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„40 Tage mal anders“

Unter dem Motto „40 Tage mal anders“ möchte die Pfarrgemeinde St. Marien Kevelaer in dieser Fastenzeit auf das Osterfest hin andere Blickwinkel eröffnen. „Entstanden ist“, so Domkapitular Kauling, „ein breites Angebot mit unterschiedlichsten Angeboten.“ An jedem Mittwoch findet am frühen Morgen zum Beispiel die traditionelle Frühschicht im Petrus-Canisius-Haus statt. „Bewusst haben wir in diesem Jahr ein zusätzliches Angebot für Menschen entwickelt, die vielleicht keine Frühaufsteher sind“, erklärt Pastoralreferent Dr. Bastian Rütten.

„An jedem Mittwoch laden wir um 19.30 Uhr in den Hochchor der Basilika ein. Die Veranstaltungsreihe heißt ‚Blickwechsel‘ und die Besucher nehmen bewusst einen ungewohnten Platz ein“, sagt Rütten. So eröffnen sich an den Abenden neue Perspektiven auf kleine Details in der Basilika. Musikalisch werden diese Impulse von unterschiedlichen Musikern gestaltet.

Eine ruhige Zeit

Jeden Freitag wird dann um 16 Uhr der große  Kreuzweg  gebetet und jeweils anders gestaltet. Treffpunkt dazu ist jeweils um 16 Uhr an der ersten Station. „Die Stille Oase“, so Pfarrer Kauling, „haben wir schon einige Male erprobt. Auch in dieser Fastenzeit werden wir an zwei Abenden diese ruhige Zeit anbieten.“ Auch ein Klassiker ist mittlerweile die Vigil mit anschließendem Abend der Barmherzigkeit. In diesem Jahr wird diese stimmungsvolle, liturgische Form vom Mädchenchor der Basilikamusik gestaltet. Am Freitag, 13. März, beginnt die Feier um 19.30 Uhr und endet um 21 Uhr mit dem Schlusssegen.

Besonderen Besuch bekommt die Wallfahrtsstadt Kevelaer in der Woche vom 23. bis 29. März. In dieser Zeit sind Königsskulpturen aus Holz in Kevelaer an unterschiedlichen Stellen zu sehen. Sie stammen aus der Hand des Bonner Künstlers und Diakons Ralf Knoblauch. „Die Botschaft dieser Könige ist die königliche Würde aller Menschen“, erklärt Dr. Bastian Rütten. Die Aktion wird am Sonntag, 29. März, mit einem Wandelkonzert abgeschlossen. Beginn ist um 15 Uhr in der Kapelle der Antoniuskirche. Von dort führt ein musikalisch gestalteter Weg in die Basilika. Dort treffen sich Könige und die Orgel als Königin der Instrumente. Der Erschaffer der Könige, Ralf Knoblauch, wird am Sonntag um 11.45 Uhr zu der Botschaft seiner Könige in der Basilika im Rahmen der Messe predigen.  Auch in der Karwoche finden von Montag bis Mittwoch wieder musikalische Abendmeditationen statt.

Am Montag, 6. April, wird der Abend von den Knaben der Basilikamusik und Sebastian Piel gestaltet.

Am Dienstag, 7. April, gestaltet der Nettetaler Chor Kalobrhi unter Elmar Lehnen den Abend gemeinsam mit Dr. Bastian Rütten. Im thematischen Mittelpunkt steht der Segen der Karwoche. Mittwoch dann der traditionelle musikalische Kreuzweg – in diesem Jahr besonders gestaltet durch eine Choreographie. Unter der Leitung von Edith Reul tanzt ein Ensemble darstellend die Kreuzwegstationen. Die Musik kommt von Basilikaorganist Elmar Lehnen. Die Texte stammen aus dem neu veröffentlichten Kreuzweg von Bastian Rütten, der ab sofort im Buchhandel und an den Schriftenständen der Basilika zu erwerben ist.  „Wir sind besonders dankbar“, betont Rütten, „dass bei diesem großen Angebot so viele Ehrenamtliche mittun, mitdenken und gestalten.“ Alle Angebote finden sich unter www.wallfahrt-kevelaer.de. Der Flyer liegt im Priesterhaus und an den Schriftenständen aus.

Wegsuche mit Impulsen und Musik

Jeden Freitagabend in der Fastenzeit gibt es in der Pfarrei St. Marien einen besinnlichen Abend: Nach drei Fastenpredigten und einem Aktionstag, an dem die kirchlichen Räume von Schulkindern mit allen Sinnen erfahren wurden, gab es zuletzt eine Vigilfeier.
Ganz in violettem Licht erschien den Teilnehmern der Altarraum der Basilika, die überwiegend nur von Kerzenschein erhellt war. Die musikalische Gestaltung lag beim Knabenchor der Marienbasilika unter Leitung von Sebastian Piel und Marco Heise an der Orgel. Die Texte und Meditationen wurden von Pfarrer Gregor Kauling, Dr. Bastian Rütten und Annette Giefer vorgetragen. „Was für ein Geschenk, ich kann nur dankbar sein über das, was ich hier an den vergangenen Freitagabenden hören und erleben durfte“, bekannte eine Teilnehmerin.
„Sucher (m)eines Weges“, unter diesem Motto stand der Abend. Von vielen Seiten wurde die Lebenswegsuche des Menschen thematisiert. Oft bestehen unsere Lebenswege auch aus schmerzlichen Erkenntnissen oder Verfehlungen, sind oft Wege der Einsamkeit, aber, so Dr. Rütten, unsere Wege sind Wege unter einem guten Schutz.
„Wir sind nicht allein, wir sind gemeinsam Wegsucher und wir sind getragen von jemand, der sich selbst hat verletzen lassen, weil er tief in das menschliche Leben eintrat“, sagte Pastor Kauling. In einer Schriftbetrachtung erzählte er, wie er sich einmal mit Erstkommunionkindern in einem Wald verlaufen hatte. Die einzige Chance, aus dem Dilemma wieder rauszukommen, war der Weg zurück zum Ausgangspunkt. „Auch die Kirche hat sich immer wieder verlaufen, wir erleben das in diesen Tagen. Sie hat oft Gott und auch den Menschen aus dem Blick verloren.
Es gilt: Zurück zum Herrn. Zurück zum Ausgangspunkt. Dieser Ausgangspunkt unseres Glaubens ist der Erlösertod Jesu auf Golgotha, die Hingabe unseres Herrn. Möge die Kirche den Weg zurück finden, um dann nach vorne zu gehen“, so seine Hauptgedanken.
Ein wichtiger Ausgangspunkt unseres Lebens sei, so die Liturgen, die Taufe. Mit dem Weihwassernehmen würde jeder von uns das kürzeste Glaubensbekenntnis beten, das man sprechen kann, das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott. Mit Weihwasser gefüllte Schalen wurden durch die Basilika gegeben, damit auch jeder Einzelne sich in der Erinnerung an die eigene Taufe zu diesem zweiten Ausgangspunkt unseres Lebens zurück führen konnte.
Und auch Jesus selbst wurde gleich lebendig in die Mitte der Versammelten gesetzt, und zwar in eucharistischer Gestalt. Weihrauch stieg auf vor dem angestrahlten Altar mit der Monstranz und von dem wiederkehrenden Gesang „Laudate omnes gentes“ unterbrochen, sprachen Bastian Rütten und Annette Giefer Dank und Lobpreis aus.
Wer wollte, war eingeladen, noch in Stille vor dem eucharistischen Herrn zu verweilen, das Leben neu vor ihm zu leben und mit ihm anzuschauen. Es gab im Kirchenraum einige Angebote: Ein Fürbittbuch lag aus, um seine Anliegen einzutragen, man konnte Weihrauchkörner auflegen, Bibelworte ziehen, Trostpflaster mit nach Hause nehmen oder bei den anwesenden Priestern sich etwas von der Seele reden, beichten oder einfach nur einen persönlichen Segen empfangen. Mit der Komplet und dem eucharistischen Segen endete die Vigil nach zwei Stunden.
Am Freitag, 12. April, findet um 19.30 Uhr noch eine Kreuzwegandacht in der Beichtkapelle statt.

Es ist ein Kreuz mit dem Frieden

Für die Fastenzeit bietet die Pfarrei St. Marien in der Basilika eine Reihe mit drei Fastenpredigten an. Diese stehen unter der Überschrift „Suche Frieden!“ – ein Motto, das auch der baldige Katholikentag und die Wallfahrtssaison tragen. Regionaldekan Ulrich Clancett eröffnete diese Predigtreihe.

Der Dekan der Bistumsregion Mönchengladbach ist unter anderem in der Rundfunkverkündigung des WDR aktiv. In seiner Predigt ging der Pfarrer in Jüchen darauf ein, dass Friede nicht gemacht werden kann.

Er stellte die Geschichte der Verkündigung an die Hirten in den Mittelpunkt. Dort werde der Frieden allen Menschen guten Willens verkündet. „Frieden kommt von oben, wird von Engeln vermittelt und ist ein Geschenk Gottes für uns Menschen“, so Clancett. Auch wenn heute oft Poliker um den Globus reisten, um über den Frieden zwischen verfeindeten Nationen zu sprechen, sei der Friede nicht das Produkt menschlichen Handelns. „Wir können den Frieden nicht produzieren, aber ihn aufrichtig suchen“, so der Dekan. Er lud dazu ein, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, im Alltag und in der Welt mehr Gerechtigkeit zu suchen, sich für Nachhaltigkeit und Schutz der Natur einzusetzen. Doch sei der Suchweg des Friedens auch immer ein Kreuzweg mit vielen Leidensstationen: „Ohne das Kreuz ist Frieden nicht möglich“, zitierte er Papst Franziskus.

Doch getreu der Vision des Propheten Jesaja, der vor 2.500 Jahren die Vision hatte, dass Schwerter zu Pflugschwaren geschmiedet werden, könne alles Leid im Licht Gottes erhellt werden. „Es ist ein Kreuz mit dem Frieden, doch ohne das Kreuz ist Friede nicht möglich“, fasste auch Pastoraltheologe Bastian Rütten zusammen und lud zu Fürbitten im Anliegen des Friedens ein.

Umrahmt von Orgelmeditationen durch Basilikaorganist Elmar Lehnen erlebten die Teilnehmer eine Zeit der Besinnung und des Innehaltens. Die zweite Fastenpredigt findet am Sonntag, 18. März, um 15 Uhr statt. Pfarrer Regamy Thillainathan aus Köln wird seine Fastenpredigt zum Thema: „Frieden ohne Heimat“ halten.