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Hans-Wilhelm Theunissen betreibt den Kevelaerer Bahnhofskiosk. Mit der DB arbeitet er nicht mehr zusammen.

Keine DB-Ferntickets mehr am Bahnhofskiosk

Als ich vor dem Kiosk am Bahnhof auftauche, ist Hans-Wilhelm Theunissen gerade im Begriff, seinen Laden abzuschließen. Er ist zuerst etwas überrascht über den unvermittelten Besuch, aber gerne bereit, zu der Aufklärung etwas beizutragen.

Wenn die Züge nicht wären: Die Kevelaerer könnten mit ihrem Bahnhof zufrieden sein

Bahnhof wird gut bewertet – RE 10 nicht

Der Bahnhof Kevelaer schneidet im „Stationsbericht“ des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr für das Jahr 2020 gar nicht so schlecht ab. In der allgemeinen Bewertung liegt die Kevelaerer Station in der zweithöchsten Stufe und ist damit „ordentlich“. 

Neubau am Bahnhof beginnt

Die erste Jahreshälfte 2020 hatte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Gelderland, Günther Voß, im Dezember 2018 gegenüber dem Kevelaerer Blatt als Ziel genannt für die Eröffnung des Neubaus am Kevelaerer Bahnhof. Dieser Zeitraum ist fast vorbei, doch zumindest die Bauarbeiten haben nun doch noch begonnen. Die Erdraumarbeiten laufen und der Aushub für die Teilunterkellerung steht kurz bevor. Neuer Fertigstellungstermin soll nun in etwa 15 Monaten sein.

„Es war eine lange Zeit des Wartens, der Planungen und der Verschiebungen“, erzählt Voß im Gespräch mit dem KB. Der erste Entwurf damals stieß in der Politik auf Kritik, sollte der Neubau an prominenter Stelle doch ein Flachdach besitzen und vergleichsweise hoch ausfallen. So mancher fand, das werde nicht in die Nachbarschaft passen. Die Lebenshilfe reagiert und ließ den Entwurf anpassen. Die Höhe ist zwar geblieben, doch die neue Dachform führt dazu, dass das Gebäude zuletzt keine weitere Kritik mehr erntete.

Aufwendige Abstimmung

„Das neue Dach bedingt auch eine andere Kurvatur und andere Kosten. Die mussten dann wieder mit NRW-Bank und anderen Kostenträgern abgestimmt werden. Dann wieder gibt es zulässige Quadratmeter-Höchstgrenzen für zwölf Wohnplätze, Brandschutzauflagen ändern sich und müssen abgestimmt werden und währenddessen rennen die Baupreise davon und die Kosten müssen erneut abgestimmt werden…“, beschreibt Voß die vergangenen Monate.

Mit zwölf Plätzen werden das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss als Ersatz für die Lebenshilfe-Einrichtung an der Holbeinstraße dienen. Dort waren die heutigen Anforderungen nicht mehr zu erfüllen, unter anderem was Barrierefreiheit und die Anbindung persönlicher Nasszellen an jede Wohnung betrifft. „Das nachzurüsten wäre genauso teuer gewesen wie der Neubau“, begründet der Chef der Lebenshilfe. Jetzt liegt dieser Teil des Neubauprojektes bei rund 1,6 Millionen Euro Baukosten; hinzu kommen weitere 600.000 Euro für das zweite Obergeschoss, in dem sich vier Appartements für ambulantes betreutes Wohnen befinden werden. Die Aktion Mensch und die Stiftung Wohlfahrtspflege fördern das Vorhaben mit rund 110.000 bzw. 200.000 Euro. Die Lebenshilfe selbst trägt wie in solchen Fällen üblich zehn Prozent der Baukosten und den Grundstückserwerb. Weitere Mittel stammen vom Landschaftsverband Rheinland bzw. aus einem Darlehen der NRW-Bank.

Auf dem Grundstück möchte die Lebenshilfe außerdem einen Sinnesgarten einrichten. Insgesamt ein „schönes und ansehbares Projekt an exponierter Stelle“, freut sich Voß nun auf die Umsetzung. Das alte Gebäude an der Holbeinstraße wird bis zur Fertigstellung des Neubaus weiter benötigt. Daher ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, ob die Lebenshilfe dafür eine Anschlussverwendung finden wird. Die Entscheidung fällt wohl in den kommenden Monaten. Sicher ist für Voß: „Das Gebäude wird weiter sozialen Zwecken dienen.“