Ein Blick in den „Müden Pinsel“

In den vergangenen Wochen haben wir immer mal wieder einen Blick auf die Geschichte historischer Gebäude in der Kevelaerer Innenstadt geworfen. Zuletzt ging es um zweierlei Löwen an der Busmannstraße. Nun hat KB-Autor Wilfried Schotten eine weitere Geschichte aus seinem ganz persönlichen Kevelaer-Archiv zusammengestellt.

„Ich bin mal wieder kurz zurück zur Hauptstraße. Das heißt aber nicht, dass ich für Busmann- und andere Straßen keinen Platz übrig und nichts mehr in Vorbereitung hätte. Dabei habe ich zwei großartige Helfer gefunden: Was haben Karl Renard und Dr. Robert Plötz gemeinsam? Beide sind mir eine große Hilfe bei meinen Betrachtungen zu Personen und Gebäuden auf Kevelaers Straßen.

Der eine (Dr. Plötz) verfasste u.a. ein „Lesebuch 700 Jahre Kevelaer“, der andere, (Kalli Renard), sammelte akribisch Fotos und Informationen über Kevelaers Gastronomie und stellte sie in seiner hervorragenden Broschüre „Damals – heute“ zusammen. Und was habe ich dabei zu suchen? In den vergangenen 60 Jahren habe ich in den beschriebenen Gebäuden viele Menschen erlebt und kennengelernt, die es meines Erachtens wert sind, nie mehr aus der Erinnerung gelöscht zu werden.

Der letzte Tag im „Müden Pinsel“ am 4. November 1979.

 

Wie gesagt, ich bin jetzt in der Hauptstraße, und zwar beim Haus Nr. 46 angekommen. Das Gebäude existiert natürlich schon viel länger als die erwähnten 60 Jahre, daher dieser kleine, unvollständige Rückblick:

Ältere Kevelaerer erkennen den Eingang (siehe Foto) auf Anhieb wieder: Aha, „der Müde“; vornehm und offiziell bekannt unter „Bürgerhaus“. Ein Name, der aus den Zeiten der damaligen Inhaber, Familie Roghmann, stammt. In 1979, also vor 41 Jahren, schloss Karl Lemmen diese beliebte Gaststätte für immer. Er verstarb in 1995, seine Frau Hanna überlebte ihn gut 20 Jahre. Von Karl ist mir der Satz noch im Ohr: „Ich bin nur der bessere Hausknecht, der ab und zu neben der Wirtin schlafen darf.“

Noch vor der Familie Lemmen hat hier eine Familie Johann und danach Jakob Roghmann eine beliebte Pilgerherberge betrieben; und man „erinnert“ sich vielleicht sogar daran, dass hier zuvor noch eine Schusterei ansässig war und das Gebäude daher den Namen „de Weksdos“ trug. „Schuhwichse“ sagte man früher zu dem Stoff, der bei der Lederpflege benutzt wurde, heute moderner als Schuhcreme tituliert.

Vielleicht hatte sich ja aus Gründen der praktischen Zusammenarbeit nebenan das Schuhgeschäft Naebers etabliert, – aber das ist wohl gewagte Spekulation.“