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Schatorjé blickt in die Zukunft

Geräuschlos, supermodern und völlig anders als die gewohnten Linienbusse – so mag sich der ein oder andere einen vollelektrisch betriebenen Bus vorstellen. Hier am Niederrhein dürfte einem ein solches Gefährt tatsächlich eher selten begegnen, um sich eine Vorstellung von dieser modernen Form der Mobilität zu machen. Auf elektrisch betriebene Autos zumindest trifft der Punkt „geräuschlos“ ja bereits zu. Denn diese sind zuweilen kaum hörbar, wenn sie sich einem nähern. Bei dem E-Bus „eCitaro“ von Mercedes Benz sieht die Realität etwas anders aus. Als das Gefährt zur Testfahrt um die Ecke im Kevelaerer Industriegebiet bog, hörte man ihn sehr wohl kommen. Und hätte auf der äußeren Digitalanzeige nicht der Schriftzug „eCitaro“ geleuchtet, hätte man auch rein optisch meinen können, es handle sich um einen „gewöhnlichen“ Linienbus. Nach den ersten Eindrücken ging es mit den Unternehmensinhabern Thomas und Renate Schatorjé auf eine Testfahrt der Linie 53 nach Uedem.

„Es ist eine Art Kennenlernen“, sagt Thomas Schatorjé zu Beginn der Fahrt. Den E-Bus habe man in Mannheim auf einer Testfahrt bereits beäugen dürfen. „Den Kontakt hatten wir dann über unseren Verkäufer. Dadurch hat sich die Möglichkeit ergeben“, erklärt Renate Schatorjé, wie es zu der Testfahrt in Kevelaer gekommen ist. Den Bus hatte das Unternehmen nun einige Tage zur Verfügung.

Mehr Komfort beim Beschleunigen

Für Thomas Schatorjé ist das Modell vor allem aufgrund des Umweltfaktors interessant. Ansonsten biete der E-Bus keine überragenden Vorteile gegenüber den herkömmlichen Modellen. Er sei jedoch etwas schneller und leiser in der Beschleunigung. Das wurde auch bei der Testfahrt deutlich. Hört man im fließenden Verkehr keinen großen Unterschied in der Lautstärke (unter anderem verursacht durch den Betrieb der Klimaanlage) ist er beim Beschleunigen in der Tat leiser und – was für regelmäßige Busfahrer einen wesentlich höheren Komfort bieten dürfte – das „Ruckeln“ beim Beschleunigen fällt weg. Denn dank des elek­trischen Betriebes gibt es keine Schaltung, die im Normalfall dafür sorgt, dass es beim Beschleunigen Dämpfer in der Geschwindigkeit gibt. Mit einer Reichweite von ca. 200 Kilometer pro Akkuladung erweist sich das Modell für den Linienverkehr des Unternehmens durchaus als geeignet.

Dennoch sind sich Renate und Thomas Schatorjé einig: Der E-Bus wird vorerst nicht in den Fuhrpark des Reiseunternehmens einziehen. „Wir stellen uns vor, dass es in Zukunft kommen wird. Der Bedarf besteht bei uns aber noch nicht in dem Maße“, sagt Thomas Schatorjé und nimmt damit Bezug auf die Gegebenheiten der Region. Außerdem hinge an der Einführung der E-Mobilität im Unternehmen weitaus mehr Logistik. „Wir hätten im Moment auch noch nicht die Lade-Infrastruktur“, erklärt der Unternehmer. Er lasse sich zwar immer mehr von den Entwicklungen im Bereich E-Mobilität überzeugen, ein paar Wermutstropfen gibt es allerdings. Die Akkus halten circa acht Jahre und seien eine kostspielige Angelegenheit, sagt Thomas Schatorjé. „Sie verlieren im Laufe der Zeit an Reichweite.“ Je nach Laufzeit einer Akkuladung muss dann natürlich die Fahrt organisiert werden. Eigentlich, so Schatorjé, sei der Bus noch besser für Fahrten in Gebirgs-Gegenden geeignet. Denn bei der Abfahrt werde ein Ladeprozess in den Akkus in Gang gesetzt. Hier am flachen Niederrhein kann man von diesem Ablauf wohl eher nicht profitieren.

Eine Überlegung für die Zukunft

Der E-Bus würde das Unternehmen in der Anschaffung ca. 200.000 Euro mehr kosten als die aktuellen Busse. Ob man mit seinem Einsatz auf lange Sicht sparen könnte? „Wir können den Schritt im Moment nicht gehen, um Kosten einzusparen“, sind die klaren Worte des Unternehmensinhabers. Er möchte gemeinsam mit seiner Frau die Entwicklungen in Sachen E-Mobilität weiter beobachten und zeigt sich zuversichtlich, dass diese irgendwann auch bei ihnen Einzug erhalten wird.

Busfahrer Michael Lousee jedenfalls, der den „eCitaro“ bei Schatorjé in den vergangenen Tagen testen durfte, ist zufrieden. Es sei ein etwas anderes Fahrverhalten, aber sehr angenehm. „Der macht Spaß“, findet der freundliche Busfahrer klare Worte.

Am Airport Weeze starten wieder Flieger

Der Flugbetrieb nimmt nach und nach wieder Fahrt auf am Airport Weeze. Nach 90 Tagen Corona-bedingtem Stillstand startet am kommenden Sonntag, 21. Juni 2020, erstmals wieder ein Ryanair–Linienflug vom niederrheinischen Flughafen. Ab dem 2. Juli 2020 wird das Flugprogramm dann pünktlich zum Start der Sommerurlaubssaison deutlich zunehmen. Nach den vorliegenden Plänen der Ryanair und der Corendon Airlines, stehen dann 26 Ziele im Weeze-Flugplan. 54 Flüge werden dann in jeder Woche ab Weeze starten. Das entspreche etwa 50 Prozent der Flugkapazität des vergangenen Sommers, berichten die Verantwortlichen des Airports.

Der Erstflug der Corendon Airlines vom Airport Weeze nach Antalya ist am 27. Juni 2020 vorgesehen. Die Fortsetzung der neuen Verbindung, die zweimal wöchentlich angeboten wird, ist ab dem 15. Juli 2020 geplant. Reisen zu außereuropäischen Zielen stehen nach Informationen des Auswärtigen Amts noch unter Vorbehalt. Das betrifft aktuell auch die geplanten Ryanair-Verbindungen zu sechs marokkanischen Zielflughäfen. Die Gastgeber in den spanischen Urlaubsregionen von Valencia, Alicante, Girona, Mallorca oder Ibiza können sich aber schon jetzt auf zahlreiche Urlaubsgäste vom Niederrhein und den angrenzenden Niederlanden vorbereiten. Auch Griechenland und Italien zählen zu den Ländern, die ohne Einschränkungen bereist werden können.

Maskenpflicht und Desinfektionsspender

Der Flughafen hat bereits Vorbereitungen getroffen. Mit großformatigen Plakaten und Piktogrammen zur Maskenpflicht, zur Hygiene und zum Abstand werden Fluggäste und Besucher auf die neuen Verhaltensregeln am Airport hingewiesen. Die Gesundheitsschutzmaßnahmen für Fluggäste, Besucher und die Beschäftigten umfassen die Pflicht zur Mund-Nase-Bedeckung (Maskenpflicht), Desinfektionsspender in den Zugangsbereichen und deutlich markierte Distanzzonen. In Servicebereichen wie Check In-Schalter, Bordkartenkontrolle und Flughafeninformation wurden Glaselemente als Hygieneschutz installiert.

Ludger van Bebber, Geschäftsführer des Flughafens, erklärt: „Die vergangenen drei Monate waren für alle Flughafen-Mitarbeiter eine große Herausforderung. Für viele war diese Phase mit Einschränkungen, auch im persönlichen Umfeld, verbunden. Für die Geduld und Zuversicht, die sie in dieser Zeit gezeigt haben, möchte ich mich bei unseren Teams ausdrücklich bedanken. Ich freue mich, dass wir jetzt wieder gemeinsam an die Arbeit gehen können.“

Covid-19 durchkreuzte ihre Reisepläne

Nach sechs Ländern in sechs Monaten ging es für die Winnekendonkerin Ronja Velder zurück nach Hause. Geplant war mindestens ein Jahr Work-and-Travel durch Asien, doch Corona machte ihr einen Strich durch die Rechnung.

Eigentlich wollte die 19-Jährige noch für einige Wochen in Korea bleiben, nachdem sie bereits in Thailand, Vietnam, Indonesien, Indien und Malaysia war. Als nächstes Land stand Japan auf der Liste, doch ihr beantragtes Working-holiday-Visum wurde abgelehnt und da sie kein Arbeitsvisum hatte, entschloss sie sich, ihre Rückreise nach Winnekendonk anzutreten.

Im vergangenen Oktober begann ihre Reise, die sie schon seit Langem für die Zeit nach dem Abitur geplant hatte. Ein genaues Ziel hatte sie dabei nicht vor Augen. Sie entschied immer spontan, wie es weiter gehen sollte. „Alles, was ich hatte, war mein Flugticket nach Bangkok“, erzählt Velder lachend. Sie wollte einfach frei entscheiden, auf welches Land sie gerade Lust hatte.

Deshalb fuhr sie auch alleine. Ohne Organisation und Begleitung machte sie sich auf den Weg, um Asien zu entdecken. Gespart hatte sie schon lange dafür. „Ich spare schon mein Leben lang, um mir solche Erfahrungen ermöglichen zu können“, sagt die 19-Jährige. Ansonsten finanzierte Velder sich vieles über Online-Jobs zum designen verschiedener Layouts oder arbeitete zum Beispiel in einer Grundschule, um mit koreanischen Kindern Englisch zu lernen.

Obwohl sie eigentlich alleine reiste, traf sie auf viele andere Reisende – aus Russland, den USA oder sämtlichen europäischen Ländern. „Die meisten waren zwischen 25 und 35 Jahre alt, nur sehr wenig Leute sind direkt nach dem Abitur verreist“, sagt Velder. Es sei schön gewesen so viele unterschiedliche Leute kennenzulernen. Jeder hatte seine eigene Geschichte und habe sie auf eine andere Art und Weise geprägt.

Fast keine deutschen Reisenden getroffen

Auf Bali traf sie dann spontan eine ehemalige Mitschülerin. Zusammen sind sie auf einen Berg gewandert und haben einige Abenteuer erlebt. „Ich war froh, endlich wieder Deutsch sprechen zu können“, gibt Velder lachend zu. Bis auf einige Ausnahmen habe sie nämlich fast keine deutschen Reisenden getroffen.

Als sie zuletzt in Korea war, verbrachte sie ihre Zeit mit drei deutschen Jugendlichen. Doch aufgrund der Krise habe es einfach keinen Sinn mehr ergeben, in Korea zu bleiben. „Dann bin ich lieber freiwillig nach Hause gefahren, anstatt unnötig in Asien zu bleiben.“ In Asien sei ihr Corona nicht so „extrem“ vorgekommen wie in Deutschland. Über Freunde und Familie wurde ihr von der Katastrophen-ähnlichen Situation in der Heimat erzählt.

Von fehlendem Toilettenpapier und Hamstereinkäufen sei in Korea jedoch nichts zu spüren gewesen. Im Gegenteil: Die Situation habe sich fast normal angefühlt. Dort sei es Teil der Kultur, dass alle mit Maske ihren Alltag bestreiten. Das öffentliche Leben sei kaum eingeschränkt gewesen. Beim Betreten von Gebäuden sei Fieber gemessen worden, um mögliche Corona-Infizierte zu erkennen.

Zuletzt auf dem Rückweg war Covid-19 dann doch sehr präsent für die 19-Jährige. Bevor sie heimkehren konnte, musste sie einen Antrag in Deutschland stellen, um über ihre geplante Einreise zu informieren. Den Rückflug verbrachte sie mit Mund-Nase-Maske, wie jeder in dem Flugzeug. Zu Hause angekommen bekam Velder einen Brief von der Kreisverwaltung Kleve, dass sie nach ihrer Ankunft zwei Wochen in Quarantäne verbringen müsse. Trotz ihres vorzeitigen Reiseabbruchs ist die Kevelaererin positiv gestimmt. „Ich habe noch eine Menge Reisepläne und Länder, die ich besuchen möchte“, erzählt sie.

Dennoch plant sie jetzt, eine Ausbildung zu machen und vorerst in Winnekendonk zu bleiben. Wie genau es weitergeht, weiß sie noch nicht. Aber sie ist sich sicher, dass sie das Reisen nicht aufgeben wird.

Sie blicken positiv in die Zukunft

Bereits vor einigen Wochen merkten Renate und Thomas Schatorjé in ihrem Kevelaerer Reiseunternehmen einen Corona-bedingten Buchungsrückgang. Anfang März dann kam der Betrieb zum Erliegen und der Arbeitsalltag besteht seitdem vor allem aus dem Bearbeiten von Stornierungen. Nachdem immer mehr Länder mit der Zeit ihre Grenzen geschlossen haben, gilt nun seit dem 3. April eine weltweite Reisewarnung. „Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Ausland wird bis mindestens Ende April 2020 gewarnt, da mit starken und weiter zunehmenden drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen ist“, heißt es von Seiten des Auswärtigen Amtes. Wir haben nachgefragt, wie es Kevelaerer Reiseunternehmen in der aktuellen Situation ergeht.

Die Inhaber der Firma „Schatorjé Reisen“ hatten im März drei große Reisen nach Italien geplant, die natürlich alle storniert werden mussten. „Eigentlich kamen alle Gäste, die gebucht hatten, und wollten nirgendwo mehr hin“, erinnert sich Renate Schatorjé an den Beginn der Auswirkungen. Auch der Verkehr der Schulbusse sowie der Gelegenheitsverkehr fallen weg. Die Reisen sind vorerst bis nach den Osterferien gecancelt, teilweise auch darüber hinaus. Das Ehepaar geht jedoch davon aus, dass das Busreiseverbot auch über den 19. April hinaus bestehen bleibt.

Das Team hält auch in der Krise zusammen

Das Tagesgeschäft besteht für die Unternehmer aktuell darin, Stornierungen zu bearbeiten, die Entwicklungen im Blick zu halten und die Planungen für die Zeit nach der Coronakrise fortzusetzen. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit zu Hause. Denn wenn die Busse stillstehen, keine Buchungen anstehen, Reisen ausfallen und der Kundenverkehr eingestellt ist, gibt es nicht genug zu tun. „Wir haben mit den Mitarbeitern die Situation schnell kommuniziert. Die stehen alle hinter uns“, zeigt sich Thomas Schatorjé dankbar für das Verständnis der Angestellten. Man wolle alle Fahrer halten – und nach der Krise das Team noch erweitern. „Das Soforthilfeprogramm haben wir noch nicht beantragt, wollen das aber nächsten Monat machen“, sagt Thomas Schatorjé.

Im Gespräch mit dem Unternehmerpaar wird schnell deutlich: Es tut ihnen leid, viele Reisen absagen zu müssen, der Blick in die Zukunft ist trotzdem optimistisch. „Die Auswirkungen sind bei uns im Unternehmen aktuell noch nicht zu erkennen. Wir geben jetzt nicht auf, das wird schon alles wieder gut werden“, sagt Renate Schatorjé. „Ich habe keine Sorge, dass wir es nicht schaffen werden“, fügt ihr Mann hinzu. Dennoch weiß er: „Der Tourismus leidet unter der Coronakrise exorbitant stark. Die Umsätze sind unwiederbringlich.“ Denn zum einen sei es unklar, wer nach der Krise finanziell überhaupt in der Lage ist zu reisen, und es gebe keinen Nachhol-Effekt. Wer in diesem Jahr seinen großen Sommerurlaub stornieren musste, wird vermutlich im kommenden Jahr nicht gleich zwei ausgiebige große Reisen machen.

Dennoch hätten bereits einige Kunden mit abgesagten Reisen umgebucht oder die Gutschein-Lösung genutzt. „Die Kunden halten uns schon die Treue“, berichtet Renate Schatorjé dankbar. Nichtsdestotrotz: „Das tut schon weh, so viele Reisen abzusagen, die gut gebucht waren.“ Für diese Reisen bekommen die Kunden des Unternehmens ihr Geld zurück. Die Gutscheinlösung, die sich aktuell in Gesprächen befindet, „werden wir sehr wahrscheinlich nicht umsetzen“, erklärt Thomas Schatorjé. „Wir sind uns auch sicher: Nach der Krise wollen die Leute raus“, blickt Renate Schatorjé in die Zukunft. „Die Reiselust kommt wieder, wenn die Angst verschwunden ist“, fügt ihr Mann hinzu.

Sandra Jacobs ist die Inhaberin des TUI Reisecenters in Kevelaer. Foto: privat

Auch Sandra Jacobs als Inhaberin des TUI Reisecenters in Kevelaer blickt positiv in die Zukunft. „Ich hoffe immer noch, dass das alles in 2 / 3 Monaten vorbei ist.“ Stornierungen stehen auch in ihrem Unternehmen aktuell auf dem Tagesplan. Neue Buchungen kommen schon lange keine mehr rein. „Die Kunden machen sich über kurzfristige, aber auch über langfristige Reisen Sorgen“, erklärt Jacobs. „Bei den Sommerferien hoffe ich auch, dass die ganz normal durchgeführt werden, in welcher Form auch immer.“ Wie es für ihre Kunden weitergeht, deren Reise abgesagt wurde, weiß sie noch nicht genau. „Wir sind auch nicht unbedingt für die Guthabenregelung“, da es für viele Kunden nicht unbedingt möglich sei, zu einem anderen Zeitpunkt zu reisen. Welche Regelung es letztendlich für stornierte Reisen gebe, müsse man abwarten. Auch Jacobs setzt auf die Treue ihrer Kunden. „Viele Kunden schauen schon aufs nächste Jahr. Eigentlich ist es so, dass die Reisenden positiv sind. Auf jeden Fall ist die Reiselust immer noch da.“

Keine Pluszahlungen mehr seit Mitte März

Ihre Mitarbeiter musste Jacobs in Kurzarbeit entlassen. Die laufenden Kosten seien aktuell nicht die größte Sorge. Wenn im Nachhinein Rückforderungen anstehen würden, dann sehe es „böse aus“. „Seit Mitte März kommt keine einzige Pluszahlung mehr auf mein Konto“, sagt Jacobs. Dabei bekomme sie eine große Unterstützung von ihrer Vermieterin der Geschäftsräume. „Sie hat die Miete auf ein absolutes Minimum reduziert. Da bin ich ihr sehr dankbar für.“ Die möglichen Zuschüsse habe sie bereits beantragt. „Wir hoffen einfach mal, dass wir irgendwie durchhalten. Es wird auch gehen. Ich bin da positiv.“

Sandra Jacobs, die am vergangenen Samstag ihre Quarantäne beenden durfte, nachdem sie selbst positiv auf das Coronavirus getestet wurde, hofft darauf, dass nach der Krise zumindest kleine Reisen für die Leute interessant sind. Denn es müsse nicht immer die große Kreuzfahrt sein. Auch kurze Reisen in die Nachbarländer stehen bei ihr auf dem Programm. Doch wann es überhaupt wieder möglich sein wird, zu reisen, ist ungewiss. „Man muss abwarten“, sagt die Unternehmerin. „Ich halte solange es irgendwie geht durch. Das ist mein Job, den ich liebe. Wir schaffen das. Ich hoffe, dass wir bald wieder für unsere Kunden da sein dürfen.“

Gudrun Schiffer betreibt seit drei Jahren ihr eigenes Reisebüro. Foto: privat

Gudrun Schiffer, die seit drei Jahren mit ihrem Reisebüro Schiffer „Hin & weg“ in Kevelaer selbstständig ist, kann noch nicht absehen, ob ihr Unternehmen die Krise überstehen wird. „Ich bin im Aufbau. Ich habe schon einen guten Kundenstamm eigentlich, auf den ich dann später auch wieder setzen würde“, hofft auch sie auf die Treue der Kunden. Auch Schiffer musste geplante Reisen stornieren. „Ich bin in Vorkasse getreten und habe Arbeit investiert. Das kommt nicht wieder“, macht die Unternehmerin deutlich. „Das war schon eine Schlappe. Die bringen mich an den Rand der Existenz.“ Mögliche Fördergelder wird auch sie beantragen und abwarten, ob es eine Unterstützung geben wird.

Hoffnung auf Reisen innerhalb Deutschlands

„Es ist ein Stillhalten. Abwarten und Tee trinken“, muss auch Schiffer einen langen Atem beweisen. Dass sie ohnehin von zu Hause aus arbeitet und noch keine Mitarbeiter beschäftigt, kommt ihr in der aktuellen Situation zugute. Denn vor allem mit einem Unternehmen im Aufbau seien die Entwicklungen für sie „eine Katastrophe. Vom Finanziellen her ist es ein Genickbruch.“ Selbst wenn die Erlaubnis wieder da ist, sei es ungewiss, ob die Leute wieder reisen. „Jetzt muss jeder Haushalt gucken: Kann ich es mir erlauben?“ Schiffer setzt ihre Hoffnungen vorerst auch in Inlandsreisen. „Innerhalb Deutschlands kann relativ schnell wieder was passieren“, erwartet die Kevelaererin. In anderen Zielländern seien die Umstände dagegen unübersichtlich.

Ebenso wie Renate und Thomas Schatorjé sowie Sandra Jacobs blickt auch Gudrun Schiffer aktuell positiv auf das, was kommt. „Ich werfe nicht die Flinte ins Korn. Ich glaube, ich gehöre auch nicht zu denen, die so schwarz sehen. Ich sehe es realistisch. Es wird dauern.“ Die Kunden hätten bereits signalisiert, dass sie ihre stornierten Reisen nachholen möchten, sobald die Situation es zulässt. „Wir müssen gucken, was noch geht und wie es geht. Ich warte ab.“

Amerikareise lief anders als geplant

Entspannen am Strand, Unternehmungen mit Freunden und den Springbreak mal miterleben – so hatte sich Anna Ophey ihre zehntägige Reise nach Amerika mit Freunden vorgestellt. Plötzlich geräumte Strände, geschlossene Bars und keine Springbreak-Partys waren am Ende die Realität. „Wir wussten, dass Reisen nicht so einfach ist zurzeit“, blickt die Kevelaererin zurück und räumt ein, dass sich die sechsköpfige Reisegruppe am 11. März 2020 bezüglich des Coronavirus noch keine großen Sorgen um das Reisen in die Staaten gemacht habe. Am 12. März 2020 dann, kurz nach Ankunft in Amerika, verkündeten die Medien: USA erlassen Einreisestopp aus Europa. Anna Ophey berichtet von der Situation vor Ort und dem „Schock“, den sie bei der Ankunft in Deutschland erlebte.

„Die Leute hatten keine Panik. Die waren trotzdem auf den Straßen. Da waren wir noch gar nicht so besorgt“, sagt Ophey. „In Fort Myers die Situation war so surreal. Alle saßen dicht an den Stränden in der Sonne. Es war so ziemlich jedem egal“, beschreibt die 24-Jährige die Situation vor Ort, wie sie bei uns in Deutschland zu diesem Zeitpunkt bereits undenkbar gewesen wäre. Die Berichte aus Deutschland schienen der Urlauberin in diesem Moment „unwirklich“. „Wir haben auf Social Media die leeren Straßen gesehen. Das war das Gegenteil von dem, was wir in Miami erlebt haben. Es war ein Schock zu hören, was zu Hause abgeht.“

Die Schalter der Flughafenhalle in den USA war leer.

Derweil schlossen in den USA nach und nach die Geschäfte. Gegen Ende des Aufenthalts seien dann die Strände geräumt, Bars und auch Banken geschlossen worden, erzählt Ophey, die mit ihren Freunden versuchte, sich nicht in größeren Menschenmengen aufzuhalten. „Als es losging, war es echt ein komisches Gefühl“, berichtet die 24-Jährige vom Beginn der Corona-Maßnahmen in den USA.

Sich der vorherrschenden Situation in Deutschland bewusst, verbrachte die Gruppe viel Zeit damit, sich um die Rückreise zu kümmern. Dass sie letztendlich wie geplant am 21. März zurückfliegen konnten, da ging keiner mehr unbedingt von aus. „Die Flüge wurden abgesagt, hin und her geschoben und verlegt. Man wurde selber nicht benachrichtigt“, bemängelt Ophey die mangelnde Kommunikation der Fluggesellschaft mit den Passagieren. Es sei schwierig gewesen, überhaupt herauszufinden, wie es um die gebuchten Flüge steht. „Es war ein riesiges Hin und Her. Dann wurde uns ein Flug am 1. Mai angeboten.“ Sieben Wochen in Miami – unter den gegebenen Umständen für die Reisenden aus Deutschland gar keine schöne Vorstellung.

Abgeschottet von daheim

Da Ophey und ihre Freunde nicht über einen Reiseveranstalter gebucht hatten, gab es keinen konkreten Ansprechpartner vor Ort. Die Hotline ihrer Fluggesellschaft „SAS“ sei nicht erreichbar gewesen. „Dadurch hatten wir total das Gefühl, dort festzusitzen“, erzählt die Kevelaererin, die aktuell in Düsseldorf wohnt. Durch die Medien und Telefonate mit Verwandten wurde den Urlaubern auch die Situation in der Heimat immer deutlicher. „Ich glaube, die haben echt Panik in Deutschland“, seien ihre Gedanken gewesen, sagt Ophey. In Miami habe sie sich gefühlt wie in einer kleinen Blase – abgeschottet von den drastischen Entwicklungen daheim.

Über das Krisenmanagement haben Ophey und ihre Freunde schließlich die Möglichkeit eines Rückfluges am 21. März bekommen. „Die haben uns angerufen und dann mussten wir schon zum Flughafen“, berichtet die 24-Jährige. Am Flughafen folgte der vergebliche Versuch, eine verantwortliche Person der Fluggesellschaft bezüglich einer Erstattung des Fluges zu sprechen. Dort seien jedoch sämtliche Flüge der SAS von den Tafeln verschwunden und auch kein Mitarbeiter aufzufinden gewesen. Bis jetzt – über die Hotline konnten sie nach wie vor niemanden erreichen – haben die Urlauber keine Informationen über eine mögliche Erstattung oder ähnliches erhalten.

Der Großteil der Flüge wurde annulliert.

Am Flughafen in Miami sei die Situation verrückt gewesen, sagt Ophey. „Alle liefen mit Atemmasken rum. In Frankfurt angekommen, war alles normal.“ Es habe nicht einmal Kontrollen in Form von Fiebermessen oder Wärmebildkameras gegeben. Die Reise von Frankfurt in die Heimat zeigte ihr dann aber doch recht schnell, welche Auswirkungen das Coronavirus mit sich bringt. Die Menschen seien alle angespannt gewesen, erzählt Ophey von ihren Eindrücken. „Jemand hustet und die Leute haben sich umgedreht und sind weggegangen.“ An das alles habe sie sich erst einmal gewöhnen müssen. „Jeder, dem du begegnest, hält den Abstand.“

Die Situation realisieren

Von überfüllten Stränden, an denen die Leute dicht an dicht lagen, zurück nach Deutschland zu kommen, war ein Schock für die 24-Jährige. An die Auflagen bezüglich des Abstandes habe man anfangs oft einfach nicht gedacht. „Die Leute haben einen blöd angeguckt, wenn man denen zu nahe gekommen ist.“ Die Notwendigkeit der Maßnahmen erachtet auch die Kevelaererin als sinnvoll – in den ersten Momenten nach der Ankunft in Deutschland sei das aber alles viel auf einmal gewesen, „dass sich so viel verändert hat in zehn Tagen hier in Deutschland.“

Aktuell befindet sich Ophey mit ihrem Partner in häuslicher Quarantäne. Nach der Ankunft hat sich das Paar bei der Hotline des Uniklinikums in Düsseldorf informiert und befolgt nun den Hinweis, dass man sich nach einer solchen Reise möglichst vorerst zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben solle. Erholung war die Reise für die Kevelaererin nicht. „Das war gar kein Urlaub“, weil sich die Gedanken fast immer um das Coronavirus, die Rückreise und Sorgen zur aktuellen Situation drehten. Vergessen wird Anna Ophey diese Reise sicher nicht. „Ich fand‘s mit meinen Freunden trotzdem schön. Aber es war kein Urlaub, den ich nochmal erleben möchte.“

Neue Ziele am Airport Weeze

Vor einer großen Runde interessierter Experten aus niederrheinischen Reiseagenturen stellte sich jetzt das Team von Corendon Airlines am Flughafen Weeze vor. Yildiray Karaer, Chef von Corendon Airlines, war mit seinem Management-Team und Mitarbeitern aus Antalya angereist. Angeregt diskutierten er und seine Kollegen mit den Reisebüro-Mitarbeitern und beantwortete viele Fragen zu den neuen Verbindungen oder zu aktuellen Entwicklungen in der Branche. Denn mit Corendon Airlines erhalten die Fluggäste künftig die Möglichkeit, weitere Ziele von Weeze aus anzufliegen.

Ab Juni 2020 werden die griechischen Inseln Kreta (Heraklion) und Rhodos von Weeze aus von Corendon Airlines angeflogen. Ein wöchentliches Ziel wird außerdem Hurghada sein, das Ferienparadies am Roten Meer. Darüber hinaus verbindet Corendon Airlines den Airport Weeze ab dem 13. Juni 2020 zwei Mal wöchentlich mit Antalya, dem Urlaubsziel an der türkischen Mittelmeerküste. Auf allen Routen fliegt eine Boeing 737-800 mit 189 Sitzplätzen. Flugtickets zu den neuen Reisezielen können ab sofort im Reisebüro und auch online gebucht werden. Namhafte Reiseveranstalter bieten die Pauschalreisen mit den Corendon-Flügen ab Weeze an.

Positive Resonanz

Thomas Braun, Deutschland-Manager von Corendon Airlines, ist begeistert vom niederrheinischen Publikum: „Wir haben viel positive Resonanz von den Reiseagenturen aus der Region bekommen. Sie engagieren sich und freuen sich, dass wir als Charterfluggesellschaft ihre Gäste von Weeze aus in den Urlaub bringen.“ Braun hofft zusätzlich auch auf zahlreiche Gäste aus der niederländischen Nachbarschaft. Denn schließlich ist Corendon Airlines eine internationale Fluggesellschaft mit niederländisch-türkischen Wurzeln, die ihren Sitz aktuell in Antalya, Amsterdam und Malta hat.

Urlaub von A bis Z mit „Schatorjé Reisen“

Vier Flugreisen begleitet „Schatorjé Reisen“ jährlich vom Airport Weeze aus. Unter dem Motto „Gemeinsam die Welt entdecken“ geht es in diesem Jahr nach Ibiza, Estland, Apulien und Emilia Romagna. Vor fünf Jahren ging das Projekt gemeinsam mit dem Airport Weeze an den Start und in diesem Jahr nutzt das Reiseunternehmen den Airport-Tag am 9. Februar 2020, um den Besuchern ihr Pauschalreise-Angebot vorzustellen und vielleicht den ein oder anderen für ein Reiseziel zu begeistern.

„Gemeinsam erleben“ stehe bei all den Reisen im Mittelpunkt, erklärt Renate Schatorjé, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Mann Thomas Schatorjé leitet. In der Regel bestehe eine Reisegruppe einer solchen Pauschalreise aus 20 bis 30 Personen, die von einem Teammitglied des Unternehmens eng begleitet werden. Vom Online-Check-In über den Shuttle-Service bis hin zum Essen im Hotel und verschiedenen Aktivitäten stehe den Reisenden stets ein Begleiter des Unternehmens zur Seite, sagt Christina Koppers vom Schatorjé-Team. Man gebe den Urlaubern während der Reise Hilfestellungen an die Hand, es stehe aber jedem frei, seine Freizeit individuell zu gestalten. „Sorgenfrei fliegen mit einem Rundum-Sorglos-Paket“ – das wolle man den Reisenden ermöglichen, erklärt Koppers.

Jährlich wechselnde Reiseziele 

Und genau diese „Rundum-Sorglos-Pakete“ möchte das Unternehmen am Airport-Tag in Weeze vorstellen. Neben Referenten, die über die einzelnen Reiseziele erzählen werden, stehen die Mitarbeiter von Schatorjé an diesem Tag für Fragen und Beratungen zur Verfügung. Ein buntes Rahmenprogramm mit Flughafen-Führung, Kaffee, Kuchen und viel Urlaubs-Feeling möchten die Verantwortlichen des Flughafens und Schatorjé den Besuchern bieten. Es solle keine reine Verkaufsveranstaltung werden, betonen Renate Schatorjé und Christina Koppers. Man wolle die Besucher über die jährlich wechselnden Reiseziele informieren und zum Reisen motivieren. Auch wenn das Angebot in den vergangenen Jahren bereits gut angenommen worden ist, sei die Veranstaltung am Airport eine gute Möglichkeit, noch mehr Reisende auf das Angebot aufmerksam zu machen.

Bei ihren Reisen sollen die Urlauber „Land und Leute kennenlernen“, ohne sich um die Organisation sorgen zu müssen, sagt Koppers. „Kopf aus und Urlaub genießen“ laute da das Motto. Das gelte für alle ihre Reisen, betont Renate Schatorjé. Eine solche Pauschalreise sei einfach „eine komfortable Art zu Reisen“ und erfahrungsgemäß „lustig und gesellig.“

Wer sich für eine Pauschalreise interessiert, der hat die Möglichkeit zur Beratung und zur Buchung direkt bei Schatorjé. Für Unentschlossene gibt es dann am Sonntag, 9. Februar 2020, ab 15.30 Uhr die Möglichkeit, sich beim Airport-Tag in Weeze über die einzelnen Reiseziele zu informieren. Der Eintritt beträgt 10 Euro pro Person. Eine Anmeldung ist möglich bei Schatorjé unter Tel. 02832-97710, per E-Mail unter reisen@schatorje.de und im Reisebüro Jean Schatorjé auf der Hauptstraße 39 in Kevelaer.

Sprachlicher und kultureller Zugewinn

46 Schülerinnen und Schüler des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums nahmen an den zwei Austauschprogrammen der Schule im September und Oktober 2019 teil. Eine Gruppe (9., 10. Klasse und EF) besuchte vom 23. bis 28. September 2019 die Kleinstadt Douarnenez in der westlichen Bretagne, konnte die Schule „Collège et lycée St-Blaise“, Strände, Steilküsten, Häfen und das Fischereizentrum „Haloitika“ in Guilvinec kennenlernen.

Die andere Gruppe aus Schülern der 7. und 8. Klasse verbrachte die Woche vom 4. bis 11. Oktober in der Großstadt Angers in der Region Pays de la Loire im Westen Frankreichs und lernte dort neben dem örtlichen schulischen und kulturellen Leben gemeinsam mit den französischen Austauschschülern auch einige Schlösser an der Loire und andere Sehenswürdigkeiten der Gegend kennen. Beide Austauschschulen waren zuvor im Frühjahr in Kevelaer zu Besuch gewesen. Zu den Zielen des Austauschprogramms gehört neben sprachlichem und kulturellem Zugewinn auch die Fortsetzung der deutsch-französischen Freundschaft. Alle Schüler waren in Gastfamilien untergebracht.

Selbstständigkeit bewiesen

Eine der verantwortlichen Lehrkräfte des wiederbelebten Austauschs mit Frankreich ist Rita Aretz-Richter: „Die Schüler haben es genossen, neue Erfahrungen zu sammeln. Für viele war es zum ersten Mal, allein so weit weg von zu Hause zu sein. Sie konnten ganz in die französische Lebenswirklichkeit eintauchen und werden den Sinn und Wert des Französischunterrichts nun sicher viel tiefer sehen. Mein Kollege Markus Pleger und ich haben die Schüler gerne nach Angers begleitet. Wir sind glücklich, dass sofort so viele Schüler am Austauschprogramm teilnahmen, und wir sind stolz auf die Kinder und Jugendlichen, dass sie das so gut gemacht haben, dass sie Selbstständigkeit bewiesen haben, und freuen sich auf viele weitere Besuche und Gegenbesuche mit unseren französischen Freunden.“

Beide Austausche mit Douarnenez und Angers fanden dieses Jahr zum ersten Mal statt. Davor hatte es einige Jahre lang einen Schüleraustausch mit der Normandie gegeben, doch die letzten fünf Jahre kam jeweils kein Austausch mehr zustande. Nun konnte der Frankreichaustausch erfolgreich wiederbelebt werden und die Verantwortlichen des KvGG hoffen nun auf viele Jahre erfolgreichen Schüleraustauschs mit Frankreich.

Ein Leben auf See

„Ich habe schon als Kind aus Zeitschriften Matrosen mit der Schere ausgeschnitten“, erinnert Günther Stenmanns sich gerne zurück an die schon früh beginnende Liebe zur Schifffahrt. Stenmanns feierte am Dienstag seinen 94. Geburtstag, seine letzte Weltreise ist nicht einmal zehn Jahre her. Geboren ist der ehemalige zweite Steuermann am 15. Oktober 1925 in Wetten, lange war er nach seiner Schulzeit auf See unterwegs und nun lebt er seit einigen Jahren im Haus für Senioren Regina Pacis in Kevelaer.

Stolz hält Günther Stenmanns auch heute noch seine Bescheinigung der Lehre als Schiffsjunge in der Hand, die er 1941 begann. Warum es damals nur zwei Jahre anstatt drei Lehrjahre waren, daran erinnert der 94-Jährige sich noch genau: „Wären wir inzwischen in den Krieg gekommen, hätten wir nichts in der Hand gehabt.“ Mit 17 Jahren wurde er eingezogen und ab 1943 arbeitete Stenmanns nach einigen Lehrgängen auf einem U-Boot. „Ich kam gar nicht mehr nach Hause“, erinnert er sich.

Im Jahr 1964 hörte er auf mit der Schifffahrt. Irgendwann hatte er ein ganz besonderes Verlangen: „Ich hatte den Wunsch, einmal um die Welt zu fahren.“ Angetrieben von Karel Gotts Lied „Einmal um die ganze Welt“, machte er mit 80 Jahren seine erste Weltreise – 180 Tage auf See. Fünf Jahre später, erzählt Stenmanns, veranlasste ihn erneut ein Lied zur Reise – Hans Albers mit seinem Song „Einmal noch nach Bombay“. „Einmal durch den Suez und durch den Panama“ heißt es in dem Lied. Kurzerhand ist der damals 85-Jährige dann ins Reisebüro gegangen und „dann bin ich mit 85 noch durch den Suez und den Panama-Kanal.“ Ein halbes Jahr habe die Reise gedauert.

Zusammenbruch und Herzprobleme

Neben der Musik, die Stenmanns damals ermutigte, war es der einfache Wunsch: „Ich wollte rund um die Welt.“ Mit 86 Jahren startete er schließlich noch eine dritte Weltreise – leider kam er diesmal auf anderem Wege zurück nach Deutschland als geplant. Ein Zusammenbruch und Herzprobleme haben ihn damals außer Gefecht gesetzt, „sodass ein mehrwöchiger Krankenhausaufenthalt in Argentinien folgte“, erzählt Stenmanns. An diese Reise erinnert der 94-Jährige sich noch heute genau. Er sei damals mit dem Flugzeug nach Amsterdam geflogen worden, anschließend folgte ein Transport nach Düsseldorf und eine Fahrt mit dem Krankenwagen nach Kleve und schließlich habe er einen Herzschrittmacher bekommen.

Seitdem reist Stenmanns nicht mehr, seine Sehkraft hat der 94-Jährige fast gänzlich verloren. Auch wenn ein bisschen Wehmut mitschwingt, der ehemalige Schiffsjunge blickt mit Freude auf die Zeit zurück: „Ich bin dankbar, dass ich das alles noch erleben konnte.“ Heute ist er im Regina Pacis in Kevelaer sehr glücklich. Trotz seiner fehlenden Sehkraft ist Stenmanns selbstständig. Nicht nur, dass er selbst seine Geburtstagsorganisation in die Hand nimmt – Stenmanns geht, erzählt er, jeden Tag „wenn ich gefrühstückt habe, durch Kevelaer an die frische Luft“ und am Nachmittag setzt er sich auf eine Bank am Museum. Für seine Eigenständigkeit ist der 94-Jährige dankbar. Seinen Geburtstag feierte er am Dienstag im kleinen Kreise beim Kuchenessen im Regina Pacis.

Thomas Cook Pleite – offener Brief an die Bundeskanzlerin und Bundesregierung

Mit emotionalen Worten hat sich die Reisebüro-Inhaberin Sandra Jacobs in einem offenen Brief an die Bundesregierung gewandt. Darin bedauert sie die Entscheidung des Parlaments, die Summe der Insolvenzabsicherung für Pauschalreisen nicht zu erhöhen und über diese Frage nicht einmal eine Debatte zu führen. Hintergrund des Briefs ist die Angst vieler Kunden, dass die Summe bei der aktuellen Insolvenz von Thomas Cook nicht ausreichen könnte.
Die Reisebüros seien es nun, die sich von Kunden beschimpfen lassen müssten. Schließlich seien sie es ja gewesen, die „immer behaupten würden: Bucht eine Pauschalreise, da bekommt ihr einen Sicherungsschein, der schützt vor Insolvenz“, schreibt Jacobs. Ihr falle es unglaublich schwer, diesen Kunden sagen zu müssen, dass ihr bereits gezahltes Geld im Fall Thomas Cook doch nicht zu 100 Prozent abgesichert sei.
Jacobs ist Inhaberin und Geschäftsführerin des TUI Reisecenter in Kevelaer. Wir geben ihren Brief in leicht redigierter Form wider.
„Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, sehr geehrte Mitglieder des deutschen Bundestages,
Sie haben also gestern, ausgerechnet gestern, mal eben so einen Antrag abgelehnt, in dem es darum ging, die Leistungen der Insolvenz Versicherungen für Pauschalreisen heraufzusetzen? Ernsthaft?
Okay, die Pleite von Thomas Cook kam relativ plötzlich, wobei ja schon länger bekannt war, dass Milliarden auf der Kippe stehen. Und natürlich kann man da nicht innerhalb von vier Tagen reagieren. Nein, als Bundesregierung kann man das nicht, das ist richtig.
Von uns wird das allerdings verlangt. Wir Touristiker sind es, die seit vergangenem Sonntagabend kaum noch ein Auge zu tun, von morgens bis nachts in unseren Büros sitzen und uns dort den Mund fusselig reden! Wir müssen verständnislosen, traurigen Familien, die sich ihren ersten Urlaub seit fünf Jahren vom Munde abgespart haben, erklären, dass nicht nur der Urlaub nicht stattfindet. Wir müssen ihnen auch erklären, dass das teuer und schwer verdiente Geld weg ist! Oder zumindest ein Teil davon. Denn zurzeit weiß kein Mensch, ob die 110 Millionen Euro im Topf des Insolvenzversicherers Zurich ausreichen werden.
Wir Reiseverkäufer müssen uns jetzt beschimpfen lassen, das wir nicht richtig aufgeklärt hätten und wir ja immer behaupten würden: Bucht eine Pauschalreise, da bekommt ihr einen Sicherungsschein, der schützt vor Insolvenz. Und wenn der Urlaub schon nicht stattfinden kann, ist wenigstens das Geld nicht weg! Und nun? Was ist, wenn das Geld nicht reicht? Zahlen Sie das restliche Geld aus der Staatskasse? Das wäre mal eine Aktion, mit der Sie die nächste Bundestagswahl gewinnen könnten!
Wir Bürger sind es, die dann lesen, dass in der Sitzung gestern gar nicht erst drüber debattiert wurde, sondern einfach entschieden wurde. Antrag abgelehnt, fertig!
Sehr geehrte Frau Merkel, Sie und ihre Regierungsmitglieder müssen sich über den nächsten Urlaub keine Gedanken zu machen. Dank der Klimadebatte, die ja viel medienwirksamer ist als eine läppische Touristikpleite, fahren wir demnächst ja eh alle nur noch mit dem Fahrrad an die Ostsee oder per Bahn in den Schwarzwald. Aber Sie fliegen mit zwei (!) Flugzeugen nach Amerika zum Klimagipfel oder in den nächsten Urlaub nach Mallorca.
Heute dürfen wir nun auch noch den letzten Familien erklären, dass leider auch ihr Urlaubstraum für die Herbstferien geplatzt ist. Verdammt noch mal, ich habe schon wieder Tränen in den Augen. Und ich weiß nicht, ob und wie ich das alles verkrafte, denn im Gegensatz zu (anscheinend) Ihnen und den ganzen anderen Nein-Sagern in der Regierung hab ich noch ein Herz. Und das zerbricht gerade stückweise, wenn ich den fünfte Tag hintereinander nur schlechte Nachrichten überbringen muss.
Dabei ist mein Job eigentich der schönste der Welt, denn normalerweise bereite ich den Leuten die schönsten Tage des Jahres! Dumm nur, dass es seit Montag die schlimmsten Tage des Jahres sind!
Sandra Jacobs, TUI Reisecenter Kevelaer“
Quelle: www.touristik-aktuell.de