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34 Blutspender retteten 1.650 Mal Menschenleben

hen Roten Kreuz (DRK), Kreisverband Kleve-Geldern, für ihre Verdienste um in Lebensnot geratene Menschen mit goldenen Blutspenderehrennadeln ausgezeichnet.

Herzlichen Dank im Namen der unbekannten Blutempfänger sprach Bürgermeister Dr. Dominik Pichler aus und überreichte eine Urkunde. Die DRK-Blutspenderehrennadeln in Gold heftete DRK-Kreisvorstandsvorsitzende Maria Anna Kaußen den Lebensrettern an.

Für 125-malige Blutspende erhielten Josef Bröcheler, Heinrich Kisters und Ludger Valkysers die Blutspenderehrennadel in Gold, 6 Brillanten und Granat. Die Blutspenderehrennadel mit 12 Brillanten und Granat für 100-malige Blutspende wurde verliehen an Dieter Pflug. Für 75-malige Spende bekamen Karl Aengenheyster, Werner van Gisteren, Willi Holtappels und Margret Kascher die Blutspenderehrennadel in Gold mit Eichenkranz, 4 Brillanten und einem Granat.

Für 50-malige Spende erhielten Blutspender-Ehrennadeln: Christoph Baer, Werner Borkowski, Mike Jansen, Ralf Koppers, Rafael Lamers, Wilhelm Joachim van Meegeren, Anke Ohmann und Joachim Ziehm. Die Gravur 25 hatten die Blutspenderehrennadeln in Gold mit Eichenkranz von Barbara Aben, Rolf Dieter Behrends, Anja Bosch, Hedwig Bossmann, Jörg van Diffelen, Karla Drießen, Bruno Helmus, Marion Elisabeth Hendrix, Marcus van Husen, Enrico Koch, Sascha Christian Kracht, Verona Marliani-Eyll, Daniel van Lück, Johanna Maria van de Meer, Gregor Peters, Pascal Verheyen und Dirk Verhoeven.

Der Dank der Anwesenden galt auch den ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen der DRK-Blutspendearbeitskreise unter der Leitung von Andrea Niederholz sowie Eva-Maria Magoley.

Persönliches Engagement und lebendiges Clubleben

Philipp Petja Kramer neuer Präsident des Rotary Club Kevelaer. Er übernimmt damit für ein Jahr die Repräsentation des Clubs gegenüber der Öffentlichkeit und ist dafür zuständig, nach innen neue Impulse zu setzen.
„Nein, wir sind kein elitärer Club von Schlipsträgern, die sich für etwas Besonderes halten“, sagt er lächelnd. Und „Pastpräsident“ Ludger Merten, der im vergangenen Clubjahr dieses durchaus ehrenvolle und sehr zeitintensive Amt im Vorstand innehatte, ergänzt: „Unser Club zeichnet sich durch das persönliche Engagement eines jeden einzelnen und ein sehr lebendiges Clubleben aus.“
Die Rotarier wollen ihre Ziele erreichen, indem sie unter anderem durch Pflege von Freundschaft eine Gelegenheit sehen, sich anderen gegenüber als nützlich zu erweisen und durch hohe ethische Grundsätze im Privat- und Berufsleben (hierzu gehört unter anderem, dass keine geschäftlichen Vorteile oder andere Vergünstigungen von anderen Rotariern erbeten werden) einen Dienst für die Allgemeinheit leisten.
Der Rotary Club Kevelaer zeigt dies durch sein Engagement für die Menschen in Afrika, wobei sie sich der Nachhaltigkeit verpflichtet sehen. Sie unterstützen so zwei Vereine, deren Tätigkeit eine Langzeitwirkung hat und bei denen Mitglieder involviert sind. Hierdurch ist gewährleistet, dass die Hilfe auch dort ankommt, wofür sie gedacht war.
Pro Dogbo und Imole
„Pro Dogbo“, deren Mitglieder sich für Kinder und Jugendliche in Benin / Westafrika einsetzen, ist eine dieser Hilfsorganisationen. In ihrer Projektarbeit stehen Schul- und Ausbildungshilfen, Förderung von Initiativen in der Kinder und Jugendarbeit und politische, gesellschaftliche und soziale Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche im Vordergrund. „Imole – Lichtstärke Hilfe für Nigeria“ ist der zweite Verein, der momentan durch den Rotary Club Kevelaer gefördert wird. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst vielen Erblindeten ihr Sehvermögen durch modernste Behandlungen vor Ort wiederzugeben.
Aber auch auf kommunaler Ebene versucht Rotary Kevelaer Unterstützung zu geben. So wurde ein Schülerpreis in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ausgelobt, um einen Anreiz für konzentriertes Lernen zu geben.
Kramer räumt in dem Zusammenhang mit einem zweiten Zerrbild auf, welches manchmal von den Rotariern in der Öffentlichkeit herrsche. „Nein, wir sind auch keine Organisation, in der bei den wöchentlichen Treffen vermeintliche Millionäre dicke Schecks auf den Tisch legen. Wir sind bodenständige und lebensnahe Persönlichkeiten und versuchen durch Aktivitäten wie Sponsorensuche oder die „Rotary Classic Car Rallye Kevelaer“, die am 25. August zum vierten Mal startet, Gelder zu generieren, die dann in die Hilfsprojekte fließen.“
Einen Grundsatz bestätigt der neue Präsident, der seinen Arbeitsschwerpunkt auf die Optimierung der Öffentlichkeitsarbeit legen möchte, jedoch. Auch wenn im Kevelaerer Rotary Club die Regel zählt „Person vor Position“, kann man nur Mitglied werden, wenn ein Mitglied eine Person vorschlägt und der Mitgliederausschuss nach Diskussion dem zugestimmt hat. Dies sei in einer Organisation, in der eine freundschaftliche Verbundenheit gepflegt wird, jedoch auch notwendig, um effektiv arbeiten zu können.
Kevelaers Rotary Club sei eine „moderne Version“ der Rotarier und will durch seinen neuen Präsidenten verstärkt in das Blickfeld rücken, um Hilfe leisten zu können.

Ein Quartier für Jugendliche

Kevelaer investiert viel in seine Kinder und Jugendlichen – und wird gleichzeitig für das oft fehlende Angebot für junge Leute kritisiert. Das Kevelaerer Blatt sprach mit dem Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses, Mario Maaßen darüber, was die Politik in diesem Bereich beschäftigt.

KB: Herr Maaßen, der Umzug der Skateranlage in die Mitte Kevelaers war ein Anliegen Ihrer Partei, der CDU. Was gibt es dazu Neues?
Mario Maaßen: Die Jugendlichen haben die Zustände am alten Standort ja lange geduldet, aber inzwischen wird die Anlage nicht mehr so angenommen. Deshalb wollen wir einen neuen Standort. Die Lärmprognose dazu ist jetzt abgeschlossen und die Stadt hat zwei Standorte vorgeschlagen. Favorisiert wird der Bereich bei der Kleinfeldanlage am Schulzentrum. Das finde ich gut, weil wir dort eine Quartierbildung für Jugendliche beabsichtigen. Außerdem habe ich dort keine Sorge vor Vandalismus, weil dort immer etwas los ist.

Was sagt der Kämmerer zu den Kosten?
Für eine vernünftige Skateranlage muss man schon eine Viertelmillion rechnen. Wir würden das gern über ein LEADER-Projekt finanzieren.

Eine Skateranlage macht aber noch kein „Quartier für Jugendliche“.
Wir prüfen derzeit auch, ob das Jugendamt vom Hoogeweg in die Virginia-Satir-Schule ziehen kann. Dort soll es dann Begegnungsräume geben, die auch tiefgründige Gespräche erlauben – wofür im Jugendamt derzeit der Platz fehlt. Außerdem befinden sich am Schulzentrum der Mittagstreff und das Jugendzentrum „Kompass“. Und das Volleyballfeld auf der Hüls, das darf da nicht weg. Ich freue mich auch auf das Mehrzweckbecken, denn das gehört für mich zum Angebot dazu, genauso wie das Freibad.

Wann gibt es denn eine Entscheidung zu den Quartierplänen?
Die Politik wird darüber im Juli beraten, denn bis zum 31. Juli müssen wir den Antrag auf Fördermittel stellen. Das Ergebnis kennen wir dann im September.

Sie erwähnten den „Kompass“. Wie steht es derzeit um die Jugendarbeit in Kevelaer?
Wir haben die Betreuung im Kompass, aber derzeit keinen Streetworker. Das war eine politische Überlegung. Ich persönlich finde, man muss so ein Angebot vorhalten, um überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen. In der momentanen Arbeitsmarktsituation ist es aber fraglich, ob man jemanden bekäme, den man auch möchte.

Immerhin soll die Schulsozialarbeit ausgebaut werden?
Unser Gesamtschulpartner Weeze möchten die Stellenzahl höher ansetzen, aber die Verhandlungen laufen noch. Auch hier könnte es ein Problem werden, qualifiziertes Personal zu bekommen. So viele Schulsozialarbeiter, wie bundesweit gebraucht werden, gibt es in ganz Deutschland nicht.

Mit dem „KoBü-Flimmern, dem Kino im Bühnenhaus, bemüht sich die Stadt um ein Angebot für Familien. Erfolgreich?
Das KoBü-Flimmern bräuchte bessere Werbung, es hat sich immer noch nicht richtig etabliert. Ich finde aber, das Bühnenhaus macht mit der großen Leinwand schon richtig was her.

Gibt es darüber hinaus genug Angebote für Jugendliche?
Die Angebote in Kevelaer stellen mich auch nicht zufrieden. Natürlich wäre ein richtiges Kino schön oder ein Freizeitzentrum. Aber das ist wohl nicht wirtschaftlich. Wir sind auf der Suche nach Verbesserungen, aber das ist meist mit viel Geld verbunden. Wir hatten jetzt finanziell zwei gute Jahre, aber vorher wurde nur gespart. Wir sollten jetzt nichts übers Knie brechen, aber schrittweise nachholen, wo gespart worden ist.

Für den Jugendbereich gibt es doch bestimmt einige Fördermittel.
Da brauchen Sie immer jemanden, der sich mit den Fördermöglichkeiten auskennt. Die Stadt Kleve hat dafür sogar eigene Leute eingeteilt. Aber unser Jugend- und Sozialdezernent Marc Buchholz ist in dem Thema fit und hat ein gutes Netzwerk aufgebaut – und der Kämmerer kennt sich natürlich auch aus.

Welche Rolle spielen die Vereine für die Jugendarbeit?
Die Jugendhilfe und der Kinderschutz wären ohne die Vereine aufgeschmissen. Das Jugendamt hat zwar die staatlich zugewiesene Wächterrolle, unterhalb dieser Institution nehmen die Vereine für mich eine vergleichbare Wächterfunktion war. Für das Jugendamt wäre das alleine gar nicht zu stemmen. Nehmen Sie nur den Bäderverein und den KSV mit seinen verschiedenen Sportarten und allein 26 Fußballmannschaften. Die Vereine sind meiner Meinung nach völlig „unterlobt“.

Die Stadt könnte die Jugend auch politisch stärker einbinden, zum Beispiel mit einem Jugendparlament.
Das haben wir mal überlegt. Wir sind aber zu dem Entschluss gekommen, dass das Jugendhearing ein besseres Instrument ist. Ein Jugendparlament funktioniert nicht in kleinen Städten, weil die Teilnehmer nach zwei, drei Jahren immer wieder weg sind. Beim Jugendhearing sind bis zu 30 Jugendliche anwesend und tragen ihre Anliegen vor. Ich finde es allerdings wichtig ihnen zu zeigen, dass sie wirklich Gehör finden, und beim nächsten Mal Ergebnisse zu präsentieren. Allerdings dauert es manchmal, bis etwas durch alle Gremien durch ist. Aber auch das Thema Skatepark stammt aus einem Jugendhearing.

Gehen wir zu den etwas Jüngeren. Da wollte die Politik ja Spielplätze verkaufen, um den Haushalt zu konsolidieren.
Wir haben gesagt, wenn wir Spielplätze verkaufen, die nicht mehr genutzt werden, dann verwenden wir das Geld, um andere Plätze aufzuwerten. Aber das ist ein KBV-Thema und nicht meine Meinung. Auf Nord wurden die Plätze zum Beispiel einige Zeit nicht genutzt und jetzt wohnen dort wieder junge Familien und die Plätze sind gut besucht. Meinetwegen kann man die Geräte abbauen, wo sie nicht genutzt werden, und Wartungskosten sparen. Man sollte aber die Wiese lassen – für Jugendliche oder die Nachbarschaften. Ein kleines Angebot zum Toben genügt. Dann kann man bei Bedarf später wieder Geräte errichten. Aber eine Fläche, die weg ist, ist weg.

Apropos Angebot: Ist das Angebot an Kindergartenplätzen groß genug?
Wir wollen das U3-Angebot noch weiter ausbauen, liegen aber in einem guten Landesschnitt. Jetzt bauen wir gerade eine neue Gruppe am Kindergarten Sternschnuppe. Mit dem neuen Baugebiet wird der Bedarf weiter steigen.

Die Stadt baut aber nicht in den Ortschaften, wo heute der Bedarf ist.
Twisteden hat großen Bedarf und ist an Klinkenberg gut angegliedert. Richtig ist, dass Winnekendonk noch größeren Bedarf hat. Aber da fehlen auch Flächen für eine Erweiterung.

Wie steht es um die Sanierung des Urbanus-Kindergartens?
Der Schaden ist zwar groß, aber nicht so groß wie befürchtet, die Kinder werden nicht vorübergehend woanders hin müssen.

Elternbeiträge senken, wie von der SPD angeregt, wollte die Politik aber nicht.
Wir haben in Kevelaer nicht das billigste Angebot, können uns qualitativ aber sehen lassen. Außerdem wollen wir die angekündigte Gesetzesänderung, das neue KIBIZ, abwarten, damit wir nicht nach kurzer Zeit wieder alles ändern müssen. Ich finde aber, wir haben durch die Stufen in die Beiträge viel Gerechtigkeit reingebracht.

Wie entwickelt sich das Angebot der frühen Hilfen?
Wir haben hier keine Extreme wie in Marxloh, aber das Thema Armut geht auch an Kevelaer nicht vorbei. Armut ist dabei nicht nur monetär, sondern kann sich auch in Ausgrenzung äußern. Die frühen Hilfen sind da eine Prävention, ein Netzwerk, das noch weiter aufgebaut wird. Neu ist gerade das Angebot, durch Studenten der Hochschule Rhein-Waal den Familien das gemeinsame Spielen wieder näher zu bringen, dort, wo die Playstation der beste Freund ist. Das bietet auch eine Möglichkeit, für weitere Hilfen einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Ist die Politik bereit, für Prävention Geld in die Hand zu nehmen?
Teuer wird es ja, wenn wir zu spät kommen und zum Beispiel eine Heimunterbringung nötig wird. Das ist dann gleich sechsstellig. Das Jugendamt hatte aber vor anderthalb Jahren eine Organisationprüfung und ist nicht schlecht aufgestellt. Natürlich können die Mitarbeiter nicht überall sein. Aber wenn mehr Leute benötigt werden, sagt der Sozialdezernent das der Politik durchaus. Die Jugendhilfe ist ein Pflichtbereich und daher immer gut bedacht worden.

Zur Person
Mario Maaßen ist Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses. Beruflich leitet er das Bundespolizeirevier in Kempen. Der Kevelaerer ist verheiratet, 51 Jahre alt und hat zwei Kinder im Alter von 15 und 19 Jahren. Freie Minuten verbringt er beim Joggen oder auf dem Fahrrad. Ansonsten sagt er: „Die Politik ist mein Hobby.“

Hochzeit mit Hindernissen, aber mit Happy End

Am 2. Juni 2018 feiert Georg Giessen seinen 90. Geburtstag im Kreis seiner Familie, Freunde und Nachbarn. Geboren ist er in Goch als Ältester von drei Söhnen. Seine Mutter Gertrud arbeitete als Verkäuferin, sein Vater Georg als Anstreicher. Nach der Volksschule in Goch begann er zunächst seine Lehre bei der Post und arbeitete danach als Postjungbote in Goch, wo er bei Wind und Wetter die Post zustellte: Viele Jahre fuhr er in Hassum, Hommersum und Kessel „met de fiets en met de post dörr de felder“.
Ein Haus war für ihn bald etwas Besonderes, denn da wohnte die Familie seiner späteren Frau Vroni. Seine zukünftige Schwiegermutter bat den damals sehr schmalen, mageren jungen Mann, wenn er die Post brachte, oft zu einem dicken Butterbrot herein und sagte dann auf Platt: „Mein Gott, Georg, heute morgen siehst du wieder so aus, als ob du eine Ziege zwischen den Hörnern küssen könntest!“ („Meingott Schörß, geij kickt vanne Märn ewell wer, as wenn gej en Geit tössen de Hörn kösse könnt.“)
Die Tochter des Hauses war beim Zustellen meistens in der Schule, aber da beide gemeinsame Freunde hatten, lernten sich Vroni und Georg schließlich auf Kirmesfeiern kennen und verliebten sich ineinander. Auch der Entschluss zu heiraten stand bald fest. Allerdings gab es ein großes Hindernis: Vroni war katholisch, Georg evangelisch; beide wollten ihren Glauben behalten. Da das gemischt-konfessionelle Paar in Kevelaer damals noch keiner trauen wollte, heirateten sie ganz klein und schlicht in Marienbaum, wo sie einen Pastor für die Trauung fanden. Vroni trug zur Hochzeit schwarz, ihr Vater und ihre Tanten, die gegen die Vermählung mit einem evangelischen Mann waren, kamen gar nicht zur Hochzeit.
„Aber auch wenn die Hochzeit traurig und kurz war, haben wir schließlich eine sehr glückliche Ehe gehabt. Je mehr alle am Anfang gegen unsere Verbindung waren, desto mehr hat es uns zusammengeschweißt“, erzählt der Jubilar. Und mit einem Augenzwinkern berichtet er, dass er einmal Vroni mit seinem 125er DKW-Motorrad mit über die Alpen nach Venedig nahm. Vroni arbeitete damals noch im Kempener Krankenhaus im Büro. Ihre Familie wusste nichts von dem Urlaubsplan. Als sie die „Entführung“ mitbekamen, gingen sofort Vronis unverheiratete Tanten zum Arbeitgeber und wollten Georg schlechtmachen, doch die Oberin, die von der Urlaubsreise wusste, meinte nur: „Es ist alles gut, wie es ist!“ Die Tanten gingen beschämt nach Hause.
Nach einigen Jahren schließlich waren alle in der Familie wieder versöhnt. 54 Jahre sollten Vroni und Georg, trotz der Anfangsschwierigkeiten, eine glückliche Ehe führen. „Wir hatten nie richtig Streit und jeder Tag endete mit einem Gutenachtkuss“, so der Witwer.
1955 bauten beide ein eigenes Haus auf der Josefstraße, wo sie 2007 noch ihre Goldene Hochzeit feiern konnten. Ihre Töchter Martina und Gabriele wurden 1959 und 1963 geboren. Vroni kümmerte sich nach Geburt ihrer Kinder um Haus und Kinder und Georg um das Geldverdienen. Dabei hatte er immer mehrere Jobs gleichzeitig. Neben der Ausbildung als Postbote machte er eine Ausbildung als Autoschlosser, fuhr den Post-Omnibus, war in Kevelaer Paketzusteller, reparierte Radiogeräte und Fernseher und schloss BHW-Versicherungsverträge ab.
Als die Kinder aus dem Haus waren, arbeiteten beide in einem kleinen Devotionalienladen am Kapellenplatz, den ihre Tochter Gabriele mit ihrem im Jahr 2008 verstorbenen Mann Karl seit 1986 führte. 1992 wurde ihre Enkeltochter Christina geboren, die der ganze Stolz der Großeltern war und noch ist.“ 2008 tauschten sie ihr großes Haus gegen eine altersgerechte Wohnung im Klostergarten, wo gleich nebenan auch der sechs Jahre jüngere Bruder Rolf mit seiner Frau Helga einzog. 2013/2014 mussten beide Brüder ihre Ehefrauen zu Grabe tragen. Ein schwerer Schlag für die beiden, die beide glücklich verheiratet waren.
Mehrmals die Woche gehen auch heute noch beide Brüder in die Stadt und besuchen die Gräber ihrer Frauen, die direkt nebeneinander liegen. Gemeinsam mit dem jüngsten Bruder Fritz aus Goch treffen sie sich jede Woche zu Spaziergängen oder einem Besuch in der Eisdiele. Neben seinen vielen beruflichen Betätigungen hat Georg alle wichtigen und schönen Momente des Lebens früh mit seiner Kamera festgehalten und bis vor wenigen Jahren immer noch fleißig Videos geschnitten. Auch wenn ihm am Anfang seiner Verbindung mit Vroni viele Steine in den Weg gelegt wurden, ist der Zusammenhalt in der Familie heute sehr eng und es gibt immer genug zu lachen. In der früheren Nachbarschaft auf der Josefstraße ist er noch stets aktiv. Am kommenden Samstag wird sein 90. Geburtstag in froher Runde gefeiert.

Gute Politik braucht Informationen

Die KB-Serie der Interviews mit den Vorsitzenden der Ratsausschüsse geht weiter. Diesmal hat das KB Heinz Ermers (SPD), den Vorsitzenden des Sozialausschusses eingeladen.

KB: Herr Ermers, diese Ratsperiode ist die erste, in der es in Kevelaer einen Sozialausschuss gibt.
Heinz Ermers: Ja, wir hatten im Wahlkampf gefordert, diesen Ausschuss zu bilden. Erstaunlicherweise gab es dann bei den anderen Parteien keinen Widerstand und auch die CDU hat früh positive Signale gesetzt.

In dieser Ratsperiode gelingt es den Ausschüssen erstaunlich oft, Beschlüsse mit großen Mehrheiten zu fassen. Ist die Harmonie auch in einem konservativ dominierten Sozialausschuss so groß?
Die Findung war sicherlich spannend, aber man merkt, dass die Parteien ihre Sozialpolitiker in den Ausschuss geschickt haben. Es ist eine gute Besetzung aus allen Parteien und ein gutes Miteinander.

Und die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, insbesondere mit dem Sozialdezernenten Marc Buchholz, der ja ein CDU-Parteibuch hat?
Besser, als ich gedacht hatte. Sein Amt ist sehr gut aufgestellt und die Zusammenarbeit mit ihm und seinen Mitarbeitern ist super. Das freut mich sehr.

Gibt es denn in einer recht gut situierten Stadt wie Kevelaer überhaupt viel für einen Sozialausschuss zu tun?
Auch in Kevelaer ist nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt auch bei uns Ecken, wo man hinschauen sollte, wenn auch anders als in Ballungszentren. Letztes Jahr waren wir sehr aktiv mit dem Programm „NRW hält zusammen“. Da haben wir gesehen, dass ein großer Teil der Familien ein recht gutes Einkommen hat, aber ein geringer Teil wenig und nicht gut. Da muss man hinschauen. In diesem Jahr hat das Jugendamt das Thema „Kinderarmut hat viele Gesichter“. Es gibt auch Armut, die nicht nur monetär ist. Auf den Ergebnissen würde ich gerne 2019 aufbauen: Wie kann man Armut in Kevelaer minimieren? Dann müssen wir die Rahmenbedingungen schaffen für Verbesserungen.

Was ist aus der SPD-Forderung nach einem Sozialbericht geworden?
Dafür haben wir leider bisher keine Mehrheit hinbekommen.

Wenn man in die Tagesordnungen schaut, scheint sich der Sozialausschuss eh mehr mit Berichten als mit Entscheidungen zu befassen.
Das wird uns immer mal vorgeworfen. Ich bin sehr hinterher, Dinge mitzuteilen, damit die Politik sie weiß. Die Politik ist der Aufsichtsrat der Verwaltung.

Schauen wir auf ein paar bekannte Probleme. Was tut sich beim bezahlbaren Wohnraum?
Ich hab den damaligen Bürgermeister schon 2009 und 2011 darauf hingewiesen, dass wir das Problem haben, dass es kaum noch bezahlbaren Wohnraum gibt. Das hing mit der Hochschule Rhein-Waal zusammen, denn wir liegen an der Bahnstrecke von Kleve nach Kamp-Lintfort, und mit Ryanair-Mitarbeitern, die hier kleine Wohnungen suchten. Das Problem ist aber ein kreisweites und hätte von der Bürgermeisterrunde besprochen werden müssen. Aber das wurde nicht angegangen. Durch die Asylbewerber wurde die Problematik in den letzten Jahren verschärft. Wenn es freie Wohnungen in Kevelaer gibt, dann teuer und nicht immer in gutem Zustand.

Aber jetzt hat die Stadt das Thema doch auf der Agenda.
Vor zwei Jahren haben wir angefangen, das Problem in Kevelaer selbst anzugehen. Vorbild war die Stadt Nettetal, die in den letzten Jahren ein Objekt nach dem anderen baut und dort für Entspannung im Wohnungsmarkt sorgt. Ich fände es spannend, wenn bezahlbarer Wohnraum in städtischer Hand bliebe, weil wir dann Steuermöglichkeiten haben und die Wohnungen an die eigene Bevölkerung vergeben könnten. Leider stockt das zurzeit.

Woran liegt das?
Wir haben zuerst geschaut: Wo haben wir städtische Flächen, wo können wir bauen? Wir haben dann am Beethovenring/Schu­bertstraße die GWS gefragt, an der die Stadt Kevelaer beteiligt ist. Dass die Bürger dort nicht erfreut sind, kann ich nachvollziehen, aber irgendwo muss man anfangen. Ich hoffe, dass dort eine Einigung noch erreicht werden kann. Hier muss die Politik Gesamtkevelaer betrachten und wir brauchen eine Entspannung des Wohnungsmarktes in unserer Stadt.

Ihre Partei hat dazu auch gerade einen Antrag für den Rat gestellt.
Wir möchten, dass in künftigen Wohnbaugebieten 15 bis 20 Prozent für bezahlbaren Wohnraum vorgehalten wird.

Sie sprachen gerade schon kurz die Asylbewerber an. Wie kommt die Integration hier voran?
Die Lage hat sich etwas entspannt, da haben Bevölkerung und Verwaltung Großes geleistet. Aber viele Bewerber haben inzwischen einen Aufenthaltsstatus und müssen untergebracht werden. Wir dürfen aber nicht die eigene Bevölkerung aus den Augen verlieren. Darum bin ich dankbar für den Antrag der Grünen hinsichtlich der Obdachlosen.

Wie viele Obdachlose gibt es denn in Kevelaer und wie wird ihnen derzeit geholfen?
Das weiß ich gar nicht so genau, deshalb ist der Antrag auch so wichtig. Gefühlt ist das Problem größer als vor 20 bis 30 Jahren. Wir haben viele Organisation und Vereine, die Hilfen bieten. Ich denke, wir müssen alle mal an einen Tisch bringen und besser vernetzen. Bestimmt arbeiten einige in manchen Dingen parallel.

Nicht alle Angebote unterstützt die Politik, Stichwort Drogenberatung.
Da ging es um einen Antrag der Diakonie aus einer Nachbarkommune, bei dem die Politik nicht auf einer Linie war. Wir haben hier vor Ort die Caritas, aber aus Gründen der Scham suchen viele Menschen lieber Hilfe in einer Nachbargemeinde. Die harten Drogen sind auch nicht mehr so das Problem, sondern eher die weichen und Suchtmittel wie Alkohol. Ich meine, dass Prävention meist billiger ist, als hinterher die Sache auszubaden.

Wie ist die Arbeitsmarktsituation in Kevelaer – gibt es genügend Arbeitsplätze?
Meines Erachtens nicht, sonst hätten wir nicht so viele Pendler. Ich bin froh, dass wir das Gewerbegebiet Aent Vorst durchsetzen konnten. Wir mussten zu viele Gewerbetreibende ablehnen, weil wir keine Flächen anbieten konnten.

Ein Problem der Beschränkungen durch die Bezirksregierung?
Den Schwarzen Peter der Bezirksregierung zuschieben? Ich weiß nicht, ich glaube eher, wir sind in den letzten Legislaturen erlahmt. Der Rat hat vor ca. 15 Jahren beschlossen, in bestimmten Gewerbegebieten nur große Flächen zu vergeben. Nachdem die anderen Gewerbegebiete, die auch kleine Flächen hergaben, voll waren, gab es nur noch große Flächen in der Stadt. Mögliche Gewerbeansiedlungen, die kleine Flächen haben wollten, haben hier nichts bekommen und sind abgewandert. Wir haben immer auf Aent Vorst gehofft, und das ist lange nicht zustande gekommen. Im Gewerbegebiet Süd gibt es nicht mehr viele Flächen, sodass wir gar nicht versuchen können, einen großen Wurf zu landen.

Trotzdem ist gerade im sozialen Bereich vieles durch Landes- und Bezirksregierung festgelegt.
Es stimmt, viel ist von oben bestimmt. Das meiste Geld im Haushalt ist der Pflichtteil. Um so wichtiger ist es, das wenige Geld, das übrig bleibt, sinnvoll und gezielt zu verteilen. Dabei wäre ein Sozialbericht hilfreich. Ich hoffe, dass wir das noch hinkriegen. Wenn Fakten auf dem Tisch liegen, ist es immer leichter darüber zu reden, als wenn man sagen muss: Ich habe da gehört …

Hat sich der Ausschuss denn bislang bewährt? Wie geht es weiter?
Ich fände es schön, wenn es gelingt, den Sozialausschuss zu etablieren, dass er auch nach 2020 fortbesteht. Es ist gut, dass Politiker über bestimmte Dinge sprechen und diesen Inhalt in ihre Parteien tragen. Der Ausschuss kostet natürlich Geld, aber gute Politik kostet eben Geld. Ich fände es allerdings auch gut, wenn der Sozialausschussvorsitzende keine Aufwandsentschädigung kriegen würde. Ich glaube zwar schon, dass ich einen hohen Aufwand habe. Aber ich mache ja nicht Politik wegen des Geldes, sondern für die Stadt. Und: Wo es kein Geld gibt, tummelt sich Wissen.

Heinz Ermers
Der SPD-Politiker Heinz Ermers ist gebürtiger Kevelaerer. Der gelernte Schlossermeister arbeitet heute als Instandhaltungstrainer – „ wahrscheinlich einer von zweien in Deutschland“, scherzt er über die Berufsbezeichnung. Faktisch ist er für die Sicherheitsunterweisung der Unternehmensmitarbeiter und der Mitarbeiter von Partnerfirmen zuständig. Der 48-Jährige hat eine Lebensgefährtin und drei Hobbys: die Fotografie, das Briefmarkensammeln (besonders im Winter) und das Lesen („viel zu oft Verwaltungsvorlagen“).

Eine geschätzte Mitarbeiterin

Das Hotel Klostergarten wird von der Caritas als Integrationsbetrieb geführt (dafür ist eine Quote von mindestens 25 Prozent schwerbehinderter Mitarbeiter notwendig, hier sind es sogar 40 Prozent), in dem Menschen mit Beeinträchtigung gemeinsam mit nicht beeinträchtigten Kollegen arbeiten. Damit wird der Integrationsgedanke im Hotel Klostergarten gleich doppelt verwirklicht, indem hier Menschen mit Beeinträchtigung nicht nur die Möglichkeit zum unbeschwerten Aufenthalt bekommen (der Klostergarten ist das erste vollkommen barrierefreie und behindertengerecht eingerichtete Hotel am Niederrhein), sondern auch eine sinngebende Beschäftigung ausführen können.
Nicole Grüttner ist die Hotelleiterin, sie hat mit Charlotte Borde­wisch und ihrer gesetzlichen Betreuerin gesprochen und diese erlauben den Leserinnen und Lesern des Kevelaerer Blattes einen „Blick hinter die Kulissen“ ihrer Arbeit.
Die Arbeitsstellen für beeinträchtigte Mitarbeiter sind entsprechend ihres Handicaps eingerichtet und um die Wettbewerbsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erhalten, fördert der Landschaftsverband Rheinland (LVR) diese Stellen unbefristet mit 30 Prozent des Gehaltes.
Der Zuschuss wird genutzt, da höhere Kosten für Mehrurlaub, Tarifbezahlung trotz eingeschränkter Arbeitsfähigkeit und eine pädagogische Fachkraft für Integrationsmitarbeiter anfallen. Darüber hinaus stellt der LVR Gelder für notwendige Investitionen zur Verfügung, um die Arbeitsstellen behindertengerecht zu gestalten. Bei allen Tätigkeiten wird die Solidarität zwischen den schwerbehinderten und nichtbehinderten Mitarbeitern deutlich und die Gäste profitieren von dem positiven Betriebsklima.
Charlotte Bordewisch ist Mitarbeiterin im Housekeeping und gehört so zu den „guten Geistern“ eines Hotels.
Sie ist seit fast vier Jahren Mitarbeiterin und arbeitet 18 Stunden die Woche. Zu ihren Aufgaben gehören: Betten abziehen, das Reinigen der Zimmer und der öffentlichen Räume, sie arbeitet aber auch schon einmal im Service in der Essensausgabe mit, räumt die Tische im Restaurant ab oder hilft in der Spülküche aus. An den jährlich stattfindenden Sommerfesten und Weihnachtsfeiern der Mitarbeitenden nimmt sie ebenfalls teil.
Blick hinter die Kulissen
„Ich arbeite hier sehr gerne und habe sogar zwei Kolleginnen als Freundinnen gefunden“, so Frau Bordewisch. Neben der Möglichkeit, mit vielen Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten, schätzt sie es, dass sie bei der Arbeit auch immer ein offenes Ohr findet, wenn sie private Probleme hat. So fühlte sie sich bei einem kürzlichen Trauerfall in der Familie von allen aufgefangen.
Auch Christoph Schaffeld, der als Berater für Integrationsmitarbeiter zur Verfügung steht, hat sich in dieser Zeit besonders um sie gekümmert. In der Einarbeitungsphase hat er besonders darauf geachtet, dass die Arbeitsbedingungen, Pausenregelungen und Tätigkeitsbereiche ihren persönlichen Möglichkeiten entsprechend gestaltet werden. Aber auch danach steht er Charlotte Bordewisch und den anderen Mitarbeitern weiter beratend zur Seite.
Charlotte Bordewisch ist im Hotel Klostergarten eine geschätzte Kollegin, die trotz ihres Handicaps wertvolle und zuverlässige Arbeit leistet.

Eine Zukunft für den Verband

Kevelaer. Wenn Franz-Josef Probst als Vorsitzender der Kevelaerer Ortsgemeinschaft Unitas im „Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung“ (KKV) in die Zukunft blickt, dann macht er sich schon seine Gedanken. „Wir sind ein Verein mit 68 Mitgliedern, aber das Durchschnittsalter ist 65 Jahre“, macht der mittlerweile 77-Jährige, der von gesundheitlichen Rückschlägen in letzter Zeit selbst nicht verschont geblieben ist, deutlich, wo der Schuh drückt.
„Wir haben große Nachwuchssorgen. Damit stehen wir natürlich nicht alleine“, verdeutlicht Probst den Kern des Problems. Dazu kommt, dass es am gesamten Niederrhein mit Bocholt und Kevelaer nur noch zwei Ortsgemeinschaften gibt. Zuletzt wurde Goch aufgelöst, die verbliebenen Mitglieder stießen zu Kevelaer.
„Die Jugend ist zu erreichen, aber die hat beruflich oder schulisch eben andere Anforderungen zu erfüllen“, sieht Probst die Zwänge der heutigen Zeit. „Du kannst dich eben mit allem arrangieren, solange du den Freiraum hast.“
Kreativ gegenzusteuern, das ist die Aufgabe, die sich Probst und die Mitglieder des KKV stellen wollen. „Man muss da total umdenken“, findet der engagierte Katholik und denkt zum Beispiel daran, im Anschluss an das Hochamt, bei dem die Predigten „nicht länger als zehn Minuten dauern“ sollten, sonntags ein Frühstück „für den persönlichen Austausch“ der Gemeinde zu organisieren, wo dann alle Generationen zusammenkommen.
Und der KKV versucht, mit seinem „umfangreichen Programm mit Begegnungen und Fahrten“ Interesse zu wecken. Angebote wie zuletzt der Besinnungstag der KKV-Bezirksgemeinschaft Niederrhein mit Pfarrer Alfred Manthey am 18. März oder Gesprächen mit prominenten Geistlichen wie vor Kurzem mit dem Weihbischof Rolf Lohmann in Xanten sind da nur zwei kleine Mosaiksteine.
Auch „zeitgemäße Angebote“ wie die Fahrt zum Oberhausener Gasometer am 19. April sollen dazu beitragen, die Tür für alle Generationen – und auch Konfessionen – zu öffnen. Bislang sind fünfzig Interessierte angemeldet. „Wir müssen für alles offen sein, was ist.“
Daneben unterstützt der KKV die Wallfahrt der Krankenbruderschaft Rhein-Maas e.V. nach Lourdes mit Weihbschof Lohmann oder die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela mit Pastor Alois van Doornick (4. bis 17. Juni) als besondere spirituelle Ereignisse.
Eine Chance sieht Probst auch in dem Katholikentag in Münster Mitte Mai, zu dem „wir mit über 20 Personen fahren“. Für fünf Euro, die die Fahrt kosten soll, „sind aber noch ein paar Plätze frei, die gerne von jungen Leuten besetzt werden können.“ Denn gerade der Katholikentag werde von der Jugend gestaltet, sei immer ein Erlebnis. „Und es wäre schön, darüber junge Kirchenmitglieder ansprechen und motivieren zu können.“

Bürokratie bewältigen, statt Blut sehen

Kevelaer. Hand aufs Herz, woran denken Sie, wenn sie vom Malteser Hilfsdienst (MHD) hören? Wohl eher an Blaulicht und Blut als an Bürokratie, oder? Da geht es Ihnen so wie vielen. Und das sei genau der Grund, warum viele Menschen gar nicht erst auf die Idee kämen, sich bei den Maltesern ehrenamtlich zu engagieren – weil sich sich einfach nicht zutrauen, „im Blaulichtbereich“ zu helfen. Deshalb hat die Hilfsorganisation ihre Suche nach Ehrenamtlern jetzt sozusagen auf eine breitere Basis gestellt. Die zugehörige Kampagne stellte die Diözesanpressereferentin Jennifer Clayton jetzt in Kevelaer vor.
Erbsenzähler und Strippenzieher gesucht
„Erbsenzähler“ werden da gesucht, „Strippenzieher“, „Schrauber“, „Paperkrieger“ oder der nette „Nerd“ von nebenan. Aber auch Eigenschaften wie eine „Große Klappe“ sind durchaus gefragt, bei der witzigen Kampagne der Malteser, die einen durchaus ernsten Hintergrund hat.
„Wir brauchen natürlich nach wie vor Helfer im Blaulicht-Bereich“, stellt der Kevelaerer MHD-Beauftrage Rainer Peltzer klar. Doch der Verwaltungsaufwand steige ständig, erläutert Jennifer Clayton und führt als Beispiel an, dass jede noch so kleine Bewirtung vom halben belegten Brötchen an aufwärts per Bewirtungsformular einzeln abgerechnet werden müsse.
Das kostet natürlich Zeit, ebenso wie Fahrzeugwartung und -pflege, wie die Bestellung von Nachschub beim Material, die Aktivitäten mit einer Jugendgruppe, das Verschicken von Briefen oder die Pflege der Homepage. In Summe ein Riesenaufwand, einzeln gesehen so etwas wie „Peanuts“, die gut nebenbei zu bewältigen sind. Den „Helfern den Rücken freihalten“ wollten inzwischen tatsächlich einige, spricht Jennifer Clayton von ersten Erfolgen der bistumsweiten Kampagne. „Es gibt viele, die sich denken: ,Ich mache die Buchführung, die Pressearbeit oder kümmere mich um die Fahrzeuge, damit ihr im operativen Geschäft eure Arbeit machen könnt‘.“
So suche man in Kevelaer gerade jemanden, der sich um die Bar-Kasse kümmere, sagt Rainer Peltzer, eine Tätigkeit, die nur wenig Zeitaufwand erfordere.
Einen neuen Mitarbeiter in einer solchen Verwaltungstätigkeit haben die Kevelaerer Malteser gerade hinzugewonnen: Udo Fischer ist über seine Kinder, die in der Jugendgruppe der Malteser mitmachen, zum MHD gekommen und hat aktuell die Pressearbeit übernommen.
Im Bistum hat der Malteser Hilfsdienst 26 Standorte, fünf davon liegen im Kreis Kleve. Der Kevelaerer Standort wurde vor 26 Jahren ins Leben gerufen, vor sieben Jahren zog man an die Marienstraße. Die Räumlichkeiten dort sind längst an ihre Grenzen gestoßen; händeringend sucht man nach einem neuen, größeren Gebäude, das auch die Voraussetzungen für einen erweiterten Fuhrpark erfüllen soll. Der Stadtverband hat insgesamt etwa 60 Mitglieder, 15 Helfer arbeiten ehrenamtlich im Besuchs- und Begleitdienst für ältere Menschen und solche mit Behinderungen. „Wir machen aber keine Pflege- oder hauswirtschaftlichen Tätigkeiten,“ erklärt Peltzer. Genauso viele sind‘s noch einmal im Sanitätsdienst, der etwa bei Festen, Veranstaltungen oder großen Wallfahrten im Einsatz ist. Eine Jugendgruppe mit Zehn- bis 17-Jährigen gibt es in Kevelaer; nach den Osterferien soll eine weitere mit Kindern im Grundschulalter hinzukommen. Außerdem sind die Malteser im Katastrophenschutz und im Schulsanitätsdienst der Gaesdonk aktiv.
Eine Mitgliedschaft bei den Maltesern sei nicht abhängig von Geschlecht, Nationalität oder Religion, sagt Jennifer Clayton. Jeder, der sich „mit den christlichen Grundwerten identifizieren“ könne, sei willkommen. Die Mitgliedschaft für ein passives Mitglied koste 15 Euro im Jahr und umfasse auch die Grundausstattung mit Dienstkleidung und gegebenenfalls die Ausbildung der Helfer.
Auf der Internetseite „www.werkanndersoll.de“ gibt es nähere Informationen und Kontakte zu der neuen Ehrenamts-Kampagne, auch zum Kevelaerer Stadtverband der Malteser.

,Prakesiere, prakesiere!‘

Kevelaer. Wenn Kevelaerer vom Alt Derp sprechen, meinen sie die alte Pfarrkirche und ihr Umfeld mit der Gaststätte, der das „alte Dorf“ seinen Namen gab und die schon zu Beginn der Wallfahrt Herberge war. Hier, im Haus ‚Alt Derp‘, ist Franz Stassen am 29. Oktober 1917 als neuntes von elf Kindern zur Welt gekommen.
Der Junge wollte Förster werden. Doch seine Lehre begann er nach der Marktschulzeit in der Baumschule Peters. Im Krieg war er bei der Luftwaffe, stationiert auch in Russland, wo er Casino-Dienst tat. „Da mussten wir nicht hungern.“
Zum Kriegsende setzte er sich nach Rosenheim ab; die Amerikaner nahmen ihn fest und entließen ihn nach vier Wochen. Er stieg wieder bei Peters ein und machte seinen Meister.
Franz Stassen wollte sich auf dem elterlichen Anwesen an der Seite seiner Frau Klara, geborene Blankenmeier, mit einem Blumenfachgeschäft selbstständig machen. 1952 riss er eine alte Scheune nieder, klopfte 22.000 Steine ab und verbaute sie im neuen Haus. Im Jahr darauf starb seine Frau nach der Geburt von Söhnchen Franz im Wochenbett. Später kam auch der Junge ums Leben.
Der Mann behielt seinen Lebensmut. Am 12. August 1956 heiratete er Marga Claßen, geboren am 6. Juni 1935 in Kevelaer. Sie bildeten ein gutes Team – in der Familie (die um die drei Jungen Georg, Heiner und Bernd wuchs), ebenso wie im Geschäft: Gemeinsam kümmerten sie sich um die Kinder, Marga führte Haushalt und Laden, Franz besorgte den Blumeneinkauf und dazu die Binderei.
„Das war oft eine Schinderei“, erzählte er dem KB einmal. Wenn montags Beerdigungen waren, arbeiteten wir sonntags bis spät in die Nacht. In der Adventszeit gab es nur lange Tage und kurze Nächte.“ 1996 schlossen sie den Laden für immer.
Er bewunderte seine Frau
Franz Stassen bewunderte seine Frau Marga, gerade auch wenn er auf diese arbeitsreichen Jahre schaute. „Sie verstand einfach alles richtig anzupacken.“ Und als er zusammenfasste, was er an seiner Frau schätzte, sagte er spontan und schlicht: „So viel Gutes!“
2006 feierten die beiden ihre Goldene Hochzeit.
Dankbar war er auch seinen Kindern – und Kindeskindern: Maike von Sohn Bernd und Fritz von Sohn Heiner. „Sie sind unsere Sonnenstrahlen“, sagte Franz Stassen 2006. Ihnen hatten die Großeltern in ihrem großen, lang gezogenen Garten, den wohl niemand zwischen der Gaststätte und dem angrenzenden Haus vermutet, eine wunderbare Spiellandschaft geschaffen.
Das war das Metier von Franz Stassen. Ihm gelang alles, was er in die Hand nahm. Familie, Freunde und Gäste freuten sich über die einmalig schönen Sachen, die er bastelte, baute und von Hand modellierte. „Meine Mutter Gertrud beherzigte schon das Motto: ‚Prakesiere, prakesiere!‘ Sie konnte ‚üt nix wat maeke‘“, erzählte Franz Stassen.
Aus Tausenden von Teilen setzte er geduldig und mit gefühlvollen Fingern eine riesige Eisenbahnplatte zusammen. Im zugehörigen Städtchen mit einer Kirche und funktionstüchtigem Glockenwerk lag eine Villa: das „Haus Maike“, und der Zug hielt im Bahnhof Fritz-Tal. Eine Gebirgsbahn mit Handkurbelbetrieb schwebte über einem echten Wasserfall, der ein kleines Mühlrad antrieb.
Franz Stassen freute sich an dem Garten mit seinen schönen, selbst geschaffenen Wandmalereien, Skulpturen, Teichen, Wasserspielen und einer bunten Blumenpracht.
„Nebenher“ sang Franz Stassen 60 Jahre lang im KMGV (dafür ehrte ihn die Sangesgemeinschaft im März 2007) und engagierte sich in der St.-Antonius-Gilde. Viele Jahre pflegte er ehrenamtlich das St.-Tönnes-Hüske.
Im Juli 2007 starb er im Alter von fast 90 Jahren.

DRK-Blutspenderehrung in Kevelaer

Kevelaer. Menschen, die Leben retten, wurden vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), Kreisverband Kleve-Geldern, für ihre Verdienste um in Lebensnot geratene Menschen mit goldenen Blutspenderehrennadeln ausgezeichnet.
Herzlichen Dank im Namen der unbekannten Blutempfänger sprach Bürgermeister Dr. Dominik Pichler aus und überreichte eine Urkunde. Die DRK-Blutspenderehrennadeln in Gold heftete DRK-Kreisvorstandsmitglied Maria Anna Kaußen den Lebensrettern an.
Für 125-malige Blutspende erhielten Heiner Beckers, Jörg Garzke, Doris Jacobs und Michael Walter die Blutspenderehrennadel in Gold mit Eichenkranz in Gold, 6 Brillanten und einem Granat.
Die Blutspenderehrennadel mit Eichenkranz in Gold mit 12 Brillanten und einem Granat für 100-malige Blutspende wurde verliehen an Josef Blenkers, Erwin Tekath und Frank Tunnissen.
Für 75-malige Spende bekamen Ralf Blumenkemper und Antonius Radau die Blutspenderehrennadel in Gold mit Eichenkranz, 4 Brillanten und einem Granat.
Für 50-malige Spende erhielten Blutspender-ehrennadeln mit Eichenkranz in Gold, 6 Brillanten und einem Granat: Peter Dufhaus, Dieter van Esch, Tanja Eyhorn, Christian Marquardt, Frank Ohmann und Inge Pool.
Die Gravur 25 hatten die Blutspenderehrennadeln in Gold mit Eichenkranz von Cordula Achten, Reinhard Baal, Thomas Canders-Knell, Gregor Douteil, Ute Drißen, Hans Grüntjens, Thomas Hitzfeld-Evers, Bernhard Hoffmann, Theresia-Maria Jansen, Agnes Janßen, Martin Lörcks, Monika Maas, Michael Nägl, Gerhard Ortmann, Axel Peters, Michael Plönes, Wilfried Renard, Christel Teller-Weyers, Anita Wehren, Michael Wellmans und Birgit Winkels.
Der Dank der Anwesenden galt auch den ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen der DRK-Blutspendearbeitskreise unter der Leitung von Andrea Niederholz sowie Eva-Maria Magoley.