Kulturgeschichte auf dem Friedhof

In Kevelaer gründet sich ein neuer Verein zum Erhalt von Denkmälern

Auf dem Kevelaerer Friedhof werden Angehörige unterschiedlicher Konfessionen bestattet. (Foto: ddb)
Kevelaerer Friedhof (Foto: Archiv / ddb)

Die „Unterschutzstellung“ von Denkmälern ist nicht nur ein Wort aus dem Verwaltungsdeutsch. Sie zieht auch eine Menge Verwaltungsaufwand nach sich. Mit einem ehrenamtlichen Denkmalschutzbeauftragten versucht die Wallfahrtsstadt Kevelaer hier einen Weg zu beschreiten, die Verwaltungshürden ein wenig abzubauen (das KB berichtete). Ein Verein mit dem Arbeitstitel „DenkMal-Freunde“ will sich künftig einem in besonderer Weise denkmalwürdigen Aspekt in Kevelaer widmen, der „Bewahrung und Pflege der kulturgeschichtlichen Werte der Friedhöfe in der Wallfahrtsstadt Kevelaer“.

So viele Denkmäler

Entstanden ist die Idee bei einem Besuch der Grünen. Ernst Koppers vom Kirchenvorstand St. Marien führte die Politiker über den Friedhof an der Römerstraße und wies dabei auf kulturgeschichtliche Grabstätten, aber auch auf Probleme in diesem Zusammenhang hin. Für Ulrich Hünerbein-Ahlers lautete das Fazit: „Es gibt so viele Denkmäler, dass es sich lohnt, da initiativ zu werden.“ Förderungen gebe es durchaus, weiß Ernst Koppers, „für einen Verein ist es einfacher, an entsprechende Fördergelder zu kommen.“

Der „Grundstein“ ist durchaus schon gelegt, haben die Kevelaerer, die sich in einem solchen Verein engagieren wollen, durch den Kontakt zu Armin Zocher von der Unteren Denkmalschutzbehörde in Kevelaer erfahren. So sei der nördliche, „alte Teil“ des Friedhofs an der Römerstraße, der 1850 eingeweiht wurde, bereits 1987 unter Denkmalschutz gestellt worden. Die Kevelaerer Initiative „pro arte“ hat in ihrem 2005 erschienenen Arbeitsheft 5 zumindest schon einmal die „Denkmäler auf dem Friedhof zu Kevelaer“ erfasst und dokumentiert, sagt Ursula Renard, Mitglied dieser Initiative. Diese Dokumentation könne als Ausgangspunkt für die Arbeit des Vereins dienen.

Vorderstes Ziel soll dabei sein, dass kulturgeschichtlich wertvolle Gräber nicht einfach „abgeräumt“ werden, weil die Nachfahren sie aufgeben oder keine Nachfahren mehr vorhanden sind. Das sei, etwa mit dem Grab von Gerhard Korthaus (der die Musik zum Kevelaerer Heimatlied komponierte), leider durchaus schon passiert, sagt Ernst Koppers. Aktuell ist es das Grab des Künstlers Heinrich Moors, welches den engagierten Bürgern ob der fehlenden Nachkommen die Sorgenfalten ins Gesicht treibt. Moors betrieb in Kevelaer als selbstständiger Künstler ein „Atelier für kirchliche und profane Kunst“ und gehörte zu der kleinen Gruppe der Bildhauer, die gemeinsam mit den Malern und Kirchenmalern den Ruf des Wallfahrtsorts Kevelaer auch als Stadt der Kunst begründet haben. „Wir können das Grab nicht verkommen lassen“, so ihre einhellige Meinung.

Gründungsversammlung

Eine Vereinssatzung sei schon in der Abstimmungsphase mit dem zuständigen Finanzamt, damit einer Beantragung von Förderungen bald nichts mehr im Wege stehe, berichtet Hünerbein-Ahlers. Ein möglicher Vorstand werde sich bei der Gründungsversammlung (die am 27. März um 19.30 Uhr im „Goldenen Löwen“ an der Amsterdamer Straße stattfindet) zur Wahl stellen, Pastor Gregor Kauling von St. Marien habe sich ausdrücklich als Ansprechpartner zur Verfügung gestellt und Bürgermeister Dominik Pichler sicherte als Verwaltungschef die Unterstützung seiner Behörden zu.

Übrigens solle es nicht nur um den Friedhof an der Römerstraße gehen, erklärt Hünerbein-Ahlers. Auch in den Ortschaften wolle der Verein „alle Maßnahmen, die den Friedhof als wertvollen Grünraum, als Begräbnisstätte, als Ort des Totengedenkens und der stillen Erholung und als wichtigen Lebensraum für Flora und Fauna bewahren“ fördern. Neben Zuschüssen und Spenden sei dabei etwa auch an Patenschaften für entsprechende Kulturdenkmäler gedacht, sagt Ursula Renard.

Genug Möglichkeiten, auf diese besondere Weise Kevelaers „Geschichte aufzuarbeiten“, werde man auf den Kevelaerer Friedhöfen finden, da sind sich die engagierten Bürger sicher.