Die Schattenseite des sonnigen Wetters

Sonne satt, Hitze wie in den Tropen mit annähernd 38 Grad – die „Hundstage“ sorgen nicht nur für volle Schwimmbäder, frequentierte Eiscafés und jede Menge Sonnenanbeter – sie haben auch ihre Schattenseiten.
Die Landwirte können ein Lied davon singen – so wie Thomas Cleven, der seit 19 Jahren und in der vierten Generation den Betrieb an der Winnekendonker Straße in Kervenheim bewirtschaftet.
„Mein Urgroßvater hat mit ein paar Kühen und Schweinen angefangen“, sagt der 40-jährige Landwirt, der 300 Milchkühe sein Eigen nennt, Futteranbau für die Kühe betreibt und Rüben und Kartoffeln für die Direktvermarktung produziert. „Das war schon mein eigener Wunsch, ich wurde nicht gezwungen“, lacht er.
Wenn er in diesen Tagen an seinen Maisfeldern entlanggeht, dann verfinstern sich bei dem sonst eher fröhlich gestimmten Mann die Gesichtszüge. „Das ist schon extrem – bis Mitte/Ende Mai hätte ich noch gesagt: alles gut. Da war auch noch ein bisschen Regen.“

Eine Katastrophe

Seit Wochen gucke er jetzt täglich nach dem Wetterbericht. „Und der ist immer gleich: nur Sonne- und kein Regen in Sicht.“ Für Nicht-Landwirte sei das sicher „ein traumhafter Sommer“, meint er. „Für uns ist das eine Katastrophe.“
Seit Juni ist er damit beschäftigt, die Felder zu bewässern – insgesamt knapp 70 Hektar Bodenfläche versucht er, mit zwei Bewässerungsanlagen zu „beregnen“. „Wir ziehen das Wasser aus dem eigenen Brunnen, für den man uns seitens des Kreises die Entnahmeerlaubnis erteilt hat“, macht Cleven die Dimensionen allein für seinen Betrieb deutlich. Nach seinen Angaben kommt man seit Juni ungefähr auf eine benutzte Wassermenge von 5,6 Millionen Liter Wasser – das entspricht fünfeinhalb Mal dem Inhalt des 25-Meter-Beckens im Kevelaerer Freibad. Dazu kommen noch die enormen Kosten, die die Dieselmaschinen für die Bereg­nungsanlagen verschlingen. „Das waren 13 000 Liter Diesel nur dafür“, macht er klar.
Ganz gegen die Hitze „anregnen“, das sei seit gut zehn Tagen nicht mehr möglich. „Es wird Futter für die Kühe fehlen – die Konsequenz ist für viele Betriebe, ihren Kuhbestand zu verringern, weil man dann nicht mehr so viele halten kann.“ Und die Maisernte werde angesichts des bestehenden Klimas „deutlich früher sein und deutlich geringer ausfallen.“
Sein Kollege Johannes van den Boom, der in der dritten Generation als Landwirt mit Milchkühen, Nachzucht, Ackerfutter und Zuckerrüben seinen Broterwerb sichert, sieht auch Probleme, wenn aufgrund der Trockenheit dürre oder gar keine Maiskolben mehr entstehen.
„Die Margen fehlen dann und die Qualität ist spürbar geringer“, und es werde schwerer sein, den Bedarf an Futtermitteln zu decken, sagt der 32-Jährige. „Dann müssen wir Futter zukaufen, das geht in die Kosten.“ Dabei werde aber ein überregionales Problem auftreten, „weil der Mais, den man gerne zukaufen will, an anderer Stelle ja auch fehlen wird.“
Ein weiteres Problem sind die Grünflächen, die aufgrund der Hitze nach und nach „braun“ werden. „Da dauert es lange, bis da wieder was wächst“, so van den Boom.
Es lohne sich auch nicht, abgeerntete Maisflächen mit Gras als eventueller Futtergrundlage einzusäen. „Man kann den Boden ja nicht behandeln. Und „ohne Wasser auf blankem Boden“ wachse eben nichts.
Auch für die Tiere bedeuten die Temperaturen Stress. „Kühe haben gerne 20 Grad“, sagt er. Man könne nur versuchen, über Luftbewegung und Ventilatoren die Bedingungen zu verbessern, so van den Boom. In der vergangenen Woche konnten sich die Tiere wenigstens noch bei etwas kühleren Temperaturen nachts draußen abkühlen.

Verbraucherpreise steigen

„Das fällt aber jetzt auch weg – und 35 Grad sind 35 Grad“, sagt er und befürchtet, dass dann auch „der Milchertrag in den Keller“ gehen wird. „Da kann man nicht viel dran machen.“ Und das alles könne dann auf die Preise für den Verbraucher schlagen.
Dass es solche extremen Jahre gibt, das hätten schon ihre Väter erfahren, sehen das beide (noch) einigermaßen gelassen. „Meiner spricht von 1947“, berichtet Thomas Cleven. „1959 und 1976 sollen noch schlimmer gewesen sein“, ergänzt Johannes van den Boom. Er rechnet auch das extreme Regenjahr 2016 mit dazu. „Einmal zuviel Wasser, ein gutes Jahr, eimal zuviel Sonne.“
Beide Landwirte hoffen jetzt auf einen Wetterumschwung mit „schönem Landregen und ein Tiefdruckgebiet.“ Je früher sich die Situation ändere, umso besser. „Denn Regen ist mit Geld nicht zu bezahlen“, sagt Thomas Cleven. Und blickt dabei zum Himmel.