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Ein trauriger Fall

Dieser Fall – er ist anders als so viele Verfahren, die man vor Gericht üblicherweise so erlebt. Allein das Alter des Angeklagten – 81 Jahre – ist vor Gericht durchaus eine Seltenheit. Und die Geschichte, die mit dem Vorwurf der schweren Brandstiftung im Zusammenhang stand, beleuchtete ein bisschen die Art und Weise, wie wenig aufmerksam unsere Gesellschaft manchmal gegenüber älteren Menschen ist.

Geboren in Berlin, lebte der frühere Bautechniker bis zum 20. Lebensjahr in Wedding, siedelte dann über in die Schweiz. Immer unterwegs, ledig, ohne Kinder. Dort bleibt er bis etwa „1985, 1990“, bis er nach Deutschland zurückkehrt.

Die nüchterne Erzählung der Tat, wie sie die Staatsanwaltschaft zu Beginn vortrug, war  folgende: Am 27. August 2020 steckte der Mann in Kevelaer seine Giebelwohnung in einem Dreifachhaus an, verteilte an fünf verschiedenen Stellen Benzin und zündete dieses an. Das Feuer griff auf das Mobiliar  über. Dass es sich ausbreitete, konnte durch die Feuerwehr verhindert werden.

„Ich verstehe es selber nicht“, räumte der Mann die Tat sofort ein, an die er sich im Detail aber nicht mehr erinnern könne.  „Ich sollte ausziehen an dem Tag, war eine Woche vorher nicht gut in Schuss, weil ich keine Tabletten genommen habe“, meinte er mit unverkennbarem Berliner Akzent. Er ist Diabetiker.

Eigenbedarf angemeldet

Die Vermieter, die auch auf dem umgebauten Bauernhof wohnen, hatten Eigenbedarf angemeldet, „weil die jüngere Tochter und der Schwiegersohn da einziehen wollten“, obwohl er „fast zehn Jahre“ dort – auch unter dem vorherigen Vermieter – gewohnt hatte. Die Frist zum Verlassen der Dachgeschosswohnung war einmal verlängert worden. Seine Bitte um einen weiteren Aufschub über das Wochenende war abgelehnt worden. Die Gerichtsvollzieherin sollte an diesem Tag um zehn Uhr kommen, das wusste der Mann. Sie hatte ihm zu verstehen gegeben, dass der Vermieter die Möbel behalten kann, wenn er nicht auszieht.

„Ich hatte alle Kleider zusammengepackt, ich war fix und fertig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich sowas gemacht habe“, sagt er. „Wie konnte ich meine eigene Wohnung anstecken, sagen Sie mir das. Ich habe alles verloren, was ich hatte.“ Wie die über die Jahre zusammengekauften Möbel, die Kleidung, die Erinnerungen.

Einer seiner wenigen Bekannten hatte er am Vorabend eine Nachricht auf das Handy hinterlassen. Dort stand: „Falls wir uns nicht mehr sehen sollten, wünsche ich Dir alles Gute.“ Er habe nie gesagt, dass er sich was antut, sagte die Frau, die er früher bei Spaziergängen mit seinem verstorbenen Schäferhund ab und an besucht hatte. „Aber häufig sagte er: Was soll ich noch, wen hab ich noch auf dieser Welt?“ Nein, umbringen habe er sich nicht wollen, betonte der alte Mann.

Keine unmittelbare Gefahr

Den Benzinkanister habe er als Reserve für das Auto in der Wohnung aufbewahrt, aber nicht bewusst zum Anzünden der Wohnung. Seine DNA wurde von der Polizei auf dem Kanister festgestellt.

Ein Brand-Sachverständiger machte im Verfahren deutlich, dass die geschlossenen Fenster und Jalousien einen dämpfenden Einfluss auf das Feuer gehabt habe. „Ohne Maßnahmen hätte der Brand eine Stunde vor sich hingedümpelt und irgendwann auf die Hauseingangstür übergegriffen.“ Dann erst wäre das Feuer irgendwann zum Dachboden und später auf die Wohnungen durchgedrungen. Eine „Gefährdung für Leib und Leben der Bewohner zu dem Zeitpunkt“ sah er nicht. „Hier wäre keinem was passiert“, war seine Aussage.

Der alte Mann verließ nach dem Legen des Brandes die Wohnung, fuhr zum Bahnhof, stieg in den Zug und fuhr nach Berlin. „Ich hab geguckt, wo ich früher gewohnt habe.“ Einr Blick zurück in eine Vergangenheit, die schöner war.

In der Zeit fahndete die Polizei mit Suchhunden und Drohnen nach dem alten Mann, „weil wir gedacht haben, er tut sich was an.“ Das berichtet der ermittelnde Beamte in dem Prozess. Die Suche führte bis zum Bahnhof, ging bis in die Abendstunden. Dann wurde sie erfolglos abgebrochen.

Dass er in Berlin übernachtet hat, verneinte der Angeklagte. Den Tag darauf fuhr er mit dem Zug wieder zurück. Ein paar Tage später kam er „nicht akkurat“ aussehend zum Stall der Bekannten. Sie überzeugte ihn, zur Polizei zu gehen und fuhr ihn auf die Wache nach Uedem. „Das haben Sie prima gemacht“, gab es für die Alltagsbegleiterin dafür vom Richter ein ausdrückliches Lob. Immer wieder kam der alte Mann über sich selbst ins Grübeln. „Das ist mir ein Rätsel, dass mir das mit 80 passieren konnte. Das muss ein Filmriss gewesen sein.“

Eine Kurzschlussreaktion

Der Richter bezeichnete die Tat später als einen „Kurzschluss“ – einen, der immerhin eine sechsstellige Schadenssumme verursacht hat, weswegen das Urteil später auf „schwere Brandstiftung“ lautete. Der anwesende Vermieter sprach von „130 000 bis 150 000 Euro“. Genaue Zahlen habe er nicht.

Die Anwältin des Mannes sprach von einer „Überforderung“ angesichts der Situation. Denn er habe nicht mehr gewusst, wohin. Eine Ersatzwohnung habe er einfach nicht bekommen, obwohl er gesucht habe. „Entweder waren es immer Wohnungen in der zweiten und dritten Etage“, wo er sich wo er sich mit seiner Bandscheibe und dem Rollator hätte hinaufquälen müssen. Oder die Vermieter wollten schlicht einen 80-Jährigen nicht mehr haben, sagte der Angeklagte. „Es kam immer die Frage: Wie alt sind Sie? Da sagen die alle: Wir rufen Sie wieder an, aber das tut keiner.“ Eine Wohnung schien er in Wetten gefunden zu haben. „Aber die Vermieter waren selber 80 und sagten: Nein, nicht noch einen.“

Und er habe niemanden gekannt, der ihm hätte helfen können. „Das Sozialamt Kevelaer sagte, sie könnten mir eine Obdachlosen-Dingsbums besorgen.“ Von einer Wohnung für einen Mann, der jahrzehntelang für 800 Euro Rente gearbeitet hat, war da nicht die Rede, sagte er. „Keiner hat ihn anscheinend da unterstützt, das halte ich für erschreckend“, sagte seine Anwältin in ihrem Plädoyer.

Offene Fragen

Selbst der Staatsanwalt plädierte auf 21 Monate mit Bewährung, sprach von einer „problematischen Lebenssituation“, sah auch wenig Sinn in der „abschreckenden Wirkung“ einer Inhaftierung. Das halbe Jahr Untersuchungshaft in Kleve und Fröndenberg hätten ihre Spuren hinterlassen, sagte seine Anwältin. Das Gericht entschied letztendlich auf eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren.

Der alte Mann wird jetzt im Weezer Petrusheim unterkommen, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. „Keine schöne Lebenssituation, aber eine Konsequenz, die er sich selbst hat zuschulden kommen lassen“, nannte das der Richter. Nicht ohne anzumerken, dass er es „sinnvoll“ gefunden hätte, wenn man durch caritative Einrichtungen wie Diakonie oder Caritas für den Mann mehr hätte machen können.

Ein Hoffest zum 60-jährigen Bestehen

„Gottes Schöpfung ist schön“. Das sagte Pfarrer Andreas Poorten inmitten auf Heuballen sitzender Kinder, frischer Landluft und der morgendlichen Hitze des vergangenen Sonntags. Die Nähe zur Schöpfung und zur Natur ist den Jugendlichen der katholischen Landjugendbewegung wichtig, weswegen sie Klein und Groß am Sonntag einluden, das Leben auf dem Land näher kennenzulernen.
Zu ihrem 60. Jahr des Bestehens entschieden sich die Jugendlichen für eine Veranstaltung, die verdeutlicht, wie fortgeschritten und modern das Leben auf dem Land sein kann. Viele der Mitglieder der KLJB sind schon seit mehreren Generationen dabei und haben diese Entwicklung des Landlebens in der Familie miterleben können. Einige sind erst später durch Freunde und Bekannte dazu gekommen. Der Verein richtet sich vor allem an Jugendliche ab 14 Jahren, die sich gerne an gemeinsamen Veranstaltungen wie Paddeltouren, Karnevalsumzügen und Feten beteiligen. Willkommen sind nicht nur diejenigen aus Winnekendonk, sondern jeder – egal ob aus Uedem, Weeze oder Kevelaer: „Wir haben keine Kilometerbegrenzung“, betonen Miriam und Sara, die auf dem Fest auf die Strohburg aufgepasst haben.
Neben der Strohburg gab es zahlreiche andere Attraktionen für Kinder aller Altersklassen: neben Stiefelwerfen und Masken- basteln waren die Ferkelrennen ein großes Highlight des Tages, welches nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern in den Bann zog. Nicht selten kam es zu fachmännischen Debatten zwischen Vätern und Söhnen, welches der kleinen Schweine wohl am schnellsten das Ziel erreicht und umso größer war der Jubel, wenn das ausgewählte Ferkel als Sieger davonzog. Durch kleine, oftmals simple Aktionen konnten viele Familien die Schönheit des einfachen Landlebens entdecken.
Jedoch zeigte der Bröcheler Hof seinen Besuchern nicht nur diese Seite des Lebens auf dem Land: „Wir wollen dem Verbraucher zeigen, dass moderne Landwirtschaft gut sein kann. Ohne Massentierhaltung und Ausbeutung“, so Landwirt Bröcheler, der der KLJB seinen Hof für das Fest zur Verfügung gestellt hat. Er finde es wichtig, dass die Menschen wissen, woher ihre Produkte kommen. Er habe nichts zu verstecken, ihm sei die Transparenz wichtig, versicherte er.
Das Leben auf dem Land habe sich stark verändert, durch globale Konzerne und die immer weiter steigenden Nachfrage. „Früher reichten 30 Kühe vollkommen aus, um seine Familie versorgen zu können, heute müssen es mindestens 80 Tiere sein“, schildert ein Landwirt. Der Mensch müsse lernen, das zu schätzen, was er hat und bekommt, und auch lernen, dass die Milch nicht nur aus dem Supermarkt kommt. Es sei ein ständiges Dilemma zwischen Preis und Tierwohl. Vieles habe sich mit den Jahren für die Tiere gebessert, dies sei allerdings immer mit neuen Kosten verbunden. Deswegen sollten Verbraucher darauf achten, ihre Produkte regional zu erwerben, mit gutem Gewissen dem Menschen und Tier gegenüber.

Drei Tage nach der Hochzeit ging‘s nach Kevelaer

Marlies und Karl Poschen können es selber kaum glauben. Am heutigen Donnerstag vor 65 Jahren gaben sie sich das Jawort und versprachen sich damit eine lebenslange Treue. In über sechs Jahrzehnten aber hat sich das Twistedener Jubelpaar viel mehr als das gegeben. Zuversicht, Zusammenhalt und gegenseitige Aufmerksamkeit. Und das in jeder Lebenslage.
Immer aufeinander aufgepasst

Ein Foto vom Hochzeitstag. Foto: privat

„Es kann nur in Gemeinsamkeit gehen“, sagen Marlies und Karl Poschen mit bewegten und dankbaren Worten. „Wir haben so viel gearbeitet, mehrere Krankheiten überstanden, uns in allen Situationen gegenseitig geholfen und immer aufeinander aufgepasst“, erklärt Marlies Poschen, die wie ihr Mann in Grevenbroich-Noithausen aufgewachsen und auch hier zur Schule gegangen ist. „Wir sind sogar zusammen in einer Klasse gewesen“, bestätigt Karl Poschen.
Fast scheint es so, als seien sie schon damals füreinander bestimmt gewesen. Denn am 28. August 1954 läuten für Marlies und Karl Poschen in Grevenbroich-Noithausen die Hochzeitsglocken. Weder für die gebürtige Marlies Schmitz noch für Karl Poschen wäre etwas anderes in Frage gekommen. „Niemals“, bestätigt das Jubelpaar, lächelt sich dabei liebevoll an.
Nur drei Tage später, genauer gesagt am 1. September 1954, führt der Weg des jungen Glücks geradewegs nach Kevelaer. Hier übernehmen sie die heutige Kultkneipe „Zum Prinzenhof“ und bewirtschaften die dazugehörige Landwirtschaft. „Damals war es eine Landgaststätte wo sich die Sportler trafen“, erinnert sich der 86-jährige Jubelbräutigam. 1961 zieht es das Paar weiter nach Twisteden. Auf Gut Neuenhof nahe der holländischen Grenze entschließt sich das Paar zu einem Neuanfang. Mit viel Arbeit. „Oh ja, Vieh und Land wollten bewirtschaftet und versorgt werden“, weiß die ebenfalls 86-jährige Jubelbraut zu berichten. Sechs Kinder, Gerda, Karl-Heinz, Christine, Werner, Georg und Andrea bereichern zudem das Familienleben auf dem großen Landsitz. 1978 nutzt Karl Poschen die Chance, bei der Bundeswehr als Landschaftsgärtner anzufangen. Bis zur wohlverdienten Rente übt er hier seinen Beruf aus.
Viele Pilgerreisen

Die Landwirtschaft auf Gut Neuenhof beenden Marlies und Karl Poschen 1982, beziehen mit der Familie ihr neues Haus im Ortskern. Twisteden ist ihnen in all den Jahren zur Heimat geworden. Und trotz der vielen Arbeit unternimmt das tiefgläubige Paar zahlreiche Pilgerreisen nach Santiago de Compostela, Lourdes und Fatima. „Der Glaube hat uns oft getragen“, versichert Marlies Poschen, die wir ihr Mann in jungen Jahren aktiv die Kegelkugel schob. „Das liegt aber schon eine Weile zurück“, schmunzelt Karl Poschen, der immer noch anliegende Arbeiten, wie Holzhacken, einkaufen oder seine Frau im Haushalt unterstützen, erledigt. „Wir unterstützen uns gegenseitig“, versichert das sympathische Paar. Das Jubelfest feiern sie im Kreise der Familie. Dazu gehören 14 Enkelkinder und 2 Urenkel.
Beim Dankgottesdienst wird der Urenkel getauft

Einen Dankgottesdienst wird es in der St. Quirinus-Kirche Twisteden geben. „Und dabei wird unser Urenkel getauft“, verkündet ein strahlendes Jubelpaar. „Kann es ein schöneres Geschenk zu so einem Tag geben“, fügt Marlies Poschen mit ergreifenden Worten hinzu. Ein Wunsch bleibt dem Paar aber dennoch: „Wir möchten, so lange es geht, hier unseren gemeinsamen Lebensabend verbringen.“

„Seid Einig“ hilft seit zehn Jahren

Darin waren sich Stifter, Spender und Vorstand der Kevelaerer Bürgerstiftung „Seid Einig“ immer einig: Kindern und Jugendlichen, denen es aus familiären oder finanziellen Gründen nicht gut geht, wollen sie den Zugang zum gesellschaftlichen Leben in der Stadt und seinen Ortschaften ermöglichen. Das tut die Stiftung, zu der die Idee aufkam, als die Geselligen Vereine der Wallfahrtsstadt als Dachorganisation des Vereinswesens in Kevelaer ihren 100. Geburtstag feierten, seit nunmehr zehn Jahren.
Festakt im Museum

Gefeiert werden solle das am Abend des 27. September im Niederrheinischen Museum Kevelaer, sagen Dr. Edmund Bercker und Stefan Jansen vom Stiftungsvorstand. Dazu sollen alle Stifter und Spender eingeladen werden – die entsprechende Liste umfasse rund 150 Personen. An dem Abend, so Bercker, der von Anfang an dabei ist, wolle man Revue passieren lassen, was sich in den zehn Jahren ereignet hat, aber auch über die Zukunft der Stiftung nachdenken.
Das hat der Vorstand, der jüngst ab fünf Personen erweitert wurde, schon jetzt getan. „Wir haben uns für die Zukunft auf die Fahnen geschrieben, dass jedes Kind in Kevelaer einmal die Möglichkeit haben soll, in Urlaub zu fahren“, sagt Stefan Jansen, der sich ebenfalls seit 2009 im Vorstand engagiert. Konkret heiße das, man wolle künftig aktiv die in Kevelaer angebotenen Ferienfreizeiten unterstützen. Und weil das so gut zum Jubiläumsabend passe, wolle man dies auch hier zum Thema machen. Mit Vertretern der einzelnen Ferienlager wolle man die teilweise sehr lange Gechichte beleuchten. „Wir freuen uns auf interessante Interviews mit Rückblick auf die Vergangenheit und spannende Geschichten aus der Gegenwart“, erklärt Stefan Jansen. Edmund Bercker hofft, der Abend könne ein kleiner Aufschlag werden, das Thema Tradition der Ferienlager in Kevelaer, etwa über eine kleine Ausstellung, weiter aufzuwerten und ins Bewusstsein zu rücken.
Enge Verbindung zu den Geselligen Vereinen

Ein weiteres Projekt verweist auf die enge Verbindung zu den Geselligen Vereinen: In Verbindung mit dem Jugendamt will man eine Broschüre herausgeben, in der sich alle Vereine der Stadt die Jugendarbeit anbieten, vorstellen können. Die Auflage liege bei 4000 Exemplaren, erklärt Jansen, so dass sie zwei Jahre lang über die Martinstüten verteilt und in öffentlichen Einrichtungen ausgelegt werden könnten.

In Kevelaer fängt es bald an zu summen

Etwa 2.000 Quadratmeter öffentliche Rasenfläche werden in Kevelaer zu Wildblumen-Streifen umgestaltet. Johannes Baaken, Leiter des städtischen Betriebshofs, erklärt, welche Ziele man mit der Aktion verfolgt: Man wolle vor allem der Natur etwas Gutes tun. Außerdem seien die Blumen eine optische Bereicherung für die Bürger. Wenn man die Leute durch die Aktion zudem inspirieren könne, sei das ein weiterer positiver Effekt. „Ich habe nicht den Anspruch, jemanden zu missionieren“, betont Baaken, „es geht einfach um den Denkanstoß.“

Die Stadt sät eine eigens für den Niederrhein hergestellte Insektenmischung aus, die „Niederrhein-Mischung“. Zu finden sind die Wildblumen bald unter anderem hinter der Römerstraße am Friedhof, auf der Kroatenstraße und am Schulzentrum. Im innerstädtischen Bereich habe man Flächen ausgesucht, die eine gute Bewässerung ermöglichen, erklärt Baaken. Durchgeführt werden die Arbeiten unter anderem von Fabian Keysers (Mitarbeiter des Städtischen Betriebshofs), Rosalie Langhammer (Praktikantin des SOS-Kinderdorfs) und Waldemar Renner (Helfer im Rahmen eines Eingliederungsprogramms).

Wildblumen säen, anstatt den Garten mit Schotter auslegen, sei eine Möglichkeit des Bürgers, der Natur etwas Gutes zu tun, erklärt Baaken. Zusätzlich zur Aussaat werden in der Stadt Nisthilfen für Wildbienen angebracht. In den kleinen Häuschen aus Holz können die Bienen ihr Futterreservoir anlegen und Eier ablegen. „Die kann fast jeder mit simplen Mitteln nachbauen“, sagt Baaken. Wem die Häuschen in der Stadt gefallen, kann den Bienen also auch selbst ein Heim basteln.

Auch wenn es nochmal frieren könnte, ist die Aussaat der Wildblumen in vollem Gange. Johannes Baaken sieht es gelassen: „Die Natur kann man nicht überlisten. Und das ist auch gut so.“

Wer im eigenen Garten eine Wildblumen-Wiese anlegen möchte, kann die Niederrhein-Mischung in Kevelaer im Gartencenter Breuer kaufen.

Verlosung

Das KB verlost unter allen Lesern zehn Niederrhein-Mischungen und zehn Nisthilfen für Bienen. Zu gewinnen sind die Artikel jeweils im Paket, ein Glas Saatgut und ein Bienenhaus (Foto). Zur Verfügung gestellt werden die Inhalte der Verlosung vom städtischen Betriebshof Kevelaer und von Kurt Walter Lau vom Gut Neuenhof.

Foto: loh

Für die Teilnahme senden Sie eine E-Mail mit dem Stichwort „Insekten“ an: redaktion@kevelaerer-blatt.de oder eine Karte an:

Kevelaerer Blatt
Johannesstraße 11
47623 Kevelaer

 

Die Verlosung endet am Montag, 15. April. Die Gewinner werden benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Bürger-Schützen – droht ein Eklat?

Die Geschichte der Bürger-Schützen Gesellschaft begann im Jahre 1881 schon mit einem Eklat, als damals bei den St.-Sebastianus-Schützen Ansichten und Anschauungen soweit auseinander gingen, dass einige Mitglieder der Bruderschaft eigene Wege gehen wollten. War es bisher den Junggesellen vorbehalten, Mitglied der Bruderschaft zu sein, so wollten einige, dass auch „getraude Menße“ (verheiratete Mitglieder) in der Bruderschaft verbleiben durften (Quelle: Blattus.de).
Nach 138 Jahren Vereinsgeschichte bahnt sich eine Revolution an, an der der Verein zerbrechen kann. Wie das KB aus gut informierten Quellen erfahren konnte, haben sich seit geraumer Zeit einige Themen aufgestaut, die nun nicht mehr hinter verschlossenen Türen diskutiert werden. Wie schon der Chronist auf Blattus.de erwähnte, ist es erneut das Stichwort „getraude Menße“, das die Gemüter erregt. Die Bürger-Schützen sind heute immer noch ein reiner Männerverein und genau das soll sich ändern.
Viele Ehefrauen der Bürger-Schützenmitglieder fühlen sich ausgegrenzt und wollen nicht nur schmückendes Beiwerk bei den Veranstaltungen sein. Nein, sie begehren auf und wollen vollwertige Mitglieder werden, um mit den Männern um die Königinnenwürde kämpfen zu können. „Wir haben keine Lust mehr darauf, dass die Kerle alles für sich beanspruchen. Wir wollen mitmachen dürfen, sonst machen wir demnächst zuhause nicht mehr mit“, sagt die erboste Gattin eines langjährigen Bürger-Schützen, die namentlich nicht erwähnt werden möchte, um damit den drohenden zusätzlichen häuslichen Streit zu vermeiden.
Die Damen erhielten zu diesem Thema schon seit längerem aktive Unterstützung durch die Gleichstellungsbeauftragte der Verwaltung. Sie sagt, dass es doch ein Unding sei, dass im 21. Jahrhundert die Frauen derart ausgegrenzt werden. Nach außen hin gäben sich Männer als moderne, aufgeschlossene Artgenossen, doch wenn es um das (Männer-)Vereinsleben gehe, stoße man auf taube Ohren. „Wir werden die patriarchalischen verkrustete Struktur aufbrechen. Zur Not ziehen wir auch vor Gericht, denn es gibt Gerichtsentscheide, in denen Vereinen die Gemeinnützigkeit entzogen wurde, da es Diskriminierung von Frauen ist und dadurch die fehlende ,Förderung der Allgemeinheit‘ darstellt.“ Das werde sicherlich Wirkung zeigen.
Dieses Streitthema soll auch im nicht öffentlichen Teil während der letzten Jahreshauptversammlung des Stadtbund Kevelaer am 24. März 2019 heftig diskutiert worden sein. Die Entsandten der Bürger-Schützen sollen sich vehement gegen eine Einmischung durch den Stadtbund verwehrt haben.
Im Stadtbund sind sechs Schützenvereine im Stadtgebiet organisiert und die meisten haben in den letzten Jahrzehnten Frauen als vollwertige Mitglieder zugelassen.
Die revoltierenden Damen haben sich bereits formiert und machen sich auch schon Gedanken darüber, wie die einheitliche Bekleidung aussehen soll. Schließlich möchte man zu den kommenden offiziellen Anlässen und insbesondere zum Kirmesumzug die Blicke auf sich ziehen. Die Gattin eines Bürger-Schützen, der auch ein bekanntes Bekleidungshaus in Kevelaer hat, erläuterte dem KB, dass die Garderobeauswahl bereits im vollen Gange sei. Die Auswahl an verschiedenen sexy Kollektionen liegen  bereit und die Damen wollen sich jetzt auf eine Variante verständigen. Eines scheint gewiss zu sein, es wird bunter und freizügiger.
Bei heimlichen Schießübungen auf einer Trainingsanlage in Xanten wurde Veronika O. (siehe Foto) durch einen KB-Reporter gesichtet. Im Gespräch sagte sie, dass sie sich schon seit Wochen darauf vorbereite und mit ihrem Schwager, der Jäger ist, zum Schießstand fahre und trainiere. „Ich werde gleich beim ersten Mal antreten und den Männern bei den Bürger-Schützen zeigen, wie man als Frau Königin wird.“
Ihr Mann Rudi B. und Herausgeber/Verleger einer 140 Jahre alten Heimatzeitung Kevelaers ist scheinbar nicht davon begeistert, dass seine Frau in die Bürger-Schützen eintreten und dann gleich Königin werden möchte. „Ich möchte doch nicht in meiner eigenen Zeitung die Schlagzeile lesen: „Erstes Flintenweib der Bürger-Schützen holt mit dem dritten Schuss die Königinnenwürde.“
Trotz mehrfachen Nachfragens war das Präsidium der Bürger-Schützen zu keiner Stellungnahme gegenüber dem KB bereit. Lediglich das ehemalige Präsidiumsmitglied Winfried J. sagte unserem Reporter, dass die reine Männergesellschaft schon ganz ok war, er sich aber gut vorstellen könne, dass der ein oder andere Bürger-Schütze den weiblichen Anblick doch sehr begrüßen würde, insbesondere wenn es sich dabei nicht nur um die eigenen Ehefrauen handeln würde. Schließlich sei man als Schütze ja immer auf der Pirsch.
Die Internetseite der Bürger-Schützen (www.buergerschuetzen-kevelaer.de) ist bereits vom Netz genommen, vermutlich, weil man im Hintergrund bereits an einer Überarbeitung der Wortwahl arbeite. Denn heute darf man bekanntermaßen das Genderthema (Männlein, Weiblein, Divers) nicht außer Acht lassen. Vielleicht wird man dann das „Gendersternchen“ nutzen, um die richtige Schreibweise im Aufnahmeantrag zu formulieren „Mitglieder*innen“ stehen. Und es muss sicher auch die Frage geklärt werden, wie zukünftig der Vereinsname korrekt lauten wird. Vielleicht Bürger*innenSchützen?
Jetzt bleibt abzuwarten, wie die Entscheidung am kommenden Samstag getroffen wird. Einige Damen haben bereits angekündigt, dass es im Falle einer Ablehnung eine deutliche Abkühlung der (Liebes-)Beziehungen in dem ein oder anderen Haushalt geben werde.
Ein ehemaliger Präsident soll für den Fall der Damenwahl vorgeschlagen haben, dass es dann wenigstens zukünftig Aufnahmekriterien geben müsse:

  1. Mitglieder*innen dürfen die Gewehre beim gemeinsamen Schießen nicht durch Schminke verunreinigen
  2. Mitglieder*innen müssen mit mindestens 2,5 Promille das Heimatlied noch fehlerfrei vortragen können
  3. und Mitglieder*innen müssen beim Buschfest im Stehen pinkeln

Das KB bleibt dran und wird umgehend berichten. Wenn Sie schnell informiert werden möchten, dann melden Sie sich noch heute zu unserem WhatsApp-Nachrichtendienst an (www.kevelaerer-blatt.de/whatsapp/).
 

Richtiger Umgang mit Smartphone, Facebook, Whatsapp & Co

Digitale Medien und soziale Netzwerke wie Smartphone, Whatsapp, Facebook werden von vielen Menschen rund um die Uhr genutzt und auch Kinder kommen immer früher damit in Kontakt. Vielfach haben Kinder auch schon im späten Grundschulalter ein eigenes Smartphone oder nutzen Whatsapp oder Facebook, die offiziell erst ab 16 Jahren erlaubt sind. Welche Gefahren in den modernen Medien und Netzwerken lauern und wie man die Kinder und Jugendliche davor schützt, davon sprach das KB mit Kriminalhauptkommissar Stefan Hellwig.
KB: Sie sind ganz häufig an Grundschulen und weiterführenden Schulen und halten Informationsveranstaltungen für Eltern. Was sind die größten Gefahren der digitalisierten Welt für Kinder und Jugendliche, vor denen Sie an diesen Abenden warnen?

Stefan Hellwig Foto: Polizei


SH: Kindern und auch Erwachsenen ist oft nicht bewusst, welches Ausmaß eine scheinbar belanglose Aussage haben könnte und wie viele Menschen sie erreicht. Auch Anonymität spielt eine große Rolle. Die Hemmschwelle, Aussagen zu treffen, die im „normalen“ Leben nicht getätigt werden würden, sinkt deutlich. Auf dem Vormarsch sind derzeitig die Gefahren von Radikalisierung, Hass oder Gewalt.
 
KB: Ist die Hemmschwelle für Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen und zu Mobbing durch die digitalen Medien bei gleichzeitiger Vergrößerung der Reichweite gesunken?
SH: Ja. Diese Aussage bestätigen mir gegenüber täglich fast alle Jugendlichen. Einen Menschen persönlich zu beleidigen ist deutlich schwerer als die gleiche Aussage online zu treffen. Zudem spielt hier auch die Anonymisierung eine Rolle und damit steigt auch die Gefahr, Opfer von „Mobbingattacken“ zu werden.
KB: Welche praktischen Tipps haben Sie für die Eltern für den verantwortungsvollen Umgang mit den Medien und sozialen Netzwerken?
SH: Ein Kind sollte, im Umgang mit den digitalen Medien, begleitet werden. Der Glaube, junge Menschen würden sich besser auskennen, ist oftmals ein Irrglaube. Meist geht es nur mit der Handhabung schneller. Das Fachwissen dahinter müssen Eltern ihnen vermitteln. Auch ist das Handy kein „Tagebuch“, wie manche Erwachsene denken. Es sollte unbedingt kontrolliert werden, mit wem die Kinder Kontakt haben und was sie im Internet treiben. Hier geht es nicht darum, jeden WhatsApp-Post durchzulesen.
KB: In den Schulen ist die Benutzung des Handys meistens verboten. Zu Hause liegt die Verantwortung über die Nutzung neuer Medien bei den Eltern. Kinderärzte warnen davor, dass zu viel mediale Nutzung die Entwicklung der Kinder ungünstig beeinflussen und z.B. Konzentrationsstörungen auslösen kann. Was raten Sie Eltern zum guten und gesunden Mediennutzungsmaß ihrer Kinder?
SH: Auch hier gilt der Grundsatz: „Die Dosis macht das Gift“. Die Nutzung digitaler Medien ist zur Normalität geworden und nicht mehr weg zu denken. Eltern sollten als Vorbild fungieren und ihren Kindern mit gutem Beispiel voran gehen. Leider scheitert es oft schon daran.
KB: Sie haben in Kevelaer an den verschiedenen Schulen regelmäßig Elterninformationsveranstaltungen zum Thema Smartphonenutzung. Wie sind die Reaktionen der Eltern auf das, was Sie ihnen dort sagen?
SH: Die Eltern, die teilnehmen, sind oft überrascht, was sich in den sozialen Netzwerken alles abspielt, oder welche Fälle die Polizei bearbeiten muss. Ein „einfacher“ Straftatbestand der Beleidigung kann mitunter fatale Folgen nach sich ziehen. In Deutschland gibt es keinen eigenen „Mobbing“- Paragraphen. Das hat eine Mutter in Österreich bereits durchgesetzt, die ihren Sohn auf Grund von Mobbing verloren hat. Gezielte sexuelle Anbahnungen von Erwachsenen gegenüber Jugendlichen und Kindern sind keine Seltenheit. Es ist ein Leichtes, sich als Erwachsener in einem der angesagten sozialen Netzwerke anzumelden und dort mit einem „Fake- Account“ zu agieren.
KB: Soziale Netzwerke, Facebook, WhatsApp sind sicher nicht ohne Grund erst ab 16 Jahre. Finden Sie es gut, wenn diese Altersmindestgrenze auch eingehalten wird? Sollen Kinder, die es auch jünger nutzen, dies nur mit Hilfe der Eltern tun?
SH: Auf Grund der EU-DSGVO wurde das Mindestalter bei WhatsApp von 13 Jahren auf 16 Jahre angehoben. Aus meiner Sicht ist da grundsätzlich nichts gegen einzuwenden, wenn sich alle daran halten würden. Allerdings werden die Angaben von WhatsApp nicht überprüft. Eltern stehen in der Verantwortung, ihre Kinder zu schützen.
KB: Über die Grundschule meiner Tochter wurde einmal auch vor den „Momo-Kettenbriefen“ gewarnt. Meine Tochter sah leider gegen meinen Willen über das Handy einer Freundin einen Film über „Momo“ und hat seitdem Albträume. Könnten Sie noch etwas über „Momo“ sagen? Es scheint ja auch schon Grundschüler zu betreffen.
SH: Den Kettenbrief „MOMO“ gibt es in unterschiedlichsten Formen. Es handelt sich bei MOMO um das Bild einer Kunstfigur aus Japan, welches dazu benutzt wird, Kindern Angst zu machen. Bei MOMO ist es im Grunde nicht anders als bei allen anderen Kettenbriefen (Nico, Theresa Figaldo…), vor denen ich seit Jahren warne. Hier geht es um „Datenweitergabe“ und in manchen Fällen um die Verbreitung von Schadsoftware. Kinder und Jugendliche erhalten oft Kettenbriefe, in denen sie aufgefordert werden, diese weiterzuversenden, da sonst ihre Mutter tödlich verunglückt oder etwas Schlimmes passiert. Damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Kinder diese aus Angst weitersenden. Mir erzählen Kinder regelmäßig, dass sie Albträume aufgrund dieser Kettenbriefe haben oder nachts nicht mehr schlafen können.
Das Interview führte Doris de Boer.

Richtiger Umgang mit Smartphone, Facebook, Whatsapp & Co

Digitale Medien und soziale Netzwerke wie Smartphone, Whatsapp, Facebook werden von vielen Menschen rund um die Uhr genutzt und auch Kinder kommen immer früher damit in Kontakt. Vielfach haben Kinder auch schon im späten Grundschulalter ein eigenes Smartphone oder nutzen Whatsapp oder Facebook, die offiziell erst ab 16 Jahren erlaubt sind. Welche Gefahren in den modernen Medien und Netzwerken lauern und wie man die Kinder und Jugendliche davor schützt, davon sprach das KB mit Kriminalhauptkommissar Stefan Hellwig.

KB: Sie sind ganz häufig an Grundschulen und weiterführenden Schulen und halten Informationsveranstaltungen für Eltern. Was sind die größten Gefahren der digitalisierten Welt für Kinder und Jugendliche, vor denen Sie an diesen Abenden warnen?

Stefan Hellwig Foto: Polizei

SH: Kindern und auch Erwachsenen ist oft nicht bewusst, welches Ausmaß eine scheinbar belanglose Aussage haben könnte und wie viele Menschen sie erreicht. Auch Anonymität spielt eine große Rolle. Die Hemmschwelle, Aussagen zu treffen, die im „normalen“ Leben nicht getätigt werden würden, sinkt deutlich. Auf dem Vormarsch sind derzeitig die Gefahren von Radikalisierung, Hass oder Gewalt.

 

KB: Ist die Hemmschwelle für Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen und zu Mobbing durch die digitalen Medien bei gleichzeitiger Vergrößerung der Reichweite gesunken?

SH: Ja. Diese Aussage bestätigen mir gegenüber täglich fast alle Jugendlichen. Einen Menschen persönlich zu beleidigen ist deutlich schwerer als die gleiche Aussage online zu treffen. Zudem spielt hier auch die Anonymisierung eine Rolle und damit steigt auch die Gefahr, Opfer von „Mobbingattacken“ zu werden.

KB: Welche praktischen Tipps haben Sie für die Eltern für den verantwortungsvollen Umgang mit den Medien und sozialen Netzwerken?

SH: Ein Kind sollte, im Umgang mit den digitalen Medien, begleitet werden. Der Glaube, junge Menschen würden sich besser auskennen, ist oftmals ein Irrglaube. Meist geht es nur mit der Handhabung schneller. Das Fachwissen dahinter müssen Eltern ihnen vermitteln. Auch ist das Handy kein „Tagebuch“, wie manche Erwachsene denken. Es sollte unbedingt kontrolliert werden, mit wem die Kinder Kontakt haben und was sie im Internet treiben. Hier geht es nicht darum, jeden WhatsApp-Post durchzulesen.

KB: In den Schulen ist die Benutzung des Handys meistens verboten. Zu Hause liegt die Verantwortung über die Nutzung neuer Medien bei den Eltern. Kinderärzte warnen davor, dass zu viel mediale Nutzung die Entwicklung der Kinder ungünstig beeinflussen und z.B. Konzentrationsstörungen auslösen kann. Was raten Sie Eltern zum guten und gesunden Mediennutzungsmaß ihrer Kinder?

SH: Auch hier gilt der Grundsatz: „Die Dosis macht das Gift“. Die Nutzung digitaler Medien ist zur Normalität geworden und nicht mehr weg zu denken. Eltern sollten als Vorbild fungieren und ihren Kindern mit gutem Beispiel voran gehen. Leider scheitert es oft schon daran.

KB: Sie haben in Kevelaer an den verschiedenen Schulen regelmäßig Elterninformationsveranstaltungen zum Thema Smartphonenutzung. Wie sind die Reaktionen der Eltern auf das, was Sie ihnen dort sagen?

SH: Die Eltern, die teilnehmen, sind oft überrascht, was sich in den sozialen Netzwerken alles abspielt, oder welche Fälle die Polizei bearbeiten muss. Ein „einfacher“ Straftatbestand der Beleidigung kann mitunter fatale Folgen nach sich ziehen. In Deutschland gibt es keinen eigenen „Mobbing“- Paragraphen. Das hat eine Mutter in Österreich bereits durchgesetzt, die ihren Sohn auf Grund von Mobbing verloren hat. Gezielte sexuelle Anbahnungen von Erwachsenen gegenüber Jugendlichen und Kindern sind keine Seltenheit. Es ist ein Leichtes, sich als Erwachsener in einem der angesagten sozialen Netzwerke anzumelden und dort mit einem „Fake- Account“ zu agieren.

KB: Soziale Netzwerke, Facebook, WhatsApp sind sicher nicht ohne Grund erst ab 16 Jahre. Finden Sie es gut, wenn diese Altersmindestgrenze auch eingehalten wird? Sollen Kinder, die es auch jünger nutzen, dies nur mit Hilfe der Eltern tun?

SH: Auf Grund der EU-DSGVO wurde das Mindestalter bei WhatsApp von 13 Jahren auf 16 Jahre angehoben. Aus meiner Sicht ist da grundsätzlich nichts gegen einzuwenden, wenn sich alle daran halten würden. Allerdings werden die Angaben von WhatsApp nicht überprüft. Eltern stehen in der Verantwortung, ihre Kinder zu schützen.

KB: Über die Grundschule meiner Tochter wurde einmal auch vor den „Momo-Kettenbriefen“ gewarnt. Meine Tochter sah leider gegen meinen Willen über das Handy einer Freundin einen Film über „Momo“ und hat seitdem Albträume. Könnten Sie noch etwas über „Momo“ sagen? Es scheint ja auch schon Grundschüler zu betreffen.

SH: Den Kettenbrief „MOMO“ gibt es in unterschiedlichsten Formen. Es handelt sich bei MOMO um das Bild einer Kunstfigur aus Japan, welches dazu benutzt wird, Kindern Angst zu machen. Bei MOMO ist es im Grunde nicht anders als bei allen anderen Kettenbriefen (Nico, Theresa Figaldo…), vor denen ich seit Jahren warne. Hier geht es um „Datenweitergabe“ und in manchen Fällen um die Verbreitung von Schadsoftware. Kinder und Jugendliche erhalten oft Kettenbriefe, in denen sie aufgefordert werden, diese weiterzuversenden, da sonst ihre Mutter tödlich verunglückt oder etwas Schlimmes passiert. Damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Kinder diese aus Angst weitersenden. Mir erzählen Kinder regelmäßig, dass sie Albträume aufgrund dieser Kettenbriefe haben oder nachts nicht mehr schlafen können.

Das Interview führte Doris de Boer.

Kindergartenplätze weiter am falschen Ort

Im Jugendhilfeausschuss am kommenden Dienstag stellt die Stadtverwaltung Kevelaer die Prognose für den Bedarf und das Angebot an Kindergartenplätzen in den kommenden drei Jahren vor. Ob diese Zahlen katastrophal oder ausgezeichnet sind, hängt wohl von der Sichtweise ab.

Gesetzliche Ziele erfüllt

Die gute Nachricht: Stadtweit gibt es unter Berücksichtigung der Überhangplätze ein ausreichendes Angebot, um alle Kinder zwischen drei und sechs Jahren in Kindergärten zu betreuen. Das ist vorbildlich und mehr, als manche andere Kommune vorweisen kann. Aufgrund der neuen Gruppe, die im März 2019 in Kevelaer eröffnen wird, könnte das Angebot ab 2020 sogar ohne Überhangplätze den Bedarf leicht übersteigen.

Für Kinder unter drei Jahren erzielt Kevelaer im aktuellen Kindergartenjahr eine Versorgungsquote in Kindergärten von 28,54 Prozent. Für das Folgejahr dürfte sie etwas besser ausfallen, da der prognostizierte Bedarf leicht sinkt. Das sind zwar nicht die 35 Prozent Versorgungsquote, die der Gesetzgeber vorschreibt, aber die umfasst auch zusätzlich die Plätze in der Tagespflege – und da kommt Kevelaer auf 31 Tagespflegepersonen, die derzeit 151 Kinder, darunter 116 Kinder unter drei Jahren betreuen. Kurzum: Auch in dieser Altersgruppe erfüllt Kevelaer wie in den Vorjahren problemlos die geforderte Betreuungsquote.

Weniger rosig sieht es jedoch aus, wenn man die Zahlen nach Ortschaften aufschlüsselt. In der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen sind die 59 Plätze in Twisteden seit Jahren nicht ausreichend und auch in der Prognose für die kommenden Jahre fehlen stets 13 bis 15 Plätze. Noch extremer sieht es bei den Kindern unter drei Jahren aus: Hier kommt aktuell auf einen Bedarf von 51 Plätzen ein Angebot von ganzen sechs Plätzen – weit entfernt von 35 Prozent Versorgung, gäbe es nicht noch die Tagespflege. Auch im kommenden Jahr dürfte sich daran wenig ändern. Der Anbau einer weiteren Gruppe an den bestehenden Kindergarten sei jedoch aus räumlichen Gründen nicht möglich, erklärte die Stadtverwaltung wiederholt.

Kervenheim fehlen 20 Plätze

Ähnlich dramatisch ist die Situation in Kervenheim. Für Kinder ab drei Jahren fehlen aktuell und wohl auch in Zukunft 20 bis 22 Plätze. Wie in Twisteden gibt es auch hier nur sechs Plätze für Kinder unter drei Jahren, bei einem aktuellen Bedarf von 40 Plätzen – der wohl auch im kommenden Jahr ähnlich ausfallen wird. Demnach liegt die Versorgungsquote durch den Kindergarten aktuell bei 15 Prozent.

Wetten auskömmlich

Die auf dem Papier bislang ebenfalls problematische Situation in Winnekendonk hat die Stadtverwaltung elegant gelöst: Entsprechend dem bisherigen Anmeldeverhalten wird die Kindertagesstätte Marienkäfer in Schravelen künftig bei der Versorgung nicht mehr Kevelaer-Mitte, sondern Winnekendonk zugerechnet. Aus dem in diesem Jahr noch herrschenden Mangel von 50 Plätzen in der Ü3-Versorgung wird im kommenden Jahr so ein Defizit von nur noch acht Plätzen, die durch Überhangplätze abgefangen werden können. Entspannter war auch schon zuvor der U3-Bereich, wo aktuell mit 20 Plätzen eine Versorgungsquote von 22,47 Prozent erreicht wird – ohne Berücksichtigung der Tagespflege. Auch in dieser Altersgruppe dürfte die Quote sich im kommenden Jahr dank des „Marienkäfers“ verbessern.

Weitgehend auskömmlich versorgt ist eigentlich nur Wetten. Zwar fehlen auch hier in den kommenden Jahren ein bis neun Ü3-Plätze, doch das lässt sich weitgehend durch Überhangplätze abfangen. Die Versorgungsquote im U3-Bereich beträgt schon jetzt 31,58 Prozent, auch weil aufgrund einer anderen Gruppenstruktur hier zwölf statt nur sechs Plätze vorgehalten werden.

Dafür, dass dennoch alle Kinder über drei Jahren einen Platz finden, ist das Überangebot in der Stadtmitte verantwortlich. 40 Plätze mehr als dort benötigt gibt es und dank der neuen Gruppe gibt es ab kommendem Jahr 500 Plätze – bei laut Prognose sinkendem Bedarf. Dazu muss man allerdings wissen, dass in den Bedarf etwaige Zuzüge – beispielsweise durch Neubaugebiete wie auf der Hüls geplant – noch nicht eingerechnet sind. Ähnlich ist die U3-Situation: Hier erreicht die Stadtmitte bereits ohne Tagespflege ein Versorgungsangebot von 35 Prozent, Tendenz steigend. 45 der Plätze in der Stadtmitte werden derzeit für Kinder mit Behinderung, Sprachstörung oder heilpädagogischem Bedarf vorgehalten.

Stadtverwaltung zufrieden

Die Stadtverwaltung fasst die Situation so zusammen: „Insgesamt kann sowohl im Ü3-Bereich als auch im U3-Bereich im kommenden Kindergartenjahr ein solides Angebot vorgehalten werden.“ Das ist aufs gesamte Stadtgebiet bezogen richtig – viele Eltern insbesondere in Kervenheim und Twisteden dürften aber zu einem anderen Fazit kommen.

Weiter zusammenhalten

Das mit Landesmitteln geförderte Projekt – „NRW hält zusammen – für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung in Kevelaer“ (das KB berichtete) – ist im Dezember 2017 ausgelaufen. Und dennoch kamen rund 25 Kevelaererinnen und Kevelaerer zur Folgeveranstaltung ins Forum der Öffentlichen Begegnungsstätte. Denn die Ergebnisse der im vergangenen Jahr vorgestellten Befragung sollen nicht einfach so „verpuffen“. Eine „Ideen-Börse“ sollte diese Veranstaltung werden und nach einer kurzen Einführung durch den Beigeordneten Marc Buchholz und den Sozialausschuss-Vorsitzenden Heinz Ermers wurde die rund zweistündige Zusammenkunft dann auch so etwas wie ein Netzwerktreffen vieler mit der Jugendarbeit Beschäftigten in Kevelaer.

Vanessa Freienstein hatte zunächst noch einmal die Daten aus der Befragung für den Bereich der Jugendarbeit vorgestellt. Daraus hatte sich für die Mitarbeiterin des Jugendamtes unter anderem die Frage ergeben, wie Jugendliche ab der 7. Schulklasse ihre Ferien verbingen – denn rund 30 Prozent hatten in der Befragung etwa angegeben, dass sie im Sommer nicht in den Urlaub gefahren seien.

Daraus hatte man im Jugendamt unter anderem abgeleitet, Ideen für Angebote in den Sommerferien zu überprüfen und gegebenenfalls zu ergänzen. „Wir wollen und können natürlich niemanden zwangsweise in den Urlaub schicken“, machte Buchholz als zuständiger Dezernent klar. Aber man wolle gemeinsam mit weiteren Anbietern in Kevelaer Überlegungen anstellen, wie man mit einem gezielt gesteuerten Programm die Jugendlichen besser ansprechen könne.

Dazu – das war nur eines der Ergebnisse der Ideenbörse – will man zunächst einmal zusammenstellen, welche Angebote es denn überhaupt gibt, und wie diese angenommen werden. Auch die Möglichkeit, Jugendliche über andere, modernere Kanäle zu informieren und für die Angebote zu interessieren, wurde angesprochen. Des Weiteren stellten die Veranstalter exemplarisch Beispiele für Jugendarbeit in den Sommerferien und ebenso für alternative Finanzierungsmöglichkeiten, etwa über Ferienpatenschaften, vor.

Die Ergebnisse der Ideenbörse sollen den Teilnehmern zukommen und als Grundlage für weitere Aktivitäten in der Jugendarbeit dienen. „Es muss nicht die letzte Folgeveranstaltung des Projekts gewesen sein“, stellte der Beigeordnete Marc Buchholz fest. Ebenso erfreut über das große Interesse und die hohe Teilnehmerzahl war der Vorsitzende des Sozialausschusses, Heinz Ermers. Er stellte fest, dass das soziale Netzwerk in Kevelaer besser funktioniere als in anderen Städten – und bedankte sich bei den Teilnehmern der Ideenbörse unter anderem dafür.