Eine Vermittlung braucht Zeit

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und die Wunschzettel sind längst geschrieben. Für viele Kinder ist klar: Computerspiele, Spielzeugfiguren oder Puppen soll das Christkind bringen. Doch auch lebende Tiere stehen beim Nachwuchs traditionell hoch im Kurs.
Tierschutzorganisationen laufen Sturm, wenn es darum geht, Hund, Katze und Co. unterm Tannenbaum zu platzieren. Gudrun Groß zieht das ein wenig entspannter.
Seit 14 Jahren leitet sie die Tierpension Alpen, die auch für die Fundtiere aus Kevelaer zuständig ist. Zwar gehört auch für sie ein Tier nicht unter den Tannenbaum. Dem Vorhaben, sich zu Weihnachten einen Hund oder eine Katze anzuschaffen, steht sie jedoch positiv gegenüber: „Die ganze Familie kommt mal zusammen und hat gemeinsam Zeit, sich mit dem Tier zu beschäftigen.“ Denn eins ist für Groß auch klar, „die Eltern müssen für das Tier geradestehen. Kaum einer weiß, dass Kinder unter 16 Jahren eigentlich gar nicht einen Hund alleine ausführen dürfen.“
Hunde, Katzen, Schweine,  eine Ratte und „Heinrich“
Drei Hunde, zwölf Katzen sowie zwei Schweine, eine Ratte und der grüne Kongopapagei „Heinrich“ leben zurzeit in der Tierpension, die Gudrun Groß zusammen mit ihrem Mann und sechs Mitarbeitern (darunter zwei Azubis) betreibt. Herrchen und Frauchen können ihre Lieblinge hier abgeben, wenn sie sie nicht mit in den Urlaub nehmen können.
Die Tierpension ist auf einem über 10.000 Quadratmeter großen Grundstück beheimatet. Im kleinen Hundehaus gibt‘s drei Hundezimmer, im großen Hundehaus sechs Hundezimmer. Zwischen dem großen und dem kleinen Hundehaus befinden sich die Außenzwinger. An alle Zwinger und Hundezimmer grenzt ein, für mindestens zehn Stunden am Tag, frei zugänglicher Auslauf von rund 50 Quadratmeter mit Naturböden.

„Ted und Lilly hatten schon ein neues Zuhause gefunden“, erzählt Gudrun Groß. „Dann stellte sich raus, dass der Ehemann eine Katzenallergie hatte.“


Doch viele Tiere sind nicht freiwillig hier. „Wer jemand ein Tier findet, muss er zunächst das Ordnungsamt oder die Polizei anrufen. Erst danach können wir tätig werden,“ erklärt Gudrun Groß das Prozedere. Während aufgegriffene Hunde meist wieder nach Hause kommen, sieht das bei den Katzen schon schlechter aus. Große Hunde (ab 20 Kilo oder einer Schulterhöhe von 40 Zentimeter) müssen heutzutage gechippt werden. Somit seien inzwischen wohl rund 60 Prozent gekennzeichnet.
Wenn sich die Besitzer dann auch noch registrieren ließen, am besten mit Datenfreigabe, würden sie ihre Hunde auch schnell zurück bekommen, erzählt Groß. Würden doch somit nicht nur die Tierheime sofort informiert, sondern auch notfalls Tierärzte, wenn der Hund zum Beispiel in einen Unfall verwickelt war.
Die Vermittlung von Fundtieren, erweise sich oft als schwierig, bedauert Gudrun Groß. Allerdings gibt sie auch nicht jeden Vierbeiner direkt heraus. „Die Leute müssen ehrlich sein“, lautet ihr oberstes Gebot. In einem persönlichen Gespräch macht sie sich ein Bild und fragt nach den Lebensumständen: „Schließlich sollen sich Leute und Hund wohlfühlen.“ Passt die Chemie, werden die Tiere zunächst zur „Probe“ mitgegeben oder die Interessenten kommen einfach nur vorbei, um zunächst mal mit dem Hund spazieren zu gehen.
Eine ähnliche Alternative sind auch Tierpatenschaften. „Damit engagiert man sich für ein gewähltes Tier und hilft bei der Erfüllung der vielfältigen Aufgaben in den Tierschutz-Einrichtungen“, erklärt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Eine Tierpatenschaft dauert etwa ein Jahr und kann auf Wunsch auch verlängert werden. Die Kosten sind von Tierheim zu Tierheim und je nach Tier ganz unterschiedlich.
Mehr dazu findet sich unter www.ivh-online.de Die Tierpension in Alpen ist unter Telefon: 02802/2134 erreichbar.