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Spargelbauern beginnen mit den Vorbereitungen für die Saison und hoffen, dass in Sachen „Arbeitskräfte“ alles gut geht

Frühjahrserwachen auf den Feldern

Bei strahlendem Sonnenschein nahmen Stefan Baumanns und ein paar Bekannte die Folie zur Hand. „Wir legen jetzt ,Tunnel‘ zur Verfrühung für den Spargel – das ist so wie Minitreibhäuser über die Wellen machen, damit die Sonne, die jetzt noch nicht so kraftvoll ist, den Damm möglichst schnell erwärmt“, erläuterte der 37-jährige Spargel- und Erdbeerbauer. 

Sie schuften und hoffen

Dass man durchaus auch mal die eine oder andere wirtschaftliche Delle aushalten kann, ist für eine Selbstständigen-Familie wie die Baumanns auf Keylaer durchaus nichts Neues. Der 36-jährige Stefan Baumanns ist mittlerweile in der vierten Generation Spargel- und Erdbeerbauer, zeigt stolz die Felder. Was sich aber aktuell in Zeiten von Corona tut, das nötigt ihm schon sehr viel Respekt ab. „Wir haben ja schon viel erlebt die letzten zwei Jahre durch die schnelle, trockene Hitze. Aber wenn das jetzt so kommt, ist das richtig schlecht.“ Denn die Sperrung aller Grenzen hat für den in Keylaer ansässigen Hofbesitzer Konsequenzen. „Ich habe mit meinem Vorarbeiter in Rumänien gesprochen. Der meinte: Es ist alles dicht. Sie lassen keinen mehr raus oder rein.“ 

Eine Studentin der Agrarwissenschaften habe sich bei ihm als Helferin beworben. „Vielleicht kommen da noch Bekannte von dem Vorarbeiter dazu, und die, die vielleicht in Gärtnereien schon mit den Arbeiten da fertig sind“, lautet Stefan Baumanns – allerdings eher vage – Hoffnung. „Wir machen schon selber sehr viel – ich, meine Frau Anja, die Eltern und dann eben fünf bis sechs Erntehelfer“, macht er klar, was der Ausfall von Helfern momentan bedeutet. Aus dem 13-Stunden-Tag ist mittlerweile ein 16- bis 17-Stunden-Tag geworden: „Und wenn die nicht kommen, dann lasse ich einen Teil des Feldes weg.“ 

Den Spargel genau treffen

Mit völlig Ungelernten drei Hektar Fläche Feld zu bestellen, wie es viele mit Blick auf Studenten, Asylbewerber oder Arbeitslose aktuell diskutieren, sei mal nicht eben so zu machen. „Das ist so, als würde man mich in die Küche stellen und sagen: Du kochst jetzt. Das kann nicht jeder“, sagt Baumanns. „Man muss den Spargel ganz genau treffen, sonst würde man ihm den Kopf abstechen.“ Und nicht jedem sei die Härte der Arbeit wirklich bewusst. „Nicht jeder wird wissen, worauf er sich da einlässt“, meint der 36-Jährige.  Die Rumänen, Polen und Bulgaren hätten einen unmittelbaren Bezug zu diesem urbanen Leben und Arbeiten „wie in den 50er-Jahren. Die haben noch Kühe und Schafe bei sich zu Hause, schlachten noch, backen ihr Brot selbst.“

Momentan spiele das Wetter noch mit, blickt Baumanns in Richtung Himmel und auf die Folienbahnen, unter denen sich der Spargel befindet. „Wenn die Nächte noch kalt sind, kommt er noch zögerlich.“ Schwierig werde es dann, wenn die Temperaturen anziehen und der Spargel schnell wächst. „Ende April/Anfang Mai ist viel Musik im Boden – und dann treibt es aus.“ Man habe ja auch noch ein Treibhaus, erzählt Baumanns. Es werde spannend, wie man den Arbeitsablauf in der Reihenfolge Treibhaus – Folie – Freiland – ohne Folie/Stellage für die Spargel- und Erdbeerernte organisieren kann.

Auswirkungen auf die Abnahmefrequenz

Was in den nächsten zwei bis drei Wochen in Sachen Corona passiere, „wird für den ganzen Markt sehr große Folgen haben“, befürchtet er. Denn das wird sich auch in der Abnahmefrequenz der Restaurants und Bäckereien niederschlagen, die sonst gerne auf Spargel oder Erdbeeren zurückgreifen. Ob da die Besucher auf den Wochenmärkten in Kevelaer und Umgebung ausreichen, der Verkauf am Hofladen angesichts der Situation überhaupt in Gang kommt? Keiner kann das voraussagen. Den Handel mit Supermärkten hat er nach seinen Erfahrungen mit einem Anbieter abgeschrieben, weil „die drücken ihre Händler so, bis man kotzt.“

Aber wenn jemand Erdbeeren oder Spargel haben wolle, müsse man auch liefern können. Und die laufenden Kosten für den Betrieb bleiben ja auch bestehen. Die Erdbeerpflanzen, die bestellt Baumanns zum Beispiel schon im September des Vorjahres – und muss sie dann auch bezahlen. Die Überlegung, beim Staat einen Antrag auf Soforthilfe zu stellen, die gebe es schon.  Aber er will weiter das Beste versuchen, schaut, welche Arbeitsschritte er jetzt schon vorarbeiten kann. „Wir bleiben Saisonarbeiter. In den drei Monaten Spargel- und Erdbeerenernte muss ich mein Geld verdient haben. Sonst habe ich das ganze restliche Jahr Probleme.“

Landwirte protestierten in Berlin

Die bundesweiten Bauernproteste haben eine neue Stufe erreicht: Mehrere 1.000 Trecker und rund 10.000 Bauern demonstrierten am Brandenburger Tor und forderten von der Politik, Gehör für ihre Anliegen zu finden.

Dabei waren auch wieder mehrere 100 Bauern vom Niederrhein, die sich schon tags zuvor an der Staffelfahrt der Traktoren durch NRW beteiligt hatten. 200 Landwirte hatten sich mit ihren Fahrzeugen von Wesel, 250 von Kerken aus auf den Weg gemacht, erklärte der Kevelaerer Georg Biedemann als Koordinator für die Region gegenüber dem KB. Die fuhren bis Essen mit – und machten sich dann in der Nachtmit dem Sonderzug auf in Richtung Berlin.

Landesweite Kolonne

Die landesweite Kolonne war am Morgen von Bonn aus über Köln, Düsseldorf, Essen, Dortmund und Hamm bis Bielefeld gefahren. Georg Biedemann hatte auf dem Düsseldorfer Messegelände vor gut 600 Berufskollegen und Politikern, unter anderem der Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser, nochmal die Haltung der Landwirte für einen konstruktiven Dialog zwischen den Beteiligten deutlich gemacht.

Im Zuge der Veranstaltung wollte ein AfD-Mitglied mit einem Banner die vorgebliche Nähe seiner Partei zu den Zielen der Landwirte zeigen. „Ich habe in Düsseldorf öffentlich gesagt, dass wir uns ausdrücklich von der AfD distanzieren und damit nichts zu tun haben wollen“, stellte Biedemann klar. „Da haben wir nicht die geringsten Ambitionen zu. Das ist unsere Veranstaltung.“ Ansonsten sei man bereit, mit allen Parteien zu reden.

Auf der Demonstrationsstrecke wurden auch Briefe der Bauern für Bundeskanzlerin Angela Merkel gesammelt. „Die wurden bis Berlin noch transportiert und übergeben. Da hat jeder seine Sorgen und Nöte zum Ausdruck gebracht, Kinder haben Bilder gemalt, alles was jeder wollte.“

Biedemann und seine Mitstreiter hoffen jetzt, dass ihre Anliegen (Stichwort „Düngeverordnung oder gleichberechtigte Mitsprache“) von der Politik gehört werden. „Wir sind nicht gegen etwas, wir wollen auch Insekten- und Naturschutz. Wir wollen aber mitreden und suchen dazu den Dialog.“

Die Schattenseite des sonnigen Wetters

Sonne satt, Hitze wie in den Tropen mit annähernd 38 Grad – die „Hundstage“ sorgen nicht nur für volle Schwimmbäder, frequentierte Eiscafés und jede Menge Sonnenanbeter – sie haben auch ihre Schattenseiten.
Die Landwirte können ein Lied davon singen – so wie Thomas Cleven, der seit 19 Jahren und in der vierten Generation den Betrieb an der Winnekendonker Straße in Kervenheim bewirtschaftet.
„Mein Urgroßvater hat mit ein paar Kühen und Schweinen angefangen“, sagt der 40-jährige Landwirt, der 300 Milchkühe sein Eigen nennt, Futteranbau für die Kühe betreibt und Rüben und Kartoffeln für die Direktvermarktung produziert. „Das war schon mein eigener Wunsch, ich wurde nicht gezwungen“, lacht er.
Wenn er in diesen Tagen an seinen Maisfeldern entlanggeht, dann verfinstern sich bei dem sonst eher fröhlich gestimmten Mann die Gesichtszüge. „Das ist schon extrem – bis Mitte/Ende Mai hätte ich noch gesagt: alles gut. Da war auch noch ein bisschen Regen.“

Eine Katastrophe

Seit Wochen gucke er jetzt täglich nach dem Wetterbericht. „Und der ist immer gleich: nur Sonne- und kein Regen in Sicht.“ Für Nicht-Landwirte sei das sicher „ein traumhafter Sommer“, meint er. „Für uns ist das eine Katastrophe.“
Seit Juni ist er damit beschäftigt, die Felder zu bewässern – insgesamt knapp 70 Hektar Bodenfläche versucht er, mit zwei Bewässerungsanlagen zu „beregnen“. „Wir ziehen das Wasser aus dem eigenen Brunnen, für den man uns seitens des Kreises die Entnahmeerlaubnis erteilt hat“, macht Cleven die Dimensionen allein für seinen Betrieb deutlich. Nach seinen Angaben kommt man seit Juni ungefähr auf eine benutzte Wassermenge von 5,6 Millionen Liter Wasser – das entspricht fünfeinhalb Mal dem Inhalt des 25-Meter-Beckens im Kevelaerer Freibad. Dazu kommen noch die enormen Kosten, die die Dieselmaschinen für die Bereg­nungsanlagen verschlingen. „Das waren 13 000 Liter Diesel nur dafür“, macht er klar.
Ganz gegen die Hitze „anregnen“, das sei seit gut zehn Tagen nicht mehr möglich. „Es wird Futter für die Kühe fehlen – die Konsequenz ist für viele Betriebe, ihren Kuhbestand zu verringern, weil man dann nicht mehr so viele halten kann.“ Und die Maisernte werde angesichts des bestehenden Klimas „deutlich früher sein und deutlich geringer ausfallen.“
Sein Kollege Johannes van den Boom, der in der dritten Generation als Landwirt mit Milchkühen, Nachzucht, Ackerfutter und Zuckerrüben seinen Broterwerb sichert, sieht auch Probleme, wenn aufgrund der Trockenheit dürre oder gar keine Maiskolben mehr entstehen.
„Die Margen fehlen dann und die Qualität ist spürbar geringer“, und es werde schwerer sein, den Bedarf an Futtermitteln zu decken, sagt der 32-Jährige. „Dann müssen wir Futter zukaufen, das geht in die Kosten.“ Dabei werde aber ein überregionales Problem auftreten, „weil der Mais, den man gerne zukaufen will, an anderer Stelle ja auch fehlen wird.“
Ein weiteres Problem sind die Grünflächen, die aufgrund der Hitze nach und nach „braun“ werden. „Da dauert es lange, bis da wieder was wächst“, so van den Boom.
Es lohne sich auch nicht, abgeerntete Maisflächen mit Gras als eventueller Futtergrundlage einzusäen. „Man kann den Boden ja nicht behandeln. Und „ohne Wasser auf blankem Boden“ wachse eben nichts.
Auch für die Tiere bedeuten die Temperaturen Stress. „Kühe haben gerne 20 Grad“, sagt er. Man könne nur versuchen, über Luftbewegung und Ventilatoren die Bedingungen zu verbessern, so van den Boom. In der vergangenen Woche konnten sich die Tiere wenigstens noch bei etwas kühleren Temperaturen nachts draußen abkühlen.

Verbraucherpreise steigen

„Das fällt aber jetzt auch weg – und 35 Grad sind 35 Grad“, sagt er und befürchtet, dass dann auch „der Milchertrag in den Keller“ gehen wird. „Da kann man nicht viel dran machen.“ Und das alles könne dann auf die Preise für den Verbraucher schlagen.
Dass es solche extremen Jahre gibt, das hätten schon ihre Väter erfahren, sehen das beide (noch) einigermaßen gelassen. „Meiner spricht von 1947“, berichtet Thomas Cleven. „1959 und 1976 sollen noch schlimmer gewesen sein“, ergänzt Johannes van den Boom. Er rechnet auch das extreme Regenjahr 2016 mit dazu. „Einmal zuviel Wasser, ein gutes Jahr, eimal zuviel Sonne.“
Beide Landwirte hoffen jetzt auf einen Wetterumschwung mit „schönem Landregen und ein Tiefdruckgebiet.“ Je früher sich die Situation ändere, umso besser. „Denn Regen ist mit Geld nicht zu bezahlen“, sagt Thomas Cleven. Und blickt dabei zum Himmel.

Das Wasser von Kävele is juud

Kevelaer. „Man muss auch mal sagen, dass in unserer Kooperation manche Dinge einfach besser laufen.“ Dabei ist das an die Landwirte und Gärtner gerichtete Lob von Hans-Josef Thönnissen, dem Chef der Kevelaerer Stadtwerke, längst kein Geheimnis mehr: Dass Kevelaers Trinkwasser eine sehr niedrige Belastung mit Nitrat und Nitrit hat, wird immer wieder dann thematisiert, wenn andere Kommunen, auch am Niederrhein gelegen, unter massiven Steigerungen der entsprechenden Werte ächzen. Von 16 Kommunen im Kreis Kleve haben heute nur noch sieben eine eigene Trinkwasserförderung. Alle anderen haben ihre Wasserwerke aufgegeben – meist, weil die hohen Nitratwerte im Wasser als irreparabel galten.
Ihre Stellung als Musterfall der Region verdankt die Marienstadt einer inzwischen 26 Jahre alten Kooperation zwischen den Stadtwerken, den Landwirten und den Gartenbauern. Kurz gesagt erhalten einige Landwirte, die innerhalb der Wasserschutzzone wirtschaften, von den Stadtwerken eine Kompensation für geringere Erträge. Voraussetzung dafür ist, dass die Landwirte vorgegebene Grenzwerte für Stickstoff im Boden unterschreiten, indem sie die entsprechende Düngung verringern und optimieren. „Seit dem Bau des Wasserwerks haben sich die Nitratwerte im Grundwasser gut halbiert“, resümiert Gerd Yzermann, Landwirt auf Keylaer und einer der Sprecher der kooperierenden Landwirte.
Die Anfänge der Kooperation waren 1990/91 nicht einfach und von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Plötzlich kam ein Umweltminister daher, der den Landwirten sagte, dass sie etwas falsch machten und deutlich weniger düngen sollten. Trotz einer gewissen Skepsis und teilweise sogar Existenzängsten beteiligten sich in Kevelaer alle Landwirte im Bereich der etwa 1100 Hektar großen Wasserschutzzone an der Kooperation zum Wasserschutz. 14 von ihnen schlossen mit den Stadtwerken Kevelaer Verträge zur Extensivierung. 1991 begann die Kooperation offiziell. Kaum ein anderes Wasserwerk ergriff so früh die Initiative – auch ein Grund, weshalb Kevelaer heute so gut dasteht.
Dabei sind die geologischen Voraussetzungen auf den ersten Blick ungünstig: Das Niederschlagswasser fließt in nur wenigen Metern Tiefe Richtung Wasserwerk. Der filternde Effekt vieler Meter Erdreich, von dem andere Kommunen profitieren, entfällt in Kevelaer. Letztlich stellte sich dieser Umstand jedoch als Vorteil heraus: Stickstoff, der neu in den Boden eingebracht wird, erreicht nach wenigen Jahren das Wasserwerk. Entsprechend schnell zeigen sich die positiven Effekte, wenn die Landwirte Maßnahmen der Extensivierung erproben. „Das ermöglicht einen effektiven Lerneffekt“, berichtet Landwirt Herbert Joosten. Käme das Trinkwasser aus mehreren Dutzend Metern Tiefe, könnte es Jahrzehnte dauern, bis erste Effekte sichtbar werden.
Schnell lernten die Kevelaerer Landwirte: Stickstoffdünger brachten sie nicht mehr flächendeckend auf dem Feld, sondern zielgenau in den Reihen der Saat aus. War nach der Ernte noch Stickstoff im Boden, hatten sie zu viel gedüngt. „Von Stickstoff, der im Oktober noch da ist, hat keiner etwas. Der Stickstoff würde ins Wasser verlagert werden“, erläutert Andreas Hartges von der Landwirtschaftskammer NRW. Er berät die Landwirte in Kevelaer zum Wasserschutz. Im Gegenzug finanzieren die Stadtwerke Kevelaer zum Teil seine Arbeitsstelle.
Weil der Stickstoffbedarf der Pflanzen witterungsabhängig ist, lässt er sich im Frühjahr nicht exakt planen. Überschüssigen Stickstoff, der im Herbst noch da ist, holen die Landwirte deshalb durch eine Winterbegrünung ihrer Felder größtenteils aus dem Boden. Im Frühjahr können sie das Grün unterpflügen und damit direkt wieder Stickstoff für die neue Saison in den Boden einbringen. Auch hierbei haben sie gelernt: Wurde der Nährstoff früher noch tief untergepflügt – wo er bald aus der Reichweite der Pflanzenwurzeln verschwand – bringen die Landwirte den Stickstoff heute nur noch bodennah oder sogar oberflächlich ein. Gedüngt wird zudem erst kurz vor der Saat, damit etwaiger Regen die Nährstoffe nicht gleich in tiefere Bodenschichten transportiert. Weil die Winterbegrünung so wichtig für die Nitratvermeidung im Grundwasser ist, finanzieren die Stadtwerke das entsprechende Saatgut auch für Landwirte im Wasserschutzgebiet, die nicht Vertragspartner im Programm sind.
Auch was Tierschützer weniger gern sehen, hat einen positiven Effekt auf die Nitratbelastung des Wassers: Stand das Vieh früher draußen auf der Weide, führten die Ausscheidungen zu sehr punktuellen – lokal zu hohen – Stickstoffdüngungen. Gülle von Stallvieh hingegen können die Landwirte sehr gleichmäßig ausbringen und den pflanzlichen Bedarf besser treffen. Da die zulässige Menge an organischem Dünger (sprich: Gülle) begrenzt ist, sind die Landwirte bemüht, diesen so zu verwenden, dass die Pflanzen ihn bestmöglich nutzen und nur wenig im Boden verbleibt. Überschüssige Gülle verwerten jene Landwirte, die keine eigene Viehhaltung haben. Hier vermittelt Berater Hartges.
Das Ergebnis spricht für sich: Seit elf Jahren lag der durchschnittliche Stickstoffrückstand in den oberen 90 Zentimetern der extensivierten Böden – dort wird gemessen – im Oktober nicht mehr über 40 Kilo je Hektar. Auch die anderen Landwirte im Bereich der Wasserschutzzone haben die Stickstoffrückstände in den vergangenen 20 Jahren halbiert, liegen mit ihren Werten aber im Schnitt um die Hälfte höher als die Kollegen mit extensiver Bewirtschaftung. Das Wasser aus den vier Kevelaerer Brunnen bleibt damit locker unter dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung, der bei 50 Milligramm pro Liter liegt. Aktuell liegt der Messwert in Kevelaer bei 21 Milligramm.
Die anfangs skeptischen Landwirte sind seit vielen Jahren mit der Kooperation sehr zufrieden. „Wir Bauern sind sogar stolz auf das, was wir erreicht haben“, erzählt Yzermann. „Und wir sind erpicht, das zu halten.“ Björn Lohmann
Der Vertrag
Die 14 Landwirte, die einen Extensivierungsvertrag mit den Stadtwerken geschlossen haben, verpflichten sich, 30 Prozent weniger zu düngen. Liegen dadurch die Stickstoffwerte im Boden im Herbst unterhalb von 55 Kilo je Hektar, erhalten sie eine Ausgleichszahlung von 380 Euro je Hektar. Der Betrag ist das Ergebnis von Studien der Landwirtschaftskammer, die den Einfluss der Stickstoffdüngung auf den Ertrag ermittelt haben. Überschreiten die Landwirte den Grenzwert, erhalten sie nichts.
Für die Kunden der Stadtwerke macht sich das Programm zur Nitratvermeidung mit bescheidenen 6 Cent je Kubikmeter Trinkwasser bemerkbar. Die neue Landesregierung hat im Koalitionsvertrag beschlossen, dieses Erfolgsmodell auszubauen.