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Silke Gorißen holt in Kevelaer 56,54 Prozent und wird Landrätin

In Kevelaer hatte die CDU-Kandidatin Silke Gorißen die Wahl um 18.40 Uhr gewonnen. Die Uhrzeit markiert die Auszählung der 22 Stimmbezirke in der Wallfahrtsstadt bei der Stichwahl um das Landratsamt. Die Favoritin erhielt demnach 3.885 Stimmen. Konkurrent Peter Driessen konnte 2.986 Wählerstimmen auf sich vereinigen (43,46 %). Die Wahlbeteiligung lag in Kevelaer bei 28,78 %. Auch im Kreis Kleve zeichnete sich zu dieser Urzeit schon ein deutlicher Vorsprung für Silke Gorißen ab. Das Vorläufige Endgergebnis für den Kreis Kleve folgte um 19.39 Uhr, als alle 307 Stimmbezirke ausgezählt waren: 54,21 % für Silke Gorißen, 45,79 % für Peter Driessen. Die Wahlbeteiligung im Kreis lag bei 31,42 %.

Stichwahl entscheidet über zukünftigen Kreis Klever Landrat: Driessen und Gorißen im Interview

Bei den Kommunalwahlen erzielte Silke Gorißen (CDU) mit über 48 Prozent das beste Ergebnis. Der parteilose (von SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern unterstützte) Kandidat Peter Driessen folgte mit 24 Prozent. Am kommenden Sonntag, 27. September 2020, sind Stichwahlen.

Die Interviews führte Alexander Florié-Albrecht.

Peter Driessen

KB: Herr Driessen, welche Impulse können Sie geben, um Kevelaer touristisch mehr ins Blickfeld zu rücken und die Übernachtungszahlen zu verbessern?

Peter Driessen: Neben dem Hotel, das dort von Herrn Zevens konzipiert wurde, muss im Grunde der gesamte Tourismus neu gedacht werden. Ich bin selber Aufsichtsratsmitglied bei der Tourismusagentur Niederrhein in Viersen. Wir stellen da fest, dass coronabedingt viel mehr Menschen zu Hause bleiben und die Schönheit ihrer Umgebung kennenlernen. Diese Schönheit müssen wir mehr vermarkten, den Niederrhein noch ein bisschen mehr pushen und mehr Geld in die Tourismusagentur reinbringen. Davon hat Kevelaer dann auch sehr viel.

Wie werden Sie sich dafür einbringen, den Gastronomen und Einzelhändlern auch in Kevelaer finanziell durch die Pandemie zu helfen?

Noch eine schwere Frage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Hilfsmittel, die Herr Spreen nach draußen gegeben hat, nochmal aufgelegt werden. Wir müssen natürlich dafür sorgen, dass mehr Kontext in den Einzelhandel reinkommt und dass mehr Menschen Gaststätten und Hotels besuchen. Das ist ein unglaublich schweres Moment. Ich kann mir vorstellen, nachdem die Biergärten im Sommer relativ prominent besucht worden sind, dass es sehr schwer ist, die Angst der Menschen zu nehmen, in geschlossene Räume und in die Gastwirtschaft zu gehen. Der Kollege Pusch in Heinsberg hat Maschinen, die Aerosole vernichten. Ich kann mir vorstellen, dass wir als Kreis Kleve mehrere von diesen Maschinen kaufen und dann Gastwirten zur Verfügung stellen, damit beispielsweise wieder eine Hochzeit gefeiert werden kann und größere Veranstaltungen im Rahmen der Corona-Regeln wieder abgehalten werden können. Der Dehoga arbeitet auch an einem TÜV-Siegel, der ein vertrauensbildendes Element ist. Und wenn dann draußen draufsteht „Geprüft vom TÜV“ kann ich mir vorstellen, dass wir dann auch Menschen wieder in die Läden und die Gastronomie hinein bekommen.

Werden alle öffentlichen Gebäude des Kreises, wo es sinnvoll möglich ist, mit Solarpaneelen ausgestattet werden?

Ich habe es in Bedburg-Hau auf den Dächern installieren lassen, wo die meisten Sonnenstunden sind. Ich werde dafür sorgen, dass da Photovoltaik draufkommt – und nicht nur Photovoltaik. Ich bin bei einer wasserstoffverarbeitenden Firma in Weeze gewesen. Ich kann mir vorstellen, dass das als Speichereinheit zusätzlich genutzt werden kann, um den Photovoltaik-Strom auch langfristig zu binden.

Werden Sie alle Busse im Kreis Kleve mit Wasserstoff ausstatten lassen?

Ich hätte gerne ein Konzept, das ganz neu gedacht wird, der gesamte Nahverkehr neu gedacht wird. Es gibt Busse, die auf Wasserstoffbasis arbeiten und die entsprechenden Züge werden schon in Niedersachsen und Hessen eingesetzt. Wir sprechen von Elektrifizierung der RE10-Strecke, da kann ich mir auch Wasserstoff als Ersatz-Antriebsart ohne Weiteres vorstellen. Und ich würde mit der NIAG und den Linien darüber sprechen wollen, alternative Energien einzusetzen. Das ist der Sprung, den wir brauchen, um die Umwelttechnik nach vorne zu bringen.

Inwieweit werden Sie sich für eine flächendeckende Infrastruktur mit E-Ladestationen und einen Ausbau des Radwegenetzes einsetzen?

Ich habe mir mehrere Strecken angesehen, wo es möglich wäre, Fahrradschnellstraßen zu konzipieren, die weg von einer Straße sind und nicht neben einer Straße laufen, die zum Beispiel Geldern mit Rheurdt verbinden (…). Das ginge vielleicht auch von Kevelaer nach Weeze. Dafür werde ich mich deutlich einsetzen. Aber ich möchte den Nahverkehr neu denken, ihn bedarfsgerechter fahren lassen, ein Konzept entwickeln, das den Namen Nahverkehrskonzept auch wirklich verdient. Wir müssen sehen, ob wir sowas wie „taxi-on-demand“ reinbringen und das vom Fußgänger, Radfahrer bis Bus und Bahn über den straßengebundenen Verkehr neu regeln.

Wie stehen Sie zur Überführung der Schienenstrecke RE10 in die Trägerschaft aus Kreis und Kommune, die NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst in Kevelaer angeregt hat?

Ich bin sehr dafür, dass in den RE10 auch kommunales Geld fließt. Wir müssen gucken, dass wird da mit Hendrik Wüst an einen Tisch kommen, um genau das zu schaffen, weil wir in Konkurrenz zu anderen Kreisen stehen, die ähnliche Bahnstrecken haben. Und die Fördermittel, die gerade im Land existieren, die können in 2024 bis 2027 nur ein einziges Mal in einen Kreis fließen. Da müssen wir sehen, dass wir schneller sind. Und wenn wir Wüst damit locken können, dass ein Teil der Kosten, die vom Land getragen werden, von uns auch selbst bezahlt werden, dann sind wir da auf einem guten Weg.

Welche Zukunft soll nach Ihrer Vorstellung der Weezer Flughafen haben?

Das ist eine schwere Frage. Ich halte ihn in manchen Dingen für wichtig. Seitdem es Parookaville gibt, weiß jeder, wo Weeze und der Kreis Kleve liegen. Wir merken auch im Tourismus, dass vor Corona auch Menschen in den Kreis Kleve reinkamen. Er hat Arbeitsplätze, die wir dringend brauchen. Meine Aussage ist und da bleibe ich bei: keine Subventionen mehr für den Flughafen. Ich werde sehen, dass eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft darüber guckt, welche Erfolgsaussichten der Flughafen noch haben kann.

Welche weiteren Anreize sollte der Kreis für die Ansiedlung von Ärzten geben?

Wir in Bedburg-Hau gehen hin, haben da ein zentrales Grundstück „bevorratet“ – Wert des Grundstückes pro Quadratmeter 150 Euro. Ich habe dann mit Banken, Projektentwicklern, Steuerberatern gesprochen. Wenn ein Arzt kommt, kostet das Grundstück nur noch 100 Euro, wenn zwei kommen 50 und vier Ärzte 25. Wir haben da zwei Interessensbekundungen gehabt, die erfolgversprechend sind. Das könnte ein Modell sein. Der Kreis macht weiter Förderung der Medizinstudenten, die sich danach verpflichten, so und solange im Kreis zu bleiben. Das ist eine Sache, die erst in acht oder zehn Jahren sichtbar wird. Wir müssen gucken, dass wir da schneller sind. Ich kann mir auch vorstellen, da selbst Ärzte anzustellen – das geschieht zum Beispiel in Büsum oder auf Rügen. Die Kommunen dort haben das gemacht, die werden gut bezahlt und können sich drauf verlassen, dass sie einen Acht-Stunden-Job haben. Das könnte der Kreis machen – vielleicht auch in Verbindung mit den Kommunen. Das müssen wir in Verbindung mit der Politik, den Bürgermeistern vor Ort machen, damit wir Ärztehäuser gründen.

Würden Sie sich für einen Kleinkaliber-Sportleistungsstützpunkt Kevelaer einsetzen?

Ja. Ich möchte mindestens einen, wenn nicht sogar mehrere Leistungsstützpunkte im Kreis nach vorne bringen. Das habe ich beim Kreissportbund schon versprochen (…). Und den Spitzensportlern kann nicht zugemutet werden, mehrere Stunden im Auto zu sitzen, um irgendwo hinzufahren, wo sie trainiert werden. Ich möchte das Training vor Ort, damit die jungen Menschen wesentlich mehr Zeit haben, Schule zu machen und den Sport in Gänze auszuführen.

Was tun Sie als Erstes, wenn Sie Landrat geworden sind?

Mich bei allen Leuten bedanken, die mich unterstützt haben und eine Flasche Bier trinken.

Und was tun Sie, wenn Sie es nicht werden?

Dann werde ich mich trotzdem bedanken für die Unterstützung, die ich bekommen habe, und zwei Flaschen Bier trinken.

Die gleichen Fragen stellten wir Silke Gorißen:

Silke Gorißen

KB: Frau Gorißen, welche Impulse können Sie geben, um Kevelaer touristisch mehr ins Blickfeld zu rücken und die Übernachtungszahlen zu verbessern?

Silke Gorißen: Um die Übernachtungszahlen zu verbessern, muss man gemeinsam mit Hoteliers und denen, die Ferienwohnungen anbieten arbeiten. Dazu sollte man eine Broschüre digital und in Papierform auflegen, wo wir den Kreis insgesamt bewerben – mit Sehenswürdigkeiten, Gastronomie, Natur und Ausflugstipps. Wenn wir den Kreis da so vermarkten können mit den bestehenden Angeboten, dann muss da auch Kevelaer seinen Platz finden, weil Kevelaer ganz spezielle Angebote vorhält. Das müssen wir vom Kreis aus machen. Die Leute kommen nicht nur für eine Stadt oder Gemeinde in den Kreis Kleve, sondern wir wollen versuchen, dass sich die Menschen mindestens für ein, zwei Übernachtungen und mehr aufhalten (…).

Wie werden Sie sich dafür einbringen, den Gastronomen und Einzelhändlern auch in Kevelaer finanziell durch die Pandemie zu helfen?

Da kann ich, ohne dass man Zahlen kennt und wir wissen, wo wir finanziell stehen und am runden Tisch miteinander gesprochen haben, wie die Zahlen aussehen und was von dem Dehoga zurückgemeldet meldet, nichts zu sagen. Ich hielte es auch für falsch, finanzielle Zusagen zu treffen. Wir werden Geld in die Hand nehmen müssen, was die Förderung der Wirtschaft angeht. Aber da schiele ich, muss ich ehrlich sagen, erstmal darauf, was Land und Bund mit weiteren Förderprogrammen machen, was da aufgelegt wird, was unseren Gastronomen helfen kann. Wir dürfen nicht den Fehler machen, Land und Bund aus der Pflicht zu entlassen, und wir stemmen alles auf Kreisebene. Und wir müssen gucken, welche Möglichkeiten es in der schweren Corona-Zeit gibt, die die Gastronomen mit enormer Härte trifft. Wir müssen Lösungsmöglichkeiten finden, Menschen in die Gastronomie reinzubekommen (…). Das wird nicht nur über finanzielle Möglicheiten gehen. Da muss man überlegen, was da umsetzbar ist – vielleicht über Gutscheinaktionen (…). Das ist nicht so einfach, weil wir unter Corona weiter Bedingungen haben werden, wo es wahrscheinlich ist, dass Gastronomen nicht komplett Tische freigeben können, alles öffnen und Abstandsregeln einhalten müssen. Das muss man in der ganzen Gruppe überlegen.

Werden alle öffentlichen Gebäude des Kreises, wo es sinnvoll möglich ist, mit Solarpaneelen ausgestattet werden?

Das muss komplett durchgeprüft werden. Ich habe im Wahlprogramm als eines meiner Ziele den klimaneutralen Kreis Kleve beschrieben. Dazu gehört energetische Sanierung der Gebäude und zu prüfen, ob da, wo es sinnvoll ist, Solarpaneele aufgesetzt werden können. Das hängt davon ab, ob sie das tragen können, in welche Himmelsrichtungen sie zeigen. Das ist ein wichtiges Ziel, das da zu handhaben, wo es möglich ist.

Werden Sie alle Busse im Kreis Kleve mit Wasserstoff ausstatten lassen?

Die Busse werden von den Unternehmern gestellt, die im Rahmen der Ausschreibung Vertragspartner werden. Die müssen die Fahrzeuge selbst anschaffen und da muss man sehen, was es da am Markt gibt. Wenn ich überall Busse habe, die Wasserstoff fahren, würden dazu auch die Tankstellen fehlen. Das ist die Technologie der Zukunft und ich halte sie für sehr wichtig, weil die E-Mobilität auch Probleme mit sich bringt, zum Beispiel was mit ausgedienten E-Autos passiert. Und das muss finanziert werden. Der Kreis kauft nicht Busse, das ist ein Prozess, der mit den Unternehmern durchlaufen werden müsste. Wenn das irgendwann so käme, wäre das ein Riesenschritt.

Inwieweit werden Sie sich für eine flächendeckende Infrastruktur mit E-Ladestationen und einen Ausbau des Radwegenetzes einsetzen?

Da ist der Kreis Kleve im Spiel, was die Kreisstraßen angeht. Das müssen wir ausbauen und klare Alternativen schaffen zu reinen Autostraßen. Wir sehen, dass E-Mobilität bei Rädern stark zunimmt. Und wenn wir wollen, dass die Menschen nicht nur in der Freizeit, sondern im täglichen Bereich – zur Schule, Richtung Arbeit – auf das E-Bike umsteigen, müssen wir die Voraussetzungen schaffen. Da sind wir auf einem guten Weg, dass es da entsprechende Förderprogramme geben wird. Ich halte das für das absolut richtige Signal für die Zukunft.Und die Gemeindestraßen, wofür die Kommunen zuständig sind, da denke ich, werden die Kommunen sehen, was machbar ist. Das muss erstmal alles vernünftig geplant werden, wo die Streckenführung das zulässt. Das sind ja große Prüfungsverfahren. Es wäre gut, da in gutem Kontakt mit den Städten und Gemeinden für ein gemeinsames Konzept zu sein.

Wie stehen Sie zur Überführung der Schienenstrecke RE10 in die Trägerschaft aus Kreis und Kommune, die NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst in Kevelaer angeregt hat?

Das finde ich einen sehr interessanten Gedanken. Wir sind da verabredet, das zu beleuchten und zu prüfen, wenn der Wahlsonntag vorbei ist und ich im Amt sein sollte.

Welche Zukunft soll nach Ihrer Vorstellung der Weezer Flughafen haben?

Da sieht es im Moment so aus, dass er massiv unter der Coronakrise zu leiden hat. Wir wissen alle nicht, wie sich der Flugverkehr in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln wird. Es gibt auf Landesebene keinen Gutachter, der da eine Prognose wagt.  Das wird davon abhängen, wann es einen Impfstoff gibt und wann man reisen können wird (…). Ich hielte es für falsch, zum jetzigen Zeitpunkt dazu eine Aussage zu treffen, weil wir sie nicht treffen können. Wir müssen sehen, wie die nächsten Monate laufen und dem neuen Geschäftsführer des Flughafens die Möglichkeit geben, neue Konzepte zu entwickeln und vorzustellen. Der Flughafen hat aktuell nicht nach Geld gefragt. Wenn das der Fall ist, werden sich Verwaltung und Kreistag damit befassen müssen, sich eine Meinung dazu bilden und beschließen müssen. Ich halte es für schwer vorstellbar, dass der Flughafen dauerhaft an einem finanziellen Tropf hängen wird. Er darf kein Fass ohne Boden werden. Ich hoffe, dass der Flughafen die Krise schafft.

Welche weiteren Anreize sollte der Kreis für die Ansiedlung von Ärzten geben?

Wir versuchen da im Moment schon eine Menge mit dem Stipendienprogramm. Das müssen wir beibehalten mit den Kliniken und dem LVR. Wahrscheinlich werden wir nicht drumherum kommen, weitere Anreize für junge Ärzte zu schaffen, weil uns ein Stück weit die Zeit davonläuft. Die ärztliche Nahversorgung wird sich weiter zuspitzen und ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nicht noch zusätzliche Förderprogramme überlegen müssen für den Kreis, um junge oder ältere Mediziner herzuholen. Ich glaube, der Weg wird auch dahin gehen, Anreize für Ärztehäuser zu schaffen, wo sich Fachärzte zusammentun, um Kosten zu sparen (…).

Würden Sie sich für einen Kleinkaliber-Sportleistungsstützpunkt Kevelaer einsetzen?

Das muss man durchprüfen. Mit dem Gedanken müsste ich mich näher befassen. Da darf es kein Denkverbot geben, ob das nicht eine gute, attraktive Sache für Kevelaer wäre.

Was tun Sie als Erstes, wenn Sie Landrätin geworden sind?

Wenn ich die Wahl schaffe, dann werde ich erst mal mit meinen Unterstützern feiern. Es wird ein kleinerer Kreis wegen Corona sein. Aber an dem Abend in Kleve, wo der CDU-Bürgermeisterkandidat Wolfgang Wehling sein wird, werden wir ganz sicher anstoßen, wenn es so kommt.

Und was tun Sie, wenn Sie es nicht werden?

Dann würde ich mir wünschen… (überlegt kurz). Den Gedanken kann ich eigentlich nicht zulassen. Da denke ich nicht dran. Ich denke nur daran, dass wir da schön feiern können und das gut verläuft.

„Ein Hammer-Ergebnis, mit dem ich nicht gerechnet habe”

Es war um kurz nach zehn, als Wahlleiter Ludger Holla den alten und neuen Bürgermeister Dominik Pichler und seinen Herausforderer Mario Maaßen von der CDU auf das Podium des Konzert- und Bühnenhauses holte. Er bedankte sich bei beiden für den „fairen Wahlkampf“, was angesichts solcher Beispiele wie Xanten nicht unbedingt selbstverständlich sei. Kurz zuvor hatte er das vorläufige amtliche Endergebnis der Bürgermeisterwahl verkündet, das mit 77,69 Prozent für Pichler das zweitbeste Ergebnis aller Bürgermeister im Kreisgebiet darstellt. Bei seiner Dankesrede wurde deutlich, dass Pichler die Bedeutung dieses besonderen Wahlergebnisses schon erfasst, aber nicht so ganz begreifen konnte. „Es ist einigermaßen unfassbar, was da abgestimmt wurde. Ein Hammer-Ergebnis, mit dem ich nicht gerechnet habe. Jetzt gehe ich erstmal ein Bier trinken.“

Vor drei Tagen habe er noch mit Jörg Ambroz von der CDU spekuliert. „Da haben wir von ganz anderen Zahlen geredet, wir lagen beide weit daneben.“ Ein Ergebnis wie dieses „erfüllt mich mit Freude, mit Stolz, aber auch mit Demut, weil der Bürger ein klares Votum abgegeben hat, was er will.“ Vor fünf Jahren sei er noch mit einer Hypothek gestartet, weil damals „klar kommuniziert worden ist: Junge, du bist gewählt worden, weil wir den Alten nicht wollten.“ Da wisse man nicht so ganz genau, „ob das, was man tut, gut ist und vernünftig ist und von den Menschen so gewollt wird.”

Letztendlich habe der Bürger sein Votum abgegeben. „Und das ist das, wofür wir den ganzen Kram hier machen – für die Bürger. Wenn die Bürger sagen, das passt, dann ist es richtig. Wenn sie sagen, es passt nicht, ist es nicht richtig.“ Er dankte den Wählern ausdrücklich für das Vertrauen, wobei er den Stimmbezirk Wetten II ausnahm. „Da habe ich vor fünf Jahren mit 29 zu 71 auf die Birne gekriegt, das hat weh getan. Und jetzt ist es wieder das schlechteste Ergebnis mit 70 Prozent“, scherzte er. Und sein Dank ging ausdrücklich an seine Frau, die aktiv mitgewirkt hatte und „in den letzten Wochen einen sehr monothematischen Mann ertragen musste.” Das sei nicht leicht, wenn man dann noch sechs Kinder hat. „Das ist auch Familiengefüge, das besteht neben dem Job.“

Jetzt stehe noch viel Arbeit vor ihm und dem Rat, blickte er voraus. „Da kann ich nur hoffen und dafür plädieren, dass wir weiter im Gespräch bleiben und uns miteinander unterhalten und nach richtigen, guten Wegen suchen und sie finden“, bot er erneut die überparteiliche Zusammenarbeit aller Fraktionen in Sachfragen an. „Ich sehe die Verantwortung und ich sehe, was auf mich zukommt.“

Mario Maaßen und Dominik Pichler.

Er dankte auch seinem Konkurrenten Mario Maaßen für den fairen Wahlkampf, den man sich auch „in die Hand versprochen“ habe. „Es muss ja irgendwie weitergehen. Und das geht nicht, wenn man sich vorher in die Schnauze haut. Und das haben wir nicht, und das ist gut so.“ Dann wandte er sich überraschend an die CDU. „Und ich kann nur hoffen, dass mein Gegenkandidat, der den Arsch in der Hose hatte, zu sagen, ich trete an, dass der bitte nicht nach den üblichen politischen Gegebenheiten in den Orkus gejagt wird. Denn das ist einer von den Gescheiten, mit dem ich gerne weiter zusammenarbeiten möchte“, zeugten diese Sätze von hohem Respekt und Wertschätzung.

Auch Mario Maaßen bewies in der Niederlage Größe. „Das war eine respektable Leistung“, erkannte er den Triumph des Amtsinhabers an. „Wer sich zur Wahl stellt, muss damit rechnen, dass er einen auf die Mütze bekommt, das habe ich heute ganz gewaltig. Aber ich wäre kein Niederrheiner, wenn ich nicht damit umgehen könnte. Ich schlafe eine Nacht drüber und morgen wird die Sache schon wieder ganz anders aussehen. Und ich denke, dass ich nicht den Kopf in den Sand stecken werde, sondern genauso da weitermache, wo ich zuletzt aufgehört habe.“ Das verband er allerdings auch mit einer klaren Warnung an Pichler. „Allerdings für Dich heißt das, du hast die nächsten fünf Jahre immer jemanden im Nacken. Das wird gut klappen, in dem Bereich sind wir alle für Kevelaer unterwegs. Wir haben uns immer gut gestritten, und wir sind immer dann ein Bierchen trinken gegangen. Und das soll auch so bleiben. Viel Glück.“

Gegenüber dem KB meinte Maaßen ergänzend„Wir haben mit Dr. Pichler ja keinen Schlechten, ich weiß die Stadt in guten Händen. Jetzt baue ich darauf auf.“ Was den zukünftigen Rat angeht, „der wird natürlich aufgepumpt. Wir haben zwar alle Direktmandaten gezogen, aber sind prozentual gefallen, werden Überhangmandate bekommen und über 40 Leute in den Rat.“ Was seine Position angeht, machte er deutlich: „Ich bin sowieso bis zum 1.11. Fraktionsvorsitzender, und dann muss das die Fraktion neu bestimmen. Ich bin kein Typ, der aufgibt.“

CDU setzte sich durch

Bei der Wahl zum Rat wurde deutlich, dass es keine politische Kraft gibt, die alleine durch regieren kann. Stärkste Partei wurde die CDU, die zwar fast alle Direktmandate holte (im Wahlbezirk 3, Kevelaer Nord II ging eines an Jan Ehren, KBV), mit 40,53 Prozent der Stimmen aber Verluste von 4,71 Prozent zu verzeichnen hat. „Das Ziel ist nicht ganz erreicht, die 45 Prozent zu halten“, sagte der kommissarische Vorsitzende der CDU Kevelaer, Michael Kamps. „Wir müssen analysieren, warum. Das ist nicht ganz das Ziel, was ich mir erhofft hatte.“

Die Kandidatur von Mario Maaßen sei „nicht erfolgreich“ gewesen. „Wir haben ihn aufgestellt. Und das Ergebnis ist zu respektieren.“ Ob der Schritt, ihn aufzustellen, ein Fehler war? „Es war kein Fehler“, antworte er nach langem Zögern, „aber es stellte sich auch nicht die Frage. Eine Mitgliederversammlung hat gesagt, sie will einen Kandidaten. Und man kann sich darüber nicht hinwegsetzen.“ Mario Maaßen sei „ein gutes und wichtiges Mitglied der CDU-Familie in Kevelaer. Er muss das Ergebnis erstmal auf sich wirken lassen. Ich zähle fest auf Mario, schauen wir mal, in welcher Funktion. Und vor allem muss er selber sagen, was er will. Das Ergebnis hat nichts mit der Position in der Partei zu tun.“

Die Wahlergebnisse wurden parallel über unterschiedliche Kanäle verfolgt.

Was die weitere Arbeit im Rat anbetrifft, zeigte er sich gesprächsbereit. „Wir haben im letzten Rat auch nicht die absolute Mehrheit gehabt und sind mit den anderen Parteien zurechtgekommen. Man muss sehen: Welche Leute sind bei welchen Parteien dabei? Das muss man erstmal sacken lassen.” Ob das Votum des früheren Stadtverbandsvorsitzenden Paul Schaffers der Partei geschadet hat? „Die Einstellung war vielen Leuten bekannt. Er hat nichts Neues erzählt. Ich denke nicht, dass er der Partei geschadet hat. Wir haben ja in unserem Wahlprogramm drin, dass es bei uns eine Meinungsvielfalt gibt und wir die aushalten können. Das wird die Zukunft jetzt zeigen.“

Jutta Bückendorf, Vorsitzende der CDU im Ortsverband Kevelaer-Mitte, meinte: „So wie es aussieht, sind wir die stärkste Fraktion, also werden wir auch Politik machen. In den größten Teilen der Entscheidungen sind wir nah beieinander, in den strittigen Punkten muss man gucken, ob man Partner findet. Und die Frontalstellung ‘Alle gegen die CDU’ wird sich nach der Wahl wieder auflösen. Pichler hatte den Amtsbonus und war präsenter als alle anderen Kandidaten.“ Friktionen habe es im Wahlkampf nicht gegeben. „Und was von außen kam, keine Ahnung, wie groß der Eindruck da ist. Wir hatten den Eindruck, dass die letzten beiden Querschläger keine große Auswirkungen gehabt haben“, war sie beim Thema Paul Schaffers eher kurz angebunden. „Paul kennt mich gut genug, um zu wissen, wie ich das einschätze. Und damit wissen das genug Leute.“

Schaffers selbst verfolgte den Wahlabend „als Zivilist“ vor Ort mit. „Ich finde es als CDU-Mitglied schade, dass die CDU Stimmen verloren hat. Sich zu Maaßens Ergebnis zu äußern, das „steht mir nicht zu“, machte er deutlich. Dass der richtige Bürgermeister gewählt worden sei, „da stand ich ja zu. Ich habe als normaler Bürger und Unternehmer meine Stimme dazu abgegeben. Dass ich noch CDU-Mitglied bin, ist was anderes. Aber ich glaube, dass schon ganz viele Leute nicht mehr wussten, wer ich eigentlich war, wenn ich aktiv war. Die Welt ist sehr schnelllebig. Und ob alle wussten, was ich vorher gemacht habe, weiß ich nicht.“

Matthias Wirth, CDU-Kreistagsmitglied, meinte: „Die Anspannung ist riesig gewesen. Ich bin froh, dass es von Kreistagsseite für Frank Tunnissen und mich gut aussieht. Und was mich freut, ist das Landratsergebnis, auch wenn wir nicht sicher wissen, was es wird. Für Mario tut es mir sehr, sehr leid.“

Kein Bürgermeisterbonus für die SPD

Karin Raimondi von der Kevelaerer SPD musste mit ihren GenossInnen einen Verlust von 3,16 Prozent verkraften. Die SPD liegt jetzt bei 17,76 Prozent. „Es ist enttäuschend, dass die Wähler nicht honorieren, was man macht. Die wählen Schwarz, und gibt es Probleme, stehen sie bei uns vor der Tür.“ Warum der Bürgermeisterbonus bei der SPD nicht angekommen sei, wusste auch Raimondi nicht zu sagen. „Das verstehe ich auch irgendwo nicht. Er kommt ja von uns. Wir haben ihn ja da hingesetzt, wo er jetzt ist. Der Aderlass der beiden zu den grünen abgewanderten Ex-SPDlern Brigitte Middeldorf und Björn Völlings habe sicher Stimmen gekostet. „Aber wir sind ja nicht die einzige SPD, die diesen Verlust erleidet.“

Szenen aus dem Bühnenhaus…

Der stellvertretende Bürgermeister Norbert Baumann sah das etwas entspannter. „Ich persönlich bin sehr zufrieden mit 35 Prozent. Wir hätten mehr holen können, auch müssen – bei dem, was wir die letzten fünf Jahre geleistet hatten“, sagte er, sah das aber nicht als „Beinbruch“ an. „Das Ziel war Halten, das haben wir nicht ganz geschafft. Wir haben viele junge Leute neu dabei, die sich einarbeiten müssen. Das kommt wieder.“

Die KBV, bislang drittstärkste Partei im Rat, büßte 2,44 Prozent ein und liegt jetzt bei 13,45 Prozent. Johann-Peter van Ballegooy, ebenfalls stellvertretender Bürgermeister, fiel es nicht leicht, das einzuordnen. „Schwer zu sagen, woran es gelegen hat. Wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Der Wähler hat entschieden. Damit müssen wir leben. Mal sehen, wie die Karten gemischt werden.“ Online sei seine Partei „sehr präsent“ gewesen. „Daran haben wir gearbeitet, weil es für die jungen Leute ein verpflichtender Faktor ist. Wir haben Flyer verteilt und Wahlzeitungen, am Stand waren wir vertreten und es waren genügend Leute da.“ Es gehöre zur Geschichte der KBV, dass es mal nach oben, mal nach unten ginge. „Diesmal haben wir einen Kurs nach unten. Jetzt muss die neue Mannschaft weitermachen. Als Partei könne man sich nur für Kevelaer positionieren. „Das hat den Nachteil, dass es keine Kontakte zu überörtlichen Gruppierungen und Stellen gibt.“

Ein Wahlsieger in Kevelaer sind die Grünen, die ihren Stimmenanteil um fast sechs Prozent auf 17,99 Prozent steigern konnten und erstmals den Stimmen nach vor der SPD an Position zwei liegen. „Megagut, wenn man überlegt, wo wir herkommen, auch als durchaus polarisierende Partei“, freute sich Ulrich Hünerbein-Ahlers über das Ergebnis. Themen wie Umweltschutz, Naturschutz oder der Peter-Plümpe-Platz, „wo wir gesagt haben, wir wollen die radikale Lösung mit einer Tiefgarage mit Parkplätzen, einen Park und Aufenthaltsqualität“, das habe die Wähler bewegt.

Und auch die FDP verbesserte mit 10,28 Prozent ihren Stimmenanteil um 4,35 Prozent. „Wir sind sehr zufrieden“, meinte der Ortsverbandsvorsitzende Jan Itrich. „Wir haben uns in allen Wahlbezirken verbessern können, in einigen erheblich. Wir sind froh über das deutliche Ergebnis von Dominik Pichler. Bei der Landratswahl sieht es schwieriger aus. Für Kevelaer sind wir sehr zufrieden.“ Er sprach von einem guten Wahlkampf seiner Partei, die „den Generationswechsel vollzogen hat und beim Austausch von Jung / Alt ein ausgewogenes Team aufgestellt hat. Wir hatten ein Wahlprogramm, mit denen wir konkrete Projekte für Kevelaer umsetzen wollen. Das ist beim Wähler gut angekommen. Wir müssen gucken, wieviele Leute in den Rat rein kommen und versuchen, für unsere Anliegen Mehrheiten zu suchen.“

Stichwahl mit Silke Gorißen und Peter Driessen

Was die Landratswahl anbetrifft, zeigte sich an dem Abend ein deutlicher Vorsprung der CDU-Bewerberin Silke Gorißen mit 48,68 Prozent, die in der Stichwahl gegen den von SPD, FDP, Grünen und Freien Wählern unterstützten Kandidaten Peter Driessen (24 Prozent) antreten wird. Knapp hinter ihm landete Guido Winkmann mit 23,09 Prozent.

Der in Kevelaer anwesende Driessen zeigte sich enttäuscht. „Nach den Zahlen der Unterstützer hätte ein deutlich anderes Ergebnis kommen sollen. Wir müssen analysieren: Woran liegt das? Haben wir vergessen, was zu kommunizieren? Winkmann habe ich ehrlich gesagt schwächer eingeschätzt – ohne Unterstützer und ganz kurz vorher raus, dass er so viele Stimmen auf sich vereinigt.“ Er habe nicht damit gerechnet, so weit zurück zu liegen. „Wie wir uns anders aufstellen, darauf habe ich noch keine Antwort.“ Die Diskussionen um die Stelle seiner Frau beim Kreis habe keinen Einfluss gehabt. „Das glaube ich nicht, weil die Hälfte der Leute das Ganze per Briefwahl gemacht haben. Da kriegen Sie keinen Umschwung mehr hin. Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.“

Der SPD-Kreisvorsitzende Norbert Killewald aus Kevelaer hatte für seine SPD Verluste zu beklagen und das Driessen-Ergebnis zu verdauen. „Im Kreistag wird es nochmal bunter, aber leider grüner. Die SPD wird nur dritte Kraft sein, das ist kein guter Tag für die Sozialdemokraten. Die SPD im Kreis Kleve bricht sonst die Trends, bei der Europawahl und der Bundestagswahl war das anders. Das ist erstmals der Tag, wo wir das abbekommen.“ Was in Sachen Landrat schief gelaufen sei, „das werden wir morgen um 7.45 Uhr mit Grünen, FDP und Freien Wählern und Driessens Wahlkampfleiter besprechen. Da werden wir beraten, wie wir das gedreht kriegen.“ Zu möglichen Debatten um den SPD-Kreisvorstand sagte er: „Wir haben als SPD im Vorstand gesagt, wir machen erst Kommunalwahl und dann die Personen. Ich weiß, was ich tun werde, aber das werde ich erst dem Vorstand sagen.“

Die Kreis-Grüne Birgitt Höhn freute sich für ihre Partei kreisweit und in Kevelaer über ein „fulminantes Ergebnis. In Straelen sind wir weit vorne, im Kreistag haben wir uns fast verdoppelt. Dass wir gut abschneiden, war zu erahnen – dass wir uns verdoppeln, etwas weniger.“ In Sachen Landratswahl klang sie optimistischer: „Da ist noch gar nichts schief gelaufen. Die CDU hat im Kreis verloren. Wenn die Stichwahl da ist, ist die Stichwahl da. Dann ist es der Etappensieg, und den setzen wir im Team weiter um.“

Viel Zuspruch für den Sport

Rund 70 Zuhörer – zumeist aus der Politik sowie dem Sport – waren ins Bühnenhaus gekommen, um am Dienstag die drei Landratskandidaten Peter Driessen (parteilos), Silke Gorißen (CDU) und Guido Winkmann (parteilos) zur Bedeutung des Sports und seiner Förderung im Kreis zu hören. Moderator Christoph Kepser wies zu Beginn darauf hin, dass der mögliche Vierte im Bunde, der AfD-Kandidat Friedrich Eitzert, sich entschuldigt habe. Er sei im Urlaub.

In seinem Grußwort sprach der Kevelaerer Bürgermeister Dominik Pichler von einer „sportlichen Auseinandersetzung“, wo „alle auf Sieg spielen“. Er gehe von einem Spiel aus, „das nach 90 Minuten nicht entschieden“ sei, aber trotzdem „hoffentlich viel Leidenschaft“ bei den Beteiligten zeigen werde.

Der Kreissportbund als Veranstalter sei „politisch, aber nicht parteipolitisch“, unterstrich dessen Vorsitzender Lutz Stermann. In keiner der Publikationen des Kreises würden die 7000 Ehrenamtlichen der Vereine angemessen gewürdigt. Man habe sich daher entschlossen, an die Politik „stärker ranzugehen“.

Der passionierte Tennisspieler Peter Driessen präsentierte sich als „führungs- und verwaltungserfahrener“ Bürgermeister, der gewohnt sei, Entscheidungen zu treffen. Er wolle „Mobilität grüner machen“, Punkte wie bedarfsgerechte Ärzteversorgung und Pflege gewährleisten, die Verwaltung als „bürgernahe Service-Einrichtung“ führen und als Ansprechpartner „auf Augenhöhe“ gesehen werden.

Die als Kind Ballett tanzende Silke Gorißen sprach von einer „großen To-Do-Liste“, von der „wirtschaftlichen Stärkung des Kreises“, dem Erhalt der „hohen Lebensqualität“, von Versorgung und Tourismus, der Sicherheit über die Kreispolizei und Sport als „weichem Standortfaktor“, der Wertschätzung verdiene.

„Viele motzen und meckern, aber keiner macht es selbst“, erhielt Bundesliga-Schiedsrichter Guido Winkmann Applaus für seinen Ansporn sich zu bewerben. Er wolle „für alle 16, mit allen 16“ Kommunen arbeiten und dafür sorgen, dass die gute Idee einer Stadt und eines Vereins von der anderen Stadt oder dem Verein übernommen werden könne.

Danach stellte Kepser Fragen zum Sport im Kreis. Ob es einen eigenen Sportausschuss im Kreis geben soll, da zeigte sich Gorißen vorsichtig. „Das ist eine gute Idee, aber nicht extra einen Ausschuss für Sport“, sah sie ihn im Kontext mit Freizeit oder Schule besser aufgehoben. Für Winkmann sei das eine „Frage der Parteien“, die vielleicht wirklich auch mal „sachkundige Bürger“ dazu beriefen. Peter Driessen gab ein „klares Ja“ für einen solchen Ausschuss ab – allerdings in Zusammenhang mit Kultur und Ehrenamt und mit dem Kreissportbundvorsitzenden als „natürliches Mitglied von Geburt an“.

In dieser Konstellation bewegte sich der ganze Abend: der sportidealistisch denkende, engagiert argumentierende Winkmann, die differenziert und sich erst gegen Ende verbindlicher äußernde Gorißen und der aus seiner Praxiserfahrung heraus konkret argumentierende Driessen.

Im Jugendhilfeausschuss sollte der Kreissportbund nicht vertreten sein, weil er selbst Geldnehmer sei, aber über den Ausschuss Geld gebe, sagte Driessen. Bei dem Aufbau eines Sportentwicklungsplan in den einzelnen Kommunen solle der Kreis als Koordinierungsbehörde zur Verfügung stehen, meinte Winkmann. Man dürfe „nicht in die Kommunen hineinregieren“ und Vorgaben machen, mahnte Gorißen dabei. Jede Kommune sei anders aufgestellt.

In Sachen “Übungsleiter” gelte es Vereine und Schulen zusammenzubringen, um zu sehen, wo man in der Grundschule oder dem Nachmittagsprogramm Sportangebote schaffen könne, meinte die CDU-Politikerin. Bei den Kosten für die Übungsleiter müsse der Kreis Geld zur Verfügung stellen.

Beim Thema “Schwimmen” gebe es mehr Bedarf als Angebot, müsse man die Kurse in den Hallenbädern von den diversen Anbietern platziert bekommen, meinte Gorißen. Die Hallenbäder müssten ihr Angebot ausweiten. „Das hängt aber auch ab vom personellen Angebot.“ Der Kreis müsse mit den Gemeinden dafür sorgen, dass Kinder schwimmen lernen, sagte Driessen. Er könne sich eventuell eine projektbezogene Förderung wie in der Kultur vorstellen. Der SPD-Politiker schlug auch einen „Ehrenamtspreis“ für eine Person aus jeder Kommune vor. Dafür gab´s Applaus.

Als sportliche Vision für 2025 formulierte Winkmann die Entwicklung der „Sportanlagen der Zukunft“, wo Skater und Senioren gleichermaßen aktiv sein können. Peter Driessen sprach von dem „Traum eines weiteren Leistungsstützpunktes für den Kreis Kleve“.

Konkret wurde es bei den Zuschüssen für den Kreissportbund, die sich aktuell bei 25 000 Euro bewegen. Die Bürgermeister hätten sich in Kalkar einstimmig für eine deutliche Erhöhung ausgesprochen, sagte der SPD-Politiker. Das sei durch den amtierenden Landrat „kaputtgegangen.“ Darüber könne man reden, sagte Gorißen. Guido Winkmann befürwortete eine Erhöhung, machte aber klar: „Wenn die Parteien sagen, es gibt keine Kohle, bin ich zweiter Sieger.“

Landratskandidaten stellen sich Fragen bei Online-Podiumsdiskussion

Arbeit in der Altenpflege, Hilfe für Behinderte, Jugendarbeit, Gesundheitsförderung oder Beratungs- und Hilfsangebote für Familien, Schuldner und Suchtgefährdete: Die Arbeit der Wohlfahrtsverbände im Kreis Kleve ist vielschichtig. Ebenso vielschichtig soll sich die Podiumsdiskussion mit den drei Landratskandidaten präsentieren. Peter Driessen, Silke Gorißen und Guido Winkmann stellen sich am 24. August ab 18 Uhr im Hotel Klostergarten in Kevelaer in drei Themenrunden den Fragen der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege im Kreis Kleve. Die Podiumsdiskussion wird live als Videostream auf der Facebook-Seite und dem Youtube-Kanal des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer übertragen. Auch im Nachgang ist die Diskussion noch im Youtube-Kanal der Caritas zugänglich.

Karl Döring, aktueller Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft und Vorstandsmitglied des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer, blickt gespannt auf die Veranstaltung: „Wir erwarten konkrete Antworten auf die Vielzahl der Fragen, die uns Wohlfahrtsverbände, viel mehr aber noch die Kinder, Jugend, Senioren und schwächeren Mitglieder unserer Gesellschaft im Kreis Kleve betreffen.“ Neben  Themenfeldern wie zum Beispiel „Günstiger Wohnraum“ und „Pflege“ werden mögliche künftige Maßnahmen des Kreises gegen die verstärkte finanzielle und soziale Armut von alten Menschen Diskussionsgegenstand sein.

Unterstützung bedürftiger Kinder und Jugendlichen

Doch auch im Kinder- und Jugendbereich besteht Handlungsbedarf. „Im Kreis Kleve werden im interkommunalen Vergleich deutlich weniger Leistungen aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket für bedürftige Kinder und Jugendliche in Anspruch genommen“, stellt Andreas Fateh, Kreisgruppengeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, fest. Für ihn liegt die Frage daher auf der Hand: „Wie wollen die Kandidaten eine bessere Ausschöpfung der zur Verfügung stehenden Finanzmittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket und damit die Unterstützung bedürftiger Kinder und Jugendlichen im Kreis Kleve erreichen?“ Bei diesen und weiteren Themen gilt es für die Kandidaten, „Farbe zu bekennen“ und erste Konzeptideen vorzustellen.

Ein weiterer Punkt ist den Organisatoren der Veranstaltung ebenfalls wichtig. „Wir freuen uns, dass wir mit der sofortigen Zusage aller Kandidaten auch in Coronazeiten der breiten Öffentlichkeit einen umfassenden Kandidatencheck ermöglichen können. Und das anhand von Themen, die uns alle angehen.“

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege im Kreis Kleve sind die AWO Kreisverband Kleve, die Caritasverbände Geldern-Kevelaer und Kleve, der Paritätische Wohlfahrtsverband Kreis Kleve, Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Kleve-Geldern sowie die Diakonie im Kirchenkreis Kleve. Entsprechende Verlinkungen zum Livestream werden auf den jeweiligen Internetseiten der Wohlfahrtsverbände rechtzeitig eingerichtet.

Wo kann ich den Livestream verfolgen?

Facebook: fb.com/caritas.geldern

Youtube: youtube.com/CaritasGeldern

Eine Frau für das Landratsamt

Als der Kreisvorsitzende Günther Bergmann das Ergebnis der Wahl bekanntgab, hielt Silke Gorißen die Hände gefaltet vor ihr Gesicht und fiel der Landtagsabgeordneten Margret Vosseler in die Arme. 409 Stimmen entfielen auf die 48-jährige selbstständige Rechtsanwältin aus Bedburg-Hau, die die CDU dort als Partei- und Fraktionsvorsitzende führt. Damit setzte sie sich bei der Abstimmung im Kevelaerer Bühnenhaus recht deutlich gegen ihren Konkurrenten Dominik Feyen aus Kleve durch. Auf den 46-jährigen verheirateten Klever entfielen am Ende 199 Stimmen.

Vor der Entscheidung hatte Gorißen sich noch als „schon ein bisschen nervös“ geoutet. „Total tiefenentspannt, das wäre auch komisch“, nahm sie dann mit ihrem Kontrahenten in der Reihe vor der Bühne Platz, bevor es in eine einstündige Präsentations- und Fragerunde mit den beiden Kandidaten ging.

Der Kreisvorsitzende Günther Bergmann hatte bei der Begrüßung die große Resonanz der Parteimitglieder als „starkes Zeichen“ für die CDU, den Kreis und den anstehenden Kommunalwahlkampf gewertet. In einer jeweils sechsminütigen Vorstellung legten dann die beiden Kandidaten ihre politischen Vorstellungen und Ziele für den Kreis Kleve dar.

Verwaltungserfahrung gegen Leidenschaft

Feyen – von Beruf schulfachlicher Dezernent bei der Düsseldorfer Bezirksregierung – hatte auf seine Fachkompetenz als Leiter verschiedener großer Behörden verwiesen, unter anderem als Schulrat für den Kreis oder eben aktuell in seiner Tätigkeit in Düsseldorf. Er hatte seine Vision für den Kreis mit der Überschrift „Kreis Kleve 2030 – auf in eine nachhaltige Zukunft“ überschrieben, alle politischen Bereiche von Wirtschaft bis Kindergartenplätze gestreift, die Bedeutung der interkommunalen Zusammenarbeit betont und „offene und zugewandte Kommunikation“ gegenüber der Politik und der lokalen Wirtschaft angekündigt. „Ich möchte nicht Bedenkenträger sein, sondern vorwärts gehen.“ Man solle „prüfen, ob Teile der Kreisverwaltung ihren festen Platz auch in Geldern finden können“, sagte Feyen, der dazu aufrief „,den amtsmüden Bürgermeister von Bedburg-Hau in den Ruhestand zu verabschieden“ – eine Spitze gegen den Landratskandidaten von SPD, FDP und Grünen, Peter Driessen.

Silke Gorißen betonte dagegen in ihrer sehr präsenten Rede ihre Fähigkeiten als Volljuristin für den Landrats-Job, und erwähnte, wie wichtig es sei, „raus zu den Bürgern“ zu gehen und zu wissen, „wie die Kommunalpoliker arbeiten und was die Bürger von uns erwarten.“ Sie betonte die guten Verbindungen und Vernetzungen zu den wichtigen CDU-Politikern in Land und Bund, nannte die Digitalisierung als wichtigen Bereich und machte klar, dass sie „die Kreisverwaltung im Team weiter entwickeln“ wolle. Gorißen machte auch deutlich, dass sie das Amt wesentlich politischer führen möchte. „Wer denkt, dass es ein „Weiter so“ wie bisher gibt, wo die Position von Landrat zu Landrat vererbt wird, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.“ Die politische Landschaft habe sich verändert, eine Kandidatur sei „alles andere als ein Selbstläufer“, da sich auch die FDP gegen die CDU positioniert habe. „Wir müssen besser werden.“

„Gegenentwurf“ zu Peter Driessen

Mit einem „offenen, zugewandten Kurs“ könne sie gegenüber den Mitbewerbern die Grundlage schaffen, „den Kreis in eine gute Zukunft“ zu führen. Sie habe als Fraktionsvorsitzende in Bedburg-Hau gelernt, „Brücken zu bauen und Mehrheiten für die CDU zu gewinnen”, positionierte sie sich als klaren „Gegenentwurf“ zu Peter Driessen. „Mit diesen Eigenschaften kann ich auch Wähler gewinnen, die nicht uns angehören“, vermittelte sie den Anwesenden auch so etwas wie Leidenschaft. „Ich brenne dafür, unseren schönen Kreis Kleve weiter zu entwickeln. Lassen Sie uns geschlossen dafür sorgen, dass der Kreis Kleve unter starker CDU-Führung in eine gute Zukunft geht.“ Als „agiler und frischer“ bezeichnete sie nach der Wahl der Kevelaerer CDU-Vorsitzende Paul Schaffers.

Auch in der persönlichen Fragerunde stellte Feyen nochmal seine Führungserfahrung und Kommunikationsfähigkeit heraus, benannte Kohl und Adenauer als politische Vorbilder und die Wendezeit von 1989 als Impuls, in der CDU mitzuwirken. Er pries den Mittelstand als wirtschaftliches „Rückgrat der Region“, unterstrich seinen Wunsch nach mehr Kindergartenplätzen und zeigte Verständnis für die Proteste der Landwirte.

Gorißen verwies auf ihre Fähigkeit, sich „in alle Akten einlesen“ zu können, ihre Erfahrung in Verantwortungspositionen von der Schülersprecherin bis zur Arbeit in den Kommunalparlamenten in den letzten 20 Jahren und dem Wissen darum, dass Politik gestalten „dicke Bretter bohren“ und auch Kompromisse schließen bedeute.

Lob für die Klever Hochschule, ein Fragezeichen in Sachen Weezer Airport

Die Kandidatin machte klar, dass es unter ihrer Ägide „keinen Kreisdirektor“ benötige. Sie hob die Errungenschaften der Hochschule Rhein-Waal hervor, die über 7000 Studenten in den Kreis gebracht und das Bild der Stadt Kleve und des Kreises verändert habe. In Sachen Zukunft des Airport Weeze hatte sie keine schlüssige Lösung parat. Man müsse an die Frage „mit Sinn und Verstand rangehen“, sagte Gorißen. Nach den Kommunalwahlen müsse man sich dann der Frage stellen: „Kann er (der Flughafen, die Red.) alleine „laufen“ oder wollen wir einen Flughafen dauerhaft unterstützen müssen – ja oder nein ?“

Bei der Beschreibung der drei wichtigsten Eigenschaften nannte Feyen „Zielstrebigkeit, „Durchhaltevermögen“ und „Kommunikationsfähigkeit“. Als Schwerpunktthemen benannte er Bildungs-, Wirtschafts- und Familienpolitik und die Position des Landrats als „Möglichkeit, viele Ideen, die ich habe, für und mit dem Kreis im Team und für die Kommunen umzusetzen.“

Gorißen nannte „Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Disziplin“ als Eigenschaften, politische Schwerpunkte waren Baurecht, Familienpolitik und Finanzen. Das Amt reize sie als „Möglichkeit, mit ganz vielen Mitstreitern, den Kommunen und Fraktionen Politik zu gestalten – und das in führender Position und nicht nur im Ehrenamt.“

Silke Gorißen wurde mit 409 von 608 gültigen Stimmen zur CDU-Kandidatin für das Landratsamt des Kreises Kleve gewählt. Günther Bergmann gratulierte ihr. Foto: AF

Um 21:29 Uhr war dann das Ergebnis der Wahl recht eindeutig, und die Kandidatin erhielt vom Kreisvorsitzenden Bergmann einen Blumenstrauß. Die 48-Jährige bedankte sich für das „überwältigende Ergebnis. Das berührt mich sehr, freut mich unheimlich. Und sie glauben nicht, mit wie viel Energie, Angriffsgeist, Freude und Inhalt wir in diesen Wahlkampf ziehen werden.“
Gorißen rief die CDU zur Geschlossenheit auf. „Wir schaffen das gemeinsam, haben viel zu bieten, haben Profil und werden mit mir als Kandidatin überzeugen.“