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Malte Fiedler hat ein Porträt von Dr. Dominik Pichler bearbeitet. Das Ergebnis hängt im KvGG und im Zimmer des Bürgermeisters.

Zwischen Albert Einstein und Michael Jackson

Wann wird ein Bürgermeister schon einmal zum Inhalt eines gymnasialen Oberstufenunterrichts im Fach Kunst und wann hängt sein überarbeitetes Porträt zwischen „Albert Einstein à la Gerhard Richter“ und „Michael Jackson à la Banksy“?

In Kleingruppen bereiten sich die Schüler*innen aufs Abi im Corona-Jahr vor.

Das Kardinal-von-Galen-Gymnasium macht “Fit for Abi”

Es ist die letzte große Hürde am Gymnasium, bevor es ins Studium oder Berufsleben geht: die Abiturprüfung. Für jeden Jahrgang bedeutet das Stress und Unsicherheit. Die Corona-Krise stellt allerdings Schüler*innen, die in diesem Jahr ihr Abitur machen, vor besondere Herausforderungen. Um die Schüler*innen zu entlasten und sie noch zielgenauer vorzubereiten, werden am Kardinal-von-Galen-Gymnasium seit diesem Februar sogenannte „Fit-for-Abi“-Kurse für die Fächer Mathematik, Deutsch, Englisch, Sozialwissenschaften und Biologie angeboten – größtenteils als Präsenz- und teilweise auch als Distanzunterricht.

In unterschiedlich großen Gruppen lernen die Teilnehmenden, wie sie sich inhaltlich und methodisch optimal auf die Prüfungen in den jeweiligen Fächern vorbereiten können. „Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler sind durchweg positiv, da die Aufarbeitung der abiturrelevanten Inhalte und Methoden eine große Hilfe darstellt“, berichtet Mathelehrerin Felizitas Stüwe. Durch die überschaubare Größe der Gruppen ist es möglich, die Schüler*innen individuell zu fördern, sodass sie etwaige Unsicherheiten ansprechen und überwinden können. Deutschlehrerin Judith Verhaag betont, dass es neben der inhaltlichen Wiederholung des Stoffes und methodischer Herangehensweisen auch darum gehe, „den Schülerinnen und Schülern zu helfen, ihre ‚Problemstellen‘ und Fehlerschwerpunkte zu erkennen.“ Dabei kommen Fragen der Lernorganisation und Motivation zur Sprache, etwa: Wie strukturiere ich mein Lernpensum? Bei den Teilnehmenden kommen die freiwilligen Angebote sehr gut an. Angesprochen auf die zusätzliche Zeit, die sie in die Kurse „investieren“, fasst Robin Völlings lachend zusammen: „Abi macht man ja nur einmal im Leben, da ist es doch klar, dass man so ein Angebot annimmt!“ Karolina Skoczylas ergänzt: „In den Fit-for-Abi-Kursen können wir noch intensiver und kleinschrittiger arbeiten. Das hilft mir bei meinen Vorbereitungen wirklich weiter.“

Nach den Osterferien wiederholen die Q2er mit ihren Fachlehrer*innen verstärkt die Inhalte der vergangenen beiden Jahre, bevor es am 23. April mit den ersten Abiturprüfungen losgeht.

Die „Fit-for-Abi“-Kurse werden dann für die Jahrgangsstufe Q1 angeboten. „Wir möchten unsere Schülerinnen und Schüler mit diesen zusätzlichen Angeboten unterstützen und ihnen helfen, mögliche coronabedingte Lücken zu füllen und so auch die Verunsicherung vieler Schülerinnen und Schüler aufzufangen,“ resümiert Schulleiterin Christina Diehr.

Die Zeichen standen auf Veränderung

Beinahe still und heimlich ging alles vonstatten. Nach einiger Vorbereitungszeit, vielen Formalien sowie einem Eignungsfeststellungsverfahren ist Christina Diehr seit dem 7. Januar 2021 offiziell die neue Schulleiterin des Kevelaerer Kardinal-von-Galen-Gymnasiums. Eine Feier war aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich, lediglich die Übergabe der Urkunde durch den verantwortlichen Dezernenten. Christina Diehr tritt damit die Nachfolge von Karl Hagedorn an, der im Sommer vergangenen Jahres pensioniert wurde. Als Diehr im Februar 2019 zunächst die Stelle als stellvertretende Schulleiterin am KvGG antrat, war es gar nicht ihr Plan, noch einen Schritt weiter zu gehen.

„Ich wollte lange Zeit Pastorin werden“, erzählt die 54-Jährige von ihren anfänglichen beruflichen Plänen und kann sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Ich habe dann aber gemerkt: Nee, das ist doch nichts für dich.“ Schlussendlich führte sie der Weg nach ihrem Abitur nach Essen für ein Lehramtsstudium – Englisch und Deutsch für die Sekundarstufen 1 und 2. Was folgte, war ein Referendariat an einem Essener Gymnasium und die Tätigkeit an einer Gesamtschule, bevor die Lehrerin nach Wesel ans Andreas-Vesalius-Gymnasium wechselte. 22 Jahre lang unterrichtete sie dort und konnte als Oberstufenkoordinatorin bereits Erfahrungen in der Verwaltung sammeln.

„Dann ist man irgendwann in einem Alter, in dem man sich fragt: Was machst du jetzt?“, schildert Diehr, die gebürtig aus Voerde am Niederrhein stammt und heute mit ihrem Mann in Geldern wohnt. Und während der Wunsch nach einer neuen Herausforderung in ihr aufkeimte, wurde am KvGG nach einer stellvertretenden Schulleitung gesucht. Nach einem „positiven ersten Eindruck“ der Einrichtung nahm Diehr die Stelle an. Die heute 54-Jährige war noch nicht lange in der Marienstadt tätig, als dann relativ schnell feststand, dass der damalige Schulleiter Karl Hagedorn bald in den Ruhestand gehen würde. Im Herbst 2019 sei nach ausgiebiger Beratung mit ihrem Mann, der als Schulleiter an einer Gelderner Schule tätig ist, sowie positivem Zuspruch aus dem Kollegium schließlich die Entscheidung gefallen, Hagedorns Nachfolge antreten zu wollten, erzählt Diehr. 

„Ich bereue es nicht. Ich habe gemerkt, ich fühle mich hier wohl.“ Das sei natürlich die Voraussetzung gewesen. Was das Kevelaerer Gymnasium für sie auszeichnet? Als besonders positiv empfinde sie die „große Bandbreite“ an der Schule. Es gebe eben nicht einen thematischen Schwerpunkt, um den sich alles dreht, stattdessen würden viele Bereiche abgedeckt. 

Sie möchte nicht aufs Unterrichten verzichten

Außerdem sei der Eindruck – den sie im Übrigen von der ganzen Stadt hat – dass alles sehr familiär ablaufe. Sie könne nicht nur auf ein engagiertes Kollegium, sondern auch auf die Eltern bauen. „Und diese Schule hat unfassbar nette Schülerinnen und Schüler“, was nicht selbstverständlich sei, berichtet die erfahrene Lehrkraft, die aktuell einen Englisch-Leistungskurs betreut und auch künftig nicht gänzlich auf das Unterrichten verzichten möchte. Ob sie durch ihren Positionswechsel damit rechnet, dass die Schüler*innen ihr im Unterricht künftig anders gegenübertreten? „Nein.“ Ein respektvoller Umgang sei immer das A und O, egal ob Schüler*in, Lehrkraft, Hausmeister oder Elternteil. „Und ich glaube nicht, dass sie bei mir mehr Hausaufgaben machen als bei den anderen“, sagt Diehr augenzwinkernd.

Dass sie heute auf dem „Chefsessel“ im KvGG sitzen würde, hätte sie vor zwei Jahren nicht gedacht, gesteht Diehr, die als Ausgleich in ihrer Freizeit gerne auf dem Golfplatz steht, verreist und Konzerte besucht. Die Geschicke der Schule leitet sie allerdings nicht erst seit dem 7. Januar, sondern seit der Pensionierung Hagedorns im Sommer. Und aktuell ist sie quasi „2 in 1“: Schulleitung und ihre eigene Stellvertretung. Denn Letztere gibt es derzeit am KvGG nicht. Das soll sich in naher Zukunft jedoch ändern.

Eigene Ideen ins Schulleben einfließen lassen

Einige wichtige Details sei sie im Vorfeld noch mit ihrem Vorgänger durchgegangen. „Vieles lernen Sie aber ‚on the Job‘ – das ist dann learning by doing.“ Letztlich sei es wichtig und auch gut so, eigene Vorgehensweisen in die Arbeit einfließen zu lassen. „Ich sehe auch keinen Nachteil darin, dass ich von außen komme“, betont die Schulleiterin. Das ermögliche ihr einen „neuen Blick“ auf die Schule. Man betrachte die Strukturen schlichtweg anders, wenn man noch nicht seit vielen Jahren in demselben System tätig ist.

Komplett „auf links drehen“ möchte Diehr das KvGG nicht. Veränderungen und Optimierungen soll es dennoch geben. Dazu zählt unter anderem das Vorantreiben der Digitalisierung. „Wie können wir Aspekte der Digitalität in den Unterricht einbringen?“, sei da eine zentrale Fragestellung. Vor allem die Corona-Pandemie habe hier viele neue Ansätze aufgezeigt. Außerdem stehe in Zusammenarbeit mit der Stadt die Weiterentwicklung des Schulgebäudes an – dafür brauche es weitreichende Planungen, auch aus pädagogischer Sicht. Weitere Ziele seien die Analyse und Optimierung der Kommunikationswege an der Schule, eine Verbesserung der Außendarstellung sowie die individuelle Förderung der Schüler*innen in Form von Vorbereitungskursen zum Abitur („Fit for Abi“), durch das Programm „Schüler helfen Schülern“ und weitere Förderungsangebote. Vieles sei auf einem guten Weg, könne aber an einigen Stellen überdacht, optimiert und erweitert werden, meint die Schulleiterin.

All das gelinge allerdings nicht in einem Alleingang. „Man kann es nur gemeinsam schaffen“, sagt die Schulleiterin, die auch nach mehr als zwei Jahrzehnten immer noch sichtlich glücklich über ihre Berufswahl scheint. „Es ist ein sinnvoller Beruf. Dieser Beruf kann einen erfüllen und einem unglaublich viel Spaß machen.“ 

Der Start in die Distanz

„Es ist so, dass wir auf viele Sachen zurückgreifen können“, sagte die Rektorin der Hubertus-Grundschule, Helga Dückers-Janßen. „Wir haben uns in den Weihnachtsferien schon vorbereitet, sodass wir am Montag in die Distanz starten konnten.“

Kurz vor Weihnachten hätten die Kinder, die beim letzten Lockdown kein Endgerät zur Verfügung hatten, eins bekommen. „Wir gehen davon aus, dass jedes Kind ein Endgerät hat.“

Man werde in gut zwei Wochen so weit sein, „dass wir über den Videochat mit den Kindern in Kontakt“ treten können. „Das haben wir noch nicht ausprobiert, aber das steht bereit. Das wär ein neuer Schritt ins digitale Lernen.“ Da werde man keinen Unterricht machen, sondern mit den Kindern über die Aufgaben der Wochenpläne sprechen. Es werde auch Lernvideos geben, auf die die Kinder zurückgreifen können.

Die Kinder bekämen passgenaue Materialien, die sie mit Hilfe der Lernvideos bearbeiten können. „Sie gehen mit uns dann in Kontakt. Wir lassen uns die Ergebnisse zeigen, dass die Kinder eine Bestätigung für ihr Arbeiten bekommen. Motivation ist ein ganz großes Thema.“ Mit den Lernprogrammen habe man schon im Präsenzunterricht gearbeitet. „Das  sind Systeme, die die Kinder seit dem vergangenen Jahr schon bearbeiten. Da können wir sehen, wie oft und wie viel die Kinder gearbeitet haben. Das läuft schon sowohl im Präsenz- als auch im Digitalunterricht.“ Es werde vieles geben, was man nach Corona fortsetzen werde.

Ungünstiges Hin und Her

Dückers-Janßen hofft, „dass wir im Februar mit kleineren Klassen starten können. Das wäre schon toll.“ Denn das Hin und Her von Schließung und Präsenzunterricht sei ungünstig für alle Beteiligten.

Auch der Rektor der Gesamtschule, Christoph Feldmann, sieht die Phase des Distanzlernens gelassen. „Ich gehe da zuversichtlich rein, aber in dem Bewusstsein, dass das nicht gleich Präsenzunterricht ist. „Das soziale Miteinander, das Schule abgesehen vom Lernen als Funktion hat“, das falle weg. Die Voraussetzungen seitens der Schüler seien sicher verschieden, „obwohl viele über die Weihnachtstage ihre mediale Infrastruktur aufgerüstet haben. Damit müssen wir rechnen und wissen damit umzugehen.“

Mit den Lernplattformen „Moodle“ und „Teams“ sei man gut aufgestellt, um ein gutes Angebot zu machen. Klausuren und Klassenarbeiten seien erstmal ausgesetzt. Man sei in der „sehr komfortablen Situation, dass wir über lange Zeit Präsenzunterricht bis in den Dezember hinein hatten, da die Grundlage für die Leistungsbewertung gelegt haben.“

Die stellvertretende Schulleiterinde des Gymnasiums, Christia Dier, sagt: „Wir sind im Gegensatz zum letzten Jahr dahingehend weiter, dass wir das digitale Lernmanagement „moodle“ anwenden. Das haben wir mit den Schüler*innen eingeübt, wie man sich da einloggen und das hochladen kann.“ Und mit den Lehrern fanden Schulungen statt, „sodass wir soweit sind, dass die Kommunikation zwischen Kollegen*innen und den Kleingruppen darüber möglich ist.“ Es gebe auch ein Videotool.

„Das Problem da war, die Server waren zu schnell überlastet.“ Seit der ersten Phase des Distanzunterrichtes habe man einen externen Anbieter dafür. „Montagmorgen hatten wir für die Sek 1 eine digitale Klassenlehrerstunde, damit man die abholt und sagt: Die Ferien sind vorbei und jetzt geht es wieder los. Das fanden wir wichtig, das hat sehr gut funktioniert.“ Die Lernplattform funktioniere sehr gut, „aber wir merken, dass Systeme zu bestimmen Spitzenzeiten in die Knie gehen. Das geht allen Schulen so.“

In Sachen “Klausuren” sei klar, dass laut Erlass in der Sekundarstufe I und der Einführungsphase kei-ne Klausuren bis zum 31. Januar laufen werden. In der Qualifizierungsphase sei das für notwendige Arbeiten möglich.

KvGG-Lehrerkollegium machte Werbung an der Haustür

Früh am Morgen versammelten sich die 13 Lehrer*innen und drei Stellvertreter*innen der Schulpflegschaft vor der Eingangstür des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums. „Wir Lehrer haben schon unsere Joggingrunde hinter uns, um uns frisch und munter und für die Schule auf den Weg zu machen“, scherzte Nicole Lücke, bevor sie mit dem Kollegen Jens Auerbach in den Klassenraum hochging. „Wir bringen heute die mit dem Kollegium vorbereiteten Tüten zu unseren zukünftigen Fünftklässlern und hoffen, dass sich viele für unsere Schule entscheiden“, erklärte sie und nahm ein paar Tüten zur Hand.

Man habe sich in Corona-Zeiten halt etwas Neues einfallen lassen müssen, ergänzte ihr Kollege. „Wir haben sonst immer die schöne Tradition, dass wir das Schulleben öffnen, damit die Schüler zu uns kommen, um uns bei der Arbeit zu sehen und zu gucken, was wir nebenbei machen. Da hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir haben uns trotzdem fest vorgenommen, uns zu präsentieren.“

So entstand dann die Idee, „uns mit einer kleinen Tüte zu präsentieren und andere Methoden zu nutzen – ein bisschen Persönlichkeit und Ansprache, was unsere Schule so ausmacht“, meinte Lücke. Vor der Eingangstür packte Marcel Otto einige Tüten ein. „Ich bin neu hier, bin mit dem VW Passat da, damit die Arbeit auf mich abgeladen wird“, lachte er gut gelaunt und fuhr die Eltern auf seiner Liste ab. Insgesamt 110 Familien waren es, die im Vorfeld beim KvGG Interesse für den Besuch angemeldet hatten. „Wir klingeln und weisen dann freundlich auf die individuellen Beratungsgespräche hin“, traten Lücke und Auerbach dann in die Pedale. „Wir verknüpfen beides: das persönliche Gespräch und online-Angebote.“

Digitale Grußbotschaften

Die Tasche hatte einiges an Besonderem zu bieten. „Wir haben eine aktuelle Ausgabe der Zeitschrift ‚Denkpause‘, Infos zur Sprachwahl, Naturwissenschaften, Unterrichtsmaterialien, Bastelanleitungen aus dem Bereich der Religion, einen Button und einen Bleistift, Anschreiben und zur Adventszeit eine kleine Tüte mit Leckereien“, erklärte Auerbach. „Dazu kommt unsere neu kreierte Broschüre mit QR-Code, wo jeder für sich persönlich digitale Grußbotschaften abrufen kann.“ Plus den neuen KvGG-Imagefilm und einen persönlichen Brief, den die derzeitigen Schüler*innen an die zukünftigen verfasst hatten.

Mit dem Rad ging es dann zur Lortzingstraße an die Haustür von Familie van Lipzig. „Melissa, da sind Leute von der Schule“, rief ihre Mutter Monique die Treppe hinauf, nachdem sie die Tür geöffnet hatte. Beide Lehrer nutzten die Chance, die Präsente zu übergeben und auf die Beratungsmöglichkeiten hinzuweisen. Das junge Mädchen wusste das Ganze gar nicht so richtig einzuordnen. „Ich wusste von nix, nö“, sagte sie, fand die Aktion aber gut. Und ihre Mutter war begeistert: „Das finde ich schöner als diesen kompletten Online-Auftritt, weil das sowieso alles unpersönlich ist“, war sie auch über die Chance froh, dass die Kinder wenigstens die Pädagogen mal zu Gesicht bekommen.

Ähnlich sah das auch bei Familie Woizik auf der Biegstraße aus, wo die neunjährige Hanna an der Tür den Hinweisen zuhörte und das Paket entgegennahm. „Ich möchte da auch hin“, sagte sie. „Das ist gut – wegen Corona kann ich ja nicht zu ihnen kommen. Und ich bin schon neugierig auf das Paket.“

Wie funktioniert Schule während der Corona-Krise?

Am Donnerstag, 23. April 2020, öffnen NRWs Schulen wieder, um Abiturienten und Abschlussklassen auf ihre Prüfungen vorzubereiten. Die Schulen bieten ein Programm an, das den Schülern beim Lernen helfen soll. Denn trotz der Forderung vieler Eltern- und Lehrerverbände nach einem Durchschnittsabitur, sollen auch in diesem Jahr die Abiturprüfungen stattfinden. Die Prüfungen wurden um einige Wochen verschoben, sodass der 8. Mai der letzte Schultag für die Abiturienten sein wird. Um das Infektionsrisiko gering zu halten, sind gewisse Hygienemaßnahmen an den Schulen wichtig, um Schüler und Lehrer zu schützen. Auch am Kardinal-von-Galen Gymnasium in Kevelaer wurden einige Maßnahmen getroffen.

In einem Schreiben richtet sich Schulleiter Karl Hagedorn an die Schüler und bittet um die Beachtung der Regeln. Schülerinnen und Schüler sollen das Gebäude und das Schulgelände lediglich für das Lernangebot betreten. Außerdem wird auf den Abstand von zwei Metern hingewiesen, der zu anderen Schülern und Lehrern eingehalten werden muss. Zusätzlich bittet Hagedorn um ein Tragen von Nase-Mund-Masken. Der Wasserspender könne zur Zeit nicht genutzt werden, genauso wie das Foyer und der Oberstufenraum. Die Schule sei mit ausreichend Seife und Papierhandtüchern ausgestattet und habe Hygienebehälter zur Handdesinfektion auf den Fluren und im Eingangsbereich platziert. Außerdem gäbe es Plakate, die auf die wichtigsten Verhaltensregeln hinweisen. Zusätzlich soll eine ständige Kontrolle der Einhaltung der Regeln in Absprache mit der Stadtverwaltung und der Gesamtschule stattfinden, erklärt Hagedorn.

Die weiteren Schritte sind noch unklar

Zum Schutz der Schüler finden die Lehr-Angebote zeitversetzt statt. Die Abiturkurse wurden bereits in einzelne Gruppen unterteilt. An unterschiedlichen Tagen werden Kurse für das erste bis vierte Abiturfach angeboten. Bis zu zehn Schüler können in einem zehn Minuten Abstand zu ihrem jeweiligen Kurs gehen. Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, werden vertreten, stehen jedoch teilweise noch per E-Mail mit ihren Schülern in Kontakt. Vor dem 4. Mai würden keine weiteren Schüler im Gebäude unterrichtet werden. „Dann werden nach neuen Überlegungen Maßnahmen erfolgen, deren Rahmenbedingungen seitens der Schulbehörden wir jetzt noch nicht kennen und daher noch entwickelt werden“, erläutert Hagedorn.

Schülerinnen und Schüler, die zur Risikogruppe gehören, werden gebeten, sich bei der Schule zu melden, damit individuelle Maßnahmen getroffen werden können. In den jeweiligen Unterrichtsangeboten, sollen Schüler die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen und Themen zu wiederholen. Dennoch ist das Angebot freiwillig: Bei einer Nichtteilnahme wird um eine telefonische Absage im Sekretariat gebeten.

Nur durch Glück die Nazi-Zeit überlebt

Zum wiederholten Male erzählte die Zeitzeugin Eva Weyl den Neuntklässlern des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums unlängst von ihrer Zeit im Lager Westerbork in den Niederlanden. Sie besucht etwa 50 Schulen pro Jahr, um die Jugendlichen über die grausame Nazi-Zeit zu informieren.

Weyl wurde 1935 als Tochter zweier deutscher Eltern in Arnheim (NL) geboren. Beide Elternteile waren Juden, ihr Vater lebte im Gegensatz zu ihrer Mutter streng gläubig.
Die 84-Jährige leitete ihren Vortrag mit einem kurzen Comic ein, in dem sie veranschaulichte, wie unwissend viele junge Leute heutzutage sind.

Bevor sie anfing, ihre persönliche Geschichte zu erzählen, betonte sie, dass die heutige Generation für alledies nicht verantwortlich sei. Sie appellierte aber an die Leute: „Man kann nur lernen, wenn man weiß, was passiert ist“.

Ihr Urgroßvater gründete das erste Kaufhaus in Kleve, welches er an zwei seiner Söhne (einer der Großvater von Eva Weyl) übergab. Dies wurde ihnen durch die Regierung Anfang der 30er-Jahre abgenommen. Zu der Zeit wurden die Nürnberger Rassengesetze aufgestellt und Juden als „Untermenschen“ bezeichnet. Ende 1935 entschied ihr Vater nach Arnheim zu ziehen, von wo aus Weyl zusammen mit ihren Eltern im Januar 1942 im nächstgelegene Übergangslager Westerbork untergebracht wurde.

Westerbork war das erste deutsche Lager, das es in den Niederlanden gab. Ausnahmsweise hatten die We­yls zwei Tage Vorbereitungszeit. Vor dem Einzug hatte Eva Weyls Mutter die Knöpfe in ihrem Mantel mit stoffüberzogenen Rohdiamanten ersetzt. Einen dieser Diamanten trägt Eva Weyl heute noch als Ring täglich bei sich.

Im Lager musste sich jeder Jude registrieren lassen und bekam ein „J“ in den Reisepass, womit es unmöglich war, in manche Länder auszureisen. Im Lager selber wurde den Juden eine „Scheinwelt“ von dem Lagerleiter Albert Konrad Gemmeker vorgespielt, erzählte Weyl.

Gemmeker wollte die Juden mit genug Essen, Arbeit und Einrichtungen wie einem Krankenhaus und einer Schule ruhig halten, damit sie von dort aus mit dem Zug nach Ausschwitz gebracht werden konnten.

Das Leben im Lager glich dem in einem normalen Dorf

Das Leben im Lager glich dem in einem normalen Dorf, weil es einen Bürgermeister, einen Spielplatz, ein Theater und sogar eine Kartoffelsuppenmaschine gab. Des Weiteren durften die Insassen alle zehn Tage duschen, Briefe verschicken und erhalten und sogar zum Geburtstag Pfannkuchen machen. Gemmeker wollte Gerüchte über die Ermordung der Juden im Osten vermeiden.

Die Unwissenden konnten sich so einen „industrialisierten Mord“ gar nicht vorstellen. Allerdings drangen die Gerüchte immer wieder zu den Leuten und manche nahmen sich aus Angst das Leben. Eva Weyl und andere Kinder wurden im Unwissen gehalten.

Im Übergangslager lebte Eva Weyl zusammen mit ihren Eltern in überfüllten Baracken. In der Spitze lebten in dem halben Quadratkilometer großen Lager 17.000 Juden. Durch seine Kon­trolle über die Entscheidung, wer „auf Transport“ mit dem Zug nach Ausschwitz gebracht wurde, habe sich Gemmeker wie „der König vom Lager“ gefühlt.

Montagnachts um 24 Uhr wurden immer die Listen mit den Namen der Personen vorgelesen, die am Dienstag mit dem Zug abtransportieret werden würden. Dabei starb jedes Mal ein Zehntel der Insassen, da es zu wenig Platz in den Viehwagons gab.

Der Aufenthalt der Familie Weyl wurde aber immer wieder verlängert, da ihr Vater eine wichtige Arbeitsstelle in der Administration des Lagers hatte, sodass die Familie „vorübergehend bevorzugt war“. Das hieß, dass sie nicht abtransportiert werden durften und sogar eine eigene Zweizimmerwohnung bekommen hatten.

Zwar wurde die Familie später dennoch auf die Liste zum Abtransport gesetzt, doch wurde das Lager am 12. April 1945 bei einem Luftangriff der Kanadier attackiert, weil diese dachten, dass das Lager aufgrund des großen Schornsteins eine Fabrik sei. In dem Chaos verschwand die Liste mit den .1500 Namen derer, die am folgenden Tag abtransportiert werden sollten. Dadurch wurde Weyls Familie nicht nach Ausschwitz gebracht: „Der Schornstein hat unser Leben gerettet.“ Seit dem Tag trinkt ihre Familie jedes Jahr am 12. April „auf das Leben“.

Zwei Tage vor Kriegsende floh Gemmeker, wurde jedoch gefasst. Später wurde Gemmeker zu nur zehn Jahren Haft verurteilt, da er behauptete, er habe nicht gewusst, dass die Juden in Auschwitz umgebracht wurden und man ihm das Gegenteil zu der Zeit noch nicht nachweisen konnte. Er wurde aber als Schreibtischmörder bezeichnet, weil er rund 80.000 Juden in den Tod geschickt hat.

Die Weyls zogen nach dem Krieg nach Amsterdam und ihnen wurden Pakete mit Kleidung und amerikanischen Zigaretten zugeschickt, die sie auf dem Schwarzmarkt verkauften, um wieder an Geld zu kommen. 1950 verbrachte Eva Weyl ihre Ferien bei ihrem Großvater in Freiburg, wo sie sich in einen Jungen namens Fritz verliebte. Ihr Großvater verbat ihr die Beziehung, da der Vater des Jungen einer der größten Nazis in Freiburg war.

Immer erst denken und dann handeln

Daraufhin habe sie als damals 15-Jährige gefragt: „Was kann der Fritz denn dafür, was sein Vater getan hat?“ Dies übertrug Weyl auf die Generation der Schüler und betonte: „Ihr seid nicht für die Vergangenheit verantwortlich, jedoch für die Zukunft. Also immer erst denken und dann handeln“.

Seit über zehn Jahren hält Eva Weyl Vorträge an vielen Schulen, ab und zu gemeinsam mit der Enkelin Gemmekers. Diese habe eine Zeit lang Schuldgefühle wegen ihres Großvaters gehabt. Heute sind die beiden Frauen gute Freundinnen.

Zum Schluss zeigte Weyl ein Video, in dem die Enkelin durch die Villa ihres Großvaters Gemmeker läuft und entsetzt über die Taten ist, die ihr Großvater begangen hat. Auf die Frage hin, ob Weyl sich jemals gewünscht habe, nicht jüdisch zu sein, antwortete sie: „Früher nein, heute ja, da es meiner Familie viel Leid erspart hätte.“ Mit ihren Vorträgen will sie Jugendliche zu „Zweitzeugen“ zu machen, damit diese Geschichte nicht in Vergessenheit gerät und sich nicht nochmal wiederholt.

Maja Zymelka und Kai Stassen

Mobbing am Gymnasium – oder gegen die Schule?

Heftige Vorwürfe lasten seit der Veröffentlichung eines Artikels der Rheinischen Post auf dem Kardinal-von-Galen-Gymnasium (KvGG). Laut RP-Artikel vom 7. Oktober erheben gleich mehrere Eltern Mobbingvorwürfe gegen Lehrkräfte des städtischen Gymnasiums.

Mehrere Familien seien betroffen, für zumindest eine kam als Lösung nur noch ein Schulwechsel in Frage.

Die Vorwürfe: Es gäbe Mobbing an der Schule durch Schüler und Lehrer. Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien hätten es schwer. Ein Diabetiker-Kind hätte im Kunstunterricht nicht Traubenzucker zu sich nehmen können. Der Lehrer wäre bereit gewesen, das Kind „eiskalt bewusstlos werden zu lassen.“ Und ein anderes Kind hätte im Unterricht nicht zur Toilette gehen dürfen.

Ein Schüler der 9. Klasse hatte auf seinem Zeugnis die Bemerkung: Der Schüler „muss lernen, sich in Wortwahl und Ton angemessen zu verhalten. Die fehlende Arbeitshaltung und Leistungsbereitschaft werden gerügt.“ Die Eltern wandten sich an die Schulaufsicht der Bezirksregierung und entschieden sich zu einem Schulwechsel. Laut des RP-Artikels wollen sie auch gegen zwei Lehrer und den Direktor Dienstaufsichtsbeschwerde erheben.

Ganze 45 Schüler des Gymnasiums, so der RP-Artikel, hätten sich zum Schuljahresende 2018/19 für eine andere Schule entschieden. Was ist dran an den Vorwürfen? Das Kevelaerer Blatt hat sich an der Schule umgehört.

Schulleiter Karl Hagedorn habe den besagten RP-Artikel mit „großem Unverständnis und Befremdung“ zur Kenntnis genommen. „Unsere Schule wird dabei in ein Licht gerückt, welches mit unserer gelebten Schulkultur […] in keiner Weise übereinstimmt und durch die Schieflage der Berichterstattung viele Eltern, Kollegen, Schülerinnen und Schüler und auch mich sehr betroffen stimmt“ – so schreibt er in einem Elternbrief am Tag nach der Veröffentlichung des Artikels.

Im Gespräch mit dem KB berichtet er, dass er im September den Anruf einer Journalistin der RP bekam, die ihm mehrere Vorwürfe überbrachte, ohne dabei konkrete Namen zu nennen. „Ich wusste bei diesem Gespräch gar nicht, um welche Anschuldigungen es konkret ging. Ich konnte dies nur raten und vermuten.“

Der Fall des Schülers, der dann die Schule wechselte, liege zudem ein gutes Jahr zurück. „Ich konnte der Journalistin nur allgemein antworten, dass wir an der Schule jedem Problem nachgehen und für jeden Fall Lösungen suchen, dass Mobbing an unserer Schule ein No-Go ist und regelmäßig Präventionsmaßnahmen durchgeführt werden.“ Es sei für ihn schwierig zu fassen, warum der Artikel gerade jetzt erscheine und was er bezwecken solle.

Schon in dem Elternbrief stellte der Schulleiter auch einige Fehler des Artikels richtig. Keinesfalls hätten nämlich 45 Schüler das KvGG verlassen, um auf eine andere Schule zu wechseln. In den Jahrgangsstufen 9 und EF hätten 12 bzw. 16 Schüler gewechselt.

Außer bei einer Schülerin, die wegen eines Wohnortwechsels ein anderes Gymnasium besuchen musste, hätten die Schulwechsler nicht aus Mobbinggründen die Schule verlassen, sondern um an berufliche Schulen oder eine Realschule zu wechseln. Diese Zahlen seien völlig normal, versichert der Schulleiter.

Zurzeit geht’s am Gymnasium, bedingt durch die Herbstferien, zwar ruhig zu. Doch der “Mobbing-Artikel” bleibt weiterhin ein großes Thema.

Auch bei der umstrittenen Zeugnisbemerkung im Fall des besagten Schülers wäre der Schritt genau überlegt worden, erklärte Schulleiter Karl Hagedorn. Außerdem sei, als die Schulleitung vom geplanten Schulwechsel des Schülers erfuhr, sofort ein zweites Zeugnis ohne die Bemerkung zum Verhalten ausgestellt worden. „Von Seiten der Schule haben wir auch in diesem Fall alles getan, was in unserer Macht steht, und Gespräche mit dem Schüler und den Eltern gesucht“, berichtet er.

Betroffen stimmt es ihn, dass in diesem Fall wohl von Seiten der betroffenen Familie keine Lösung angenommen wurde und der Fall zur Schulaufsichtsbehörde der Bezirksregierung getragen wurde.

Seit sieben Jahren macht sich das KvGG gegen Mobbing stark. Es gibt Präventionsarbeit in Zusammenarbeit mit der Kreispolizei und Vertretern der Caritas. „Unsere Lehrer gehen ganz entschieden gegen alle Fälle von Mobbing vor“, versichert der Schulleiter. Dass es unter Schülern gerade in den unteren Klassen zu Mobbing kommt, liegt oft nicht in Händen der Schulleitung und des Lehrerkollegiums: „In den unteren Klassen gibt es oft Probleme in der Kommunikation und in der Nutzung der neuen Medien, aber viele Vorfälle geschehen außerhalb des Unterrichts oder außerhalb der Schule und wir haben dann keinen Einfluss darauf.“

Schule ohne Rassimus, Schule für Courage

Seit Juni 2018/19 trägt die Schule den Titel „Schule ohne Rassimus, Schule für Courage“. Extra trainierte Schüler aus höheren Klassen, sogenannte Netzpiloten, gingen im Frühjahr 2019 in die unteren Klassen und sprachen mit den Schülern über verantwortungsvollen Umgang mit dem Handy und mit sozialen Netzwerken. Jedes Jahr kommt Polizeikommissar Stefan Hellwig in die Klassen und informiert Kinder und Eltern über Gefahren des Cybermobbings.

Nach den Herbstferien wird am KvGG das Thema Mobbing noch breiter aufgegriffen. „Gerne möchten wir herausfinden, wo es Probleme gibt, und diese gemeinsam lösen. Kein Kind soll und darf an unserer Schule gemobbt werden!“ Und natürlich dürfe jedes Kind, das es nötig hat, aus gesundheitlichen Gründen auch Traubenzucker zu sich nehmen und der Toilettenbesuch werde keinem verwehrt.

Auch für Kinder aus sozial schwachen Familien gebe es viele Unterstützungsmöglichkeiten. „Bei Problemen stehen neben den Lehrern auch eigene Vertrauenslehrer, Klassenpaten, Streitschlichter, Eltern- und Schülervertreter zur Verfügung“, so Hagedorn.

„Vorwürfe konnten nicht bestätigt werden“

Am Abend vor dem KB-Besuch an der Schule gab es eine Schulkonferenz, in der es auch um den RP-Artikel und die Vorwürfe ging. „Die Eltern-, Lehrer- und Schülerschaft steht geschlossen gegen den Artikel. Die darin behaupteten Vorwürfe konnten so nicht bestätigt werden“, berichtet der Schulleiter, was dem KB auch seitens der Schülervertretung bestätigt wurde, die in einem Leserbrief den Vorwürfen widerspricht.

Schulsprecher Valdrin Qajani besucht das Gymnasium seit sechs Jahren. Er betont: „Wir haben ein äußerst positives Schulleben und eine ausgesprochen gute Kommunikation an unserer Schule. Seit einigen Monaten gibt es an unserer Schule zudem zwei Schulsozialarbeiter, die neben allen anderen Ansprechpartnern auch bei Problemen gerne weiterhelfen.“

Sylvia Robinson kennt das KvGG aus eigener Erfahrung und durch ihre Tochter, die im achten Jahr das Gymnasium besucht. Für sie steht fest: „Die Vorwürfe an die Lehrer kann ich so nicht teilen. Jedoch wird durch das Hantieren mit schlecht recherchierten sowie falschen Tatsachen ein Nährboden für Meinungsbildungen wie Mobbing und Rassismus, bereitet.“

Clemens Sieben hat als Schulpflegschaftsvorsitzender in den vergangenen Tagen viele Nachrichten von Eltern erhalten, die der RP-Artikel entsetzt hat. Seine Meinung: „Ich erlebe die Schule offen und schätze das Engagement der Schüler, Lehrer und Eltern. Es ist klar, dass auch mal Probleme auftreten oder es zum Streit kommt. Darauf sollten alle sofort reagieren und mit den Ansprechpartnern auf Seiten der Schüler, Lehrer oder Eltern intern Lösungen suchen, statt mit den Angelegenheiten an die Presse zu gehen.“

Bürgermeister Dr. Dominik Pichler kann die pauschalen Vorwürfe nicht teilen. Zwei seiner Kinder besuchen das Gymnasium: „Es gibt wohl keine Schule, wo immer alles rundläuft. Aber ich erlebe das KvGG anders als im Artikel suggeriert. Mir erscheint der RP-Artikel recht einseitig. Auch scheint ein einzelner, nicht verallgemeinerbarer Streit nun von der Presse zum Skandal aufgeblasen zu werden. Aus eigenem Erleben und nach den Erfahrungen meiner Kinder kann ich sagen: Das KvGG ist eine gute Schule.“

Eine Woche in der Bretagne

26 Schülerinnen und Schülern des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums sind in dieser Woche unterwegs in der Bretagne. Die Gäste aus der Marienstadt besuchen ihre Gastschüler in Dourarnenez, die sie selbst in Kevelaer hatten begrüßen dürfen, und zeigen sich vor allem von der bretonischen Küche begeistert.
Während ihres einwöchigen Aufenthaltes besuchen die jungen Gäste den Unterricht, besichtigen Quimper und Camaret und haben außerdem noch die Chance, sich im Segeln zu versuchen.
Foto: privat

Deutsch-französischer Kulturaustausch

Dass in letzter Zeit in den Straßen der Marienstadt immer mal wieder französische Stimmen zu vernehmen waren, war kein Zufall. Denn das Kardinal-von-Galen-Gymnasium konnte nach dem Besuch einer Klasse eines „Collèges“ aus Angers/Pay de la Loire nun eine zweite französische Schülergruppe – diesmal aus Douarnenez in der Bretagne – empfangen.
Die 25 Schüler konnten für einige Tage den Unterricht am Kevelaerer Gymnasium besuchen und mit ihren Kontaktschülern die Stadt erkunden, gingen Waffeln essen und kegeln. Die Gastfamilien hatte sich jeder etwas Eigenes an Aktivität überlegt, so dass gepaddelt, geklettert, Fahrrad gefahren oder gegrillt wurde.
Zusammen fuhr der Schülertross aus deutschen und französischen Schülern zur Zeche Zollverein. Und am letzten Tag ihres Aufenthaltes besichtigten die französischen Gäste dann den Pflanzengroßhandel „GASA Germany“, wo sie ein französischer Mitarbeiter mit Erläuterungen zum europaweiten Verkauf der regional hergestellten Pflanzen überraschte. Im „Kevelaerer Kaffeehaus“ genossen die Lehrerinnen am Nachmittag vor der Rückreise noch ein leckeres Stück Käsekuchen.
Dort erzählte Inhaberin Marie-Therese Konculic über ihre früheren KvGG-Austauschfahrten in die Normandie nach Carentan, wo sie „Aalsuppe essen“ musste, während ein Schüler im Supermarkt noch eifrig „nach dem roten Bier“ suchte, das er bei seinen Gasteltern kennengelernt hatte. Womit er allerdings nicht richtiges Bier, sondern Holunder-Bionade meinte.
Nach einem kurzen Buffet in der Schule hieß es dann von den Schülern Abschied nehmen, die sich in ihrem Bus in Richtung Bretagne begaben. Kevelaer als Stadt löste bei den Lehrern soviel Begeisterung aus, dass sie ernsthaft über eine Städtepartnerschaft laut nachdachten. Und allzu lange wird es nicht dauern, bis sich die Schüler wieder begegnen. Ein Gegenbesuch der 28 deutschen Schüler in Frankreich ist für den 22. bis 28. September vorgesehen.