Beiträge

Bruder Thomas Bischop (84) feiert am 6. Mai sein Diamantenes Ordensjubiläum

Erzieher in Goch und Missionar in Mexiko

Am morgigen 6. Mai sind es genau 60 Jahre, dass Bruder Thomas Bischop die Erste Profess in der Brüdergemeinschaft der Canisianer in Münster abgelegt hat. Der 84-jährige Ordensmann ist froh, seinen Lebensabend in Kevelaer verbringen zu können

Helga Barian aus Kevelaer feiert das 25-jährige Bestehen ihrer Kosmetikfachschule

Seit 25 Jahren Kosmetik, Fußpflege und Co.

Als Helga Barian sich mit Anfang 40 dazu entschied, beruflich einen neuen Weg einzuschlagen, machten private Umstände diesen Schritt erforderlich. Heute ist die Kevelaererin froh, damals den Mut gehabt zu haben, eine eigene Kosmetikfachschule zu gründen. Inzwischen gibt es das Institut in Kevelaer seit 25 Jahren.

Ursula und Theo Schuler aus Kevelaer feierten am 17. März 2021 ihre Diamantene Hochzeit

60 Jahre Lieben und Lachen

Es war der 17. März 1961, als sich Ursula und Theo Schuler in der Hochfelder Pauluskirche das Jawort gaben. „Die ganze Verwandtschaft meines Mannes stand auf einer Treppe“, erinnert sich die humorvolle und noch sehr lebendige 80-jährige Frau und verweist auf das schöne Hochzeitsbild, das die Torte anlässlich der Diamanthochzeit ziert. Das Besondere an der Erinnerung? Ihr Mann hatte immerhin 17 (!) Geschwister.

Sie ist eine Säule in der Praxis

Wenn Elke Sabolčec auf ihre 25-jährige Tätigkeit in der Kinderarztpraxis am Theodor-Heuss-Ring 8 zurückblickt, wird sie glatt sentimental. Der Grund dafür sind ihr ehemaliger Chef Dr. Abiodun Ogundare und sein Nachfolger Dr. Peter Kaiser. Denn im Gespräch über das Dienstjubiläum sind sich beide Ärzte einig, dass Sabolčec quasi zum Inventar der Praxis gehört. Kaiser bezeichnet sie gar als „Säule“ im Praxisbetrieb. Wann alles begonnen hat, kann die Weezerin noch ganz genau sagen: „Am 18. Januar 1996. Das war ein Donnerstag.“ Und auch jetzt, 25 Jahre später, denkt sie noch nicht an einen Tapetenwechsel.

Ihre Ausbildung zur Arzthelferin machte Sabolčec 1990 in einer Hausarztpraxis. Bis 1996 arbeitete sie in Weeze. „Der Umgang mit Menschen“ sei das gewesen, was sie an dem Beruf gereizt habe. Nachdem sie 1996 nach Kevelaer in die Praxis von Dr. Ogundare gewechselt hatte, bildete sich die heute 47-Jährige weiter – unter anderem im Bereich der Ernährungsmedizin und zur Asthmatrainerin. Ogundare sagt heute, er habe sie immer als hochmotivierte Mitarbeiterin erlebt. „Wenn man etwas vorgeschlagen hat, ist sie immer eingesprungen.“ Die Worte von Kaiser über Sabolčec sind ähnlicher Natur: „Ich erlebe Frau Sabolčec so, dass sie besonders viel Freude hat an der Arbeit mit Kindern. Für mich ist Frau Sabolčec so etwas wie eine Säule in der Praxis.“

Ehrung der Ärztekammer

Als Kaiser die Praxis vor fünfeinhalb Jahren übernahm, war er froh, ein motiviertes Team übernehmen zu können. Die berufserfahrene Arztfachhelferin, zu der Sabolčec sich in einer zweijährigen Fortbildung in Münster weiterbildete, sei dabei ein „wichtiger Ansprechpartner“ und eine „große Unterstützung im Praxisalltag“. Für ihn stand Anfang des Jahres schnell fest, dass die jahrelange Treue und das Engagement einer besonderen Ehrung bedarf. Nach einem Kontakt mit der Ärztekammer Nordrhein hat Sabolčec, die besonders die familiäre Atmosphäre in der Praxis schätzt, schließlich eine Ehrenurkunde ausgestellt bekommen. 

Eine Sache, die die 47-Jährige immer wieder daran erinnert, wie lange sie der Kevelaerer Kinderarztpraxis schon treu ist, sind die Patient*innen. Denn diejenigen, die sie früher als Kinder betreut hat, kommen heute teilweise mit ihren eigenen Kindern. Und wer weiß, vielleicht begleitet sie die ein oder andere Familie noch in der nächsten Generation. Denn eines steht für die Arzthelferin fest: „Ich habe nicht vor, mich zu verändern. Solange mir der Beruf noch Spaß macht, mache ich ihn auch weiter.“

„Im Glauben begegnen…“

„Im Glauben begegnen…“ – vor 40 Jahren, am 17. Februar 1981, weihte Diözesanbischof Dr. Reinhard Lettmann im Beisein vieler Gäste aus Politik, Kreis, Stadt, Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat, Vereinen, Presse und der am Bau beteiligten Handwerker das Pfarrheim in Winnekendonk feierlich ein.

Der neue Diözesanbischof Dr. Reinhard Lettmann, der sich im Februar 1981 zu seiner 1. Visitation im Dekanat Goch aufhielt, rief damit Gottes Segen auf das neue Haus herab, das künftig neben unserer Pfarrkirche ein weiterer Mittelpunkt unserer Pfarrgemeinde, eine Stätte der Begegnung zu vielfältigem Tun sein solle.

Pfarrheim Winnekendonk 2021 Foto: privat

Diese Aufgabe hat das Haus bisher voll und ganz erfüllt. Und nach der Gemeindefusion 2014 ist das Haus ein wichtiges pastorales Element, ja sogar systemrelevant für ein vielfältiges Gemeindeleben an der Basis. Denn Gemeinschaften vor Ort bilden „Gemeinden“!

Die positiven Rückmeldungen der Besucher unseres Pfarrheims in den vier Jahrzehnten sind eine Bestätigung der sinnvollen und wegweisenden Konzeption, die seinerzeit von den Verantwortlichen der Kirchengemeinde in enger Abstimmung mit dem Bischöflichen Generalvikariat, dem Kreis Kleve und der Stadt Kevelaer entwickelt worden war, denn es gab für derartige Bauten keine Blaupausen, jedoch Richtlinien für den Bau von Pfarrheimen, die unter anderem. die Raumgröße im Verhältnis zu der Seelenzahl bestimmten.

Multifunktional

Die Kirchengemeinde Winnekendonk gehörte zu den ersten Bauwilligen eines multifunktionalen Pfarrheims für die notwendige Infrastruktur einer lebendigen Pfarrgemeinde in der Region Niederrhein.

Die neue Tagungsstätte mit integrierten Jugendräumen und einer Altentagungsstätte war damit zu einem Referenzobjekt für andere Gemeinden geworden. Für die Finanzierung der Bau- und Folgekosten mussten mit der öffentlichen Hand neue Wege erarbeitet werden. Dabei zeigte sich der Kreis Kleve sehr aufgeschlossen und kooperativ, sodass die Stadt Kevelaer die Kreispläne bereitwillig übernahm. Das Bistum Münster begrüßte diese tragfähige Konzeption und gewährte daraufhin einen verhältnismäßig hohen Investitionszuschuss.

Architekt Hans Schattmann übergibt Schüssel an Pastor Jacob Kalscheur.

Anlässlich der Firmung im Jahre 1991 lobte unser Regionalbischof Heinrich Janssen das realisierte Bau- und Finanzierungskonzept mit den Worten: „Hier stimmt eben alles; das Winnekendonker Pfarrheim ist eines der wenigen, das allen Funktionen voll gerecht wird.“

St. Urbanus hat Grund genug, sich des Architekten Hans Schattmann, der 1986 infolge eines tragischen Verkehrsunfalls starb, dankbar zu erinnern, der das Pfarrheim barrierefrei plante und die Folgekosten bedachte, indem er ein modernes, energieeffizientes Heizsystem mit monovalenter Wärmepumpe einbauen ließ.

Um die Pflege des Hauses und die Belegungstermine in der Vergangenheit kümmerten sich mit vollem Engagement die Kirchenangestellten Mechtilde Derks und Monika Tissen. Zurzeit werden diese Aufgaben von Margret Janssen ebenso gewissenhaft wahrgenommen.
Immer wieder freuen sich die Besucherinnen und Besucher über das stets saubere und intakte Haus. Und so soll es auch künftig ein willkommener Ort der Begegnung in unmittelbarer Nähe der denkmalgeschützten Kirche und zugleich ein sichtbarer Mittelpunkt des kirchlichen Lebens in der aktiven Gemeinde Winnekendonk bleiben.

Chronik

1972 Idee eines Pfarrheims
1975 Vorplanung
1978 Konzeption und Vorstellung in der Pfarrversammlung
1979 Baugenehmigung und Baubeginn
1980 Fertigstellung zum 31.12.
1981 Einweihung durch den Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, am 17.02.

Bau- und Einrichtungskosten in DMark

1. Bistum 250.000
2. Land 76.500
3. Kreis 85.000
4. Stadt 85.000
5. Eigenmittel durch Grundstücksverkäufe 235.000
6. Spenden und Pfarrfest 56.500
7. Summe 788.000
8. Überschuss 8.000 Zuführung zur Rücklage

Artur Elders-Boll

„Eigentlich wollte ich schon nach zehn Jahren aufhören“

Als Ellen Killewald am Wochenende von ihrer Tochter unter einem Vorwand in die Kirche gelockt wurde, ahnte die Winnekendonkerin noch nichts von der Überraschung, die ihre Kinder für sie vorbereitet hatten. Denn eigentlich, verrät die 87-Jährige, möge sie es gar nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Da kam sie nun allerdings nicht mehr dran vorbei. In einem Gottesdienst wurde am Samstag ihre 50-jährige Tätigkeit in der Kirchenmusik gefeiert – gekrönt von der Übergabe der Cäcilien-Medaille, die vom Bistum Münster in Anerkennung für ihre Verdienste verliehen wird. Ihre Begeisterung für die Musik entdeckte Killewald bereits in Kinderjahren. Ihr Lehramtsstudium sowie die Tätigkeit als Musiklehrerin rückten die Musik immer weiter in den Lebensmittelpunkt.

Mit elf Jahren begann Ellen Killewald, die in Bingen am Rhein aufwuchs, Klavier zu spielen. Mit 16 Jahren kam sie an die Orgel und entschied sich nach dem Abitur, in Mainz zu studieren – Musik und Englisch auf Lehramt, Orgel im Hauptfach. Einige Jahre nach ihrer Referendariatszeit lernte sie im Jahr 1966 mit Anfang 30 ihren zukünftigen Mann Heinz Killewald kennen, der zu dieser Zeit in Dinslaken wohnte. Intensiv wurde der Kontakt zwischen ihnen im Jahr darauf. „Im Mai war ich dann zum ersten Mal in Dinslaken. Im August haben wir standesamtlich geheiratet und im Oktober kirchlich“, kann sich die heute 87-Jährige ein Schmunzeln nicht verkneifen. Mit dieser Begegnung trat allerdings nicht nur ein Mann, sondern mit ihm sieben Kinder in ihr Leben – vier Töchter und drei Söhne, die Heinz Killewald mit seiner früh verstorbenen Frau bekommen hatte. Zwei Töchter bekamen Ellen und Heinz Killewald noch gemeinsam und ließen ihre Familie damit auf neun Kinder wachsen.

Umzug nach Altwetten

Durch die damalige Tätigkeit ihres Mannes auf Schloss Wissen bot sich 1970 für die Familie die Möglichkeit, nach Altwetten zu ziehen. Mit dem Umzug begann für Ellen Killewald, die sich vorher bereits in der Kirchenmusik engagiert hatte, der aktive Einstieg in den Dienst. 

Da die Wettener Kirche für sie damals nur schwer zu erreichen war, orientierte sich die Familie nach Winnekendonk. „Wir müssen uns irgendwo anschließen“, sei damals ihr Gedanke gewesen. Bei den Kirchenmusiker*innen sprach sich die Ausbildung der Zugezogenen schnell herum: „Man wusste ziemlich schnell, dass ich vom Fach bin“, erzählt Killewald. Nachdem sie dann an einem Weihnachtsfeiertag den Chorleiter und Organisten vertrat, war sie bereits mitten im Geschehen. Ab dem 1. Februar 1971 war sie nebenamtlich als Organistin und Chorleitung in Winnekendonk dabei. „Eigentlich wollte ich schon nach zehn Jahren aufhören“, erinnert sich Killewald und kann auch hierbei ein Schmunzeln nicht verbergen. „Ich wollte ein bisschen freier sein.“ Ihre Mithilfe aber wurde immer wieder dankend angenommen. 

Der Plan ging nicht auf

Während sie schließlich von 1972 bis 1976 an der Winnekendonker Grundschule zweimal in der Woche Musik unterrichtete, vereinte die heute in Winnekendonk lebende Frau eine beachtliche Anzahl an Aufgaben im Alltag: Neben dem Haushalt kümmerte sie sich um neun Kinder, war Ehefrau, Lehrerin und Kirchenmusikerin. Letztere Tätigkeit gab sie am 1. April 1987 in Winnekendonk auf. Die gewonnene Freizeit sollte allerdings nicht lange währen.

„Nach vier Wochen stand der Pastor von Wetten auf der Matte und wollte mich für Wetten anheuern“, erzählt Killewald. Nachdem sie erst kurz zuvor in Winnekendonk aufgehört hatte, habe sie das Angebot nicht annehmen wollen. In den kommenden Jahren hätten in Wetten dann fünf Organistenwechsel stattgefunden. Und wer hätte da eine bessere Vertretung abgegeben als Ellen Killewald? So blieb sie der Kirchenmusik viele weitere Jahre treu und engagierte sich auf Beerdigungen, Trauungen, Taufen und Co. Dabei ging es für sie oft über die Ortsgrenzen hinaus. Mit den Jahren sei sie in Kevelaer und all seinen Ortschaften aktiv gewesen, erzählt Killewald, die am 16. Februar 2021 ihren 88. Geburtstag feiert.

Die Leidenschaft blieb

Und heute? Ja, tatsächlich hat die Winnekendonkerin bis heute keinen Abschluss mit der Kirchenmusik gefunden. Sie sitze immer noch an der Orgel, „wenn Not am Mann ist. Ich spiele gerne.“ Diese Leidenschaft bescherte ihr dann vor drei Jahren, mit 85 Jahren, noch einen Arbeitsvertrag mit der Kirche – auf nebenamtlicher Honorarbasis – der in diesem Jahr ausläuft; ein Grund für Ellen Killewald, mit 88 Jahren dem Orgelspiel den Rücken zu kehren? Auf keinen Fall. Denn eine mögliche Vertragsverlängerung werde sie nicht ausschlagen.

Dinge, die es nicht überall gibt

Es war der 4. Februar 2011, als Anja Hummler mit Unterstützung ihres Ehemanns Andreas Gertzen den „Schauplatz“ in den Räumen an der Annastraße 21 eröffnete. Damals hielten die gebürtige Ratingerin, die gelernte Fotolaborantin und mehrfache deutsche Meisterin im Frauen-Eishockey ist, und der aus Sterkrade stammende gelernte Kfz-Mechaniker, der zudem Sozialpädagoge und „Seggs“-Bassist ist, nach einem Ladenlokal Ausschau, das 15 Minuten von ihrem Wohnsitz in Walbeck entfernt war. „Ich fand den Laden an der Annastraße ganz süß“, befand Hummler und so fiel die Entscheidung für Kevelaer einfach aus dem Bauch heraus. 

Das Paar hatte sich Jahre zuvor bei der Arbeit bei einem Projektentwickler in Ratingen kennen- und liebengelernt, sich dann im Projektmanagement selbstständig gemacht. Unter dem Label „BumbleBee­Bags“ hatte Anja Hummler angefangen, aus alten Schweizer Armee-Wolldecken Taschen zu gestalten und damit auf Kreativmärkte zu gehen. „Das war der Einstieg in die ,Droge‘“, sagt sie heute mit einem Schmunzeln. 

Daraus entstand die ungewöhnliche Idee, einen Laden aufzuziehen, in dem Hummler ihre eigenen Produkte verkauft – und auch die anderer Kreativer und im Kunsthandwerk Tätiger. „Wir haben 2011 als Fachvermietung angefangen, als eines der ersten Geschäfte in Deutschland, und haben Regalfläche vermietet“, sagt die 52-Jährige. „Von der Idee bis zur Eröffnung haben wir das in drei Monaten aus dem Boden gestampft.“ In den diversen Regalen fand sich ein breit aufgestelltes Sortiment, das vor allem kein Angebot „von der Stange“ sein sollte, sondern etwas Besonderes. Schmuck in jeglicher Form, Selbstgestricktes, aber auch Werke einer Weezer Künstlerin, Holzskulpturen aus Kevelaer und modische Accessoires aus München waren dort zu finden.

Zusammenarbeit mit kleinen Labels

„Wir haben da eine Nische bedient und wir konnten so kontinuierlich unseren Kundenkreis vergrößern“, freut sich Hummler, von der ihr Partner Andreas Gertzen sagt, dass sie „für jedes Problem einen Lösungsansatz parat hat und sehr hartnäckig ist“. Dafür könne er sich gut „in komplexe Themen reinfuchsen, gut mit Zahlen umgehen“ und bei einer Idee „immer den wunden Punkt finden“, sagt sie. So ergänzten sie sich als Team. Vor dreieinhalb Jahren erfolgte dann der Umzug in Egon Kammanns ehemalige Bäckerei an der Busmannstraße. „Dadurch hat der Laden nochmal an Qualität gewonnen“, sagt Hummler. Das Konzept, mit dem sie auf der Annastraße gestartet sind, stellten sie vorher schon ein. „Wir arbeiten jetzt mit kleinen Labels zusammen, die uns beliefern.“ Wichtiges Kriterium dabei ist aber nach wie vor, „dass es Produkte sind, die es so nicht überall gibt“. 

Das reicht von der Damen- und Kindermode aus eigener Herstellung – mit dem Label „wunderdinge“ als „Schauplatz“-Hausmarke – über ausgesuchte Wohnaccessoires aus Skandinavien oder warme Filzpantoffeln aus Dänemark bis zum ausgefallenen Schmuckstück. „Die Jagd nach Neuem, das macht einfach Spaß“, unterstreicht Anja Hummler. Gemeinsam versuchen sie, sich von Corona nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. „Wir arbeiten viel im Lockdown“, sagt Hummler. Seit ein paar Jahren läuft der Onlineshop. „Das geht jetzt intensiver mit Abholen“, sagt sie. Die Kund*innen hätten den Laden mit ihren Bestellungen „auf dem Schirm“.

Und im letzten Jahr hätten überraschend viele „Tagesausflügler“ ihren Laden aufgesucht. „Viele sagten, sie wären zum ersten Mal in Kevelaer.“ Auf eine Wiederkehr hoffen Hummler und Gertzen, wenn der Lockdown vorbei ist. Sie produziere noch viel, habe auch wieder neue Produktfotos für das Netz fertiggestellt, erzählt die Geschäftsfrau. „Dafür ist jetzt mal Zeit.“

Für die Busmannstraße

Beide engagieren sich außerdem offensiv für die Händlergemeinschaft in der Busmannstraße, die „als Gemeinschaft 2020 sehr lebendig war“, wie sie übereinstimmend sagen. 2018 riefen sie die „Spätschicht“ ins Leben, die mit Livemusik und Foodtrucks zum Überraschungserfolg avancierte. Zwei Jahre später organisierten sie wegen Corona alternativ die „Late Night Shopping“-Abende in der Straße – und auch das funktionierte. „Es war nie übervoll, es herrschte eine schöne Atmosphäre, es wurde gut angenommen“, sagt Gertzen.

Wie lange sie mit ihren beiden Hunden hinter der Ecktheke ihren 80 Quadratmeter großen Laden noch weiterführen wollen, darüber zerbrechen sie sich nicht den Kopf „Ich habe nie weit in die Zukunft geplant, bin ein beweglicher Mensch“, sagt Hummler. „Ich hoffe noch auf den Lottogewinn und ein Haus in Kanada.“ Bis es soweit ist, „konzentrieren wir uns auf das, was geht“, sagt Gertzen. 

Jubiläum der Burg Kervenheim

Erstmals Erwähnung fand die Burg Kervenheim in einer Urkunde vom 4. März 1270 – die Grundlage für die 750-Jahr-Feier, die eigentlich im Jahr 2020 stattfinden sollte, wegen der Corona-Pandemie aber verschoben werden musste. In dieser Urkunde übertragen der Ritter Stephan von Wissel und sein Sohn Wilhelm ihr Eigentum an der Burg „Keruenheim“ an den Grafen Dietrich VII. von Kleve. Wie lange die Burg vor der Übertragung an den Grafen von Kleve schon in Kervenheim gestanden hat, ist bis heute nicht geklärt. Ob Stephan von Wissel der Erbauer war, ist ebenfalls unbekannt. In einer Schrift des 17. Jahrhunderts wird eine Familie von Korbenheim genannt. Von dieser Familie soll Stephan von Wissel die Burg erhalten haben. Jedenfalls sind er und sein Sohn Wilhelm die ersten nachweisbaren Besitzer. Mit der Burg gingen 1322 auch die Stadtrechte Kervenheims einher.

Es sei davon auszugehen, dass die Burg sogar wesentlich älter ist und zu den ältesten Burganlagen am Niederrhein zählt, meint der aus Kervenheim stammende frühere Rektor der St.-Hubertus-Grundschule, Bernd Kibilka, der sich mit der Historie der Burg ausführlich beschäftigt hat. Er sieht einen Bezug zu den „Mottenburgen“, die im 11. und 12. Jahrhundert errichtet wurden. Eine „Motte“ ist ein mittelalterlicher Burgtyp, dessen Hauptmerkmal ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem meist turmförmigen Gebäude ist. Ob die Burg Kervenheim aber tatsächlich eine „Motte“ war, sei bisher wissenschaftlich noch nicht untersucht, sagt Kibilka. 

Graf Dietrich VII. von Kleve übergab die Burg dem Ritter Stephan sogleich als klevisches Offenhaus wieder zurück – als Lehen. Damit stand die Burg dem Grafen jederzeit zur Verfügung. Denn „Offenhaus“ bedeutete, dass der Lehnsherr im Kriegs- und Fehdefall ein befestigtes Haus unentgeltlich nutzen konnte. Bereits im Jahr 1283 allerdings waren Stephan von Wissel und sein Sohn Wilhelm aus unbekannten Gründen nicht mehr mit Kervenheim verbunden. 

Burganlage wurde zum „Kastelitypus“ ausgebaut

Um die darauf folgenden Besitzverhältnisse der Burg aufzuschlüsseln, ist ein Blick zur Dynastie Luf von Kleve notwendig: In der Zeit von 1299 bis 1369 begründete ein Bruder des Klever Grafen Dietrich VII. die Dynastie. Luf II. gilt als der eigentliche Gründer des Ortes Kervenheim. Luf III. gründete den Ort Oedt, erbaute dort die Burg Uda und nannte sich „Herr von Kervenheim“. Die Burg Kervenheim wurde schließlich durch eine Enkelin von Luf III., Jolenta, bis in die Pfalz vererbt. Jolenta war verheiratet mit einem Grafen Emicho von Leiningen. Sie verkauften ihre Besitzungen an den Grafen von Jülich – und über das Jülicher Grafenhaus kam die Burg 1367 zurück an den Grafen von Kleve. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die Burganlage zu dem „Kastelitypus“ ausgebaut, wie er auf einer Zeichnung von Jan de Beyer aus den 1740er Jahren zu sehen ist.

Burg und Ortschaft nahmen dann unter Adolf von Kleve im 15. Jahrhundert einen Aufschwung. Er machte bereits zu Beginn des Jahrhunderts die Kervenheimer Burg kurzzeitig zu einem Amtssitz. Mit der Zeit ersetzten Burggrafen die Ritter, die sich erst Drost und später Amtmann nannten. Der letzte Verwalter von „borgh end huys van Kervenhem“ war ein Johann Tengnagel von Merwick. 

Kirchbau

Aus der Zeit Herzog Adolfs sind zudem Baumaßnahmen an der Burg überliefert. 1445 wurde auf Betreiben des Herzogs eine eigene Pfarrei Kervenheim gegründet. Mit dem Kirchbau um 1500 endete auch die Geschichte der katholischen Kirche auf der Burg. 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts schließlich verfiel die Burg aufgrund der vielfältigen Kriege immer mehr. Eine Schrift des Kervenheimer Pastors Theodor Klucken aus dem Jahre 1932 beschreibt, wie 1587 „der berüchtigte Martin Schenk von Niddegen mit seinen wüsten Gesellen“ den ganzen Niederrhein brandschatzte. Dazu kam der Clever Erbfolgestreit seit 1609 und der Dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648.

Klärung weiterer Besitzverhältnisse

Im Jahr 1521 gelangte die Burg in den Besitz eines Goedart van Bemell, 1525 findet sich ein Derick von Bronckhorst auf der Burg. Im Jahr 1555 gelangte die Burg zurück an die Adelsfamilie Wylich, die schon einmal der Besitzer der Burg war. Ab da ist dieses Adelsgeschlecht bis 1730 lückenlos belegbar. 

1609 bildete sich in Kervenheim eine reformierte Kirchengemeinde. Aufgrund fehlender Räumlichkeiten gewährte die Familie von Wylich der Kirchengemeinde, die Burg für ihre Gottesdienste zu nutzen. Am 20. Oktober 1675 erfolgte die Einweihung der Kirche. Bis auf den heutigen Tag findet der evangelische Gottesdienst auf der Burg statt. 

Im Jahr 1757 wurde schließlich die Burg und auch Kervenheim durch einen verheerenden, bis heute ungeklärten Brand fast vollständig zerstört. An der Stelle, wo der Turm stand, soll die große Kastanie gepflanzt worden sein, die den Platz vor der Burg heute mit prägt. Ein Rest des Gebäudes blieb zurück, wurde im Anschluss als Gutshof genutzt, der durch Erbschaft an die Herren von Hertefeld übergegangen war. Mitglieder der Familie Gerdts waren Gutsverwalter auf der Burg. Deren bekanntester Vertreter war Anton Eberhard Gerdts, dem viele Ländereien gehörten. Er war auch von 1812 bis 1949 Bürgermeister der beiden Bürgermeistereien Weeze und Kervenheim. 

Seit 1898 gehörte dann ein Teil des Burggeländes der evangelischen Kirchengemeinde, der andere Teil war in Privatbesitz. Eine Renovierung der Kirche erfolgte im Jahre 1912. 

Im Zweiten Weltkrieg wurden die restlichen Gebäude dann schwer beschädigt. Heute ist nur noch der Nordflügel erhalten, der die evangelische Kirche beherbergt. In den 70er-Jahren wurden weitere Teile des Gutshofes abgerissen. Und am 28. September 1985 eröffnete die evangelische Kirche ihr neues Gemeindehaus, das im Stile der alten Remise errichtet wurde.

Seit 2009 ist die evangelische Kirche Eigentümer des kompletten Burggeländes. Seitdem stellt sie der Bevölkerung das Gelände für diverse Veranstaltungen zur Verfügung. Der renovierte Burgkeller kann für Vorträge, Lesungen oder kleine Feiern verwendet und seit 2013 neben dem Gewölbekeller auch der Gemeinderaum genutzt werden. 

Planungen für die Feierlichkeiten 2021 laufen

Man sei „der evangelischen Kirchengemeinde dankbar, dass vor der imposanten Burgkulisse solche Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt und die Kirmes hier ihre Heimat gefunden haben“, sagt der Kervenheimer Ortsvorsteher Martin Brandts. Er hofft wie alle, dass man die 750-Jahr-Feier dieses „gesellschaftlichen und emotionalen Mittelpunkts unserer Ortschaft“ mit Verspätung 2021 realisieren kann. Die offiziellen Feierlichkeiten zum Burgjubiläum sollen voraussichtlich am 12. Juni stattfinden. Angedacht ist ein Rockgottesdienst mit Bands. Ob es ein darüber hinausgehendes Begleitprogramm geben wird, konnte Jan van Zadelhoff von der evangelischen Kirchengemeinde Kervenheim noch nicht sagen. 

Bei Prozessionen ist er voll in seinem Element

Schon als Kind hatte Edmund Pitz-Paal besondere Freude an Umzügen und stellte Karnevalsumzüge oder kirchliche Prozessionen gerne mit Playmobil nach. Die Mutter ahnte früh, dass für dieses Kind mit Sinn für Prozessionen vielleicht mal ein ordnender Dienst bei der Kirche die richtige Aufgabe wäre. Noch heute sagt der Kirchenschweizer an Sankt Marien über sich: „Ich habe einfach Sinn und Feeling für Ordnung und Liturgie. Ich bin bei Prozessionen einfach in meinem Element.“ In diesem Jahr feiert Edmund Pitz-Paal in der Christmette sein 25-jähriges Wirken als Kirchenschweizer.

Als junger Mann hatte der gebürtige Münsteraner zunächst eine Ausbildung als Buchbinder absolviert, doch er stellte rasch fest, dass ihm der Küsterdienst einfach mehr lag. So wirkte er neben dem 10-jährigen Dienst als Ministrant im Dom zu Münster auch zwei Jahre ehrenamtlich als Küster der Dompfarrei mit. Einem fiel der junge Mann dabei einmal besonders auf: Pfarrer Richard Schulte Staade. Schulte Staade erkannte an Pitz-Paal den besonderen Sinn für Ordnung und Liturgie, sein brillantes Personen- und Namensgedächtnis und ließ ihn im Dezember 1990 probeweise als Küster in der Wallfahrtspfarrei beginnen. „Wenn es dir gefällt, bleib da“, sagte er. Noch heute ist Pitz-Paal dem langjährigen verdienten Pastor von Kevelaer zutiefst dankbar. „Er war mein Chef und Ziehvater. Er hat mich gefordert und gefördert; er hat mir aber nie zuviel zugemutet und mich in viele neue Aufgaben behutsam hineinwachsen lassen.“

Während der Christmette im Jahr 1995 wurde er auch als Kirchenschweizer eingeführt. Als Probelauf für sein Amt hatte er in jenem Jahr zum ersten Mal die Anordnung, den Weg und den zeitlichen Ablauf der Fronleichnamsprozession neu organisiert. Der Pastor sei begeistert gewesen und habe ihn sofort auch als Kirchenschweizer haben wollen. Seit dieser Zeit führt Edmund Pitz-Paal als Nachfolger von Heinrich Floet nun schon zweieinhalb Jahrzehnte alle großen Prozessionen und Umzüge der Wallfahrspfarrei an und ist damit sicherlich eine der meist fotografierten Personen im kirchlichen Bereich. Zunächst in der rot-schwarzen Tracht, die den Kirchenschweizern im Kölner Dom angeglichen ist, mit weißen Handschuhen, mit einem Prozessionsstab, den ein Bergkristall ziert, und seinem Birett. Unter Pastor Rolf Lohmann kam durch eine Stiftung der Firma Underberg eine komplette Prozessionsausrüstung in blau-schwarz dazu, die nun beide im Wechsel getragen werden.

„Kein Autofahrer hat bisher die Prozession gestört“

Bei Einzügen an hohen Tagen lädt er die Menschen meist auch zum Aufstehen ein. „Die Bischöfe stehen stellvertretend für Christus, dem die Ehre gebührt. Wenn ein US-Präsident oder die Queen kommt, steht man ja auch auf“, meint er. Besondere Freude macht es ihm, wenn er etwa bei der Wallfahrt von Kevelaer nach Kevelaer mit seinem Stab den Verkehr selbst regeln kann. „Die Ministranten sagen dann immer: Jetzt hält der Edmund wieder sein Laserschwert raus. Aber es hat immer geklappt: Kein Autofahrer hat bisher die Prozession gestört.“ Viele Prozessionen führt er auch für auswärtige Gruppen an, die ihn um diesen Dienst bitten. „Ich bin so auch schon in vielen Chroniken von niederländischen Prozessionen.“

Edmund Pitz-Paal im Ornat.

Öfter schon sprang Pitz-Paal einfach ein, als zur Begrüßung der verschiedenen Pilgergruppen kein Pastor da war und übernahm selbst. „Ist das etwa der Bischof?“, meinte ein älterer, sehschwacher Prälat schon mal über den Kirchenschweizer. 

Neben seinem Amt als Kirchenschweizer hat er auch als Küster viel Kontakt mit den Pilgern und ist im Lauf seiner 30-jährigen Küstertätigkeit schon ein richtiger Experte der Wallfahrt geworden. Pitz-Paal ist schon länger im Dienst der Wallfahrt als etwa Rainer Killich und hat vier Pastöre erlebt. Wer wo Bischof oder Weihbischof ist, das weiß Edmund Pitz-Paal ganz genau. Noch heute ist er der erste, der immer weiß, welche und wieviel Kardinäle, Bischöfe oder Weihbischöfe im jeweiligen Jahr in der Marienstadt waren. 

In seinem Doppelamt als Küster und Kirchenschweizer hat der 56-Jährige viele Höhepunkt der Wallfahrt erlebt. Gerne erinnert er sich etwa an die erste Nordwestdeutsche Ministrantenwallfahrt im August 2009 mit mehr als 10.000 Jugendlichen oder die Übertragung der Fernsehmesse unter Pastor Stefan Zekorn, die vorher viermal akribisch durchexerziert wurde. Bei der Marientracht erinnert er sich noch lebhaft daran, wie am Ende der Apostolische Nuntius nicht aufhörte zu predigen, trotz Sturm und Regen, und wie der Schrein mit dem Gnadenbild nur durch das beherzte Aufspringen und Eingreifen von Stefan Zekorn nicht weggerollt war. 

Auf die Schliche gekommen

Einmal half er auch mit, einen falschen Bischof zu entlarven. „Er kam mit komischer Montur; mir war er gleich suspekt und ich fand seinen Namen nicht im Päpstlichen Jahrbuch. Ich wusste so, dass es ihn nicht in echt gab und so haben wir ihn gemeinsam zur Strecke gebracht.“ Einmal kam er auch ganz schön ins Schwitzen, als ein älterer Kardinal aus Albanien verschlafen hatte und er ihn aus dem Bett holen musste: „Das viele Hin- und Herlaufen hat mich ganz schön in körperliche und seelische Wallung gebracht“, meint er lächelnd im Nachhinein. Aber sonst ist sein Doppeldienst als Küster und Kirchenschweizer meist ruhig und entspannend für ihn. 

In seiner Freizeit hat er übrigens ein besonderes Hobby: Er sammelt Autogramme von deutschen und ausländischen Bischöfen und von deutschen Politikern. Über 5000 hat er schon gesammelt und in Mappen verwahrt. Bischöfen kann er natürlich über seinen Dienst sehr gut und oft begegnen und verwahrt so neben ihren handschriftlichen Autogrammen viele persönliche Erinnerungen an einstige Begegnungen in Kevelaer. 

Eine Currywurstbude als Schnapsidee

„Eigentlich war es eine Schnapsidee. Ich sagte mir immer: Einmal im Leben eine eigene Currywurstbude, das wäre es! Nie hätte ich gedacht, dass es einmal 15 Jahre sein werden.“ Hartmut Peters von „Hacco‘s Grill“ auf dem Roermonder Platz kann auch zur Feier des 15-jährigen Betriebsbestehens nur lachen und den Kopf schütteln. Eigentlich hatte der gebürtige Kempener ja das Handwerk des Augenoptikers gelernt und jahrelang in diesem Beruf gearbeitet. Leider habe sich nach und nach das Berufsbild des Optikers geändert: Viel Handwerkliches sei weggefallen, oft blieb bis auf kleine Reparaturen nur noch Beratung und Verkauf übrig, was den leidenschaftlichen Handwerker dazu brachte, sich schließlich nach anderen Berufsmöglichkeiten umzuschauen.

In der Mittagspause ging Hartmut Peters oft mit Kollegen zum Essen zu einem Büdchen und sagte einmal spontan: „So eine Bude mache ich irgendwann auch.“ Als er dann in der Tageszeitung las: „Imbiss in Kevelaer aus Altersgründen in gute Hände abzugeben“, zögerte er nicht lange und nahm sofort Kontakt auf. Sechs Wochen lang arbeitete er Wochenende für Wochenende probeweise bei „Margrets Imbiss“, bis sich beide Seiten sicher waren. Erfahrung mit Kunden hatte er ja als Optiker genug und so sattelte er gerne um. So wurde aus „Margrets Imbiss“ schließlich „Hacco‘s Grill“. Gemeinsam mit Ehefrau Susanne steht Peters nun seit 15 Jahren bereit, um den Kunden „Currywust mit Pommes“ oder andere schnelle Köstlichkeiten anzubieten. Die Bude, die inzwischen 30 Jahre alt ist, wird jeden Tag komplett gereinigt und ausgewaschen und für Hartmut und Susanne steht fest, dass die Qualität stimmen muss: „Wir verkaufen nur das, was wir selber auch essen würden.“

Von Kempen nach Kevelaer

Am Anfang las Peters wochenlang alles über Kevelaer, was er finden konnte, um selber informiert zu sein und allen Kunden Rede und Antwort stehen zu können. Besonders stolz ist er darauf, dass sein Urgroßvater als Altarschnitzer und Vergolder in der Basilika mitgearbeitet hat. „Mit der Wahl für Kevelaer ging es für mich also ‚back to the roots‘“, lacht der wallfahrts- und stadtkundige Imbissbetreiber. Heute kennt er Kevelaer wie seine Westentasche und ist froh und glücklich, hier leben und arbeiten zu können. „Kevelaer ist die einzige Stadt am Niederrhein, die wir mit Kempen gerne getauscht haben“, ist er sich sicher. 

Der Imbiss auf dem Roermonder Platz ist Anlaufstelle für viele Stammkunden. Foto: DdB

Und so steht er, meist mit seiner Frau, von halb zehn Uhr morgens bis 20 Uhr am Abend sechs Tage die Woche an seinem Grill, bedient die Kunden, hört ihnen zu und hat für manche ein gutes Wort. Viel hat er an diesem Platz schon erlebt: Oft musste er mit seinem Verbandskasten ausrücken und Verletzte versorgen, rund 50 Fahrradschlösser hat er schon geknackt, wenn den Besitzern der Schlüssel gebrochen war oder verloren ging. Wohl 30 bis 40 mal hat er schon den Krankenwagen gerufen, wenn Menschen in Not waren, zehn oder 15 mal schon die Polizei, wenn ein Autofahrer wieder mal einen Poller mitnahm, aber er schnell noch das Autokennzeichen notiert hatte. Viele Lebensgeschichten auf dem Roermonder Platz hat er schon mitbekommen. Besonders schmerzt es ihn, wenn er hört, dass wieder ein treuer Stammkunde verstorben ist. Viele kamen regelmäßig zu ihm und ihr Wegbleiben fällt ihm rasch und schmerzlich auf. 

Am vergangenen Samstag, 12. Dezember, waren es genau 15 Jahre seit der Eröffnung. Den Entschluss, beruflich umzusatteln, hat „Hacco“ nie bereut. Zu dem Grundstücksinhaber Willi Gerats sei in all den Jahren eine richtige Freundschaft entstanden. „Ohne ihn wäre es wohl nie zu den 15 Jahren gekommen. Als wir vor elf Jahren kurzfristig unseren Standplatz vor REWE räumen mussten, hat er uns sofort seinen Standplatz angeboten und Lagerräume zur Verfügung gestellt. Er ist ein sehr fairer Vermieter und wie ein Vater für mich. Er war die ganze Imbisszeit immer für mich da“, freut er sich. Und Peters liebt es, auch selbst für die Kunden da zu sein. Aber da mit einer Sechstagewoche und einem guten Zehnstundentag die eigene Freizeit und Kontaktpflege oft litt, gönnt er sich nun neben dem freien Sonntag auch einen freien Montag.

Zur Feier des Jubiläums gab es neben einer besonderen Dekoration der Imbissbude auch ein Würfelgewinnspiel und ein kleines Weihnachtsgeschenk für jeden Kunden.