Bischof äußert sich zum Asylrecht

Weihbischof Dr. Stefan Zekorn spricht in der Marienbasilika Kevelaer

Weihbischof Zekorn, hier auf einem Archivbild aus Münster, sprach in Kevelaer über den Umgang mit Asylbewerbern. Archivfoto: Bischöfliche Pressestelle

Dr. Stefan Zekorn, Weihbischof im Bistum Münster, hat sich am Tag der Deutschen Einheit in der Marienbasilika zur europäischen Asylpolitik geäußert.

Er glaube zwar nicht, sagte Zekorn, dass die Flucht nach Europa die Lösung für die vielen Probleme der Länder Afrikas und des Nahen sowie fernen Ostens sein könne. Doch es bestehe überhaupt kein Zweifel daran, „dass wir eine große humanitäre Verpflichtung gegenüber denen haben, die aus großer Not zu uns fliehen. Deshalb können und dürfen wir nicht zusehen, wie Menschen im Mittelmeer ertrinken“.

Humanitär und zügig

Es gelte, das Asylrecht „humanitär und zügig“ anzuwenden, wie er betonte – das gelte auch für Griechenland, Malta und andere Staaten mit europäischen Außengrenzen. Dazu gehöre die vernünftige Unterbringung der Asylbewerber und eine zeitnahe Anhörung, nicht erst nach Jahren. „Asylbewerber müssen in menschenwürdigen Umständen leben können.

Das war in Moria nicht gegeben und es scheint so, dass dies auch für die Zukunft nicht gewollt ist“, beklagte der Weihbischof und erinnerte daran, dass Moria nur einer von vielen Brennpunkten sei. Zekorn: „Wer interessiert sich für die tausenden von Flüchtlingen, die in Griechenland, Italien und Frankreich noch nicht einmal ein Zelt oder einen Verschlag haben und in den kalten Wintern in Bahnhöfen oder unter Brücken nächtigen müssen? Und wer interessiert sich für die Flüchtlinge im Libanon, das nur ein paar 100 Kilometer von den griechischen Inseln entfernt ist?

Dort hausen seit Jahren Familien im Winter in zehn Zentimeter hohem Schnee auf dem nackten Boden unter simpelsten Plastikplanen, nämlich ehemaligen Werbebannern, die sie irgendwo gefunden haben.“ Zudem lenkte Zekorn den Blick auf vormals muslimische Asylbewerber, die hier das Christentum kennengelernt haben und sich taufen ließen. Oft werde vorschnell geurteilt, dass sie sich nur taufen ließen, um in Deutschland bleiben zu können. Doch selbst, wenn es im Einzelfall so wäre, erläuterte der Weibischof, in vielen Ländern mit muslimischer Mehrheit seien sie nach der Abschiebung „dem Tod geweiht“.

Der Weihbischof berichtete von einem jungen Mann, den er selbst gut gekannt habe. Trotz seiner Taufe sei er abgeschoben worden. „Er wurde auf offener Straße erschlagen“, sagte Zekorn. Es gebe jedoch Menschen, die sich „Gott sei Dank für all die Nöte interessieren, auch wenn sie die mediale und politische Öffentlichkeit nicht interessieren“, machte der Weihbischof Mut und ergänzte: „Ja, es ist wunderbar, dass es Menschen gibt, die immer wieder Möglichkeiten in eigentlich Unmöglichem entdecken und gestalten. Denn darum geht es doch im Leben – und auch in Corona-Zeiten: Möglichkeiten im eigentlich Unmöglichen zu entdecken und zu gestalten.“