Beiträge

Klare Tendenz bei der Bürgermeisterwahl in Kevelaer

Die Auszählung der Stimmen zur Kommunalwahl 2020 sind aktuell in vollem Gange. Im Konzert- und Bühnenhaus in Kevelaer haben sich Politiker und Gäste eingefunden, um die Wahlergebnispräsentation zu verfolgen.

Schon am Nachmittag zeichnete sich ab, dass die Wahlbeteiligung etwas höher liegen würde als bei der vergangenen Kommunalwahl. Im Wahllokal an der Biegstraße verzeichneten die Wahlhelfer gegen 16 Uhr bereits eine Beteiligung von 50 Prozent. „Für dieses Wahlrecht haben unsere Vorväter schwer gekämpft”, sagte Thorsten van de Loo und gab seine Stimme ab. Als einer der Wahlhelfer zeigte sich der kommissarische Kevelaerer CDU Ortsvorsitzende Michael Kamps bei den Aussichten auf das Ergebnis der Wahl verhalten. „Es wäre schön, wenn wir die 45 Prozent vom letzten Mal halten können.”

Einige seiner Ratskollegen, die Vertreter der Parteien und einige Neugierige kamen im Konzert- und Bühnenhaus zusammen, um den spannenden Verlauf der eingehenden Ergebnisse auf der Leinwand zu verfolgen. Naturgemäß befanden sich darunter auch die beiden Kevelaerer Bürgermeisterkandidaten Dominik Pichler und Mario Maaßen.
Stimmen aus dem Konzert- und Bühnenhaus
Mit welchen Gefühlen machte Mario Maaßen sich auf den Weg ins Bühnenhaus? „Ganz normal, es war ein ganz normaler Wahlkampf. Wir haben immer darauf geachtet, dass wir nicht persönlich werden, sondern immer auf der sachlichen Ebene unsere Politik gemacht. Die Plakate in der letzten Woche sollten ‘Eyecatcher’ sein. Wir wollten nur mal ein bisschen ‘Drive’ da reinbringen. Die Köpfe hat jeder schon gesehen, wir haben die teilweise auch nachher noch mal überklebt und das waren Sprüche, die eigentlich jede Partei für sich vereinnahmen kann, die also bei uns im Rat gelegt werden. Und daher verstehe ich auch nicht die Aufregung, die zum Beispiel bei der SPD entstanden ist. Das war ein bisschen, habe ich schon gesagt, ein bisschen dünnhäutig. So war die Aktion gar nicht geplant – und jetzt warten wir mal die nächsten anderthalb Stunden etwa ab.”
Auch Peter Driessen ist in Kevelaer, „weil hier der Kreis in der Mitte zusammenkommt und jeder die gleiche Anfahrt hat – auch auf dem Weg nach Hause nachher. Ich habe kein schlechtes Gefühl, muss ich sagen. Ich hoffe, dass die Wahlbeteiligung unglaublich nach oben geht. Ich glaube alles getan zu haben, um heute Abend auch als Sieger hervorzugehen.”
Ulli Hütgens, SPD Kevelaer: „Ich weiß nicht, was passieren wird. Kann gut gehen, kann auch nicht so gut ausgehen, ich bin sehr gespannt. Meine Prognose steht für Dominik Pichler, eindeutig.”
Und mit welchen Gefühlen verfolgt Dominik Pichler diesen Abend heute? „Es ist alles ungewiss und noch bin ich optimistisch, aber ich habe gerade schon auch zu Mario gesagt,  wir müssen jetzt die ersten zwei, drei Bezirke in außen und in Mitte abwarten. Vorher lässt sich ja gar nichts sagen. Ich glaube, jeder hat ein bestimmtes Gefühl, aber für Gefühle kann man sich nichts kaufen. Ich würde gerne weitermachen, aber ob ich weitermachen darf, werden wir in den nächsten zwei Stunden erfahren. Wir haben sehr konzentrierten Wahlkampf geführt. Wir haben die Marke Dominik Pichler klar in den Vordergrund gestellt. Kompliment an Mario – er hat stets fairen Wahlkampf geführt, wir sind gut miteinander umgegangen. Ich gehe davon aus, dass er das genauso sieht. Wir sind nie unter die Gürtellinie gegangen, haben uns das von Beginn an versprochen, haben uns beide dran gehalten – mal abwarten.”
Stand 20.02 Uhr zeichnet sich eine deutliche Tendenz bei der Bürgermeisterwahl für Dominik Pichler ab. Bei sieben ausgezählten Stimmbezirken (von 22) entfallen 76,67 Prozent auf Pichler und 23,33 Prozent auf Maaßen. Die Anwesenden verfolgen weiterhin die Live-Ergebnisberichte im Konzert- und Bühnenhaus.

Dominik Pichler bleibt Kevelaers Bürgermeister

Nun steht es fest: Dr. Dominik Pichler wird für weitere fünf Jahre das Amt des Kevelaerer Bürgermeisters innehaben. Mit 77,69% der Stimmen setzte er sich deutlich gegen seinen Herausforderer Mario Maaßen durch (22,31%). Alle Zahlen bilden das vorläufige Endergebnis; Stand 13. September 2020, 22.19 Uhr.

Für den Kevelaerer Stadtrat sicherte sich die CDU 40,53% der Stimmen, gefolgt von den Grünen (17,99%), der SPD (17,76%), KBV (13,45%) und FDP (10,28%).

Mit 48,68% der Stimmen im Kreis Kleve setzte sich Silke Gorißen (CDU) bei der Landratswahl durch. Peter Driessen (24%) und Guido Winkmann (23,09%) liegen deutlich dahinter, außerdem Friedrich Ernst Eitzert (4,23%). Eine Stichwahl folgt in zwei Wochen.

Für den Kreistag gaben die Kevelaerer Bürgerinnen und Bürger die meisten Stimmen der CDU (43,42%). Es folgen: Grüne (19,14%), SPD (18,38%), FDP (10,25%), AfD (3,38%) Vereinigte Wählergemeinschaften Kreis Kleve (3,04%), Linke (1,88%) und BSD (0,51%).

Einen ausführlichen Bericht zur Kommunalwahl finden Sie hier auf unserer Website.

Das planen die Kevelaerer Bürgermeisterkandidaten – 2/2

Eigentlich sollte es vor zwei Wochen eine ganz normale Podiumsdebatte werden, wenngleich mit den üblichen Hygieneschutzmaßnahmen innerhalb der Covid-19-Pandemie. Bei Außentemperaturen von 35 Grad Celsius entschied sich die Redaktion dann jedoch kurzfristig, die Veranstaltung im Forum unter dem Dach der Öffentlichen Begegnungsstätte abzusagen. Konzentrierte Gespräche wären unter diesen Bedingungen nicht möglich gewesen. Stattdessen haben wir eine Auswahl unserer Fragen und der bereits von Lesern eingesandten Fragen schriftlich an die beiden Kandidaten für die anstehende Bürgermeisterwahl gestellt – Amtsinhaber Dr. Dominik Pichler, der zwar als SPD-Kandidat ins Amt gewählt wurde, dieses Mal aber überparteilich antritt, und Herausforderer und CDU-Kandidat Mario Maaßen. Den ersten Teil der Fragen und Antworten haben wir vergangene Woche veröffentlicht, hier folgt nun der zweite und letzte Teil. Weitere Informationen präsentieren die Kandidaten auf ihren Websites unter https://dominik-pichler.de bzw. https://www.mario-maassen.de.

Mario Maaßen Foto: privat

Wie wollen Sie Kevelaer für die Folgen des Klimawandels rüsten?
Zweifelsohne bilden ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und der Einsatz erneuerbarer Energie die Basis für ein zukunftsorientiertes Zusammenspiel von Menschen und Natur. Grüne Oasen gibt es viele in Kevelaer – sie sind nicht nur ein Wohlfühlfaktor, sondern auch ein langfristiger Beitrag zum Klimaschutz. Daher wollen wir unser städtisches Grün klimarobust um- und ausbauen, Dach- und Fassadenbegrünung stärker in den Fokus rücken und Blühwiesen nicht nur in unseren Parks, sondern vor allem auch an Straßenrändern und Feldrainen anlegen. Hier sind unsere Landwirte und Gartenbauer natürliche Ansprechpartner, die längst weiterdenken und verantwortungsbewusster handeln, als es ihnen in der öffentlichen Darstellung zugestanden wird.

Welche Maßnahmen planen Sie, um Radverkehr und eine PKW-arme Innenstadt attraktiver zu gestalten?
Über die technische Entwicklung des Autos in der Zukunft und die denkbaren Antriebsformen wird man diskutieren, aber es ist mir zu schlicht, den motorisierten Individualverkehr zum Feindbild zu erklären, mit dessen Verbannung sich der Klimawandel in sauberer Luft auflöst. Im ländlichen Raum wird das Auto bis auf Weiteres ein Garant individueller Mobilität bleiben, für den es keine 100-prozentige Alternative gibt. Nichtsdestotrotz müssen wir Mobilität vielfältiger denken und ein Verkehrskonzept samt ergänzender Infrastruktur entwickeln, in dem sich Fußgänger, Radler und motorisierte Verkehrsteilnehmer per Rad, Auto und Bus sicher und komfortabel mit- und nebeneinander bewegen. Die von uns vehement erkämpfte OW1 ist der Ansatzpunkt, von dem aus sich das Verkehrs- und Mobilitätsnetz in Kevelaer neu ordnen lässt.
Nicht zu vergessen: Wenn wir von einem Mobilitätsnetz reden, müssen wir die Fäden auch über die Stadtgrenzen hinausspinnen. Ein regionaler ÖPNV und die Anbindung an das weiterführende nationale Verkehrsnetz gelingt nur im Zusammenspiel mit Kreis, Land und Bund. Und da sind wir als CDU gut aufgestellt.

Sollten kulturelle Aktivitäten in Kevelaer – einschließlich der Angebote im Bühnenhaus – stärker als bislang finanziell gefördert werden?
Mit Kunst und Kultur lebt die Stadt. Ich habe für wirtschaftlich tragfähige Konzepte immer ein offenes Ohr und würde diese auch unterstützen und fördern. Beispiele wären das deutsch-niederländische Künstlerdorf, aber auch lokale Weihnachts- und Adventsmärkte. Insgesamt sollten aber auch lokale kulturelle Aktivitäten stärker in den Förderfokus kommen.
Das Niederrheinische Museum ist ein kulturelles Highlight, für das mein Herz besonders schlägt mit ein Grund, warum ich mich im Vorstand des Fördervereins für Museumsförderung engagiere. Als Kevelaerer können wir stolz auf unser Museum sein.
Das Bühnenhaus und auch den Pächter trifft es in der jetzigen Corona-Phase sehr hart. Veranstaltungen bei den zu beachtenden Hygienekonzepten sind wirtschaftlich kaum durchzusetzen. Dennoch sollte man auch hier versuchen, mit kleineren Veranstaltungen den Betrieb zumindest aufrechtzuhalten und mit dem Pächter ein Konzept abzustimmen.

Wie kann Kevelaers Polizeiwache wieder rund um die Uhr besetzt sein?
Eine 24h-Präsenz der Polizei in Kevelaer ist eine Forderung, die ich als Bundespolizist nur unterstützen kann und für die ich kämpfen werde. Kein leichter Weg, denn die Entscheidungen darüber werden an übergeordneten Stellen getroffen, doch durch unsere gute Vernetzung sind wir hier auch nicht chancenlos. Ordnung und Sicherheit haben sich gerade im Zuge der Corona-Krise wieder als ein Gut erwiesen, das (fast) jeder zu schätzen weiß.

Welche Rolle spielt für Sie die Wallfahrt in Kevelaers künftiger Entwicklung?
Die Wallfahrt ist und bleibt unser Herzstück, sie prägt unsere Stadt seit über 350 Jahren. Wir haben hier einen durch die Zeit auf uns überkommenen Auftrag und eine Verantwortung den Pilgern gegenüber, die ihre Sorgen und Anliegen an der Gnadenkapelle vor die Gottesmutter tragen. Kevelaer lebt aber auch von den Besuchern, die unser touristisches Angebot in Anspruch nehmen, und als bürgerliche Stadt. Hier Verbindungen zu schaffen und zu halten ist eine Aufgabe, die auch in Zukunft nicht an Bedeutung verliert.

Sie wollen die Stadtverwaltung leistungsfähiger machen. Wie soll das aussehen?
Dass wir gutes Personal haben, weiß ich aus persönlicher Erfahrung als Bürger und aktiver Kommunalpolitiker. Ich komme ja selbst aus dem Behördenbereich und leite das Bundespolizeirevier in Kempen mit rund 150 Mitarbeitern. Dort sind die Strukturen zwar straffer, ähneln sich aber durchaus. Ansatzpunkte für Veränderungen sehe ich in der Kevelaerer Verwaltung vor allem im Selbstverständnis als Serviceteam für unsere Bürger. Hier müssen wir zunächst mit offenen Augen und Ohren feststellen, wie zufrieden unsere Bürger mit dem Angebot und der Unterstützung durch die Verwaltung sind und Problemfelder offen thematisieren und angehen. Als Bürgermeister und Verwaltungsleiter möchte ich alle Mitarbeiter – und das sind nicht wenige – kennen, gleichermaßen wertschätzen und sie in ihrer weiteren Entwicklung fördern. Dabei werde ich mich nicht nur auf die Abteilungsleitungen konzentrieren, sondern auch die anderen Funktionsebenen mitnehmen.

Was werden für Sie die wichtigsten Projekte in den kommenden fünf Jahren sein?
Die To-do-Liste ist lang und was auch immer ich jetzt benenne, kann schon morgen auf der Prioritätenliste nach oben oder unten wandern. Nach aktuellem Stand würde ich gleichberechtigt die folgenden Projekte benennen:

Weitere Umsetzung des integrierten Handlungskonzepts mit offenem Blick für und auf sich anschließende Optionsflächen
Auflegung eines Verkehrs- und Mobilitätskonzepts (inklusive Parkleitsystem) für ganz Kevelaer
Schaffung und Entwicklung von Gewerbeflächen und proaktive Wirtschaftsförderung, auch in den Ortschaften
Fortsetzung des bislang schon sehr erfolgreichen Energiemanagements in Kevelaer als wichtiger Beitrag zum Klima- und Umweltschutz
Bedarfsgerechter Auf- und Ausbau der digitalen Infrastruktur für Schule, Wirtschaft, Verwaltung und private Nutzung
Schaffung von zusätzlichen, auch nicht kommerziellen Aufenthaltsräumen und Freizeitangeboten für alle Generationen, insbesondere aber für unsere Jugendlichen
Wohnungspolitik mit dem Fokus auf Wohnraum, der sich flexibel an unterschiedliche Lebensphasen und -entwürfe anpassen lässt, auch und gerade für Mitbürger mit mittleren und kleinen Einkommen.

 

Dr. Dominik Pichler Foto: privat

Wie wollen Sie Kevelaer für die Folgen des Klimawandels rüsten?
Die Stadt Kevelaer ist bereits in der Umsetzung unseres Klimaschutzkonzepts. Außerdem macht die Stadt zum wiederholten Mal beim European Energy Award mit. Das betrifft die energetische Sanierung städtischer Gebäude, aber auch z.B. den Ausbau von Photovoltaik auf städtischen Gebäuden. Daneben investieren die Stadtwerke in erneuerbare Energien. Ich möchte jetzt den nächsten logischen Schritt gehen. Das ist die Teilnahme am European Climate Award, einem kommunalen Konzept zur Klimafolgenanpassung, um bedarfsgerecht Maßnahmen in verschiedenen Bereichen umzusetzen, etwa in der Stadtplanung. Das sind nicht rein grüne Themen, das ist auch Gefahrenabwehr, z.B. die Erarbeitung einer Starkregengefahrenkarte. Die Starkregenereignisse in 2016 und die drei Dürresommer haben gezeigt, dass der Klimawandel längst hier angekommen ist. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir mit den endlichen Ressourcen Fläche, Boden und Wasser umgehen. Ob überflutete Keller oder sinkende Grundwasserspiegel und schlechte Ernten: Wir müssen vorbereitet sein.

Welche Maßnahmen planen Sie, um Radverkehr und eine PKW-arme Innenstadt attraktiver zu gestalten?
Derzeit wird eine Verkehrsuntersuchung für die Innenstadt durchgeführt. Sobald hier Ergebnisse vorliegen, werden diese bewertet und daraus Maßnahmen abgeleitet. Eines ist aber klar: Will man eine Verkehrswende, die diesen Namen auch verdient, wird der motorisierte Individualverkehr, also die Pkw, Raum zugunsten von Fußgängern und Radfahrern abgeben müssen. Die Frage, wie viel und wo der fließende und ruhende Pkw-Verkehr Anteile abgeben muss, gehört sicherlich zu den spannendsten und wohl auch umstrittensten Fragen der nächsten Jahre. Auch muss das bestehende Radwegenetz, das sich teilweise in schlechtem Zustand befindet, saniert und in einigen Bereichen auch erweitert werden.

Sollten kulturelle Aktivitäten in Kevelaer – einschließlich der Angebote im Bühnenhaus – stärker als bislang finanziell gefördert werden?
In der jetzigen Zeit geht die Frage einer stärkeren Förderung kultureller Aktivitäten aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie an der Wirklichkeit vorbei. Wenn im kommenden Jahr nach einem vorsichtigen Zurücktasten ins kulturelle Leben der Stand „vor Corona“ erreicht sein sollte, hätten wir schon sehr viel erreicht.

Wie kann Kevelaers Polizeiwache wieder rund um die Uhr besetzt sein?
Das ist zwar wünschenswert, leider aber unrealistisch. Der Bürgermeister ist in dieser Frage nur Bittsteller. Denn der Landrat ist Chef der Kreispolizeibehörde (KPB). Die Zuweisung von neuen Polizisten an die KPB erfolgt aber vom Land und im Herbst werden weniger Polizisten als Nachersatz zur KPB Kleve entsandt als zunächst geplant. Personell kann der Landrat ohnehin nicht aus dem Vollen schöpfen, da der Innenminister derzeit seinen Fokus auf die Großstädte legt, wo die Kriminalität weitaus höher liegt als im Kreis Kleve. Der Landrat kann die vorhandenen Kräfte anders verteilen, sodass für Kevelaer eine 24/7-Besetzung möglich ist, müsste dann aber anderenorts Ressourcen abziehen, die dort jedoch benötigt werden. Da Kevelaer nachts von der Polizei aus Goch und Geldern gut abgedeckt wird und die Wache in Kevelaer im Übrigen am Wochenende und nachts vor Feiertagen ohnehin mit einem Wagen besetzt ist, wird der Landrat dies aber nicht tun.

Welche Rolle spielt für Sie die Wallfahrt in Kevelaers künftiger Entwicklung?
Trotz des Solegartens St. Jakob und des Freizeitparks Irrland: Die Wallfahrt ist Alleinstellungsmerkmal und ein Teil der DNA von Kevelaer. Schon vor Corona gingen indes die Pilgerzahlen kontinuierlich zurück, wenn auch auf hohem Niveau. In 2020 sind die Zahlen eingebrochen und es bleibt abzuwarten, wie und wie schnell sich nach Corona die Zahlen wieder erholen. Hier sehe ich Rat und Verwaltung als verlässlichen Partner der Wallfahrtsleitung. In den vergangenen Jahren wurden gemeinsam z.B. die Planung der Sanierung des Kapellenplatzes oder auch der Markenkernprozess erfolgreich abgeschlossen. Wie die jetzt benötigte Hilfe aussehen kann, wird mit der Wallfahrtsleitung zu besprechen sein. Allerdings bedarf es in dieser für alle schweren Situation mehr als nur Lippenbekenntnisse, um der Wallfahrt zu helfen.

Gibt es eine Entscheidung der letzten Jahre, die Sie heute anders treffen würden?
Fehler werden bei der Fülle der tagtäglichen Entscheidungen im Beruf des Bürgermeisters immer gemacht. Wichtig ist aber, aus den Fehlern zu lernen und Dinge zu verändern. Ein Beispiel: Für die Erneuerung der Hauptstraße im Rahmen des IHK sah die Bürgerbeteiligung so aus, dass den Bürgern vorgestellt wurde, was passieren wird. Einflussnahme war kaum mehr möglich. Dafür wurde ich zu Recht kritisiert und deshalb war Bürgerbeteiligung z.B. zum Peter-Plümpe-Platz in weitaus größerem Umfang möglich – auch wenn natürlich nicht jeder Vorschlag im Rat mehrheitsfähig war.

Was werden für Sie die wichtigsten Projekte in den kommenden fünf Jahren sein?
Ein Thema der nächsten Jahre wird sein die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum gerade für Familien mit Kindern. Die Ausweisung von Baugebieten in Kevelaer und den Ortschaften ist auf einem guten Weg. Weitere Themen sind die Ausstattung der Schulen und der Feuerwehr, die Unterstützung des Vereinswesens. Im kommenden Jahr steht außerdem der Bau eines neuen Skate-Parks an. Weiterhin arbeitet die Verwaltung aktuell daran, dass verschiedene notwendige, aber kostenintensive Umbaumaßnahmen von Sportvereinen durch den Zugriff auf Fördertöpfe rasch umgesetzt werden können. Auch Wallfahrt und Tourismus darf man nicht vergessen: Viele Händler und Gastronomen leben von unseren Gästen. Derzeit ist Kevelaer staatlich anerkannter Erholungsort. Ziel ist, das Label „Ort mit Heilquellenkurbetrieb“ zu erlangen. Das ist ein Label, das Kevelaer ein weiteres Alleinstellungsmerkmal geben wird. Hinzu kommt die Digitalisierung: In den vergangenen Jahren ist hier bereits eine Menge erreicht worden z.B. in den Schulen, aber auch im Glasfaserausbau. Das kreisweite Projekt „weiße Flecken“ hat im Südkreis begonnen und wird hier im nächsten Jahr umgesetzt. Auch die verwaltungsinterne Digitalisierung schreitet voran. Anfang des Jahres wurde eine Digitalisierungsstelle eingerichtet, die der Rat auf Vorschlag der Verwaltung im vergangenen Stellenplan beschlossen hat. Hier kümmert sich jemand auf Leitungsebene darum, dass die Digitalisierungsprozesse innerhalb der Verwaltung aufeinander abgestimmt und koordiniert werden.

Das planen Kevelaers Bürgermeisterkandidaten – 1/2

Eigentlich sollte es eine ganz normale Podiumsdebatte werden, wenngleich mit den üblichen Hygieneschutzmaßnahmen innerhalb der Covid-19-Pandemie. Bei angekündigten Außentemperaturen von 35 Grad Celsius entschied sich die Redaktion dann jedoch kurzfristig, die Veranstaltung im Forum unter dem Dach der Öffentlichen Begegnungsstätte abzusagen. Konzentrierte Gespräche wären unter diesen Bedingungen nicht möglich gewesen. Stattdessen haben wir eine Auswahl unserer Fragen und der bereits von Lesern eingesandten Fragen schriftlich an die beiden Kandidaten für die anstehende Bürgermeisterwahl gestellt – Amtsinhaber Dr. Dominik Pichler, der zwar als SPD-Kandidat ins Amt gewählt wurde, dieses Mal aber überparteilich antritt, und Herausforderer und CDU-Kandidat Mario Maaßen. Den ersten Teil der Fragen und Antworten lesen Sie hier, kommende dann in der Fortsetzung. Weitere Informationen präsentieren die Kandidaten auf ihren Websites unter https://dominik-pichler.de bzw. https://www.mario-maassen.de.

Dr. Dominik Pichler Foto: privat

Halten Sie einen Technischen Beigeordneten für Kevelaer für sinnvoll?
Nein. Die Vorteile eines technischen Beigeordneten, wenn die Qualität seiner Arbeit stimmt, werden aktuell und in den nächsten Jahren nicht benötigt. Denn zurzeit werden vor allem bereits beschlossene Projekte und Maßnahmen umgesetzt. Die Abteilung Stadtplanung arbeitet am Anschlag, hier ist allerdings die Frage nach einem dritten Stadtplaner legitim. Auch die Abteilungen Tiefbau, Gebäudemanagement und Bauordnung leisten bei hoher Auslastung gute Arbeit. In Sachen IHK sehen die Förderrichtlinien im Übrigen ohnehin vor, sich externer Stadtplaner zu bedienen. Darüber hinaus gibt es seit einiger Zeit einen Gestaltungsbeirat, der mit externen Fachleuten besetzt ist und bei größeren Projekten wichtige Akzente setzt. Des Weiteren benötigt die Verwaltung keinen weiteren Häuptling in der Führungsebene. Organisatorisch ist die Verwaltung nach der Umstrukturierung gut aufgestellt. Ein Blick in die Kevelaerer Vergangenheit zeigt im Übrigen, dass technische Beigeordnete die Stadt nur bedingt nach vorne gebracht haben.

Die Stadt hat vor Jahren Häuser an der Marktstraße für einen Durchstich erworben. Was sind Ihre Pläne für diese Gebäude?
Da in dieser Frage gerade einiges in Bewegung ist, muss nun rasch entschieden werden, ob jetzt doch ein Durchstich erfolgt oder nicht. Im Falle, dass es nicht zu einem Durchstich kommt, gibt es aktuell mehrere Optionen, die allerdings noch nicht spruchreif sind. Eine Variante ist, die Häuser abzureißen und erdgeschossig Gastronomie oder Einzelhandel zu etablieren und darüber bezahlbare Wohnungen anzubieten. Eine Alternative besteht darin, die drei Gebäude an einen Investor zu verkaufen, der die Fläche nach einem Abriss der Häuser entwickelt. Dadurch, dass dieser Bereich durch die Neugestaltung des Peter-Plümpe-Platzes deutlich aufgewertet wird (Schaffung eines Vorplatzes vor dem Alten Rathaus, Sanierung der Marktstraße), ergeben sich jedenfalls Potenziale für verschiedene Nutzungen.

Wie stellen Sie sich die Anbindung der Hüls an die Innenstadt vor?
Eine ÖPNV-Anbindung ist zwingend erforderlich, die Anbindung muss aber auch für Fußgänger attraktiv sein. Die Twistedener Straße sollte bis zur Ampelkreuzung umgestaltet und verkehrsberuhigend geplant werden. In jedem Fall muss der gesamte Bereich fahrradfreundlicher und mit mehr Platz für die Fußgänger ausgestaltet werden. Ich würde es auch begrüßen, wenn zwischen dem St.-Klara-Platz und der Walbecker Straße ein weiterer Bereich mit Aufenthaltsqualität entsteht. Darüber hinaus ist zu prüfen, ob nicht zusätzlich eine fußläufige Anbindung über die Annastraße, Schanzstraße und Schillerstraße Sinn macht.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung rund ums Kaufcenter?
Auch hier gibt es eine aktuelle Entwicklung, auf die, wenn sie denn eintritt, reagiert werden muss. Städtebaulich sinnvoll ist ein Abriss und eine neue Platzgestaltung mit oder ohne (Teil-)Bebauung. Wichtig wäre mir bei einer Umgestaltung eine bessere Verbindung zum Bühnenhaus und zur Begegnungsstätte, und dass die beiden Gebäude in die „erste Reihe“ gerückt werden. Dann müsste aber dem REWE-Supermarkt anderenorts zentral eine attraktive Lösung angeboten werden. Wohin die Reise geht, wird sich in Kürze entscheiden.

Viele Unternehmer würden es begrüßen, wie früher Wirtschaftsförderung und Tourismusförderung in einer GmbH zu vereinen, auch weil dann wieder Erträge aus der Reise- und Hotelvermittlung für Aktivitäten zur Verfügung ständen. Wie sehen Sie das?
Der in der Frage unterstellte Sachverhalt entspricht nicht den Tatsachen. Die Reise- und Hotelvermittlung wurde zu keiner Zeit durch die WfG durchgeführt. Sie erfolgte vielmehr in der Vergangenheit durch den Verkehrsverein. Der Verkehrsverein konnte wiederum nur deshalb Erträge erwirtschaften, weil die Vermittlungstätigkeit durch städtische Mitarbeiterinnen durchgeführt wurde, dem Verkehrsverein im Gegenzug jedoch keine Personalkosten in Rechnung gestellt wurden. Aufgrund einer Änderung des Reiserechts und damit verbundenen deutlich gestiegenen Haftungsanforderungen an den Reisevermittler bzw. Pauschalreisenanbieter hätte der Verkehrsverein nunmehr sowohl eine Insolvenzausfallversicherung sowie eine Veranstalterversicherung abschließen müssen, die das Budget des Verkehrsvereins extrem belastet hätten. Die Stadt konnte die Insolvenzausfallversicherung zu wesentlich günstigeren Konditionen abschließen, die Veranstalterversicherung ist bereits im Versicherungsschutz der GVV enthalten. Im Übrigen hat der Rat die politische Entscheidung vor wenigen Jahren getroffen, die WfG GmbH abzuwickeln. Da halte ich eine „Rolle rückwärts“ nicht für zielführend.

Wie wollen Sie das lokale Einkaufen fördern und wie wollen Sie Leerständen der Ladenlokale begegnen?
Das Einkaufsverhalten vieler Menschen hat sich stark verändert, Vieles wird mittlerweile online bestellt. Das hat auch den Händlern der Kevelaerer Innenstadt massiv geschadet. Im März kamen noch der Lockdown und die gravierenden Auswirkungen der Corona-Pandemie dazu. Seitdem finanziert die Stadt die Aktion „Kevelaer hält zusammen – kauft lokal!“ u.a. mit Plakaten und kurzen Videos. Aber die Pilger und auch viele Tagestouristen, die bei ihren Besuchen Geld in Kevelaer gelassen haben, kommen in diesem Jahr nur zu einem Bruchteil, die Übernachtungszahlen sind dramatisch eingebrochen. In der aktuellen Situation geht es daher zunächst darum, die vorhandenen Geschäftsinhaber und Gastronomen dabei zu unterstützen, diese Ausnahmesituation wirtschaftlich zu überleben. Mit bspw. dem Erlass der Sondernutzungsgebühren in diesem Jahr und mit dem in der vergangenen Woche getroffenen Beschluss, in 2020 noch vier verkaufsoffene Sonntage durchzuführen, ziehen Rat und Verwaltung mit den Unternehmern an einem Strang. Noch hat Kevelaer gegenüber vielen anderen Städten einen Standortvorteil. Wir verfügen immer noch über einen sehr abwechslungsreichen, oft inhabergeführten Einzelhandel und heben uns damit von vielen gleichförmigen Innenstädten ab. Aber die Stadt alleine kann die Innenstadt nicht retten. Ein neues barrierefreies Straßenpflaster und eine Verkehrsberuhigung können helfen, mehr Besucher in die Innenstadt zu locken. Allerdings muss der Branchenmix stimmen und der Leerstand effektiv bekämpft werden. Ein Dialog ist daher nötig mit den Händlern und Gastronomen, aber auch mit den Vermietern. Mancher Leerstand in der Innenstadt ist auch den hohen Mietvorstellungen der Eigentümer geschuldet. Darüber hinaus war schon „vor Corona“ die Diskussion in vollem Gange, wie mit den 1B-Lagen umzugehen ist, Stichwort Umwandlung in Wohnraum, zum Beispiel in der Maasstraße.

 

Mario Maaßen Foto: privat

Halten Sie einen Technischen Beigeordneten für Kevelaer für sinnvoll?
Ich bevorzuge eine Lösung ohne Technischen Beigeordneten, auch wenn an einigen Stellen sicher neuer Schwung entstehen könnte. Die Entwicklung der Stadt hört derzeit an den Grenzen von Kevelaer-Mitte auf – und selbst innerhalb dieser Grenze geht es nicht überall voran. So ist z.B. unverständlich, warum ein Baugebiet wie die Hüls immer noch nicht angelaufen ist. Das Entwässerungsproblem ist seit Jahren bekannt, Grundstücke zur Entwässerung wurden dazugekauft, die Bauparzellen sind mehrfach überzeichnet – doch es passiert nichts. Stattdessen möchte man nun einfach auf andere Flächen (hinter dem Bauhof) ausweichen. Warum? Sicher kein uninteressanter Ansatz, aber sollte man zunächst nicht das Angefangene abschließen? Seien wir ehrlich – eigentlich brauchen wir dafür keinen Beigeordneten, denn die Stadt hat in diesem Bereich sehr gutes Personal, das gefördert und eventuell auch verstärkt werden muss. Und für die „schönen“ Sachen haben wir den Gestaltungsbeirat.

Die Stadt hat vor Jahren Häuser an der Marktstraße für einen Durchstich erworben. Was sind Ihre Pläne für diese Gebäude?
Die Variante Durchstich bekommt bei allen denkbaren Nutzungs- und Strukturkonzepten von mir und der CDU allerdings die wenigsten Punkte – im Rahmen der Umgestaltung des Peter-Plümpe-Platzes haben wir sie nicht mehr thematisiert, da sie verkehrstechnisch kein wirklich zukunftsorientierter Ansatz ist. Stattdessen betrachten wir die Häuserzeile als Potenzialfläche, die durch die Umgestaltung des Peter-Plümpe-Platzes zusätzlich an Bedeutung gewinnt. Hier einen Investor zu finden, der vielleicht im unteren Bereich einen größeren oder gemeinschaftlich genutzten Geschäftsbereich etabliert und im oberen Bereich neuen, zentral gelegenen Wohnraum schafft, würde die Innenstadt und die südlich angrenzenden Bereiche aufwerten und verbinden.

Wie stellen Sie sich die Anbindung der Hüls an die Innenstadt vor?
Die Betriebsamkeit auf der Hüls spricht dafür, dass viele Kevelaerer jeden Alters schon längst eine eigene Anbindung gefunden haben. Aber wir müssen hier noch weitere Verbindungen schaffen. Ich weise auf den CDU-Antrag für die Stadtbuslinie hin, die das Bürgerbus-Netzwerk unterstützen soll. Der Solepark ist dabei für uns eine gesetzte Station, sodass er über das gesamte öffentliche Mobilitätsnetzwerk – das sicherlich noch auszubauen ist – Anschluss an die Innenstadt und Ortschaften bekommt. Darüber hinaus müssen wir Lücken in unserem Radwegenetz schließen, sodass eine vernünftige und sichere Anbindung entsteht.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung rund ums Kaufcenter?
Sie schließt sich logisch an den Umbau des Peter-Plümpe-Platzes und der angrenzenden Straßenbereiche an, denn der Roermonder Platz mit der Antoniuskirche und den sich anschließenden Bereichen, zu denen – nicht zu vergessen – auch das derzeit hinter dem Kaufcenter versteckte Bühnenhaus gehört, ist das südliche Eingangstor zur Innenstadt, das als solches optisch und funktionell aber noch deutlich gewinnen könnte. Vieles ist hier denkbar, von erweiterter Platzgestaltung über Verwaltungssitz und Einzelhandel bis hin zu Wohnungsbau, aber wir dürfen dabei auch die innerstädtische Nahversorgung nicht aus dem Auge verlieren. Das Kauf-Center mag nach heutigen Maßstäben nicht mehr up to date sein, aber es ist ein starker Magnet, der immer noch als Frequenzbringer Menschen in die Innenstadt zieht.

Viele Unternehmer würden es begrüßen, wie früher Wirtschaftsförderung und Tourismusförderung in einer GmbH zu vereinen, auch weil dann wieder Erträge aus der Reise- und Hotelvermittlung für Aktivitäten zur Verfügung ständen. Wie sehen Sie das?
Mit Unternehmer sind hier sicherlich die Einzelhändler und das Gastrogewerbe in der Innenstadt gemeint – für sie kann ich gut nachvollziehen, dass eine Veränderung und vor allem eine weitere Vernetzung stattfinden soll. Wir haben bereits einen guten Wirtschaftsförderer, dem wir allerdings den nötigen Freiraum und das entsprechende Werkzeug zur Verfügung stellen müssen. Nicht nur in der Innenstadt. Ich für meine Person würde hier als Bürgermeister eine zentrale Aufgabe auch für mich sehen. Wirtschaftsförderung sollte Chefsache sein.

Wie wollen Sie das lokale Einkaufen fördern und wie wollen Sie Leerständen der Ladenlokale begegnen?
Die Umgestaltung des Peter-Plümpe-Platzes, schon unter Dr. Stibi initiiert, ist keineswegs der erste, aber sicher ein wesentlicher Schritt, um die Innenstadt zukunftsfit zu machen. Sie schließt den inneren Ring der zentralen Einkaufsstraßen und schafft neue, attraktive städtische Räume, die Kevelaer als Einkaufs- und Besucherstadt gut zu Gesicht stehen. Und je attraktiver und lebendiger unsere Innenstadt ist, desto mehr Besucher und Käufer zieht sie an.
Die Geschäftsleute selbst müssen wir gerade in und nach der Corona-Krise weiter eng begleiten. Sie stärken und fördern, wenn sie neue Wege ausprobieren und die notwendige Infrastruktur bereitstellen, die sie als Grundlage für erfolgreiches Wirtschaften brauchen. Das gilt natürlich auch für die Ortschaften. Eine funktionierende Nahversorgung ist ein großes Stück Lebensqualität, doch wie vielerorts auf dem Land stehen auch wir hier vor großen Herausforderungen. Kervenheim und Wetten kennen die Probleme längst. Hier müssen wir dauerhafte Lösungen finden, die von den Bürgern mitgetragen und unterstützt werden. Wir müssen Vermarktungskonzepte heimischer Erzeuger und Händler wie z.B. lokale Lieferdienste und zusätzliche regelmäßige Einkaufsmöglichkeiten wie Feierabendmärkte unterstützen und den Wunsch, „Von hier“ zu kaufen, fest in den Köpfen verankern.
Weiterhin kämpfen wir für außerordentliche Sonntagsöffnungszeiten für Kevelaer. Bereits im März des Jahres haben wir daher Professor Dr. Pinkwart als zuständigen Landesminister angeschrieben und hier um eine Ausnahmeregelung gebeten. Mit einem Runderlass vom 14.07.2020 wurden zumindest vier weitere „Verkaufsoffene Sonntage“ ohne norminierten Sachgrund ermöglicht. Unsere Hartnäckigkeit hat sich auch hier einmal wieder bewährt.

 

Debatte mit den Kandidaten fürs Bürgermeisteramt

Am Sonntag, 13. September 2020, sind in Nordrhein-Westfalen wieder Kommunalwahlen. Der Termin gilt inzwischen als definitiv, nachdem das Landesverfassungsgericht eine Beschwerde gegen die Durchführung angewiesen hat.

In Kevelaer wird an diesem Tag neben den Mitgliedern des Stadtrats auch der künftige Bürgermeister gewählt. Bislang haben zwei Personen ihre Kandidatur mitgeteilt: Amtsinhaber Dr. Dominik Pichler (SPD) möchte aus dem Amt heraus überparteilich in die Verlängerung gehen und hat dafür die Unterstützung seiner Partei, der KBV, der Grünen und der FDP.

Sein Herausforderer ist Mario Maaßen von der CDU. Bei einer ersten nicht-repräsentativen Umfrage des Kevelaerer Blattes mit rund 700 Teilnehmern sprachen sich dementsprechend auch 70 Prozent der Befragten für den Amtsinhaber aus. Als Partei erhielt die CDU 37 Prozent der Stimmen.

Noch haben die Wählerinnen und Wähler der Wallfahrtsstadt jedoch Zeit, sich ihre Meinung über die beiden Kandidaten zu bilden. Um dies zu unterstützen, organisiert das Kevelaerer Blatt am Dienstag, 11. August, ab 19.30 Uhr eine Podiumsdebatte im Forum der Öffentlichen Begegnungsstätte. Bedingt durch die Pandemie werden vor Ort nur 25 Zuhörerinnen und Zuhörer teilnehmen können und ihre Frage an Dominik Pichler und Mario Maaßen richten dürfen.

Jetzt bewerben und live dabei sein

Wenn Sie live dabei sein möchten, schreiben Sie uns jetzt an redaktion@kevelaerer-blatt.de mit dem Betreff „Kommunalwahl“ oder benachrichtigen Sie uns per Postkarte oder Telefon. Unter allen Bewerbungen verlosen wir die 25 Plätze im Forum.

Wer Lospech hat oder aus terminlichen Gründen nicht vor Ort dabei sein kann, ist dennoch herzlich eingeladen, uns stattdessen ab sofort Fragen an die Kandidaten per E-Mail oder Postkarte zukommen zu lassen. Die Antworten der Bürgermeisterkandidaten lesen Sie natürlich wie gewohnt in Ihrem Kevelaerer Blatt!

KBV unterstützt Dominik Pichler

Nach der Vorstellung der beiden Bürgermeisterkandidaten Mario Maaßen und Dr. Dominik Pichler hat sich die Kevelaerer Bürgervereinigung e.V. (KBV) nach einer ausführlichen Diskussion mehrheitlich für die Unterstützung des amtierenden Bürgermeisters ausgesprochen. Ausschlaggebend für die Entscheidung der KBV für Pichler war die Bewertung seiner Arbeit in den vergangenen Jahren.

„Seinem Versprechen, ein überparteilicher Bürgermeister zu sein, ist er weitgehend nachgekommen. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, war die Zusammenarbeit fair und von gegenseitigem Respekt getragen“, heißt es seitens der KBV. Vorschläge und Anträge der anderen Fraktionen hätten früher kaum eine Chance gehabt. Aufgrund der fehlenden eigenen Mehrheit des Bürgermeisters sei dies in den vergangenen Jahren anders gewesen und habe dazu geführt, dass Dominik Pichler alle Fraktionen stärker in die Entscheidungsfindung einbinden musste, so die Bürgervereinigung. „Damit waren einsame Entscheidungen früherer Bürgermeister oder der damaligen Mehrheitspartei nicht mehr möglich. Dies war – und kann auch in den kommenden fünf Jahren – ein deutlicher Gewinn für demokratische Entscheidungen im Rat der Wallfahrtsstadt Kevelaer sein“, so die KBV weiter.

In diesem Zusammenhang dürfe nicht unerwähnt bleiben, dass die CDU lange Zeit keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten habe aufstellen wollen, weil man mit der Arbeit des amtierenden Bürgermeisters durchaus zufrieden gewesen sei. Dies sei erst in der Aufstellungsversammlung Anfang des Jahres geändert worden, was zum Ausscheiden des CDU-Fraktionsvorsitzenden Paul Schaffers aus dem Rat der Wallfahrtsstadt Kevelaer geführt habe, führt die KBV weiter aus.

FDP in Kevelaer spricht sich für Pichler aus

Bürgermeister Dr. Dominik Pichler Foto: Gerry Seybert

Die Freien Demokraten in der Wallfahrtsstadt Kevelaer haben sich festgelegt: Mit deutlicher Mehrheit sprach sich die Mitgliederversammlung der FDP für den bisherigen Bürgermeister Dr. Dominik Pichler aus. Bereits vor einiger Zeit hatten die Liberalen die beiden Bürgermeisterkandidaten Mario Maaßen (tritt für die CDU an) und Dr. Dominik Pichler (tritt aus dem Amt heraus an), zu einer Vorstellungs- und Diskussionsrunde eingeladen und getrennt voneinander befragt. Nun steht das Ergebnis fest, die Liberalen haben sich für Dominik Pichler entschieden.

“Mit der Empfehlung von Dominik Pichler fahren wir in Kevelaer ein ähnliches Konzept wie auch schon bei der Landratskandidatur auf Kreisebene: Wir unterstützen einen überparteilichen Kandidaten, ohne dass es zu einer irgendwie gearteten Kooperation zwischen den unterstützenden Parteien kommen wird”, erläutert FDP-Vorsitzender Jan Itrich die Positionierung seines Ortsverbandes.

“Mit der Kandidatur von Mario Maaßen war klar, dass wir uns als FDP zu der Bürgermeister-Frage positionieren müssen, auch wenn wir keinen eigenen Kandidaten aufstellen”, führt Fraktionsvorsitzender Jürgen Hendricks aus. “Mit Dominik Pichler haben wir einen Bürgermeister, mit dem wir zwar nicht immer einer Meinung waren, den wir aber immer als fairen Moderator wahrgenommen haben, der versucht über Parteigrenzen hinweg für Mehrheiten zu werben”, so Itrich. “An Dominik Pichler gefällt mir, dass er eine klare Vorstellung hat, wo er mit Kevelaer hin möchte. Das muss man nicht alles im Detail gut finden, aber mir ist eine klare und offene Haltung lieber, als jemand, dessen Überzeugung nicht klar wird und dessen Aussagen im Nebulösen liegen.”, schließt Hendricks.

Dominik Pichler, der aus dem Amt heraus zur Wiederwahl kandidiert, kann nun neben der SPD und den Grünen auch die Freien Demokraten hinter sich vereinen.

Ein Kandidat mit Führungsqualitäten

So sehr die Aufstellungsversammlung der Kevelaerer CDU auch mit Spannung erwartet worden war, so klar und zielgerichtet entschieden sich die 69 anwesenden stimmberechtigten CDU-Mitglieder schließlich. Denn neben der Vorstellung der Anwärterinnen und Anwärter auf ein Ratsmandat ging es in der Versammlung am Dienstagabend im Bühnenhaus auch um die Frage, ob und in welchem Umfang der vom Parteivorstand vorgeschlagene Bürgermeisterkandidat auf die Unterstützung an der Basis rechnen kann. Mit 66 Stimmen bei drei Enthaltungen wählten sie Mario Maaßen zu ihrem Kandidaten für das Bürgermeisteramt der Wallfahrtsstadt.

Die CDU-Mitglieder tagten im Konzert- und Bühnenhaus der Wallfahrtsstadt. Foto: nick

Vergessen schien die Zeit Mitte März, in der die Partei eine komplette Kehrtwende vollzog und die Mitglieder den damaligen Vorstand um Paul Schaffers in seine Schranken verwiesen (das KB berichtete). Nachdem Schaffers zurückgetreten war und sein Ratsmandat niederlegte, habe der neue Vorstand um Michael Kamps den Blick nach vorn gerichtet und widmete sich dem Auftrag der Basis, einen Kandidaten zu finden, erinnerte der Parteivorsitzende. Er würdigte aber auch die Verdienste Schaffers‘, der, wie einige andere bekannte CDU-Mitglieder auch, bei der Versammlung nicht anwesend war. Kamps gab der Hoffnung Ausdruck, Schaffers bei der nächsten Mitgliederversammlung wieder begrüßen zu dürfen, um sich für sein Engagement gebührend bedanken zu können. Die Mitglieder applaudierten.

In seiner Vorstellungsrede zeigte Mario Maaßen dann, dass er es ernst meint mit seiner Kandidatur: Man hätte in der Vergangenheit „bei einigen Aspekten auch deutlicher Kante zeigen können“, gab er sich kritisch in Richtung der eigenen Partei, um dann gleich die ersten Wahlkampf-Pfeile in Richtung des amtierenden Bürgermeisters Dominik Pichler abzuschießen. Dem habe man es damit nämlich zu leicht gemacht. Pichler vereinnahme die medienwirksamen Themen für sich, obwohl die CDU die Projekte angestoßen und maßgeblich vorangetrieben habe. Als „letzte große Volkspartei“ biete die CDU „Meinungsvielfalt“, erklärte Maaßen. Dass Dominik Pichler als Bürgermeister aus dem Amt antrete, ohne sich klar zu seiner politischen Couleur zu bekennen, mute dagegen „seltsam“ an, findet der CDU-Bewerber.

„Fingerspitzengefühl und Empathie“ zeichneten ihn selbst aus, sagte Maaßen, aber auch „Gestaltungswille“ und ein Gespür für den Wunsch der Kevelaerer nach Kontinuität, Verlässlichkeit und Sicherheit. Er wolle als Leiter der Verwaltung „den passenden Ton angeben, dann kann auch unsere Verwaltung mehr, als sie unter der derzeitigen Leitung zeigt“, ist er überzeugt.

Nach seiner mit viel Applaus bedachten Vorstellungsrede wurde er einstimmig zum Kandidaten gewählt.

Danach ging‘s ums „Team“, die Ratskandidatinnen und -kandidaten, und am Rande wurde es dann doch noch kurz spannend: CDU-Mitglied und KB-Herausgeber Rudi Beerden hatte schon am Tag zuvor den Parteivorstand über seine Bedenken gegenüber einer erneuten Kandidatur des Ratsherrn Jörg Ambroz informiert und bat nun auch bei der Aufstellungsversammlung die Christdemokraten, von einer Aufstellung abzusehen, weil eine Kandidatur mit den Grundwerten der Partei nicht zu vereinbaren sei. Ambroz erhielt Gelegenheit zur Gegenrede, verwies auf die positiven Beurteilungen seiner beruflichen Karriere im Polizeidienst und war damit letztlich erfolgreich: 58 stimmberechtigte Mitglieder sprachen sich für seine Kandidatur aus, acht dagegen, zwei enthielten sich der Stimme.

Mario Maaßen
Mario Maaßen ist 53 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Er wohnt auf Klinkenberg.

In der CDU ist er stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbandes Kevelaer Mitte.

Er ist Mitglied des Rates der Wallfahrtsstadt Kevelaer, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und stellvertretender Bürgermeister. Beruflich ist er bei der Bundespolizei und leitet er nach mehreren Auslandsaufenthlten das Bundespolizeirevier Kempen.

Ratskandidaten
Folgende CDU-Mitglieder wurden in der Versammlung gewählt und kandidieren für ein Ratsmandat:
Hans-Georg Knechten
Hubert van Meegen
Ellen Mietz
Michael Kamps
Christian Ripkens
Mario Maaßen
Theo Terlinden
Jörg Ambroz
Dr. Jutta Bückendorf
Sven Ambroz
Klaus Hendrix
Guido Küppers
Franz Kolmans
Burkhard Bonse
Erich Reiser
Martin Schmidt
Martin Brandts

Vom Macher zum Krisen-Manager

Dominik Pichler blickt einmal mehr auf sein Mobiltelefon. E-Mails, Nachrichten, Social-Media. Anordnungen, Nachrichten, Reaktionen auf seine Videos in den „Kävels News“ auf der Internetseite des Kevelaerer Blatts. „Ich hoffe, wir kommen jetzt in ein etwas ruhigeres Fahrwasser“, sagt Kevelaers Bürgermeister, dessen Alltagsabläufe sich in den vergangenen Wochen radikal geändert haben. Er ist vom Macher zum Krisen-Manager geworden.

Auch auf dem Terminplan des Bürgermeisters sind alle öffentlichen Termine weggebrochen. Keine Besuche bei älteren Menschen, keine Heimatabende, keine Versammlungen der Freiwilligen Feuerwehren. Keine Ausschuss- und Ratssitzungen. Eigentlich müsste der Terminkalender doch leer sein, oder?

Keineswegs! Es sind ganz andere Termine hinzugekommen: „In den vergangenen Wochen hat der Krisenstab der Verwaltung beinahe täglich die aktuelle Lage beraten“, sagt Pichler. Und die Dynamik der Ereignisse hat auch die Kevelaerer Verwaltung oftmals überholt, blickt der Bürgermeister zurück: „Da haben wir uns lange darüber Gedanken gemacht, wie wir in unserer Wallfahrtsstadt mit dem Thema Gottesdienste umgehen wollen“, erinnert er sich, dass er nach einem Treffen mit den Kirchenspitzen Kevelaers die Kollegen in der Verwaltung informierte und die Pläne mit dem Krisenstab anpasste. „Keine drei Stunden später kam die Entscheidung des Bistums.“ Gottesdienste sollten nur noch ohne Besucher gefeiert werden. Ein wenig wirkt das wirklich so, als ob die Verwaltung von den „Veränderungen von oben“, wie Pichler sie nennt, regelmäßig überholt worden wäre. Blinder Aktionismus also? Nein, meint der Chef der Verwaltung. Nichtstun wäre sicherlich keine Alternative gewesen.

Kein eigenes Süppchen bei den Eisdielen

Dr. Dominik Pichler

Dr. Dominik Pichler

Gegen eine „Panikstimmung“ in der Verwaltung spricht auch eine andere Neuerung, die dem Ersten Bürger der Wallfahrtsstadt wichtig ist: der intensive Austausch mit seinen Bürgermeisterkollegen und dem Landrat des Kreises, erst in persönlichen Treffen in Kleve und Kevelaer, inzwischen per Telefon- oder Videokonferenz. „16 plus Eins“, nennt er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Konferenzen. Hört sich irgenwie ein bisschen an wie „G8“. „Und alle sind es gewohnt, etwas zu sagen zu haben“, kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Aber man lerne voneinander, nicht jeder müsse das Rad für sich neu erfinden. Und es wäre falsch, wenn da jeder sein eigenes Süppchen kochen würde. Wie etwa bei den Eisdielen, erinnert er sich, dass Kevelaer da schnell nachgebessert habe, als sich die Abhol-Regelung in anderen Kommunen als praktikabel erwiesen habe. Mittlerweile darf man auch in Kevelaer verpacktes Eis an der Diele abholen – aber wie bei Restaurants und Imbissen im Umkreis von 50 Metern nicht verzehren!

Auch der direkte Kontakt zu den Fraktionsvorsitzenden der Rats-Parteien sei ihm wichtig, sagt der Bürgermeister in diesem Zusammenhang und erinnert damit etwa an die Absprachen zu den Kita- und OGS-Beiträgen. Auch hier wurden Verwaltungschef und Fraktionsspitzen mittlerweile durch eine Einigung des Landes und der kommunalen Spitzenverbände überholt. „Wir hatten an eine Lösung gedacht, die finanziell zu 100 Prozent zu Lasten der Kommune gegangen wäre“, erklärt Pichler. Nun teilen sich Eltern, Kommunen und Land die Kosten, übernehmen je ein Drittel.

Interne Umstellungen in der Verwaltung im Rathaus und am Hoogeweg sind ein weiteres Thema, mit dem sich der Verwaltungschef in Krisenzeiten gemeinsam mit dem Stab engster Mitarbeiter beschäftigt. Auch hier gibt‘s teilweise Home-Office, Büros mit Einzelarbeitsplätzen und getrennte Schichten, um unnötige Kontakte zu vermeiden und die Arbeitsfähigkeit auch im Ernstfall zu gewährleisten. Als Beispiel nennt Pichler auch die Stadtwerke, die voneinander unabhängige Teams für die Bereiche Wasser, Abwasser und Stromversorgung eingerichtet haben.

„Der Souverän ist immer noch der Rat“

Wichtig ist Bürgermesiter Dominik Pichler in der Zeit der Corona-Krise auch die Öffentlichkeitsarbeit. Regelmässig trifft er sich mit Ludger Holla und Pressevertretern zum Austausch. Zudem informieren beide Kevelaerer die Pressevertreter sofort, wenn es konkrete Ereignisse gibt, die an die Bevölkerung weitergegebenwerden sollen.

„Kävels News“ – TV

Regelmäßig informiert Bürgermeister Dominik Pichler die Bürger im “Kävels News TV”.

Und nicht zuletzt wendet sich der Bürgermeister per Videobotschaft immer wieder direkt in den „Kävels News“ persönlich an die Kevelaererinnen und Kevelaerer. Als Kommentar zu Rats- und Ausschussitzungen auf den Internet- und Facebook-Kanälen des Kevelaerer Blattes schon vor längerer Zeit eingeführt, sind diese Botschaften jetzt ein wichtiger Baustein der Öffentlichkeitsarbeit. „Dieses Format musste nicht erst etabliert werden un die Rückmeldungen dazu sind mehrheitlich positiv.“ Das haben mittlerweile auch andere Bürgermeister im Kreis erkannt und tun es Pichler gleich.

Ein Blick des Ersten Bürgers in die Zukunft? „Das käme einem Blick in die Glaskugel gleich“, sagt Pichler, der im übrigen das besonnene Auftreten der Regierungen in Bund und Land lobt. „Ich glaube, die machen einen guten Job.“ Es komme aber jetzt auch darauf an, eine schrittweise Rückführung zur Normalität vorauszuplanen. „Der soziale Friede muss erhalten bleiben. Und ab dem 20. April müssen wir uns langsam zurücktasten.“ Als „gutes Zeichen“ in diese Richtung wertet er, dass die Abi-Prüfungen zwar verschoben worden sind, aber noch in diesem Schuljahr stattfinden sollen. Das Kardinal-von-Galen-Gymnasium habe einen Termin im Bühnenhaus angefragt, um dort die Prüfungen unter entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen durchführen zu können.

In den nächsten Wochen werde man genau beobachten, ob die ergriffenen Maßnahmen die erhoffte Wirkung zeigten – eine möglichst flache Kurve bei den Neuinfizierungen, damit das Gesundheitssystem nicht überfordert werde. Erst dann könne man begründete Entscheidungen zu Veranstaltungen treffen, wie etwa die Kevelaerer Kirmes, die Eröffnung des Solegartens St. Jakob, aber auch die Kulturveranstaltungen im Bühnenhaus, Schützenfeste, die Kirmes in Winnekendonk oder das Ballonfestival.

Den kommenden Sitzungszyklus im Mai wolle man, wenn es irgendwie gehe, gerne aufrecht erhalten. „Der Souverän ist immer noch der Rat“, sagt Pichler, der die Besonnenheit und Kooperation des Stadtparlaments in der Krisenzeit explizit lobt. Es gebe bislang „kein unnötiges Sperrfeuer aus den eigenen Reihen“. Er habe den Eindruck, dass alle bei der Bewältigung der Krise mithelfen wollten. Wie die Sitzungen in der Praxis abgehalten werden können, weiß Pichler noch nicht konkret. Er lässt aber keinen Zweifel daran, dass er von so genannten „Umlaufbeschlüssen“, wie sie derzeit diskutiert werden, wenig hält. Dabei werde die Öffentlichkeit weitestgehend ausgeschlossen, „und die Öffentlichkeit hat, wenn man sich die Ausschüsse und Ratssitzungen in den vergangenen zwei Jahren anschaut, in Kevelaer sehr zugenommen.“ Eher schon kann er sich vorstellen, dass sie die politischen Vetreter mit der Verwaltung im Bühnenhaus treffen. Der Raum ist groß genug und interessierte Bürgerinnn und Bürger könnten von der Empore aus auch zuschauen.

Kein Osterurlaub

Wieder und wieder meldet sich im Laufe des Gesprächs mit dem Kevelaerer Bürgermeister das Mobiltelefon. Ist es schwerer, in solchen Zeiten den Überblick zu behalten? Dominik Pichler verneint. Ja, manchmal gehe er abends ins Rathaus, um sich noch mal in Ruhe durchzulesen, was den Tag über so an Meldungen, An- und Verordnungen im Verwaltungsdeutsch über ihn hereingebrochen sind. Und ein Home-Office habe er sich auch inzwischen eingerichtet. Schon allein, weil er auch mal auf die Kinder aufpasse, wenn seine Frau arbeite oder das Haus verlasse, denn seine Schwiegermutter solle das ja nun derzeit lieber nicht tun. Sagt‘s, zuckt beim Hinweis auf den abgesagten traditionellen Familien-Osterurlaub – Wandern in Berchtesgarden – und das eigentlich geplante Konzert mit dem Familienchor mit den Schultern, blickt wieder aufs Handy und sagt: „Wenn wird das Problem aus der Gemeinschaft heraus gelöst bekommen, dann haben wir gewonnen.“ Er arbeitet dran…

Wird Mario Maaßen Dr. Dominik Pichler herausfordern?

Mario Maaßen wird – wenn es nach dem Vorschlag des Parteivorstands geht – für die Kevelaerer CDU als Bürgermeisterkandidat antreten. Das ist eine der überraschenden Nachrichten der vergangenen Tage, die allesamt auf die Mitgliederversammlung der CDU am Mittwoch vergangener Woche zurückgehen. Die anderen lauten: Paul Schaffers legt nicht nur den Vorsitz des Stadtverbands nieder, sondern auch sein Ratsmandat und damit den Fraktionsvorsitz. Die Fraktion wird künftig von Mario Maaßen geführt, der Stadtverband zunächst kommissarisch vom Vize Michael Kamps.

Auslöser der Ereignisse war die Entscheidung der Mitgliederversammlung darüber, ob die CDU auf einen eigenen Bürgermeisterkandidaten verzichten werde, da die Fraktion mit dem zwar der SPD zugehörigen, aber meist überparteilich agierenden Amtsinhaber Dr. Dominik Pichler bislang produktiv zusammengearbeitet hat. Paul Schaffers hatte in den vergangenen Monaten ebensowenig einen Hehl daraus gemacht, dass er sich weiterhin Pichler gut als Bürgermeister vorstellen könne, wie dieser verhohlen hatte, nicht als SPD-Kandidat, sondern aus dem Amt heraus anzutreten. Dementsprechend hatte der Vorstand für diese Lösung in der Partei geworben.

Rücktritt mit sofortiger Wirkung

„Ich habe mit jedem Einzelnen, der anderer Meinung war, lange gesprochen“, sagt Schaffers im Gespräch mit dem KB. Vor der Mitgliederversammlung habe es dann so ausgesehen, dass rund 70 Prozent der Mitglieder den Vorschlag des Vorstands unterstützen würden. „Auch die Ortsverbandsvorsitzenden waren überrascht“, erinnert sich Schaffers an jenen Mittwoch – denn die Versammlung stimmte mit 43:33 Stimmen gegen den Vorstand und für einen eigenen Kandidaten. Schaffers zog die Konsequenz, die im Vorfeld bekannt war: Er trat mit sofortiger Wirkung von allen Parteifunktionen zurück.

Paul Schaffers legte seine Ämter nieder. Foto: AF

„Ich werde mich nicht mehr in der Partei engagieren, ich habe eine andere Vorstellung von Kommunalpolitik als 43 Mitglieder der CDU“, erklärt Schaffers. Der Twistedener hatte sich nach den Stimmverlusten bei der letzten Kommunalwahl und nach dem Verlust des Bürgermeisteramtes an die SPD als pragmatischer Vermittler bewiesen. Er suchte und fand oft Kompromisse mit anderen Fraktionen und dem Bürgermeister, was dafür sorgte, dass ein ganz neues Miteinander im Rat entstand und in den vergangenen Jahren vieles für Kevelaer erreicht wurde. Diese Linie hätte Schaffers fortsetzen wollen. „Wir haben in der Fraktion viele gute Leute, die vor allem die Stadt und nicht nur die Partei im Blick haben“, lobt Schaffers und unter jenen, die – zumindest bislang – für den nächsten Rat kandidieren wollten, seien zudem viele neue, junge Leute mit der gleichen Einstellung.

Er wollte die Neutralität wahren

„Ich habe fast meine gesamte Freizeit mit der CDU verbracht“, sagt Schaffers mit Blick auf seine Doppelfunktion als Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzender, insbesondere jetzt in der Vorbereitungsphase des Kommunalwahlkampfes. Den Rücktritt bereue er dennoch nicht, wohl aber, dass er, weil er in der Partei seine Neutralität habe wahren wollen, die persönlichen Beziehungen zu den Parteikollegen wenig vertieft habe. Ausdrücklich lobt er das Team im Parteivorstand.

Der hat derweil sein Bestes gegeben, eine Krise abzuwenden. Bereits am Samstag trafen die Vorstandsmitglieder zusammen, um mit Mario Maaßen der Partei einen Bürgermeisterkandidaten vorzuschlagen. Ihn hatte der Vorstand längst im Blick – allerdings erst für die darauf folgende Wahl (siehe dazu das Interview mit Mario Maaßen). Folgerichtig ernannte die Fraktion am Montag Maaßen auch zum Fraktionsvorsitzenden. Der 53‑Jährige ist bereits 1. Stellvertretender Bürgermeister und sei aufgrund seiner langjährigen Ratstätigkeit und seiner leitenden Funktion bei der Bundespolizei bestens für das Amt geeignet, so der CDU-Vorstand. Am 26. März 2020 sollen die Mitglieder entscheiden, ob sie mit ihm in den Wahlkampf gehen wollen.

An Paul Schaffers richtete der Vorstand Worte des Danks: „Auch die CDU-Fraktion bedauert das Ausscheiden von Paul Schaffers zutiefst und bedankt sich bei ihm ausdrücklich für die Arbeit der vergangenen Jahre. Er hat mit seinen politischen Überzeugungen, seinem verbindenden Stil und seiner persönlichen Integrität das Gesicht der CDU Kevelaer nachhaltig geprägt.“ Diese Aufgabe fällt jetzt Maaßen zu.

Mehr zum Thema: https://www.kevelaerer-blatt.de/paul-schaffers-tritt-nach-wahl-niederlage-des-cdu-vorstands-zurueck/