„Mach‘ das mal malbar“

Ulla Genzel hat eine Serie zur Wallfahrtsgeschichte ihrer Heimatstadt gemalt

Ulla Genzel vor dem fünften Bild ihrer in 2015 begonnenen Wallfahrtsserie, das sie 2018 fertigstellte. Foto: Nick

Bildergalerie und exklusives Angebot siehe auch „Kunst im KB“

Klar, die drei dicken Damen sind mal wieder mit von der Partie. Deutlich andächtiger diesmal. Denn sie können nicht nur frisch und fröhlich und frei daherkommen, wie auf vielen der anderen Bilder der Kevelaerer Malerin Ulla Genzel, sondern auch ganz schön fromm. Dem Anlass entsprechend eben und der ist im Grunde ein tief-religiöser: Ulla Genzel hat ihre kleine Bilder-Serie über die Entstehung der Kevelaerer Wallfahrt fertiggestellt.

2015 angefangen

Immerhin drei Jahre hat es gedauert, bis die fünf großformatigen Bilder fertig waren. Und vor und während des Schaffensprozesses hat sie eine Menge über die Zeit des Ursprungs der Kevelaerer Wallfahrt und das damalige Kevelaer recherchiert. Die Mühe hat sich in jedem Falle gelohnt: Das Niederrheinische Museum in der Wallfahrtsstadt habe schon Interesse an der Serie mit fünf Einzelbildern bekundet. Einzeln möchte die Künstlerin ihre Bilder ohnehin nicht verkaufen und ein Platz in der Dauerausstellung über die Wallfahrt könnte ihr wohl gefallen.

Derzeit sind die Bilder noch bis Anfang Januar im Winnekendonker Katharinenhaus zu sehen – neben zahlreichen anderen Bildern von Ulla Genzel. Claudia Püschel vom sozielen Dienst im Katharinenhaus ist begeistert, gerade auch von der Wallfahrts-Serie: Die Bewohner reagierten sehr positiv auf die Bilder, „weil sie vieles wiedererkennen“, sagt sie. Claudia Püschel war es übrigens auch, die Ulla Genzel 2014 zum ersten Mal die Möglichkeit einer öffentlichen Ausstellung verschaffte – in eben jenem Katharinenhaus, in dem sich die Bewohner heute wieder an den Bildern der Kevelaererin erfreuen.

Mechel und Hendrik

Den „Wiedererkennungswert“ aus der Zeit des Beginns der Kevelaer-Wallfahrt zu schaffen war für Genzel – inzwischen wohlbekannt für ihre niederrheinischen Landschaftsimpressionen und eben die drei lebensfrohen Damen, aber, wie so viele Kevelaerer nur leidlich vertraut mit der Wallfahrtsgeschichte ihres Heimatortes, – nicht ganz einfach. Ein Bild von Hendrik Busman, seiner Frau Mechel Schrouse, der Marienerscheinung oder dem kleinen Marienbildchen in der Hand holländischer Soldaten hat wohl jeder im Kopf – „aber mach‘ das mal malbar“, umreißt die Künstlerin die Aufgabe, die sie sich selber stellte. Wie sah Kevelaer damals aus? Wie die Menschen? Welche Kleidung trugen sie? Und nicht zuletzt: Wie war ihre Situation? Was dachten, erlitten, erhofften sie? All dies galt es zu recherchieren, zum Beispiel im historischen Roman „Jan Voss“, der auch den Anstoß für die Bilderserie gab, aber auch in alten Büchern, ebenso wie in offenen Internet-Nachschlageportalen.

Lebendige Wallfahrtsgeschichte

Ob und inwieweit dies ging und ihr in der Umsetzung gelungen ist, mag der Betrachter ihrer Bilder selbst entscheiden. Fest steht jedenfalls, dass sich ihre Bilder wohltuend farbig von historischen Schwarz-Weiß-Bildern und noch viel wohltuender von verstaubten Archiven abheben. Denn sie lassen die Wallfahrts-Geschichte der Stadt Kevelaer lebendig werden und bringen bei aller religiösen wie wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit mit ihrem implizierten Augenzwinkern und ihren fröhlichen Farben eine Seite der Kevelaerer Geschichte zum Vorschein, wie man sie sonst in Aufsätzen von Historikern oder zwischen den Deckeln von Geschichtsbüchern lange suchen muss – wenn man sie dort überhaupt findet.

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