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Die gemeinsame Liebe zum Pferd

Seit Mai vergangenen Jahres besteht die „Pferdesportgemeinschaft Daelshof Kevelaer“. „Wir sind angetreten, um auf dem Daelshof die sportlichen Interessen aller Pferdebesitzer, die auf dem Daelshof der Familie Schopmans eine Heimat gefunden haben, unter einen Hut zu bringen“, sagt die Vorsitzende der PSG Daelshof Kevelaer, Elke Behrens. „Dazu gehört neben der Stallgemeinschaft insbesondere das Team Voss, die Reitschule von Laura de Witt. Der Verein bietet mit seinem vielfältigen Angebot dazu eine ideale Plattform für eine starke Pferdesportgemeinschaft. So ist auch der Name entstanden.“

Das Team Voss ist im dem Konstrukt ein wichtiger Grundpfeiler, „weil Laura de Witt ja die ganzen Reitabzeichenkurse und den Pferdeführerschein anbietet.“ Während die Reitlehrerin die klassische Ausbildung fördere, organisieren Elke Behrens und Nicole Fulland das Westernreiten – ein Angebot, das den Verein von anderen abhebe, so die Vereinsvorsitzende. „Die Nachfrage danach ist ungebrochen“, ergänzt Fulland.

Damit bildet der Verein ein vielfältiges pferdesportliches Angebot ab – vom Springreiten über  Vielseitigkeit, Gespannfahren bis zum Westernreiten. Sehr großen Wert werde dabei auf das gute Miteinander in dem Verein gelegt, sagt Fulland. Das äußere sich auch in solchen Auftritten wie bei der Pferdeshow in Keppeln zu Beginn des Jahres. Dort stellte man in dem Stück „Rush hour“ die Problematik in der Reithalle dar, wenn alle Sparten der Reiterei zur gleichen Zeit reiten wollen und man sich darauf verständigt, dass es mehr Sinn macht, gemeinsam zu handeln. „Anschließend haben wir noch eine gemeinsame Kür geritten“, erinnert sich Laura de Witt. Das Motto „We are Family“ sei auch das, was der Verein nach außen tragen wolle, unterstreicht die erste Vorsitzende. „Die Freude am Pferd“ stehe stets im Mittelpunkt allen Tuns.

Plätzchen, Nachtwanderung und Kinoabend

Auf das Zwischenmenschliche werde insbesondere im Jugendbereich geachtet, sagt Jugendwartin Melanie Ebinger. „Wir haben 2019 mit den Kids Plätzchen gebacken, eine Stangenstreichaktion und einen Kinoabend gemacht. Und wir haben mit der Jugend gezeltet und eine Nachtwanderung gemacht.“ Es sei einfach wichtig, mit den Kindern auch mal eine Pizza zu bestellen und den Abend ausklingen zu lassen. Die Planungen für 2021 sehen eine Fahrt nach Arcen oder zum CHIO nach Aachen vor.

Die Corona-Zeit sei auch für den Verein nicht einfach gewesen. „Es gab vom Landwirtschaftsministerium Konzepte für Pferdebetriebe. „Die haben wir strikt eingehalten und durchgeführt“, erläutert Behrens. „Das betraf die Zeit, die man beim Pferd verbringen durfte. Die war auf 90 Minuten begrenzt. Man musste sich in Listen eintragen.“ Es gab Beschränkungen, was das Reiten anging, „eine Notversorgung und keinen Unterricht.“ Den Verein als Ganzes habe das zusammengeschweißt, ist sich der Vereinsvorstand einig. „Jeder wollte sein Hobby weiter ausüben und das nicht gefährdend für die Gruppe“, sagt Behrens. Jetzt agiere man halt mit den nötigen Abstands- und Hygienemaßnahmen.

Nach einer Turniersaison, die man kaum so nennen kann, steht nun die Herbst- und Winterzeit an. Diese Zeit will die PSG Kevelaer dazu nutzen, an jedem ersten Montag im Monat diverse Workshops zu unterschiedlichen Themen anzubieten. „Zu Beginn der Vereinsgründung haben wir eine Wunschliste aufgehängt mit den Fagen: Was wünscht ihr euch? Was interessiert euch?“, erklärt die erste Vorsitzende. Da waren dann auch solche Themen wie Erste-Hilfe-Kurs oder Gelassenheitstraining dabei, die jetzt in dem Rahmen zum Zuge kommen.

Alle Beteiligten sind sich einig, dass der Verein schon viel besser dasteht, als man das eigentlich gedacht hat. Knapp 80 Mitglieder und weitere Neuanträge stehen zu Buche. Dazu kommt der sportliche Erfolg der Reiterinnen und Reiter. „Das ist auch das Schöne an der Sache, wenn die Kinder trainieren und dann mit dem einen oder anderen positiven Erlebnis nach Hause kommen“, meint Kassenwart Mike Scholten, dessen Tochter im Verein sportlich aktiv ist.

Turnier trotz Corona

Nachdem man in diesem Jahr auf ein eigenes Dressur- und Springturnier verzichten musste, steht für 2021 mit dem „Daelshof Opening“ am Wochenende des 19. und 20. Juni 2021 ein festes Datum im Kalender. „Es ist wichtig, auch über Turniere zu zeigen, was wir können – auch in Corona-Zeiten“, ist sich Elke Behrens sicher, das man mit „ausgeklügelten Hygienekonzepten“ das Turnier auch dann möglich machen kann, wenn Corona noch nicht vom Tisch ist.

Zuvor gibt es vom 11. bis 16. Oktober diesen Jahres für die Reitschüler die Chance, auf dem Daelshof einen Reitabzeichenlehrgang mit anschließender Prüfung zu absolvieren. Und in Verbindung mit der Nikolausfeier soll am Wochenende des 5. und 6. Dezember ein Dressurlehrgang mit anschließender Prüfung unter Turnierbedingungen stattfinden.  Dazu soll es nach dieser Prüfung einen „Nikolaus-Fun-Trail“ geben – einen Geschicklichkeitsparcours, bei dem der Spaß und das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter im Vordergrund stehen soll. Danach möchte der Verein den Abend mit den Reitern und deren Familien in geselliger Runde coronagerecht ausklingen lassen.

„Dafür wären Sponsoren durchaus noch gerne gesehen“, sagt Behrens – genauso wie für die geplante neue Dressurabgrenzung, für die dem Verein aus dem Fonds „Energie für Kevelaer“ bereits 900 Euro zur Verfügung stehen. Allerdings fehlen noch 2300 Euro, weil der dafür bereitstehende Sponsor aufgrund der Corona-Krise abgesprungen ist.

Es begann vor 100 Jahren

Auf 100 Jahre Vereinsgeschichte blickt das Team des Reitvereins „von Bredow“ Wetten in diesem Jahr zurück. Begonnen hat alles mit der Gründungsversammlung am 25. März 1920. Heute zählt der Verein circa 200 Mitglieder und hat mit Annette van Stephoudt seit drei Jahren eine Vorsitzende, die bereits seit Jugendtagen Mitglied ist. Wenngleich die geplanten Feierlichkeiten durch die aktuellen Umstände abgesagt oder verschoben werden müssen: Für die Vereinsmitglieder, deren Verein auch nach dem zweiten Weltkrieg weiter fortgeführt wurde, ist das 100-jährige Bestehen Grund genug, um einen Blick auf die Vereinsgeschichte zu werfen.

Über die Anzahl der Gründungsmitglieder liegen den Verantwortlichen keine sicheren Zahlen vor. Im Jahr 1933 jedoch – so viel geht aus den Vereinsunterlagen hervor – zählte der Verein 53 Mitglieder. Auf- und absteigenden Mitgliederzahlen folgte im Jahr 2004 einer der Höhepunkte mit knapp 250 Mitgliedern. „Wir sind ein aufstrebender Verein und haben wachsende Mitgliederzahlen“, freut sich die Vereinsvorsitzende über das große Interesse der Bürger. Vor allem bei den zahlreichen Veranstaltungen werde der Zusammenhalt untereinander immer wieder deutlich. Unter anderem verschiedene Lehrgänge, Feierlichkeiten, Reitabzeichen, die Nikolausfeier, ein Herbstausritt und seit vergangenem Jahr auch wieder der Kameradschaftsabend gehören zu den festen Veranstaltungen.

Gemeinsam wurde auch an den Vorbereitungen für die Kirmes 2018 gearbeitet. Foto: privat

Eine besonders positive Entwicklung sei die Zusammenarbeit mit anderen Reitvereinen aus der Umgebung. Vor allem mit dem Reitverein St. Georg Kevelaer bestehe eine ständige Zusammenarbeit, betont van Stephoudt, die selbst mit ihrer Familie acht Pferde besitzt. „Die Freundschaft zu den anderen Reitvereinen ist uns sehr wichtig. Im letzten Jahr haben wir dem Reitverein St. Georg Kevelaer unser Gelände zur Ausführung ihres Turniers überlassen“, erzählt van Stephoudt. In diesem Jahr wiederum stellt der Kevelaerer Verein den Wettener Reitern den Termin des jährlichen Vereinsturniers zur Verfügung. „Man versucht – und das finde ich einfach so klasse – sich untereinander auch zu helfen“, so die Vereinsvorsitzende. Das Turnier findet planmäßig am Wochenende von Freitag, 31. Juli 2020, bis Sonntag, 2. August 2020, statt. Erstmalig wird dort in diesem Jahr eine Dressurprüfung in der Klasse M* ausgerichtet. Am 29./30. August 2020 folgt dann das WBO Turnier (Vereinsmeisterschaft) mit dem Vierkampf, bevor es am 8. November 2020 gemeinsam zum Herbstausritt geht.

Die Reithalle bekommt ein neues Dach

Diese und weitere Veranstaltungen finden auf dem Vereinsgelände, das 1983/84 angepachtet wurde, zwischen dem Wettener Sportplatz und dem Kindergarten statt. Laut Notizen in den Vereinsunterlagen wurde auf ein neues Gelände gewechselt, „da sich auf dem alten Reitplatz (‚Kull‘) teilweise mehr als 20 Pferde mit Reitern gleichzeitig aufhielten.“ Es folgten in den 80er und 90er Jahren der Ausbau des Reitplatzes, Erdarbeiten, das Setzen von Zäunen und im Herbst 1994 die Fertigstellung der Reithalle. Nach 26 Jahren bekommt diese nun durch eine Förderung des Programms „Moderne Sportstätten 2020“ ein neues Dach. Bei der Pflege und Instandhaltung der Anlage sei auch heute noch die Hilfe der Mitglieder gefragt, sagt van Stephoudt. Anfang des Jahres gebe es immer eine Art Frühjahrsputz. „Dann werden die Hindernisse auch wieder rausgefahren.“ Und zum Jahresende hin werde dann alles winterfest gemacht. „Das ist ein Geben und Nehmen. Helfende Hände sind aber immer da“, berichtet die Vereinsvorsitzende dankbar.

Voltigieren, Springen und Dressur bietet der Verein, der im Jahr 1987 unter dem Namen „Reit- und Fahrverein ‚von Bredow‘ Wetten e.V.“ ins Vereinsregister eingetragen wurde, heute an. Dabei gibt es „keinen klassischen Reitschulbetrieb“, erklärt van Stephoudt. Denn es gibt keine Schulpferde. Die Reiter ohne eigenes Pferd bekämen aber oft die Möglichkeit, die Pferde anderer mitzureiten. Die Voltigierabteilung wurde erst im Jahr 1985 unter Margret Roosen und Conny Bier ins Leben gerufen.

Die Wettener Vereinsmeister aus dem vergangenen Jahr.      Foto: KB-Archiv

Besonders freut sich van Stephoudt über die bereits mehrfache Teilnahme am Landesprogramm „1000×1000 – Anerkennung für den Sportverein“. Bei diesem Programm stellt die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen dem Landessportbund NRW Haushaltsmittel zur Förderung des Engagements der Sportvereine zur Verfügung. Förderschwerpunkte sind unter anderem: Kooperation des Vereins mit Schulen oder Kindertageseinrichtungen, Integration, Inklusion und Sport der Älteren. Ermöglicht wurde dem Verein dadurch bisher unter anderem die Anschaffung eines Voltigiergurtes, benötigter Tische und Bänke sowie einer mobilen Viereckumrandung.

Freude über langjährige Mitgliedschaften

Für Annette van Stephoudt ist die Leitung des Reitvereins eine Herzensangelegenheit. „Man lebt für den Verein“, sagt die Vorsitzende, die als Teenagerin bei den Reitlehrern Hans Roosen und Jakob Schönmackers im Verein anfing. Langjährige Mitgliedschaften seien keine Seltenheit in Wetten. „Viele treten als Kinder ein und bleiben“, so die Vorsitzende. Die leidenschaftliche Pferdebesitzerin weiß aber auch, dass man im Verein immer wieder auf Hilfe angewiesen ist. Und da konnte sie sich bisher auf die Wettener Bürger verlassen. „Dabei möchte ich dann auch noch einmal ganz besonders auf die Wettener Vereine hinweisen, die ‚immer‘, wenn Not am Mann ist, helfen.“

Wann beim Reitverein von Bredow die nächsten Veranstaltungen stattfinden können, ist noch ungewiss. Die Jubiläumsfeier, die für den 25. April 2020 geplant war, wurde aufgrund des Coronavirus bereits abgesagt. Der aktuell geplante Ausweichtermin für die Veranstaltung ist Samstag, 14. November 2020. Nach dem Einzug der Standarten finden dann ab dem frühen Abend die offiziellen Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum statt. Darauf folgt eine Party inklusive Livemusik mit der Band „Two4You“ und einer Cocktailbar. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

14 Reiter bestehen Prüfungen

Die Winterpause gut nutzen – das dachten sich 14 Reiterinnen und Reiter der Wettener, Weezer und Sevelener Reitervereine, die an den Prüfungen für verschiedene Reitabzeichen teilnahmen. Während das Reitabzeichen RA5 benötigt wird, um mit dem Turniersport starten zu können, sind Pferdeführerschein oder Reitabzeichen RA6 Voraussetzung, um die Prüfung zum Reitabzeichen 5 überhaupt ablegen zu können.

Mitte Dezember begannen deshalb die Prüflinge unter Leitung von Birgit Gerstmann und Annette van Stephoudt mit der Vorbereitung. Die theoretischen Teile wurden immer dienstags und freitags in der Wettener Reithalle und dem Reitstall Tennagels geübt, während das praktische Reiten an den Wochenenden sowohl in Wetten (Reithalle und Reitstall Tennagels) als auch in Weeze trainiert wurde. In den Ferien wurden theoretische Zusatzstunden gegeben und in der letzten Woche fast jeden Tag trainiert. Wegen des umgehenden Pferde-Herpes-Virus waren von der Reiterlichen Vereinigung ausnahmsweise zwei Prüfungsorte (Wetten und Weeze) für die praktischen Prüfungen genehmigt worden.

Alle Prüflinge waren glücklich

Die optimale Vorbereitung zeigte Erfolg: Unter den kritischen Blicken der Richter Petra Herwig und Tonius Tielmann fanden am 4. Januar 2020 die Prüfungen statt, an deren Ende alle Prüflinge stolz die begehrten Urkunden und Abzeichen in Händen hielten. 

Den Pferdeführerschein konnten Charlotte Czaja und Charlotte Bornemann (beide vom RV Sevelen) sowie Lara Röling und Laura Tennagels (beide RV Wetten) in Empfang nehmen. Die Prüfung zum Reitabzeichen RA6 legten Lia Meyer, Lisa Gantevoort und Julia Isegrei (alle RV Weeze) sowie Charlotte Bornemann ab.

Lara Röling, Fabienne Heyer, Sina Opgenort, Tim Billion, Leonie Jawinski, Laura Tennagels (alle RV Wetten) bestanden die Prüfung zum Reitabzeichen RA5, Amelie Fehlemann, Rike Klanten (beide RV Wetten) und Leann-Joy Mayer und Luisa Cornelissen (beide vom RV Weeze) die für das Reitabzeichen RA4.

Eine Wallfahrt hoch zu Ross

Den Einzug einer Pilgergruppe nicht nur zu Fuß oder auf dem Rad, sondern auch auf dem Rücken von Pferden erlebte Kevelaer in diesen Tagen.
Die Wallfahrer aus der Pfarrei St. Johannes in Haaren sind schon seit 19 Jahren mit ihren Vierbeinern dabei. Zur Teilnahme von Pferden und Reitern kam es durch einige Reiterfreunde, die vor Jahren beschlossen, die Wallfahrten der Haarener nach Trier und nach Kevelaer mit ihren Pferden zu begleiten.
Pferden wurden in Twisteden untergebracht
Teils waren in Kevelaer auch schon mal zehn, elf Pferde mit von der Partie. 75 Kilometer lang ist die Wallfahrt für alle Pilger. Rund 300 Pilger kamen dieses Jahr aus Haaren nach Kevelaer, zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Bus, mit dem Auto und auf Pferden.
Einer der Reiter, Hans-Hubert Storms, war früher selbst Springreiter. 19 Mal schon ist er auf seinem Pferd nach Kevelaer geritten. „Ich habe zwar auf dem Sattel noch ein dickes Fell, aber der Hintern tut trotzdem ganz schön weh“, sagte er, nachdem die Pferde in einem Reitstall bei Twisteden gut untergebracht waren. Sein Bruder Willi Storms pilgert seit dem Jahr 1966 immer zu Fuß nach Kevelaer.
Dieses Mal war es seine 54. Fußwallfahrt. Ganze 40 Jahre lang hatte er auch die Organisationsarbeit übernommen. „Vor 1966 gab es nur eine Radwallfahrergruppe. Ein Nachbarort ging schon zu Fuß und ich machte mich einfach an die Arbeit und gründete auch eine Fußwallfahrtsgruppe.“
Ohne Unterbrechung pilgerte er Jahr für Jahr die 75 Kilometer hin und wieder zurück. Sein Sohn Bernd geht selbst seit 20 Jahren mit, seit drei Jahren hat dieser auch die Pilgerleitung von seinem Vater übernommen. Er kümmert sich um die Organisation für Fußpilger, Radfahrer, Busfahrer und Reiter.
Selbst bevorzugt er die Wallfahrt zu Fuß: „Gerade zu Fuß wird die Gemeinschaft auf dem Weg wie eine Riesenfamilie zusammengeschweißt, man tauscht sich aus, hilft und baut sich gegenseitig auf. Ich kann an diesen Tagen auch richtig abschalten, fast wie im Urlaub. Wenn man einmal von diesem Virus infiziert ist, möchte man eigentlich immer weitermachen und wenn man dann nach dem langen Weg in der Basilika einzieht, dann schaudert es einen schon“, erzählt er, gut und glücklich am Ziel angekommen, aber mit einigen Blasen an den Füßen.
Für seine Frau Sara ist jede Kevelaer-Wallfahrt auch ein Nachhausekommen. Ihr Vater Pino De Lorenzo betrieb lange die Pizzeria an der Bahnstraße. Als sie einmal als junge Frau beim „Goldenen Schwan“ bediente und die Haarener-Pilger wieder mal in Kevelaer waren und sich dort stärkten, fand sie in Bernd Storms die Liebe ihres Lebens. Für ihn verließ sie Kevelaer und zog nach Haaren.
Verpflegung für den Rückweg
Die jährliche Wallfahrt der Haarener in ihre Heimatstadt ist für sie natürlich etwas ganz Besonderes und über ihre Verwurzelung in Kevelaer kann sie auch schon seit Jahren die bestmögliche Verpflegung der Pilger sicherstellen.
So sind die Haarener Pilger sicher eine der wenigen Wallfahrtsgruppen, die dann auf der Rückreise unterwegs grillen und frische, selbst zubereitete Salate genießen können.

Das Pferd als Therapie für behinderte Kinder

Die Gocherin Jacqueline Weise führt ihren dreijährigen Sohn Julian mit seinem Gehwagen zum Auto, nachdem er die 20-minütige Runde auf dem Pferd absolviert hat.  „Er ist ein ehemaliger Frühgeborener mit 24 Wochen  und entwicklungsverzögert. Das Körpergefühl ist noch nicht so gut“, sagt die 28-jährige Mutter und verweist auf die Wirkung der Hippotherapie bei ihrem Sohn. „Er kann noch nicht alleine laufen. Da ist das Reiten optimal.“
In der großen Halle des Reitstalls Küsters am Hoogemittagsweg begleiteten die drei Therapeutinnen Angelika Aengenheyster, Sibylle Hendricks und Josy Ophey und ihre Pferdeführerinnen die Kinder gleichmäßig bei ihrem Ritt. Die Idee für die Therapie gehe auf die Initiative des Begründers der „Aktion St. Nicolaus“, des Kevelaerer Kinderarztes Dr. Ferdinand Helpenstein zurück, erläuterte Thomas Deselaers.
„Die Josy hat das dann mit Leben erfüllt“, berichtet der Schriftführer der Initiative.  Der Betreuer der Hippotherapie hat selber einen körperbehinderten Sohn, der an Gleichgewichtsstörungen und Spasmen litt. „Ein Jahr Hippotherapie und die Spasmen waren weg“, kann er aus eigener Anschauung sagen.
Josy Ophey kannte den Mediziner schon als Kind. Sie wollte immer was mit Reitsport machen, suchte auf Anraten des Vaters aber nach einer Möglichkeit, ihr Hobby mit einem Beruf zu verbinden. Sie stieß auf die Hippotherapie und macht Ende der 70er Jahre Kurse im Wildbad Kreuth und Oggersheim.  Die 56-Jährige  arbeitete 14 Jahre an der Bonhoeffer-Schule in Bedburg-Hau, ehe es zum Kontakt mit der „Aktion St. Nicolaus – Hilfe für das behinderte Kind“ kam: „Dr. Helpenstein hat mich anngesprochen, ob ich das nicht für die Aktion machen könnte.“ Sie sagte zu.
„Es war schwer, dafür ausgeglichene Pferde zu bekommen“, erinnert sich Ophey. Ein Vorstandsmitglied stellte sein Endmaßpony zur Verfügung. Von Eltern wurde ein weiteres Tier beigesteuert. Heute sind es zwei Pferde, die St. Nicolaus gehören und ein geliehenes Privatpferd, mit denen die Therapeutinnen arbeiten. „Das Pferd ist unser Therapeut“, unterstreicht Ophey.  „Wir versuchen, mit der Therapie einen positiven, ganzheitlichen Einfluss auf den Körper zu nehmen“, umschreibt Ophey, worum es bei der Arbeit geht. So kann man über das 20-minütige Reiten zweimal pro Woche Gleichgewichtsstörungen lindern, auf krankhafte Muskulatur passiv Einfluss nehmen und andere physiologische Phänomene angehen.
„Bei Rollstuhlkindern zum Beispiel erfährt der Rumpf eine Art Geherfahrung“, so die Theerapeutin. „Es beeinflusst auch Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten.“ Und es bewirkt was im Kopf. „Ein schwerbehindertes Kind hat ein schweres Leben. Da kommt der Stolz durch, mal auf die anderen runterzugucken.“ Ihre Kollegin Sibylle Hendricks berichtet von einer Beobachtung ein paar Minuten zuvor. „Janine, die sonst nie spricht,  hat heute zum Beispiel gesprochen.“ Viele Kinder seien durch diverse Therapien schon gelaufen, da tue es auch gut, wenn auf dem Pferd niemand was von einem wirklich will.
Das Ehepaar Martina und Gerd Küsters hat das Projekt von Beginn an unterstützt und seine Halle zur Verfügung gestellt. „Eine tolle Sache, man merkt, dass das Pferd einen Einfluss hat“, sind sich beide einig, dass es auch so weiter gehen wird. Zehn Pferde sind in den vergangenen 30 Jahren bei dieser Therapie dabei gewesen. Bei 38 Plätzen pro Jahr kann man nach zehn Jahren grob hochrechnen, dass mehrere Hundert Kinder und Erwachsene diese Hilfe in Anspruch genommen haben. „Und das ausschließlich durch Spenden“, wird Thomas Deselaers nicht müde, die Bedeutung der öffentlichen Hilfe zu betonen. Immerhin kostet allein die Hippotherapie den Verein pro Jahr um die 27.000 Euro.
Die Erfolge dieser Arbeit sind die Mühen wert. Daraus beziehe man eine Menge Motivation, betont Ophey. „Da kommen Eltern, die sagen, meine Kleine kann seit vier Wochen besser Radfahren“, ist sie manchmal überrascht „wieviel Herzblut die Kinder da reinstecken.“ Zu Hause sammeln sie Stoffpferde, fragen nach verstorbenen Pferden, gehen bei den „pensionierten“ Tieren vorbei, freuen sich Tage vorher auf die Zeit auf dem Vierbeiner.
Ein bis zwei Plätze sind aktuell noch frei. Interessiert? Bitte, an die „Aktion St. Nicolaus-Hilfe für das behinderte Kind“ wenden.