Den Schatz des Lebens gefunden

Am Dorfplatz kamen sie vor der zweiten Runde nochmal alle zusammen, um sich stolz zum Gruppenbild den Fotografen und Angehörigen zu stellen. Gut zwei Stunden zuvor hatte die erste Neuner-Gruppe mit Jannis Friesen, Tim Kewitsch, Marta Klyszcz, Linus Laukens, Paul Neumann, Leni van Bühren, Johann Winkels, Nils Winkels und Marcel Wittek um kurz vor neun voller Ungeduld mit den Katecheten und den Musikern des Twistedener Musikvereins vor den Pforten der St.-Quirinus-Kirche ungeduldig auf den Einmarsch gewartet.

„Mir geht es gut, aber ich bin sehr aufgeregt. Lange mussten wir warten. Das ist was Besonderes“, sprach der achtjährige Linus Laukens fast stellvertretend für alle 18 Kommunionkinder. „Wir haben nur sechs Wochen gewartet, wir wären am 10. Mai dran gewesen“, ergänzte seine Mutter Elisabeth, die als Katechetin den Gottesdienst mit gestaltet hatte. Auch Johann Winkels freute sich auf die Feier. „Wir haben kaum geschlafen, waren bis 0.15 Uhr wach“, erzählte der Neunjährige, dessen Mutter Andrea ebenfalls aufgeregt nickte.

Zweimal Gottesdienst gefeiert

Die Katechetinnen Foto: AF

Zweieinhalb Stunden später durften Lotta Boll, Simon Dreser, Elisa Fritz, Laura Hornbergs, Ole Küppers, Silas Mottweiler, Elias Schwarwat, Hanna Wiehle und Eva Youssef den selben Moment durchleben. In der Kirche hatte man jeweils für ein Dreierkontingent mit Kind eine Bank mit Bild und Name des jeweiligen Kindes freigehalten, an dem sich Eltern und Kids aufhalten konnten. Die Paten, Anverwandten und Gäste platzierten sich in den Bänken dahinter.

Vorne am Altar stand eine Schatztruhe mit vielen brennenden Kerzen, die die Nähe zu den nicht anwesenden Kommunionskindern darstellen sollte. Und auf einem großen Bild waren die Kleinbilder aller Kids in einem großen Kreis zu erkennen und darunter die Aufschrift „Komm, wir finden einen Schatz. Jesus ist das Brot des Lebens.“ Darauf nahm nach dem Einmarsch zu „Tochter Zion“, den stimmungsvoll-entspannten Liedern, die von Christian Franken an der Orgel und sechs Sängern des Projektchores begleitet wurden, sowie den Lesungen aus dem Buch der Könige und Matthäus dann Pastor Andreas Poorten auch Bezug. Er bedauerte, dass „die Zeit länger geworden sei“, bis nun die Kommunion erfolgt sei. Es sei „schon lange her, dass ihr euch auf den Weg gemacht habt zu diesem Fest – und auf diesem Weg: Kommt, wir finden einen Schatz.“

Die Kinder hätten sich zusammengeschlossen und Menschen gefragt, „die euch zeigen, wie ihr diesen Schatz finden könnt – die Eltern, die Katecheten.“ Sie seien ein gehöriges Stück vorangekommen – „und dann ging auf einmal nichts mehr“, flocht er Corona mit in die Gedanken ein.

Auf Dauer nicht schön

„Nicht mal zur Schule konntet ihr gehen. Auf die Dauer ist das gar nicht schön. Und sogar die Spielplätze waren abgesperrt.“ Selbst das Training beim Sport oder die Musik sei zum Erliegen gekommen, „und all das wegen dem riesigen Respekt vor einem Krankheitskeim“, so Poorten. „Aber das Herz der Familie schlug weiter, um diese ‚komische Zeit‘ auszuhalten.“ Die große, weite Welt sei auf die Familie zusammengeschrumpft, und alles andere ging nicht mehr. „In dem Moment, als ihr viel mit eurer Familie gemacht habt, da habt ihr erlebt, dass da ein riesiger Schatz ist, so wertvoll, wichtig und unbezahlbar – die Liebe.“

„Ihr wolltet aber eigentlich einen anderen Schatz suchen – Jesus, das Brot des Lebens suchen. Und dazu braucht man eine Schatzkarte, wo man nachlesen kann, einen Hinweis erhalten, wo wir den Schatz suchen müssen“,  hob er dann eine Ausgabe der Bibel in die Höhe. „Auf jeder Seite des Buches steht, wie wichtig wir Gott sind, wie gut er es mit uns meint, wie sehr er uns liebt. Wenn wir da reinschauen, kann uns das Herz aufgehen und wir können sagen: Ja, Gott, Du bist für uns da.“

Pastor Poorten mit einem wahren Schatz. Foto: AF

Er griff die Lesung aus dem „Buch der Könige“ auf, von der Frau, die einen heiligen Mann in ihren Gemächern beherbergt. An der Stellwand sei eine Monstranz nachgebildet – „und ihr seid die Edelsteine“, verwies er auf die Bilder der Kids. „Wir werden alle Christus in uns tragen. Christus ist das Brot des Lebens, ein wahrhafter Schatz.“

Die Kinder zündeten dann nacheinander ihre Kerzen an, um dann ihr Bekenntnis zu dem katholischen Glauben in dem klassischen Frage-Antwort-Spiel zu bekennen. Jede Familie erhielt ihr individuelles Abendmahl. Und jedes der Kommunionkinder erhielt zur Abrundung des Ganzen noch ein gesegnetes Bronzekreuz „zur Erinnerung an diesen besonderen Tag“, so der Pastor. Dann verließen die Kinder und ihr Eltern die Kirche – so wie Leni van Bühren und ihre Mama. „Das war ein Hoch und Runter, ein Auf und Nieder – eine sehr schöne Messe“, meinte eine stolze Daniela van Bühren. Ihre neunjährige Tochter Leni fand die Messe einfach nur „gut.“ Und was danach noch angesagt war, wusste Nils Winkels auf Anhieb zu sagen: „Geschenke auspacken.“

Eine Bildergalerie zur Kommunion in Twisteden finden Sie hier auf unserer Website.