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Erlesener Sound mit Frauenpower

27. Oktober 2018/in Kevelaer, Premium/von Alexander Florie-Albrecht

Es ist kein Geheimnis, dass die Jazzkonzerte im Goldenen Löwen immer gut besucht sind. Dies war auch diesem Abend der Fall. Mit Brenda Boykin (Gesang), Jan Luley (Piano, Gesang) und Torsten Zwingenberger (Schlagzeug und Percussion) waren drei Musiker gekommen, die jeder für sich schon einen Musikabend verdient gehabt hätten.

Luley zählt mit seinem Pianospiel zur europäischen Spitzenklasse, was traditionellen Jazz, Blues, Gospel und New Orleans betrifft. Torsten Zwingenberger ist nicht nur der Bruder des weltberühmten Boogie-Pianisten Axel Zwingenberger, sondern auch seit Jahrzehnten eine Größe in der europäischen Jazzszene, was sein differenziertes Schlagzeugspiel angeht.

Und dazu kam mit Brenda Boykin noch eine besondere Stimme. Die 1957 in Kalifornien geborene Sängerin lebt seit 2004 in Wuppertal. 2005 wurde sie beim renommierten Montreaux Jazz Festival als beste Sängerin ausgezeichnet.

Boykin verfügt nicht nur über eine ausgezeichnete, mit Wärme und tiefem Timbre ausgestattete Voice. Sie besitzt auch eine fröhliche, mitreißende Bühnenpräsenz, der man sich auch an diesem Abend nicht entziehen konnte. Und das, obwohl sie sich aufgrund körperlicher Einschränkung auf einen Stock gestützt bewegen muss.

Noch nie so zusammen gespielt

Das Trio präsentierte eine besondere Konstellation. Denn in der Form hatte es noch nicht zusammen gespielt, auch wenn Luley und Boykin schon länger zusammen arbeiten. “Ein fantastischer Laden, volles Haus, gute Akustik – was will man mehr?”, war Zwingenberger voll des Lobes.

Torsten Zwingenberger gilt als einer der besten europäischen Jazzdrummer.

Für ihn und Luley war es die erste und einzige musikalische Zusammenkunft in diesem Jahr. Dass daraus ein besonders schöner Abend mit sehr erlesenem Sound werden würde, war fast folgerichtig.

“Wir spielen heute abend viele Songs gegen den Regen”, eröffnete Luley das Konzert am Piano mit Jerry Roll Mortens “New Orleans Joys” aus dem Jahr 1923. Mit seinem erfrischend-vitalem Spiel verpasste er dem Song den passenden Leichtigkeitscharakter und modernen Drive.

Dem schloss er ein kreolisches Volkslied an, bis er dann den “variabelsten Schlagzeuger des Swing” mit auf die Bühne holte. Beide Musiker zeigten blendendes Timing und Klangverständnis. Sie trugen den “St. Louis Blues” als ein hochabwechslungsreiches Stück aus melodischem New-Orleans-Sound und Bossanova vor. Dem folgte mit “Sunny side of the street” ein weiterer Klassiker im Orleans-Style mit rhythmisch dichtem Spiel und fettem swingenden Zug.

Seine große Kunstfertigkeit zeigte Zwingenberger, als er einen Zug auf seinem Instrument losfahren ließ. Zusammen mit dem Pianisten entwickelte er einen Boogie Woogie mit fetzigem Tempo und Feuer, den Luley spontan “Boogie für the golden lion” nannte.

Vitale Frauenpower

Nach der Pause betrat Boykin und packte das Publikum mit ihrer Vitaliät, dem ansteckenden Lachen, ihrer warmen Art und der sanften, vielseitigen Stimme.

So geriet “Sweet home Chicago” zum eher ruhigen Chicago-Blues, “Take the A-Train” zum intimen Swing mit Mitklatschanimation und Feeling. Bei “Blue Skies” von Irving Berlin zeigte sie tolle Phrasierungen, emotionalen Touch und intonierte auf deutsch:” Für dich und mich”, was in ihrer Klangfarbe einfach herrlich rüberkam.

Zwischendurch scherzte sie mit dem Publikum. Zudem präsentierte sie mit ihren musikalischen Partnern mit “Something you got ” einen lässigen Swing-Boogie. Boykin bekannte “We live our freedom – Jazz is free” und brachte mit Luley den Ellington-Klassiker “Mood Indigo” mit tiefen, sehr natürlich dargebotenen Tonmodulationen, zu Gehör.

Zum Schluss gab’s noch “meine Lieblingsrichtung Boogie und Woogie” von ihren zwei Morder-Solisten am jeweiligen Instrument dargeboten und durch den “High Heel Sneakers”- esang ihrerseits veredelt.

Spätestens nach dem dritten Teil des Konzerts musste man vollends Fan des Trios sein, das bei den Zuhörern für Begeisterung sorgte.

Schlagworte: Freizeit, Musik
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