Leinwand, Kameras und Trommelwirbel – großes Kino rund um den Schießwettkampf

Schon im Foyer der Zweifachturnhalle tummelten sich die Besucher vor dem Beginn der Wettkämpfe und genossen Kuchen und Kaffee. Mit dabei war auch Bürgermeister Dominik Pichler, der wie alle anderen die Atmosphäre aufsaugen und das Team der SSG Kevelaer mit seiner Anwesenheit unterstützen wollte.

„Ich freu mich, dass wir eine Bundesliga-Mannschaft in einer olympischen Sportart haben und hoffe, dass das so klappt, wie sie sich alles so vorstellen“, bezog sich der Wunsch des Stadtoberhauptes auf die Übertragung ins Netz und den sportlichen Erfolg.
Beim Betreten der Halle stißen die Gäste gleich auf den großen Fernsehkran, der die Publikumsreaktionen einfing. Eine winzige Sprecherkabine fand sich nahe des Eingangs. Und vor einer großen Bundesliga-Wand durfte Georg Joosten vom SSG für die Internet-Fans die Spannung hochhalten und stellte an einer Tabelle die Ausgangssituation dar.

Mehrere Kameras richteten den Fokus auf die Sportler am Schießstand, eine Leinwand ging optisch ganz nah an die Sportler in Großaufnahme während des Wettkampfes. Und die Anzeigetafeln links und rechts des Bildes eröffneten den Blick auf das Trefferbild der gegeneinander antretenden Schützen.

Auf der Tribüne hatte auch SSG-Schütze Alexander Thomas Platz genommen: „Ich freu mich drauf, langsam wird‘s voll.“ Er freute sich auf die Herausforderung, mit Jubelgesängen, Anfeuerung und Rasseln klar zu kommen: „Das macht es sicher nicht einfacher, aber es macht mehr Spaß.“

Die Fans des Ligakonkurrenten SSV Elsen machten mit ihren Rasseln richtig Stimmung: „Da darf jetzt gefeiert werden wie in jeder anderen Sportart. Das ist das Schießen der Zukunft.“ Und auch die mitgereisten Mengshausener gaben mit ihren Trommeln alles, um ihre fünf Schützen während der 40 Schuss in 50 Minuten zu pushen.

Traf ein Schütze mit zehn Schuss zehnmal die „10“, hob das Publikum ein blaues Schild mit einer „100“ hoch, um seine Begeisterung zu bekunden. Für Ulli Potofski, zuständig für die Zwischenmoderation, Netz-Interviews war das spürbares Neuland. „Es ist faszinierend, sich in so eine Sportart neu hineinzudenken“, gestand der Sportjournalist. „Ich dachte immer, beim Schießen ist es ruhig.“ Der Vorsitzende des NRW-Sportausschusses im Landtag, Holger Müller, zeigte sich „total überrascht, wie all das her vorbereitet ist“ und wie da übertragen wird.
Hinter ihm verfolgte der Präsident des Rheinischen Schützenbundes, Willy Palm, die Szenerie. „Ich finde das super, dass ein Verein das auf die Beine stellt. Das ist definitives High-End hier und einmalig in der Bundesliga“, rief er die anderen Bundesligisten dazu auf, dem Beispiel zu folgen.

„Kommt raus aus dem Keller“, machte er ganz deutlich, wie er zu einer Bewerbung Kevelaers für die Ausrichtung der Meisterschaftsendrunde 2019 steht. „Das hätten die allemal verdient.“
Als das Kevelaerer Team dann gegen Nordstemmen antrat, wurde es relativ still in der Halle. Begeisterung kam auf, wenn eine „10“ getroffen wurde und bei der „100“ von Alexander Thomas. „Den wollte ich haben“, meinte Jana Ernstfeld, die sich mit dem letzten Schuss den Sieg in ihrer Paarung sicherte.

Georg Joosten interviewte die Sportler für die Internetübertragung.

Mitgelitten wurden mit Katharina Kösters, deren erste Serie mit 92 Ringen daneben ging. Sie ging vom Stand, um sich mit dem Coaches zu beraten. Danach steigerte sie sich, durfte mit ihrer Konkurrentin ins Stechen, bei dem sich die Schützen beider Teams zum kollektiven Mitfiebern versammelten. Katharina verlor am Ende nach dem vierten Stechschuss doch.

Große Bedeutung hatte das aber nicht. Die anderen vier Teamschützen hatten ihre Vergleiche gewonnen und damit die SSG die Partie mit 4:1 gewonnen. Der unmittelbare Konkurrent TuS Hilgert verlor gegen Braunschweig überraschend. Und damit war die Qualfikation für die Meisterschafts-Endrunde schon am ersten der beiden Wettkampftage gesichert. Der 5:0-Sieg am nächsten Tag mit Sergej Richters perfekter 400-er Serie als Highlight war dann das i-Tüpfelchen.

Jetzt wird sich zeigen, was die Mannschaft in Paderborn ausrichte kann. Viertelfinalgegner am 3. April ist die SV Pfeil Vöhringen. Die Chancen der SSG Kevelaer auf die Ausrichtung einer Deutschen Meisterschaft 2019 dürften nach diesem Wochenende jedenfalls nicht schlechter geworden sein.