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Ein DJ auf dem Thron

Schon als er vor gut einem Monat gemeinsam mit Bruder und Vater als Adjutanten überraschend Schützenkönig der Petrus-Bruderschaft Wetten wurde, konnte Claas Sommerfeld den Moment nur schlecht für sich einordnen. „Schwer zu sagen, was mir das bedeutet“, meinte der erst 20-Jährige.

Und fast sprachlos zeigte sich der Gartenlandschaftsbauer, der nebenbei noch bundesweit als DJ unterwegs ist, unmittelbar nach der Übergabe der Bezirksschützenkette durch den Bezirksjungschützenmeister Robert Achten. „Ich kann das noch nicht realisieren“, meinte der junge Mann angesichts des besonderen Moments.

Gegen viertel vor vier hatte er am Sonntag, 23. Juni 2019, den Glücksschuss auf den Restvogel auf dem Lüllinger Marktplatz abgegeben, wo sich insgesamt 13 Bruderschaften und Schützenvereine des Bezirks Kevelaer bei bestem Sommerwetter zum gemeinsamen Wettbewerb versammelt hatten. „Schieß einmal scharf drauf“, hatte ihm sein Vater kurz zuvor noch gesagt, bevor er den Vogel herunterschoss. Nach außen hin lässig, aber nach innen ähnlich überwältigt, nahm er dann die Glückwünsche der 14 anderen Königsanwärter entgegen.

„Ich habe heute gehört, dass er DJ beim Parookaville sein soll. Da kann er dann mit der Festkette auflegen“, scherzte Bezirksbundesmeister Hans-Gerd Frerix nach der Übergabe der Schützenkette und ordnete den Titel als etwas Besonderes ein: „Das dürfte mit Sicherheit einer der jüngsten Bezirksschützenkönige sein, den wir bisher hatten.“

Kleiner Umzug durch das Dorf

Am Vormittag hatten sich die insgesamt 14 Schützenbruderschaften im Lüllinger Pfarrgarten zur Festmesse unter der Leitung des Bezirkspräses Michael Wolf versammelt, der seine Predigt unter das Thema der „Gemeinschaft“ stellte. Danach vollzog sich mit rund 250 Menschen der kleine Umzug durch die Ortschaft bis zur Festwiese, auf der der Gelderner Bürgermeister Sven Kaiser und der Ortsbürgermeister Kurt Münster ihre Grußworte an die Gemeinschaft richteten.

Im Anschluss an das Fahnenschwenken zog der Tross dann auf den Lüllinger Dorfplatz, wo bei Bier, Kaffee und Kuchen die Fahnenschwenker- und Schießwettbewerbe vonstatten gingen. „Die Mitglieder von St. Rochus Lüllingen haben sich sehr viel Mühe gegeben“, lobte Frerix den Rahmen, den der gastgebende Verein in diesem Jahr für die Beteiligten gesetzt hatte.

Ebenfalls überrascht von ihrem Triumph als Jugendprinzessin war Sarah Michel Weiß von der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Kevelaer. „Ich sollte da eigentlich gar nicht mehr da sein“, gestand die erst 17-Jährige, dass ihr aufgrund der Hitze bei dem Umzug schlecht geworden war und man ihr eigentlich ans Herz gelegt hatte, nach Hause zu gehen. Den Titel des Schülerprinzen sicherte sich Luis Hoever von der St. Petrus-Bruderschaft aus Wetten.

Schützenkönig in einer starken Gemeinschaft

Für einen Moment machen es sich Boris Weber und seine Frau Sabine auf der kleinen Bank im Garten bequem, während die Mitstreiter der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft den Aufbau des Pavillons und das Kränzen vorantreiben. „Du wirst das Haus nicht mehr wiedererkennen“, scherzt Hans-Gerd Frerix von der Seb.
„Wir sind so dankbar, dass hier so viele mithelfen – zumal uns am Freitag auch die Gastvereine mit abholen und hier zu Gast sind“, freut sich der 43-jährige Beamte über die Unterstützung anlässlich der bevorstehenden Feierlichkeiten.
Dass er mal Winnekendonker Schützenkönig sein würde, war Boris Weber nicht in die Wiege gelegt. Der in Düsseldorf geborene Sohn eines Bausachverständigen und einer Angestellten im öffentlichen Dienst ging „zwischen Derendorf und Pempelforth“ zur Schule, später zum Gymnasium.Früh lernte er seine Liebste kennen. „Ich hatte auf der Grundschule eine beste Freundin, die war seine Schwester“, erzählt Sabine Weber mit eine Lächeln. Seit 25 Jahren sind beide nun ein Paar, seit 14 Jahren verheiratet und haben mittlerweile drei Kinder.
Im besagten Jahr 2005 entschieden beide, sich Eigentum zuzulegen – und ihre Wahl fiel auf Winnekendonk. „Da sind wir komplett ins Unbekannte gegangen, wurden aber toll empfangen“, erinnert Boris Weber sich daran, dass sie sich schnell im neuen Ort wohlgefühlt haben.
„Das waren für uns als „Stadtmenschen“ viele Kleinigkeiten, die total faszinierend waren“, erinnert er sich. „Da waren ganz viele, die Nägel eingeschlagen haben und Kränze mitbrachten. Da mussten wir uns daran gewöhnen, immer Getränke im Haus zu haben.“
Heute spielt Boris Weber bei den Winnekendonker Altherren Fußball und ist in der örtlichen Bruderschaft seit 2015 aktiv. „Da hat einer zehn Jahre lang versucht, mich davon zu überzeugen.“ Die Vorurteile, die er bei seinen Einsätzen auf solchen Festen hatte, hinderten ihn lange Zeit daran, den Schritt zu gehen. „Zum 40. Geburtstag hat er mich nochmal angesprochen – und ich hab mir dann gesagt: Geh einfach mal mit.“
Das Ergebnis waren „tolle freundschaftliche Erfahrungen“, und auch der Begriff „Tradition“ bekam für ihn eine neue Bedeutung. „Das Ganze hat sich von der sachlichen auf die emotionale Ebene verlagert.“ Als Fahnenträger lernte er, was das für den Verein bedeutet. „Es ist als Fahnenoffizier eine Ehre, sie zu tragen.“ Schützenwesen sei mehr als nur Trinken und Beisammensein, „sondern echter Zusammenhalt, Freundschaft und Geselligkeit.“
Nach und nach infizierte der „Virus“ Schützenwesen die ganze Familie. Sohn Florian wurde 2015 Klotzkönig, Sabine Weber ein Jahr später. Und da war für sie klar: „Wenn ich Klotzkönig werde, musst du auf den König schießen.“ Seine Frau und das befreundete Paar Denise und Thomas Berretz redeten solange auf ihn ein, bis er Ja sagte – und er 2017 Adjutant des Königs Thomas Berretz wurde. „Wir hatten ein super Thronjahr, haben eine tolle Zeit verbracht.“ Diese Zeit war ein entscheidender Anstoß, „dieses Thronteam wieder zu beleben“ und sich mit Thomas und Martina Lohmann „optimal zu verstärken“.
Schon bevor es Freitag losgeht, möchte Weber sich angesichts der „breiten Unterstützung und der Freude, uns so zu begleiten“, bei allen Beteiligten bedanken. „Das ist einfach mega“, freut sich der König der Seb.

Jürgen Buschhaus ist der neue Stadtbundkönig

Es war noch keine 18.30 Uhr, da konnte Jürgen Buschhaus freudestrahlend die Fäuste in den Himmel heben, um sich als neuer Stadtbundkönig Kevelaers feiern zu lassen.
„Et löpt“ sagte der 57-jährige Konditor. Doch angesichts der Tatsache, dass es nach dem MÄNN-Königstitel und der Bezirkskönigsehre nun auch zum Titel des Stadtbundkönigs reichte, konnte er gar nicht so richtig sagen, wie man das eigentlich so macht. „Wenn es dafür ein Geheimnis gäbe…“, sagte er und konnte er dann nur noch mit den Achseln zucken.
Herzlich, offen und ehrlich
„Genau über die Schraube“, habe er gezielt, sagte er beim Korps der Gratulanten. „Aber es ist doch auch ein bisschen Glück dabei“, stellte er fest und drückte seinen Adjutanten und Schwager, den Stadtbund-Vorsitzenden Rainer Koppers. Seine Frau Marita beschrieb ihn als „herzlich, offen und ehrlich“ und befand zum Thema Stadtbund-Königstitel: „Das hat er verdient.“
Er freute sich über den Zuspruch und das Mitfreuen der anderen fünf Kevelaerer Könige, die er alle herzte, musste zwischendurch erstmal ganz tief durchatmen und nahm später jubelnd und voller Stolz von Stadtbund-Schatzmeister Michael Kalcker die Kette des Stadtbundkönigs entgegen.
Am Mittag hatte sich die Gemeinschaft der sechs Kevelaerer Schützenvereine – der St. Antonius-Schützen, der Bürgerschützengesellschaft, der Johannes-Bruderschaft, der St.Petrus-Schützengilde und der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft – auf Höhe der Kerzenkapelle an der Busmannstraße versammelt, um dort das Schaufahnenschwenken zu veranstalten.
Im Anschluss daran war die Gemeinschaft der Schützen in Begleitung der „Swingies“ und des Musikvereins zur Josef-Schotten-Schützenhalle gezogen, um dort die diversen Schießwettbewerbe auszurichten. „Wir hoffen auf einen schönen Tag“, sagte Rainer Koppers , der allerdings sehr die Abwesenheit des Stadtbundkönigs von 2017 bedauerte. Frank Kirsch von der Sebastianus-Schützenbruderschaft konnte krankheitsbedingt nicht anwesend sein. Alle Schützen wünschten ihm gute Besserung.
Bei strahlendem Sonnenschein konzentrierten sich die Preisschützen in der Halle auf ihre Aufgabe, führten die Fahnenschwenker ihre Wettbewerbe durch. Diejenigen, die sich dem Vogelschießen zuwandten, durften erstmals auf der Anlage an der Wiese nahe dem Getränkestand und den Bänken ihre Schießkunst zeigen und nicht hinter der Halle.
Bei den Schützen kam die Idee gut an, so wie bei Hans Kohl von der St.-Petrus-Schützengilde, der auch den Zeitfaktor ansprach: „Auf einen Vogel zu schießen ist besser, das ist beim Verein auch nicht anders.“ „Die Situation hier ist offen. Jeder bekommt hier mit, was wichtig ist. Und so ist der Vogel schon „bearbeitet“, ehe es zum Königsschießen geht“, erläuterte Michael Kalcker die Überlegungen, die den Stadtbund-Vorstand zu der Entscheidung veranlasst hatten. Am Ende des Tages konnte der stellvertretende Stadtbund-Vorsitzende Thomas Nolden unter dem Beifall der Anwesenden konstatieren: „Gute Laune, gute Stimmung – aus meiner Sicht war es ein gelungener Tag.“

Preisschießen

Beim Preisschießen setzte sich bei den Präsidenten der sechs beteiligten Vereine Rainer Koppers vom Stadtbund mit 45 Ringen vor Manfred Delbeck von den Petrusschützen und Wolfgang Toonen von St. Antonius durch.
Bei den Damen errang Violett Siebers mit der gleichen Ringzahl zum zweiten Mal nach 2017 den Sieg bei den Frauen. Zweite wurde Lucia Plümpe von den Bürgerschützen, Dritte Thekla Koppers vom Stadtbund.
Die Teamwertung gewann die St. Antonius-Bruderschaft mit 343 Ringen vor dem Stadtbund und der Seb. Und bei den Schießmeistern hatte Bernd Aymanns vom Stadtbund mit 47 Ringen die Nase vorn.
Bei den Fahnensschwenkern wurde die Seb ihrer Favoritenrolle gerecht. Dort siegten Carmen und Guido Langenhuizen vor Katja Schroer und Tobias Langenhuizen.
Bei den Preisen des Vogelschießens traf Dirk Schuler von der St. Antonius-Gilde den Kopf, sicherte der Bruderschaft damit ein Sauerbratenessen für 25 Personen. Guido Langenhuizen von der Seb traf den ersten Flügel und kann mit 25 Personen Rippchen essen gehen. Und Bozo Gutesa „erschoss“ ein Schweineschnitzelessen.

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