Zweimal „Helden in Strumpfhosen“

Minuten vor dem Beginn der Veranstaltung merkte man Ricarda Corbach diesmal so etwas wie Nervosität an. „Ich habe vor zehn Jahren ,Peter Pan‘ selbst gespielt, das ist für mich eine persönliche Herzensangelegenheit“ , meinte die Leiterin der Theater-AG. „Beide Stücke sind top – wir haben versucht, die ,Helden in Strumpfhosen zu vereinigen’“, schwärmte sie von der Zusammenarbeit mit den gut 50 Jungen und Mädchen neben dem „normalen“ Unterricht seit Oktober, bevor es überhaupt losging. Wichtig war ihr aber, das gemeinsame Wirken mit der Referendarin Carmen de Jong deutlich zu machen – und das Bedauern darüber auszudrücken, dass der Kollege Alexander Refflinghaus im Zuge der Proben gesundheitsbedingt leider ausgefallen war.

Auch im Publikum waren die Zuschauer – zumeist Eltern, Großeltern oder Geschwister  –natürlich mindestens ebenso neugierig darauf, wie sich die kommenden gut zwei dreiviertel Stunden so entwickeln würden. Tom Löwenthal saß mit seiner Jacqueline in der vierten Reihe: „Unsere Rosa spielt ,Captain Hook‘ – wir sind gespannt“, sagte der Dirigent und konnte später stolz auf die Performance der Tochter sein. Und in der Pause gestand Natascha Meder, die ihre 12-jährige Tochter Sarafina als „Frau und Kind Rachel“ genau beobachtet hatte: „Man konnte sehen, wie sie im Kopf den Text durchgegangen ist.“

Das Bühnenbild war so konzipiert worden, dass es beiden Stücken genügen konnte, so dass das Publikum die Handlung in einer ständig mit neuen Requisiten und Details aufwartenden Szenerie betrachten konnte.

Zwei spannende Stücke

Der tapfere Robin Hood setzt sich gegen die Schergen des Sheriffs durch.

So erlebten die Zuschauer die bekannte, aber auch mit viel Humor erzählte Geschichte des Helden Robin Hood, der die Armen in Abwesenheit des Königs Richard Löwenherz gegen die Schergen des Sheriffs von Nottingham zu verteidigen sucht, und von der bösen Hexe (Merle Landwehr) und dem Sheriff mit einem Bogenschieß-Wettbewerb in eine Falle gelockt wird. Alles löst sich auf, als unvermittelt Richard Löwenherz die Situation bereinigt. Schön realistisch kamen die Dorfszenen rüber – und auch die Bösartigkeit des Sheriffs und seiner Bande, die dem Ärmsten noch das letzte Hemd ausziehen.

Alle waren sich da schon einig: Was die Kids bringen, das ist super. „Unsere Enkel waren ,Maid Marian‘ und ,Bruder Tuck‘ – ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte. Bei uns auf der Hauptschule gab es sowas nicht“, lobte Magnus van Oeffelt die Leistung „seiner“ Theaterkinder Amelie Faltermeier und Lotta Jakomin, die ihre Rollen selbstbewusst und mit Pfiff ausfüllten. Die beiden Sechstklässler nahmen mit ihren Mitschülern oben auf der Tribüne Platz, um dem zweiten Stück zuzusehen. „Ich hab mich auf die Rolle beworben, bin sehr zufrieden“, meinte die elfjährige Amelie. Und auch Paul Davies-Garner als „Sheriff, der nicht so wirklich bei der Sache ist“, wirkte nach seinem ersten Bühnenauftritt erleichtert. „Das war richtig spannend.“

Alles kommt zu einem guten Ende

Spannend wurde es dann auch für die Akteure des zweiten Stückes „Peter Pan“, wo die Geschichte des Jungen, der nie erwachsen werden möchte (stark: Ben Tissen), erzählt wurde, der seine Lieblingsfee Tinkerbell (Fionnula Mc Govern) im Kinderzimmer der Familie Darling findet. Als die älteste Tochter Wendy (Daniela Hödtke) sie entdeckt, will sie mit ihren Brüdern John und Michael mit ins „Nimmerland.“ Da treffen sie auf die „verlorenen Jungen“ und die befreundete Indianerin Tiger Lilly (Pia Trötschkes), die von Peter Pans größtem Widersacher Captain Hook (schön böse: Rosa Löwenthal) und dessen Schergen entführt, aufgrund einer List von Peter wieder freigelassen wird. Später entführt er mit Tinkerbells Hilfe die Kinder, doch auch sie werden befreit – und alles kommt zu einem guten Ende.

Volle Bühne im Bühnenhaus: Die Theater AG des KvGG zeigte gleich zwei Stücke.

Folgerichtig erklang „Ich bin ein Kind geblieben“ von Peter Maffay zum Abschluss des Stückes. Mit ihren Lehrern feierten die Kids gemeinsam auf der Bühne, begleitet von einem begeisterten Publikum – und einem Karl Hagedorn, der zum letzten Mal in seiner Funktion als Schulleiter das Vergnügen hatte, den Akteuren für das Dargebotene zu gratulieren.