Wenn Knochen auf Knochen reibt

Mit Röntgenbildern, Fotos von deformierten Gelenken und Bildern von krumm laufenden Menschen untermalte Prof. Dr. Sebastian Gehrmann seinen einleitenden Vortrag zum Arthrose-Infoabend im Bühnenhaus. Gemeinsam mit seinem Team informierte er die Besucher, von denen viele angaben, selbst an Arthrose zu leiden, über das Krankheitsbild und mögliche Behandlungsmethoden. „Sie glauben gar nicht, wie oft wir stark deformierte Gelenke sehen“, gab Gehrmann zu verstehen, dass derartige Leiden keine Seltenheit seien. Bei Arthrose handle es sich um eine Gelenkabnutzung, erklärte der Chefarzt.

Eine Operation müsse allerdings nicht immer erfolgen. Neben der Möglichkeit, die Gelenke künstlich zu ersetzen, gibt es zahlreiche konservative Behandlungsmethoden. Doch eines sei essenziell für den weiteren Verlauf der Krankheit: „Kommen Sie früh!“ Denn neben dem Gelenkverschleiß nehme auch die gesamte Muskulatur um das Gelenk herum ab, weil man diese nicht mehr fordere.

Arthrose ist nicht heilbar“

„Knorpel sorgt dafür, dass Knochen nicht auf Knochen reibt“, erklärte im Anschluss Dr. Thomas Bertrams, Leiter des Endoprothesenzentrums. Wenn der Knorpel an einer Stelle nicht mehr in vollem Umfang vorhanden ist, verliere er seine „Stoßdämpfereigenschaften.“ „Circa sechs Millionen Menschen in Deutschland haben Gelenkprobleme. Bei 20 bis 40 Prozent der 60-Jährigen finden sich in Röntgenuntersuchungen Zeichen für Arthrose“, machte Bertrams deutlich, wie weit verbreitet das Krankheitsbild ist. Fast alle Menschen seien irgendwann betroffen – manche mehr, manche weniger. Eine schlechte Nachricht vermittelte er an dieser Stelle: „Arthrose ist nicht heilbar.“ Dennoch gebe es zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten.

Physiotherapie, Nahrungsergänzungsmittel und Akupunktur

Neben den operativen Möglichkeiten erläuterte Bertrams an dieser Stelle einige konservative Behandlungen wie Physiotherapie, Nahrungsergänzungsmittel, deren Wirksamkeit umstritten sei, oder Akupunktur. Zum Ende der Vortragsreihe informierte dann Konstantin Deev, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, über die Behandlungsmöglichkeiten von Frakturen im St. Marien-Hospital in Kevelaer und Vertreter des Casemanagements (Patientenmanagement) erklärten den Ablauf im Krankenhaus vom Aufnahmegespräch bis zur Entlassung nach einer OP.

Die abschließende Fragerunde war kurzweilig. Auf die Frage, wie lange ein künstliches Knie heutzutage denn ungefähr hält, antwortete Dr. Thomas Bertrams, dass man heute von einer Standzeit von circa 15 bis 18 oder sogar 20 Jahren ausgehe. Nachdem bereits zahlreiche Besucher den Saal verließen, wurde unter anderem das Thema der Ergotherapie bei Arthrose behandelt und von Konstantin Deev die Frage „Was bewirkt Akupunktur?“ kritisch beantwortet: „Wenn man dran glaubt, dann wirkt es.“