Neu im Amt des Ortsvorstehers

Guido Küppers mischt noch nicht so lange in der Kommunalpolitik mit – Als Ortsvorsteher von Wetten will er an der Zukunft der Ortschaft langfristig mitwirken

Der neue Wettener Ortsvorsteher Guido Küppers. Foto: AF

Wenn Guido Küppers auf seine Rolle in der Politik zu sprechen kommt, dann kann er das in einem Satz zusammenfassen: „Ich bin absoluter Newcomer“, sagt der 55-jährige EDV-Fachmann und sucht nach den richtigen Worten, um zu beschreiben, wie sich das so anfühlt.

„Es ist spannend. Sie bekommen so viele Eindrücke, die auf einen einstürzen. Das muss man erst mal sortieren.“ Es sei durchaus respekteinflößend zu sehen, was alles dahinter steckt. Eigentlich wollte er „erstmal so in den Ortsverband reingucken“, als er sich entschloss, 2016 in der Politik bei der CDU aktiv zu werden – ein Spätstarter. Und jetzt ist er erstmals in einer Person Ratsmitglied für Wetten und Ortsvorsteher. „Ich freue mich darauf, aber habe auch Respekt davor.“

Als junger Mann sei er schon Mitglied in der Jungen Union gewesen. Aber dann kamen die Ausbildung, Bundeswehr, Jobs. „Da habe ich irgendwo nicht mehr den Dreh gekriegt.“ Vor vier Jahren machte es dann aber bei ihm „Klick“. „Man ist in Wetten verwurzelt. Da war für mich der Punkt erreicht, dass ich sagte: Ich will nicht nur zusehen und Dinge aus der Zeitung lesen, sondern dabei sein und mitreden können. Dann bin ich aktiv geworden.“

Der in Kevelaer geborene Küppers besuchte damals zunächst die Theodor-Heuss-Hauptschule, machte dann die mittlere Reife. Abschließend lernte er bei der Firma Brocks Groß- und Außenhandelskaufmann, ging dann zur Bundeswehr. „Und dann kam die Neuorientierung.“ Küppers entschied sich für eine zweite Ausbildung – zum EDV-Organisator. Für den neuen Job gab es ganz pragmatische Gründe. „Es sollte ein Job sein, der seinen Mann ernährt. Und EDV und IT war damals im Kommen. Damals musste man den Rechner noch mit ‚Floppy Disk‘ speichern. Wenn ich das heute den Azubis erzähle, schauen die mich mit großen Augen an. Das ist eine wahnsinnige Entwicklung, die da stattgefunden hat.“

Zwei Jahre lang wohnte er in Münster, war bei dem dortigen EDV-Beratungsring tätig. Er arbeitete dann in Duisburg und Weeze, ist nun seit 20 Jahren im Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein in Kamp-Lintfort tätig. Dort betreut er die Heimarbeitsplätze. „Im Moment habe ich da sehr viel zu tun. Wenn man ein, zwei Jahre zurückdenkt, gab es das nur für ausgesuchte Mitarbeiter. Dann kam die Corona-Krise – und jetzt wird es normal.“

Heimatverbundenheit, die ist ihm besonders wichtig. „Meine Mutter sagte immer: Wenn Du länger als zwei Wochen Deinen Kirchturm nicht siehst, dann wirst Du krank.“ Seinem Vater, der in Wetten mit einer Art „fahrendem Supermarkt“ unterwegs war und „Milchmann“ genannt wurde, ging das genauso, erinnert sich der 55-jährige Single gerne. „Das hat er mit Leib und Seele gemacht, er kannte alle Leute.“

Dann kamen die stationären Supermärkte und der Vater begründete gegenüber vom „Diebels live“ in Issum eine Kneipe mit Imbissbetrieb. „Da habe ich auch viel Zeit verbracht und viel mitgeholfen, als ich schon im Rechenzentrum tätig war, um ihn zu entlasten“, erzählt Küppers. Seine Mutter war Hausfrau, fuhr aber mit in den Issumer Betrieb und managte das Ganze mit. „Die Frau hatte das letzte Wort“, sagt Küppers. Sie half auch ihm persönlich bei wichtigen Entscheidungen wie dem Hauskauf an der Grünstraße.

Wenn er nicht gerade arbeitet, liest er gerne und verbringt Zeit in seinem großen Garten. „Die Bäume, das Beet pflegen – das muss man alles im Auge behalten. Das ist so der persönliche Ruhepunkt. Ich kann mich mit einem Buch zurückziehen, muss nicht Trubel haben.“ Ab und zu „muss ich mal die See sehen, das letzte Mal vor zwei Jahren in Dänemark. Und ich fahre gerne Rad, ein paar feste Strecken und Strecken, wo ich experimentiere.“

Ob er seinen Job als Ortsvorsteher so umsetzen kann wie seine Vorgängerin, das vermag er noch nicht zu sagen. „Beate Clasen hat das ganz, ganz toll gemacht, den Kontakt zu der Verwaltung und den Leuten gesucht.“ Er werde sich Mühe geben, so dicht wie möglich dran zu sein. „Es ist mir wichtig, den Wettenern gerecht zu werden.“ In dieser besonderen Zeit, so Küppers, sei ihm ein Anliegen, das dörfliche Leben und das Vereinsleben während der Pandemie aufrechtzuerhalten und auch wieder anzukurbeln.

Das gelte vor allem für die vielen Vereine, die zurzeit nicht aktiv sein können. „Das darf nicht zum Stillstand kommen“, ist einer seiner zentralen Gedanken. Da könne er als Ortsvorsteher „Bindeglied“ sein, organisieren, Termine machen und versuchen, Dinge anzuschieben. Das gelte ebenso für Institutionen wie die Kirmes. Auch bei der Entwicklung der Sportplätze, „wo das Wasser schon mal bis in die Umkleide läuft“, müsse etwas passieren. „Das sind Sachen, die zu knacken sind, wo man viele Gespräche führen muss.“

Als langfristige Idee schwebt ihm vor, „für Ältere und Alte“ eine Möglichkeit oder einen Ort zu entwickeln, an dem sie altengerechte Beschäftigung finden – nicht zu weit weg vom Ortskern. Wie er das verwirklichen kann, da hat er noch keinen konkreten Plan. „Aber der Bedarf, der ist da“, ist er überzeugt. Dafür brauche es in Wetten ein Grundstück, Finanziers, ein Konzept und viel Geld. Aber auch junge Familien an den Ort zu binden, sei sehr wichtig.

All diese Projekte, ist Küppers klar, brauchen einen langen Atem. „Das ist schon so, dass ich langfristig bleiben möchte – das wird man alles nicht in einer Wahlperiode stemmen können“, sagt er, ohne sich dabei unter Druck zu setzen. „Ich werde da einfach schauen, mit wem man den Kontakt suchen kann und mich an die Aufgaben herantasten.“