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„Die Jugend hat mich jung gehalten“

Fast sein ganzes Leben lang war Bruder Werner Bölsterling für Jugendliche zuständig. 21 Jahre lang wirkte der studierte Sozialpädagoge als Erzieher auf der Gaesdonck. Danach arbeitete er 13 Jahre als Pastoralreferent in Bocholt und gründete dort auch 1994 die Pfadfinder, die noch heute bestehen. Seit 2012 vollbringt Bruder Werner seinen Lebensabend im Priesterhaus in Kevelaer. Nach zwei Rückenoperationen ist er seit drei Jahren auf einen Rollator angewiesen. „Ohne Rollator könnte ich nicht mehr laufen, aber sonst geht es mir sehr gut. Die Jugend hat mich jung gehalten“, meint der Jubilar lächelnd.  

In Kevelaer war er bis zu seiner körperlichen Einschränkung noch für die Caritas tätig und betreute einen eigenen Bezirk. Nun ist er immerhin noch in der Caritas-Konferenz. „Mehr geht für mich leider nicht, mir fehlt dieser Dienst sehr“, muss er zugeben. Zur Gaesdonck hat er immer noch eine gute Verbindung und 2019 war er noch in Bocholt, um das 25-jährige Bestehen „seiner“ Pfadfinder zu feiern. „Ich bin sehr stolz, dass die jungen Leute sich immer noch treffen. Rund 100 Kinder und Jugendliche, die zum Teil mit mir zusammen angefangen haben, sind heute noch dabei. Das zeigt, dass die Pfadfinder für Jugendliche immer noch sehr aktuell sind.“ 

Und wenn die Bocholter Pilger mit dem Bus nach Kevelaer kommen, dann holt Bruder Werner die fußbehinderten Pilger auf dem Peter-Plümpe-Platz ab, um in Prozession zur Gnadenkapelle zu ziehen, wo er dann eine kleine Andacht hält. Auch mit Rollator lässt er sich diesen Dienst nicht nehmen. Nur im letzten Jahr fielen alle Wallfahrten der Bocholter aus, was Bruder Werner bedauerte. Aber mit Zuversicht und Geduld sieht er einem hoffentlich baldigen normalen Wallfahrtsbetrieb entgegen und freut sich, auch mit Bewegungseinschränkung noch lange im Dienst für die Menschen zu sein.

Fragestunde mit Bischof Lohmann

Judith Simons, Sara Stenmans, Veronika Hartmann, Merle Dankwart und Jakob Verhaeg hatten in der Aula der Gaesdonck die Gelegenheit, mit Weihbischof Rolf Lohmann über das Thema „Glaube ja – Kirche nein?“ zu diskutieren, stellvertretend für viele Jugendliche, die über den Instagram-Kanal der Jugendkirche Münster live zuschauen konnten.

Mit ihrem Format „Ask the Bishop“ („Frag‘ den Bischof“), in dem sich sonst Bischof Dr. Felix Genn den Fragen Jugendlicher stellt, war die Jugendkirche Münster an den Niederrhein ekommen. Da aufgrund der Pandemie die sonst üblichen Jugendgebetsabende nicht durchführbar sind, wurde auf diese Weise die Möglichkeit geschaffen, mit dem Weihbischof über aktuelle Themen zu sprechen. Dass dies auch über Instagram gelang war unter anderem ein Verdienst der bestens vorbereiteten Moderatorin Laura Hofer und von Sam Jesurasa, der den Abend mit moderner Klaviermusik und Gesang musikalisch gestaltete.

Die Schülerin Judith Simons trug ein selbst geschriebenes Gebet vor. Foto: Bistum Münster

Gleich zu Beginn wurde aus der Runde der Jugendlichen deutlich, dass einige zwar auch immer mal wieder gerne in die Kirche gehen, ihr Glaube an Gott davon aber ziemlich unabhängig sei. Dies umso mehr, als die Institution Kirche oft den Eindruck vermittele, Regeln aufstellen zu wollen, die heute von vielen Menschen nicht mehr als zeitgemäß empfunden würden.

Die Kirche brauche eine „schnellere Entwicklung“ und sie müsse „moderner werden“, forderten die Schülerinnen und Schüler vom Weihbischof. „Es ist wichtig für die Kirche, gut hinzuhören, wie Ihr den Glauben seht, wir brauchen die Ideen der Jugendlichen“, antwortete Lohmann den Schülerinnen. „Ich sage ganz ehrlich, dass wir viel Jugendliche verloren haben“, betonte der Weihbischof, „wir brauchen neue Zugänge und müssen jungen Menschen die Gelegenheit bieten, gute Erfahrungen machen zu können.“ Da sei, fügte er selbstkritisch weiter aus, „in vielen Pfarreien noch Luft nach oben“.

Die Möglichkeit, sich frei und offen über den Glauben austauschen zu können sei entscheidend, um Jugendlichen zu ermöglichen, einen eigenen Glauben zu entdecken. Zudem müsse die Kirche Räume schaffen, um Jugendarbeit zu ermöglichen. „Es mangelt an einigen Stellen, manchmal ist es wirklich schwierig“, gab Lohmann zu.

Doch er ermunterte sowohl die Schülerinnen vor Ort als auch die Zuschauerinnen und Zuschauer im Livestream, sich zu engagieren und Stellung zu beziehen: „Es ist wichtig, dass Ihr mit Eurem Bild von Glauben in der Kirche zum Zug kommt.“

„Die Zukunft der Gaesdonck ist sicher“

Der Spar- und Strategieprozess im Bistum Münster stand im Zentrum der gemeinsamen Sitzung des Diözesanrates und des Kirchensteuerrates in Münster.

Die Gremien sprachen sich dafür aus, den Prozess fortzusetzen, der für das Jahr 2025 strukturelle Einsparungen von 32,7 Millionen Euro im Vergleich zum Haushaltsplan 2020 vorsieht.

Ein Sparvorschlag, der von der Bistumsverwaltung gemacht wurde, bezieht sich auf das Internat des Collegium Augustinianum Gaesdonck. Nach dem Vorschlag aus dem Bischöflichen Generalvikariat soll der Zuschuss des Bistums von 468.000 Euro/Jahr künftig eingespart werden. An diesem Vorschlag wurde bereits auf der Sitzung deutliche Kritik geäußert. Im Interview erklärt Weihbischof Rolf Lohmannden Stand der Dinge und gibt Entwarnung.

Herr Weihbischof, nach der Sitzung des Diözesanrates und des Kirchensteuerrates sind Fragen zur Zukunft der Gaesdonck aufgekommen. Müssen sich Eltern Sorgen machen, deren Kinder derzeit das bischöfliche Internatsgymnasium besuchen oder die ihre Kinder zur Gaesdonck schicken möchten?

Rolf Lohmann: Das kann ich ganz klar mit einem „Nein“ beantworten. Die Zukunft der Gaesdonck ist sicher. Das sage ich sowohl als Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Gaesdonck, als auch als Weihbischof für die Regionen Niederrhein und Recklinghausen. Die Bistumsleitung, und allen voran unser Bischof Dr. Felix Genn, steht hinter der Gaesdonck, die sich mit ihrem exzellenten Bildungsangebot weit über die Region hinaus einen Namen gemacht hat. Ich bin zuversichtlich, dass auch die Kinder der heutigen Schülerinnen und Schüler noch den Unterricht an der Gaesdonck genießen können.

Dennoch soll gespart werden, heißt es?

Rolf Lohmann: Zunächst möchte ich mit einem Missverständnis aufräumen. Die im Raum stehenden 468.000 Euro, die das Bistum derzeit jährlich überweist, fließen nicht in den Betrieb des Internates. Dafür gibt es bereits seit vielen Jahren keine Zuschüsse mehr.

Die Betriebskosten des Internates werden ausschließlich aus Stiftungsmitteln und den Beiträgen der Internatseltern erwirtschaftet. Es handelt sich bei dem Geld des Bistums also um Investitionen in die Aufrechterhaltung der Bausubstanz auf dem Campus, insbesondere auch der historischen Gebäude dort. Insofern hat dieses Geld keinen direkten Einfluss auf den Internatsbetrieb und schon gar nicht auf die Qualität des Bildungsangebotes, das wir den Schülerinnen und Schülern bieten.

Richtig ist, dass das Bistum vor einem einschneidenden Spar- und Strategieprozess steht, bei dem alle Ausgaben bistumsweit auf den Prüfstand gestellt werden müssen. Dabei muss natürlich auch geschaut werden, ob es bei den Zuweisungen des Bistums für den Gaesdoncker Campus noch Einsparpotenziale gibt. Das wird mit Augenmaß geschehen und nur in einem dialogischen Verfahren mit den Verantwortlichen, so dass gemeinsam vertret-bare Einsparungspotenziale gefunden werden. Bischof Genn hat jedenfalls direkt klar geäußert, dass er sich den oben genannten Vorschlag zur Einsparung an der Gaesdonck in dieser Höhe nicht vorstellen kann.

Ein klares Bekenntnis zur Gaesdonck also?

Rolf Lohmann: Wir wollen als Kirche weiterhin in der deutschen Bildungslandschaft eine gestaltende Kraft sein. Die Gaesdonck ist eine der wenigen katholischen Exzellenz-Einrichtungen mit überregionaler Bedeutung. Ein Blick auf die jüngsten Zahlen belegt das steigende Interesse an diesem besonderen Bildungsangebot: Gerade die Besuchsform des Internats erfreut sich seit Jahren einer deutlich steigenden Nachfrage. Das ist nicht zuletzt das Ergebnis intensiver Bemühungen, die Gaesdonck als exzellente Bildungseinrichtung bekannt zu machen.

Dabei ist es sehr positiv für uns alle, dass auch internationale Schülerinnen und Schüler das Schul- und Internatsleben bereichern. Rund 20 Prozent stammen aus asiatischen Ländern, sie gehören fest in die Gemeinschaft der Gaesdonck, die von Toleranz und Weltoffenheit geprägt ist. Das ist mir sehr wichtig, damit nicht der Eindruck entsteht, dass die Herkunft der jungen Menschen irgendeine Rolle spielt. Der Eindruck ist bei manchen aufgrund missverständlicher Aussagen bei der Sitzung in Münster entstanden. Das bedaure ich sehr. Also: Ja, das ist ein klares Bekenntnis zur Gaesdonck. Wir sind glücklich, einen solchen Campus auf dem Gebiet unseres Bistums zu haben.