Dat gibt ‘ne Blötsch

„Oh Schatz, dat gibt ne Blötsch, wenn nich sogar ne Narbe!“ Mit schmerzverzerrtem Gesicht hockt er auf der Bank am Esstisch und presst einen Eisbeutel auf die rechte Augenbraue. Ich betrachte eingehend den frischen Riss und überlege, ob er so tief ist, dass er genäht werden muss. Wenn es nicht nötig ist, kann man sich das stundenlange Abhängen in der Ambulanz des Krankenhauses getrost sparen.
Ich entscheide, dass ein Pflaster ausreichen müsste, eine Dressman-Karriere kommt für Schatz ja eh nicht mehr in Frage. Jetzt, wo ich weiß, dass keine Lebensgefahr besteht, kann ich mir das Lachen kaum verkneifen. Und irgendwann bemerkt Schatz, dass sich doch ein feines Grinsen in meinem Gesicht breitmacht. „Du böses Weib!“, schimpft er, woraufhin ich erst recht lospruste.
Zugegeben, ich habe mich schon erschreckt, als der laute Schrei aus dem Schuppen herausdrang. Und der Anblick, wie das Blut auf den Boden tropfte, war nicht gerade erheiternd. Ich habe dann auch gleich gehandelt – Kompresse, Eisbeutel, das volle Programm. Erst als er meine Frage nach der Ursache des Unglücks beantwortete, musste ich mich gewaltig zusammenreißen.
Es war der Klassiker: Der geübte Gartenarbeiter hatte seine Harke falsch geparkt – mit den Zinken nach oben, so wie man es nicht tun sollte. Und im Eifer des Gefechts latschte er mit Schmackes drauf, mit dem Erfolg, dass der Stiel mit ebenso viel Schmackes gegen seinen Kopf tömmerte. Sein Antlitz erinnerte ein wenig an Klitschko in seinem letzten Kampf.
Nun ist er verpflastert, und wir stehen am Gartentor, als eine nette Nachbarin vorbeikommt. Natürlich ist die erste Frage, was Schatz denn da gemacht habe. Und was sag ich? Wir Frauen sind uns doch irgendwie ähnlich, denn auch sie muss herzlich lachen. Ihren Vorschlag, daraus eine „Schatzgeschichte“ zu machen, setze ich dann auch gleich in die Tat um.
Christel Hundertmarck