Ein-Mann-Show über die Unterwelt

„Willkommen zu dem Start in die neue Saison“, begrüßte Stefan Reudenbach von der Stadt Kevealer die Besucher unter dem Dach der öffentlichen Begegnungsstätte. Zum Auftakt der neuen Puppenspiel-Serie „18+“ hatten sich die Veranstalter mit dem Gernsbacher Puppenspieler Frieder Kräuter einen besonderen Gast eingeladen, der „besonders nah am Original“ spielend „für besondere Akzente“ (Reudenbach) sorgte.

Der 66-Jährige, der bereits seit 35 Jahren dem Puppenspiel nachgeht, hatte in den 90er Jahren die „Bettleroper“ bereits aufgeführt. „Damals war das noch mit dem Bauchladen, aber das war mehr Akrobatik“, schmunzelte der noch immer rüstige Mann mit seinen hellwachen Augen. „Heute ist das mehr Puppenspiel, und es passt besser mit dem Alter.“

Schlichter Rahmen, tolles Spiel

Ein schlichter Puppenkasten, drei Scheinwerfer, seine Fähigkeiten, mit seiner Stimme den verschiedenen Figuren Leben einzuhauchen und dazu eine „spannende, tolle Geschichte“ ließen das Publikum mit seiner Hilfe eine gute Stunde lang in die Londoner Unterwelt des 18. Jahrhunderts eintauchen.

So erzählte Kräuter die Geschichte des Hehlers Peachum, der über seine Diebe, Räuber und Falschspieler zu wenig Geld erzielt und von der Beziehung seiner romantisch veranlagten Tochter Polly mit dem Frauenheld Macheath erfährt.

Als er und seine Frau erfahren, dass die Tochter sogar mit ihm verheiratet ist , entscheiden sie, dass sie das Kopfgeld für ihn kassieren wollen und sie als Alleinerbin schnell Witwe werden soll. Natürlich will Polly ihn vor dem Mordplan warnen. Die beiden Huren Jenny und Suki verraten ihn dann, er wird verhaftet.

Polly und Lucy, die Tochter der Gefängniswärters Lockit, lieben beide Macheath. Beide wollen ihm helfen und streiten sich in der Gefängniszelle. Schließlich entwendet Lucy von Lockit, der mit Macheath gemeinsame Sache macht, den Schlüssel und befreit ihren Liebsten.

Tolle Figuren und großartige Solomusik

Doch er wird wieder verhaftet, landet schließlich am Galgen und wird gehängt. Bis schließlich eine Taube heranflattert und verkündet, dass der König ihn begnadige. Macheath „ersteht“ quasi wieder auf. Kräuter spielt zum Amüsement des Pubikums auf der Mundharmonika „God save the queen“.

Nicht nur seine ausgearbeiteten Lindenholzfiguren hinterließen dabei einen tiefen Eindruck. Überzeugend wirken auch seine wunderbare Ausdeutung der damaligen Sprache und die direkte, teilweise derbe und damit sehr echte Übersetzung des Milieus, mit offener Schlägerei und Kopulation auf der winzigen „Bühne“.

Dazu kamen seine Fähigkeiten als musikalisches Ein-Mann-Orchester mit Ziehharmonika, Flöte oder Kazoo sowie seiner eigenwilligen, rauhen Stimme und der bluesgetränkten Musik, die dem Stück einen besonderen Stempel aufdrückten.