Ehrenamtlicher Einsatz in Benin

Mediziner, Techniker und Helfer arbeiten wieder im Buschkrankenhaus der Aktion pro Humanität

Das Bettenhaus konnte feierlich eröffnet werden. Fotos: APH

Es ist wieder so etwas wie eine Reise in eine andere Welt. Kürzlich haben sich 16 Ärzte, Techniker und Helfer vom Niederrhein auf den Weg nach Westafrika gemacht – für einen ehrenamtlichen Einsatz im Buschkrankenhaus der „Aktion pro Humanität“ in Benin.

Die Kevelaerer Medizinerin und APH-Gründerin Dr. Elke Kleuren-Schryvers und ihr Mann Peter Tervooren haben mit ihrem Team monatelang auf den Einsatz hin gearbeitet: OP-Pläne wurden aufgestellt, Einsatzlisten geschrieben, Materialien zusammengestellt, Spenden ertrommelt und Urlaube geopfert.

Hochbetrieb auf der Kinderstation.

Nun arbeiten die Niederrheiner bei mehr als 35 Grad, Dauerregen und dampfender Schwüle im westafrikanischen Busch, in Gohomey, im spendenfinanzierten Krankenhaus der APH, das seit fünf Jahren nun auch einen Operations-Container hat.

Chef der Mission ist einmal mehr Dr. Johannes Kohler, der viele Jahre als Chefarzt der Chirurgie am Krankenhaus in Xanten wirkte und seit seinem Unruhestand wieder in Baden-Baden lebt – dem Niederrhein und APH ist er treu geblieben.

Und er hat ein engagiertes Team an seiner Seite: seine Frau Beate, die sich unter anderem um die medizinischen Dokumentationen kümmert; OP-Pfleger Dirk Henricy (St. Josef Hospital Xanten); Anästhesist Dr. Wolfgang Paul (St.-Clemens-Hospital Geldern), Annemarie Pieper (Intensivschwester aus Xanten) mit ihrem Mann, dem Moerser Kinderarzt Hans Hermann Pieper; Dr. Rüdiger Kerner (Chefarzt am Marienhospital Kevelaer) mit „seinem“ Endoskopie-Team Hildegard Kleinen und Dr. Rosa Tuinenborg (beide Marienhospital) und Silvia Kölbel; dem Kevelaerer Ärzteehepaar Dr. Roland Klein (Zahnarzt) und Angelika Klein (Allgemeinmedizinerin) und ihrer Tochter Dr. Kathrin Sophie Klein (frischgebackene Zahnärztin); und natürlich Dr. Elke Kleuren-Schryvers und Peter Tervooren (Kevelaer) und aus Mannheim der Fotograf Johannes Vogt, der in den APH-Anfangsjahren vor mehr als 20 Jahren einmal Projektleiter in Benin war.

Mobile zahnarztpraxis.

Zu den schönsten Momenten der ersten Tage in Gohomey gehörte die offizielle Inbetriebnahme des neu gebauten Bettenhauses – nun ist Platz für etwa 65 Patienten – und man darf hoffen, dass sich künftig nicht mehr zwei Kranke ein Bett teilen müssen. In der neuen Pädiatrie, der kleinen Kinderabteilung, herrscht Hochbetrieb. „225 Kinder sind hier seit dem 1. November schon behandelt worden“, berichtet Dr. Elke Kleuren-Schryvers. Nach lang anhaltenden kräftigen Regenfällen mit schweren Überschwemmungen sind viele Kleinkinder, aber auch Erwachsene an Malaria erkrankt, leiden an Darm-Infektionen und häufg auch an Meningitis.

Die Überflutungen der Felder – eine für Benin ungewöhnliche Situation – hat die Ernte zerstört. Etwa 3500 Menschen in der Region rund um Gohomey haben ihre Hütten und ihren gesamten  Besitz verloren. Die Niederrheiner haben zu Beginn der Woche ein Soforthilfeprogramm gestartet und selbst Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete gebracht – unter anderem Moskitonetze, Decken, Lebensmittel und Medikamente.

Ein Dorf sagt Danke.

Ein Schicksal berührt das gesamte Team in diesen Tagen ganz besonders: Johannes Kohler und sein Team operierten einen achtjährigen Jungen, der seit sieben Jahren nach einem schlimmen Unfall mit einer schief zusammengewachsenen Unterschenkelverletzung sich nur auf den Knien rutschend oder stark humpelnd fortbewegen konnte.

Der Vater des Jungen starb vor vielen Jahren, die alleinstehende Mutter hat kein Einkommen – schon gar nicht für eine Operation. In einem mehrstündigen Eingriff konnte das Bein gerichtet werden – der Junge hat eine Chance, aufrecht gehen zu können.

Es sind wohl diese Momente, die die Mediziner und Techniker immer wieder antreiben, sich  ehrenamtlich auf den Weg nach Afrika zu machen und im Buschkrankenhaus zu helfen. Und es gab ein weiteres Highlight: Am Abend eines anstrengenden Tages wurde das APH-Team von Voodoo-Priestern in der Nachbarschaft zu einem kleinen Fest eingeladen. Eine besondere Ehre – wenn auch etwas ungewöhnlich für niederrheinische Europäer.