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Das große Treffen der Chöre

Der Deutsche Chorverband besteht seit 1951. Er wird heute von rund 400 katholischen Knabenchören, Mädchenchören, Kinderchören, Jugendchören und Schulen mit mehr als 16.000  Sängern getragen.
 Der Verband unterstützt kirchliche Knaben-, Mädchen-, Kinder- und Jugendchöre, -kantoreien und –schulen in Deutschland in ihrer musikalischen, religiösen, liturgischen, kulturellen und erzieherischen Arbeit. Er schafft Austausch, Begegnungen und Partnerschaften zwischen Chören, ihren Leitern und Sängern auf diözesaner, nationaler und internationaler Ebene.
Lob Gottes, Begegnung in Freundschaft und Einsatz für den Frieden sind traditionell die drei Säulen der Arbeit. Zum Wallfahrtsjubiläum fand mit fast 400 Kindern und Jugendlichen das Chortreffen der Pueri Cantores im Bistum Münster in der Marienstadt statt.
Chordirektor Romano Giefer, Andreas Müller, Vorsitzender des Diözesanverbandes Münster und der geistliche Beirat Clemens Lübbers begrüßten die Sängerinnen und Sänger mit ihren Begleitungen auf dem Kapellenplatz, bevor es zur Stellprobe und zum Einsingen in die Basilika ging. Unter Beteiligung von Basilikakantor Sebastian Piel und Basilikaorganist Elmar Lehnen und unter der Leitung von Giefer wurde an den Chorälen gefeilt, die im anschließenden Gottesdienst gesungen wurden.  Der Chordirektor zeigte freundlich aber bestimmt, dass Disziplin beim Chorgesang dringend erforderlich ist. „Alle Augen einmal nach hier, sonst klappt es nicht“, „Nicht rechts überholen“ oder „Die Basilika ist sehr lang. Ihr müsst bis ganz nach vorne singen. Wenn ihr das Gefühl habt, ihr seid etwas zu früh, dann seid ihr genau richtig“, waren seine klaren Ansagen. Auch gab er für das Chorsingen wertvolle Hilfen. „Ich liebe englische Chöre, denn bei ihnen sind die Notenblätter immer auf Halshöhe. Die Sänger können dann die Noten lesen und gleichzeitig einen Blick auf den Dirigenten werfen.“
Durch die Klangfülle und fantastischen Stimmen aus den Kinderkehlen, herrschte bei den Gesängen teilweise Gänsehautstimmung. Die Begleitungen der Chöre erschienen restlos begeistert.
In seiner Predigt zum Hochfest des Heiligen Johannes des Täufers sprach Clemens Lübbers die Sänger direkt an: „Ihr tragt durch euren Gesang dazu bei, dass Jesus wachsen kann. Ihr breitet die Botschaft des Sohnes Gottes durch euer Singen aus.“
Die Kinder und Jugendlichen, die unter anderem aus Münster, Rees, Telgte und Kevelaer (Kinderchöre der Basilikamusik und die Anthony-Singers von St. Antonius) kamen, verlebten bei einem „Chaotenspiel“ einen lustigen Nachmittag in Pastors Garten bevor im Forum Pax Christi ein offenes Singen stattfand. „Ein Sperling und ein Elefant“ und „Singen mit Herz und Mund und Ohr“ waren angesagt und bei „Simamakaa“ gab es zur allgemeinen Erheiterung eine Bewegungsaktion (steh auf, in die Hocke gehen, hüpfen, spazierengehen).
Beim gemeinsamen Abschlusssegen in der Basilika sah man viele strahlende Kinder und Jugendliche, die mit viel Gesang und Freude einen Tag in der Marienstadt verbracht hatten.
https://www.kevelaerer-blatt.de/chortreffen-in-kevelaer/

Katholiken aus 40 Herkunftsländern pilgern nach Kevelaer

Unter dem Motto „Mit Maria. Gottes Wort leben!“ haben am 18. Juni etwa 850 Mitglieder aus den Missionen und Gemeinden anderer Muttersprache im Bistum Münster an der Wallfahrt nach Kevelaer teilgenommen. Die Wallfahrt findet alle zwei Jahre statt und es beteiligen sich Katholiken aus über 40 Herkunftsländern, die im Bistum Münster leben.
Bei strahlendem Sonnenschein schickte Weihbischof Dieter Geerlings, Bischöflicher Beauftragter für die Katholiken anderer Muttersprache, gegen Mittag die große Gruppe der Wallfahrer auf den Weg. An der Hubertuskapelle in der Bauernschaft Keylaer forderte er sie auf, sich mit Maria auf den Weg zu machen und Jesus, dem Licht und der Hoffnung der Welt, zu folgen.
Nach der Fußwallfahrt von etwa drei Kilometern Länge vertrauten sich die Beteiligten auf dem Kapellenplatz zunächst dem Gnadenbild der Maria an, die in Kevelaer als Trösterin der Betrübten verehrt wird. Sie baten um Versöhnung aller Völker und um den Frieden für die ganze Welt. Der anschließende Gottesdienst in der Basilika wurde in vielen Sprachen international gefeiert. Weihbischof Geerlings beschrieb in seiner Predigt Maria als eine Frau, „die offen und ansprechbar war – auch für Gott.“ Das sei nicht selbstverständlich und nicht einfach.
In Maria würden die Menschen erkennen, dass Gott bei ihnen sei und bleibe. Dieser Glaube helfe den Menschen, mit allen Schwierigkeiten, Dunkelheiten, Krankheiten und Grenzen zu leben. „Und dann treffen wir Maria, die Mutter Jesu, mit den anderen nach der Auferstehung im Abendmahlsaal. Da kommt das Wunder von Pfingsten. Und dieses Wunder ist auch heute hier anwesend: Menschen verstehen sich. Über Sprachgrenzen und Nationalitäten hinweg verbindet sie ein Glaube. Jeder darf seine eigene Sprache sprechen, seinen Dialekt, und wird trotzdem verstanden“, sagte Geerlings.
Nach dem Gottesdienst wurde die gemeinsame Wallfahrt fortgesetzt mit einem interkulturellen Fest der Nationen im Forum Pax Christi. Dabei wurden kulinarische Spezialitäten aus allen Herkunftsländern geteilt, Gesänge und Tänze aus den unterschiedlichen Kulturen wurden vorgetragen. Am Ende des Festes sandte der Weihbischof die Pilger noch einmal auf den Weg aus und stellte sie und ihre Angehörigen unter den Segen Gottes.

Mensch – Mutter – Mittlerin

Das Jubiläumsjahr „375 Jahre Kevelaerwallfahrt“ hat  schon viele Ideen hervorgebracht, Menschen zusammengebracht und Neues aufgezeigt in Bezug auf die Verehrung Mariens. Was bisher noch fehlte, ist nun auch erschienen: Der sppr-Verlag hat unter dem Titel „Maria. Auf dem Weg zur Mutter Gottes. Mensch – Mutter – Mittlerin.“ ein Buch über Maria herausgebracht.
Neben Fotos aus Kevelaer enthält das Buch Texte von Direktoren anderer Marienwallfahrtsorte. Herausgeber David Valles Fernández hat die Leiter der verschiedenen Wallfahrtsorte angeschrieben und sie eingeladen, über Worte Mariens zu schreiben, die in der Hl. Schrift überliefert sind.
So entstanden zeitlose Meditationen über das Magnifikat, über Mariens Worte das Wort Mariens bei der Hochzeit zu Kana: „Was er euch sagt, das tut.“ (Joh 2,5) und über das Testament Jesu, der am Kreuz Johannes und Maria einander anvertraute (Joh 19,26f.). „Alle, die ich anschrieb, haben sofort zugesagt“, freut sich David Valles Fernández.
Für den in Köln und Kevelaer ansäßigen sppr-Verlag ist es schon das vierte Buch, das unter der Federführung von Valles Fernández herausgegeben wurde. „Eigentlich ist unser Hauptgeschäft Priesterkleidung, Paramentik“, erklärt er, „der Verlag kam erst später dazu und wird nur nebenbei betrieben“.
Neben dem Buch über Maria gibt der Verlag auch Postkarten, Briefkarten und Magnete mit Kevelaer-Motiven heraus. Pastor Rolf Lohmann, der Schmitt-Paramente vor wenigen Jahren nach Kevelaer geholt hatte, ist dankbar über dieses „ästhetisch schöne, interessante und facettenreiche Buch“. Er nennt es eine Fügung, dass der Nachbar am Kapellenplatz diese Buchidee in die Tat umsetzte und so einen Beitrag zum Wallfahrtsjubiläum leistet. Neben Bibelauslegungen in Bezug auf Maria enthält das Buch auch Informationen über die Entstehungsgeschichte der jeweiligen Wallfahrtsorte.
Neben Kevelaer sind auch Altötting Telgte und Werl vertreten sowie Maria in der Kupfergasse in Köln und Sielenbach. Außerdem enthält das Buch Vorworte von Erzbischof Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg und Pfarrer Luc van Hilst aus Scherpenheuvel. Auch der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, ist mit einem Vorwort vertreten.
Das Buch hat 80 Seiten und ist zum Preis von 15,90 Euro bei Schmitt-Paramente Kevelaer bzw. im örtlichen Buchhandel zu erwerben.

Evensong nach nur einer Probe

Anlässlich des doppelten Jubiläums, 375 Jahre Kevelaer-Wallfahrt und 500 Jahre Reformation, gab es eine ökumenische Vesper in der Marienbasilika. Diese leiteten Pastor Rolf Lohmann, Pfarrer Josef Cornelißen und die evangelische Pastorin Karin Dembek. Zahlreiche katholische und evangelische Chöre der ganzen Region, darunter der Familienchor der Basilikamusik Kevelaer, waren in der Marienbasilika unter Kerzenschein zu einem chorischen Abendgebet zusammengekommen. Unter Leitung von Chordirektor Romano Giefer zeigten die etwa 250 Sängerinnen und Sänger ihr Können. Die Abendandacht klang an der Gnadenkapelle mit dem Lied „Bleib bei uns, Herr“  von William Henry Monk aus. Obwohl alle Chöre zusammen erst eine Stunde vor dem Evensong die erste und letzte gemeinsame Probe hatten, klang alles wunderbar. Die Einheit war gesanglich auf jeden Fall da. „Wir sollten das wiederholen“, sagte Pastor Rolf Lohmann mit vielen Dankesworten am Ende.

Mensch Maria Superstar

Ob man aus dem Leben des Gottessohnes ein Musical („Jesus Christ Superstar“) machen musste, darüber darf man geteilter Meinung sein. Dass man aus dem Leben der Gottesmutter ein „Mysterienspiel“ machen kann, haben Elmar Lehnen (Musik) und Bastian Rütten (Text) sich zunächst gedacht und das dann mit der Unterstützung zahlreicher Profis und Laien auf dem Kapellenplatz umgesetzt. Mensch Maria Superstar?
Ja, darüber gibt es keine andere Meinung, wenn man die beiden hervorragenden Aufführungen zum Abschluss der Festwoche „375 Jahre Wallfahrt“ in Kevelaer gesehen hat.
Und auch nein: Ein Superstar ist Maria in dieser großartigen Vorlage gerade nicht. Librettist Bastian Rütten nähert sich ihr in ihrem Alltag – der dem unseren, dem heutigen, dem menschlichen ähnlich ist. Er lässt sie unsere Sprache sprechen. Maria stellt Fragen, Maria zweifelt, Maria freut sich, Maria leidet.
Vertrauen erringen
Weil Maria nicht gleich blind vertraut, sondern hinterfragt, erringt sie in einem oftmals schweren Kampf mit sich selbst unser Vertrauen. Wir erleben eine Maria, die zur Trösterin wird, weil sie selbst Trost gefunden hat. Wir sehen eine Maria, zu der wir aufschauen können, weil sie jemanden hat, zu dem sie aufschaut.
Elmar Lehnen, der auch dirigiert, führt das wunderbare Rheinische Oratorienorchester, den Theaterchor Niederrhein aus Kevelaer, den Chor „Kalobrhi“ aus Nettetal und nicht zuletzt die Laiendarsteller durch eine dreistündige musikalische Reise, in der er als Komponist alle Register zieht. Mal unterstützt die Musik die Szenen unauffällig im Hintergrund, einer Filmmusik gleich, mal erklingen monumentale Ausrufezeichen. Und er lässt den herausragenden Solisten Annette Gutjahr, Alan Parkes, Wiltrud de Vries und Bernhard Scheffel den Raum, sich von ihrer besten und ihre jeweiligen Rollen von ihrer eindringlichsten Seite zu zeigen.
Diese Leidenschaft der Autoren und der Profis für dieses einmalige Projekt scheint sich auf die Laien zu übertragen. Die Massenszenen entwickeln unter der Regie von Peter van Aar und Dorette Ploegmakers eine eigene Dynamik, die fein abgestimmt ist und nie aufgesetzt oder hölzern wirkt. Und immer wieder „umspinnen“ sie die Hauptfiguren, umfangen sie thematisch auf musikalisch und darstellerisch hohem Niveau. Und – auch das muss man heute erwähnen – von mehr als drei Stunden Spielzeit ist keine einzige Minute langweilig.
Verehrung verstehen
Nicht überall, wo man sich katholisch nennt, schon gar nicht überall auf der Welt, wird Marienverehrung verstanden. Auch  „Mensch! Maria!“, dieses „Mysterienspiel zu einem ganz normal-besonderen Menschen“, wie es im Titel heißt, beantwortet nicht alle Fragen. Aber es lebt neben der Spiritualität, die der Kapellenplatz im engeren und Kevelaer im weiteren Sinne bieten, von der modernen und ernsthaften künstlerischen Auseinandersetzung mit einer jahrhundertealten Tradition. Und die ist inhaltlich wie emotional so dicht, dass sie zumindest niemanden kalt lässt. In Kevelaer schon gar nicht.
https://www.kevelaerer-blatt.de/bildergalerien/mysterienspiel-mensch-maria/

Kardinal Eijk predigt zum Ende der Festwoche

Eine Woche lang wurde in Kevelaer das 375-jährige Wallfahrtsbestehen gefeiert. Zum Abschluss der Festwoche war der Metropolit der Niederlande, Kardinal Willem Eijk, in der Marienbasilika zu Gast. Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann betonte in seiner Begrüßung die gute Beziehung der Niederlande nach Kevelaer und umgekehrt.
Zum Dreifaltigkeitssonntag predigte der niederländische Kardinal darüber, was die Menschen von Maria über die Beziehung zu Gott lernen können. Den Gläubigen könne sich, sagte Eijk, die Frage stellen, was die Dreifaltigkeit für ihr tägliches Leben bedeutet, es als zu abstrakt ansehen, dass Gott in den Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist existiert. „Maria zeigt, dass es alles andere als abstrakt ist. Sie macht neugierig, wie auch wir mit jeder Person der Dreifaltigkeit eine persönliche Beziehung haben können“, erklärte der Kardinal.
Der Gott des christlichen Lebens sei eben kein transzendentes, unnahbares Wesen, das nur mit Distanz zur Welt herrscht. Vielmehr handele es sich bei der Dreifaltigkeit um eine „Liebesgemeinschaft“, die nach außen offen sei. „Sie will eine Beziehung zu uns persönlich“, sagte Eijk. Das könne man vom Leben Marias lernen. Bei der Verkündung durch den Erzengel Gabriel sei Maria eine enge Beziehung zu Gott eingegangen, dessen Sohn sie schließlich gebar. Zu Pfingsten habe Jesus den Menschen den Heiligen Geist als Beistand gesandt. Kardinal Eijk: „Er ist der Geist, der die Kirche in die Welt führt und uns selbst in Taufe und Firmung weiterbringt. Er ist der Geist, durch den Jesus uns beisteht.“
Maria sei nicht nur eine Mutter für die Menschen, sondern auch eine „Erzieherin im Glauben“, sagte der niederländische Metropolit. „Es gilt auch für uns, Maria zu uns zu nehmen und ihr in unserem Haus und unserem Leben einen festen Platz zu geben als Mutter, Erzieherin und Trösterin.“
Musikalisch begleitet wurde der festliche Gottesdienst von dem Mädchenchor am Aachener Dom unter Leitung von Marco Fühner sowie dem Mädchenchor der Basilikamusik Kevelaer unter Leitung von Romano Giefer.

Bileam und seine Eselin

„Bileam und sein Esel“ ist eine weniger bekannte Erzählung aus der Bibel. Gerd Peter Münden hat dazu jedoch ein ganz in Reimform gehaltenes Singspiel geschrieben, das die Geschichte treffend und humorvoll beschreibt. Der Titel des Singspiels lautet: „Die Geschichte von Bileam und seiner gottesfürchtigen Eselin”. Die Kinder der St.-Hubertus-Grundschule führten dieses Stück im Forum Pax Christi auf.
Schuldirektorin Helga Dückers Janßen freute sich, dass auch das Wetter mitspielte. Seit August 2015, so führte sie aus, wurde in Kooperation mit der Pfarrgemeinde St. Marien ein Musikzweig an der Grundschule eingerichtet. Seitdem hat jedes Kind zweimal wöchentlich eine Singstunde durch Basilikakantor Sebastian Piel. Im Rahmen dieser Singstunden wurde dieses Singspiel einstudiert. Alle Schüler von der 1. bis zur 4. Klasse hatten mitgemacht.
Dückers Janßen freute sich, dass die Schule mit diesem Singspiel so einen Beitrag zur Festwoche der Wallfahrtsgemeinde leisten konnte. Unter der Leitung von Sebastian Piel präsentierten die 200 Schüler ein kurzweiliges Singspiel und begeisterten das Publikum. Die musikalische Gestaltung übernahmen Romano Giefer am Keyboard und seine Frau Annette mit der Querflöte. Als Erzähler wirkte Basilikaorganist Elmar Lehnen im roten Samtsessel mit. Aufmerksam umgeben von den Schülern las er aus einem großen Buch die Geschichte von Bileam und seinem Esel vor.
„Kein Ende nahm die lange Reise und täglich Manna nur als Speise“, beschrieb der Erzähler die Situation der Israeliten, die nun schon 40 Jahre in der Wüste umherirrten. Doch Mose (Ole Grave/Mila Probst/Mona Giefer) machte dem Volk Mut: Gott werde es nicht verlassen. Der König der Moabiter, Balak, (Theo Wilbers) hatte Angst vor diesem großen Volk Israel. Er wollte den Seher Bileam (Clara Wollmann) mit Gold bestechen, die Israeliten zu verfluchen. Bileam zog mit seinem Esel (Rosa Löwenthal) auch wirklich los, um den Fluch auszusprechen, doch ein Engel Gottes (Sidi Touray) stellte sich ihnen in den Weg: „Bileam sieht den Engel zornig blicken, er fühlte seine Beine knicken.“ Schließlich musste Bileam erkennen: „Wie könnte es ein Mensch versuchen, ein Volk, das Gott liebt zu verfluchen?“ Statt das Volk zu verfluchen, segnet er es schließlich. „Dies Volk, es ist das Volk des Herrn, er segnet es und hat es gern.“ Zum Abschluss sangen alle Schüler „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und ernteten mit ihrer ersten großen Aufführung viel Applaus.
Die Schüler hatten nicht nur viele Reimverse auswendig wiedergegeben. Viele hatten sich auch verkleidet und stellten die Handlungsabläufe so anschaulich dar. Scheinbar ohne Scheu und Aufregung sprachen oder sangen die Hauptdarsteller mutig ins Mikrofon. Sie zeigten, dass es an der Schule viele stimmliche Talente gibt, die durch den musischen Zweig gebührend gepflegt werden. Die Schüler hatten es geschafft, die etwas unbekannte Bileamgeschichte in heiterer und lebhafter Weise darzustellen.

Gebet um geistliche Berufe

Ordens- und Priesterberufungen werden in der deutschsprachigen Kirche seit einigen Jahrzehnten immer seltener. Doch können geistliche Berufungen nicht gemacht werden, sie müssen von Gott geschenkt werden. Schon Jesus hat seine Jünger gemahnt: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“ (Mt 9,38).
Das Päpstliche Werk für Geistliche Berufe in den Diözesen Aachen, Münster und Lüttich in Belgien hat sich dieses Wort Jesu zu eigen gemacht und nimmt sich besonders des Gebetes um geistliche Berufungen an.
Weihbischof Dr. Johannes Bündgens aus Aachen vom Werk für Geistliche Berufe lud nun zu einer Wallfahrt nach Kevelaer ein, um dort besonders für neue Ordens- und Priesterberufungen zu beten. Der Gebetstag begann mit einem Pontifikalamt in der Marienbasilika. Dieses wurde von Dr. Felix Genn geleitet. In seiner Predigt führte der Bischof aus, dass die Zahlen der Kirchenbesucher, der Taufen, Firmungen und Erstkommunionen wie die Zahl der Priester und Ordensleute stetig zurückgehen.
Es sei ein falscher Weg, darauf zu hoffen, dass etwa die Priesterberufe zunehmen würden, würde sich die Kirche vom Zölibat verabschieden. Geistliche Berufungen wollen erbeten sein. Er verwies dabei auf die einst unfruchtbare Hannah im 1. Buch Samuel (Kap 1), die Gott unablässig um ein Kind anflehte und schließlich Samuel empfing. Ebenso müsse die Kirche Gott unablässig um geistliche Berufungen bitten. Nur Gott könne die geistliche Unfruchtbarkeit der heutigen Kirche in Fruchtbarkeit umwenden. Vielfach gäbe es auch heute viele Aufbrüche in der Kirche. Er lud auch dazu ein, junge Männer, die an den Priesterberuf denken, zu ermutigen und zu bestärken, sich mit ihrem fiat (lat: „es geschehe“) wie Maria in den Dienst Gottes zu stellen. Aber jeder Priester müsse wirklich von Gott berufen sein. „Bitten wir darum, dass kein Berufener sich weigert und kein Unberufener sich vordrängt“, sagte Bischof Genn.  Am Nachmittag leitete Pfarrer Matthias Fritz aus Aachen den großen Kreuzweg, der auch das Gebet um geistliche Berufungen als Grundlage hatte.
Der Wallfahrtstag endete mit einer Andacht an der Gnadenkapelle. Pastor Jean Pohlen, der den deutschsprachigen Teil der Diözese Lüttich leitet, bat vor dem Gnadenbild der Trösterin der Betrübten um mehr Berufungen und um mehr Beter in diesem so wichtigen Anliegen. Rund 500 Menschen hatten sich vom Päpstlichen Werk für geistliche Berufe auf den Weg gemacht, 250 kamen auch Aachen, 180 aus Belgien und 60 aus Münster.

Maria hat den Mantel ausgebreitet

Ein Ereignis von Seltenheitswert: die Marientracht. Das Gnadenbild der Consolatrix Afflictorum wurde nur wenige Male durch die Wallfahrtsstadt getragen: zum 200-Jahre-Jubiläum 1842, am Tag seiner Krönung 1892, nach dem II. Weltkrieg im Jahr 1951 und zum 350-jährigen Jubiläum 1992. Jetzt, am 3. Juni 2017, war es wieder so weit: Pastor Rolf Lohmann lud ein, das 375-jährige Bestehen der Wallfahrt in gebührender Ehre zu feiern.
Schon am Abend vor der Marientracht war das 7,5 mal 11 Zentimeter große Bild aus seinem Schrein in der Gnadenkapelle herausgenommen und in einen Trageschrein eingesetzt worden. In einer Ansprache erinnerte Pastor Lohmann daran, dass die Menschen zur Entstehungszeit der Wallfahrt bettelarm waren. Viele waren auch im Dreißigjährigen Krieg gestorben. In dieser Zeit der Not flüchteten die Menschen zu diesem kleinen Bild auf Augenhöhe und fanden Schutz, Liebe und Geborgenheit. Auch heute sei Maria als Trösterin der Betrübten für alle da: „Jeder hat hier seinen Platz, alle sind hier willkommen!“, sagte er.
In festlicher Prozession wurde das Bild anschließend nach St. Antonius gebracht. Pastor Andreas Poorten begrüßte die Teilnehmer und das reich mit Blumen geschmückte Gnadenbild und betete zu Maria: „Deine Macht ist die Güte, das Dienen. Lehre uns, unsere Verantwortung in der Welt zu leben. Du trägst Christus auf den Armen, das segnende Kind. So bist du, den Segnenden tragend, selbst zum Segen geworden.“
Während der ganzen Nacht blieb das Gnadenbild in der St.-Antonius-Kirche, wo die Bruderschaft der Consolatrix Afflictorum Wache hielt. Zu Beginn sang der Luxemburger Domchor. Die ganze Nacht hindurch kamen und gingen Beter.
Am folgenden Morgen wurde das Gnadenbild zum Kapellenplatz getragen, wo Kardinal Karl-Josef Rauber, päpstlicher Legat und ehemaliger apostolischer Nuntius in Belgien und Luxemburg, das festliche Pontifikalamt leitete. Weltliche Ehrengäste waren Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks, Landrat Wolfgang Spreen und Bürgermeister Dr. Pichler. In seiner Predigt erinnerte der Kardinal an die Unruhen und Konflikte der heutigen Zeit und empfahl, sich an Maria zu wenden und sie um ihren Schutz, ihre Fürsprache und Hilfe anzuflehen. Schließlich heiße es in einem Kirchenlied: „Dass Maria eine Bitte nicht gewährt, ist unerhört, unerhört in Ewigkeit.“ Die musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes unter Leitung von Chordirektor Romano Giefer wurde mit großem Lob bedacht. Ein Teilnehmer sagte: „Der Chor und das Orchester waren wirklich großartig. Ich hatte Gänsehaut ohne Ende.“
Vier Blaskapellen, der Kardinal, der Apostolische Nuntius Dr. Nicola Eterovic und 18 Bischöfe, darunter auch Weihbischof Stefan Zekorn und Erzbischof Laurent Lompo, etwa 60 Geistliche und mehr als 100 Messdiener machten sich dann auf zur Prozession durch die Stadt. Die 31 Brudermeister der Consolatrix Afflictorum gaben mit ihren Stäben den Gebets­takt vor. Die Marientracht kam vorbei an festlich mit Fahnen und Blumen oder kleinen Hausaltären geschmückten Straßen. Viele Menschen säumten den Weg des Gnadenbildes. „Herzlich willkommen, Mutter Maria“, so die Botschaft eines Schildes.
Die internationale Dimension Kevelaers wurde deutlich durch die im Pontifikalamt vorgetragenen Fürbitten in Deutsch, Niederländisch, Englisch, Französisch, Polnisch, Luxemburgisch und Kävels Platt sowie durch die Teilnahme von Pilgergruppen aus Luxemburg und Scherpenheuvel. Aus Altötting war Bürgermeister Herbert Hofauer anwesend. Viele Niederländer waren gekommen, farbenfroh gekleidete Frauen aus Afrika und sogar aus Australien war eine kleine Gruppe angereist. Die Freude und weltweite Strahlkraft des katholischen Glaubens kam an diesem Tag zum Ausdruck.
Petrus spielte bis zum ende der Prozession mit
Obwohl der Wetterbericht für diesen Tag schlecht war, konnte das Pontifikalamt unter blauem Himmel stattfinden und die Prozession blieb genau bis zum Ende trocken. Erst nachdem die Prozession wieder am Kapellenplatz ankam und der Chor „Segne du, Maria“ sang, kam starker Platzregen und viel Wind auf. Das Gnadenbild wurde schnell in der Gnadenkapelle in Sicherheit gebracht und die Teilnehmer flüchteten sich in die Marienbasilika, wo noch Grußworte erfolgten und das Kevelaerer Heimatlied „Wor hör ek t’hüß“ angestimmt wurde.
Schon bei der Marientracht 1992 hatte das Wetter genau bis zum Ende der Prozession gehalten. Die Gottesmutter hat wohl einmal mehr ihren Mantel ausgebreitet.

Der Jubiläumstag begann in der Frühe

Am 1. Juni 1642 war das nicht mal postkartengroße Bild der Luxemburger Madonna, der Consolatrix Afflictorum, durch den damaligen Kevelaerer Pfarrer in den Bildstock eingesetzt worden.  Die Geschichte der Stadt Kevelaer als Wallfahrtsort war damit begründet worden.
Auf den Tag genau 375 Jahre später versammelten sich weit über hundert Menschen in aller Frühe an der Gnadenkapelle, um der Einsetzung des Gnadenbildes zu gedenken. Unter musikalischer Begleitung der Bläser der Basilikamusik unter Leitung von Elmar Lehnen und mit dessen solistischem Gesang feierte Pastor Rolf Lohmann mit beiden Diakonen Jan Klucken und Norbert Reykers sowie Lektor Fabian Plaep und Ministranten um 6 Uhr eine heilige Messe. Gast und Konzelebrant war Erzbischof Laurent Lompo aus Niamey im Niger, der zur Festwoche angereist war.
Ein Altar war eigens für diese Frühmesse vor dem Fenster mit dem Gnadenbild errichtet worden. Die Gnadenkapelle selbst war zuvor durch die Nachbarschaften Basilikastraße und Kapellenplatz festlich geschmückt worden. Unter der Leitung von Birgit Angenheyster, Lucia Jacobs, Ulla Voss und Richard Hoymann hatten die beiden Nachbarschaften grüne Girlanden an den Gittern angebracht. Antonius Siemons und Andreas Thoenissen hatten einen Blumenbogen für das Fenster der Gnadenkapelle entworfen, das mit leuchtendroten Hängebegonien bepflanzt war. Die Paramentengruppe um Sabine Krysmanns hatte weiß-gelbe Stoffbahnen an den Ecken der Gnadenkapelle befestigt. Und auch der Himmel zeigte sich in strahlendem Blau zum Festgottesdienst.
„Wir stehen hier an einer göttlichen, einer himmlischen Stätte“, sagte Pastor Lohmann. „Hier ist der Ort der Begegnung mit Maria und mit ihrem Bild. Dieser Ort ist heiliger Boden, es ist ein Ort mit einer tiefen geistlichen Ausstrahlung.“ Dieser Platz, auf den die Straßen der Umgebung sternförmig zulaufen, sei aber auch ein Ort der Sendung.
Pastor Rolf Lohmann lud dazu ein, alle Sorgen und Nöte des Lebens hier hinzutragen und so als „verlängerter Arm“ des Gnadenbildes zu wirken. „Nicht nur uns soll Maria trösten, auch wir sollen andere Menschen trösten, ihnen dienen und für sie da sein“, sagte der Gesitliche. „Hier ist der Ort der Sendung, das Evangelium in die Welt zu tragen, im Hier und Jetzt den Glauben zu leben und weiterzugeben und zur Neuevangelisierung beizutragen. Uns soll es nicht um unser Ich, sondern um das Du gehen.“
Der Wallfahrtsrektor verwies auf Maria, der es auch nicht um sich selbst gegangen sei. Sie sei immer auf Jesus zentriert gewesen und hielte uns im Gnadenbild ihren Sohn hin. Wahre Marienverehrung gehe immer auf Gott hin getreu dem Wort Mariens: ‚Was Er euch sagt, das tut!’ „Lassen wir uns von ihr inspirieren, damit unser Glaube hell aufstrahlt und lassen wir uns zu Christus führen!“, ermutigte er in seiner Predigt.
Während dieser Messe wurde auch ein neuer Brudermeister aufgenommen. Jan Suchecki bekam den gesegneten Bruderstab überreicht und wurde von Hochmeister Erich Rotthoff und Pastor Rolf Lohmann öffentlich und feierlich in die Bruderschaft der Consolatrix Afflictorum aufgenommen. Bei den vielen Feierlichenkeiten der Festwoche wurde sein Dienst gerne angenommen.