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„Das wäre doch auch was für Kevelaer“

23. Januar 2020/in Kevelaer, Nachbarschaft, Premium/von Alexander Florie-Albrecht
Elisabeth und Hubertus Heix sind engagierte Mitarbeiter und Mitglieder der Steuerungsgruppe des Gelderner “Weltladens”, der seit 1989 unter dem Dach der
dortigen “Eine-Welt-Gruppe” betrieben wird. „Die Motivation damals war im Grunde, den Menschen in der Dritten Welt eine Existenzgrundlage durch den Verkauf von Produkten mit zu schaffen und Bildungsarbeit zu machen“, sagt der frühere Lehrer am Gelderner Berufskolleg. Überschüsse gingen in Dritte-Welt-Projekte zur Refinanzierung.

Im Laufe der Jahre habe sich das Ganze von einem winzigen Innenstadt-Lädchen über den Standort in den Räumen des Pfarrhauses hin bis zu dem heutigen Laden an der Gelderstraße, wo er seit sechs Jahren beheimatet ist, weiter entwickelt.

Mittlerweile sei der „Weltladen“ in der Stadtgesellschaft etabliert, unterstreicht das Paar während eines Vortrags für die Kneipp-Gesellschaft. 45 Ehrenamtler seien dort mit tätig. „Wir haben ein wesentlich größeres Warensortiment und superschöne Schaufenstergestaltung. Das macht viel aus“, versichert Hubertus Heix.

Idee im Sommer

Auf die Idee, Geldern zu einer „Fair-Trade-Stadt“ zu machen, stieß er im Sommer 2018. „Ich hatte das im Grunde bis zu dem Zeitpunkt nie gehört und das dann in einem Newsletter gesehen.“ Für die Idee „habe ich mich begeistert und sofort zugeschnappt.“ Zwischen Lesen und Bewerben vergingen gerade mal ein paar Wochen.

Das Paar ging zu Mitarbeitern der Stadt. „Die sagten, geh mal in die Bürgersprechstunde vom Bürgermeister. Der muss ja auch einen Beschluss des Stadtrates einstielen und das mit Satzungsvorlage auf den Weg bringen.“ Gesagt, getan. „Er hat das fröhlich aufgenommen“, erzählt seine Frau. Anschließend ging die Vorlage einstimmig durch den Rat.

Um „Fair-Trade-Kommune“ zu werden, seien aber fünf Voraussetzungen notwendig gewesen. Neben dem Ratsbeschluss zum Beispiel noch die Einrichtung einer „Steuerungsgruppe“, der Heix vorsitzt. „Wir haben im Umfeld Leute angesprochen, Ex-Kollegen, Bekannte, Mitarbeiter aus dem Weltladen.“ Mit gut einem halben Dutzend Leute fing man im Dezember 2018 an.

Dann ging es darum, Einzelhändler, Gastronomen und die Zivilgesellschaft für das Projekt zu gewinnen sowie „mindestens eine Schule, eine Kirche und einen Verein“ zu finden. „Das war nach kurzer Zeit erledigt“, erzählt der frühere Pädagoge. „Als wir uns beworben haben im Mai 2019, hatten wir schon 40 Partner zusammen.“ Aktuell sind es 56.

Danach folgte der Antrag über „fairtrade Deutschland“ in Köln, die das Siegel vergeben. Auf 80 DIN-A-4-Seiten begründeten die Aktiven ihr Anliegen, dokumentierten die Verträge mit einzelnen Partnern. Schließlich kam es am 5. Oktober 2019 zu der Zertifizierungsfeier im Anton-Roeffs-Saal der Gelderner Sparkasse. Manfred Holz, der Ehrenbotschafter von „Fairtrade Deutschland“, verlieh das Siegel und dankte dem Paar für den Einsatz. „Das war dann unser Tag.“

Geldern wurde damit bundesweit die 642. „Fair Trade Town“. Mittlerweile sind es schon 665 Städte. „Damit sind wir neben Kleve die Einzigen im Kreis“, freut sich das Paar.
Warum ist die Resonanz auf das Projekt so gut? Das Thema „Weltladen“ sei etabliert in Geldern, versichert Heix. „Und es hat mit den handelnden Personen viel zu tun. Ich kann Leuten gut auf die Nerven gehen und die Leute auch ansprechen.“ Heix hebt vor allem die frühere Wirtschaftsförderin und heutige Stabstellenleiterin für Umwelt und Nachhaltigkeit bei der Stadt, Janine Segref, hervor. „Dazu haben wir noch einige gute Leute, die über Verbindungen verfügen. Es wurde sowas wie ein Selbstläufer.“

Auf jeden Fall sieht Heix die Zertifizierung als „Fair-Trade-Stadt“ als „ein Aushängeschild für die Stadt, wenn man es richtig nutzt.“ Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit habe das auf jeden Fall geschärft, sind sich beide einig.
Ein kleiner Indikator dafür sei, dass es „durch unsere Bildungs- und Pressearbeit ganz, ganz viele neue Kunden im Laden“ gäbe. „Dass Menschen auf die nachhaltigen Produkte umgestiegen sind und sie bewusst kaufen.“

Inwieweit das Auswirkungen auf den Einzelhandel und die Gastronomie habe, werde sich langfristig zeigen. Aber auch dort würden jetzt nachhaltig erzeugte Produkte angewendet oder verkauft. Man werde auf jeden Fall weiter Acquise betreiben. „Das braucht einen langen Atem.“

Ziel für 2020 sei, weiter Bildungsarbeit zu machen und auch in Kindergärten und Schulen zu gehen. Man müsse stetig am Ball bleiben. „Nach zwei Jahren wird man rezertifiziert und geprüft: Was habt ihr gemacht ?“

Beim Engagement des Einzelhandels sieht Heix noch „Luft nach oben“, die Gastronomie laufe ordentlich. „In Geldern gibt es keinen Bäcker und Cafés mehr. Da in die Ketten reinzukommen, ist unglaublich schwierig. Da hat keiner geantwortet.“ Es gebe auch das Projekt „Fair Trade Kindergärten“, aber das dauere.

Auch für Kevelaer würde sich das Siegel als „Fair-Trade-Stadt“ sicher lohnen, glaubt Heix. „Aber das ist eine Frage der Initiative. Da muss man beißen, Zeit für investieren, dranbleiben.“ Das hänge nicht von der Existenz eines „Weltladens“ ab, auch wenn es den in Kevelaer gebe.

„Das kann aber jeder machen, zum Pichler gehen und ihn dann den Rest regeln lassen.“
Das Potenzial für nachhaltiges Handeln sei sicher da. Wichtig wäre es allemal, wenn viele Städte mitziehen. „Das ist ein Weg, den muss man über Jahre und Jahrzehnte gehen, den Umbau der Wirtschaft quasi von unten“.

Die Klimaschutzmanagerin der Stadt Kevelaer, Nina Jordan, zeigte sich jedenfalls der Idee gegenüber aufgeschlossen. „Es hat mich letzte Woche auch jemand darauf angesprochen“, klingt so, als ob sie sich so eine Initiative für die Wallfahrtsstadt durchaus gut vorstellen könne.

Schlagworte: Politik, Stadt Geldern FairTrade
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https://www.kevelaerer-blatt.de/wp-content/uploads/2020/03/Experten-in-Sachen-Fair-Trade.jpg 358 709 Alexander Florie-Albrecht https://www.kevelaerer-blatt.de/wp-content/uploads/2020/12/Logo-KB-1-1.png Alexander Florie-Albrecht2020-01-23 00:00:002021-03-08 11:13:30„Das wäre doch auch was für Kevelaer“
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