof berufen worden ist. So eine Position wird ausgeschrieben und ich bin sicher, der Bischof wird uns den Besten geben, der im Bistum verfügbar ist. In der Übergangszeit vertritt Kaplan Schwerhoff den Pastor.
Pastor Lohmann kam vor sechs Jahren zu St. Marien. Sie sind jetzt 25 Jahre in der Gemeinde tätig.
Eigentlich viel länger. Mit fünf Jahren war ich als Sängerknabe im Kinderchor von St. Marien. Damals gab es ja nicht viele Angebot für Kinder in Kevelaer. Fußballspielen konnte ich nicht gut. Damit blieben zwei Optionen: Die musikalischen Kinder wurden Sängerknaben, die anderen Messdiener. Mit sechs Jahren habe ich bei Hochämtern auf der Basilikabühne gestanden – bis zum Stimmbruch. Als der damalige Chordirektor Lohmann merkte, dass das mit meiner Stimme nicht mehr ging, schickte er mich vor dem Hochamt nach Hause. Ich habe meine Flöte geholt und noch dasselbe Hochamt, in dem ich eigentlich singen sollte, mitgespielt.
Irgendwann gingen Sie aber für das Studium nach Münster.
Ja, aber ich war an den Wochenenden meist in Kevelaer. Ich war weiter in der Gemeinde tätig und für die Rheinische Post als freier Mitarbeiter, vor allem für kirchliche Themen. Pastor Schulte Staade kam auf dem Weg zu seiner Mutter regelmäßig an unserem Haus in der Schulstraße vorbei. An einem Wochenende grüßten wir uns dort und er sprach mich an, weil im Jubiläumsjahr 1992 noch Leute gebraucht wurden, die helfen. Ob ich mit meiner Erfahrung nicht bei der Öffentlichkeitsarbeit helfen möchte. Ich sagte zu. Der Unterschied zum diesjährigen Jubiläum war allerdings, dass damals die Planungen schon fertig waren, als ich anfing (lacht).
Danach wuchsen die Aufgaben?
Ich wollte eigentlich zur Presse, hatte schon die Zusage für ein Volontariat. Früher habe ich auch über ein Musikstudium bei der Bundewehr nachgedacht. Das Jahr bei St. Marien hat mir aber so viel Freude gemacht, dass ich die anderen Pläne ad acta gelegt habe.
Hat sich in den 25 Jahren viel an Ihrer Arbeit verändert?
Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das liegt an zwei Bereichen: Kommunikation und Dokumentation. Als ich anfing, war das Fax noch hochmodern. Für die Pilgerleiter war es normal, dass vom Absenden eines Briefes bis zum Eintreffen der Antwort eine Woche verging. Heute rufen mich Leute an und beschweren sich, sie hätten vor einer Stunde eine E-Mail geschrieben und noch immer keine Antwort erhalten. Ein Wallfahrtsprogramm zusammenzustellen dauert nun einmal länger als ein Zimmer zu reservieren. Oft wird auch erwartet, dass bei uns 365 Tage im Jahr rund um die Uhr Service abrufbar ist. Wir bemühen uns – aber es gibt Grenzen.
Haben sich die Pilger in ihren Ansprüchen verändert?
Damals war die erste Frage, wenn jemand im Priesterhaus ankam: Wo sind die Toiletten? Heute ist die erste Frage: Wie komme ich ins WLAN? Die EDV-Versorgung überall in diesem großen Gebäude bereitzustellen, ist übrigens gar nicht so einfach. Neben dem Brandschutz ist das eines der großen Themen.
Was ist denn das Schönste an Ihrer Arbeit, an was erinnern Sie sich besonders gerne?
Am liebsten ist mir der Kontakt zu den Menschen, die Begegnungen hier im Haus. Manche Pilgerleiter sind supernette Menschen, mit denen ich seit 25 Jahren Hand in Hand durchs Jahre gehe und auf deren Besuch ich mich immer freue. Insbesondere die Pilgerleitertagung macht viel Spaß – ein großes Treffen unter Freunden.
Eindruck hinterlassen haben die beiden großen Ministrantenwallfahrten. Das waren logistische Herausforderungen und viele Kevelaerer haben an einem Strang gezogen.Es war toll zu sehen, wie viel Spaß die Kiddies hier hatten. Zu sehen, wie gut Kevelaer den Menschen tut, ist grundsätzlich eine tolle Motivation für die Arbeit.
Die Kehrseite ist dann wohl der vorhin angesprochene hohe Dokumentationsaufwand?
Einladungen, Tagesordnungen und Protokolle von Sitzungen – von denen es heute viel mehr gibt als früher. Ich verbringe viel mehr Zeit in Gremien und Arbeitskreisen – in denen auch wirklich Wichtiges besprochen wird. Wir haben den von Pastor Lohmann initiierten Wallfahrtsausschuss gemeinsam mit der Politik, wir haben den Zukunftsausschuss und beim Integrierten Handlungskonzept das Thema „Wallfahrt 2050“. Aber dadurch bin ich zurzeit zu wenig am Schreibtisch.
Auch die Abläufe am Kapellenplatz zu organisieren, bedeutet jede Menge Listen, Pläne und Informationsflüsse. Ein Tagesplan ist heute deutlich umfangreicher als damals ein Monatsplan.
Bleibt überhaupt noch Zeit für Hobbys?
Musik ist immer noch mein großes Hobby, für das aber so gut wie nie Zeit bleibt. Selbst mein Engagement bei der Gruppe Horizonte musste ich auf ein Mindestmaß reduzieren. Ich würde auch gerne mal wieder in einem Chorprojekt mitmachen, aber das geht nicht.
Mein zweites Hobby ist Handball. Meine Truppe spielt in der 1. Kreisklasse, da könnte ich noch mittun. Aber nur zu einem Turnier oder Konzert kommen und sich beim Training oder den Proben nicht sehen lassen, das geht nicht.
Mit der Übernahme der Geschäftsführung des Verkehrsvereins haben Sie sich den Kalender aber auch selbst gefüllt.
Es gibt Synergieeffekte bei der Betreuung der Pilgergruppen, wir hatten immer schon eine Standleitung zum Kevelaer Marketing. Alles andere ist außerhalb der Arbeitszeit. Zu bestimmten Jahreszeiten, zum Beispiel beim Krippenmarkt, wird das schon mal etwas eng. Aber da wollen wir uns mit einem Team stärker aufstellen. Für mehr Hilfen in der Breite wäre ich aber durchaus dankbar – und ansprechbar.
Dankbar bin ich auch meiner Frau und meinen beiden Kindern. Das alles kann man nur machen, wenn die Familie es mitträgt. Trotz langer und oft außergewöhnlicher Arbeitszeiten ist das immer der Fall gewesen.

Treibende Kraft des Kevelaerer Künstlerbundes

In diesen Tagen jährte sich zum 130. Mal der Geburtstag von Karl Wenzel , der später über Jahre als Künstler in Kevelaer wirkte und an der Ausmalung der Basilika beteiligt war.
Ein Großteil seiner Werke wurde bei einem Bombenangriff auf Kevelaer zerstört. Wenige Jahre danach, im September 1947, starb der aus Ibbenbüren stammende Maler, der als bedeutender Künstler aus dem Kreis der Schüler um Friedrich Stummel hervorgegangen ist.
Karl W. Wenzel wuchs in einer musisch sehr vielseitigen Familie auf und schaute oft seinem Vater Louis (1852 bis 1920) über die Schulter, der ein bekannter Landschafts- und Porträtmaler war. Nach Abschluss seiner Gymnasialzeit kam Wenzel als 19-Jähriger nach Kevelaer in das Atelier von Friedrich Stummel, der weithin als Kirchenmaler bekannt war.
Wenzel galt, wie Peter Lingens einmal schrieb, als der begabteste Schüler Stummels. Von 1906 bis 1914 wirkte Wenzel an der Ausmalung der Marienbasilika mit. Nach seiner Zeit im Stummel-Atelier arbeitete er 1921 mit Heinrich Holtmann am Kathedralchor der Basilika, das durch Bauarbeiten stark entstellt war. Gemeinsam banden die beiden Künstler den Chorraum wieder ins Gesamtkunstwerk ein.
Wenzels Tochter, Gerte Paessens-Wenzel, über ihren Vater: „[In Kevelaer] lehnte er schon bald die in überlieferten Formen erstarrte Kunstauffassung innerlich ab und suchte nach langen Jahren schwerer Kämpfe mit sich selbst nach eigenen Wegen.“ Seine Studienreisen führten ihn durch Deutschland, die Schweiz und durch die Niederlande.
Als Vorsitzender des Künstlerbundes organisierte Wenzel 1932 eine umfangreiche Kunstausstellung in Kevelaer, die die breite Palette des Schaffens einheimischer Maler zeigte. Offenbar weil Aufträge für ihn als Kirchenmaler in den 1930er- und 1940er-Jahren ausblieben, wandte er sich in dieser Zeit der profanen Malerei zu.
Seine naturalistische Arbeit erregte im NS-Deutschland positives Aufsehen. Aus seinem zeitangepassten „’völkischen’ Malstil“ (Lingens) dürfe nach Aussagen seiner Tochter Gerte Paessens-Wenzel nicht der Fehlschluss gezogen werden, Wenzel sei ein Anhänger der Nazi-Politik gewesen. Seine Malweise in jener Zeit – eine in der Kunstgeschichte sich immer wieder zeigende Entwicklung – und seine so erzielten Erfolge als Maler seien ihm in keiner Weise vorzuwerfen.
Als Wenzel nach dem Krieg nach Kevelaer zurückkehrte, das ihm ab 1906 längst zur zweiten Heimat geworden war, „fand er Heim und Atelier, auch das Atelier im Gartenhaus Bausch, bis auf die Grundmauern von Bomben zerstört. Was im Keller war, die besten seiner Bilder in Kisten eingenagelt, Rahmen, Malgerät, Material, Arbeiten jahrelangen Studiums, alle Kupferplatten, seine literarischen Werke, alles war gestohlen worden. Nur einen kleinen Teil seiner Radierungen hatte ein Kunstfreund retten können“.
Für Wenzel war der Verlust der künstlerischen Zeugnisse vieler Jahre eine tiefe Erschütterung. Freunde und Verehrer gaben ihm Mut für einen neuen Anfang. Unermüdlich schuf er neue Werke.
Doch Wenzel dachte nicht allein an sein eigenes Fortkommen. Nach dem Krieg versuchte er eine Neubelebung des Kevelaerer Künstlerbundes, dem er angehört hatte und dessen treibende Kraft er war. Der Bund veranstaltete noch eine große niederrheinische Ausstellung, bei der auch Werke von Wenzel zu sehen waren. Doch da der Künstler wenige Wochen nach der Ausstellung starb, „ging das junge Pflänzchen des organisierten Kevelaerer Kunstlebens bald wieder ein“, schrieb Peter Lingens in „Unsere Heimat“ 3/1996.
In Kevelaer wurde im Januar 1967 eine viel beachtete Ausstellung von Grafik und Bildern von Karl W. Wenzel gezeigt. Heute verfügt auch das Museum in Kevelaer über einige Werke des Künstlers: Seine Tochter aus Bad Neuenahr-Ahrweiler hatte sie dem Verein für Heimatschutz und Museumsförderung aus dem Nachlass ihres Vaters gestiftet, darunter eine von Will Horsten geschaffene Bronzebüste, acht gerahmte Bilder in Aquarell und Mischtechnik aus der „Städte-Serie“ sowie vier Radierungen.
Zwei Radierungen von Karl W. Wenzel konnte 1994 der Verein aus einem anderen Nachlass für eine symbolische Mark kaufen. Die Federzeichnungen und Radierungen aus der „Städte-Serie“ waren deswegen so willkommen und wichtig für das Kevelaerer Museum, weil diese Wenzel-Reihe seinerzeit die Abteilung „Wallfahrts- und Ortsgeschichte von Kevelaer“ im neuen Teil des Museums abschloss. In der Einschätzung von Sachverständigen nimmt Karl W. Wenzel als Maler, Musiker, Schriftsteller und Kinderbuchautor eine der ersten Stellen im Reigen der Kevelaerer Künstler im 20. Jahrhundert ein.
Die Stadt benannte eine Straße auf Kevelaer-Nord nach Wenzel, wo er sich im „Künstlerviertel“ mit Dürer, Stummel, Korthaus, Grünewald, Holbein, Kolbe, Klee, Rubens, Spitzweg und Zille in illustrer Gesellschaft befindet.