Aktuelles aus Kervenheim

Der neue gestaltete Spielplatz am Heisterpoort wurde eingeweiht

Eine zweite Burg für Kervenheim

Stolz und zufrieden präsentierten Dominik Pichler, der Kervenheimer Ortsvorsteher Martin Brandts, einer der Sponsoren des Projekts und die Mitglieder der Spielplatzkommission das neu errichtete Spielgerät auf dem Kinderspielplatz am Heisterpoort.

Auch beim SV Union Kervenheim ist an Trainings- oder Spielbetrieb nicht zu denken

Die Sehnsucht eines Vorsitzenden

Wenn Rainer Kürvers im Et Everdonk über die beiden Rasenplätze schlendert, befällt den 57-Jährigen schon sowas wie Melancholie. „Eigentlich könnten wir hier loslegen.“ Wenn nicht die aktuelle Situation wegen Corona wäre.

Peiniger zu drei Jahren Haft verurteilt

Wegen mehrfacher schwerer und vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Bedrohung und Beleidigung sowie mehrfacher Freiheitsberaubung und dem unerlaubten Besitz von Drogen hat das Gelderner Amtsgericht einen 37-jährigen Kervenheimer zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Außerdem muss er an das Opfer, seine frühere Partnerin, 400 Euro zahlen. Das Gericht erkannte auch das Anrecht auf ein Schmerzensgeld an. Die Kammer sah es nach der Beweisaufnahme als erwiesen an, dass der drogenabhängige, bereits vorbestrafte Mann in der Zeit zwischen März und Juni 2020 seine Partnerin auf unterschiedliche Art und Weise misshandelt hatte. 

Das Gericht folgte im Wesentlichen dem Antrag des Staatsanwaltes. Er hatte im Zusammenhang mit den gewalttätigen Handlungen des Mannes – darunter Schläge, Würgen im Schwitzkasten bis zur Bewusstlosigkeit und das Einsperren in der gemeinsamen Wohnung – von „Brutalität, Frauenhass und Menschenfeindlichkeit“ gesprochen. „Eine Frau so zu malträtieren, das ist ein ganz starkes Stück.“ Die Nebenklage hatte vier Jahre gefordert.

Nach einem Verständigungsgespräch zwischen den Parteien hatte der Angeklagte die Taten ohne Abstriche eingeräumt. Somit musste das Opfer vor Gericht nicht aussagen, die Zeug*innen wurden entlassen. 

Bitte um Verzeihung

Der 37-Jährige las der als Nebenklägerin anwesenden Frau auch einen Entschuldigungsbrief vor. „Es tut mir aus tiefster Seele leid, ich hatte ein halbes Jahr Zeit, darüber nachzudenken. Die Drogen haben uns verändert. Ich hoffe, Du verzeihst mir das“, richtete er die Worte an die junge Frau. „Ich kann es nicht mehr rückgängig machen. Das hast Du nicht verdient.“

Wie es der Frau momentan geht, wurde aus ihrem kurzen Statement ersichtlich: „Ich habe damit nicht abgeschlossen. Das holt mich jeden Tag ein. Ich fühle mich immer beobachtet, gehe nur im Dunkeln raus, fühle mich eingesperrt.“ Eine Traumatherapie solle helfen, das Erlebte zu verarbeiten. 

Ihr Anwalt unterstrich, dass es der Frau wichtig gewesen sei, „ihm gegenüber zu stehen und ihm zu sagen, was er ihr angetan hat – nicht nur körperlich, sondern insbesondere auch seelisch.“ Denn sie habe wochenlang „täglich damit gerechnet, dass sie den Tag nicht überlebt.“ Dieses Gefühl sei durch Sätze wie „Du wirst verbrannt“ oder „Da ist dein neues Bett“ im Zusammenhang mit einer Grube im Garten geprägt worden. 

Beule und Hämatome

Die ermittelnde Beamtin hatte in ihrer Aussage nachvollziehbar machen können, was die Frau erlitten haben muss. Bei ihrer Untersuchung im Krankenhaus im Juli 2020 habe sie massive Verletzungen aufgewiesen – „eine Beule an der Stirn, Hämatome unter den Augen, und am ganzen Körper war sie grün und blau.“ Frische und ältere Spuren der Misshandlungen seien sichtbar gewesen. 

Später habe die Frau die Taten bestätigt – wie das Boxen, die Tritte und Schläge, das Ausdrücken der Zigarettenkippen auf ihrem Körper durch ihren Lebensgefährten, ohne es immer zeitlich zuordnen zu können. Er habe sie auch auf der Straße zusammengeschlagen, als er ihr die Option eröffnete, zu gehen. Als sie die Chance ergriff, sei er ihr nachgekommen und habe ihr in den Magen geschlagen. Sie habe sich „psychisch abhängig“ von dem Mann gefühlt, so die Polizistin.

Im Juli habe er sie dann zwei Wochen lang festgehalten, nachdem sie sich um den aus dem Krankenhaus kommenden Vater kümmern wollte. Der Mann habe ihr unterstellt, sich mit Männern zu treffen. Sie habe die Eltern zweimal kurz besuchen dürfen, „um vorzugaukeln, dass alles gut ist“, sich aber so unter Druck gesetzt gefühlt, dass Flucht keine Option für sie gewesen sei, zumal er im Auto auf sie gewartet habe. Außerdem habe sie über ein Jahr  lang nach einer Schilddrüsen-OP nicht mehr mit Drogen zu tun gehabt – bis ihr Lebensgefährte Antidepressiva in den Kaffee gemischt habe. Gefangen und verprügelt habe sie dann, „um die Schmerzen zu bekämpfen“, Amphetamine und Ecstasy zu sich genommen. Die Frau habe auch die Glasschnitte bestätigt, die sie sich aus Verzweiflung einmal selbst zugefügt hatte.

Die Taten des Mannes beruhten im Wesentlichen auf dem Betäubungsmittelkonsum, führte das Gericht in seiner Urteilsbegründung aus. Es sei „ein nicht exzessiver Drogenkonsum, sondern einer, der seit dem 16. Lebensjahr betrieben wird und diese Taten begleitet.“ Das führe zu einer „nicht untypischen Enthemmung“, die aber die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit nicht erheblich beeinflusst habe. Die Taten seien im Rahmen einer Beziehung vorgefallen, „die offenbar als Liebesbeziehung begonnen hat und zu gewissen Zeiten so aus dem Rahmen fiel, dass es einem den Atem verschlägt“, machte der Richter deutlich. Er sprach von einer „drastischen Einschränkung der persönlichen Fortbewegungsfreiheit, die man niemandem wünscht in einer vertraulichen Beziehung.“ Das ihr angetane Leid könne man „nicht in Jahren Freiheitsstrafe bemessen, nicht wieder gut machen. Das ist unermesslich, über die Zeit und in einer Beziehung, die Vertrauen voraussetzt“, sagte der Richter. Gewandt an die junge Frau meinte er: „Das wird Sie sicher lange verfolgen und es sei Ihnen gewünscht, dass Sie da fachliche Hilfe erfahren und Sie sich von der traumatischen Erfahrung lösen können, um sorgenfrei und unbeschwert Ihr Leben leben zu können.“

Perspektive für den Täter

Es habe aber auch gegolten, „für den Angeklagten eine Perspektive aufzubauen.“ Das sei eine harte Strafe, er werde über längere Zeit keine Freiheit erfahren. „Er hat die Perspektive, wenn er zwei Jahre verbüßt hat, eine Therapie durchzuführen.“ Dazu müsse er aber noch viel tun, vom Antrag bis zur Durchführung der Therapie. Er habe es selbst in der Hand, „das besser zu machen.“ Der Mann müsse massiv an seinem Gewaltpotenzial arbeiten, denn er sei schon „zum zweiten, dritten, vierten Mal“ mit solchen Taten zum Nachteil von Partnerinnen in Erscheinung getreten. Er sprach von einem „Verhaltensmuster über eine Reihe von Jahren“, das sich in seinen Vorstrafen niederschlage. 

Ein weiteres, mögliches Verfahren mit einem ähnlichen Tatbestand wurde eingestellt. Aktuell befindet sich der Mann im Gefängnis in der Suchtberatung, hat dort begonnen, statt Drogen Ersatzstoffe einzunehmen, um von der Sucht loszukommen. „Die menschliche Seite ist nicht abgeschlossen, aber das Tor, das wir aufgestoßen haben, ist eine Chance für ihn und für sie, dass sie das können.“ Für den Mann dürfte es seine letzte Chance sein.

Eine dramatische Beziehung endet vor Gericht

Im Prozess gegen einen 37-jährigen Mann aus Kervenheim hat sich der Angeklagte am Freitag, 5. Februar 2021, dem zweiten Verhandlungstag, zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert. Dem mehrfach wegen Körperverletzung, der Einfuhr von Betäubungsmitteln und Fahrens ohne Führerschein vorbestrafte Mann werden unter anderem mehrfache Körperverletzungsdelikte, darunter teilweise gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und Freiheitsberaubung zur Last gelegt. Ein Verfahren im Zusammenhang mit einer weiteren Frau wurde wegen der Corona-Pandemie und des damit verbundenen Aufwandes vom Gericht abgetrennt. Die Delikte soll er in der Zeit zwischen März und Juli 2020 gegenüber seiner damaligen Freundin verübt haben. 

Über einen seiner zwei Anwälte ließ der ausgebildete Fleischer und Gabelstaplerfahrer eine Erklärung verlesen, in der er ausführliche Details zu sich ausführte, die Entwicklung der Beziehung zu der Frau beschrieb und etwas zu den vorgeworfenen Taten sagte. Demnach habe er schon mit 16 Marihuana und mit 18 Amphetamine konsumiert. Das habe sich über die Jahre hin zu weiteren Drogen gesteigert. 2014 habe er eine Therapie gemacht, sei drei Jahre abstinent gewesen, bevor er „zurück ins alte Umfeld“ gekommen sei und wieder „leicht“ mit Marihuana angefangen habe. Dann habe es sich wieder „eingeschlichen.“

Die Frau habe er 2018 kennengelernt, führte die Anwältin aus. Im August 2018 seien sie dann zusammengekommen und vier Monate zusammen gewesen, bis sie mit einem Herzinfarkt 14 Tage lang im Krankenhaus gewesen sei. Er habe sich in der Zeit um ihre Kinder gekümmert. Danach hätten sie sich getrennt, er habe Kontakt zu Frauen aufgenommen.

Im Januar 2019 habe sie ihn gebeten, seine Adresse als Postadresse anzugeben. Sie habe damals in Duisburg gelebt, habe dann bei ihm die Post geholt und sei wieder mit ihm zusammengekommen, dann aber wieder von ihm getrennt gewesen. Von Dezember 2019 bis Mai 2020 seien sie dann wieder zusammen gewesen. Beide hätten die Beziehung immer wieder beenden wollen, sich aber keine Hilfe von außen geholt. Der Angeklagte räumte ein, dass sie Psychopharmaka, Ecstasy sowie Amphetamine und er Marihuana, Amphetamine, Ecstasy und Kokain zu sich genommen habe.

Er buddelte ein Loch im Garten

Die Streitigkeiten habe es erst im Mai / Juni 2020 gegeben, räumte der Angeklagte in der Erklärung ein, dass er die Sachen der Frau „aus Wut angezündet habe“, sie mit der flachen Hand geschlagen und mehrfach auf den Boden geschubst habe, „so dass sie gegen die Wand und auf den Boden gefallen sei“, als sie bezüglich anderer Männer gelogen habe. Er gestand auch ein, sie getreten zu haben, sprach selbst von „Kontrollverlust“. Er habe sie „tausendmal gebeten, zu gehen, ihr gesagt, dass sie mich aggressiv macht.“ Und er habe auch „mal schwarz gesehen“ und ihr den Mund zugehalten, als sie im Hausflur laut geschrien habe. Er habe sie „verbal fertig gemacht“. Das Loch im Garten habe er gebuddelt, aber „nicht gedroht, sie zu zerstückeln und in das Loch zu werfen.“  

Zwischenzeitlich habe sie zwei Gläser auf einer Küchenplatte zerschlagen, dort hineingegriffen und gedroht, sich die Schlagadern aufzuschneiden. „Du kannst jetzt keinen Abgang machen“, habe er ihr gesagt. Sie sei „wahnsinnig“ gewesen. Daraufhin „schlug ich ihr ins Gesicht.“ Danach habe er die Wunden versorgt. Sie habe sich am Folgetag entschuldigt mit dem Hinweis: „Ich bin etwas durchgeknallt.“ 

Weitere Vorwürfe weist der Angeklagte zurück

Der Richter verwies auf die Vorwürfe, die in der Stellungnahme nicht erwähnt seien – wie das Anwenden einer brennenden Zigarette, das Würgen bis zur Bewusstlosigkeit, die Gabel-Stichwunde oder den Vorwurf, ihr etwas in den Kaffee getan zu haben. Der Angeklagte wies den Vorwurf zurück, er habe sie niemals bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt, sie mit einer Gabel gestochen oder irgendwelche Gegenstände gegen sie verwand. 

Auch den Vorwurf der Freiheitsberaubung wollte er nicht gelten lassen. Er habe die Fenstergriffe abgedreht und die Wohnungstür nur mit Ketten gesichert, weil er Angst hatte, dass der Mitbewohner im Obergeschoss die Drogen sehe, die er und seine Freundin konsumierten. Außerdem habe es einen Raum gegeben, den man offen habe begehen können. Sie habe über eine Schiebetür in den Hausflur gehen können und das Haus jederzeit verlassen können. Man sei außerdem gemeinsam rausgegangen und habe die Eltern von seiner damaligen Freundin besucht, sagte der Angeklagte später selbst aus. „Sie hat so viel gelogen. Warum, weiß ich nicht“, meinte er. 

Am Ende des Verhandlungstages wies die Rechtsanwältin auf einen Entschuldigungsbrief hin, den der Angeklagte dem Opfer geschrieben hat. Der Vertreter der Nebenklage wolle sich mit seiner abwesenden Mandantin dahingehend absprechen, ob sie den Brief annehmen wolle oder nicht.

Der Prozess wird am 24. Februar um 9.30 Uhr mit der Aussage der Frau fortgesetzt. 

Kollision beim Abbiegen: 49-Jährige schwer verletzt

Am Montag, 1. Februar 2021, gegen 15.40 Uhr, ereignete sich in Kervenheim ein Verkehrsunfall, bei dem zwei Frauen verletzt wurden. Eine 66-Jährige aus Kevelaer war dort mit ihrem Seat Arosa auf der Schloß-Wissener-Straße unterwegs und wollte an der Kreuzung zur Winnekendonker Straße nach links Richtung Kervenheim abbiegen. Dabei stieß sie mit der entgegenkommenden Mercedes E-Klasse einer 49-jährigen Frau aus Geldern zusammen, die an der Kreuzung geradeaus und vorfahrtsberechtigt in Richtung Weeze fahren wollte.

Die 49-Jährige erlitt durch den Unfall schwere Verletzungen und wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Die 66-Jährige verletzte sich leicht und stand unter Schock. Beide Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden. Während der Unfallaufnahme war die Kreuzung aus Richtung Kervenheim gesperrt, die Feuerwehr musste ausgelaufene Betriebsstoffe auf der Fahrbahn beseitigen.

„Music meets Bio“

Dass in seinem Ziegenstall mal die Klänge von Fritz Kreislers „Schön Rosmarin“ erklingen, das hätte sich der Kervenheimer Bio-Bauer Bernd Verhoeven sicher auch nicht so ohne Weiteres träumen lassen – und das dazu noch mit einer klassischen Geige. „Ich bin heute als Musikerin auf einer besonderen Mission unterwegs – und zwar werde ich an einem außergewöhnlichen Ort Geige spielen und zu einem spannenden Thema ein Interview führen“, hatte zuvor Lea Brückner bei der Fahrt nach Kervendonk auf ihrem Video angekündigt. Für sie selbst sei es eine „interessante Erfahrung“ gewesen, als sie im Kervendonker Rouenhof erstmals vor Ziegen gespielt habe. „Ich habe noch nie im Ziegenstall gespielt, das macht man nicht so oft“, lacht die junge Musikerin, wenn sie über ihr Erlebnis dort berichtet.    

„Weil die da auch sehr gut gehalten werden, waren sie sehr entspannt. Ich hab erstmal leise angefangen. Sie waren neugierig und kamen auch alle, schnupperten an der Geige.“ Auch das anschließende Interview mit dem Bio-Bauern aus Kervendonk hat ihr neue Erkenntnisse gebracht: „Es war schön – und ein sehr interessantes Gespräch, wo ich, auch wenn ich mich da privat mit beschäftige, viele interessante Infos zur Nachhaltigkeit von Bernd Verhoeven bekam.“

Der Anlass für den Besuch der jungen Musikerin, die lange Jahre in Kevelaer gelebt und aktiv musiziert hat, bei Verhoeven und den Tieren vorbeizuschauen, war ihre neue Aktion „Music meets Bio“, die Lea Brückner spontan aus dem Hut gezaubert hat. 

Die Bühnen sind gesperrt

Sie habe sich dieses neue Online-Projekt überlegt, „weil für Künstler die Bühnen gesperrt sind“, sagt die Musikerin. „Sonst versuche ich ja auch, soziale Themen einzubinden“ in die eigene Kunst, erklärt die junge Frau – wie bei ihren Sommerkonzerten vor Altenheimen wie in Kevelaer oder den drei Schlosskonzerten im Herbst. 

So dachte sie sich, „es muss doch machbar sein, dass man trotz Abstand mit Musik was machen kann.“ Sie kam auf die Idee, Videos zu drehen, „wo ich zu den Höfen in der Region fahre, die biologische und nachhaltige Landwirtschaft betreiben, meine Geige mitnehme, vor Ort spiele und mit den Personen vor Ort Interviews mache.“ Lea Brückner rief spontan einfach mal ein paar Höfe an. „Die Resonanz ist total gut. Zwei Videos haben wir schon gemacht“, erzählt sie. 

Eines davon war beim „La´Bio“ in Straelen. „Bei Biokräutern dachte ich: wie oft benutze ich Kräuter? Man hat kaum noch ein Gericht mehr, dass man nicht mit Kräutern oder Gewürzen isst. Da ist mir klar geworden: Der Pflanzenbetrieb kann ein großer Umweltfaktor sein, mit dem ganzen Wässern zum Beispiel. Da habe ich sehr interessante Sachen erfahren.“ 

Und das zweite „Meeting“ machte sie am Rouenhof. Dort konnte „Bio-Bernd“ Verhoeven im Interview ausführlich Stellung nehmen zu seiner Motivation für die Tierhaltung, dem Ansatz des Kreislaufsystems, wo es durch die Tierhaltung keine Umweltbelastungen gibt, wie der Klimawandel den Futteranteil von Klee und Harz verringert und über Stechmücken neue Krankheiten für die Tiere hervorbringt. Lea Brückner durfte dort einen der drei Elektrotrecker zum Abschluss fahren, die Bio-Bernd mit seiner Photovoltaikanlage speist: „Die Fahrt war toll. Ich liebe sowieso solche handwerklichen, maschinellen Tätigkeiten. Und man hat wirklich nichts gehört von dem Motor, wenn man anfährt. Da gibt es überhaupt kein Geräusch, dadurch dass er elek­trisch fährt.“

Eine ganze Weide für die Schweine

Am vergangenen Wochenende besuchte sie den Biolandhof Frohnenbruch in Kamp-Lintfort. „Da gibt es Schweinehaltung und die Hähne – also einen Hof, wo auch die männlichen Küken aufgezogen und nicht geschlachtet werden. Und bei der Schweinehaltung gehen sie über die Biorichtlinie hinaus. Die haben neben dem Stall eine ganze Weide für die Schweine.“ 

Nächste Woche soll ein Betrieb in Schermbeck drankommen, der einen Lieferservice mit Produkten vom Niederrhein anbietet. Nach Möglichkeit möchte sie in der nächsten Zeit pro Woche mindestens ein Video produzieren. „Die Videos sollen dabei immer so zwischen sechs und 15 Minuten lang sein.“ Der Kervendonker Clip dauert sieben Minuten, der Straelener 13.

Zukunftsfragen

Ihre Mutter fungiert dabei als ,provisorische Kamerafrau‘, „die wegen Corona als einzige Person aus meinem Haushalt dabei ist. Man will sich ja auch an die Regeln halten.“ Bei den Interviews sei ihr wichtig herauszuarbeiten, „was ist wichtig an Bio. Warum ist es wichtig für die Umwelt, für den Konsum.“ Denn auch nach Corona, „wenn es normaler wird“, seien Fragen wie „was wann wie konsumiert wird und woher alles kommt“, in Zukunft weiter wichtig. 

… und im Kräutergewächshaus in Straelen.

Es gehe nicht darum, selbst im Gespräch zu bleiben, sondern den Fokus auf die noch neben Corona existierenden Themen zu lenken. „Corona heißt nicht, dass es nicht auch noch Tierleid, den Klimawandel und den CO2-Ausstoß gibt. Die bleiben nicht stehen, aber sind ein Jahr auf der Strecke geblieben.“ Und es genüge nicht, „wenn der World Wildlife Fund aktuell berichtet, dass ein Drittel aller Pflanzen und Tiere auf der Welt um das Überleben kämpfen, alle nur mal kurz sagen, wie schlimm das ist – und dann geht alles so weiter.“ 

Man könne überall eine Plattform finden, um über Videos oder wenn man bei sich selbst anfange, Menschen zu beeinflussen. „Dann wäre der Entwicklung mit Umwelt und Klima am besten geholfen.“ Nicht nur bei Corona heiße es: „Wir sitzen alle im gleichen Boot.“ Diese Grundhaltung würde sie sich auch beim Thema Klimawandel wünschen.

Neben „Music meets Bio“ hat Lea Brückner aber noch weitere Themenfelder im Blick, die sie noch in den öffentlichen Fokus rücken will. Als „UN-Women“-Mitglied soll es um Gleichstellung gehen. Sie denke auch daran, „mit Wissenschaftlern eine Reihe zu machen, wo es um Klima und Umwelt geht, dazu Institute, die mit dem Land zusammenarbeiten, einzubinden.“ Und als Idee für eine Video-Fortsetzung schwebt ihr das Thema „Kosmetikbranche und Tierversuche“ vor. „Da lasse ich mir was Spannendes einfallen. Da wird noch mehr kommen“, verspricht sie. 

Heiligabend in Kervenheim

Das Christkind fuhr mit zwei Begleitwagen auf einem Traktor mit Anhänger Heiligabend durch Kervenheim. Foto: privat

Viele Veranstaltungen der Kervenheimer Initiative „Kids im Glauben“ mussten in diesem Jahr coronabedingt ausfallen, oder konnten nur im stark eingeschränktem Umfang stattfinden.

Auch das schon traditionelle Krippenspiel der Kinder musste leider ganz abgesagt werden. Damit bei den Kindern im Dorf trotzdem etwas weihnachtliche Stimmung entstehen konnte, entschieden sich die Initiatoren dazu, das Christkind durch den Ort zu fahren. Bauer Thomas Cleven und seine Frau Jeanette stellten ihren Traktor mit Anhänger zur Verfügung.

Das Christkind fuhr mit zwei Begleitwagen auf einem Traktor mit Anhänger Heiligabend durch Kervenheim. Foto: privat

Ein paar Strohballen auf dem Hänger, darauf eine lebendige Krippe und ein mit vielen Lichterketten festlich geschmückter Traktor. Und schon setzte sich der Zug mit zwei Begleitfahrzeugen und weihnachtlicher Musik, um 16 Uhr, auf dem Gresumshof in Bewegung.

Kervenheim ist nicht sehr groß und so waren schon nach einer knappen Stunde alle Straßen im Dorf abgefahren. Die Aktion wurde von den Kervenheimern mit viel Begeisterung und großer Dankbarkeit angenommen. Nach diesem nicht so schönen Jahr, mit vielen Einschränkungen und Verzichten, konnte man in viele strahlende Kinderaugen schauen und auch in den Gesichtern der Erwachsenen konnte man lesen: Jetzt ist Weihnachten!

Jubiläum der Burg Kervenheim

Erstmals Erwähnung fand die Burg Kervenheim in einer Urkunde vom 4. März 1270 – die Grundlage für die 750-Jahr-Feier, die eigentlich im Jahr 2020 stattfinden sollte, wegen der Corona-Pandemie aber verschoben werden musste. In dieser Urkunde übertragen der Ritter Stephan von Wissel und sein Sohn Wilhelm ihr Eigentum an der Burg „Keruenheim“ an den Grafen Dietrich VII. von Kleve. Wie lange die Burg vor der Übertragung an den Grafen von Kleve schon in Kervenheim gestanden hat, ist bis heute nicht geklärt. Ob Stephan von Wissel der Erbauer war, ist ebenfalls unbekannt. In einer Schrift des 17. Jahrhunderts wird eine Familie von Korbenheim genannt. Von dieser Familie soll Stephan von Wissel die Burg erhalten haben. Jedenfalls sind er und sein Sohn Wilhelm die ersten nachweisbaren Besitzer. Mit der Burg gingen 1322 auch die Stadtrechte Kervenheims einher.

Es sei davon auszugehen, dass die Burg sogar wesentlich älter ist und zu den ältesten Burganlagen am Niederrhein zählt, meint der aus Kervenheim stammende frühere Rektor der St.-Hubertus-Grundschule, Bernd Kibilka, der sich mit der Historie der Burg ausführlich beschäftigt hat. Er sieht einen Bezug zu den „Mottenburgen“, die im 11. und 12. Jahrhundert errichtet wurden. Eine „Motte“ ist ein mittelalterlicher Burgtyp, dessen Hauptmerkmal ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem meist turmförmigen Gebäude ist. Ob die Burg Kervenheim aber tatsächlich eine „Motte“ war, sei bisher wissenschaftlich noch nicht untersucht, sagt Kibilka. 

Graf Dietrich VII. von Kleve übergab die Burg dem Ritter Stephan sogleich als klevisches Offenhaus wieder zurück – als Lehen. Damit stand die Burg dem Grafen jederzeit zur Verfügung. Denn „Offenhaus“ bedeutete, dass der Lehnsherr im Kriegs- und Fehdefall ein befestigtes Haus unentgeltlich nutzen konnte. Bereits im Jahr 1283 allerdings waren Stephan von Wissel und sein Sohn Wilhelm aus unbekannten Gründen nicht mehr mit Kervenheim verbunden. 

Burganlage wurde zum „Kastelitypus“ ausgebaut

Um die darauf folgenden Besitzverhältnisse der Burg aufzuschlüsseln, ist ein Blick zur Dynastie Luf von Kleve notwendig: In der Zeit von 1299 bis 1369 begründete ein Bruder des Klever Grafen Dietrich VII. die Dynastie. Luf II. gilt als der eigentliche Gründer des Ortes Kervenheim. Luf III. gründete den Ort Oedt, erbaute dort die Burg Uda und nannte sich „Herr von Kervenheim“. Die Burg Kervenheim wurde schließlich durch eine Enkelin von Luf III., Jolenta, bis in die Pfalz vererbt. Jolenta war verheiratet mit einem Grafen Emicho von Leiningen. Sie verkauften ihre Besitzungen an den Grafen von Jülich – und über das Jülicher Grafenhaus kam die Burg 1367 zurück an den Grafen von Kleve. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die Burganlage zu dem „Kastelitypus“ ausgebaut, wie er auf einer Zeichnung von Jan de Beyer aus den 1740er Jahren zu sehen ist.

Burg und Ortschaft nahmen dann unter Adolf von Kleve im 15. Jahrhundert einen Aufschwung. Er machte bereits zu Beginn des Jahrhunderts die Kervenheimer Burg kurzzeitig zu einem Amtssitz. Mit der Zeit ersetzten Burggrafen die Ritter, die sich erst Drost und später Amtmann nannten. Der letzte Verwalter von „borgh end huys van Kervenhem“ war ein Johann Tengnagel von Merwick. 

Kirchbau

Aus der Zeit Herzog Adolfs sind zudem Baumaßnahmen an der Burg überliefert. 1445 wurde auf Betreiben des Herzogs eine eigene Pfarrei Kervenheim gegründet. Mit dem Kirchbau um 1500 endete auch die Geschichte der katholischen Kirche auf der Burg. 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts schließlich verfiel die Burg aufgrund der vielfältigen Kriege immer mehr. Eine Schrift des Kervenheimer Pastors Theodor Klucken aus dem Jahre 1932 beschreibt, wie 1587 „der berüchtigte Martin Schenk von Niddegen mit seinen wüsten Gesellen“ den ganzen Niederrhein brandschatzte. Dazu kam der Clever Erbfolgestreit seit 1609 und der Dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648.

Klärung weiterer Besitzverhältnisse

Im Jahr 1521 gelangte die Burg in den Besitz eines Goedart van Bemell, 1525 findet sich ein Derick von Bronckhorst auf der Burg. Im Jahr 1555 gelangte die Burg zurück an die Adelsfamilie Wylich, die schon einmal der Besitzer der Burg war. Ab da ist dieses Adelsgeschlecht bis 1730 lückenlos belegbar. 

1609 bildete sich in Kervenheim eine reformierte Kirchengemeinde. Aufgrund fehlender Räumlichkeiten gewährte die Familie von Wylich der Kirchengemeinde, die Burg für ihre Gottesdienste zu nutzen. Am 20. Oktober 1675 erfolgte die Einweihung der Kirche. Bis auf den heutigen Tag findet der evangelische Gottesdienst auf der Burg statt. 

Im Jahr 1757 wurde schließlich die Burg und auch Kervenheim durch einen verheerenden, bis heute ungeklärten Brand fast vollständig zerstört. An der Stelle, wo der Turm stand, soll die große Kastanie gepflanzt worden sein, die den Platz vor der Burg heute mit prägt. Ein Rest des Gebäudes blieb zurück, wurde im Anschluss als Gutshof genutzt, der durch Erbschaft an die Herren von Hertefeld übergegangen war. Mitglieder der Familie Gerdts waren Gutsverwalter auf der Burg. Deren bekanntester Vertreter war Anton Eberhard Gerdts, dem viele Ländereien gehörten. Er war auch von 1812 bis 1949 Bürgermeister der beiden Bürgermeistereien Weeze und Kervenheim. 

Seit 1898 gehörte dann ein Teil des Burggeländes der evangelischen Kirchengemeinde, der andere Teil war in Privatbesitz. Eine Renovierung der Kirche erfolgte im Jahre 1912. 

Im Zweiten Weltkrieg wurden die restlichen Gebäude dann schwer beschädigt. Heute ist nur noch der Nordflügel erhalten, der die evangelische Kirche beherbergt. In den 70er-Jahren wurden weitere Teile des Gutshofes abgerissen. Und am 28. September 1985 eröffnete die evangelische Kirche ihr neues Gemeindehaus, das im Stile der alten Remise errichtet wurde.

Seit 2009 ist die evangelische Kirche Eigentümer des kompletten Burggeländes. Seitdem stellt sie der Bevölkerung das Gelände für diverse Veranstaltungen zur Verfügung. Der renovierte Burgkeller kann für Vorträge, Lesungen oder kleine Feiern verwendet und seit 2013 neben dem Gewölbekeller auch der Gemeinderaum genutzt werden. 

Planungen für die Feierlichkeiten 2021 laufen

Man sei „der evangelischen Kirchengemeinde dankbar, dass vor der imposanten Burgkulisse solche Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt und die Kirmes hier ihre Heimat gefunden haben“, sagt der Kervenheimer Ortsvorsteher Martin Brandts. Er hofft wie alle, dass man die 750-Jahr-Feier dieses „gesellschaftlichen und emotionalen Mittelpunkts unserer Ortschaft“ mit Verspätung 2021 realisieren kann. Die offiziellen Feierlichkeiten zum Burgjubiläum sollen voraussichtlich am 12. Juni stattfinden. Angedacht ist ein Rockgottesdienst mit Bands. Ob es ein darüber hinausgehendes Begleitprogramm geben wird, konnte Jan van Zadelhoff von der evangelischen Kirchengemeinde Kervenheim noch nicht sagen. 

Werkzeug von Ladefläche gestohlen

Unbekannte Täter*innen entwendeten am Mittwoch, 23. Dezember 2020, zwischen 10 und 15 Uhr aus einem an der Straße Am Potthaus abgestellten Fahrzeug Werkzeug. Sie schlugen zunächst die Scheibe der Fahrertür ein, um die Zentralverrieglung zu öffnen. Anschließend konnten die Unbekannten die Tür der Ladefläche öffnen und das dortige Werkzeug entwenden, u.a. wurden eine Stichsäge, ein Schlagschrauber und ein Winkelschleifer gestohlen. Zeugenhinweise nimmt die Kripo Goch unter Tel. 02823-1080 entgegen.

Der Zuversichtliche

Dass er von seiner Heimatstadt Aachen aus den Weg ausgerechnet an den Niederrhein und nach Kevelaer finden würde, sei irgendwie schon vorgezeichnet gewesen, meint Martin Brandts. „In Aachen wird Maria auch sehr verehrt. Es war vorhersehbar, dass ich dann in einer weiteren Marienstadt heimisch werde. Ich wandle sozusagen ein Stück auf Marias Wegen“, sagt der 50-Jährige.

Dass das so ist, „das ist mir erst im Laufe der Jahre so richtig aufgegangen. Das tut vor allem in Zeiten gut, wo es auch mal schwierig ist“, sagt Brandts. „Der Kapellenplatz ist für mich so ein Kraftpool wie der Aachener Dom“, äußert er mit Überzeugung. Er identifiziere sich vollkommen mit Kervenheim und Kevelaer, auch wenn es zu Beginn auch mal geheißen habe: „Du bist ja nicht von hier.“ Aber das habe sich geändert. „Wenn man mit den Alten in Kervenheim ins Gespräch kommt, stellt man fest: Viele sind nicht ursprünglich von hier, aber in Kervenheim auch heimisch geworden.“

Schon der Vater sei praktizierender Familienrichter gewesen. „Daher kommt meine Leidenschaft für das Familienrecht.“ Über seine Mutter, die verstarb, als er fünfzehn Jahre alt war, möchte Martin Brandts nicht so viele Worte verlieren. „Sie war schwer erkrankt.“

Passionierter Sportler

Er war passionierter Fußballer und Tennisspieler. Bei den Alten Herren Kervenheim kickt er heute noch mit: „Der Mittwochabend ist da gesetzt.“ Neben Beruf und Fußball gibt es noch die Pferde, die bei der Schwiegermutter stehen, die zum Ausgleich beitragen. „Und wenn ich mit meiner Motorsense unterwegs bin, fallen mir die besten Ideen ein.“

Über den „großen“ Heinz Koppers sei er an die Fußballtruppe gekommen. „Er hat uns bis zuletzt angefeuert und motiviert. Er war eh so ein bisschen ein Mentor für mich“, gesteht Brandts. „Dementsprechend ist es für mich eine Ehre, in der Truppe die Rolle des Obmanns tragen zu dürfen. In der Tradition von Heinz habe ich das gerne übernommen.“

Nachdem er in Aachen das Abitur geschafft hatte, ging er dann kurz zum Bund. Nach einem Lehramtssemester in Aachen sattelte er 1991 in Bonn auf Jura um. „Da habe ich gelernt, wie man auch mal Ellenbogen einsetzen muss und zugleich auch das Milieu kennengelernt, mit dem ich heute im Strafrecht zu tun habe. Eine gute Lebensschule.“ Nach dem zehnten Semester war das 1. Staatsexamen geschafft.

Die Referendarzeit verbrachte er Mitte der 90er-Jahre in Aachen, gemeinsam mit seiner zukünftigen Frau Elke, die er während seines ersten Staatsexamens über einen Studienfreund kennenlernte, der genauso dem Pferdesport zugetan war wie seine Frau.

Erst wurde in Aachen standesamtlich geheiratet – ein halbes Jahr später dann kirchlich am Kloster Mörmter in Xanten. Aus der Verbindung ging die heute 16-jährige Tochter Alessandra hervor. „Ohne die Kervendonkerin Elke“, sagt Brands heute, „wäre es nie möglich gewesen, hier so anzukommen. Den Anker braucht man schon, sonst fragen sich alle: wie kommt der nach Kervenheim und auf die Idee, hier zu leben?“

Das Paar lebt seit 2002 in Kervenheim. Am 1. April 2003 eröffnete der damals 33-Jährige seine Kanzlei in der Ortschaft. Nachdem Brandts in Kervenheim als Mensch und Anwalt angekommen war, „hatte ich den Wunsch, das Größere mit in den Blick zu nehmen.“ Und das ging für ihn nur „über die Kommunalpolitik.“ Auch da schlug der Einfluss des Vaters, der alter CDU-ler ist, voll durch. „Da bin ich insofern konservativ und treu.“ Ich muss nicht mit allem in der großen Politik einverstanden sein, sich ständig neu auszurichten sei „nicht mein Ding.“ Konstanz findet er da „total wichtig und gibt mir auch Halt“, wählt Brandts einen blumigen Vergleich dazu: „Im Leben und in der Ehe ist auch nicht alles Erdbeermarmelade.“ So gesehen war die CDU „der logische Schritt“, die Schnittmenge inhaltlich da für ihn am größten.

Dinge verändern

Und so wurde er nicht nur Ratsmitglied, sondern ab 2014 auch Ortsvorsteher. „Ich wollte einfach Dinge verändern“, sagt Brandts. Wobei ihm in dieser neuen Rolle egal ist, wer welches Parteibuch hat. „Als Ortsvorsteher bin ich Ortsvorsteher für alle – da ist mir das völlig schnuppe. Im Rat darf da ruhig auch mal ein wenig anders sein, aber das sind zwei paar Schuhe.“

Auch er hatte das Scheitern des Dorfladens 20120/23 miterlebt, den er bis heute „eine Chance“ nennt. „Der Kunde vor Ort hat das entschieden“ – und bei vielen damals Engagierten sicher auch „tiefe Wunden“ hinterlassen, sagt Brandts. „Am Ende waren es Zahlen, die es nicht hergaben. So ehrlich muss man sein.“

Seitdem habe sich in Kervenheim aber schon einiges verändert. „Insgesamt gehen wir offener miteinander um. Es ist mehr Raum für eigene Ideen. Die Beteiligten haben begriffen, dass dieses Gegeneinander eine Sackgasse ist. Für mich war es wichtig, die Gemeinsamkeiten zu entdecken.“

Dafür fanden sich auch Mitstreiter wie einst Horst Neisius beim Heimat- und Verschönerungsverein als „das beste Beispiel, alte Krusten aufzubrechen.“ Heute sei man „an einem anderen Punkt.“ Natürlich gelte Kervenheim oft als das „vergessene Dorf“ oder als „Schlafstadt“.    Das „müssen wir ernst nehmen und versuchen, da gegenzusteuern.“
Kervenheim sei aber mehr als ein Ort ohne Apotheke, ohne Arzt, ohne Bank und bald vielleicht auch ohne Bäcker und Kneipe. „Die strukturellen Probleme existieren nicht erst seit heute“, sagt der CDU-Politiker. „Aber ich wehre mich dagegen, uns immer nur damit zu definieren, was wir nicht haben, sondern was wir an Kreativität und Reichtum haben.“ Es seien viele Projekte in Gang gekommen wie die Sanierung der Turnhalle, der Weg entlang des Sportplatzes oder die Tatsache, dass Kervenheim als allererstes Dorf Glasfaser bekam.

Die Stadt habe Geld in den Kindergarten gesteckt. „Der Kindergarten und die Schule sind die Seele unseres Dorfes.“ Klar gefalle vielen die Grundschul-Kooperation mit Winnekendonk nicht. „Aber sie war damals notwendig, den Standort Kervenheim dauerhaft zu sichern.“ Und das ist eine der Rahmenbedingungen, die für ihn wichtig sind, „dass Kervenheim für junge Familien attraktiv bleibt.“

In Sachen Einkaufen gebe es das Instrument der Mitfahrbank, das voraussichtlich bald auch nach außen sichtbar werde. „Die Radfahrverbindung in die Nachbarorte muss besser werden“, sieht Brandts da noch eine große Baustelle. Und die „schwierige Kreuzung Schloss-Wissener-Straße /Winnekendonker Straße“ müsse unbedingt entschärft werden. „Da bleibe ich auf jeden Fall dran, bis das dicke Brett durchgebohrt ist.“

Dass er aktiv den Austausch mit allen Vereinen vor Ort suche, sei für ihn sehr wichtig. „Mich interessiert total, was sie machen. Die Veranstaltung ist für mich in der Regel nicht vorbei, wenn sie vorbei ist.“ Das bedeute aber schon, „dass man mich dann schon mit vielen teilen muss. Das mag speziell für meine Familie nicht immer schön sein.“ Die hätte nichts dagegen gehabt, wenn er nicht noch einmal Ortsvorsteher geworden wäre, trägt es aber trotzdem gerne mit.

Was Blühendes

Für 2021 erhofft er sich für Kervenheim, dass weiter „viele kleine Dinge in Umsetzung gehen“ wie ein neues Großspielgerät in Form einer Burg, das voraussichtlich im April 2021 kommen soll. Und schließlich ist da noch das 750-Jahre-Jubiläum der Burg und der 112. Geburtstag der Feuerwehr, was nachgefeiert werden muss. „Es tut sich was“, bleibt Brandts zuversichtlich, dass aus dem vielbesungenen „Heimatstädtchen“ Kervenheim noch etwas Blühendes entsteht.