Bei Prozessionen ist er voll in seinem Element

Schon als Kind hatte Edmund Pitz-Paal besondere Freude an Umzügen und stellte Karnevalsumzüge oder kirchliche Prozessionen gerne mit Playmobil nach. Die Mutter ahnte früh, dass für dieses Kind mit Sinn für Prozessionen vielleicht mal ein ordnender Dienst bei der Kirche die richtige Aufgabe wäre. Noch heute sagt der Kirchenschweizer an Sankt Marien über sich: „Ich habe einfach Sinn und Feeling für Ordnung und Liturgie. Ich bin bei Prozessionen einfach in meinem Element.“ In diesem Jahr feiert Edmund Pitz-Paal in der Christmette sein 25-jähriges Wirken als Kirchenschweizer.

Als junger Mann hatte der gebürtige Münsteraner zunächst eine Ausbildung als Buchbinder absolviert, doch er stellte rasch fest, dass ihm der Küsterdienst einfach mehr lag. So wirkte er neben dem 10-jährigen Dienst als Ministrant im Dom zu Münster auch zwei Jahre ehrenamtlich als Küster der Dompfarrei mit. Einem fiel der junge Mann dabei einmal besonders auf: Pfarrer Richard Schulte Staade. Schulte Staade erkannte an Pitz-Paal den besonderen Sinn für Ordnung und Liturgie, sein brillantes Personen- und Namensgedächtnis und ließ ihn im Dezember 1990 probeweise als Küster in der Wallfahrtspfarrei beginnen. „Wenn es dir gefällt, bleib da“, sagte er. Noch heute ist Pitz-Paal dem langjährigen verdienten Pastor von Kevelaer zutiefst dankbar. „Er war mein Chef und Ziehvater. Er hat mich gefordert und gefördert; er hat mir aber nie zuviel zugemutet und mich in viele neue Aufgaben behutsam hineinwachsen lassen.“

Während der Christmette im Jahr 1995 wurde er auch als Kirchenschweizer eingeführt. Als Probelauf für sein Amt hatte er in jenem Jahr zum ersten Mal die Anordnung, den Weg und den zeitlichen Ablauf der Fronleichnamsprozession neu organisiert. Der Pastor sei begeistert gewesen und habe ihn sofort auch als Kirchenschweizer haben wollen. Seit dieser Zeit führt Edmund Pitz-Paal als Nachfolger von Heinrich Floet nun schon zweieinhalb Jahrzehnte alle großen Prozessionen und Umzüge der Wallfahrspfarrei an und ist damit sicherlich eine der meist fotografierten Personen im kirchlichen Bereich. Zunächst in der rot-schwarzen Tracht, die den Kirchenschweizern im Kölner Dom angeglichen ist, mit weißen Handschuhen, mit einem Prozessionsstab, den ein Bergkristall ziert, und seinem Birett. Unter Pastor Rolf Lohmann kam durch eine Stiftung der Firma Underberg eine komplette Prozessionsausrüstung in blau-schwarz dazu, die nun beide im Wechsel getragen werden.

„Kein Autofahrer hat bisher die Prozession gestört“

Bei Einzügen an hohen Tagen lädt er die Menschen meist auch zum Aufstehen ein. „Die Bischöfe stehen stellvertretend für Christus, dem die Ehre gebührt. Wenn ein US-Präsident oder die Queen kommt, steht man ja auch auf“, meint er. Besondere Freude macht es ihm, wenn er etwa bei der Wallfahrt von Kevelaer nach Kevelaer mit seinem Stab den Verkehr selbst regeln kann. „Die Ministranten sagen dann immer: Jetzt hält der Edmund wieder sein Laserschwert raus. Aber es hat immer geklappt: Kein Autofahrer hat bisher die Prozession gestört.“ Viele Prozessionen führt er auch für auswärtige Gruppen an, die ihn um diesen Dienst bitten. „Ich bin so auch schon in vielen Chroniken von niederländischen Prozessionen.“

Edmund Pitz-Paal im Ornat.

Öfter schon sprang Pitz-Paal einfach ein, als zur Begrüßung der verschiedenen Pilgergruppen kein Pastor da war und übernahm selbst. „Ist das etwa der Bischof?“, meinte ein älterer, sehschwacher Prälat schon mal über den Kirchenschweizer. 

Neben seinem Amt als Kirchenschweizer hat er auch als Küster viel Kontakt mit den Pilgern und ist im Lauf seiner 30-jährigen Küstertätigkeit schon ein richtiger Experte der Wallfahrt geworden. Pitz-Paal ist schon länger im Dienst der Wallfahrt als etwa Rainer Killich und hat vier Pastöre erlebt. Wer wo Bischof oder Weihbischof ist, das weiß Edmund Pitz-Paal ganz genau. Noch heute ist er der erste, der immer weiß, welche und wieviel Kardinäle, Bischöfe oder Weihbischöfe im jeweiligen Jahr in der Marienstadt waren. 

In seinem Doppelamt als Küster und Kirchenschweizer hat der 56-Jährige viele Höhepunkt der Wallfahrt erlebt. Gerne erinnert er sich etwa an die erste Nordwestdeutsche Ministrantenwallfahrt im August 2009 mit mehr als 10.000 Jugendlichen oder die Übertragung der Fernsehmesse unter Pastor Stefan Zekorn, die vorher viermal akribisch durchexerziert wurde. Bei der Marientracht erinnert er sich noch lebhaft daran, wie am Ende der Apostolische Nuntius nicht aufhörte zu predigen, trotz Sturm und Regen, und wie der Schrein mit dem Gnadenbild nur durch das beherzte Aufspringen und Eingreifen von Stefan Zekorn nicht weggerollt war. 

Auf die Schliche gekommen

Einmal half er auch mit, einen falschen Bischof zu entlarven. „Er kam mit komischer Montur; mir war er gleich suspekt und ich fand seinen Namen nicht im Päpstlichen Jahrbuch. Ich wusste so, dass es ihn nicht in echt gab und so haben wir ihn gemeinsam zur Strecke gebracht.“ Einmal kam er auch ganz schön ins Schwitzen, als ein älterer Kardinal aus Albanien verschlafen hatte und er ihn aus dem Bett holen musste: „Das viele Hin- und Herlaufen hat mich ganz schön in körperliche und seelische Wallung gebracht“, meint er lächelnd im Nachhinein. Aber sonst ist sein Doppeldienst als Küster und Kirchenschweizer meist ruhig und entspannend für ihn. 

In seiner Freizeit hat er übrigens ein besonderes Hobby: Er sammelt Autogramme von deutschen und ausländischen Bischöfen und von deutschen Politikern. Über 5000 hat er schon gesammelt und in Mappen verwahrt. Bischöfen kann er natürlich über seinen Dienst sehr gut und oft begegnen und verwahrt so neben ihren handschriftlichen Autogrammen viele persönliche Erinnerungen an einstige Begegnungen in Kevelaer.