Rettet die Rheinstraße!

Als Antwort auf den Artikel „Eine schwierige Diskussion“ über die Diskussionsveranstaltung der Initiative „Rettet die Binnenheide“ schreibt Astrid Ludwig von der IG pro OW1:

Liest man diesen Artikel, gewinnt man den Eindruck, die IG Binnenheide habe sich „den Erhalt der Natur als das neue übergeordnete Interesse“ auf die Fahnen geschrieben, den sie durch den Bau der OW1 und den sich daraus ergebenden Folgen gefährdet sieht.
Die OW1 wird es geben, die apokalyptisch dargestellten Folgeszenarien sind reine Spekulation. Schäden für das Ökosystem werden sicher unvermeidbar sein, aber erstens kann man dem Planfeststellungsbeschluss entnehmen, mit welch großem Sachverstand heutzutage an die Problemerfassung herangegangen wird und welch großer Raum, sowohl baulicher als auch finanzieller Art, der Lösung der ökologischen Frage gegeben wird. Zweitens sind Tierarten manchmal, wenn sie nicht gerade ausgesprochene Spezialisten sind, ziemlich anpassungsfähig.

Wenn der IG die Natur in diesem Gebiet so am Herzen liegt, warum richtet sich ihr Zorn nicht schon seit langem gegen folgende Missstände:
• Die nicht unerhebliche Anzahl der Besucher des Bauernhofcafés Binnenheide dürfen mit dem Auto bis zu dem Lokal vorfahren. Von dort aus sind es bis zu den von Frau Dr. Blauert so geliebten Uferbenden der Issumer Fleuth nur wenige Meter! Meines Wissens nach liegt kein Antrag vor, außerhalb des Landschaftsschutzgebietes einen Parkplatz zu errichten und die Gäste die restlichen Meter durch die „Idylle“ laufen zu lassen. Deshalb, liebe IG, macht endlich Nägel mit Köpfen: Autos raus aus der Binnenheide!
• Wie jeder, der sich dafür interessiert, weiß, ist der Rückgang der Biodiversität auf dem Land eklatant (Nachfragen möglich bei dem entomologischen Verein Krefeld). Mehr als die Hälfte Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt und dort ist es wie in der Binnenheide: In der Monokultur der Äcker finden die Insekten nichts zu fressen oder werden von Glyphosat und Neonicotinoiden getötet. Das sind dort keine „wertvollen Ackerböden“, sondern Nitrat-verseuchte grün angestrichene Friedhöfe.
• Die Oberflächengewässer in diesem Gebiet sind mäßig bis stark belastet mit Schwermetallen und Nitrat. Wer ist der Verursacher? Wie wirkt sich die Verschmutzung auf die Tierwelt aus? Danach hat noch keiner gefragt, daran besteht kein Interesse.
Man muss sich also ernsthaft fragen, warum sich diese IG erst seit der Unterzeichnung des Planfeststellungsbeschlusses für die böse OW1 darauf besinnt, dass hier Natur erhalten werden soll. Die eigentliche Motivation liegt auf der Hand: Es geht wie immer um Geld und um die Wahrung persönlicher Interessen. Die Bauern befürchten Landentnahmen, die Besitzer betroffener Häuser sehen ihre Idylle bedroht, das Bauernhofcafé bangt um seine Gäste, der Zeltplatz um seine Besucher. Das ist es!

Dem steht gegenüber, was wir alle kennen, was uns täglich stresst und was endlich ein Ende haben muss: 13.250 PKW und 642 LKW täglich auf der Rheinstraße. Ein LKW-Verbot wird es nicht geben. Kilometerlange Staus, die krankmachenden Lärm und Abgase produzieren. Geschwindigkeitsbegrenzungen nachts, die keiner kontrolliert und deshalb keiner einhält, da wird richtig Gas gegeben. Flüsterasphalt, der bei Regen nicht flüstert, sondern schreit. Die Produktion eines schwarzen Staubes jeden Tag, der sich nicht nur brav auf den Fensterbänken ablagert, sondern den wir auch einatmen! Unbestellte Beschallung mit lauter Musik aller Art aus offenen Auto-Fensterscheiben vor allem im Sommer. Kanaldeckel auf der Straße, die durch die Belastung immer wieder absinken und beim Überfahren die jeweilige LKW-Fracht laut scheppern lassen. Autos hupen, klingt bei den LKW wie bei Ozean-Dampfern. Motorräder: So laut, dass man sie kilometerweit hört.
Ist das etwa alles ökologisch? Haben wir Menschen nicht auch Rechte? Natürlich ist es so, und der Großteil der Kevelaerer ist mit uns einer Meinung, dass sowohl die Verkehrssituation als auch die Lage der Anwohner der Rheinstraße nicht mehr länger so hingenommen werden können.

Die Zukunft unserer heimatlichen Landschaft wird nicht vom Bau dieser 5,3 km langen Straße beeinflusst werden. Was sein wird, hängt davon ab, wie die Menschheit mit dem riesigen Bevölkerungswachstum umgehen wird: Von jetzt 7 Milliarden wird sie 2050 auf 10 Milliarden und Ende des Jahrhunderts auf über 11 Milliarden angestiegen sein. Wie werden wir den Energiebedarf aller decken können, wie sie alle ernähren? Das sind die eigentlichen Fragen. Ob dafür Lösungen gefunden werden, ist wichtig. Wenn nicht, geht letztlich der gesamte Niederrhein samt Uferbenden und OW1 in einem Nordseeschwall baden. Das ist auch eine apokalyptische Spekulation, aber leider eine ziemlich wahrscheinliche.