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Als Dank nach überstandenen Seuchen

Die Wallfahrtssaison hat zwar gerade begonnen, aber etliche Wallfahrten werden in diesem Jahr wegen Corona abgesagt. Was aus heutiger Sicht logisch klingt, ist nach Worten von Kirchenhistoriker Professor Dr. Norbert Köster einmalig.

Denn in früheren Jahrhunderten waren Seuchen oder Katastrophen wie Brände erst recht gerade der Anlass für Wallfahrten. „Wenn sich eine Pfarrei oder ein ganzer Ort auf den Weg zu einem Wallfahrtsort macht, steckt fast immer eine Seuche dahinter“, sagt Köster zu den historischen Ursprüngen.

Dabei habe es sich entweder um eine Viehseuche gehandelt, die den Bauern die Lebensgrundlage entzog, oder es sei eine Seuche wie beispielsweise die Pest gewesen, die unzählige Menschenleben forderte. „Manche Wallfahrten sind als Dank entstanden, nachdem das Ganze überstanden war, oder als Bitte, damit so etwas nicht wieder ausbricht“, erklärt der Professor für Kirchengeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster.

Früher hätten die Menschen mit großer Treue an den Wallfahrten festgehalten. „Es könnte also sein, dass in diesem Jahr 2020 tatsächlich zum ersten Mal Wallfahrten ausfallen, die seit mehreren hundert Jahren ununterbrochen stattgefunden haben,“ erklärt der ehemalige Generalvikar des Bistums Münster.

Die Menschen hätten sich früher auch in Seuchenzeiten auf den Weg gemacht. Denn: „Über Infektionsrisiken hat man natürlich sehr wenig nachgedacht, und über Inkubationszeiten und Ansteckungsrisiken und -wege wusste man einfach nichts.“

Als Theologe ermutigt Köster Gläubige, auch in diesem Jahr zu pilgern: „Auch zu Corona-Zeiten sind Wallfahrten möglich und sinnvoll sind, wenn man die entsprechenden Abstandsregelungen einhält.“

Einzeln zu pilgern, ist denkbar

Einzeln zum Wallfahrtsort zu pilgern, sei ja denkbar. Man könne „auch dort in der Kirche beten und das Anliegen vor Gott tragen, dass die Menschen, die von der gegenwärtigen Seuche betroffen sind, tatsächlich entweder geheilt werden oder – was die wirtschaftlichen Folgen angeht – dass es sie nicht so schlimm trifft.“

Vielleicht entstünden in dieser Zeit sogar neue Wallfahrten oder alte würden wiederbelebt. „Jedenfalls ändert sich an der Grundaussage, dass wir unsere Sorgen und unsere Nöte vor Gott bringen, eigentlich nichts“, sagt Köster.

In jedem Fall ist er überzeugt, dass Wallfahrten auch heute eine wertvolle Art sind, „uns auf den Weg machen und unser Anliegen Gott und seinen Heiligen vorzutragen.“

Ein historischer Tag

Absolut nichts war rund um und in der Kevelaerer Basilika bei der Eröffnung der Pilgerpforte und dem Beginn der Pilgerzeit unter dem Motto „Ich bin, wo Du bist“ normal.
Vor den Eingängen des Gotteshauses waren an diesem Morgen klare Abstandsmarkierungen eingezeichnet. An den Türen wachten die Ordner der Petrus-Schützenbruderschaft mit Mundschutz darüber, dass nicht mehr als die erlaubten 150 Kirchenbesucher den Weg in die Basilika fanden.

Schon früh um 9 Uhr hatte man die Basilika geöffnet, um auf einen eventuellen Ansturm von Gläubigen vorbereitet zu sein. „Wir haben momentan da 30 Leute drin, zu normalen Zeiten wäre die Kirche schon jetzt voll“, machte der Generalsekretär der Wallfahrt, Dr. Rainer Killich, den Unterschied zu sonstigen Eröffnungen klar.

„Der Andrang hält sich in Grenzen“, war der mit Gesichtsmaske ausgestattete frühere Festketten-träger Heinz van Bühren froh, „dass wir keinen haben abweisen müssen.“ Ein paar wenige Plätze blieben sogar leer. Die Mitglieder der Kolpingsfamilie, die mit ihren Fahnen auf dem Kapellenplatz erschienen, durften aufgrund der beengten Situation nur mit einer Person und eine Fahne symbolisch mit einziehen. Diue Anderen verfolgten die Eucharistiefeier im „Forum Pax Christi“, wo die Wallfahrtsleitung einen weiteren „Viewpoint“ geschaffen hatte. „Kolping war zum 1. Mai immer da. Als Kevelaer zerstört wurde – und jetzt auch in der Krise“, meinte Michael Rübo vom Kolping-Kreisvorstand Kleve.

Wallfahrtseröffnung 2020 Foto: AF

Weniger Andrang als erwartet

Am Hauptportal stand Desinfektionsmittel. An den Bänken waren kleine Schilder mit Wallfahrtslogo und der Aufschrift „Sitzplatz“ angebracht. Zwischen den Kirchenbänken waren die Aufschriften „Abstand halten“ deutlich sichtbar. Ein Ordnungsdienst wachte über die Einhaltung. Und auch die fünf Mitglieder des Mädchenchores der Basilikamusik sangen unter Leitung von Romano Giefer im Abstand voneinander stehend.

Es gab keinen Gemeinschaftsgesang bis auf den Schluss – und statt Händeschütteln bei „Friede sei mit Dir“ nur ein gegenseitiges Zunicken. Die heilige Kommunion wurde an sechs verschiedenen Stationen mit den entsprechenden Sicherheitsabständen ausgegeben. Im Mittelgang vor dem Altar wurde allerdings erkennbar, dass zwei nebeneinander laufende Reihen für einen Sicherheitsabstand nicht optimal sind.

Für die Gläubigen in der Kirche war die Situation mehr als ungewohnt. „Ich habe keine Worte, das ist alles surreal“, konnte Thomas Molderings kaum beschreiben, was er empfand. Tobias Kocken fand es „komisch, aber besser als keine Kirche. Das liegt an den Auflagen, das muß halt so.“

Annette Roweda war extra aus Voerde angereist. „Ich bin erleichtert, dass es überhaupt möglich ist. Ostern ohne Messe – das ist keine Kar-Woche“, meinte sie. „Es ist zwar etwas gespenstisch, aber so kann man nun wieder den Herrn empfangen und hoffen, dass es bald normal wird.“

Wallfahrtsrektor Gregor Kauling entzündete die Kerzen von Kolping und von St. Franziskus Isselburg. Foto: AF

Bei der Begrüßung der Gläubigen in der Kirche, der digital Anwesenden und des Limburger Bischofs Georg Bätzing, sagte Wallfahrtsrektor Gregor Kauling: „Das ist ein Tag, der für die Stadt, unsere Kirchengemeinde und so vielen Pilgern von besonderer Bedeutung ist.“ Er sprach im Kontext von Corona von einer „Menschheit der Betroffenheit“. Er habe das in den letzten Tagen spüren können. „Ob durch Freunde in Brasilien, Indien oder hier am Niederrhein: Wir sitzen alle in einem Boot.“ Da sei es gut „dass Fenster und Türen aufgehen. Vor allem das Fenster zu Gott.“ Später segnete er die Kerzen von Kolping und der St. Franziskus-Gemeinde Isselburg.

Bätzing – auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz – gestand in seinem Grußwort: „Mein Herz bebt in dieser Stunde etwas. Denn wer hätte gedacht, dass das in doppelter Weise ein besonderer Tag wird?“ Er meinte damit die Öffnung der Pforte als „besonderem Fest für die Stadt und für alle Pilgerinnen und Pilger“ und den ersten „Gottesdienst von Angesicht zu Angesicht.“

Bischof Bätzing bei seiner Predigt. Foto: AF

Mit Vorsicht und Augenmaß

Diese Zusammenkunft geschehe aber „mit Vorsicht und Augenmaß“ Deshalb dankte er „auch all denen, die entschieden haben, nicht zu kommen, sondern die Übertragungswege wahrzunehmen und auf diesem Weg die heilige Messe mitzufeiern.“ Denn „wir wissen, wir sind verantwortlich füreinander, weil diese Krise nicht vorbei ist“, sagte Bätzing.

„Wir können sie nicht einfach vorbeireden, sondern sie wird uns noch lange, lange in Atem halten und von uns Dinge erfordern, die wir einbringen müssen.“ Er dankte allen für ihre „Verantwortung und Klugheit.“ Dabei werde die Gottesmutter „uns Kraft und Stärke geben, diese Zeit miteinander und solidarisch füreinander zu gestalten.“

In seiner Predigt ging er auf die Schlichtheit des kleinen Andachtsbildes ein, das „hier seit Jahrhunderten so große Wirkung erzielt.“ Hinter der Kevelaerer Wallfahrt stecke „keine kirchliche Obrigkeit oder ein einflussreicher Orden“, würdigte er „die Frömmigkeit einfacher Leute“ und des Händlers Hendrik Busmann. Er habe „in den Zeiten der Bedrängnis des Dreißigjährigen Krieges“ mit seiner Frau aus Kevelaer „seinen eigenen kleinen Haltepunkt und Trostort“ gemacht – und zum Verweilort vieler Million Menschen über fast vier Jahrhunderte.

Das verglich er mit den „vielen kreativen Ideen, die in den vergangenen Wochen entstanden sind“, um viele Menschen „in dieser so anspruchsvollen Zeit eingeschränkter Sozialkontakte und solidarischer Sorge um die besonderen Risikogruppen zu tragen.“ Die wahre Kostbarkeit des Bildes liege „in dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe, die hier an dieser Quelle entspringen.“ Das Gnadenbild der Maria gewinne in diesen Coronazeiten neu an Bedeutung, da sie „die Krone unseres Dankes (…) mitleidend, zugänglich und ansprechbar für unsere Anliegen und Nöte trage.“

Drei Details

Besonders im Detail berührten ihn deswegen einmal die drei Kronen in dem Bild. „Corona“, das heißt Krone“, schlug er dabei auch den Bogen zu dem Virus und der „trügerischen Hoheit“, die diese „gefährliche Krankheit“ zeige. „Die Krone dieses Virus ist eine Plage der Menschheit“, die uns noch „Jahre und Jahrzehnte“ belasten werde.

Zum Zweiten nannte er die vielen Perlen im Bild, die äußerlich Tränen gleichten, die sicherlich in großer Zahl an dem Gnadenbild geflossen seien. Zur Zeit werde auch viel geweint „um die Schwerkranken auf der Intensivstation und die Sterbenden, die ihren letzten Weg unbegleitet gehen mussten, von denen in Kurzarbeit und mit Existenzsorgen oder auch „im Unverständnis der Kinder, den Großeltern nicht um den Hals fallen zu können.“

Dem setzte er „die wunderbare Aufmerksamkeit füreinander“, die „Zeit, die Familien wieder gemeinsam verbringen“ oder auch „die neue Wertschätzung für unser System von Absicherung und Vorsorge in Staat und Gesellschaft“ und ein „neues Zusammenrücken der Länder Europas“ entgegen.

Und der Mantel der Trösterin besitze in der Hinsicht für ihn „große Signalwirkung“ , um „den Schwächsten menschliche Zuwendung und Geborgenheit zu schenken, ihnen mit palliativer Sorge auf dem letzten Lebensabschnitt“ zu helfen und dem Sterbenden „alle nötige Hilfe schmerzlindernder Medizin zukommen zu lassen.“

Kritik am Urteil des Bundesverfassungsgerichts

Das sei die „christliche Antwort auf den manchmal aus Verzweiflung geäußerten Wunsch, langes und unerträgliches Leiden beenden zu wollen“, kritisierte er das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar zur „geschäftsmäßigen „Suizidbeihilfe“, wie er es nannte. „Denn sie stellt einen tiefen Einschnitt in die Rechtskultur und die ethischen Grundwerte unseres Landes dar.“

Die autonome Selbstbestimmung werde über den Schutz des Lebens gestellt, Selbsttötung „sozusagen zum Inbegriff der Autonomie des Menschen, die von Staat und Gesellschaft zu respektieren sei.“ Das werde den Druck auf „besonders verletzte Menschen“ erhöhen, das Leben zu beenden. „Das möchte ich nicht widerspruchslos hinnehmen.“

Das Urteil fordere Christinnen und Christen dazu heraus, „ganz entschieden für die Heiligkeit und Unverletzlichkeit des Lebens einzutreten, für das Lebensrecht der Schwachen, Kranken, Leidenden und Sterbenden“, sagte Bätzing. „Sie haben Lebensanspruch und Lebensanrecht bis zum letzten Atemzug.“ Dementsprechend werde die Kirche ihren Einsatz für die Palliativmedizin und die Hospizarbeit verstärken „und gegen allen ökonomischen Kostendruck dafür öffentlich eintreten“, so der Bischof.

„Der weite Mantel menschlicher Fürsorge ist bei Weitem der sicherste Raum für menschliches Leben und Sterben in Würde.“ Das sei „in dieser Zeit vielleicht die wichtigste Botschaft des Gnadenbildes von Kevelaer“ und ein „Auftrag, den wir von dieser Pilgerstätte mitnehmen.“ Dafür gab es am Ende der Predigt Applaus.

Die Pforte wurde von innen geöffnet. Foto: AF

Öffnung der Pforte von innen

Danach wurde die Pilgerpforte nicht mit einem Schlüssel von dem Bischof von außen geöffnet, sondern aus Sicherheitsgründen von innen. Die Petrus-Schützen zogen die beiden schweren Türen dann auf. Die Gläubigen sollten bis zum Gang zum Gnadenbild auf ihren Plätzen sitzen bleiben und die Worte der Geistlichen dort verfolgen – nicht alle hielten sich allerdings daran.

Nach der Segnung der Pforte durch den Bischof gingen die Kirchenvertreter zum Gnadenbild in der Gnadenkapelle. Kauling und Bätzing hielten an dem Marienbildnis einen Moment lang gemeinsam inne. Dann setzten sie die Gebete und Gesänge vor dem Gnadenbild unter Beteiligung der anwesenden Gläubigen fort.

Bätzing segnete die Pilgerkerze dieses Tages. „Viele Menschen haben lange Zeit schon darauf gewartet, daß wir gemeinsam feiern. Es ist sehr anders, als wir es gewohnt sind – daran werden wir uns gewöhnen müssen, und wir werden uns daran gewöhnen“, zeigte er sich tief bewegt darüber, dass er „diese Feier hier mit Ihnen als Bischof begehen durfte. Das hätte ich vor ein paar Jahren nicht gedacht.“

Später meinte er: „Die Organisation dieses Gottesdienstes – mit den Hygienemaßnahmen und dem Ordnungsdienst – das hat mir Sicherheit gegeben, dass man so feiern kann. Das ist in der Weise hier sicher ein Vorbild.“ Und er gestand er noch einen kleinen Patzer. „Ich hab die Eröffnung gesungen wie gewohnt und dann gedacht: Ich soll ja die Leute nicht herausfordern zu singen.“

Die Eröffnung der Wallfahrtszeit in Kevelaer am 1. Mai hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg, zum Anlass genommen, sich im Beisein von Bürgermeister Dr. Dominik Pichler in das Goldene Buch der Wallfahrtsstadt Kevelaer einzutragen.
Foto: privat

Pilgern ist eine urmenschliche Erfahrung

Mit einem Pontifikalamt in der Basilika eröffnet der Bischof von Limburg, Dr. Georg Bätzing, am 1. Mai vor bis zu 150 Gläubigen um 10 Uhr die Wallfahrtszeit. Im KB spricht der Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz über die Wallfahrt, den Synodalen Weg und seinen persönlichen Bezug zu Kevelaer.

Das Motto der Wallfahrt lautet „Ich bin da, wo Du bist“. Kann die Kirche dieses Versprechen halten, wenn nur bedingt öffentlichen Gottesdienste gefeiert werden können?

Bätzing: Das Wallfahrtsmotto beziehe ich zunächst einmal auf unseren Gott und auf die Gottesmutter. Das ist ja die große Zusage, aus der wir leben. Unser Gott ist der „Ich bin da“. Und Maria hat als Mutter des Herrn in der harten Stunde des Leidens und Sterbens ihres Sohnes gezeigt, dass sie bleibt und nicht wegläuft. So bezeugt es das Evangelium. So ist Maria die Mutter der Kirche geworden. Für uns Menschen in der Kirche ist das Wallfahrtsmotto Ansporn und Herausforderung. Und die gelingt auch in dieser Zeit! Wie viele Gläubige sind in Hilfsdiensten, in Gebetsinitiativen, in der Krankenpflege und Altenfürsorge, in Beratungsdiensten und in seelsorglicher Begleitung gerade jetzt gefragt. Und sie sind für andere da. Ich habe in den vergangenen Wochen so viele wunderbare Beispiele kennengelernt, dass ich mehr denn je überzeugt bin, wir haben als Christinnen und Christen einen wichtigen, unersetzbaren Auftrag in der Gesellschaft.

Sie waren 2012 Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier. Was fasziniert die Menschen auch heute noch am Pilgern?

Bätzing: Pilgern ist ein Bild des menschlichen Lebens, eine urmenschliche Erfahrung. Die Weggemeinschaft als einzelne oder in Gemeinschaft bestärkt für den Alltag. Und als Unterbrechung des Alltags führt das Pilgern auf den Weg nach innen. Vieles Unbewusste kommt durch den Rhythmus des Gehens und des Betens ins Bewusstsein. Manches kann geordnet und geklärt werden, mit manchen Erfahrungen mag ich mich versöhnen. Pilgern ist ein heilsames Wegstück, und dabei spielt das Ziel eine wichtige Rolle. Wenn mich am Ziel, ein so ehrliches Bild wie die kleine Ikone der Trösterin der Betrübten empfängt, dann kann ich mich mit meiner ganzen Lebensgeschichte dort geborgen fühlen. Und ich gehe getröstet nach Hause.

Was verbinden Sie mit Kevelaer?

Bätzing: Es sind ganz frühe Kindheitserinnerungen: Lange, bevor ich das erste Mal in Kevelaer war, sehe ich vor mir die singende Pilgergruppe, die von der Musikkapelle begleitet, an meinem Elternhaus in Niederfischbach (Kreis Altenkirchen) vorbei, zum Bahnhof zieht. Das war jedes Jahr am Samstag nach Maria Himmelfahrt, und da durften wir als Kinder früh aufstehen, um die Prozession zu sehen. Mein Opa gehörte zum Organisationsteam der Siegprozession, und nach der Rückkehr bekam ich immer ein kleines Mitbringsel aus Kevelaer.

Wie wichtig ist es, mit Blick auf die Trösterin der Betrübten, dass die Kirche gerade in diesen Zeiten Trost spendet?

Bätzing: Solch eine Krisenzeit habe ich noch nie erlebt. Wie gefährdet ist unser Leben? Wie viele Menschen sind an diesem neuen Virus bereits gestorben? Wie viel Isolation und Einsamkeit müssen Menschen in den Altenheimen, den Krankenhäusern und zu Hause zur Zeit ertragen? Und der leibliche Trost durch Menschen, die einfach da sind in dieser Ausnahmesituation, der fehlt ja häufig. Da ist der geistliche Trost ganz wichtig – im Wissen, dass die Gottesmutter den Betrübten nahe ist. Ich weiß von vielen Menschen, die sich in dieser Zeit ganz besonders der Fürsprache der Mutter Gottes anvertrauen.

Der katholischen Kirche wird oft vorgeworfen, auf Innovationen mit gewisser Schwerfälligkeit zu reagieren. Wie erstaunt sind Sie über das Tempo, mit dem in der Krise neue Formate zur Feier des Gottesdienstes und zur Seelsorge gefunden werden? Welche Initiativen haben Sie besonders beeindruckt?

Bätzing: Wir haben in dieser Krisenzeit wirklich viel gelernt. Wir sind erfahrener im Umgang mit und im Einsatz von digitalen Medien geworden. Mich hat die Fähigkeit fasziniert, ganz schnell umzudenken und Wege zu suchen, wie wir für andere dasein können, ihnen Angebote machen, miteinander zu beten, Gottesdienst zu feiern, dem Glauben einen Ausdruck zu geben in einfachen Symbolen. Vermutlich ist in vielen Häusern und Familien lange nicht mehr so intensiv miteinander gebetet und über den Glauben gesprochen worden, wie in dieser Zeit – gerade mit Kindern, die ja gerne Fragen stellen. Und wenn wir bald wieder zu einer größeren Normalität des Alltags auch in der Kirche zurückkehren können, werden wir unsere Erfahrungen sorgfältig bedenken – und hoffentlich manche Formen und Angebote, die uns in dieser Zeit geholfen haben, weiter pflegen und ausbauen.

Lassen die vergangenen Wochen Sie hoffen, dass die Dynamik auch auf weitere Reformprozesse, Stichwort „Synodaler Weg“, überspringt?

Bätzing: Wenn wir im Herbst, so Gott will, zur zweiten synodale Versammlung in Frankfurt zusammen kommen, werden wir sicher nicht einfach zur Tagesordnung über gehen. Wir haben in der Krise Erfahrungen auszutauschen, zu bedenken und zu fragen, was sie mit unseren vier Schwerpunktthemen zu tun haben.
Und vor allem: was sie uns sagen für den Weg der Kirche in der Zukunft. Wir wollen ja eine Kirche an der Seite der Menschen von heute sein. Das haben wir miteinander verabredet, und darauf suchen wir gemeinsam Hinweise und Antworten. Das wird ein spannender Prozess, und ich freue mich sehr auf die künftigen Begegnungen.

Ab 1. Mai dürfen wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden

Ab dem 1. Mai 2020 wird es im Land Nordrhein-Westfalen wieder möglich sein, zusammen mit der Gemeinde öffentliche Gottesdienste zu feiern. Das gilt somit auch für das Pontifikalamt zur Eröffnung der Kevelaerer Wallfahrtszeit mit dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg, das am Maifeiertag um 10 Uhr in der Basilika beginnt. „Wir sind froh, dass wir pünktlich zum Wallfahrtsbeginn die Möglichkeit haben, öffentliche Gottesdienste zu feiern und damit auch Einzelpilgern und kleinen Gruppen die Möglichkeit geben, zur Trösterin der Betrübten zu pilgern“, erklärt der Rektor der Kevelaer-Wallfahrt, Domkapitular Gregor Kauling. Gerade in bedrängten Zeiten hätten viele Menschen in den vergangenen Jahrhunderten Trost und Zuflucht im Wallfahrtsort Kevelaer gefunden. „Wir hoffen, dass dieses auch in unserer Zeit der Fall sein wird und heißen die Pilgerinnen und Pilger unter den gegebenen Voraussetzungen herzlich willkommen“, so Kauling weiter.

Denn es gelten in allen Kirchen und Gebetsräumen die in Zeiten der Corona-Pandemie obligatorischen Hygienevorschriften und Abstandsbestimmungen. Daher werden in der Kevelaerer Basilika insgesamt lediglich 150 sichtbar markierte Sitzplätze für die Gläubigen zur Verfügung stehen. Ein Ordnungsdienst wird darauf achten, dass diese Sitzordnung streng eingehalten wird. Sobald die vorhandenen Sitzplätze belegt sind, wird der Ordnungsdienst weiteren Gläubigen den Zugang zur Kirche entsprechend verwehren. Die Basilika wird um 9 Uhr geöffnet.

Einige Regelungen sind zu beachten

Das Bistum Münster hat für die Gemeinden im nordrhein-westfälischen Teil der Diözese umfangreiche Rahmenbedingungen für die öffentliche Feier von Gottesdiensten erlassen. Die Regelungen werden ab dem 1. Mai in den Kirchen am Kapellenplatz permanent und deutlich sichtbar ausliegen. Alle Gläubigen werden dringend gebeten, sich sehr strikt an diese Anweisungen und an alle weiteren Ansagen, die ggf. vor oder während der Gottesdienste erfolgen, zu halten.

Zu diesen Rahmenbedingungen gehört unter anderem, so teilt das Bistum Münster in einer Pressemitteilung mit, dass der Zugang zu den Gottesdiensten begrenzt wird. Die Zahl der zugelassenen Gottesdienstteilnehmer richtet sich nach der Größe des Raumes. „Dabei gilt“, so heißt es in den Rahmenbedingungen, „dass nach allen Seiten hin der von den Behörden empfohlene Mindestabstand (1,50 m) einzuhalten ist“. Familien sollen nicht getrennt werden. Sicherzustellen sei auch, dass beim Betreten und Verlassen der Kirche die Abstandsregeln eingehalten werden. Nach Möglichkeit sollten Zu- und Ausgang durch zwei Zuwege zur Kirche getrennt werden. Es sollten vermehrt Freiluft-Gottesdienste gefeiert werden. Firmfeiern könnten ebenso wie Requien oder Trauergottesdienste in den Kirchen unter Beachtung der Regeln gefeiert werden. „Für Trauerfeiern am Grab bleiben die Anordnungen der örtlichen Behörden maßgeblich, dies gilt auch für die Zahl der Teilnehmenden“, heißt es in den Rahmenbedingungen. Die Übertragung von Gottesdiensten im Internet werde weiter angeboten, damit Personen, die Risikogruppen angehören, leichter zu Hause bleiben könnten.

Im Blick auf die Austeilung der Kommunion besagen die Rahmenbedingungen, dass alle daran Beteiligten sich die Hände desinfizieren müssten, bevor sie die Hostien berührten. Den Gläubigen solle „die Kommunion in angemessenem Abstand gereicht“ werden. Die Mundkommunion müsse bis auf weiteres unterbleiben. Die Kommunionordnung müsse so angepasst werden, dass die Gläubigen die Kommunion „im gebotenen Mindestabstand“ empfangen könnten.

„Taufen, Erstkommunionfeiern oder Hochzeiten verlangen wegen ihres besonderen, teils mit engerem physischem Kontakt verbundenen liturgischen Charakters eine besonders sorgfältige Einhaltung der genannten Regeln. Bisweilen empfiehlt sich eine Verschiebung“, wird in den Rahmenbedingungen betont. Beichtgespräche im Beichtstuhl seien nicht möglich: „Die Spendung des Bußsakramentes hat unter Beachtung des Mindestabstandes (1,50 m) sowie der Hygienevorschriften zu erfolgen.“ Für die Seelsorge an Kranken und Heimbewohnern seien weiterhin die jeweiligen örtlichen Bestimmungen einzuhalten. Wo immer es möglich sei, sei „die Seelsorge an kranken, einsamen oder sterbenden Menschen ein vorrangiger Dienst. Dies gilt auch für die Spendung der Krankenkommunion“, wird festgehalten.

Keine Pflicht für Mund- und Nasenschutz

Das tägliche Läuten um 19.30 Uhr unterbleibe ab dem 1. Mai, schreibt Generalvikar Winterkamp. Zur Frage, wie die Gottesdienste am Fronleichnamsfest (11. Juni) gefeiert werden könnten, werde es noch weitere Informationen geben. Im Blick auf die Feier von Firmungen sollten die Pfarreien Kontakt mit dem jeweiligen Weihbischof oder den anderen Firmspendern aufnehmen. Mund- und Nasenschutz seien für die Gottesdienste nicht verpflichtend. Gottesdienstbesucher mit Mund- und Nasenschutz sollten aber nicht abgewiesen werden. Alle Pfarreien könnten Hand- und Flächendesinfektionsmittel im Bischöflichen Generalvikariat in Münster oder im Kreisdekanatsbüro Borken abholen.

Da das Versammlungs- und Kontaktverbot weiter bis zum 3. Mai gelte, könne zu allen anderen kirchlichen Veranstaltungen, Gremiensitzungen, Gruppentreffen, Verbandsveranstaltungen noch nichts gesagt werden, betont der Generalvikar. Diesbezüglich blieben die Absprachen zwischen der Bundesregierung und den Länderchefs am 30. April abzuwarten. Fachabteilungen im Generalvikariat kümmerten sich derzeit unter anderem um die Themen Ferienfreizeiten, Wochenendveranstaltungen und Fahrten sowie um alle Fragen zum Kita-Bereich, zu den Bischöflichen Schulen und den Bildungshäusern und -foren.

 

Kevelaerer Wallfahrtszeit wird mit Videoübertragung eröffnet

Der Bischof von Limburg, Dr. Georg Bätzing, eröffnet am Freitag, 1. Mai 2020, die diesjährige Kevelaerer Wallfahrtszeit, die unter dem Leitgedanken „Ich bin, wo Du bist“ stehen wird. Da nach den aktuellen Bestimmungen des Bistums Münster alle öffentlichen Gottesdienste bis einschließlich zum 1. Mai 2020 untersagt sind, wird das Festhochamt in der Basilika ohne Gemeinde vor Ort im kleinsten Kreis gefeiert. Alle Gläubigen und vor allem die Pilgerinnen und Pilger, die sich mit Kevelaer eng verbunden fühlen, sind herzlich eingeladen, das Amt daheim mitzufeiern. Die Übertragung der Feier beginnt um 10 Uhr im Fernsehsender EWTN und im Live-Stream auf der Internetseite www.wallfahrt-kevelaer.de. Sollten sich in den aktuellen Gesprächen des Bundes und der Länder mit den Vertretern der Kirchen in Deutschland kurzfristig andere Möglichkeiten ergeben, wird die Kevelaerer Wallfahrtsleitung versuchen, diese aktualisierten Bestimmungen so kurzfristig wie möglich umzusetzen.

„Bischof Bätzing, der ja erst vor einigen Wochen zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt wurde, hat keinen Moment mit seiner Zusage gezögert, auch unter diesen besonderen Umständen nach Kevelaer zu kommen, um die Wallfahrtszeit zu eröffnen“, freut sich der Rektor der Kevelaer-Wallfahrt, Domkapitular Gregor Kauling. Das zeige die enge Verbundenheit des Limburger Bischofs mit dem Pilgerwesen und den Wallfahrtsorten. Zum Beispiel sei Bätzing, so Kauling weiter, als Wallfahrtsleiter für die Organisation und Durchführung der letzten Trierer Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 zuständig gewesen, bevor er dann im selben Jahr zum Generalvikar des Bistums ernannt wurde.

Eine der ersten offiziellen Amtshandlungen als Vorsitzender der Bischofskonferenz

„Georg Bätzing hat damals den sehr interessanten Spagat geschafft, diese traditionsreiche Wallfahrt mit einer zeitgemäßen Spiritualität und interessanten, neuen Formaten zu bereichern“, erinnert sich Pastoralreferent Dr. Bastian Rütten, der in der Kevelaerer Wallfahrtsleitung unter anderem für die Entwicklung innovativer Projekte zuständig ist. Diese Aufgabe stelle sich auch für das Kevelaerer Wallfahrtsteam. „Daher freuen wir uns auch auf den persönlichen Austausch mit Bischof Bätzing“, ergänzt Rütten. Immerhin sei die Eröffnung der Kevelaerer Wallfahrtszeit eine der ersten offiziellen Amtshandlungen Bätzings als Vorsitzender der Bischofskonferenz.

Nicht nur der Auftakt der Kevelaerer Wallfahrtszeit wird sich in diesem Jahr sehr von den gewohnten Ritualen unterscheiden. „Leider ist derzeit nicht absehbar, wann es für eine organisierte Pilgergruppe in diesem Jahr wieder möglich sein wird, sich auf den Weg zu einem Wallfahrtsort zu machen“, berichtet Dr. Rainer Killich, der in seinem Wallfahrtsbüro derzeit vor allem Stornierungen von bereits angemeldeten Pilgergruppen entgegennehmen muss. „Das geht leider jetzt schon bis in den August hinein und umfasst nach den aktuellen Bestimmungen nun auch Großveranstaltungen, wie etwa die Tamilenwallfahrt“, so Killich weiter. Daher sei es gerade in dieser Situation sehr wichtig, mit den Pilgerinnen und Pilgern geistlich in Verbindung zu bleiben. „Wir bitten daher alle Pilgergruppen, die in diesem Jahr nicht kommen können, uns zu ihrem geplanten Wallfahrtstermin dennoch ihre Pilgerkerze für die Kerzenkapelle zukommen zu lassen“, berichtet Gregor Kauling. Man werde die Kerze dann im Pilgeramt des entsprechenden Tages aufstellen, segnen und entzünden.

Ein Zeichen setzen

„Ich gehe nämlich durchaus davon aus, dass es schon bald wieder möglich sein wird, unter Berücksichtigung bestimmter Schutzmaßnahmen auch öffentliche Gottesdienste zu feiern“, vermutet der Rektor der Kevelaer-Wallfahrt. Auch daher sei es wichtig, jetzt die Wallfahrtszeit zu eröffnen, ein Zeichen zu setzen, wenn man auch auf den Besuch von organisierten Gruppen vermutlich noch eine Weile werde verzichten müssen.

„Aber ab dem 1. Mai wird das Portal der Basilika offen sein und, wann immer es das Wetter zulässt, auch offenstehen“, so Kauling weiter. „Gerade in dieser schwierigen Zeit, in der wir Trost und Beistand in besonderer Weise bedürfen, sind unsere Kirchen und Kapellen tagsüber für die Einzelpilger zum privaten Gebet und sicher bald auch wieder zum gemeinsamen Gottesdienst geöffnet“.

Motorradfahrer-Wallfahrt vor dem Aus?

“MoWa dreht auf Halbgas zurück”, titelt der Verein “Motorradfahrerwallfahrt Kevelaer e.V.” seine Nachricht bei Facebook und schränkt gleich selbst ein: “Eigentlich müsste man sagen: vorerst auf „Viertelgas“. Soll heißen, in 2020 wird es keine vom Motorradfahrerwallfahrt-Kevelaer e. V. organisierte Motorradfahrer-Wallfahrt (MoWa) geben!” An den Unwägbarkeiten der Wallfahrtssaison in Zeiten der Corona-Krise liegt das wohl nicht zuvorderst, eher scheint die Absage einiger bislang fester Bestandteile dieser Wallfahrt organisatorische Gründe zu haben.

“Nachdem der Verein Motorradfahrerwallfahrt-Kevelaer e.V. die MoWa seit 34 Jahren ausrichtet, mussten Veränderungen im Laufe der Zeit zur Kenntnis genommen werden: Die Frequentierung des Zeltplatzes an der Walbecker Straße nimmt von Jahr zu Jahr ab. Immer weniger Motorradfahrer wollen oder können dort übernachten. Fazit: zurückgehende Besucherzahlen auf dem Zeltplatz mit oder ohne Motorrad. Alles das bei einem immer höheren Organisationsaufwand mit vielen Unwägbarkeiten einer solchen Veranstaltung. Hinzu kommt, dass die ehrenamtliche Personaldecke für die Ausrichtung der MoWa in der gewohnten Form immer dünner wurde und auch weiter dünner wird. Aufrufe, vereinsintern und auch extern, haben leider keine Entlastung gebracht”, heißt es zur Erklärung seitens des Vereins.

Deshalb habe sich der Vorstand entschlossen, den Zeltplatz in diesem Jahr nicht mehr zu betreiben und keine Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten. Aus dieser Situation und  mehreren Mitgliederversammlungen sei hervorgegangen, dass die MoWa 2020 nicht unter der Leitung und Organisation des Vereins zu stemmen sei. “Diese sich abzeichnende Situation wurde immer offen und mit beiderseitig offenen Ohren mit der Wallfahrtsleitung St. Marien besprochen und beraten”, heißt es von Seiten der MoWa-Organisatoren.

Nach einem weiteren Gespräch von Vereinsvorstand und Wallfahrtsleitung sei nun beschlossen worden, in diesem Jahr eine „MoWa–light“ durchzuführen. Die Durchführung liege in der Verantwortung der Wallfahrtsleitung St. Marien. Die „Lichterfahrt“ am Samstag, 4. Juli 2020, werde als reine selbstverantwortliche Anfahrt nach Kevelaer und auf den Kapellenplatz erfolgen. Der Kapellenplatz wrde ab 18 Uhr befahrbar sein. Um 21 Uhr werde es einen Wortgottesdienst mit dem Totengedenken für die verstorbenen Motorradfahrer/-innen sowie die Segnung der Biker und ihrer Maschinen geben. An einem kleinen Rahmenprogramm auf und um den Kapellenplatz werde derzeit noch gearbeitet. Eine Begrüßungsfahrt am Samstagmittag und die Abschlussfahrt am Sonntag sollen in diesem Jahr nicht stattfinden, teilt der Verein zu den Absichten der Wallfahrtsletung mit.

Wie ist die Aussicht für die MoWa der Zukunft? “Allen Beteiligten ist klar, dass die MoWa und auch die damit verbundenen Begegnungen erhalten werden müssen! Um das Ziel zu erreichen, soll sich die gesamte Veranstaltung (Wallfahrt und Feiern) künftig im Zentrum der Wallfahrtsstadt abspielen, also um die Gnadenkapelle und um den Kapellenplatz. Das gilt auch für die Übernachtungsmöglichkeit. Hierzu könnte man sich neben den vorhandenen Hotels und Pensionen unter bestimmten Voraussetzungen auch das Priesterhaus und „Pastors Garten“ vorstellen. Wallfahrt feiern im Forum Pax-Christi gehört auch zu den Optionen”, heißt es von Seiten des Vereins.

Zur Umsetzung des neuen Konzepts der Wallfahrt ab 2021 sucht der Verein jedoch dringend Unterstützer, die gestalten und Verantwortung übernehmen wollen. “Hilfestellung und Mitgestaltung durch die „alten Akteure“ wären gewährleistet”, verspricht man hier. Wer also mitmachen möchte, könne sich gerne bei der Wallfahrtsleitung Kevelaer melden: info@wallfahrt-kevelaer.de.

Sein letzter irdischer Weg

Sogar in der Antonius-Kirche stand für einige eine Leinwand zur Verfügung, und die Basilika war so voller Menschen, dass einige in dem hinterem Bereich stehen musssten. Das Bedürfnis der Kevelaerer, „ihren“ früheren Wallfahrtsrektor Richard Schulte Staade auf seinem „letzten irdischen Weg“, wie es Weihbischof Stefan Zekorn in seiner Predigt später formulierte, zu begleiten, war immens.

Auch zahlreiche Kevelaerer Vereine versammelten sich vor der Basilika, um dem Ehrenbürger der Stadt in der Kirche und später auf dem Weg zum Friedhof die letzte Ehre zu erweisen. „Wo soll man anfangen?“, fragte Michael Kalcker von der Seb und beschrieb ihn angesichts seiner vielen Verdienste als „entscheidende Persönlichkeit für Kevelaer“.

Raphael Freiherr von Loe, verband mit ihm zahlreiche bewegende Erinnerungen. „Er hat mich zur Firmung geführt, hat eine wunderbare Festpredigt zu 600 Jahren Kapelle auf Schloss Wissen gehalten. Es gab spirituell wunderbare Erlebnisse mit ihm.“ 

Bewegendes Abendgebet am Freitag

Am Vorabend der Beerdigung hatte es in der Basilika bereits ein bewegendes Abendgebet gegeben, bei dem der Männergesangsverein zum Gedenken an Schulte Staade seine Stimmen erklingen ließ.

Der amtierende Wallfahrtsrektor Gregor Kauling hatte an diesem Abend bereits davon gesprochen, dass Schulte Staade eine integrierende Persönlichkeit besaß, die „die Menschen nicht zu sich geführt hat, sondern zu Gott und der Mutter Gottes.“

Am Samstagvormittag kamen zu den vielen Kevelaerern noch die zahlreichen kirchlichen Würdenträger. Aus dem Bistum Münster waren unter anderem der frühere Niederrhein-Weihbischof Wilfried Theising und Schulte Staades damaliger Nachfolger Stefan Zekorn anwesend.

Auch Bischöfe aus den Niederlanden, Belgien und Luxemburg sowie Gäste aus der Politik – so wie die frühere Bundesministerin Barbara Hendricks – und der Gesellschaft wollten von dem Gottesmann Abschied nehmen.

Der Münsteraner Weihbischof Stefan Zekorn zelebrierte dann zusammen mit dem emeritierten Bischof aus Rotterdam, Adrianus van Luyn, und dem Roermonder Bischof Harrie Smeets das feierliche Pontifikalrequiem.

Ein Mann tiefer Marienfrömmigkeit – und ein Netzwerker

Richard Schulte Staade war vieles“, zählte Stefan Zekorn dann in seiner Predigt die vielen Funktionen und Interessensgebiete des Verstorbenen auf, der an diesem Tag 88 Jahre alt geworden wäre. „Ehrenbürger, Ehrenpräses, Kuratoriumsvorsitzender, 30 Jahre Mitglied des Priesterrates und des Bistums, Organisator, Pilger, Reiseleiter, Gastgeber, Liturgiegestalter, Bauherr, Antiquitätensammler, Musikliebhaber…. und diese Reihe ließe sich mühelos noch fortsetzen.“ Und er erinnerte an die Besuche von Johannes Paul II. und Mutter Teresa, die ohne Schulte Staade nicht zustande gekommen wären.

Als er sein Nachfolger wurde, habe er versucht, die Handlungen seines Vorgängers zu verstehen. “Da ist mir deutlich geworden, daß er die Gemeinschaft des Priesterhauses, die Pfarrei, die Wallfahrt, und seine Freunde im Grunde wie eine große geistliche Familie im Sinne des Evangeliums gesehen hat.“ Zentral seien für ihn die „vier Worte, die alle von Richard Schulte Staade“ an vielen Orten angebracht wurden und die er in seiner Anfangszeit in Kevelaer überall entdeckte, gewesen: „Mater mei memento dei“ („Mutter Gottes, gedenke meiner“). Die Gottesmutter sei „im inneren Bezirk seines Lebens“ wie die Gnadenkapelle des Wallfahrtsortes Kevelaer gewesen. Schulte Staade habe „aus einer einfachen Marienfrömmigkeit“ heraus gelebt, dazu eine tiefe Beziehung gehabt, sagte Zekorn. Für ihn sei „Maria die „consolatrix afflictorum“, „ die den Betrübten Trost spendet und einen neuen Weg im Leben eröffnet“. Dieses Gedenken habe ihn geprägt in der Pflege „einer großen Vielfalt menschlicher Beziehungen“. Schulte Staade habe „soziale Netzwerke gepflegt, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab“. Deswegen habe er auch „die Internationalität und die freundschaftlichen Verbindungen in die Niederlande, nach Belgien und Luxemburg“ so gepflegt, weil er die „geschwisterliche Begegnung in der Kirche“ als wichtig empfunden habe.

Fürsorglich-familiäre Zuneigung

Ungezählte Kevelaerer, Pilger, Familie und Freunde“ hätten „diese fürsorglich-familiäre Zuneigung und Zuwendung erfahren.“ Gleichzeitig sei das für manche „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht leicht“ gewesen, „weil immer zu dieser familiären Perspektive die Forderung nach einem ganz großen persönlichen Einsatz gehörte.“ Auf diese Weise habe er 31 Jahre lang die Pfarrei gestaltet und vor allem in dieser Haltung über viele Jahre junge Leute begleitet „und ihnen geholfen, ihren Lebensweg zu finden.“ In den Kontext stellte er auch die letzten Worte gegenüber Gregor Kauling am Vorabend seines Todes: „Ihr müsst die Jugend zur Mutter Gottes führen und das Unsichtbare sichtbar machen.“ Deshalb habe Schulte Staade die Kevelaerer Kirchenliturgie so gestaltet, „dass das Sakrale, die geheimnisvolle Gegenwart des unsichtbaren Gottes ein bisschen sichtbar wird.“ Die Worte „Selig sind, die bei Dir wohnen“ sollte jetzt „auch für den Rektor der Wallfahrt, der selbst Pilger war, endgültig in Erfüllung gehen.“

Zum Abschluss zitierte Zekorn die Worte der Kirchenzeitung zum „25-jährigen Ortsjubiläum“ von Richard Schulte Staade: „Wir schauen in diesen Tag als Pfarrei St. Marien in großer Dankbarkeit zurück auf das segensreiche Wirken unseres Pastors. Wir erleben einen Mann Gottes, geprägt von großer Religiosität, beeindruckender Schaffenskraft und Beharrlichkeit und einem überzeugenden Stehvermögen, wenn die persönliche Überzeugung dies erfordert.“

Im Anschluss an das Requiem positionierte sich die Trauergemeinde am Priesterhaus, führte der Weg des Sarges vor das Gnadenbild. Pfarrer Gregor Kauling stimmte das „Ave Maria“, die Gemeinde das Lied „Maria breit den Mantel aus“ an. Anschließend zog die Prozession über die Hauptstraße vorbei an der St. Antonius-Kirche zum Friedhof. Dort wurde Schulte Staade beigesetzt.

Ein Macher und ein Christ

Zeitzeugen erinnerten sich am Tag der Verabschiedung an die Person Richard Schulte Staade

Im Petrus-Canisius-Haus und im Priesterhaus nutzten mehrere hundert Gäste die Gelegenheit, sich noch einmal an den Verstorbenen zu erinnern.

Der berühmte Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim, der viel mit Richard Schulte Staade in Kevelaer zusammen gearbeitet hat und mit ihm befreundet war, sagte: „Er war ein Mensch, der etwas von Kultur verstand und ein guter Christ. Er war außer dem Kardinal in Köln mein bester und verständnisbereitester Auftraggeber. Man konnte alle Dinge besprechen, man wurde nicht gegängelt und man behielt die künstlerische Freiheit, auch wenn man natürlich auch mal Grenzen aufgezeigt bekam. Das war eine Gnade des Himmels, dieser Mann:“

Der Kevelaerer Ortsvorsteher Edmund Bercker dachte spontan „an eine schöne Reise, nachdem er im Ruhestand war, nach Süddeutschland zu Wallfahrtsorten, die ich ganz gut kenne.“ Für ihn sei es „eine Freude“ gewesen, „mit so einer Persönlichkeit zusammengearbeitet zu haben. Er war ein Manager in Sachen Gottes, insbesondere der Mutter Gottes, und wusste, was er wollte. Das kleinste Gnadenbild der Welt hat sein Leben und meins bestimmt.“

Der emeritierte Bischof von Aachen, Heinrich Mussinghoff, erinnerte sich daran, dass er mit Schulte Staade „um die gleiche Zeit Domvikar in Münster“ geworden sei. Als Bischof sei er häufig mit Gruppen in Kevelaer gewesen und habe einen „großen Gastgeber“ erlebt. „ Er war ein frommer Mensch – nicht im Sinne einer Bilderbuchfrömmigkeit, sondern zupackend, dem Menschen zugewandt und sehr stark in der Marienverehrung verwurzelt.“

Auch die  Rheinberger Unternehmerin Christiane Underberg hatte eine ganz persönlichen Draht zu dem Prälaten „von Jugend aus über meine Familie.“ Schulte Staade sei „so eine herausragende Persönlichkeit in der Breite seiner Talente und Fähigkeiten und mit einer charakterlichen Stärke und Persönlichkeit. Davon hätte ich gerne noch mehr von auf dieser Erde.“

Bürgermeister Dominik Pichler räumte dem Ereignis fast sowas wie historische Bedeutung ein: „Ich habe eben auf dem Rückweg zu David Burau gesagt, dass wir eine Beerdigung in dieser Größenordnung in Kevelaer in den nächsten 50 Jahren sicher nicht mehr sehen werden.“ Richard Schulte Staade „war Pastor, als ich nach Kevelaer zog 1983. Irgendwann verließ ich Kevelaer, um zu studieren und das Referendariat zu machen. Als ich 2005 wiederkam, war er immer noch Pastor in St. Marien.“ All das drücke schon die Dauer seines Wirkens aus. Er sei „nicht nur Seelsorger, sondern auch ein Macher“ gewesen, der „baulich für die Wallfahrt und für die Stadt“ viel bewirkt habe. „Das ist der Grund, warum heute auch von sehr vielen Vereinen und Bürgern Abschied genommen wurde, die ihn als charismatischen Macher und frommen Geistlichen auch konfessionsübergreifend wahrgenommen haben. Er war nicht nur für die Katholiken da und stand nicht nur für den Kapellenplatz.“

„Er hat in der Stadt Spuren hinterlassen“

Wohl jeder Kevelaerer kannte Richard Schulte Staade. Und viele Mitbürger haben den ehemaligen Wallfahrtsrektor über all die Jahre begleitet. Im KB würdigen einige von ihnen nochmal das Leben und Wirken des Ehrenbürgers der Stadt Kevelaer.

„Richard Schulte Staade war einer meiner Vorgänger im Amt des Wallfahrtsrektors in Kevelaer. Seine Verdienste um die Wallfahrt sind kaum zu ermessen, seine Ideen und Erneuerungen wirken bis heute nach“, würdigt Weihbischof Rolf Lohmann den Verstorbenen. „Ich bin dankbar für die vielen Begegnungen mit ihm.“

Weihbischof Rolf Lohmann würdigt den Verstorbenen.

„Ich habe fast 30 Jahre mit Pastor Schulte Staade in seiner Zeit als Wallfahrtsrektor zusammengearbeitet und Höhepunkte der Stadt aus nächster Nähe mit ihm erlebt“, erinnert sich Marianne Heutgens. Die Wallfahrtsführerin, arbeitete fast 30 Jahre in der Stadtverwaltung. „Auch als Stadtführerin kann ich sagen: Kevelaer würde ohne ihn anders aussehen und trägt seine Handschrift. Überall in der Wallfahrt und in der Stadt hat er seine Spuren hinterlassen. Besuche wie die von Mutter Teresa und Papst Johannes Paul II. wären ohne ihn wohl kaum zustande gekommen. Er war ein hervorragender Geschäftsmann, Organisator und Kunstkenner. Für viele Kunstwerke fand er geeignete Sponsoren und zahlte oft den Rest aus seiner eigenen Tasche. Zuletzt konnte ich auch einige Pilgerfahrten mit ihm unternehmen. Über 40 Jahre lang konnte ich viele Höhen und Tiefen mit ihm erleben. Für mich war er ein ganz großer Mann. Ich bin unendlich traurig über seinen Tod.“

Marianne Heutgens, Stadt- und Wallfahrtsführerin, arbeitete fast 30 Jahre in der Stadtverwaltung Kevelaer.

„Richard Schulte Staade habe ich schon als jungen Kaplan in Coesfeld vor etwa 40 Jahren kennengelernt“, sagt Werner Börsting von der Medjugorje-Pilgervereinigung Regina Pacis Kevelaer. „Seit 2007, nach seiner Pensionierung, begleitete er Pilgerfahrten nach Medjugorje. Er war ein großer Medjugorjefreund und Muttergottesverehrer. Auch meine Frau und ich begleiten seit 2002 jährlich Pilgerfahrten nach Medjugorje. Seit 2010 wirkte Pastor Schulte Staade als Vorsitzender in unserer Medjugorje-Vereinigung Regina Pacis Kevelaer mit und nahm unter anderem jedes Jahr am Jugendfestival in Medjugorje teil, wo er täglich mehrere Stunden als Beichtvater wirkte. Noch im letzten August war er mit uns in Medjugorje. Diese Pilgerreise erfüllte ihn mit großer Freude und Dankbarkeit. Durch unsere gemeinsamen Pilgerreisen hat sich eine schöne Freundschaft entwickelt. Die Gespräche mit ihm, wo er von seinem Gottvertrauen Zeugnis gab, werden uns sehr fehlen.“

Werner Börsting von der Medjugorje-Pilgervereinigung Regina Pacis Kevelaer.

“Ein Großer ist gegangen”, schreibt Bürgermeister Dr. Dominik Pichler. “Der Ehrenbürger der Stadt Kevelaer besuchte bis kurz vor seinem Tod Veranstaltungen, soweit sein Gesundheitszustand es zuließ, und behielt seinen wachen Geist bis zuletzt. Für mich unvergessen bleibt sein Auftritt bei der Feier zum 375jährigen Wallfahrtsjubiläum, bei dem er sämtliche Zuhörer völlig in seinen Bann zog. Ich fand ihn schon früher beeindruckend. Daran hat sich bis zuletzt nichts geändert. Ruhe in Frieden!”

„Für viele hatte Richard Schulte Staade den Ruf als durchsetzungsstarker Manager der Wallfahrt“, fügt der ehemalige Bürgermeister Dr. Axel Stibi an. „Das war er ganz sicher auch. Er hat für Kevelaer viel gemacht und geleistet. Er hatte aber auch eine tiefgläubige Ader. Das Bild, wie er ganz still und in sich gekehrt in der Gnadenkapelle betete, hat sich mir tief eingeprägt. In meiner Zeit der Zusammenarbeit mit ihm kamen wir immer gut klar. Auch nach seinem Weggang aus Kevelaer brach er die Verbindung zu Kevelaer nie ab und kam oft zu wichtigen Veranstaltungen angereist. Er hatte wirklich eine ausgeprägte Verbundenheit zur Stadt. Sein Tod ist ein großer Verlust für Kevelaer.“

Der ehemalige Bürgermeister Dr. Axel Stibi.

„Pastor Schulte Staade hat mich 1992 zum Jubiläumsjahr 350 Jahre Kevelaer-Wallfahrt in sein Team geholt“, sagt Dr. Rainer Killich, seit 1992 Generalsekretär der Wallfahrt Kevelaer und lange Zeit die “rechte Hand“ von Schulte Staade als Wallfahrtsrektor. „Wir kannten uns schon lange, aber dennoch war das sicher ein Vertrauensvorschuss von ihm, zumal ich von Anfang an sehr eigenverantwortlich arbeiten durfte. Die Situationen, in denen wir uns mal deutlich uneinig waren, gab es auch, lassen sich in 14 gemeinsamen Arbeitsjahren aber an einer Hand abzählen. Pastor Schulte Staades Wirken in Kevelaer auf den Bereich der Wallfahrt zu reduzieren, würde nicht der Realität entsprechen. Das Priesterhaus als Pilger- und Exerzitienhaus hat er entscheidend geprägt. Und bei unseren Planungen der Wallfahrt hat er immer wieder in seiner ihm eigenen Art zu mir gesagt: Doktor, wir müssen bei allem, was wir hier tun, immer unsere Pfarrgemeinde im Blick haben. Bei mir bleibt ganz persönlich eine große Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit.“

„Als heutiger Wallfahrtsrektor von Kevelaer berührt mich der Tod unseres langjährigen Pastors Richard Schulte Staade“, äußert sich Domkapitular Gregor Kauling zum Tod von Schulte Staade. „Ich freue mich, dass er der Einladung gefolgt ist, seinen Lebensabend in Kevelaer in der Nähe der Consolatrix Afflictorum zu verbringen. Er hat die Liebe zur Muttergottes durch seine Verkündigung in Wort und Bild mit Leben gefüllt. Diese gelebte Liebe und Leidenschaft wirkt bis heute segensreich weiter.“

Ehrung für die 60. Wallfahrt

Zur Wallfahrt nach Velden zum Hl. Andreas pilgerten wieder rund 50 Kevelaerer Männer. In der dortigen Pfarrkirche wird eine Reliquie des hl. Andreas aufbewahrt.

Paul Hoymann wurde von Theo Boetselaars (l.) für seine 60. Velden-Wallfahrt geehrt.

In der Messfeier, zelebriert von Pastor Carl Müller, wurde der in diesem Jahr verstorbenen Mitglieder Theo Thyssen, Hans Ophey und Rüdiger Lamers gedacht. In der Gaststätte „Het Wapen van Velden“ wurden nach dem Frühstück vier neue Mitglieder durch den Vorsitzenden Theo Boetselaars in die Pilgergemeinschaft aufgenommen: Norbert Heckens, Richard Hoymann, Norbert Jansen und Josef Kruss.

Bei der Mitgliederehrung fehlten Klaus Vorfeld (50-jähriges Jubiläum) und Michael Heilen (25-jähriges Jubiläum). Ein besonderes Jubiläum konnte Paul Hoymann feiern: Er pilgerte zum 60. Mal nach Velden. Fast immer war er als Fußpilger unterwegs, meistens sogar auf dem Hin- und Rückweg. Im kommenden Jahr wird das 450-jährige Jubiläum der Kevelaer-Velden-Pilgerschaft gefeiert.

Seit 1570 jedes Jahr zum Heiligen Andreas

Mit Beginn eines neuen Kirchenjahres pilgern jährlich Kevelaerer Männer aus Dankbarkeit und Tradition zum Heiligen Andreas nach Velden in die Niederlande.

Während des Spanisch – Niederländischen Religionskrieges in den 70er- und 80er-Jahren des 16. Jahrhunderts wurden in Kevelaer sämtliche Häuser verbrannt und die Bevölkerung durch umherziehende Truppen restlos ausgeplündert. Die Einwohner flüchteten und hielten sich in den Waldungen von Walbeck und Arcen jahrelang verborgen. Erst 1592 kehrten die ersten Kevelaerer zurück, um ihre Häuser aufzubauen.

Während der Evakuierung haben Kevelaerer Männer den Weg zum Heiligen Andreas nach Velden gefunden, um dort in ihrer Not und Bedrängnis um Fürbitte zu flehen. Die Wallfahrt findet am 30. November und 1. Dezember statt. Interessierte Männer sind herzlich willkommen.

Samstag , 30. November

8 Uhr Gottesdienst in der Klarissenkirche für die Lebenden und Verstorbenen unserer Pilgergruppe und Familienangehörigen.
10 Uhr Treffpunkt der Fußpilger an der Josefskapelle, Twistedener Straße
11 Uhr Treffpunkt der Radpilger an der Josefskapelle
15.15 Uhr Ankunft in Velden anschließend Kreuzweg-Andacht,
16 Uhr Gemütliche Runde in der Gaststätte „het wapen van velden“.

Sonntag , 1. Dezember

5 Uhr Treffpunkt der Fußpilger, Josefskapelle Twistedener Straße.
6.45 Uhr Abfahrt der Buspilger ab Marktplatz.
7.15 Uhr Morgengebet in der Pfarrkirche Velden
8 Uhr Gottesdienst in der Pfarrkirche Velden
8.45 Uhr Frühstück in der Gaststätte „het wapen van velden“
12 Uhr Abfahrt der Buspilger ab Marktplatz in Velden,

Weitere Auskünfte gibt es von Jörg Blumenkemper. Er ist unter Telefon: 0176/ 12400129 erreichbar.