Freude über den geringen Krankenstand im Kreis Kleve

Gesundheitsreport der AOK gibt Einblicke in die Versorgungssituation der Bürger

Mit 5,1 Prozent ist der Krankenstand im Kreis Kleve einer der niedrigsten im gesamten Rheinland. Das ist eine der guten Nachrichten im Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg, der einen Einblick in die Gesundheits- und Versorgungssituation der Menschen in den unterschiedlichen Regionen gibt.

In den Diagnosegruppen wie Atemwegserkrankungen, orthopädische Beschwerden und psychische Leiden ist der Kreis Kleve im rheinischen Land die Region mit den geringsten Arbeitsunfähigkeitsfällen. Im Vergleich mit anderen Städten und Kreisgebieten gibt es hier auch die wenigsten Patienten, die unter Asthma, unter der Lungenkrankheit COPD oder unter Adipositas leiden. All das geht aus dem aktuellen Gesuundheitsreport hervor.

Der niedrige Krankenstand habe vermutlich nicht nur medizinische Gründe, heißt es seitens der AOK. Der Anteil der Pendler unter den Berufstätigen im Kreis Kleve sei mit 26,9 Prozent der zweitniedrigste unter allen Kreisen und kreisfreien Städten im Rheinland. Die meisten Erwerbstätigen sind vor Ort in den klein- und mittelständischen Betrieben tätig, wo noch eine sehr persönliche Unternehmenskultur praktiziert wird und die Arbeitnehmer eine größere Verantwortung für den reibungslosen Ablauf und den wirtschaftlichen Erfolg der Firma empfinden.

Trotz der positiven Entwicklungen blickt Barbara Nickesen, Regionaldirektorin der AOK Kreis Kleve – Kreis Wesel, mit großer Sorge auf die Statistiken, denn die Heilungsraten bei den Brust- und Prostatakrebserkrankungen haben sich verschlechtert. Sie könnten sicherlich viel besser sein, wenn Männer und Frauen die kostenlosen Früherkennungsuntersuchungen mehr nutzen würden, meint die AOK-Chefin.

Die urologische Früherkennungsuntersuchung werde nur von rund 15 Prozent der Männer im Kreisgebiet in Anspruch genommen. „Ziel der Untersuchungen ist es, eine Erkrankung möglichst früh zu entdecken, weil sie im Anfangsstadium schonender und wirksamer behandelt werden kann“, erklärt Nickesen die Bedeutung der Vorsorgetests. „Einmal jährlich sollten Männer ab 45 Jahren für diese kostenlose Untersuchung zum Hausarzt oder Urologen gehen.“

Nur wenig besser sieht es bei der Inanspruchnahme der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen für Frauen aus. Nur 41,5 Prozent der 20- bis 64-Jährigen nutzt dieses Angebot zur Früherkennung von Krebs. Im Rheinland werde diese niedrige Quote nur in Aachen noch unterboten.

Positive Nachrichten gibt es hingegen im sportlichen Bereich: In keiner anderen Region des Rheinlandes sind so viele Menschen Mitglied in einem Sportverein wie im Kreis Kleve, erklären die Verantwortlichen der AOK. „Das ist besonders erfreulich“, sagt Barbara Nickesen, „denn Bewegung ist wichtig. Der Kreissportbund und die vielen Sportvereine leisten hier eine hervorragende Arbeit.“ Doch auch wenn zahlreiche Sportmöglichkeiten die Gesundheit unterstützen können, appelliert Nickesen: „Ich würde mir aber wünschen, dass mehr Männer und Frauen an den Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, denn das ist lebenswichtig.“

Nirgendwo im Rheinland werde der „Check-up“, bei dem Versicherte ab 35 Jahren im wahrsten Sinne „auf Herz und Nieren“ untersucht werden, von weniger Männern und Frauen genutzt als im Kreis Kleve. Mit knapp 42 Prozent bei den Frauen und 35,8 Prozent bei den Männern bildet der Kreis jeweils das Schlusslicht auf den Ranglisten. Immerhin aber besuchen 51,7 Prozent der erwachsenen Kreis Klever vorsorglich den Zahnarzt. Damit stehen sie nach dem Oberbergischen Kreis auf Platz zwei.

Die AOK-Chefin empfiehlt Impfungen

Zum Thema „Impfungen“ heißt es im Gesundheitsreport der AOK: „Impfungen gehören zu den effektivsten Maßnahmen, um Erkrankungen zu vermeiden. Jede Möglichkeit, sich vor einer Erkrankung zu schützen, sollte unbedingt in Anspruch genommen werden, auch um das gleichzeitige Auftreten von mehreren Erkrankungen, wie beispielsweise der Grippe und der Infektion mit dem Coronavirus, zu verhindern.

Aber nur 35,5 Prozent der über 60-jährigen Kreisbewohner lassen sich gegen Grippe impfen.“ Dazu die AOK-Chefin: „Lassen Sie sich gerade in Corona-Zeiten unbedingt im Herbst gegen Grippe impfen. Dies wird auch aktuell von bedeutenden Virologen und Lungenspezialisten empfohlen.“

Mehr als die eigene liegt den Kreis Klevern jedoch scheinbar die Gesundheit ihrer Kinder am Herzen, und das beginnt für mehr als 77 Prozent der jungen Mütter bereits bei der Wochenbettbetreuung durch Hebammen. Damit nimmt der Kreis Kleve den Spitzenplatz ein.

Mehr als 97 Prozent der Sprösslinge haben die erste Masernimpfung erhalten, knapp 92 Prozent auch die zweite. Mit dieser Impfrate ist das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angestrebte Ziel einer abgeschlossenen Grundimmunisierung von 95 Prozent nur knapp verfehlt. „Wir sind auf einem guten Weg“, ist die Regionaldirektorin zuversichtlich.

Gute Werte erreicht der Kreis Kleve auch in anderen Statistiken zur Kinder- und Jugendgesundheit: Weniger als 16 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben eine Allergie, im gesamten Rheinland sind es im Schnitt 20,7 Prozent. Erfreulich auch: Die Anzahl an übergewichtigen Kindern und Jugendlichen liegt mit 5,1 Prozent deutlich unter dem rheinlandweiten Mittelwert (6,8).

Stationäre Behandlung bei Schlaganfällen

Für die Behandlung von Schlaganfällen sind die Krankenhäuser im Kreis Kleve gut aufgestellt, heißt es im Gesundheitsreport. Proportional würden hier die meisten der im Rheinland auftretenden Erkrankungsfälle therapiert. Zwischen den Krankenhäusern im Rheinland gebe es große Unterschiede in der Sepsis-Rate. Das Risiko, an dieser lebensbedrohlichen Infektion zu erkranken, sei nicht nur abhängig vom Schweregrad der Erkrankung, sondern offenbar auch von der Größe des Krankenhauses.

Große Krankenhäuser wiesen im Durchschnitt höhere Sepsis-Raten auf als kleinere Häuser. Mit einem Anteil von 1,1 Prozent an allen Krankenhausfällen mit Operationen lägen die Kliniken im Kreis Kleve unter dem Durchschnittswert des Rheinlandes (1,6 Prozent). Das sei eine gute Entwicklung, so die AOK-Chefin.

Ärztliche Versorgung lässt zu wünschen übrig

Enttäuscht zeigt sich die Regionaldirektorin, dass alle Bemühungen, junge Ärztinnen und Ärzte in den Kreis Kleve zu holen, noch nicht den gewünschten Erfolg hatten. Die Besetzung der beplanten Hausarztstellen sei in allen Kommunen unterdurchschnittlich. Obwohl es in Goch eine leichte Verbesserung gegeben habe, liege der Versorgungsgrad in allen sogenannten „Mittelbereichen“ unter 100 Prozent und ist jetzt in Kleve weiter auf 85,3 Prozent abgerutscht.

Bei der fachärztlichen Versorgung weise der Kreis Kleve in allen Arztgruppen einen schlechten Versorgungsgrad auf. Die Zahlen bewegen sich zwar über der 100-Prozent-Marke, sie beruhen aber auf einer veralteten Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein aus den 90er Jahren, so die Erläuterung in den Ausführungen der AOK.

Viele Betroffene und deren Angehörige leiden unter der finanziellen Belastung im Pflegefall. Im Gesundheitsreport heißt es: „Mehr als jeder dritte Patient in der stationären Pflege kann die Kosten alleine nicht stemmen und ist auf Sozialhilfe angewiesen. Die Pflegeversicherung übernimmt einen pauschalen Betrag, darüberhinausgehende Kosten müssen die Pflegebedürftigen selbst tragen.“

Zwischen Rhein und Ruhr zahlten Betroffene durchschnittlich 772 Euro im Monat für die Pflege. Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung seien darin noch nicht enthalten. Die Preise unterscheiden sich regional deutlich. Am kostspieligsten sei die stationäre Pflege in Krefeld, wo der Eigenanteil durchschnittlich 961 Euro beträgt, im Kreis Kleve liegt er bei 759 Euro.