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Gesundes Misstrauen ist ratsam

Es war nur eine Handvoll von Seniorinnen, die auf Einladung der Pfarrcaritas St. Marien den Weg in das Petrus-Canisius-Haus gefunden hatten. Dort ließen sie sich zu den Themen „Enkeltrick“und „falsche Polizisten“ aufklären.
„Wir haben mit mehr Zuspruch gerechnet. Aber wenn wir hier die Botschaft rüberbringen und Sie alle was mitnehmen, dann ist das ein Anfang“, begrüßte Silvia Rommen-Ahlbrecht von der Pfarrcaritas die Damen und die Seniorenbeauftragte der Klever Kreispolizei, Stefanie Bodden-Bergau.
Die Kriminalhauptkomissarin, die zuvor schon in anderen Deliktbereichen tätig war, hielt anschließend einen rund einstündigen Vortrag, der sehr aufschlussreich die aktuellen Bedrohung organisierter Banden mit Hilfe des „Enkeltricks“ und der Masche des „falschen Polizisten“ auch im Kreis Kleve darstellte. „Wir können Sie sensibilisieren“, lautete ihr Ansatz für die kommenden Ausführungen.
Die Deliktzahlen zum Nachteil der Senioren seien stark angestiegen, verdeutlichte die Kommissarin und nannte für den Kreis Kleve die Schadenssumme von 663.229 Euro. „Die können wir wegen der Dunkelziffer locker verdoppeln“, versicherte sie. Betroffene würden sich sehr oft schämen und solche Delikte gar nicht erst anzeigen.
Der Enkeltrick sei bereits seit 20 Jahren auf hohem Niveau existent, so die Fachexpertin. Oft suchten sich die Täter ihre Opfer über älter klingende Vornamen wie „Gertrud“ im Telefonbuch aus und sprächen geschickt die Person dann direkt mit „Hallo Oma/Opa“ an.
Opfer werden unter Druck gesetzt
Wenn die Person dann den Vornamen des vermeintlichen Enkels wie „Andreas“ nennt, schlüpfe der Anrufer geschickt in diese Rolle. „Und wenn er fremd klingt, heißt es, ich bin verschnupft oder es besteht eine schlechte Telefonleitung“, so die Kommissarin.
Der Anrufer verlange dann Geld, um aus einer Notsituation herauszukommen und setze das Opfer mit Sätzen wie „Sonst rufe ich Dich nie wieder an“ subtil-aggressiv unter Druck. „Aber sag es niemandem, ich schäme mich“ und die Aufforderung, den Bankbeamten zu belügen, komme anschließend dazu. Und ein „bester Freund“ komme dann, um das Geld abzuholen.
Die 53-Jährige zeigte das Beispiel einer Anrufliste, wo der Teilnehmer mit dem Senior 3.345 Sekunden lang geredet hat und auch danach immer wieder anrief, um den Druck aufrechtzuerhalten: „Und das Opfer aus dem Kreis Kleve hat dem Täter eine fünfstellige Summe gezahlt.“
In Sachen „falsche Polizisten“ seien die Kreisbehörden Anfang diesen Jahres förmlich von Anrufen „überschwemmt worden“. Die Zahlen seien da von 33 (2016) auf 112 (2017) angezeigten Fällen gestiegen. Da sei die Suchtechnik ähnlich. Die Masche sei, sich am Telefon als Polizist, von Interpol, als Richter oder dessen Sekretärin auszugeben. Oft riefen die Täter über 110 an, ließend das Ganze über Internet-Telefonie laufen. „Das ist immer ein Fake!“
Diese Leute behaupteten dann solche abstrusen Dinge wie, dass es eine Einbruchserie gebe und die besagte Frau auf einer Liste von potenziellen Opfern stehe. „Die Täter fragen dann nach der Hausbank und behaupten, der Bankangestellte sei ein Spitzel. Der angebliche Täter ruft oftmals an, baut zu der Person Vertrauen auf und sagt dann: Sie müssen Ihr Geld von der Bank abholen.“
Sogar mit „rechtlichen Konsequenzen“ werde dann den Opfern am Telefon gedroht. Und dann wird ihnen suggeriert, dass das Geld bei der „Polizei“ besser aufgehoben sei. Eine Frau aus dem Kreis Kleve sei so verängstigt gewesen, dass sie das Geld abgeholt und in eine Plastiktüte an die Tür gehängt habe. Nach einem Tipp habe die Polizei die Täter aber festnehmen können.
Ein stark organisierter Gegner
Man müsse sich vergegenwärtigen, dass es sich um organisierte Banden und somit einen „starken Gegner“ handelt. Verwandtschaftlich geprägte Familien, die vom Ausland aus verdeckt aggressiv agierten und vor Ort jeweils einen Anrufer, einen Logistiker, ein Abholteam mit Fahrer, einen Observanten und einen Geldabholer hätten.
Dabei setzten die Täter auf die Hörschwächen der Opfer, ihre Vereinsamung und ihre Obrigkeitshörigkeit, die Überforderung durch die spontane Situation sowie die Gutgläubigkeit. „Sie sind so erzogen worden zu helfen. Das nutzen die Täter aus“, sagte die Beamtin. Das habe aber nichts mit Dummheit oder Naivität zu tun.
Bodden-Bergau gab noch ein paar nützliche Tipps. Wenn es geschieht, sollte sich keiner scheuen, die Polizei anzurufen. „Man sollte seine sozialen Kontakte beibehalten, mit seinem Geldinstitut eine Vereinbarung für Anrufe bei Verwandten treffen“, und nach Möglichkeit keine Angaben über sich, sein Vermögen und seine persönlichen Verhältnisse machen.
„Seien Sie wieder ein Stück misstrauischer“, nannte sie das Beispiel einer angeblich schwangeren Frau, die nur ein Glas Wasser wolle und dann dem Komplizen umbemerkt die Gelegenheit zum Durchsuchen der Räume gebe. „Bringen Sie ihr das Wasser vor die Tür und lassen Sie sie dort trinken.“ Auch eine Türkette bringe in der Beziehung „ein Stück Sicherheit“. Und wenn sich jemand ohne Namen am Telefon melde, müsse eins gelten: „Dann legen

Seniorennachmittag im Kirmeszelt

„Kevelaer und Umgebung mit traditionellem Brauchtum für verschiedene Generationen zu bereichern“ – so umschreibt eine Gruppe Kevelaerer ihr Ziel. „Team Kevelaer Live“ nennen sie sich und wollen mittelfristig zu diesem Zweck einen Verein gründen. Eine erste Aktion entsteht jetzt gemeinsam mit der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Kevelaer, dem festgebenden Verein der diesjährigen Kevelaerer Kirmes: ein Seniorennachmittag am Kirmesfreitag.
Freitag, 11. Mai, von 15 bis 18 Uhr im Festzelt
Von 15 bis 18 Uhr soll es am 11. Mai im Festzelt ein „gemütliches Kaffeetrinken sowie ein buntes Rahmenprogramm“ geben. Einige Akteure des bunten Programms verraten die Organisatoren bereits jetzt: Mit dabei ist – fast schon selbstverständlich – der Kevelaerer Sänger und Entertainer Karl Timmermann mit einem passend zugeschnittenen Programm. Das Duo „Phantasia“ will mit Hits aus den 1960er-Jahren die Gäste begeistern. Robert Achten unterhält die Senioren mit einem Vortrag auf Plattdeutsch. Darüber hinaus ist „die ein oder andere weitere Darbietung“ geplant.
Erlös für die Bürgerstiftung „Seid einig“
Alle Künstler treten ehrenamtlich auf. Kaffee, Kuchen, Brötchen und Aufschnitt werden von Kevelaerer Sponsoren bereitgestellt, darunter Edeka Brüggemeier, Rewe Narzynski, Bäckerei Steegmanns, AB Fleisch, Bäckerei Vloet, Niersbäcker Toen Janssen, Bäckerei Janssen-Heursen. Der dadurch mögliche Erlös der Veranstaltung soll der Kevelaerer Bürgerstiftung „Seid einig“ gespendet werden. „Wir haben uns diese Organisation ausgesucht, da sie die gleichen Ziele verfolgt und unterstützt, welche auch in unserer eingereichten Satzung verankert sind“, erläutert Andrea Klingel. Die Stiftung unterstützt bedürftige Kevelaerer Jugendliche. „Dies passt damit genau zu unserer Idee: eine Veranstaltung für die Senioren Kevelaers und der Erlös für die Kinder- und Jugendhilfe.“

 

Älteren Menschen im Alltag helfen

In den vergangenen sechs Monaten hat das SOS-Kinderdorf Niederrhein 23 AlltagsbegleiterInnen aus dem Kreis Kleve qualifiziert. Die Absolventen des Zertifikatskurses können sich künftig in Altenheimen, in der ambulanten Pflege oder auch bei der Betreuung Demenzkranker fachkundig einbringen. Nun fand die Abschlussfeier im SOS-Kinderdorfzentrum Kleve statt.

Alltagsbegleiter kümmern sich insbesondere um die Betreuung und Beschäftigung älterer Menschen und schaffen mit ihren Aktivitätsangeboten Strukturen im Alltag. Neben der Feiertags- und jahreszeitlichen Gestaltung unterstützen die BegleiterInnen bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben wie Kochen oder Bügeln. „Ein besonderer Schwerpunkt des Kurses ist die biographieorientierte Arbeit. Wenn ein betreuter Mensch früher viel mit Blumen gearbeitet hat, dann entwickeln wir Aufgaben und Angebote rund um das Thema Blumen. So sollen vorhandene Fähigkeiten wieder aktiviert und gestärkt werden“, erläutert Karin Lotto, Leiterin des Fachseminars Altenpflege beim SOS-Kinderdorf Niederrhein.

Kursleiter Halim Mouhajer betont: „Unsere Teilnehmenden sind hochmotiviert und freuen sich darauf, bald bei der Alltagsbewältigung unterstützen zu dürfen.“ Für den Beruf Alltagsbegleiter sind Einfühlungsvermögen, Zugewandtheit und Freude an der Kommunikation mit älteren Menschen Grundvoraussetzungen. Im Qualifikationskurs werden dann noch weitere Fertigkeiten wie Krankheitslehre, Gesundheitsförderung und Sterbebegleitung vermittelt.

Wer Interesse hat, die KursteilnehmerInnen kennenzulernen oder selbst einen Kurs absolvieren möchte, kann sich gerne an Karin Lotto, Leiterin des Fachseminars Altenpflege, unter Telefon: 02821/750755 wenden. Der nächste Qualifizierungskurs startet am 3. April.

Sport als ein Stück Lebensqualität

Nach 2015 konnten die Verantwortlichen des Kevelaerer SV erneut die Crème de la Crème der deutschen Seniorenleichtathletik im Hülsparkstadion begrüßen. „Das ist ein gutes Ereignis für Kevelaer“, sagte der stellvertretender Bürgermeister Johann-Peter von Ballegooy zum Auftakt der Wettkämpfe. „Wir haben da einen guten Verbindungsmann, ohne den das nicht ginge“, unterstrich er die wertvolle Rolle von Franz-Josef Probst, den langjährigen Vorsitzenden und Ehrenpräsidenten des Leichtathletikverbandes Nordrhein und des Kevelaerer SV.
Die zwischenzeitlichen Regenfälle machten es den Athleten schwer, gerade bei den Disziplinen wie Hochsprung oder Diskuswerfen. Das schlechte Wetter schlug sich auch in den Teilnehmerzahlen nieder. Von 620 angekündigten Sportlern traten nur 550 an, statt 53 Teams waren nur 50 dabei.
Bedauern äußerte Probst auch darüber, dass aus dem gesamten Kreis Kleve keine einzige Mannschaft am Start war. „Hier fehlen die Übungsleiter“, setzt er auf den außerordentlichen Verbandstag am 24. November. Dort sollen aus den 14 Kreisen dann vier Regionen entstehen. Der Kreis Kleve wird danach wohl eine Gemeinschaft mit Rhede, Duisburg und Mülheim bilden.
Trotz alledem freute sich der Vorsitzende des KSV, Christian Schick, über die Tatsache, dass dieses Sportevent überhaupt in Kevelaer stattfindet: „Das ist schon sensationell, wenn wir sowas hier ausrichten dürfen.“ Dafür habe man vor Ort aber auch die besten Voraussetzungen.
Die Aktiven sahen das ähnlich, so wie Volker Danneberg von der Startgemeinschaft Hünxe-Bedburg-Hau. „Sport ist für mich ein Stück Lebensqualität“, sagte der 63-Jährige und sprach vom Anspruch seiner Mannschaft: „Wir sind bei den technischen Disziplinen und beim Laufen stark. Wir wollen Erster werden.“
Gesagt, getan. In seiner Altersklasse M 60 war er über die 100 Meter in 13,34 Sekunden schnellster Einzelläufer und bester Weitspringer, die 4×100 Meter gewann sein Team. Und mit 7.438 Punkten hatte Hünxe-Bedburg mit 21 Punkten knapp die Nase vorne.
Auch in den anderen Altersklassen und Disziplinen wurden starke Leistungen geboten. Wobei es nicht allein darauf ankam. „Dieser Teamgedanke, untereinander helfen, das ist immer eine tolle Erfahrung“, motivierte Kugelstoßer, Hochspringer und Diskuswerfer Reinhard Frericks vom VFL Lingen-Nordhorn seine Kollegen beim Weitsprung.
Eine antiquierte Technik zeigte Sarah Schraub von der LG Bad Soden /Sulzbach/Neuenhai beim Hochsprung. „Ich habe nie Hochsprung gelernt, natürlich hab ich mit dem Scherensprung einen Nachteil“. Immerhin übersprang sie 1,35 Meter und lag so fünf Zentimeter höher als letztes Jahr bei den Meisterschaften in Essen.“
„Der Kampf Mann gegen Mann“ sei noch immer eine Herausforderung, meinte der 80-jährige Hans-Joachim Lange von der Startgemeinschaft Alsternord-Polizei Hamburg. „Ob nun junger Mann oder alter Sack, wenn man sich da voll reinhängt“, war er mit der 4×100-Meter-Staffel Europameister in Aarhus geworden. „Die junggebliebenen Alten“, flachste er mit einem Lauffreund.
Dabeisein ist alles
Unter den Aktiven befanden sich einige aktuelle Senioren-Europameister, wie die 51-jährige Heike Jörg von der LAZ Obernburg-Miltenberg, die sich in Aarhus Gold über die 200 Meter gesichert hatte. „Die schönsten Wettkämpfe sind die Teamwettbewerbe und daneben sein Ding natürlich machen“, war die Zeit von 13,45 Sekunde für sie eher Nebensache beim Saisonabschluss. Und oft bedeutete für den Einzelnen allein schon die Teilnahme ein Sieg. „Ich war das ganze Jahr verletzt und bin heute erstmals wieder gelaufen“, freute sich Ute Böggemann von der Startgemeinschaft Düsseldorf/Aachen über ihre 15,74 Sekunden, die bei den W 60-Frauen die drittbeste Zeit ausmachte.

Wo Solidarität ein Zuhause hat

Bereits an der Sonnenstraße luden ein Banner und bunte Luftballone zum Tag der offenen Tür im Klostergarten ein. Mit der Veranstaltung erhielt die Bevölkerung die Möglichkeit, dass vom Caritasverband Geldern-Kevelaer e.V getragene Wohnquartier kennenzulernen.
Was mit der Suche nach einem Bauplatz für eine Senioreneinrichtung begann, wurde zu einem Wohn- und Lebenskonzept, in dem Nachbarschaftshilfe und Solidarität unter den Generationen das Zusammenleben bestimmt. In 118 Miet- und Eigentumswohnungen wohnen Menschen aller Generationen. Alleinerziehende, junge Familien, Menschen mit und ohne Handicap, junge und alte Menschen, leben in gegenseitigen Respekt und achtsamen Miteinander, ohne dabei auf die Möglichkeit verzichten zu müssen sich in ihren privaten Bereich zurückziehen zu können.
Als Mittelpunkt des Klostergartens bietet das Nachbarschaftshaus, neben dem einzigen komplett barrierefreien Hotel in Kevelaer, zahlreiche Angebote. Offener Treff, Nachbarschaftshilfen oder Demenz-Café zählen ebenso dazu wie Begleitdienste, Handarbeitskreis, Internet-AG Leihoma-Dienst.
Die Klosterküche versorgt nicht nur mit Essen auf Rädern und abwechslungsreichen Gerichten Menschen im ganzen Südkreis. Auch ein offener Mittagstisch bietet die Möglichkeit, in ansprechender Atmosphäre und preisgünstig mit anderen zu Essen.
Im mediterranen Innenhof des Nachbarschaftshauses, der von einem Kreuzgang umrandet ist, befindet sich eine blühende Ruheoase, die auch aus der neu eingerichteten öffentlichen Lounge betreten werden kann. Neben den üblichen Getränken bietet diese Cocktails und Snacks für den kleinen Hunger (täglich geöffnet ab 18 Uhr, außer Sonntag).
Zwei Wohngemeinschaften für Senioren, in denen Menschen mit Demenz weitestgehend selbstständig leben können, Wohngruppen und die Senioreneinrichtung Clemens-Haus ergänzen das Quartier.
Große Schautafeln informierten an diesem Tag über den Caritasverband Geldern-Kevelaer, der in diesem Jahr 50 Jahre alt wird. Ein Angebot der ins Haus integrierten Kinderbetreuungseinrichtung, ein Informationsstand über die Wohnmöglichkeiten im Quartier und musikalische Unterhaltung durch Willi Doretz, mit Keyboard und Gesang bildeten den weiteren Rahmen für den Nachmittag.
Zudem gab es einen Trödel- und Handarbeitsstand zu Gunsten der Klosterkirche, die spiritueller Mittelpunkt des Klostergartens ist. Neben Anwohnern und Hotelgästen wird sie jährlich von über 4.000 Pilgern besucht. Hotelleitung Nicole Grüttner und Kristopher Kroll, Quartiersmanager, Koordinator Mehrgenerationenhaus, führten die Gäste durchs Haus und Gelände. Und auch für das leibliche Wohl war reichlich gesorgt.
Kopfkissen in kürzester Zeit frisch beziehen
Wer in kürzester Zeit zwei Kopfkissen frisch beziehen konnte, hatte die Möglichkeit, zwei Übernachtungen in einem der neun Caritas Tagungs- und Gästehäuser zu gewinnen. Seit zehn Jahren arbeiten diese in einer Kooperation zusammen und profitieren so von den guten Ideen der einzelnen Standorte, die es ermöglichen den Service immer weiter zu verbessern und die Gäste immer wieder zu überraschen.

Von Stillleben bis zu Kohle-Zeichnungen

Das Katharinen-Haus liegt nicht nur direkt in der Mitte des Ortsteils. Es ist auch ein wichtiger Teil im gesellschaftlichen Leben der Ortschaft.
Die Senioreneinrichtung der Caritas, in der Gäste immer willkommen sind, hat sich von Beginn an auch als Ort der Kunst präsentiert. Claudia Püschel, vom sozialen Dienst der Wohngemeinschaft alter Menschen, organisiert seit der Eröffnung 2006 mehrere Ausstellungen im Jahr. Hierdurch erhalten die Bewohner nicht nur stetig wechselnde Wanddekorationen und somit visuelle Anreize. Gleichzeitig öffnet sich das Haus damit der Umgebung und fördert durch die Besucher für die Bewohner neue Begegnungen. Zurzeit sind Werke einer ganzen Künstlerdynastie, der Familie Richter/Kuhlen, in den Fluren des Hauses zu sehen.
Jelena Richter, Mitglied der Künstlerfamilie, arbeitet seit zwei Jahren in der Hauswirtschaft der Einrichtung und ist selbst auch künstlerisch tätig. So bot sich eine Ausstellung im Katharinen-Haus an. Seit dem künstlerischen Wirken von Franz Richter sen. (1875-1944) hat sich ihre Familie der Kunst verschrieben. Franz Richter Senior, von dem die meisten der ausgestellten Werke stammen, machte seine Ausbildung an der „Großherzoglichen Akademie der Bildenden Künste“ in Karlsruhe und konnte von seiner Kunst leben.
Kunstwerke von ihm sowie Herbert, Hanne, Selina, Olivia, Matheo, Paula und Jelena Richter sowie Klaus Kuhlen, die alle unverkäuflich sind, können vorübergehend in den Fluren besichtigt werden. „Jedes Bild ist wie ein Fenster in eine andere Welt“, sagt Hanne Richter. So finden sich dort Moderne, surrealistisch anmutende Landschaften, technokratische Architektur umrahmende Inselidylle und Stillleben mit philosophischen Kommentaren. Aquarelle, Druck-Collagen, Tusche-Skizzen und Kohle-Zeichnungen im Stil von Picassos „Taube“ sowie christliche und weltliche Motive hängen nebeneinander. Sie bereiten den Betrachtern durch die vielseitigen Techniken und Motive die Möglichkeit, „sein“ Werk zu entdecken.
Die Ausstellung wurde musikalisch durch Anne Schumacher (Violine und Gesang) und Chistoph Uphoff (Gitarre und Gesang) mit traditionellem Irisch Folk eröffnet. Sie lädt ein, Kunst vom Impressionismus, Jugendstil und Expressionismus, bis hin zur Moderne zu betrachten und gleichzeitig Begegnung mit den Menschen des Katharinen-Hauses zu leben.

Fortschritte beim Brausepulver

Wenn man sich einander vertraut gemacht hat, dann besucht man sich auch gegenseitig. Bisher waren im Rahmen des Projektes „Brausepulver“ die Kinder des Sterntaler Kindergartens ins Katharinenhaus in Winnekendonk gekommen.  Bei dem letzten Treffen vor der Sommerpause hatten nun die Senioren die Einladung, die durch Monika Vogts, der Leiterin der Kindertageseinrichtung, ausgesprochen wurde, angenommen.
Kulturgeragogin und Alltagsbegleiterin Monika Behrens, die das Projekt „Brausepulver“ ins Leben gerufen hatte, und Claudia Püschel vom sozialen Dienst des Katharinenhauses, begleiteten zwölf Bewohnerinnen der Senioreneinrichtung, um ihnen zu ermöglichen, zusammen mit den Kindern einen Vormittag zu verleben.
Dass für die Kinder noch eine weitere Besonderheit an diesem Morgen anstand, lag an zwei weiteren Gästen. Honk und Hanna (Musiktheaterkomponistin Mareike Lenz aus Duisburg und ihr „Hund“ Honk) begeisterten mit für die Kleinen verständlichem Wortwitz und schafften es auch, die Kinder, die Erzieherinnen und die Gäste aus dem Katharinenhaus einzubeziehen, die voller Eifer mitgingen.
Auch wenn sich die Seniorinnen durch die Musiktheateraufführung angesprochen fühlten, war ihnen bei dem Besuch aber etwas anderes viel wichtiger. Dies konnte man nicht nur ihren Blicken, die ständig zu den Kindern hingerichtet waren, sondern auch den Äußerungen der betagten Damen entnehmen. „Kinder haben noch keine Sorgen – ich hatte zu Hause immer sechs von ihnen rumlaufen“, oder „Dass die Kinder so lange ruhig sitzen bleiben, ist schon toll“, kommentierten sie ihre Beobachtungen.
Dass das Verständnis von Jung und Alt durch das Projekt Brausepulver gefördert, Kontakte generationenübergreifend geknüpft und Hemmschwellen in Begegnungen überbrückt werden, zeigte aber auch die Verabschiedung nach der Vorstellung. Bevor die Seniorinnen ihren Besuch bei den Kindern beendeten, verabschiedeten sich diese bei ihnen mit Handschlag. Viele erwiderten das Lächeln der alten Damen und es wurde der Fortschritt deutlich, der sich über die Zeit des Projektes entwickelt hat. Man hat sich vertraut gemacht und begegnet einander mit Verständnis und freundlicher Zuwendung.

Ein Projekt, was die Generationen miteinander verbindet

Vor vier Jahren startete Kulturgeragogin und Alltagsbegleiterin Monika Behrens das Projekt „Brausepulver“ im Seniorenheim Katharinenhaus, einer Einrichtung des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer. Diese Idee wird von Beginn an durch die St.-Martinus-Stiftung unterstützt.
Das Verständnis von Jung und Alt soll gefördert und Kontakte generationsübergreifend geknüpft werden. Es gab bereits zahlreiche „prickelnde Begegnungen“ zwischen den Kindern der integrativen Kindertagesstätte Sterntaler und den Bewohnern. Die jüngste Zusammenkunft war eine Besonderheit und selbst im Fernsehen wurde über das Projekt berichtet.
Schäfer Ferdi van Ditzhuysen aus Twisteden besuchte mit einer kleinen Herde seiner Schafe die Projektteilnehmer. Unentgeltlich, weil er das Projekt unterstützen wollte. Rund 40 Sterntaler-Kinder  mit ihren Erziehern und fast alle Bewohner des Katharinenhauses konnten die Mutterschafe mit ihren Lämmern auf der Wiese des Sinnesgartens erleben.
Die Jungen und Mädchen fanden die vorgeführte Hufpflege spannend, fütterten die Tiere mit getrocknetem Brot und testeten die Weichheit des Fells. Auch Hütehündin Lucie bekam viele Streicheleinheiten ab. Für die Bewohner, die nur kurz auf „Tuchfühlung“ mit einem Lamm gingen, war es alleine schon ein Freude, den Kindern bei ihren Erlebnissen zuzusehen.
Eine Bewohnerin meinte: „Da ist alles voller Leben, da kann man genüsslich beobachten und glücklich sein.“ Für den Nachwuchs hatten die Senioren ein individuelles Schäfchen aus Salzteig gemacht und mit Hingabe bemalt. So konnte jedes Kind ein Erinnerungsstück   mit nach Hause nehmen.
Monika Behrens brauchte man nicht zu fragen, ob sie mit dem Ergebnis des Brausepulver-Vormittags zufrieden war. Ihr Gesichtsausdruck war mit denen der Kinder und der Senioren des Katharinenhauses zu vergleichen. Alle strahlten nach dem gemeinsam Erlebten.