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Sie möchte etwas zurückgeben

Es gibt Neues aus dem gar nicht mehr so kleinen Buschkrankenhaus der Stiftung „Aktion pro Humanität“ (APH).

Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Medizinerin und Vorsitzende der APH, die seit 25 Jahren die humanitäre Arbeit im APH-Projekt in dem kleinen westafrikanischen Land vorantreibt, steht die Freude ins Gesicht geschrieben: „Es macht uns im Team sehr froh, dass wir auch gute Nachrichten berichten können und eine Nachricht, die zeigt, wie wertvoll es ist, humanitäre Hilfe über viele Jahre kontinuierlich aufrechterhalten zu können – dank der vielen treuen Spender.“

Und weil die Geschichte von Charlotte, einer jungen Frau aus einem Dorf nahe der APH-Krankenstation, so berührend ist, erzählt die Kevelaerer Ärztin sie von Beginn an:
„Im September 2000 wurde Charlotte in dem Dörfchen Tannou-Gola geboren. Sie wuchs zunächst in Dogbo auf, einem Städtchen etwa acht Kilometer entfernt vom Krankenhaus- und Waisenprojekt der Stiftung Aktion pro Humanität in Gohomey.

Als Charlotte fünf Jahre alt war, im Jahr 2005, kam sie in unser Waisenhaus, das wir damals aufgebaut hatten. Ihr Vater war an Aids gestorben, die Mutter war allein mit dem Mädchen, ohne Geld, ohne Arbeit. Charlotte entwickelte gesundheitliche Probleme, ihre Mutter konnte weder für das tägliche Essen noch für eine medizinische Behandlung sorgen – sie war völlig überfordert und setzte das Kind aus. Ein immer wieder vorkommendes Kinder-Schicksal in dieser Zeit.

Es sind immer wieder die gleichen Muster: Die Großfamilie des Vaters fällt als Hilfe für die Mutter komplett aus, distanziert sich schnell von der Frau mit dem Kind – oft aufgrund der Angst vor Ansteckung mit dem damals noch sehr häufig tödlichen Aids-Virus, aber wohl auch, weil man zwei zusätzliche Esser am Tisch nicht durchbringen kann“, berichtet Kleuren-Schryvers über den schwierigen Start ins Leben, den das damals kleine Mädchen hatte.

„Doch im Waisenhaus der Aktion pro Humanität in Gohomey stabilisierte sich die Situation des Kindes rasch unter regelmäßigen Mahlzeiten und medizinischer Versorgung. Charlotte besuchte sechs Jahre lang die nahe liegende Grundschule. Sie wurde im ersten Bauabschnitt mit Spenden von APH errichtet, damit dort die Dorfkinder aus Dowomey, die noch keine Schule hatten, und die Waisenkinder aus dem Projekt ‚Jardin des Enfants‘ (Garten der Kinder) zur Schule gehen konnten.

Diese Schule liegt direkt neben dem Waisenhaus-Gelände und ist bis heute in Funktion – erweitert inzwischen vom Staat. Bis heute ziehen die Kinder von APH morgens aus dem Waisenhaus über das Projektgelände, vorbei am Brunnen, zur Schule. In ihren Schuluniformen mit ihren Schultaschen – einige schon hellwach und fröhlich plappernd, andere noch eher müde und still. Doch fast immer winken die Kinder fröhlich, wenn sie im gegenüberliegenden Gästehaus das Ärzteteam vom Niederrhein bei den Vorbereitungen für den Einsatztag sehen, das vor der Corona-Pause immer einmal im Jahr für eine längere Zeit vor Ort war.“

Charlotte entwickelte sich immer mehr zur einer zielstrebigen, engagierten jungen Frau: „Nach der Grundschulzeit wechselte Charlotte auf das katholische College im benachbarten Dogbo. Mit 16 Jahren, im Jahr 2016, absolvierte sie die Fachoberschulreife. Danach begann sie eine mehrjährige Sprachenausbildung in Englisch an einer Fachhochschule und studierte parallel ab 2018 Arbeitsverwaltung und soziale Sicherheit an der UAC, der University of Abomey-Calavi in Benin. Seit Anfang Januar 2021 ist sie zurückgekehrt nach Gohomey, ins Projekt der Stiftung Aktion pro Humanität. Sie arbeitet dort nun auf ihren eigenen Wunsch in der Verwaltung des Projektes“, berichtet Kleuren-Schryvers erfreut.

Charlotte selbst sagt dazu: „Groß ist meine Freude, dass ich Teil des Teams von APH sein kann. Um einen guten Weg zu gehen, braucht es immer Menschen, die einem Orientierung und Sinn für den Lebensweg geben können. Und mit einem Herzen voll ausgelassener Freude möchte ich Ihnen allen, die meinen Weg ermöglicht haben, danken. Denn Sie alle – als Spender*innen, als APH-Verantwortliche in Deutschland und als die meinen Weg begleitenden Menschen hier in Benin, in Gohomey – sind die Säulen göttlicher Fügung, durch die ich zu dem Menschen werden konnte, der ich heute bin. Für meinen Part möchte ich der Aktion pro Humanität dienen, wie ein Kind das für seine Mutter tut. Denn APH ist für mich wie meine Mutter. Ich möchte APH mein Bestes zurückgeben in den kommenden Jahren, mein maximales Potenzial und meine ganze Kapazität, um meine Brüder und Schwestern, die nach mir kamen und kommen, hinzuführen zu selbstständiger und guter Arbeit und zu einer Disziplin, welche die Projekte von APH in Benin für die Zukunft entwickelt.“

Der Weg bei APH bietet noch weitere Chancen

Das ist, so Elke Kleuren-Schryvers, für eine 20-jährige junge Frau eine ambitionierte Absichtserklärung – gewachsen aus einem Gefühl des Angenommenseins, des Gefördertwerdens, wo es eigentlich keine Zukunftschancen, keine Perspektive mehr gab in einem Entwicklungsland wie Benin. Entscheidend mitgeprägt habe diese Entwicklung der aktuelle Projektleiter Dieudonné Bouba, der schon in den Anfangsjahren Charlotte als damals noch sozialer Projektleiter begleitete.

„Es ist großartig zu sehen, wie sich Charlotte entwickelt hat und jetzt zu uns zurückkommt“, sagt Kleuren-Schryvers. „Und wer weiß – das wäre wieder so ein wunderbares Glück – vielleicht wird Charlotte ja einmal in die Fußstapfen ihres Vorbilds Dieudonné Bouba treten und stellvertretende Projektleiterin im Sozial-Ressort werden. Das Potenzial dazu hat sie. Und eine starke innerliche Beziehung auch. Wir werden sehen.“

Eine Segnung im Voodooland

Mit zahlreichen bewegenden Eindrücken kehrten Weihbischof Rolf Lohmann und Dr. Elke Kleuren-Schryvers von der Aktion pro Humanität von ihrer Reise zum Benin und in den Niger zurück. Während die Ärztin seit vielen Jahren regelmäßig Benin besucht, war es für den Bischof erst die zweite Reise in das afrikanische Land.

Seit seiner Zeit als Wallfahrtsrektor in Kevelaer gehört Lohmann zum Kuratorium der Stiftung APH und weiß somit aus erster Hand, was der Verein in Afrika leistet. Eines der ersten Projekte war 1993 der Bau eines Krankenhauses, das heute eine Anlaufstelle für 800.000 Menschen in der Region ist. „Das ganze Krankenhaus wurde mit privaten Spenden gebaut“, weiß Kleuren-Schryvers die finanzielle Unterstützung der Niederrheiner zu schätzen.

Doch auch Ärzte vom Niederrhein wie der Xantener Chirurg Dr Johannes Kohler oder der Kevelaerer Chefarzt Dr. Rüdiger Kerner sind immer mal wieder im Benin, um den Menschen medizinisch zu helfen. „So beträgt die Rückfinanzierung des Krankenhauses heute über 90 Prozent“, erklärt die APH-Vorsitzende. „Das ist für afrikanische Verhältnisse fast einmalig.“ Zwar könne man sich auf die 100 einheimischen Mitarbeiter verlassen. Dennoch sei es wichtig, selber öfter vor Ort zu sein. „Damit die Menschen auch wissen, wie wichtig sie uns sind.“

Weihbischof Rolf Lohmann hatte bei seinem letzten Besuch vor vier Jahren eine Kopie des Kevelaerer Gnadenbildes mit im Gepäck. „Diese befindet sich nun in einer kleinen Kapelle mitten im Krankenhaus“, freut sich Lohmann, dass sie längst eine Anlaufstelle für alle Gläubige ist, egal ob sie Christen, Muslime oder Voodoo-Anhänger sind. „Der interreligiöse Dialog ist wichtig“, versicherte der Weihbischof. Das zeigte sich nicht nur im Krankenhaus, sondern auch im angrenzenden Waisenhaus für Aids-Waisen.

So fand während der Reise auch eine Wallfahrt der Kinder statt, an der rund 70 Jungen und Mädchen teilnahmen. Vor dem Gnadenbild beteten sie begleitet von Trommelwirbel gemeinsam den Rosenkranz. „Der Betrieb im Krankenhaus wurde dadurch aber nicht unterbrochen“, erzählte Kleuren-Schryvers. „Im Gegenteil, die Schar betender Kinder lief überall herum und auch der Bischof sollte die Kranken besuchen, egal ob in der Notfallversorgung oder im Kreißsaal.“

Dr. Elke Kleuren-Schryvers und Weihbischof Rolf Lohmann berichten von ihrer Reise nach Benin. Foto: CS

Richtig emotional wurde es dann, als Epiphan und Roland kamen. Die beiden Brüder waren 1998 ins Waisenhaus gekommen. „Als kleine Kinder hatten sie innerhalb von wenigen Wochen ihre Eltern an Aids verloren“, erinnert sich die Kevelaerer Ärztin. „Sie vegetierten einige Tage noch bei den toten Eltern in der Hütte und wurden von der Dorfgemeinschaft notdürftig mit Essen versorgt.“

Heute haben die jungen Männer ihren beruflichen Weg gefunden. Epiphan ist Schuhmacher, sein Bruder ist im Computer-Service tätig. „Das Wiedersehen mit den Jungs zeigt, wie gut man auf dem Weg sein kann mit humanitärer Hilfe“, sieht Elke Kleuren-Schryvers darin eine Bestätigung ihrer Jahrzehnte langen Arbeit.

Gemeinsam mit den beiden Brüdern, der ganzen Kinderschar, deren Angehörigen sowie Kranken und Mitarbeitern feierte Rolf Lohmann einen Gottesdienst mit anschließender Segnung. „Und obwohl ich immer wieder nachgefragt habe, wollten sich alle Menschen ausnahmslos segnen lassen“, wundert sich der Weihbischof. Worauf die APH-Vorsitzende schmunzelnd ergänzt: „Man stelle sich das vor: Wir sind mitten im Voodooland, da kommt ein katholischer Bischof und jeder findet das okay.“

 

Ein Licht am Horizont und jeden Tag ein bisschen Weihnachten

Dass es Regionen gibt, in denen Weihnachten auf andere Art und Weise und vor allem auch unter anderen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stattfindet als bei uns, mit dieser Realität sehen sich die Helfer und Aktivisten der „Aktion pro Humanität“ Jahr für Jahr in den Gebieten, in denen sie tätig sind, konfrontiert. Seit 25 Jahren engagiert sich Elke Kleuren-Schryvers mit dem Team der Stiftung Aktion pro Humanität und den Menschen am Niederrhein für die Menschen in Westafrika – aktuell in Benin und im Niger. Gerade im November ist das Ärzteteam um die Medizinerin Kleuren-Schryvers und den Kevelaerer Arzt Rüdiger Kerner aus dem Krankenhaus in Benin zurückgekehrt.

Dieses Krankenhaus hatte es in einem nationalen Ranking nach internationalen Qualitätsstandards gerade zuvor geschafft, zum besten Krankenhaus Benins aufzusteigen – eine Bestätigung für die beninischen und deutschen Ärzte, die versuchen, auch in den ländlichen Regionen eine menschenwürdige und fachlich nach internationalen Standards ausgerichtete medizinische Versorgung auf die Beine zu stellen.

Fehlende Basisversorgung

„In der Fläche betrachtet fehlt eine adäquate Basisversorgung“, sagt Kerner und nennt als Beispiele die Unfallchirurgie und auch die Gelenkersatz-Chirurgie. Bestimmte Erkrankungen führen bei sehr jungen Menschen unter anderem zu Hüftkopfzerstörungen. „Es ist kein Hexenwerk mehr, ein neues Hüftgelenk zu implantieren. Aber es fehlen dort die Materialien und die Fachärzte, die das leisten können. Immer noch sterben Kinder an absolut behandelbaren Krankheiten, weil Eltern erst gar nicht ins Krankenhaus gehen, weil sie meinen, das Geld nicht aufbringen können. „Und dann kommen noch die epidemischen Erkrankungen hinzu: Lassa oder Ebola”, ergänzt Kleuren-Schryvers.

Kerners nachhaltigste Patienten-Erfahrung bei dieser Reise war eine erst 20 Jahre alte Frau, deren Leben durch eine Eiteransammlung in der kollabierten Lunge bedroht war und die Fachärzte zusammen vor Ort die Technik zusammen „improvisierten“, um die Lunge angemessen behandeln zu können. „So eine Patientin, die noch nicht über den Berg war, zurücklassen zu müssen, das fällt nicht leicht“, berichtet der Chefarzt der Inneren Abteilung des Marien-Hospitals in Kevelaer. Ein Therapieplan aber steht – und über das Internet tauscht sich Kerner mit dem Chefarzt vor Ort, Dr. Gilles Mensah, aus, sieht Röntgen- und Laborbefunde ein und kann Hinweise geben.

Humanitäre Hilfe vor Ort wird schwieriger

Es werde deutlich, sagt Kleuren-Schryvers, dass es das Team der „Stiftung Aktion pro Humanität“ vor Ort immer schwerer hat, unter friedlichen Bedingungen humanitär zu agieren. Das deutet sich in Benin durch bestimmte politische Entwicklungen an und sei im Niger bereits Realität. „Falls die internationale Gemeinschaft nicht zu Hilfe kommt, kann es durch den im Sahel massiv zunehmenden IS-Terror eine Blockade der humanitären Entwicklungszusammenarbeit geben.“ Die Leidtragenden seien dann die Menschen.

Der Transport von Wasser. Foto: privat

Die Ursachen dafür reichten von den ungerechten Verhältnissen des Welthandels über die politische Führung von Staaten durch Autokraten und Potentaten, denen eine Perspektive für ihre Bevölkerung nicht wichtig sei – und eben der alles zersetzende, mörderische Vernichtungsterror des IS. Nach Angaben der „Agentur Fides” wurde am 10. Dezember ein Massaker an über 70 nigrischen Soldaten in Inatés nahe der Grenze zu Mali begangen. Im Rahmen der dreitägigen Staatstrauer hatte der Bischof Lompo, der in Kevelaer schon häufig zu Gast war, eine mahnende Grußbotschaft verfasst, in der es unter anderem hieß: „Der Anschlag am 10. Dezember in Inatés (…) zeigt uns die Situation, in der wir leben.“

Und ein Pater erinnerte daran, dass es aufgrund der Tatsache, dass der Pater Pierluigi Maccalli am 17. September 2018 entführt wurde, einige Gemeinden der Diözese Niamey geben wird, in denen Weihnachten ohne einen Priester gefeiert werden wird.

Der IS-Terror gefährdet Entwicklung

In Burkina Faso ist die aktuelle Lage für die Christen noch dramatischer, sagt Kleuren-Schryvers. „Früher haben wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort die Projekte entwickeln dürfen und konnten sie dann mit Hilfe der Menschen am Niederrhein auch zumeist sehr zeitnah realisieren.“ Die Lebensqualität wurde durch den Zugang zu sauberem Trinkwasser, zu adäquater medizinischer Basisversorgung, durch den Bau von Schulen oder durch Mikrokreditprojekte verbessert – und das mit einem interreligiösen Ansatz. „Das humanitäre Tun war zugleich auch immer Friedensarbeit – zwischen Männern und Frauen, zwischen Ethnien und Religionen, so dass die Menschen ihre Zukunftsperspektive in ihren Heimatländern sahen.

„Die Situation im Sahel hat sich so desaströs entwickelt, dass der Bischof uns sagte: Es geht nicht mehr um Geld – es geht ums Gebet und die Tatsache, dass wir euren Mund und die Hände brauchen, um die Menschen hier in Europa zu sensibilisieren, dass wir in der Situation des islamistischen Terrors keine Chance mehr auf Entwicklung haben.“ Als Beispiel nennt Kleuren-Schryvers den Brunnenbau. Sonst gab es zur Weihnachtszeit im Niger immer drei oder vier neue Brunnen, die durch die Förderer der Aktion pro Humanität möglich waren. Auch diesmal wurde das Geld dafür schon in den Niger transferiert. Die Brunnenbau-Teams sind mit ihren Fahrzeugen und ihrer Technik aus Burkina Faso bereits vor Ort. „Aber die Regierung des Niger befürchtet Terror-Attacken auf die Teams.“ Das heißt, dass erst der Militärschutz organisiert werden muß. „Den Brunnenbau wird das verzögern, allerdings nicht verhindern“, versichert die „APH“-Begründerin.

Die zunehmend unsichere Situation zeige aber eins: „Wenn Erzbischof Laurent einzig um unser intensives Gebet für Schutz und Sicherheit für die Menschen im Sahel bittet, dass Frieden werden kann, dann zeigt sich daran, wie viel aussichtsloser die Situation ganz aktuell ist im Vergleich mit jeder schweren oder schwersten Hungerkrise des Niger.“ Für den Schutz und die Sicherheit der Menschen im Niger engagiert sich gerade keiner effektiv. „Wir müssen lernen, neue Wege humanitärer Hilfe in dieser Region zu gehen“, sagt Kleuren-Schryvers. „Wenn die jungen Leute dort sehen, was es in Europa alles gibt, dann ist das ein starkes Motiv, um sich in ihrer Situation auf den Weg zu machen“, sagt Kerner. Und dann riskierten sie halt ihr Leben – in der lybischen Wüste oder auf dem Mittelmeer.

APH-Projekte schaffen Hoffnung

Die APH-Projekte in Benin und im Niger sind aktuell von diesen Tendenzen (noch) nicht berührt. Die Menschen, die dort Arbeit gefunden haben, stehen in Lohn und Brot der Stiftung Aktion pro Humanität, der Erzdiözese Niamey über APH oder demnächst vielleicht auch des Bistums Münster. Ein entsprechendes Angebot des Weltkirche-Referates gibt es dazu. „Das geplante Krankenhaus-Projekt für den Niger in der ländlichen Region Makalondi wird eine Leuchtturm-Funktion haben können“, glaubt Kleuren-Schryvers. „Denn auch dort können – wie in Benin – über 100 Menschen, oft junge Menschen mit guter Ausbildung, Arbeit, Lohn und Brot finden.“

Das Weihnachtsfest feierten Bürger in Westafrika auf andere Art und Weise als wir in Deutschland. Foto: privat

Das wird auch auf die Entwicklung im Umfeld Einfluss nehmen, wenn kleine Handwerksbetriebe vermehrt an Aufträge kommen können und so noch mehr Menschen von dem Projekt profitieren. „Den Menschen eine Alternative zum Angebot des IS zu geben, den interreligiösen Dialog sehr ernst und engagiert weiter zu betreiben, den Menschen an der Seite zu sein in ihrer verzweifelten Lebenssituation aus Armut, Hunger, Angst und Terror – das ist die große Herausforderung für unsere Arbeit in den nächsten Jahren”, so Kleuren-Schryvers.

Hilfe nach Flutkatastrophe

Zu den bereits beschriebenen Problemen kam Ende Oktober/Anfang November noch eine in den westlichen Medien kaum beachtete Flutkatastrophe im Benin dazu, bei welcher der Grenzfluss zum Nachbarland Togo über die Ufer trat, die Lehmhütten der Bewohner wegspülte und die Not vor Ort vergrößerte. „Das war eine der bedrückendsten Situationen, die ich in den Jahren im Benin erlebt haben – dieser Matsch und Modder in den überfluteten Gebieten, die eingebrochenen Hütten in den Dörfern, die Moskito-Schwärme mit tausendfachem Malaria-Infektionspotenzial“, erzählt Kleuren-Schryvers.

Ein kleiner Lichtblick war da die von der APH hier am Niederrhein am Nikolaustag gestartete Weihnachts-Reis-Aktion für die Kinder in den Flutgebieten. „Wir haben da eine WhatsApp-Liste mit Spendern einer zurückliegenden Hirse-Sammelaktion gegen den Hunger im Niger reaktiviert“, erinnert sich Kleuren-Schryvers. Am Ende des Nikolaustages waren es mehr als 6.000 Kilogramm Reis, die gespendet worden waren – ein Kilo zu 50 Cent. „Es bewegt einen enorm, wenn das Handy permanent blinkt, weil Menschen sich hier engagieren mit ihren Kindern, Familien, Chören und Vereinen.“ Das zeige, wie ausgeprägt das Mitfühlen auch für den fernen Nächsten in unserer Region verankert ist, dankt Kleuren-Schryvers allen für ihr Mitwirken.

So haben dann am Heiligen Abend 3.000 Kinder je einen Kilo Reis erhalten und haben zusätzlich einen Kilo mitnehmen können, um es ihren Familien zu schenken. Gerade für die Kinder sei das etwas Außergewöhnliches. „Welches afrikanische Kind bekommt schon mal etwas geschenkt im Leben? Das sind Kinder, die in den Dörfern mit den alten Reifen und dem Stock spielen, die nur ein paar Flip-Flops haben, wenn es hoch kommt, nur eine Hose, ein Shirt und ein-, maximal zweimal am Tag etwas zu essen.“ Da sei eine solche Spende „wie ein Licht am Horizont. Dann wäre quasi jeden Tag Weihnachten.“

Weihnachten wird auch in Westafrika gefeiert

Das Weihnachtsfest selbst haben beide Mediziner vom Niederrhein dort in Westafrika noch nicht erlebt. Einmal allerdings war die Ärzte-Mission zu St. Martin vor Ort. Und man feierte mit den Aids-Waisenkindern und den Kindern und Müttern aus der Kinderkrippe im Projekt.„Da sind wir mit Kerzen in der Dunkelheit mit den Kindern durch das Gelände gezogen und haben da Martinslieder gesungen“, erinnert sich Kerner auch an gebackene Teilchen aus der Bäckerei in Dobo als Weckmann-Ersatz. „Die Kinder strahlten – und wir waren froh, dass wir bei den Martinsliedern in tropischer Nacht noch einigermaßen textsicher waren.” „Als wir jetzt das Krankenhaus-Projekt in Gohomey verließen, stand in der kleinen Projektkapelle schon die Weihnachtskrippe in der Sakristei bereit und der Plastiktannenbaum“, erzählt Kleuren-Schryvers.

Zu Weihnachten gab es ein großes, leuchtendes Kreuz an der Kapelle. „Und für alle Kinder aus der Kinderabteilung des Krankenhauses, aus der Kinderkrippe und den Waisenhäusern kommt am ersten Weihnachtstag Papa Noel ins Projekt.“ Da hat dann der „Weihnachtsmann“ in voller Montur „mit Rauschbart und Kapuze bei mindestens 35 Grad“ allen Kindern kleine Geschenke gebracht. „Für die Kinder ist das wunderbar, die Erwachsenen freuen sich – und es wird viel gelacht, gesungen, getanzt, getrommelt.“

In solchen Situationen drücke sich vor allem eines aus, sagt die erfahrene Kämpferin für das Menschliche: „Die Sehnsucht nach einem Moment, in dem einem im Leben auch mal etwas geschenkt wird und man nicht nur kämpfen muss – und das gilt gerade für die Kinder.“

Ehrenamtlicher Einsatz in Benin

Es ist wieder so etwas wie eine Reise in eine andere Welt. Kürzlich haben sich 16 Ärzte, Techniker und Helfer vom Niederrhein auf den Weg nach Westafrika gemacht – für einen ehrenamtlichen Einsatz im Buschkrankenhaus der „Aktion pro Humanität“ in Benin.

Die Kevelaerer Medizinerin und APH-Gründerin Dr. Elke Kleuren-Schryvers und ihr Mann Peter Tervooren haben mit ihrem Team monatelang auf den Einsatz hin gearbeitet: OP-Pläne wurden aufgestellt, Einsatzlisten geschrieben, Materialien zusammengestellt, Spenden ertrommelt und Urlaube geopfert.

Hochbetrieb auf der Kinderstation.

Nun arbeiten die Niederrheiner bei mehr als 35 Grad, Dauerregen und dampfender Schwüle im westafrikanischen Busch, in Gohomey, im spendenfinanzierten Krankenhaus der APH, das seit fünf Jahren nun auch einen Operations-Container hat.

Chef der Mission ist einmal mehr Dr. Johannes Kohler, der viele Jahre als Chefarzt der Chirurgie am Krankenhaus in Xanten wirkte und seit seinem Unruhestand wieder in Baden-Baden lebt – dem Niederrhein und APH ist er treu geblieben.

Und er hat ein engagiertes Team an seiner Seite: seine Frau Beate, die sich unter anderem um die medizinischen Dokumentationen kümmert; OP-Pfleger Dirk Henricy (St. Josef Hospital Xanten); Anästhesist Dr. Wolfgang Paul (St.-Clemens-Hospital Geldern), Annemarie Pieper (Intensivschwester aus Xanten) mit ihrem Mann, dem Moerser Kinderarzt Hans Hermann Pieper; Dr. Rüdiger Kerner (Chefarzt am Marienhospital Kevelaer) mit „seinem“ Endoskopie-Team Hildegard Kleinen und Dr. Rosa Tuinenborg (beide Marienhospital) und Silvia Kölbel; dem Kevelaerer Ärzteehepaar Dr. Roland Klein (Zahnarzt) und Angelika Klein (Allgemeinmedizinerin) und ihrer Tochter Dr. Kathrin Sophie Klein (frischgebackene Zahnärztin); und natürlich Dr. Elke Kleuren-Schryvers und Peter Tervooren (Kevelaer) und aus Mannheim der Fotograf Johannes Vogt, der in den APH-Anfangsjahren vor mehr als 20 Jahren einmal Projektleiter in Benin war.

Mobile zahnarztpraxis.

Zu den schönsten Momenten der ersten Tage in Gohomey gehörte die offizielle Inbetriebnahme des neu gebauten Bettenhauses – nun ist Platz für etwa 65 Patienten – und man darf hoffen, dass sich künftig nicht mehr zwei Kranke ein Bett teilen müssen. In der neuen Pädiatrie, der kleinen Kinderabteilung, herrscht Hochbetrieb. „225 Kinder sind hier seit dem 1. November schon behandelt worden“, berichtet Dr. Elke Kleuren-Schryvers. Nach lang anhaltenden kräftigen Regenfällen mit schweren Überschwemmungen sind viele Kleinkinder, aber auch Erwachsene an Malaria erkrankt, leiden an Darm-Infektionen und häufg auch an Meningitis.

Die Überflutungen der Felder – eine für Benin ungewöhnliche Situation – hat die Ernte zerstört. Etwa 3500 Menschen in der Region rund um Gohomey haben ihre Hütten und ihren gesamten  Besitz verloren. Die Niederrheiner haben zu Beginn der Woche ein Soforthilfeprogramm gestartet und selbst Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete gebracht – unter anderem Moskitonetze, Decken, Lebensmittel und Medikamente.

Ein Dorf sagt Danke.

Ein Schicksal berührt das gesamte Team in diesen Tagen ganz besonders: Johannes Kohler und sein Team operierten einen achtjährigen Jungen, der seit sieben Jahren nach einem schlimmen Unfall mit einer schief zusammengewachsenen Unterschenkelverletzung sich nur auf den Knien rutschend oder stark humpelnd fortbewegen konnte.

Der Vater des Jungen starb vor vielen Jahren, die alleinstehende Mutter hat kein Einkommen – schon gar nicht für eine Operation. In einem mehrstündigen Eingriff konnte das Bein gerichtet werden – der Junge hat eine Chance, aufrecht gehen zu können.

Es sind wohl diese Momente, die die Mediziner und Techniker immer wieder antreiben, sich  ehrenamtlich auf den Weg nach Afrika zu machen und im Buschkrankenhaus zu helfen. Und es gab ein weiteres Highlight: Am Abend eines anstrengenden Tages wurde das APH-Team von Voodoo-Priestern in der Nachbarschaft zu einem kleinen Fest eingeladen. Eine besondere Ehre – wenn auch etwas ungewöhnlich für niederrheinische Europäer.

Monatlich 100 Geburten im Buschkrankenhaus

Im Grunde ist es ja ein schöne Zahl: 126 Kinder wurden im Monat Mai im Buschkrankenhaus der Aktion pro Humanität im westafrikanischen Gohomey (Benin) geboren – wenn da nicht die großen Sorgenfalten auf der Stirn der APH-Vorsitzenden Dr. Elke Kleuren-Schryvers und Dr. Rüdiger Kerner wären.
Die beiden Mediziner sind besorgt. Erstmals seit 25 Jahren ist die politische Lage im kleinen westafrikanischen Land unruhig – mit Folgen auch für das kleine Buschkrankenhaus. Der im APH-Krankenhaus diensttuende einheimische Gynäkologe, Dr. Kolawolè Worou berichtet, dass immer mehr Frauen aus staatlichen Kliniken ins APH-Hospital geschickt werden, vor allem Frauen, die eine Kaiserschnitt-Entbindung benötigen.
Und das lässt nicht nur die Zahl der werdenden Mütter im Centre Medical in Gohomey ansteigen, sondern auch die Kosten.
Der Grund, so Dr. Elke Kleuren-Schryvers: „Vor wenigen Jahren hat die beninische Regierung sich sehr stark dafür eingesetzt, die Müttersterblichkeit im Land zu senken. Viele Frauen – gerade in den ländlichen Regionen – hatten aus Kostengründen in ihren Hütten entbunden – oder in den kleinen Zentren so genannter Dorf-Matronen. Kam es zu Komplikationen – auch aus hygienischen Gründen – waren Kind und Mutter oft nicht mehr zu retten. Der Staat hatte die Vor- und Nachbetreuung der Schwangeren in Krankenstationen mit geburtshilflicher Abteilung aufgebaut und die Kosten für eine unabdingbare Kaiserschnitt-Entbindung übernommen – ein Segen für die oft in bedrückender Armut lebenden Frauen.“
Doch seit etwa zwei Jahren kann der Staat den staatlichen Krankenhäusern in der Region – und auch dem APH-Krankenhaus – die vertraglich zugesicherten 150 Euro pro Kaiserschnitt-Geburt (inklusive Vor- und Nachbetreuung und stationärem Aufenthalt) nicht mehr zahlen – was dazu führt, so Kleuren-Schryvres, „dass die staatlichen Kliniken keine Kaierschnitt-Operationen mehr durchführen können – sie haben weder Geld für die medizinischen Materialien noch für einen Gynäkologen.“
Die Folge: Immer mehr Kaiserschnitt-Fälle landen im Centre Medical in Gohomey, dem kleinen spendenfinanzierten Krankenhaus der APH.
Dank der großherzigen Spende des Klever Unternehmers Bernd Zevens sind hier seit 2015 im Operationscontainer (mit digitaler Röntgenanlage) Kaiserschnittentbindungen möglich.
„Etwa 100 Geburten im Monat können wir verzeichnen – davon 35-40 per Kaiserschnitt“, so Dr. Rüdiger Kerner, Chefarzt am Kevelaerer Marienhospital. „ Jetzt steigen diese Zahlen deutlich an, weil sich die staatlichen Häuser die OPs nicht mehr leisten können.“
Dr. Wourou ist 39 Jahre alt und Chefarzt der Gynäkologie in Gohomey. Er hat sich bewusst für den Arbeitsplatz mitten im Busch entschieden: „Nirgendwo in Afrika sind Spezialisten in der medizinischen Versorgung für die Menschen so wichtig wie auf dem Land. In den großen Städten Afrikas findet man solche Versorgung, aber nicht auf dem Land. Es haben doch alle Menschen das Recht auf Gesundheit und eine bestmögliche medizinische Behandlung. Deshalb bin ich hier. Und wir müssen weiter an der Seite der Frauen und Kinder sein. Das Wichtigste ist, dass wir all die Materialien weiter vorhalten können, um Kaiserschnitt-Entbindungen und entsprechende Behandlungen durchführen zu können.“
Die Stiftung Aktion pro Humanität möchte diese Überlebenshilfe für Mütter und Kinder weiterhin leisten – „wir können die schwangeren Frauen doch nicht einfach wegschicken.“ 120.000 Euro groß ist inzwischen das finanzielle Loch, das durch das Ausbleiben der einst zugesicherten staatlichen Unterstützung an das APH-Krankenhaus in diesem Bereich bislang entstanden ist.
„Wir sind einmal mehr auf die Unterstützung der Menschen am Niederrhein angewiesen“, so die Mediziner Kleuren-Schryvers und Kerner. „Vielleicht finden sich Feste, Geburtstage, Jubiläen oder Aktionen, aus dessen Erlös wir ganz gezielt den werdenden Müttern und ihren Kindern in Benin helfen können. Jeder Euro hilft – und kommt an.“
Wer helfen möchte: APH Konot, Stichwort: Kaiserschnitte, Volksbank an der Niers eG: DE39 3206 1384 4330 1300 11. Infos auch im Netz: www.pro-humanitaet.de
Heike Waldor-Schäfer

Eine Kinderklinik für Gohomey

Nicht nur die Pfarrei St. Marien, auch viele Kevelaerer darüber hinaus unterstützen seit vielen Jahren die von der Kevelaerer Ärztin Dr. Elke Kleuren-Schryvers gegründete „Aktion Pro Humanität“. Im KB-Interview spricht die Gründerin über zwei Jahrzehnte Entwicklungshilfe und die Pläne für die zweite Hälfte 2018.

KB: Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagieren Sie sich mit Ihrer Hilfsorganisation APH (Aktion pro Humanität) in Westafrika. Es konnte eine Krankenstation gebaut werden, vor vier Jahren wurde sogar ein Operationscontainer im Busch installiert – alles mit Hilfe von Spenden. Im November wird eine Kinderstation eröffnet. Werden Sie eigentlich nie müde?
Elke Kleuren-Schravers: Nein, in Anbetracht der Situationen, die die Menschen in diesen beiden Ländern vorgeben, ihre Lebensbedingungen, ihre Perspektiven, kann man gar nicht müde werden. Und wenn nahezu 70 Millionen Menschen auf der Flucht sind, können wir nicht die Beine hochlegen auf unserer Insel der Seligen. In Zeiten, in denen die Angst vor dem und den Fremden so geschürt wird, statt sie zu lindern, muss man agieren. Sich klar und unzweifelhaft für Mitmenschlichkeit und Solidarität aussprechen.

20 Jahre sind eine lange Zeit.
Das Krankenhaus der Aktion pro Humanität in Benin konnten wir 1995 eröffnen. Begonnen hat es mit wirklicher medizinischer Basisversorgung der Menschen. Wir hatten anfangs nicht viel zur Verfügung – einige Medikamente, ein paar Stethoskope und Blutdruckmesser, ein Mikroskop, einige Hals-Nasen-Ohren-Lampen und Mundspatel, ein bisschen Naht- und Verbandsmaterial, einige Infusionssets.

Das klingt abenteuerlich.
Das war es auch. Eine lokale Anästhesie vor einer Wundversorgung etwa kannte niemand. Die Menschen umarmten uns mit Tränen in den Augen, weil sie gar nichts spürten, wenn wir eine Kopfplatzwunde oder eine Macheten-Schnittwunde von der Feldarbeit versorgten. Und die Aidspatienten verstanden gar nicht, dass wir mit ihnen bei den Behörden streiten wollten, damit es endlich Aidsmedikamente im Land geben konnte. Heute ist unser Hospital in Gohomey, nah an der Grenze zu Togo, ein spezialisiertes Zentrum – das zweitgrößte im Land -für die Diagnostik und Therapie von HIV/Aids.

Wie muss man sich das Leben im westafrikanischen Busch im Jahr 2018 vorstellen?
Nun, ehrlich, in vielen Bereich wie vor 150 Jahren. In den Großstädten werden Infrastruktur-Fortschritte sichtbar. In den ländlichen Gegenden ist die Zeit aber noch stehen geblieben – viele Menschen leben nach wie vor in einfachen Behausungen, ohne Wasser und Strom, zu allermeist in bitterer Armut.

Wie finanziert sich das Krankenhaus?
Aus den vielen kleinen „Kostenbeteiligungen“ der Patienten für ihre Behandlungen. Diese liegen unter denen der staatlichen Krankenhäuser. Und dann sind es die Spendengelder vom Niederrhein. Wir können gar nicht laut genug Danke sagen. Und trotzdem bedeutet auch heute ein krankes Familienmitglied, das zur Behandlung im Krankenhaus ist, oft eine Mahlzeit weniger am Tag für den Rest der Familie.

2015 haben Sie in Benin Geschichte geschrieben.
Ein Jahr, das in die Geschichte des Projektes und der Gesundheitsversorgung der Menschen in dieser Region eingehen wird. Durch einen privaten Spender konnten zeitgleich eine digitale Röntgenanlage und ein Operationscontainer angeschafft werden. Somit wurde auch die operative Behandlung, insbesondere auch Kaiserschnittentbindungen möglich.
142 Geburten gab es im Mai dieses Jahres. 40 davon waren Kaiserschnitt-Entbindungen. Insgesamt gibt es monatlich ca. 60 Operationen in dem OP-Container. Pro Jahr werden aktuell sicher 25.000 bis 30.000 Menschen bis in die Nachbarländer hinein (Togo und Nigeria) versorgt. Das Krankenhaus pulsiert …

Gibt es ein Erlebnis, ein Schicksal, das Sie besonders in Erinnerung behalten haben?
Es gibt viele, tief bewegende Erinnerungen an einzelne Menschen und ihre Dankbarkeit über die möglich gewordene Hilfe – inzwischen sogar im ganzen Land. Eine besondere Erfahrung jedoch ist die Entwicklung des Projektes zum zweitgrößten Arbeitgeber in der Region. 85 beninische Mitarbeiter und ihre Familien stehen in Lohn und Brot der Aktion pro Humanität. Das ist die eine großartige Entwicklung. Das ist konkrete Lebensperspektive für die Menschen in ihrer Heimat.

Macht es Sie zornig, dass sich in all den Jahren am Alltag vieler Menschen in Benin nicht viel geändert zu haben scheint?
Nein, ich bin nicht zornig. Eher pragmatisch. Die Lebenssituation der Menschen in der Region Mono/Couffo hat sich schon deutlich verändert – durchaus zum Besseren. Durch das Krankenhaus sind Strom und Wasser in die Region gekommen, Schulen, die medizinische Versorgung ist adäquat bis fortschrittlich. Ebenso ist die medizinische Versorgung entschieden besser als in anderen Regionen. Und wir spüren sehr viel und wachsendes Vertrauen der Menschen in einer Region, die überwiegend noch vom Glauben an Götter, Geister und Ahnen dominiert wird.

Im November werden Sie erneut mit Medizinern aus Wesel, Emmerich, Xanten, Geldern, Kevelaer, Moers nach Gohomey aufbrechen und einen neuen Krankenhausbereich eröffnen.
Ja, wir werden eine pädiatrische Fachabteilung mit Neonatologie eröffnen. Kleinm aber ein wirklicher Segen. Damit ist ein weiterer Schwerpunkt gesetzt als Mutter-Kind-Behandlungszentrum. Eine kleine Zahnarztpraxis ist auf dem Krankenhausgelände ebenfalls in Bau. Wirtschaftlich betrachtet schafft unser Zentrum inzwischen ein Autofinancement von ca. 84 Prozent für die entscheidenden Kostenblöcke: Löhne der beninischen Mitarbeiter, Medikamente sowie medizinische Verbrauchsmaterialien. Das gilt als sehr herausragend im Land.

Das Interview führte Heike Waldor-Schäfer