Landwirte protestieren wieder

Monatelang ruhte – auch bedingt durch die Corona-Krise – der Protest der Landwirte. Gerade im letzten Viertel des Jahres 2019 sorgten mehrere Demonstrationen landes- und bundesweit für Schlagzeilen. Die Landwirte wehrten sich gegen die sich aus ihrer Sicht immer wieder ändernden EU-Regeln und gesetzlichen Vorgaben zur Bewirtschaftung oder auch gegen die die einseitige Schuldzuweisung, was die Auswirkungen ihrer Arbeit auf das Klima und die Umwelt betrifft: Die lose Bewegung „Land schafft Verbindung“ organisierte die Proteste. Jetzt flammt der Protest wieder auf – mit Treckerkorso in Richtung Bonn und Münster. „Wir erwarten 500 in Bonn – und über 1000 Landwirte in Münster“, erklärte vorab der Pressesprecher der LSV-NRW, der Winnekendonker Georg Biedemann.

Es fanden am Donnerstag, 28. Mai 2020, jeweils um elf Uhr Kundgebungen statt – einmal am Bundesumweltministerium in Bonn und an der Münsteraner SPD-Geschäftsstelle. Auch Bauern aus dem Kreis Kleve waren wieder mit von der Partie. Den Corona-Vorgaben geschuldet, durften die Landwirte ihre Fahrzeuge nach Erreichen des Ziels allerdings nicht verlassen. Die Debatten mit den politischen Gesprächspartnern wurden aber digital übertragen, so dass alle Teilnehmer die Gespräche mitbekamen.

Über die Zerschneidung der Landschaft

Was den Landwirten missfalle, seien die einseitigen Schlussfolgerungen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze aus dem jüngsten Bericht „Zur Lage der Natur“ , wo der Landwirtschaft die Hauptverantwortung für die Fehlentwicklungen in der Natur zugewiesen werde. „Denn tatsächlich ist die Zerschneidung der Landschaft und der Biotope durch Infrastrukturmaßnahmen wie auch durch Siedlungs- und Gewerbeflächen bis hin zur Umsetzung der Energiewende der Kern des Problems und keineswegs wie im Bericht dargestellt – eine untergeordnete Randerscheinung“, heißt es in einer Erklärung von „Land schafft Verbindung“ in NRW.

„Sicher tragen wir auch einen Teil der Schuld, weil wir in die Natur eingreifen, aber es sollten alle Ursachen beschrieben werden“, sagt Biedemann. „920.000 Quadratkilometer Flächen wurden versiegelt. 1,3 Millionen Quadratkilometer landwirtschaftliche Flächen sind verschwunden“, nennt er zwei wesentliche Aspekte. „Und die OW1 zerschneidet auch die Natur – es ist halt die Summe der Dinge“, wünscht sich Biedemann einfach mehr Ausgewogenheit in der Debatte. Als Landwirte habe man da nur die Möglichkeit einer „intelligenten Biodiversität“. Man könne Blühstreifen und Biotope gezielt auf Flächen anlegen. „Aber wir sind nicht bereit, uns als die beschimpfen zu lasen, die alleine für die Versäumnisse, für den Klima-, Umwelt- und Artenschutz verantwortlich sind. Das ist nur gemeinsam zu lösen.“

Jährlich werden laut „LSV-NRW“ bei vorsichtiger Schätzung mehr als 50 Millionen Euro über das System von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen etwa zum Kauf landwirtschaftlicher Flächen in NRW verwendet. Stimmten die Aussagen im Bericht zur Lage der Natur, würden diese Mittel hierzulande größtenteils wirkungslos verpuffen. „Statt fortlaufend eine Korrektur und Anpassung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsmethoden zu fordern, stünde es dem Bundesumweltministerium gut zu Gesicht, endlich die Hausaufgaben der verfehlten Naturschutzpolitik zu erledigen“, sagt „LSV-NRW“. Und auch Biedemann steht zu dem Konzept der NRW-Bauern, deren Motto einfach lautet: „Mehr Kooperation wagen!“.