Mehr als tausend Menschen sangen zum Abschluss des Krippenmarktes

Im letzten Jahr war erstmals die Idee entstanden, zum Ende des Krippenmarktes ein gemeinsames Singen am Kapellenplatz auf die Beine zu stellen. Die Chöre der Basilikamusik und der Theaterchor Niederrhein säumten den Platz auf den Stufen der Basilika und mehrere Hundert Menschen sorgten da schon für ein bemerkenswertes Bild. Umso gespannter konnten die Initiatoren um Romano Giefer als Koordinator mit seinen Chören der Basilikamusik, den Dirigenten Tom Löwenthal und Christian Franken sein, wie das Angebot in diesem Jahr angenommen werden würde.

Diesmal waren sichtbar noch mehr Menschen auf den Platz gekommen. Bestimmt über tausend Mitsänger der diversen Kevelaerer Chöre und ganz viele singfreudige Bürger waren schon vor Beginn des Singens auf den Kapellenplatz erschienen, um dieses besondere Erlebnis mitzunehmen. So bekamen sie noch die letzten Probeklänge mit, worauf der theologissche Referent der Pfarrgemeinde St. Marien, Bastian Rüttten, spontan einging. „Sie waren Zeuge des letzten Soundchecks. Wir freuen uns und sind überwältigt, dass es so voll geworden ist“, sagte er.

Der Kapellenplatz als Kirche

Man wolle die Menschen „auf eine adventliche Einstimmung mitnehmen“, darum forderte er die Anwesenden auf: „Summen Sie mit, hören Sie zu, wenn Sie es nicht können, aber wenn, dann umso kräftiger und deutlicher.“ Angesichts des Anblicks sei die Frage an dem Abend beantwortet, welche der vielen Kirche in Kevelaer die schönste sei. „Der Kapellenplatz ist eine der schönsten Kirchen, die wir haben.“

Abwechselnd dirigierten Tom Löwenthal und Romano Giefer die Chöre auf den Basilikastufen und die imposante Menge auf dem Kapellenplatz. Rütten und die evangelische Pfarrerin Karin Dembek schlugen mit Texten und Gedanken die Brücken zu dem jeweiligen Lied: „Kleiner Herr, der du gekommen bist im Elend, wir bauen auf dich und deine Zukunft“, trug Dembek als Erste vor. „Wir warten auf dich, bis Du groß und allmächtig bist und überall die Liebe als Statthalter einsetzt, dass das Kommende ertragbar und das Jahrhundert keine Schreckensquelle werde. Ich wünsche mir eine Welt der Stille, mit einer Gesellschaft, die glücklich Anfang und Ende lebt.“ Passend dazu erklangen das Lied mit den Zeilen „Oh Herr, wenn Du kommst, wird die Welt wieder neu“ und „Wir warten auf dich“.

Auf etwas zu warten, das sei nicht selbstverständlich, sponn Rütten den Faden weiter. „Und wenn man ahnt, dass etwas wirklich da ist, dann soll man die Herrlichkeit ankommen lassen.“ Anschließend erklang aus den über tausend Kehlen: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“

Echte Gänsehautmomente

Wenn dann am Horizont „Hoffnungsboote auftauchen bis an den Rand, das wäre Advent“, meinte Rütten zu dem Lied „Es kommt ein Schiff geladen“. „Advent, das heißt zu träumen wagen, dass die Welt eine andere sein könte“, formulierte Dembek vor dem Lied „Weil Gott in tiefster Nacht erschien.“

Das Lied „Jerusalem, leg dein Gewand der Trauer ab“ sei nur ein Statthalter für Kevelaer, Winnekendonk und andere Städte, sagte Rütten: „Legt das Gewand der Trauer ab, wir wollen es üben.“ So erschollen über dem Platz die Zeilen „Fröhlich sollt ihr sein und ein Freund.“

„Maria durch ein Dornwald ging“ symbolisiere den „Spießrutenlauf unseres Alltags, dadurch geht sie und trägt Christus zu uns“, sprach der Theologe. Angesichts des wirklich machtvollen „Tochter Zion“ beantworte er selbst die „kindliche Frage, ob es das Christkind gibt“. „Dann gibt es solche Momente wie gerade – Gänsehautmomente, die guttun und uns trösten – und was gut ist und tröstet, das gibt es auch.“

„Raffe dich auf und werde Licht“ geriet zu einem beeindruckenden Kanon – und Wallfahrtsrektor Gregor Kauling trat noch einmal ans Mikro, um sich bei allen Beteiligten für diesen besondere Moment zu bedanken. „Das ist so ein schönes Bild auf dem Kapellenplatz hier heute Abend – und so eine Kraft und eine Schönheit, dass wir so miteinander singen können und den erwarten, der Frieden bringt.“

Nach dem Schlussgebet sangen alle auf dem Platz „Alle Jahre wieder“, ehe viele noch einmal beim Krippenmarkt-Glühwein die Gelegenheit zum Austausch vor dem Weihnachtsfest nutzten.